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Full text of "Philologus"

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PHILOLOGUS. 



ZEITSCHRIFT 

FÜR 

DAS KLASSISCHE ALTERTHÜM. 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ERNST VOIV LEUTSCH. 



JFunfzehnler *Maiu*ffang* 




VEBLAG DER DIKTKlilCUSCUEIM DUCUUAIIDLDnfO. 
MDCCCLX. 



IS 



INHALT DES FÜNFZEHNTEN JAHRGANGES. 



Pag. 

Homerische excurse. Von A. Kirchhoff 1 

Das od in den kleiciern bei Homer. Von Ernst v. Leutsch 329 

Zu Empedokles. Von H. Stein 143 

Zu den griechischen orukein. Von Fr. Oehler 328 

Zu den Sillographen. Von A. Meineke .... 330 

Das spätere griechische cpos. Jahresbericht von R. Volckmann 303 

Hedvli epigramma. Tractavit C. Volchmur 371 

Erklärungen zu l*iiidar's Epinikien. Von A. Friederichs. ... 30 

Zu Piiidar. Von Ernst rou Leutsch 302 

Beitrag«' zur k'ritik von Aeschylos Aganieinnoii. Von B. Todt . 38 

Aesch. Choeph. vs. 959. Von R, Enijer 266 

Zn Aeschylus Eumen. 328 flgg. Von Th. Bertfk -^46 

Zu Aeschylus Enmeniden. Von B. Todt 205 

Aeschvius und Herodut über den ifd-ovog der gotthcit. Von fV. 

Hoffmann 224 

Zur kritik und erklarung des Sophokles Von fF". Furtwängler . 698 

Soph. Aiac. 257. Von B. Entjer 91 

Soph. Antig. 4. Von Fr. ^Vieseler 474 

Die tragoedien des Sophokles. Jahresbericht von R. Enger . . 92 

Zu den scholicn des Euripides. Von Ernst von Leutsch .... 49 

Aristoph. Nub. 248. 179. Von O. Goram 29. 91 

Zn Menander. Von Ernst v. Leutsch 625 

Gregorios Nazianzenos. Von 3i. Schmidt . . 712 

Ueber den gebrauch von offnf und ocntQ bei Pol^bius. Von Fr. 

Hultseh . 152 

Plutarch. V. Anton. 28. Von C. Folckmar 671 

L'eber das otxtjfxu bei Pausanias. Von Chr. Sehubart 385 

Zar platonischen enchatologie und astronomie. Von Fr. Susemihl 417 

Zu PUt. Apol. Socr. 37 C. Von C. E. Finckh 334 

Die «irdnung der aristotelischen poIitik. Von P Forchhammer . . 50 

Zn Aristotrles Politik. Von Ernst v. Leutsch 434 

Zu Aristoteles. ^ on •/. Bendi.xen .... 164 

Zu lysia«. Von 1/. Satntpe 146 

Zu Lytias reden. Von I*. Forchhammer 'Mi) 

Zu l^ykurgoM. Von E. ßV eidner. 127 

Zu HyperideN cpitaphios. Von A. Schaef'er 150 

Zu llyperides grubiede. Von C ß^olckmar 151 

Zu EibaiiioH. Von .»/. Schmidt .401 

PamphiloR tlxoytf. Eine nolir. für hrn prof. Urlicht. Von L. Merklin 709 
Anaximrni» ars rhrtor. cd. Snengrl, Von //. Funekhaenel . . . 620 

AnaiinirncH rhrtorik. Von //. Sauppe 626 

Drnirtr mQt iQft*iy- Ji 213. Von C. E. Finekh . . .153 

Arintonikot zu lloni Odyst. Von fP. C. Kayser . . 544 

Hr«Yckioii. Von M. Schmidt IM. %\\ 

Ttu ilesyrhiua. Von fr. Letferlotx . . .714 

Suid. ■. tnQvulyivai. Von f. E. Finekh 156 

Zu den grirrhiurhrn glnmiBren. Von Fr. (Dehler 328 

Dir grircbix'lirn Malionutgraininatikrr und Irtirogrnphrn, JntirrR. 

beriebt von M. Schmidt 508 



IV Inlialt. 

Pag. 
W2 



Griechische ioschiifh'n. Von ^i. Kirchhoff 402 

r 

Roe»t 
fVai 



Catoiiiana. Von ß^V. Froehner . 349 

Zu liucretiiis. Von Luc. Mueller 157 

VariMinischc vindicien. Von G. Roever 266 

Lectiones Virgilianae. Von Ph fVagner 351 

Zu Uoraz. Von L. Doederlein ' 352 

Zu Horaz öden. Von P. Forchhainmer 717 

Horat. Epist. 1, 5, 1. Von S. Ohharius 721 

Homerus Latinus. Von Lucian Müller 475 

Der römische Lucanpalimpsest. Von D. Detlef'sen 526 

Die zweite Wiener PeisiushanJschrift. Von J^. Goehel 128 

Die gallischen mauern bei lulius Caesar. Von J. Lattmanii 638 

Caes. B. Gall. III, 12, 1 et Ilom. Od. XII, 105. Scr. U. I. Heller 354 
Zur lehensgeschichte des Cicero. Von Fried. Hoffmann .... 622 

Cic. de orat. I, 29, 132. Von C. Volckmar . .327 

Die philosophischen Schriften Cicero's. Jahresbericht von O.Heine 688 

Zu Salustius. Von ¥V. Fröhner 591 

Zu Licinian. Von AT. Fröhner 302. 6l9 

Ueber die fragmenle des Granius Licinianus. Von J. A. fVynne. 357 

Zu Rutilius Lupus. Von </. Maehly 722 

Quint. Inst. Or. XII, 11, 25 sq. Von Fr. Meisler 725 

Zur Vita Terentii. Von fF. Froehner 50*7 

Zu den lateinischen Inschriften. Von L. Mereklin 697 

Uebersetzungsproben. Von Ad. Schoell 362 

Kritische beitrage. Von A. Meineke ... 137 

Kritische benierkungen. Von A. Meineke 538 

Vermischtes Von M. Schmidt . 540 

De Tocabulis dormiendi graecis. Scr. Chr. Auß. Lobeck .... 135 

Exspecto. Von A. Lentz 68 

Demophon für Demophontis filius u. drgl. Von. J{. Unger ... 37 

Das grab und die todtenfeier des Dionysos. Von Ch. Petersen . 77 

Eos. Von K. Schwenck 577 

Zum troianischen Sagenkreise. Von H. Stichle 592 

Die fünf ephoren in Athen. Von JR. JRauchenstein 703 

Lysander's proscriptionsliste. Von demselben ... .... 338 

Androuikos. Von Ernst v. Leutsch 696 

Hypatia, die tochter Theons. Von Richard Hoche ...... 435 

Die xamataCig der attischen reiterei Von H. Sauppe 69 

Zu den attischen diäteten. Von Telf'y 728 

Eine bisher noch nicht bekannte statuarische nachbildung der Athene 

Parthcnos des Phidias. Von Fr. ßf-^ieseler 540. 736 

Ueber das opus monotriglyphum bei Vitruvius. Von R. Bergau . . . 193 
Ueber eine figur im friese des Parthenon. Von demselben . . . 202 

Auszüge aus Zeitschriften und berichten der gelehrten gesellschaf- 

ten so wie aus Zeitschriften 165. 366. 552. 743 

Bibliographische übersieht. Von G. Schmidt 743 

Index auctorum. Composuit Cr. Teil 763 

Verzeichniss der excerpirlen Zeitschriften u. s.w 769 

Druckfehler 770 



I. ABHANDLUNGEN 



I. 

Homerische excurse. 

Erster excurs. 

Zu Od. 7t y 118 entnimnit Kustuthios uus einer vollstandig-e- 
rcn ') scliolienhandselirift p. 1796 folg^ende beruerkung: iaiiov Öt, 
Ott yetealoyoi/ai Jtoe ftev nat EvQvoÖiag 'Agntiaiov ^ avtou de 
xal XaXxo[ÄBdov(Ji]S AufQtiiv, rov de nai 'AriixXeiug ^ 08vaata^ 
ov xal flijvelon^i TtjXtfia)^ov, aviov de xat IIolvxdaTrjs zijg AV- 
atOQog IltQatntoXir, a>e 'Haiodog' 

Ti^Xtfidxcp ^ aQ ETixrtv tv^^vog IIoXvxdaTtj , 
NhötOQOS onlorurT] xovni} NtjXtjiddEO) ( — dao) 
/ ltQaen{t)oXiv mxOsTaa dia XQ^^i^Vi*' '^(PQodittjv. 
Folvkiwile wini als jüngste tochter des Nestor nur noch einmal, 
und zuar ganz beiläufitr. v, U) \ crwalmt und ucnti es an dieser 
•teile von ihr hcisst: 

toq)Qa de TrjXitJiaxop Xuvatv xuX^ lloXvxdatt/y 
NtaroQog onXoruTtj OvydttjQ NtjXjjiddaOy u. a. w. 
so iflt augensciieinlirh , dans dem dichter der hesiodi»cheo verse 
die angezogene »teile der OdysHee vorgeschwebt hat. Nähere be* 
trarhtung dient nur dazu zu bestätigen , was der augcnschein an 
die band giebt. Jene ganze partie der Odyssee ist das erzeugniif 
einer freien , willkürlich den ütoflf gestaltenden dichtung ohne sa- 
genhaften gehalt, und jener zug innerhalb dcrsclbeu ein neben- 

1) Von unirron Rcbolicnbandirhrirten bietet nur eine (Q) lu die- 
ser ilelle dai durfligo cxccrpl: 'A(ixtiato( hiJ(tvodi(^( nai <"•- ^'r*<>'<.r 
cfi Xttknofitdova^t , Ttihfiä^ov xai iloXvxüartjf. iltQainiokts, 



2 Homerische exciirse. f. 

säcbllcker, nicht irgendwie betonter, den die naive sitte und an- 
schauung- einer älteren zeit ohne absichtlichkeit und in aller Un- 
befangenheit wie von selbst in die dichtung einführte. Davon 
überzeugt der ton, in dem die ganze stelle gehalten ist, jedes ge- 
sunde und natürliche urtheil unmittelbar. Erst eine weit spätere 
zeit, deren sitten decenter, aber auch weniger unbefangen waren, 
konnte die eigene anschauung der ursprünglichen des dichters un- 
terschiebend beim anhören oder lesen der stelle hintergedanken 
hegen. Der sagenbildende trieb, noch nicht erstorben, wirkte ein 
und spann so unter dem einflusse einer moderneren anschauung 
von einem missverstandenen motive ausgehend und dessen that- 
sächlichen und poetischen gehalt verkennend eine neue genealogie 
nach üblichem Schema. Von diesem Pragmatismus der genealogi- 
schen dichtung zur methode der logographischen geschichtsschrei- 
bung war dann, wie man sieht, nur noch ein schritt. Der genea- 
loge zieht auch in unserem falle die ihm nicht zweifelhafte fol- 
gerung aus der ihm die stelle geschichtlicher Überlieferung vertre- 
tenden dichterstelle und belegt die neuigkeit mit einem citate, wie 
der historiker, nur freilich in seiner weise — mit einem poeti- 
schen. Ist aber dieses , wie nicht zu bezweifeln , das innerliche 
und historische verhältniss beider stellen zu einander, so ist da- 
mit auch von dieser seite die thatsache erwiesen , dass dem ge- 
nealogen jene stelle und damit jene ganze partie der Odyssee 
genau bekannt war. 

Merkwürdigerweise gehört nun diese zu denjenigen theilen 
des epos, welche nach meiner ansieht ursprünglich selbständigen 
dichtungen verschiedener Zeiten und Verfasser entlehnt und für 
zwecke der redaktion zum theil gekürzt und überarbeitet erst in 
späterer zeit nach einem bewussten plane der altern epopöe, wel- 
che den nostos d3s Odysseus behandelte, einverleibt worden sind; 
ja, was noch merkwürdiger, derselbe genealoge, welchem unsere 
verse gehören, scheint auch andere jener zusätze gekannt zu haben. 
Um dies in das gehörige licht zu stellen, wird es nöthig sein die 
stelle zunächst auszumitteln, welche jene verse in den genealogischen 
gedichten einnahmen, welche das alterthum dem Hesiodos zuschrieb ^). 
Solcher gab es zwei, die Katdloyoi yvvainmv und die sogenann- 

2) lieber diesen gegenständ ist viel geschrieben und gestritten 
worden. Ich folge im obigen Markscheffel [Hesiodi, Eumeli etc. frag- 
menta. p. 102 ff.), dessen besonnene und klare darstellung im wesent- 
lichen überall das richtige trifft. 



Ilomerisehp excurse. f. 3 

ten *Hoiai fnsydXat, welche seit der alexandrinischen zeit in einer 
Sammlung- vereinig-t waren, welche aus fünf liüchern bestand, der art. 
dass die Kataloge die drei ersten, dieEoen das vierte und fünfte hilde 
ten. Die g-anze Sammlung: pflegte seitdem auch wohl ungenau als die 
,^ataloge" in weiterem sinne bezeichnet zu werden. Die Ökonomie 
beider gedichte war bei übrigens gleicher (genealogischer) tendenz 
doch eine wesentlich verschiedene. Während die Kataloge (im enge- 
ren sinne) eine formell und materiell zusammenhängende genealogie 
der hellenischen stamme, von Prometheus, Deukalion und Hellen 
anhebend, darstellten, führten die „Eöen'' eine reihe einzelner ge- 
nealogieen vor, welche, ohne innerliche beziehung zu einander zu 
haben, rein äusserlich durch den stets gleichen anfang /} oi'/; (wo- 
her der name des ganzen) unter einander verbunden und mit dem 
einleitenden proomium in eine zunächst nur grammatische beziehuns;' 
gesetzt waren. An die spitze einer jeden genealogischen reihe 
waren je eine heroine und ein gott als stamnieltern gestellt. Auf 
diese weise zerfiel das ganze in eine mehrzahi äusserlich und in- 
nerlich scharf gesonderter theile, deren jeden man wohl auch eine 
„Eöe", wie das ganze die „Eöen", zu nennen pflegte. Beide ge- 
dichte schrieb man im alterthum ohne bedenken dem Hesiodos zu 
und wo genealogische fragmente ohne weiteren beisatz einfach 
unter dem namen des Hesiodos citirt werden, ist es demnach meist 
mit Schwierigkeiten verbunden , auszumitteln , welchen von beiden 
gedicliten sie entnommen sind. Dies gilt denn auch von unseren 
versen. iMarkscheifel , auf den ich mich hier allein beziehen kann. 
von der Voraussetzung ausgehend , sie müssten dem zusammen- 
hange eines Verzeichnisses der nachkommen Nestors angehört ha- 
ben, weist sie in das erste buch der Kataloge, in welchem aller- 
dings das stemma der Neliden seine stelle gehabt hat, wie aus 
fr. \M\ Marksch. zu ersehen ist. Allein jene Voraussetzung 
muHS als irrig bezeichnet werden. Jenes 7\)efiuxo) Ä' «(/ trixTn, 
an die spitze gestellt, bringt die person des Telemachos in einen 
gegensatz zu einer anderen, welche begreiflicherweise weder ein 
söhn noch eine tochter des Nestor gewesen sein kann . sondern 
hörliHhiiM, jene \uraussetzung einmal angenommen, der gemahi ei- 
ner anderen tochter des gcrenischen greises. Dann aber bleibt 
die uuNführliche angäbe über abstammung und lierkunfl der Po- 
lykoste , die doch nothwendig vorher schon einmal genannt sein 
muMste, nelien der kahlen bezeirhnung der pemun des Telcmu<'hos 



4 HomeriscYie excurse. I. 

durch blosse naincnnenniing* unerklärlich; der vorausgesetzte Zusam- 
menhang* würde vielmehr das umgekehrte verhältniss nothwendig 
machen. Alle diese ungehörigkeiten vervrandeln sich sofort in 
eben so viele angemessenheiten, wenn wir die fraglichen verse viel- 
mehr einer genealogie des hauses des Odjsseus entnommen den- 
ken, welches die einzige mÖglichkeit , die uns noch übrig bleibt« 
Dann ist Telemachos eine bekannte persönlichkeit, welche nicht 
weiter kenntlich gemacht zu werden braucht, Polykaste dagegen 
die fremde in der familie, deren nationale der dichter nothwendig 
geben muss , des mannes name steht dann mit recht als hauptsa- 
che voran und steht in einem leicht erklärlichen gegensatze zu 
einem anderen gliede "der sippschaft. Leitet nun diese betrach- 
tung mit noth wendigkeit darauf hin , unsere verse einer genealo- 
gie der Akreisiaden angehörig zu setzen , so erwächst zugleich 
daraus die berechtigung alles, was sonst noch unter des Hesiodos 
namen diese sippschaft angehend überliefert wird (und dessen ist 
nicht wenig), uns um dieselben gruppirt zu denken. Zunächst 
darf mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der stamm 
bäum der Akreisiaden, welchen Eustathios nach anleitung seiner 
queller dem citat aus Hesiodos voranschickt, auf rechnung des 
letzteren zu bringen ist. An der spitze desselben stehen Zeus 
und Euryodia, also eine heroine und ein gott, was an sich schon, 
gibt man die zurückführung des Stammbaums auf hesiodische dich- 
tung als quelle als berechtigt zu , nach dem oben bemerkten auf 
die Eöen als diejenige der beiden genealogischen dichtungen , die 
des Hesiodos namen tragen, hinweist, in der das ganze und 
auch unsere verse ihren platz gehabt haben müssen. Wenn fer- 
ner nach Eratosthenes angäbe (bei Strabo 1, p. 23: ' EQatoo&hri^ 
ds ' Halodop fxsv ti}ia(^£i. nEnvüfxivnv nnQt trjg ' OSvaaecog nldvrig 
oti y.uta. ^vAi-liav xa« ^ IzaXiav ytyk'rrjTai^ niatsvaavxa rrj do^rj 
(AT] {lüvov läiv vq' ' O^nriQüv If.yoixeicov (ASfjifJja&ai , dXXä yal 
Aitvrig y.cii, 'Ogrvyiag^ tov ngog JSvgaxovaaig vT^aiov, nai Tvqqtj- 
t^v "OfÄijQOv 8s fx^TS slSsvat tavra. (u'jts ßovXBa&ai Iv yrrngt^Kug 
ronoig noisiv rrjv nldrriv) es keinem zweifei unterliegen kann, 
dass in hesiodischen gedichten die irrfahrten des Odysseus behan- 
delt waren, so werden wir auch diese notiz und was sich an sie 
anschliesst, hierherzuziehen haben. Auf die irrfahrten des Odysseus 
aber beziehen sich augenscheinlich folgende notizen: 

1) Schol. Odyss. i, 198 (vgl. Eustathios p. 1623) // ö' an/)- 



lomerisciie excurse. 



rnatg n^ot; ' Haiodof Xkyotza rov Md()03ra (hat Oivmnlmroi; lov 
Jiopvaov — nämlich bei g-elegenheit des abenteuers bei den Ki- 
konen. 

2) Schol. Apolloii. Rhod. 111, 311 ^xoXovO^tjaev 'Ano'kXajvtog 
TOig xara xo TvnatpiHOv ntXayog vrtotiOtfinoig zr^v ^ Üdvaa^mg rrXd- 
prjv^ (üp ttQXfjyog ' Haiodog xaTOpxrjxevai Xt'ycop Kigytjv ip rq) ngo- 
€iQtjfie*q> neldyei — und g-leich darauf: g57^(Ti dh ' AnoXXooviog 
' Hai6d(p snofiepos i^t '^ov uQfiatog toi 'fIXiov tig i^p xatd 
TvQQtjpiap x€ifisvi]p tr^aop rrjp Kigxtjp iX&sipf 

S) Derselbe zu IV, 892 xaXfjp '/4rOefi6saaap: jJxoJoi/- 
OrjOSP ' H(Jiod(p ovtcog opo^u^opti zijp pfjGov joqp ^siQtjvojp' 

p^aop ig ^ j4p&8ft6ecaap f Ua aqiiat dööxs Kgnriojr. 
otüftaza de avtätv OsX^ioTrtj /) QsXhpotj , MoXnrjy ' ^yXaoqxapog. 
Ferner Schol. Odyss. fi, 168 stTtv&sp ' Hcioöog xa) lovg dit'ftovg 
OdXyatp avtdg {j(tg ^EiQfjrag) l'gp//. 

4) Schol. Apoll. Rhod. IV, 828 ' ^xovüikaog (I^ogxvpog xai 
' Exuzrjg T/jp 2^xvXXap Xtyetf "Ofiijgog de ov/^ 'Exdzijp, dXXd Kgd' 
ratip. dfiq)OJf'goig ovp ^^noXXcopiog xazrjxnXovOijasp. ip de juig 
fABynlatg ' HoUig fl^ogßupTog xal * Exdt^g t) 2^xvXXa. 

5) Schol. Odyss. a, 85. 'fiyvyirjp] ip rrj xat ' ^ptifxaxop 
'fiyvXir^p ygdcptJui. öiftq-fgovai de n'i ronoi. ijjp iabv ydg ' Siyvyiap 
iptog ihai ngog eanigap 'Haiodog q^rjcif r^p de "^yvXop i^ioi 
* SlyvXlap xatn Kgr/JTjp qaal xeiaOai. Xsyetai de opOfAarixöäg rj 
KaXvipovß pJ/nog '). 

6) Schul. Odyss. //, 54 'Haiodog de ddeXqitjp *^Xxip6ov rrjp 
'j4gTjtrjp vniXafiep. 

Ist diese combinution iniiiii;, wie icli iii«iii zwcillc, no cr- 
giebt sich aus nr. 4 mit völlig'cr Sicherheit, dass wir es in der 
that mit dem inhalte einer Köe zu thun haben ^). Ferner ist au« 

3) So, gUube ich, wird die sttilla zu schreiben sein. In den 
handtrhriflen herrscht grosse terwirrung. Die voncdiger bietet: fy rr, 
xaru roy 'A. — ngui ianigtty, lijy (U 'iLyvXiuy xnm Kgijnjy 'Hciodöi (f»jat 
xM9at. kiytrat — y^an^ , die harle^schc: (y rp -- ygruftt — 'Slyvyitjy 
iyjoi ianigny, r^v J* hgt^njy , d;inarh Ton zweiter band: *Haiod6( ifii<n 
x*ia9n$ lity tf'uiyvXoy ^J tuynktj y^anjy rtjy 6i oX xnvXovi xttXovaty, die nfalzer 
ty trf — ianigay , T/fy <fi - Kgijirjy 'Haiotföf fffjai x#i(T.9»» rity d' utyvXtoy 
fjj' tüytXt]. y^ßoy Ji lavftjy ol Xfi'' • ^"'- laiy, die mailiindur: iy tf^ — 
ianigay, rr,y tft -- hQrjtijy mit \n dei« folgenden. 

4) Vielleicht, aber i>ijrh nui Ijt, int auch das fr. <'XXX hei 

MarkarbrITel hierher lu ziehen, wo vn rem Autoljkoa, dem groasTsler 
H«'9 Od^rnaeuft von mütterlicher seite« heiist: 

nrn M X'Q**^ Xaßtaxiy, ati^tka näytu ti&tmttp. 



6 Iloiuerische exciirse. I. 

der obig-eii zusamiuenstelluug ersichtlich, dass die darstellung- der irr- 
t'ahrteii des Odysseus in dieserEÖe im wesentlichen mit derjenigen ge- 
nau übereinstimmte, welche die apologe der Odyssee in ihrer jetzt 
vorliegenden redaktion darbieten, ein umstand, der meine ansieht von 
der genesis dieser redaktion als begründet vorausgesetzt, zu der wei- 
teren annähme nöthigt, dass der dichter der Eöe diejenige recension 
der homerischen Odyssee benutzt habe, welcher jener ansieht nach 
diese erweiterte redaktion der apologe in dieser ihrer besonderen ge- 
staltung eigenthümli«h ist. Nimmt man hinzu, dass nach dem zu 
anfang gesagten dem dichter derselben EÖe unzweifelhaft auch an- 
dere theile unserer heutigen Odyssee bekannt waren, welche ich 
gleichfalls als erst durch jene recension dem verbände des epos 
einverleibt betrachte, so wird man zugestehen müssen, dass ich 
von meinem Standpunkte aus vollkommen zu der behauptung be- 
rechtigt bin, dass die behandelte EÖe die kenntniss dessen noth- 
wendig voraussetze, was ich die „jüngere bearbeitung" des epos 
genannt habe. Noch weiter führt uns ein genaueres eingehen 
auf den inhalt von nr. 6. Hiernach bezeichnete unsere Eöe Alki- 
noos und Arete als geschwister, während der text unserer Odys- 
see sie in der genealogie i], 54 ff. vaterbruder und brudertoch- 
ter sein lässt, eine abweichung, die zu bemerken wir uns begnü- 
gen müssten, hübe nicht merkwürdigerweise jene genealogie mit 
den versen an: 

r w V av r av , oi n e q r s xov ^ AXv. iv o o v ß a a i X rj a. 
Der ausdruck ist so gestellt, dass jeder unbefangene leser oder 
hÖrer zunächst glauben muss, Alkinoos und Arete sollen als ge- 
sehwister bezeichnet werden ; der nun folgende Stammbaum belehrt 
ihn freilich nach einiger zeit eines anderen, dient aber nur dazu, 
die unangemessenheit des oben gewählten ausdruckes, die in sei- 
ner augenfälligen Zweideutigkeit besteht, ihm recht fühlbar zu ma- 
chen. Freilich müsste es nun ein sehr flüchtiger leser oder hörer 
sein, der trotz der späteren belehrung bei der anfangs allerdings 
sich nothwendig aufdrängenden auffassung jener beiden verse be- 
harren wollte; allein, eben weil es sich kaum schicken will, dem 
dichter der Eöe eine solche flüchtigkeit zuzutrauen, ist die an- 
nähme unabweisslich , dass derselbe zwar jene verse, nicht aber 
den daran sich anschliessenden Stammbaum gekannt hat. An ei- 
nem anderen orte habe ich zunächst nur behauptungsweise das 



Hnmerische cxcarse. I. 7 

resultat darg^estellt , welches sich aus der coinbiuation dieser that- 
sache mit anderen in betracht küinmenden mumenten für die be- 
urtheilung des Verhältnisses jener homerischen stelle zum ursprüng- 
lichen texte mit Wahrscheinlichkeit erg-iebt, und enthalte mich hier 
einer näheren auseinandersetzung' , da die thatsache an sich für 
meinen g-egenwärtig-en zweck von keinem belange ist ^). 

Darf es nun aber als gesichertes ergebniss der angestellten 
erörterung betrachtet werden , dass die jüngere bearbeitung der 
Odyssee, d. h. die jetzt uns vorliegende recension des epos , dem 
dichter der Eöen bekannt gewesen und so von ihm benutzt wor- 
den ist, so gewinnt die frage nach der entstehungszeit dieser 
dichtung für die geschichte des homerischen epos ein eigenthüm- 
liches Interesse, insofern durch beantwortung derselben für letz- 
tere ein chronologisches datum gewonnen sein würde. Schon 
Markscheffel hat auf den punkt aufmerksam gemacht, von dem 
aus eine annähernde bestimmung des fraglichen Zeitpunktes mit 
Sicherheit gewonnen werden kann (p. 136). Er weist nämlich 
darauf hin, dass die eine der Eöen offenbar die eine der grün- 
dungssagen von Kyrenc behandelte, die fabcl von der thessali- 
sehen Kyrene nämlich, der geliebten des Apollo, die von diesem 
nach Libyen entführt wurde und dort von ihm mutter des Ari- 
stäos wurde (fr. CXLIII. CXLIV M.). Er hätte hinzufügen kön- 
nen, dass auch die andere sage, welche auf die gründung Ky- 
rene's bezug hat und deren held bekanntlich der Argofahrer Eu- 
phemos ist, den inhalt einer andern Eöe gebildet hat. Da dieser 
punkt, der immerhin von einiger Wichtigkeit ist, von ihm nicht 
in das gehörige licht gestellt worden ist, so verweile ich hei ihm 
etwas länger. 

In fr. CXLV bei Markscheffel ist uns der anfang einer Eöe 
erhalten, welche von einer heroine Mekionike anhebt, als deren Va- 
terland das böütische llyria, der alte sitz des niinyeischcn Stammes. 

5) Ich halt«* jpttl diejenige aufTaitKuiig für dio richtige, welrbt» 
Vorwort p. xvii in der anmorkunK angod««ulet in{. Danach rührt da* 
i'iri*rhiebii(M 17, 18— H3 vom bonrheit<>r her, drr da» abweichende moliv 
dcrjcnJKen älteren dirhtiiiig, der er aeiuo ziisäl/e nr. 4 und 9 enlnnhiu 
und der er den »ton* xu nr. 7 enllebnte. mit der d.irstellung des allen 
noatoa ferhindfri wollte. Jene» gedieht liena nämlich dun Odyaseua 
nirht durch .Naunikaa , wie der alte nuiilos, mindern durrh Athene in 
eigener pemnn in die «ladt zum Alkinoo* geleiten. Doch muRoen tun. 
79 — 81 und auch ▼». 56 ti8, weit jünger aU die beaiodiarhen Eöen, 
ala attiarhe Interpolationen helrachtüt werden. Natürlich gehört dann 
auch Y. 320—23 dem bearheitvr. 



g Homerische excurse. l. 

und als deren solin vom Poseidon Euphemos bezeichnet wird, nach 
dem zeugniss des scholiasten, dem wir die notiz verdanken, eben 
der bekannte Argofahrer, derselbe dessen rühm Pindaros im vierten 
pythischen siegesliede singt, obwohl er ihm eine andere mutter 
giebt. Nun findet sicli unter den hesiodischen fragmenten eine 
ganze anzahl, theils nach ausdrücklichem zeugniss der gewährs- 
männer den Eöen entnommen, theils ohne nähere angäbe ihrer Zu- 
gehörigkeit, welche auf die argonautenfahrt und was damit in 
Verbindung steht, bezug haben und die ich um so weniger be- 
denken trage dem verbände gerade unserer EÖe zuzuweisen, als 
in derselben nach dem obigen ohne zweifei diese dinge wenig- 
stens berührt waren und der nachweis, dass an einer anderen 
stelle hesiodischer gedichte die abenteuer der Argonauten ausführ- 
lich erzählt worden sein, sich nicht führen lässt. Die dieser EÖe 
muthmasslich oder mit Sicherheit zuzuweisenden bruchstücke ordnen 
sich dann auch ungezwungen folgendermassen : 
1. (fr. CXLV M.): '^H oitj ' TQir] TzvxivocpQcov Mtjxiovt'xf], 
y zsHSv E'vcpijuov yoLiriöio^ ivvoaiyuicp 
fjit)(^'d'si6^ iv (pdottjzi TzoXvxQvaov '/4(pQodiri]g, 
Schol. Pind. Pyth. IV, 35 <^i]rehai ö« , 8i' ^v aliiav vnsdg^aro 
trjv ßöoXov 6 Evq)rj(jiog' aal ol fisv (faaiv — ot ds öia ztjv avyye- 
1/Eiav äßqiOTSQOi yctQ Iloasidavos , o ts dovg xul 6 laßcov. 6 8s 
I4a>ilrj7zid8?jg tu iv raig [jisydXaig 'Hoiaig nagaziÜETai 'rj oitj — 
' Aq>Qodittjg\ 

2. (fr. LIX). Schol. Apoll. Rhod. I, 45 ovts V(Ät]Qog ovts 
'Hüfodng ovzs (psgaxvdrjg Xs'yovai zov "lq>ixXoy ovv zoTg ^ Agyo- 
vavzaig. 

3. (fr.CLX.) Schol. Apoll. Rhod. II, 181 TzsTzrjQma&at ds (pivm 
qitjalv 'Hatodog h fxsydlaig'Hoiag, ort (l^gC^cp zrjv oÖbv ifn^wasv. 

4. (fr. CLXI). Schol. Apoll. Rhod. II, 1122 elg tw»- (pgi- 
^ov 7zai8(ov oviog. rovrovg ös 'Hgodcogog qjtjGiv in XalHioTitjg 
rrjg Airjzov ^vyazgog , ^ jiaovadaog 8s aal 'Haio8og iv zaig jue- 
ydlaig 'Hoiaig cpaaiv i^ 'Ioq)(aaat]g ztjg Altizov. aal ovtog fisp 
qiTjGiv avzovg ziaaagag, "Agyov, <Pg6vziv, MiXavUj Kvziamgov, 
' Eni{ASv(8rig 8s nlfinzov Tzgoazi'&fjöt Ugs'aßcava. 

5. (fr. LXVII). Evd^ Ol y evj^söO'tjv y4iptji(p vipifiidovzi. 
Schol. Apoll. Rhod. II, 297 ozi 8s ti'v^avzo ol nsgi Zrjzrjv zco 
Jil GtgaifevzEg, Xsysi Hai 'Haio8og' 'svO"' — v\pi(AE8ovzi . sazi 



Uomerische excurse. I. 9 

yocQ Ahog ogog riji K€(pa).Xrfpiag, onov AivriGtov /jtog Iggov 
ianv. 

6. (fr. LXVIII). Schol. Apoll. Rhod. I. 1. 'AnoXXmviog (xh 
ovp tili' ano(STQi\paaav tovg nsgl Zqtr^v Igtv Xt'yst , 'Halndoi; de 
'Eg^ttjp. 

7. (fr. LXIX). Schol. Apoll. Rhod. II, 296 xard ds 'HaCo- 
dof xal ^ yivTifiaxop yal ^ j4no\X(i)viov ov Htsivorzat (^afAQrxviat.) 

8. ffr. LXV). Apollodoros bibliothek I, 9, 21 Siojxofitvcov di 
Tcör ^ Agnviwv ij fis» xata IlsXonot'rr-jaov Eig 7uv TiygTjv norafiov 
ifintntet. — rdvTtjt Ös ol fih NixoOotjVy oi dV AsXXonovv xaiovmr. 
1} de hega xaXnv^evrj *^xvnitT] (Theogf. v. 267), (og ds srioi 
fixv&otj, ' Haiodog de Xtyei avtrjv 'S^xvTivörjVy uvttj xard 77jv Flgo- 
Ttovrida qievyovaa fif'xQiS ^Eiivddcov rjXfye vjjncop. 

9. (fr. LXXVII). Schol. Apoll. Rhod. IV, 284 'Höioöog de 
dtd fjfdatdog avtovg (tovg * Agyovavtag) elanenXevxbrai (ng ivv 
^dXaaaat) Xiyei. ' Exatniog öe eXfyimv avrov latnnEi ftij ixdt- 
dorm eig jjyi' (fdXaaaav 70v <hdaiv , ovde did Tavdidog enXsvaav 
{ixnXelant Keil), dXXd xutd tov avriv nXovv x«i>' Dv xa\ 

TtniitBOOV ^), 

10. (fr. LXXVIII). Schol. Apoll. Rhod. IV, 259 'Haiodog 
de XU' flivdagog iv UvO^torixaig xai ^ j^vitfin^ng ev /Ivdxi did 
jol 'Sixsufov (fuaiv iX&tiv avrohg (tovg * jägyovavrag) eig vi<- 
ßvTfp xai ßaatdaavzng tijp ^ Any&> elg ro ij^eTennv neXayog y€- 
ptaOai 

I)»-r naii|)i/.ii^ »iiT lauri. «iif uhrrmcliiinü^ iirr srliiillc an Imi- 

phcmoti an der Tritonis, ist zwar als hesiodisch nirg^i'iids aus- 
drücklich ühcriiefrrt, allein nr. 10 herechtig-t nicht nur, sondern 
nöthig't g'erudezu, ihn als vorhanden vorauszusetzen. 

Heide gagen nun sind, wie 0. ]>liiller iiemerkt hat, durch die 
anniedlung'en der Hellenen in Kyrenc hervorgfcrufrn wonlen, folg;- 
lieh nothwendig- spater als diese, d. h. als ol. 37, entstanden und 
ein gedieht, welches jene Ma|^en poetisch iiehandclte, kann nicht 
andern alii emt gferaume zeit noch jener epoche entstunden sein. 

6) Hiermit »limmt ühel dio angäbe ilemielhen srhol. zu t. 259 
Hofl'tiogo^ ty folc 'Agyoyftvtntc ffi^oi d»« r^f «i/r^c tX^tit^ 9aXd<Jtnif , cf» 
f,( r]i.:totf #/c hui.j(ov(' 'hxatninf dt o MiXtja$o( fx lov *l'd(fntoq JuXf^ttt^ 
ti( n'ih' 'Slxtayoy, »l'" »-'»iV/. #«V ruy \t~tXny, »»'.'>#»' tic fi^y ijiitttgny ihnlaa- 
tiny. Tovtn Ji »'» lirfaiQoc r'tt'iinc 'f ria$y tlyat u. l. w. Kl 

»fheinl tu »ehr«) ' . <» MtXijatoi jovc 'Agyoynvrrti (fijai Jtn rijf 

avr^c — Kulj[ovc HQÖtftüQ9< di ip foJ< 'AQyopnvTn^^ h tov *t»ti<nd0^ cfwl- 
thip u. t. w. 



10 Homerische excurse. I. 

Man wird die abfassung- der Eöen also unbedenklich zwischen 
ol. 40 und 50 ansetzen dürfen. 

Somit hätten wir für die g-eschichte des homerischen tex- 
tes ein chronologisches datum von ausreichender Sicherheit gpe- 
wonnen, vorausgesetzt, dass die angezogenen hesiodischen stellen 
wirklich, wie nachzuweisen versucht wurde, den Eöen angehörten. 
Ich will indessen einmal annehmen, letzterer ansatz sei, was ich 
nicht glaube, irrig und die beregten stellen seien den drei biichern 
der Kataloge entnommen ; dennoch hoffe ich zeigen zu können, 
dass unter dieser Voraussetzung der punkt, welcher chronologisch 
zu fixiren versucht wurde, nur unbedeutend sich verschieben 
würde. 

Wenn das alterthum beide gedichte Kataloge wie Eöen, dem 
üesiodos zuschrieb, so folgt daraus freilich nicht, dass beide werke 
desselben dichters gewesen oder auch nur in demselben Zeitalter 
entstanden sind; im gegentheil, die Kataloge können darum eben- 
sowohl älter, als jünger denn die EÖen sein. Dass indessen ihre 
epochen auf keinen fall gar weit von einander liegen, glaube ich 
durch das folgende erweisen zu können. 

l'tt dritten buche der Kataloge war von dem aus der argo- 
nautensage bekannten Phineus und den Ursachen seiner blendung 
die rede: Schol. Apoll. Rhod. II, 181 TzeTTtjQÖoa&ai Ös fpivsa g?/;- 
a}v 'HaioÖog iv fxsydXatg 'Hoiaig (s. oben), ozi (Dgi^qt zijv odov 
ifArjvvaev, iv ös iq) y y-OLialöyo^ ^ Inuhr] xov \icly.qov y^qovov irig 
öxpemg nQOtKQivav. Ausser der blendung aber wird ihm zur strafe, 
von den harpyien in das ungastliche nordland fern von seiner 
heimath, der phönikischen küste, entführt zu werden: Strabo VII, 
p. 302 ' EcpoQog 3' iv tri zsTagiri fi8v ZTJg lazogiag, Evqcotzt} 8' 
imyQuqjOfxsvi] ßißXcp — iTzi zeXsi q)t]aiv shai imv ts uXXoj» 2!xv- 
&WV ^ai imv 2JavQ0fxatöäv tovg ßiovg avofioiovg — sivai ydg zt- 
vag zöjv vofiddoov Zuv&äv ydluxri TQeq)Ofi6vovg inncov ty re 8i' 
naioavvy navtcov öiacpigeiv fxsftvijad^ai 8' avzööv lovg 7zoit]zdg, 
"OfiijQOv fAsv y Xaxzo(pdyo3v dßicov re, 8ixaiot dz (ov av&QW- 
ntov q)riaavTa ttjv yrjv xadogäv zov /JCa, 'HaioSov d' iv xazalo- 
yo3v TOtro) ^) zov (iJirta, vno zöSv ' AQnvi(av uysa&ai ylaKZ ocpd- 

1) Der Überlieferle lest bietet freilich h rtj xakovfxeyt] yrjg nsgio- 
d(p ; allein weder weiss irgend ein anderer autor des alterthums von 
einer solchen diehtung irgend etwas, noch ist überhaupt wahrschein- 
lich, dass es ein hesiodisches gedieht dieses titeis und Inhaltes je 
gegeben habe. Der pseudonjme titel yerdankt vielmehr meiner über- 



Homerische excurse. I. 11 

ya)v BS yaiapj an^vais otxi lyi^ovtcav. Nach dem g'anzen 
Charakter und der tendeiiz der Katalogfe iiiuss aDg-enomnieii wer- 
den , dass diese angaben in der geneaiogie des Phineus und sei- 
ner Sippschaft ihren platz hatten und hierauf leiten auch sonstige 
spuren. Zunächst Schol. Apoll. Rhod. II, 178 *Ayt]voQog yaq 
naig iatif (ö (I^iveii;), (og 'EXXarixog • (Oi; 8e 'Haiodog qttjotv, flioi' 
fixos 70V ^ AyrivoQog xai Kaaatsnsiug. ofioicag de xal ^ AauXtjTnd' 
drjg Hat ^ jä^ri^ay^nq' xal fVeQB'Avd^g (prj6iV — ex de Kaaaienelag 
rijg 'Agdßov (JJoipixi ytvEzai KiXi^ yial fl^ivsvg xal ^oQvxXog xal 
" Arviivog ini'xXijaiv yivsrai de «x /Jiog " AtvfAvog\ und gleich da- 
rauf: 6 8k 'Hötodog jov (Doirixog uvzov {rov fiHvHi) qiTjdi tov 
' AyrjpOQog. Dass diese notiz richtig hierhergezogen wird, lehrt 
zur evidenz Strabo I, p. 42 'Ifaiodug ö' iv nuTuXoyo) qtijai' 
xul xovQijv ^ And(ioio, top ' EQfxdmv andni^ia 
ysifUTO xai Q)Qoriq, xovqtj BtjXoio uraxzog, 
offenbar ein bruchstück gerade dieser genealogie, auf Kassiepeia 
bezüglich, welche nach Pherekydes (s. oben) eine tochter des Ara- 
bos war. Xämlich Phönix hatte vor ihr die Alphesiböa gehabt, 
mit der er den Adonis zeugte: Apollodoros III, 14, 4, 2 'Ilöiodog 
di avjov (top "Adcoptv) fholvixog xa\ ^AXqieaißoiug X^yei. Pro- 
bus zu Virgil Ecl. X, 18 Adonis, u t H e s i o d u s a i t , P h o e- 
n i c i 8 et A 1 p h e s i b o e a e. Tochter desselben Phönix war nach 
der angäbe der hesiodischen gedichte Kuropa, auf deren nacbkom- 
menschaft die folgenden notizen gehen: Schol. ABD II. /i, 292: 
EvQCü/iTjp ttjv fbnivixog Ztvg Oeaadfisvog h titi Xeiftari fieru »Vfi- 
qiöip upOtj dtuXtynvaap tjQdaOtj xul xareXOcop i'jXXa^kP iaviov slg 
Tuv(}Op xul dno tov atOfAatog xqokov envet. ovrmg t« rrjv Evgm- 
nt^p dnuTtjoag ißdatuas xai SianoQOfievaag eig Kqijttjv ffiiytj 
at^Tg • etO* ovtmg avtq)xia8v uiri^p ' AattitiMPi rq) KQrjtmp ßuaiXei. 
yspnfitPtj 08 iyxvog ixiiPtj rgtig naidag iyipftjas , Mlvtüa , 2!aQntj- 
öopu xai Pu^dfiUpOvp. )} inrnoia nuQ 'H<Jind(p x«i IhtxxvXidid^ 
und mit bezug auf Sarpedon Schol. V. I. I. 'Haiodog 08 Ev(>(üntig 
xta /lio^ avtop (pr}aip und Schol. Eur. Rlies. 28 o ii ' HatoÖog 
Ev(t(6n[tjg] fifp (fttjaip avjop. Vom MinoH handelt die stelle bei 
Ph, Plato .Min. p. 350 fiQtjxs 8i xni 'Haiodog udeXq^it Toi'rwr eig 

leugung nach lediglich dem uoTerttando eines ipÄteren abschrcibcrs 

T P 

««•in«» iinUtehung, welcher das KNKA.40V Tut seines original« falsch 
I iiid und cigpnmiirhliK auflftMlc. Ihm verdankon wir auch wahr- 
lich den einschub des nun freilich nulhig gewordenen arlikcls. 



12 Homerische excurse. I. 

TOP Mivojv fivj](7%^E}g yaQ avrov rov hvöfAatog qirjaiv og ßaaiXsv- 
rarog yevsTo (fvtjzmv avO^gmTimv 

xat nXciaicov i'jvaaae tzsqixtiovcov av&gconcov 
Zrjvog Bxcov anTJnTQOv- tqj na) noXsmv ßaaiXsvsv. 
und Plutarchos Tlies. 16 xal yaQ 6 Mivmg dsl diETtlsi xaxcog 
uxoLmr . . SV tolg ^ u4t7iHo7g 'dsatgoig. aa) ovrs' Hatodog avzov mvriGB 
ßaci'KtvtaTov ovie "OfxyQog 6aQiG7?]v /liog TZQoaayoQevaag, welche 
ohne zweifei in diesen Zusammenhang- g-ehört. Doch verfolgen 
wir dieses stemma nicht weiter hinab, sondern kehren zum Stamm- 
halter desselben , Ag-enor, zurück. Ein bruder desselben war der 
g-emeinen sag-e nach Belos , der auch in dem oben ang-eführten 
frag-mente der Katalog-e sich wirklich erwähnt findet, seine söhne 
Aegyptos und Danaos. Auch von dieser sippschaft handelten die 
hesiodischen gedichte: Schol. Eur. Orest. 859 (bei Geel p. 263) 
ij TToXXrj 86^a y.att%H nrj aqiii&ai tov Aiyvnxov eig ^' Aqyog, xa- 
^ansQ äXXoi zs cpaa). aal ' Enataiog ygdcfmv ovrag* '6 8b Aiyvn- 
log avtog fisv ovx tjXüsv eig ' Agyog, Tzaidag [8s d7TS6TsiX]sVf mg 
fisv^ Haiodog sTzoiijüs, nsvzrjuovTa^ mg 8s [iyat] Xsym, ov8i iyyvg ^). 
nai JiovvGiog 6 ycv:iXoyQdq)og u. s. w. Wie verderbt auch die 
Worte des Hekatäos und wie unsicher die vorgeschlagene Verbes- 
serung sein mag, so ergiebt sich aus ihnen doch mit Sicherheit, 
dass die hesiodische genealogie den Aegyptos und seine fünfzig 
söhne kannte. Auch des Danaos und seiner töchter und ihrer 
flucht aus Aegypten nach Argos war erwähnung getlian: Eu- 
stathios zur II. p. 461 noXv8i\piov 8s TO^AQyog xocXsi j] (og ndrv 
Tio&ovtxsvov "EXXfjatv ^ ort fivd^svETai dvv8Q6v nois tlvai , vazs- 
Qov fisvToi e'vv8Qov ysvsa&ai Iloaetdmpog dvaQQTj^avrog zag sv 
AsQvrj nijydg 8id zov t'tjg ' y4fiVfi(avtjg sQcoza — /} aai dno zmv 
^at'ai8o3v, ai naoaysvOfASvai a'l Aiyvnzov q)QscoQV)(^Cav s8l8a^av, 
mg ' Hö(o8og' 

^'Agyog upvSqov sov Aavaog noiriasv s'vv8qov (^spvSqov) ^). 

8) Die Handschriften bieten naldag fiey und gegen ende (og Xiym 
dt ovdt tlßi. 

9) Unsere zum theil vollständigeren scholien erwähnen zwar des 
Hesiodos nicht mehr, bestätigen aber doch des Eustathios lesart: BL. 
nuig di noXvdiy.>i>ov to noXXolg hißv dupwv avvdQov yaq tovto ov Mvvdgov 
inoitjGiv Javaög; AD. uvvdgov ovöav Tr-jV TLtXonopvrjaov hfvdQov inoitjGS 
Jai^ccog l'^iXxhcJof and i^? Aiyvnzov xat olxrjaag avitjy. Eine andere les- 
art Ijcfolgt Strabo Vill, p. 371: rrji^ fxtp ovy /w^i«»/ cvy^MQovöi^v iv- 
vdQHVy avtr-jV dt rrjV noXiv #V avvdQ(p /ü)(>tft> xtiGd^av, qQtdzaiv cT' evnoQsly, 
a 7atg Javaiciy avänrovavv, log ixiiviov i^tVQOvavju, ccff>' ov xal ]^H<slodov\ 
to tnog tlntli' tovxo. 



Homerische eicurse. I. 13 

Hesjchius 1, p. 623 dixpiov ^ ^gyoi»" 'Haioöog (äsv 76 avvdgov, '4q[' 
aragiog ds zo tzoXvtioütjtov — /) vno /iiog ßeßXftftusrnv. Hie- 
ran schloss sich die nachkoinnienschaft des Lynkeus und der Hyper- 
mnestra, wie Prötos und seine töchter, die Prötiden und so fer- 
ner, vgl. die fr. XXXVI — :XXXM1I bei Markscheffel, wie denn 
namentlich das letzte beachtung verdient, weil es durch ausdrück- 
liches zeugniss den Katalogen zugewiesen wird und dadurch die 
Voraussetzung, von der ich ausging, dass dieses ganze stemma 
im dritten buche der Kataloge behandelt war, eine neue, nicht 
verächtliche bestätigung findet. Doch es ist nöthig, noch etwas 
weiter hinaufzugehen. Die beiden briider Agenor und Belos sind 
nach der gemeinen sage enkel des Kpaphos, des sohnes der lu 
und des Zeus, und dass die Kataloge sich dieser genealogie an- 
schlössen, kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden. 
Die lofabel war. wie nach vielen Zeugnissen feststeht, freilich auch 
in dem epos Aigimios behandelt, welches man im alterthume theils 
dem Hesiodos, theils dem .Milesier Kerkops zuschrieb und die Zu- 
gehörigkeit der kurzweg nur als hesiodisch citirten , auf diese fa- 
hel bezüglichen fragmente ist demzufolge zunächt zweifelhaft; auf 
folgende stelle diigegen findet diese bemerkung schwerlich an- 
wendung: Apollodoros II, 1, 3^ yitg/ov 6t y.iti 'la/nijvjig Tfjg ^ y4a(a~ 
nov nalg "Jaaog- ou qaaiv Vtu ytveaOai. Kdatoag di 6 avyygdxpag 
ta igopixd xai no).Xo\ xäiv rgnymdäv 'hd^ov jtjv 'loa Xiyovaiv, 
'Haiodog ds xal ' yixovai'Xaog Uetgrjvog avrijv qiaatp dvat ^^). 
tavrrjp legmavp^v tfjg "llgag ^x^vaav Zeig €Cp&eiQ8. (pmga^eig Öe 
v(p "Hgag i^g fiir xogrjg diljuutrog slg ßnvv ftezepingcpmae Xtvn/jr^ 
aiftiiP (ravjjii) di dnojiioaaro iatj avftsX&etv. Öiö q>r]aip 'Ilaio^ 
dog ovx iniandaOat lijp uno töjp Otätv ngyt/v zovg yito(4irovg 
OQXovg vntg egoirog^^). "Ilga Öe atttjaafitptj fiagd Jing i/}»- 

\4(tYof üyvdgoy iöt^ Javunl &iattv 'Agyog fyvdgoy. 

T|jl. p. :no. __ 

10) Vgl, (lerodiaoos n*Qi fioy. A*|. p. 17 ovdiy tis fjy kriyop oyoftu 
o^i't'ofuvoy xu^agtin /.uiu XÜ'l^^^ 'Kkktjyioy, tikX' fUi Ttgo Tov ^ av/LKfin- 
yoy (j(n, oloy autkijy, k*$j(^y, xrjifi^y, ftv^n" » tittgijy , x«^' 'Haiodoy naiijg 

11) Hierher ziebeo di« nammltT mit reibl Schol. PlaU Sjmp. p. 
374 '/4ff Qodi^Jioc ogxof ovx tftnniyifMOi' ini noy th' igunu ituvvuyivtv 
ktiK$( xtti (ntoQXovytoty, fi4iiyp;rnf »ff rnot>if xni 'Haiodof kfy»**'' 

/x tov (J ' • rrt ay^gtiinoirny 

ynatfuhoty . — — 

und Henjt'hiui I, p, JJ'J A'fQ'jüiot'it ögMof nrQUfuu , >,y xn «r. < 
tfova^y t'i'fgoJintog o^xoc ov iSüxyn, ngütioi tfi 'HatoJu\ inkaa» ir i- 



14 Ilomerisclie excurse. I. 

ßovv cpvXana. avTijg, itaTsaryaHV " AQyov tot navrntTjv, ov ^Ag^Xti- 
niadrig pilv ' u4Qf'aTOQog Itysi^ (PsQSuvdtjg 8s ^ Ivdiov ^ K8QX(a\p 
8s ^ AQfov X«« 'löfxrjvtjg rijg ^ A(^(a7iov OvyatQog' 'Axovallaog 88 
yijysvi] avTov Isyst, Denn es ist augenscheinlich, dass mit Ker- 
kops der Verfasser des Aig;-iinios gemeint ist, in dem, wie eben be- 
merkt ist, die fabel von der lo vorkam, und dass folglich alles, 
was auf Hesiodos autorität zurückgeführt wird, nothwendig einer 
anderen hesiodischen dichtung entlehnt sein muss, also eben den Ka- 
talogen , wie nach allem, was oben zusammengestellt worden, wir 
nicht anders annehmen können. Dagegen muss allerdings zuge- 
geben werden, dass es von der notiz bei Schol. 11. oa, 24 aQysi- 
q)6v77ji>: 0V1 OTi aata tovg' Haio8ov (iv&ovg rov ßovxoXov 'lovg 
iq)6vsvöeVi uXXa u. s. w. unentschieden bleiben muss, auf welches 
von beiden gedichten sie zu beziehen ist. Vervollständigt und, 
wie mir scheint, bestätigt, wird diese combination durch die no- 
tiz, dass im dritten buche der Kataloge einer reihe fabelhafter Völ- 
ker der nördlichen und südlichen erdhälfte erwähnung gethan war: 
Harpokration p. 123 MangoxsqjaXoi — s&vog saT)v ovirn "aaXov- 
fisvov, ov xal ' Hoioöog fiSfivtjTai iv f ywainäv yiaTaXoyq}. Tla- 
Xaicpatog ö' h "C rav Tqcoiüüöv iv tyj ^ißvrj cprjdlv vTisgavoa KoX- 
1(ov ovAüLv jovg MaHQOxecpdXovg. Stephanos Byzant. p. 429 
Ma:iQOxsq)aXoi Tigog roig KoXyoig. ol yctQ ' Hiiiavrsg nal MaxQO- 
y.tq)aXoi yioi Tlvynaloi . . . . Id. p. 302 ' Hf-iUvvsg k'&rog ov 
TiOQQO} Maaaayszav aal 'TTZsQßoQScav. ^i^ipitag iv ^ AnoXXoavi — 
'Aoi. 'Höio8og. Strabo I, p. 43 ' Haiodov ö' ovx dv tig airiaaano 
dyvoiav ' HiAhwag )Jyovzog x«J MaxQonsqidXovg nal Ilvyfiaiovg, 
und VII, p. 299 y^al yuQ rovg eji vscorsQOvg i-nBivov (^Oiatiqov) 
noXXd dyvosiv y.ai TEQaToXnytiv, ' HaioSov fjsv ' HfiUvvag Xsyovtag 
yal MEyaXoiit(pdXovg xal Tlvyiiaiovg u. s. w. Harpokration p. 179 
VTTO yrjv oiKOvvzeg' X^yoi 8' av Tovg vno 2J}ivXaaog iv t^ TrsQi- 
TzXcp XsyojÄivovg TQ(oy).o8vrag y.al rovg vno ' HüioSov iv y aara- 
Xoycp KaTov8aiovg orofia^ofn-vovg. Hierher gehören demnach aller 
Wahrscheinlichkeit nach die notizen bei Herodotos IV, 32 dXX' 
^Hai68Qo (xsv iaii ttsqi' TnegßoQscov elgr^fAsva, 'iari 8s ■aai'O^r'iQq^iv 
' Eniyövoiatv und Schol. Aesch. Prom. 793 71eq\ wr [zmv yQvnmv) 
' HaioSog TTgazog itsgarsvoaro. Wie man sieht, gehören diese 
gestalten ebensowohl dem norden der mythischen geographie (Hy- 

lov Jla '/mI irjv "liü. (v/Lioaey dXXä . . , , (verstümmeltes cilat aus 
Kalliraachos Epigr. XXVI, 3). 



Homerische excurse. I. 15 

perboreer, greife, Heniikvnes), als dem süden (Libyen) an (Tro- 
g-Iodyten, Makrokepbaler, Pyg-inaeenj. Es scheint mir nacli allein, 
was bisher beig-ebracht worden ist, die vermuthung- g-erechtfertig^t, 
die durch eine wahrscheinlichere zu ersetzen schwerlich geling-en 
dürfte, dass nämlich diese ang'aben sämmtlich in der darstellung' 
der irren der lo ihren platz g^ehabt haben, welche die dichtung- 
ohnehin nothwendig- berühren musste, wenn sie den Stammbaum 
der lo mit dem aus Aeg-ypten nach Argos heimkehrenden Hannos 
in seinen Zusammenhang- bring-en wollte , welchen die im obig-en 
zusammengestellten Zeugnisse vorauszusetzen nöthigen. 

Ziehen wir das resultat dieser combination, von der ich nicht 
absehe, wie sie mit grund angefochten werden könnte, so erhal- 
ten wir annähernd die gewissheit, dass das dritte buch der Kata- 
loge den Stammbaum des königshauses von Argos auf lo. die ge- 
liebte des Zeus, zurückführte, welche von Heraus eifersucht ver- 
folgt in kubgestalt den erdkreis durchirrte, endlich nach Aegyp- 
ten gelangte und hier durch ihren söhn Kpaplios die stammmutter 
eines geschlechtes wurde, welches die archegeten der berufensten 
Völker des ostens zu seinen gliedern zählte, und endlich in Da- 
naos einen seiner sprösslinge nach der stammheimath Argos aus 
Aegypten entsandte, von dessen tochter Hypermnestra und neffen 
Lynkeus das konigsgeschlecht von Argos sich ableitete. Nun ist 
heutzutage allgemein anerkannt (oder sollte es wenigstens sein), 
dass diese besondere gestaltung und erweiterung des lomvthus 
jünger ist als die eniflnung des Verkehrs mit Aegypten seit des 
PsammetichoN zeit und überall erst in folge desselben entstan- 
den sein kann. Folglich kann ein genealogisches gedieht , wel- 
ches die fal>el in dieser gestalt zu gründe legte, erst geraume 
zeit nach der 30. olympiade verfasst worden sein, und unsere Ka- 
taloge werden Hoiiarh schwerlich bedeutend älter als die Köen an- 
genommen wenlen dürfen. Zugegeben also auch, jene stellen. 
welche eine bekanutsrhaft des dichter« mit der heutigen gestalt 
der Odyssee verrathen, gehorten den Katalogen an; auch so darf 
ich den satz unbedenklich als erwiesen betrachten, den ich an ei- 
nem andern orte aufgestellt habe und den so viel als möglich zu 
begründen diese Untersuchung angestellt worden ist , den näm- 
lich, dau y trau ich die jüntjere bearbeitunff des epo$ genannt habe, 
fjeqen dtr 50. olympiade tirmlich allgemein r er breitet gewesen 
II n> icNuitat ist wichtig genug, um die mühe xu lohnen; 



iß Homerische excurse. II. 

mit viel grösserer Sicherheit würde die genesis der homerischen 
epopöen sich entwickeln lassen , wären aus dem schiifbruche der 
gesummten epischen literatur zwischen dem beginn der olympia- 
deiircchnung und dem Zeitalter der Pisistradiden uns mehr als 
unzusammenhäugende fragmente oder dürftige excerpte erhalten ! — 

Zweiter excurs. 
Ich benutze die gelegenheit , um eine nachträgliche berichti- 
gung von belang zu der von mir versuchten analyse der Odyssee 
hier mitzutheilen. Ich habe die verse )., 4 — (a, 8, welche vom 
bearbeiter bei der redaction der apologe unzweifelhaft in den Zu- 
sammenhang eines von ihm benutzten und überarbeiteten liedes 
eingefügt worden sind, für freie dichtung desselben erklärt, wel- 
che durch \p, 266 ff. veranlasst worden sei und für welche er 
das motiv dorther entlehnt habe. Diese ansieht ist nicht haltbar. 
Denn 

1) lehrt die vergleichung von y, 516 — 537 (verse des bearbei- 
ters) mit ). , 24 — 50 , dass letztere stelle jedenfalls das original 
ist, nach dem die estere gestaltet wurde, dass folglich P„ 24 — 50 
früher gedichtet sind, als 516 — 537 und beide stellen nicht den- 
selben Verfasser haben können ; 

2) erweisen sich ?., 121 — 137 verglichen mit \p , 268 — 284 
(älter als der bearbeiter) als die ursprüngliche und somit ältere 
fassung, welche dem dichter von \p, 268 — 284 vorlag und von 
ihm benutzt wurde ; 

3) sind die vom bearbeiter herrührenden scenen 01, 15 — 204 
nicht ein seitenstück zu /, 387 — 564, das von demselben Verfas- 
ser herrühren könnte, sondern ganz deutlich lediglich eine blosse 
und zwar schwache nachahmung der originalen dichtung im elften 
buche. 

Hieraus ergiebt sich mit zweifelloser gewissheit, dass die Ne- 
kyia nicht freie dichtung des bearbeiters sein könne, sondern in 
der gestalt, in welcher sie uns vorliegt, als vom bearbeiter zu- 
recht gemachte recension einer viel älteren grundlage betrachtet 
werden muss. Denn freilich liegt der benutzte ältere text nicht 
in seiner reinen und ursprünglichen gestalt vor, sondern jedenfalls 
stark interpolirt. 

Als bestandtheil der älteren grundlage müssen nach dem obi- 
gen zunächst die verse A , 25 — 50 betrachtet werden. Allein 



Iloraeriscbe excursc. II. i7 

üfleich die folsfcnde episode, das g-esprach mit dem schatten des 
Eipenor, 51 — 83, ist aug^ensclieinlich durch x, 551 fF. veraidass- 
ter Zusatz des bearheiters. Es folgt die scene mit Teiresias, 
welche den kern des g-anzen bildet und aus diesem gründe wie 
nach oben nr. 2, nothwendig* der älteren grundhig-e zug-ewiesen 
werden niuss. Dasselbe g"ilt von dem g'cspräche des Odysseus 
mit dem schatten seiner mutter, welches org-anisch mit dem vor-^ 
hergehenden verknüpft erscheint. Ganz unversehrt ist freilich%in 
84 — 224 der alte bestand nicht gegeben. Denn 104 — 120 we- 
nigstens sind nicht nur ein elender cento, sondern ganz deutlich 
vom Standpunkte des bearheiters gedacht und von diesem augen- 
scheinlich eingeschoben , um das ganze in den Zusammenhang 
der durch seine redactionsthätigkeit erst und zwar sehr mecha- 
nisch geschafl'enen Verbindung verschiedener erzählungen einrücken 
zu können. Diesem vom Standpunkt des bearheiters nothweridigen 
einschub zu liebe haben die verbindenden verse des alteren tex- 
te« weichen müssen und sind uns somit verloren gegangen. — 
Der nun folgende katalog der heroinen, 225 — 329, kann, abge- 
sehen von der attischen interpolation 321 — 325, der älteren grund- 
loge ebenfalls noch angehören ; wenigstens sehe ich nicht was die* 
ses anzunehmen oder zuzugelien hindern könnte. — Die unter- 
brecliung 330 — 384 dient den redactionszwecken des bearheiters 
und ist natürlich auszuscheiden. Die folgenden scenen dagegen, 
385 — 5()4, gehören wieder nach oben nr. 3 sicher dem alten texte, 
waJirscheinlich im unmittelbaren anschluss an 329; vielleicht auch 
noch 028 — W35. Denn die episode 565 — 627 muss als ein Zu- 
satz des bearheiters betrachtet werden, welcher aus der nuschauung 
der alteren dichtung herausfällt. 

Anfang und schluNH dessen, was hiernach als bestand der be- 
nutzten grundlage betrachtet werden muss, fehlen; diese grund- 
läge ist ein bnichstück. Ks fragt sich , was von iiiui zu urthei- 
len «Hier uU was es zu betrachten ist. Ich kann hier nicht aus- 
einandersetzen, uns welchen gründen der gcdanke an ein suge- 
nnnnteN volkNli<*d fern zu halten ist ; ich begnüge mich daher da- 
rauf hinzuweisen, dasM einmal wegen des Verhältnisses von y^, 268— - 
2H4 sa /, 121 — 137 unser hruclistück ols älter, denn der jün- 
gere theil der ursprünglichen form des e|N)M angesetzt werden 
rauHM, folglich der /.eit nach dem ältesten bfistandt heile des gan* 
zen , nieini*m „niten nostiis" , am nächsten steht ; sudauu , dass 



IQ Homerisclio oxcurse. If. 

Teiresias 100 — 103 und in seiner prophezeilmng- 121 ff. einen 
besondern accent auf den durch die blendung- des Kyklopen veran- 
lassten zorn des Poseidon legt, den zu sUbnen er eben anweisung 
giebt. Grade dieser zorn des Poseidon aber ist im alten nostos 
das Lauptmotiv. Ich trage deswegen kein bedenken unser bruch- 
stück geradezu als einen tlieil des letzteren zu bezeichnen. Seine 
ursprüngliche stelle war hinter /, 16 — 564 in einem nicht mehr 
na<flizuweisenden zusammenhange und in Verbindung mit diesem 
stücke zwischen ?/, 242 und 251. 

Hiernach modificirt sich nicht nur das von mir p. 214 in 
der anmerkung gesagte, sondern auch das über Vaterland und her- 
kunft des alten nostos und seiner späteren fortsetzung aufge- 
stellte. Denn wenn auch die landung bei Ismaros und die befra- 
gung des Schattens des Teiresias züge sind, welche auf chii- 
scher und kolophonischer localsage beruhen, so kann doch, da 
beide im alten nostos aufnähme gefunden , und der letztere nach- 
weislich erst aus diesem in dessen spätere fortsetzung übergegan- 
gen ist, aus dem vorkommen desselben nicht mehr auf das vater- 
jand der dichter ein (sonst wahrscheinlicher) schluss gemacht 
werden. 

Treffen die gegebenen andeutungen das richtige, so sind wir 
dadurch aus gründen, welche sogleich deutlich werden sollen, auf- 
gefordert, das verhältniss der kyklischen Nosten zur Odyssee und 
ihren verschiedenen bildungsstadien in erwägung zu ziehen. 

Die inhaltsangabe jenes gedichtes lautet in den excerpten aus 
des Proklos Chrestomathie folgendermassen : öwänru 8s tovroig 
T« zoöv Noatcov ßißXi'a f '^ Ajiov Tooi^ijfiov neQiexovta rdös' 
^^&j]vä ' ^ya^sixvova aal MevHlaov slg sgiv i(a{^iattjai ttsqi iov 
exTzXov. ^ j4yanB(xv(ov fisv ovv rov trjg ' ^&rjväg i^iX(t(JofAi:Vog /o- 
Xop sTzcfisvet, Jiofirjd)]g 8s xal A^iazcag chaxO^svzsg sig itjv oixtiav 
diaaa^optai. fisß'^ ovg ixnXevaag 6 MsviXaog fieiä nsvia reoöv 
sig ^lyvmov nagayivstai zav Xoittoüp 8iuq)&aQstöcöv vsav iv tw 
nsXdysi. ot Ss tzsqI Kdlxc^vza Tiai ylsovtsa nal IIoXv7zoiTi]v tts^'^ 
noQBv&svTsg slg KoXoqimva TaiQSüiav ivzavO^a zEXsvTiqcsavia üdn- 
Tovai. rmv 8s tibqI tov ^ Aya^is(,ivova drzonXsovzoov ^ AiiXXscog sU 
8(oXot> Inicpctvsv TTSigdzai SiaxcoXvsiv TzgoXsyov tu avfxßtjaofieva. 
sld^ 6 tteqI zag KacfT^giSag Tzszgag 8tj7.ovzai ^^ificov xai rj yäiav- 
tog q^&ogd zov ytoagov. NsoTzzoXsfiog 8s 0tzi8og vTiodsfisvi^g 
ns^y noisirai r^v Tzogeiav xal Tzagaysvofisvog sig 0Qaxi]i> '08va- 



Ilomeriscbe excursp. II. £9 

(7*'« :<ttTaXafÄß(if6i Iv rj MaQCOvtla x«t to Xoinop dvvsi rijg odov, 
Aut TtXevTtjaatTa (iJotnxa {fduTsi , tivrog de elg rovg MoXoaaovg 
uqiixofAevog dvnyvmQi^eTai TliiXel. [€7iei\Ta 'Ayafif^vovog vtzo Alyia- 
Oov xa/ KXvTuifivjjaTQag dvaiQBOkvjog vn Oofazov xai TlvXddov 
TiyicüQiu xai MeveXolov eig tijv oixsiap draxo^iiörj, umfang", an- 
ordnung- und g-ruppirungp des sag-enstofTes , wie wir sie uns hier- 
nach zu denken hahen, verrathen eine höchst auffällige überein- 
stimmungf mit dem inhalte der «rzählung-en des Nestor und Mene- 
laos im jetzig^en 3. und 4. buche der Odyssee. Zwar erscheint 
manches , was hier nur ang-edeutet worden , vom dichter des no- 
stos weiter ausg-eftihrt, wie die heimkehr des Neoptolemos, der zu 
liebe (um \eoptolemos trennung^ vom hauptheere des Ag-amemnon 
zu motiviren) das poetische motiv der warnenden erscheinung- des 
schatten des Achilleus hinzuerfunden ist; zwar sind spätere er- 
weiterung^en der sich ausdehnenden sag-e benutzt und eing-efloch* 
ten, wie denn der Schiffbruch der flotte Ag-amemuons und der tod 
des lokrischen Aias von den g-yrischen felsen nach den kapheri- 
sehen verleget und als eine folg-e der verrätherischcn räche des 
Nauplios darg^estellt sind, wovon die Odyssee noch nichts zu wis- 
sen scheint ^ '), und wie die landreise des kalchas , Leonteus und 
Polypoites sammt der bestattung- des Teiresias , wie schon von 
andern bemerkt worden, aus der kolophonischen locals;igfe aufge- 
nommen und eingefüg^t worden ist: allein alle diese abweichung-en. 
wolrhe eben nur erweiterungen sind, stören in keiner weise das 
crgcbniss des unmittelbaren eindruckcs, dass in plan und anord- 
nung* beide darstellungen auffällig- zusammenstimmen , so auffällig*, 
dass diese erscheinung nur aus direkter einwirkung der einen 
flichtung auf die andere sich erklären iässt. Ks ist unmöglich sie 
aus der gemeinschaftlichen quelle zu gründe liegender sageniiber- 
liefcrung herzuleiten , denn sie erstreckt sich nachweislich auf be* 
H(»iid(>rli(>iten und detaÜM, welche sich auf die sage als quelle nicht 
ziirii(kiuliren lassen. Wenn nach der inhaltsangabe in den Nosten 



11) DatA die *fQvxrtn(iin don NauplioM ein molir dor dirhiung bil- 
ilcto, obwohl die itibnitnangabc, wie aurh flonRt . daruhrr flrhweifit, bat 
man tiiil rcrhl djiraun ^oK^hlo»Mi•n, tinnn iiarh nndiTwcili^cn zetigniflaou 
dea NauolioK und ririnea geiichlerhtoa in den Nür«lrn urwähnuiip pc- 
arhah: Apollodor. bibl. II, I, 5 n^iy </# nJuvt^otu iynM**' (" ^ttvnltoi), 
tue ftiy oi rftuytxüi kiynvtn, Kkvfityt}y trjy KttuttuK;, «ic tU ö Tnvi Nviffovf 
y{mt/'ft(, *lHi.v{iuy , <öc '/# Ki{tKtoi}f, 'Uan'jy , t'yryytjo» llaiafiiitttiy, Ol- 

■MU, S'fivatfitJnyta. 

2* 



20 Homerische rxpursc. II. 

Mcnclaos nacli Vernichtung' seiner flotte durch den stürm mit fünf 
schiffen nacli Aeg-ypten verschlag-en wurde, und y, 21)9. 300 Ne- 
stor, nachdem er von diesem stürme hericlitet, mit hezug- auf Me- 
nelaos Schicksal liinzusetzt : 

— a^ag rüg ntvts rtag xvaroTTQCüQEiovg 
Aiyvnrco fniXaaaf cpf-'ocov äiFuag ts x«? vf^con, 
so ist das eine Übereinstimmung- in einer einzelheit, die nothwen- 
dig- der individuellen g-estaltung- der sag-e durch die dichtung an- 
g-ehört. Zu demselben erg-ebniss führt die nähere erwäg-ung- einer 
anderen parallele. Der anfang" von 6. führt uns nach Sparta zu 
Menelaos und zeig"t uns ihn beschäftig-t die hochzeit seines soh- 
nes Meg-apenthes , der nebenbei schlechtweg^ als söhn einer scla- 
vin (dovl7j), deren namen nicht genannt wird, bezeichnet ist, her- 
zurichten. Diese g-anze scene steht mit der eig-entUchen handlung- 
in keinem innerlichen , org-anischen zusammenhang-e , sondern er- 
scheint von dem dichter nur herbeig-ezog-en , um einen bedeutende- 
ren hinterg-rund für die allzu einfache handlung- zu g-ewinnen , ist 
desshalb auch nur in sehr allg-emeinen und wenig- hervortretenden 
züg^en g-ezeichnet. Dieselbe nebenfig-ur des Meg-apenthes nun führ- 
ten auch die Kosten auf, wahrscheinlich bei g-eleg-enheit der rück- 
kehr des Menelaos, wo sie diesen wie Odysseus den Telema- 
chos zum mann herang-ewachsen wiederfinden Hessen; auch der 
leibeig-enen mutter desselben war g-edacht und ihr name genannt ^^). 
Ich glaube nicht, dass die unbedeutende nebenfig-ur des Meg-apen- 
thes sammt seiner sippschaft, wenn sie überhaupt der wirklichen 
sag-enüberlieferung- ang-ehört, in dieser eine so hervorrag-ende rolle 
g-espielt hat, dass dadurch verschiedene dichter unabhäng-ig- von 
einander sie zu berücksichtig-en g-enÖthig-t waren; ebensowenig- als 
es mir wahrscheinlich erscheinen will, dass das zusammentreffen 
in diesem punkte als bloss zufälHg- zu betrachten sei. Ist dies 
richtig-, so ist die benutzung- der einen dichtung- durch den dichter 
der anderen damit indicirt. Zugleich erhellt, welche dichtung von 
beiden das original der anderen gewesen sein muss. Jene partie 
der Odyssee bezeichnet die mutter des Megapenthes noch ganz 



12) Schol. zur Odyss. (f, 12 ix dovXtjgjavTtj, vjg fitv 'AXf^lioy, Tti(jis, 
tog cTf futot' TfjQig, O^vyärrjQ Zsv^lnntjg , lug dt 6 tu)v Noatoiv noi^jTrjg, ri- 
ng. \nvtg dt tö^ dovXrjg y.vQi,6v qccai dut tu lurjdenon ovno Isyiiy luy not- 
TTjv rtjv d^iQÜnaivap. Die eingeklammerten worle sind zwar erst von 
Dindorf eingesetzt und die namen augenscheinlich verdorben. Sicher 



üoinrrischc «'xciirsp. II. 21 

alls^einein und beiläufig-, der dichter der Nosten kennt schon ihren 
namen. d. h. er hat die andcutung^en der älteren von ihm benutz- 
ten dichtung- weiter ausgeführt, eine benierkung-, die zum über- 
fluss eben nur bestätig-t, was auch ohne weitere anhaltspunkte un- 
ter der Voraussetzung- eines directen Verhältnisses beider dichtun- 
g-en zu einander ang^enommen werden niüsste. 

Also dem dichter der Nosten war das jetzig-e dritte und vierte 
buch der Odyssee bekannt. Ks frag-t sich nur , in welcher g-c- 
stalt. kannte und benutzte er sie in ihrer jetzig-en Verfassung-, 
d. h. wie sie der letzte bearbeiter der Odyssee redig-irt und dem 
älteren epos einverleibt hatte, so muss ihm zug-leich bekanntschaft 
mit dieser d. h. unserer redaction der Odyssee zug-eschrieben wer- 
den ; ist das letztere nicht der fall und kann dies anderweitig 
nachg-ewiesen werden , so muss ang-enommen werden , dass er das 
gedieht von den abenteuern des Telemachos noch in seiner voll- 
ständig-eii und selbstjjtändig-en g-estalt neben und unabhäng-ig- von 
der älteren redaction der Odyssee g-ekannt hat. Die entscheidung 
dieser frag-e ist schwierig-, aber, wie mir scheint , selbst bei unse- 
rer unzureichenden und dlirftig-en kenntniss nicht unmög-lich. 

Halten wir uns zunächst ledig-lich an die inhaltsangabe , so 
scheint diese zu der annähme zu nothigtrn , dass die Xosten die 
rück kehr des Odysseus gar nickt behandelt haben ; denn sie er- 
wähnt des Odysseys nur ganz beiläufig bei gelegenheit des zu* 
Kammentrefl'ens des Ncoptolemos mit ihm in der gegend von IVIaro- 
neiu. Wäre dem so, so könnte, der grund davon nur in der ab- 
Hidit des dichters gesucht werden , die behandiung eines gegen- 
ständes zu vermeiden, dem sein recht bereits in einer älteren dick- 
tung, der Odyssee, geworden war, um sich entweder die. mühe zu 
spuren oder nicht eine concurrenz von zweifelhaftem erfolge zu 
eröffnen , denn die dichtung war nach allem, was wir davon wis- 
sen , SU angelegt , daRs die Schicksale des Odysseus in ihr nicht 
nur eine stelle allenfalls finden konnten^ sondern, wenn nicht un- 
lere erwägungeii äusseriicher natur zu willkürlicher uusnahme iiii- 
ihigten , finden mustten. Ich bin zwar mit Weicker der ansieht, 
dass die von dem einen AthenaioK \ II, p. 281 erwähnte xuOo* 
(^ov rcür ' ^h(itidu>p mit unsern Nosten identisch ist : allein nie 



•brr iMi weni^atenK, dflsi der dichtn dor notton den nsmon der «kla- 
vin XU nuunuu wuutv. 



22 Homerische excurse. II. 

mand wird bei einiger Überlegung* uns zumutlien wollen , nach die- 
ser wer weiss von wem beliebten bezeichnung des inlialtes der 
dichtung unsere ansieht von umfang und anläge derselben, wie 
sie sein konnte oder musste zu bestimmen. Dagegen steht der 
andere, besser bezeugte, titel und was sich sonst aus der inhalts-^ 
angäbe und den fragmenten abnehmen lässt. Wenn nun auch das 
fehlen des Odysseus und seiner irrfahrten in der dichtung sich 
aus dem oben bezeichneten gründe, und aus ihm allein zur noth 
erklären Hesse, so muss doch zugegeben werden, dass nur eine 
höchst mittelmässige dicliterische begabung sich umfang und gren- 
zen ihres planes durch rücksichten so äusserlicher art vorschrei- 
ben lassen kann. Sollte jemand den dichter der Nosten für ei- 
nen solchen stümper zu halten geneigt sein , so lässt sich dem 
freilich nur durch den directen beweis entgegentreten, dass die 
Voraussetzung, welche zu einem so ungünstigen urtheile nöthigen 
und berechtigen würde, irrig ist. Dieser beweis ist nicht schwer 
zu führen. 

Zunächst muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass das 
schweigen der inhaltsangabe von Odysseus Schicksalen für unsere 
frage wenig bedeutet und im gründe gar nichts beweist. Es steht 
durch anderweite beispiele hinreichend fest , dass die excerpte aus 
Proklos Chrestomathie sich zu ihrem zwecke willkürliche kürzun- 
gen und auslassungen in den argumenten der verschiedenen dich- 
tungen erlaubt haben. Dieser zweck ging nämlich nicht auf sach- 
getreue darstellung des inhaltes derselben, sondern lediglich auf 
herstellung einer zusammenhängenden geschichtserzählung mit be- 
nutzung' des in den dichtungen gebotenen Stoffes und führte von 
selbst zur vornähme von kürzungen , so oft derselbe gegenständ 
in mehreren der excerpirten dichtungen behandelt war. Dem in- 
halte der Nosten lassen nun die excerpte den der Odyssee unmit- 
telbar folgen. Es ist ersichtlich , dass wenn die nosten die irren 
und Schicksale des Odysseus in den kreis des behandelten Stoffes 
gezogen hatten, der excerptor unter diesen umständen seinem prin- 
cipe gemäss diese partie bei der inhaltsangabe absichtlich und mit 
allem bedacht übergehen musste. Fehlt also wirklich etwas und 
hat man nur die wähl, entweder den dichter oder den excerptor 
dafür verantwortlich zu machen, so ist die entscheidung durch 
die angezogenen thatsachen ausser zweifei gestellt und somit 
lässt sich die möglichkeit der behaupteten thatsache mit berufung 



Homerische cxcursc. II. 23 

auf den luangel jetler aiideutuug im arg-iinicnte nicht hestreiten. 
Aber auch ihre wirklichkeil steht aussei* allem zweifei. 

Schon das arg^ument liefert trotz seines, wie ich annehme, 
absichtlich verkürzten zustandes einen deutlichen hinweis auf die 
vorgenommene abkürzung. Es wird uns deutlich bemerkt, dass 
der dichter den Neoptolemos auf seiner rückkehr zu lande durch 
Thrake den Odysseus bei Maroneia im g^ebiete der Kikonen treffen 
liess. Genauere erwägung^ zeig-t, dass dieses zufällige zusammen- 
treffen beider beiden kein motiv der sage gewesen sein kann, sondern 
vom dichter zu einem bestimmten zwecke willkürlich veranstaltet 
sein muss. Dieser zweck kann , da eine innere beziehung der 
auf einander bezogenen thatsachen nicht besteht und eine äusser- 
liche nicht gegeben war, nicht den inhalt, sondern nur die form d. h. 
die rer6in^u;i/7 an sich unabhängig von allem anderen im äuge haben. 
Er lässt keine andere erklärung zu, als durch die Voraussetzung 
ii^end welcher nöthigung zur herstellung einer solchen Verbindung 
und diese nöthigung wiederum konnte nur durch plan und anläge 
der dichtung, als beide handlungen gleichmässig umfassend, geboten 
sein. Nichts aber nöthigte in irgend einer weise gerade dieses und 
nur dieses erste abcnteuer des Odysseus in das gewebe der gesammt- 
handlung künstlich einzufügen, wenn die absieht nicht von vorn- 
herein war, die abenteuer des Odysseus in Verbindung mit denen der 
übrigen Leiden vollständig zu behandeln ; sollten sie aus irgend 
welchen gründen übergangen werden, so fiel jede veranlassung 
fort theile davon ohne ersichtlichen zweck und nutzen mit auf- 
wendung ausser des weges gelegener mittel (willkürlicher fiktion) 
hereinzuziehen. Waren dagegen die Schicksale des Odysseus auf 
seiner liiliiikchr in den plan der dichtung eingeschlossen, so ist 
Jen« zwecklose und willkürliche neuerung ein wohlbercch- 

ucU's und poetisch wohlberechtigtes mittel zu angemessener ver- 
schrunkung und Verschmelzung in der zeit nebeneinander herlau- 
fender handlungen, deren behandlung ohne anwcndung solcher 
mittel sich schwer oder gar nicht zu poetischer ubruudung und 
einheit bewältigen liess. 

Unbefangene werden zugeben, dass die behauptete thatsm'hc 
hiernach kaum noch zweifelhaft sein kann. Wer dcmnoch xwei- 
fein sollte, iU'hhv.u bedenken lassen sich glücklicherweise noch durck 
dirrktere, oder, wenn man \^ill, direkte, Zeugnisse beseitigen. In 
unmillelhuren anschluss au die zu nnfang uusercs ersten cxcurfw 



24 Homerische cxcurse. II. 

ang-cfülirteii worte fährt Eustathios (p. 1796) das scholion weiter 
excerpirend fort: * AQiatoihXijg Ös sv ' Id-uxijöicov noXitda yal'EX- 
Idvixos ÖS Tijlefjiaxov (faai Navaixdav yrjfxai ri]v'A}y.n'6ov y.ai ysvv^- 
aai 70V IIsQGSTiTOAiv. iiTifsg ÖE yal roiovroni Ivyon; h'Sv/Mignvaiv.^' 
SH KiQxijg vto) x«T>' ' HaioÖov (Theog. 1011 ff.) X)dvaaei "y^yQiog 
xal Aazlvog^ in 8s KaXvxpovg Navaiüoog >ia} NavaCvoog. 6 8s 
trjv Tt]Xsy6p8nxv ygiiifjag Kvotjvaiog ix fxfv KaXvyjovg TqXiyovov 
viov ^ OSvaasi dvayQciqjei. )) TrjXs8afjiov ^ «x 8s IltjvsloTzrjg Ttjli- 
IJiaiov ya) ^AQüsatXanv. naiä 8s yivaifxa^ov ving avtqi , «| Evi'tt- 
nrig 0s6nQOOZi8og yisnvro^pQCov , or aXXoi /toQvaXor cpaai. ^o- 
q)oy(Xi]g 8s ix rrjg avzrjg EvovaXnv IütoqsJ., ov dni-AZsivs TijXipia- 
yog. 6 8s rotg Noatovg Tioiriaag KuXoqimriog Trjlifutiov fisv cpTjai 
tTjv KigxTjv vöTSQOv yi/fjiai, TtjXsyot'Ov 8s top in Kigyiijg dvTiyr- 
(jiat TlyjvsXoTiriV. TJSQitrd ravia y.ai xsvt] ^oyßriQuv sl 8' oiv ars- 
vmg qjQd^oivTo, (xixQnv t6 ßXdßog. Ich habe das ganze hergesetzt 
und selbst die meisternden und spöttelnden bemerkungen byzanti- 
nischer superklugkeit, welche der bischof einzustreuen für gut be- 
funden hat, nicht vorenthalten, damit ersichtlich werde, dass er in 
einer Stimmung excerpirte, welche ihm gewissenhafte genauigkeit 
in der wiedergäbe solcher bagatellen überflüssig erscheinen lassen 
konnte, und dass die in den angaben offenbar herrschende Verwir- 
rung folglich wahrscheinlich auf rechnung dieser übel angebrach- 
ten vornehmthuerei zn bringen ist. Was nämlich aus der Telego- 
nie des Eugammon von Kyrene angeführt wird, steht in offenem 
Widerspruche zu dem, was wir aus einer viel zuverlässigeren qi^elle, 
der inhaltsangabe dieses gedichtes in den excerpten aus Proklos 
Chrestomathie, wissen : ihr zufolge war Telegonos nicht der Kalypso, 
sondern der Kirke söhn. Noch seltsamer ist, dass was Eustathios 
aus den Nosten belegen will, dieselbe zuverlässige quelle der Tele^ 
gonie zuweist: TqXtyovog 8s imyvovg zrjv ufiagtiuv ro ra tov 
natQog (jäfxa xal tov Tr^Xs[j.a)(^C)v aal ttjv IIr]vsXü7T'rjv TTQog t^v 
fiTjtsga (Kirke) fXE&iaTriCfir. rj 8s avrovg d&avdrovg ttoisI' x«< 
GvvoiHsT tri i"^*' TlrjvsXoTzri TtjXsyovog, Ktg^tß 8s TrjXsuaiog. Letz- 
terer umstand aber dient zugleich das räthsel zu losen und den 
Ursprung der Verwirrung bei Eustathios nachzuweisen. Offenbar 
hat er bei flüchtiger und oberflächlicher ansieht seiner quelle, in- 
dem er den inhalt derselben referiren wollte, die worte 6 8s rrjv 
TtjXsyoPsmv ygdxpag KvQipmog und o 8s rovg Noarovg notfjfjng 
KoXoqjcovtog durch deren parallelismus verführt irrthümlich ver- 



Homprische excnrse. I!. 25 

tauscht und so eine Verwirrung veranlasst, die unter dieser Voraus- 
setzung sich in befriedigender weise auflöst ^^). Dies angenom-. 
inen ergieht sich für unsere \osten das zeugniss: 6 df rru>^' No- 
<itov>i noii\aa(i KoXoq)(6riO(i ex fAtv Kalvifjov^' TijXfyoror vinv 'OdvcT' 
fifr drayQciqiei /) Ti]Xi8afi0Vy ix di IJTjrsXcTTr^g Ti]Xt'^ux(>r xa/. '^p- 
y.eniXaor. Auch in diesen Worten ist noch nicht alles in Ordnung; 
man erwartet mindestens Tfili/orm — y u) TijXidaixot. Das ur- 
theil wird dadurch erschwert, dass wir einen abgeleiteten text 
vor uns haben, der fehler also schon in dein originale, welches 
Kustathios benutzt, als vorhanden gesetzt werden kann, während 
auch nichts diigegen ist, ihn niithigen falles auf des Hlustathios 
oder gar seiner abschreiber rechnung zu bringen. Der letzte fall 
ist augenscheinlich von allen denkbaren der am wenigsten wahr- 
scheinliche. Bedenkt man , dass alle sonstige Überlieferung i\Q\\ 
l'elegonos mit seinem bestimmt ausgeprägten mythos an Kirke 
und ihr verhaltniss zu Odysseus anknüpft, so hat es nicht viel 
wolirscheinlichkeit für sich, dass in den Nosten der oder einer der 
sühne der kalypso von Odysseus Telegonos benannt gewesen sein 
sollte. Unter diesen umständen, glaube ich, erklärt sich die ent- 
Dtehung der lesart des t)ustatliios am einfachsten folgendermassen 

In seinem originale fand er ea filr Kalvxpovi Tt/Xr/omy vlov 
'(h^vonti ainyQuqat, in dt u. s. w. , indem der Schreiber desselben 
das anfänglich irrthümlich als den bekannteren namen gesetzte Tij- 
Xt-jorop durch ein nachträglich darüber geschriebenes i^nf4ov oder 
auch Tip.idafiop korrigirt hatte. Hustuthios wusste in der eile 
keinen bcsHcren rath , als seinen lesern die entscheidung zu über- 
lassen, die er vielleicht nicht halte firidcri können o<ler 'wollen, 
und tischte ihnen so ein TitXiynti i TuXiÖa^or auf: „ich 

weiss nicht «d» Telegonos oder '"IViiMlaino.s^ es kommt auch nicht 
viel darauf an"- Ich glaube ni<lit , dass eine bessere erklärung 
gefunden wenlen kann und man wird es unbedenklich linden, wenn 
ich dienen |Minkt als ausgemacht betrachte; auf alle fälle kommt 
f^iikr die benutzung der ganzen stell«* fiir fiuiüi' /^m-L,. ..n..!»' ..ff 
ilin und seine heurtheilung wenig an 

Denn es steht, diesen punkt bei seile, durch das behandelte 

J.'}) Die «teile inl vicirAch f«liich iKMirllicilt worden, wornuf ich iii- 

AvsHvu j.jii wohl nicht weiter einzuKeheu nöthig habe. Ob die obeo 

tu «nsirbt tcboo iOoKwo gelleod gemacht wurden iil , wei«f 



26 Homerische excnrse. II 

zeug-niss fest, dass der dichter der Nosten den Schicksalen des Odys- 
seys eine grössere berücksichtigung- zu theil werden Hess, als das 
argunient auf den ersten flüchtigen blick anzunehmen zu verstat- 
ten schien. Er gedachte seines Verhältnisses zur Kalypso und 
wusste von einem söhne beider, oder meinetwegen zweien, zu be- 
richten; er erwähnte des Telemachos und eines zweiten sohnes 
des Odysseus von der Penelope, Arkesilaos , den er, wie ich 
wohl kaum erst zu bemerken brauche, nach der heimkehr und Wie- 
dervereinigung des helden mit seiner gattin erzeugt werden Hess 
und dem er seinen namen (obwohl ich dies nur als eine vermu- 
thung betrachtet wissen möchte) nach einer sehr bekannten pra- 
xis dichterischer sagenbehandlung mit rücksicht auf den freiermord 
erfunden zu haben scheint. Kurz er umfasste, wie man sieht, 
die g-esammten Schicksale des Odysseus bis zu seiner rückkehr 
nach Ithaka. Dass dies nur beiläufig (man sieht nicht recht, bei 
welcher gelegenheit) geschehen sein sollte, ist nicht wahrschein- 
lich und wird widerlegt durch eine bemerkung, die im gegentheil 
zu erweisen scheint, dass die behandlung ein sehr ausführliche 
war. Die Nosten enthielten nämlich nach dem bestimmten Zeug- 
nisse des Pausanias, obwohl natürlich das argument auch darüber 
schweigt, eine Dlekyia^ X, 28, 7 // ös 'Oiäi'jqov noiriatg ig ^Odva^ 
ata y.ai ij Mtvvdg tt nalovfxsvT] aal ot Nooroi' (.iv/^fx?] yctg ip 
r UV T a i g x ai " A i 8 o v y, ai rödv ix ti 8 s i fxd t O) v ia i iv 
i'r>u(7tv ovÖspa EvQVPnfiov Öaifiova. Die bruchstücke eines heroi- 
nenkataloges, so wie die erwähnung des Tantalos und seiner strafe, 
welche als in den Nosten vorkommend von den alten angegeben 
werden und mit recht dieser Nekyia zugewiesen worden sind, le- 
gen zeugniss ab von der ausfdhrlichkeit der darstellung und der 
nahen Verwandtschaft derselben in bezug auf die anordnung der 
Staffage mit der behandlung desselben gegenständes in der Odys- 
see. Es sind die wunderlichsten ansichten und vermuthungen dar- 
über geäussert worden, wo und bei welcher gelegenheit der dich- 
ter diese hadesscene angebracht habe, wen er in die unterweit 
habe hinabsteigen lassen u. s. w. Ich brauche mich bei einer prü- 
fung und Widerlegung derselben nicht mehr aufzuhalten : nach al- 
lem, was bisher bemerkt worden, wird wohl niemand mehr daran 
zweifeln, dass die Nosten den Odysseus in den hades führten, bei 
bekannter gelegenheit, um den schatten des Teiresias zu befra- 
gen, ganz wie in der Odyssee. Auf das erscheinen des Teire- 



Homerische cxcnrse. IT. 27 

sias in der unterweit waren dort die leser oder hörer gleichsam 
vorbereitet; hatte doch der dichter nicht g-ar lang-e vorher den tod 
und die bestattung* des greisen sehers zu Kolophon durch Kalchas, 
Leonteus und Polypoites vorg-eführt. Ich will freilich nicht be- 
haupten, dass dieser aus kolophonischer lokalsage stammende zug 
gerade nur dieser Vorbereitung wegen vom dichter aufgenommen 
sei; aber dass sie nebenbei nicht ohne bewusstsein und absieht an- 
gestrebt worden ist, wird sich schwerlich in abrede stellen lassen. 

Hiernach darf als ausgemacht betrachtet werden, dass die 
\osten die irrfahrten des Odysseus bis zu seiner heimkehr, und 
zwar ziemlich ausführlich, behandelten. An welcher stelle und in 
welcher Verbindung mit der übrigen handlung, darüber lässt sich 
manches vermuthen und mit Sicherheit vielleicht nichts ausmachen ; 
indessen ist dies für unsere zwecke von keiner bedeutung und 
ich gehe auf die frage daher auch nicht weiter ein. Ausgemacht 
ist, dass der dichter der \osten von den abenteuern des Odysseus 
die landung bei den Kikonen, die fahrt zum hades, um den schat- 
ten des Teircsias zu befragen , den aufenthalt bei der Kalypso 
und die heimkehr, wahrscheinlich auch den freiermord , erwähnte 
und behandelte, d. h. lauter züge, welche die kenntniss des alten 
nostoK und vielleicht auch seiner späteren fortsetzung voraussetzen, 
zur weiteren annähme aber an sich weder berechtigen noch nö- 
thigen. Indessen wäre es möglich, ja es könnte wahrscheinlich 
dünken, dass nur die mangelhafte Überlieferung es verschuldete, 
duiiM weitere andeutungen nicht vorliegen, und dass wir trotz des 
mangels an solchen die bekauntschaft des dichters mit denjenigen 
theilen der apologe, welche erst durch die jüngere bearbeitung 
zu dem ursprünglichen bestände hinzugekommen sind, also die be- 
kanntschaft mit dieser bearbeitung selbst immerhin vermuthen dürf- 
ten. Ks ist deshalb schliesslich hier ein umstand geltend zu ma- 
chen, welcher diese möglichkeit auszuschliessen und die frage zu 
cntHriieiden scheint. 

Die gencalogien, welche sich an Odysseus verhältniss zu Ka- 
t\pNo und Kirke knüpfen, sind Spätgeburten des verendenden sn- 
gcntricbes, erzeugnis.se der mit der sitgc N|iielenden willkür späte- 
rer epischer dichter, nicht irgend welcher innerer nothwendigkeit. 
(«nnz grundsatz- und regellos ist indessen diese willkür nicht zu 
denken: prinzip war, die scheinbar abgerissenen faden der alten 
Überlieferung aufzunehmen und weiter zu spinnen und wo sie 



28 IlomcrJsclic «'Xcurse. II. 

eininiil sich durun maclite, unfriiclithure g-eiieulog^ieri zu erfinden, 
da verfuhr sie wohl sicher nicht einseitig" oder lieferte halbe ar- 
beit. In einer zeit, in der die Überlieferung-, auf der die kennt- 
niss der alten sag-e beruhte, den Odysseus bereits hintereinander 
zur Kirke und Kalypso führte, g-ab sicher keifi dichter dem Odys- 
seus von der einen kinder, von der anderen nicht, wie denn z. b. 
der anhang- zur hesiodischen theog-onie bekanntlicli ihn nach bei- 
den Seiten hin in freilich eigfenthümlicher, weil willkürlicher weise 
mit einem anhang-e versorget. Und wenn der späteste und schwäch- 
lichste ausläufer der Odysseussag-e den söhn der einen, der Kirke, 
Teleg"onos , in den vorderg"rund stellt , so ist es eben nur zufall, 
djiss die dichtung- in ihrer tricbkraft versieg-te, ehe dem söhn der 
anderen sein recht g^eworden war. Wenn demnach der dichter 
der Nosten nur einen söhn des Odysseus von der Kalypso, keinen 
von der Kirke kannte (wäre das letztere der fall g-ewesen, so 
würde dessen in dem oben ang-ezog-enen scholion unfehlbar erwäh- 
nung* g"ethan worden sein, da der zweck desselben offenbar ist, was 
irg-end an söhnen des Odysseus aufzutreiben war, zusammenzustel- 
len), so schliesse ich daraus, wie ich g-laube, mit völligem recht, 
dass er Odysseus g-ar nicht zur Kirke kommen Hess, und zwar 
weil er diese ausdichtung- der sag-e noch gar nickt kannte. Somit 
benutzte er, und darauf kommt es hier zunächst an, von den be- 
standtheilen unserer Odyssee nur den alten nostos und wahrschein- 
lich dessen spätere fortsetzung- , daneben auch die Telemachiade, 
aber dann freilich noch in ihrer unverkürzten g-estalt, als selbst- 
ständig-e dichtung-. Die jüng-ere bearbeitung- des g-edichtes und 
alles was durch diese hinzug-ekommen ist, war ihm unbekannt, 
woraus sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit folg-ern lässt, dass 
er und seine dichtung- älter sind als jene bearbeitung-. Dies 
stimmt sehr wohl zu 0. Müllers ansatz, welcher aus unverächtli- 
chen g-ründen die abfassung' der Nosten in die 20. olympiade g-e- 
wiesen hat; um diese zeit aber g-ab es noch keine jüngere bear- 
beitung der Odyssee. 

Ich kehre nunmehr zum ausgangspunkt dieser Untersuchung 
zurück und werfe noch einen blick auf das verhältniss der Ne- 
kyia der Nosten zu der unserer jetzigen Odyssee. Wir werden 
zu diesem ende zu scheiden haben zwischen der älteren grund- 
lage der letzteren, welche in ihrer ursprünglichen organischen 
Verbindung mit dem altöii nostos unserem dichter vorgelegen ha- 



Iloiticrisrhr exrursc. II. 29 

heil wird, un<I den Zusätzen der jüng-crcii bearbcitung, die ilim 
nicht bekannt g-eworden sein können. Gehörte zu jener, wie ich 
nicht zweifele, der katah>g- der heroinen , so ist der in den No- 
sten enthaltene als freie nachbildun^ desselben zu betrachten. Da- 
mit stimmt sehr g"ut , dass die personen. welche uns als in den 
.\osten aufg-etührt überliefert sind, (Maira , Fausari. X , 30 , 5. 
KIvmene, Pausan. X, 29, 6. Medca, Arg. zu Kurip. Medea "'^)) im 
katalog- der Odyssee entweder nur ganz beiläufig erwähnt wer- 
den, wie Maira und klymena, (/., 320) oder gar nicht darin vor- 
kommen, wie Medea, wonach es in der absieht des dichters gele- 
gen zu haben scheint, neben freier bewegung in der erfindung, doch 
nicht jede anlehnung an das original durch erganzung und erwei- 
terung der in demselben gegebenen andeutungen auszuschliessen. 
Wenn ditgegen die Kosten des Tantalos und seiner strafe aus- 
führlich und in von den angaben unserer Odyssee abweichen- 
der weise gedachten (Athen. VII, p. 281), so berechtigt dies al- 
lerdings vielleicht in ihrer Nekyia eine der ), 568 ff. ähnliche 
scene anzusetzen : allein da dieser abschnitt in der Odyssee jeden- 
falls als Zusatz des bearbeiters und nicht als ein bestandtheil der 
älteren grundlage betrachtet werden muss, ist in diesem falle das 
umgekehrte verhältni.ss anzunehmen. Die scene der Nosten würde 
freie erdichtung des dichters und somit wahrscheinlich das origi. 
nal sein, welches der bearbeiter der Odyssee und Verfasser jenes 
Zusatzes nachdichtend benutzt hätte. 

Berlin. A. liirchhoff. 

14) Die amazonc Anliopc, über welche Pausanias I, 2, 1 nach llc- 
gias TOD Troizi'nc herirhlol. gehört meiner anKicht uacU nicht in die 
NoHlen. PauHnniaa ritirt nonst regeiniäKiiig die Noslen , ohne ihren 
TerfasÄcr zu nennen, und os ixt nicht zu erweisen, dass im allerthuni 
nur die Noikten unter des llegias namen gegangen »eieu. 



VriHloph. IXubb. V. 2W. 

nin'n\ iftnis ffiti (Ti; ; /iqÖjtov /-(<() Oeoi 

ijüf 9nfiiaf* ovK eati. 
Hier piutNt n^vititp nicbt , denn auascr den wölken räX/ 
ifii'i nkvuifu^ V. 3l»l. Daher c«»njirire ich rufUTut, keiiM* iiiit» 
verkäufliche münze niiid umk nttttt-r ii(bi illi- miin/i- uütu>r hai 
bei unn keinen couni. 

Kitterfeld. u i,i,tuni 



II. 

Erklärung"en zu Pindar's Epinikien. 
(S. Philol. XII, p. 412. XIII, p. 443.) 



Ol. 3, 10 sqq.: . . . «tto {Uiaai;) 

d-£Vfi,0Q0i viaaovt In av&QcoTiovg äoidaC, 
(p Tivi, ygaipmv scpstf^iäg 'ÜQaxX^og TZQOtBQagj 
diQsyrjg 'EXXapodizag yXsfpaQCov ^izcoXog aryg vxpod^sv 
dfiCpl xofxaiai ßdXri yXavx6)(^Qoa yocfiov ilaiag , tdv tiots 
'^lazQov dno amagdv Tzaydv svsrASv ^^fA.q)iTQVcoviddag, 
fÄidfia 7Ö0V OvXvuTiia xdlXiarov d&Xcov 
däfAov ' TTzsgßoQECov TTsiaaig ^ AnoXXmvog ^egdTiorza Xoyq), 
ntaza q)QOvt(ov, /liog ai'zei navdoxcp 

dXaei (JHiagov zs q)vzBVfia ^vpov dv&gojnoig azeqiavov z 

dgardv. 
Setzt man hinter ^oj^qj eine grössere interpunktion, so entsteht, 
wie Hermann (Opusc. VI, 18) und Rauchenstein (Comment. II, 20) 
bemerken, ein unerträgliclies asyndeton ^). Aber mit einem komma 
hinter Xoyo) ist der stelle noch nicht geholfen. Man setze noch 
hinter iXuCag ein komma, hinter dtüXcjp ein kolon und es ent- 
steht sofort eine klare und schöne g-liederung- der sätze. Zuerst 
sagt der dichter allgemein : Herkules brachte von den quellen des 
Istros den Ölbaum als denkmal der olympischen kämpfe. Dann de- 
taillirt er, dann erzählt er, wie Herkules ihn erhalten. Also: hin- 

1) Mit recht bemerkt Heimsoelh im rhein. mus. 1847, p. 6, dass 
CS dem dichter darauf ankam, hervorzuheben, dass der lorbeer nicht 
durch lisl oder gewalt, sondern durch gute gewonnen sei, und so 
musste der dichter verfahren in einem Hede, das ganz dem preise dieses 
lorbeers dient: wie man aber dieser umstand das asyndeton erklären 
soll, sehe ich nicht ein. Nur die häufung der verwandten begriffe mi- 
aatg Xöyoi, mara (fgoyeojy, atTH, (cf. Ol. 1, 83) wird dadurch erklärt. 



Erklärungen za Pindar. 31 

MT ui\».(o» ist ein gedankenahschnitt und dcmg-cmäss eine gnrösserc 
Interpunktion zu machen, worauf dann mit einem cxplicativen asyn- 
deton die nähere ausführung- folgt. Es versteht sich hiernach, 
dass ich im folgenden die lesart alt st heihehalte. Wollte man 
'^).7£ty das mir ein deutliches glossem zu /Jiog nafdoxm aXaai zu 
(in scheint, lesen, so würde nach meiner ansieht eine nicht allein 
rhieppende, sondern durchaus nicht deutliche periode entstehen, denn 
<lie aiihangigkeit der worte axianor xtX. von sveixsv wäre nicht 
mehr fühlbar. 

Ol. 8, 54 sqq.; ei d' iyoo MeXtiain. f| uyfvfimv y.v8og «i/- 

dQUftov v^pq>f 
fttj ßaXtio) f48 Xldqj TQu^Ei q}&6*'0(' 

igto) tavjav X^Q^^y 
tvLv ^ eneiT f dtdQÖJy uu^icr, 
ix nayxQuriov. 
Die ersten worte mit Boeckli und Rauchenstein (Commentat. 2, 
29) auf den rühm, den Melesias aus dem knahentin/ernc^/ gewon- 
nen hahe, zu beziehn, stehe ich sehr an. Denn erstens warum 
braucht der dichter sich vor dem steinwurf des neides zu verwah- 
ren, wenn er den Melesias als lehrer lobt? Nem. 4, 93 beweist 
nicht , dass Melesias neider hatte ^) , und anderswo lobt er den 
Melesias und andre turnlehrer ohne solche Verwahrung, die hier 
olso durchaus unbegreifliich wäre. Wohl aber ist sie begreiflich, 
wenn er den Melesias als sie/jer lobt in einem nicht auf ihn ge- 
dichteten liede. Zweitens aber vermisst man nach der obigen er- 
klärung — dies bemerkt Rauchenstein selbst — eine andeutung 
darüber, wem die in den folgenden Worten erwähnten siege ange- 
boren. Sind aber diese worte gesund, so scheint es nothweiidig, 
. 54 auf einen sieg des Melesias zu beziehn. Ich halte nun mit 
K an der überlieferten lesart fvnt , glaube aber anders inter- 
^iren zu mÜHNen. liergk setzt hinter nu^uv ein komma , ,Mi 
' < fiuyuQatiov |>utius a X''^(i'^ quam a nitxii suspensum sit''. Aber 
. iMt mir nicht deutlich, wie die worte ix nuyxQutt'ov gleichsam 
inüberKpringen können über rai- Ö' Snnt utliQ<Zr ftuxm. t'nd 
lie trennung des artikels voo itdx*^p bleibt ein Ubelstand , der 

'i' I>rnn in dieiier »teile itobt nur, daii Kupbanoii den Mcleiiiai> 
l(* anr« iiURtierate, «Iaiii er »trcil darum nnlaiigen i»urd(>. 
lii kann an dicaer »teile aoweni|f die rede »ein. wie Ol. 1J,44. 



32 ErMärungeu zu Pindar. 

sclion von andern bemerkt ist. Man interpung-ire aber hinter 
snsita und liinter ftdxavj so dass ar8()mv ^antv apposition ist 
und Ta»ö' 87T£na dem tavtav entspricht. Der dichter sag-t: ich 
werde zug^leich diesen (t^ aysvEimv) sieg- crwälmcn und den wei- 
teren, eine männersclihicht. Die worte ix nayyiQuzitw aber be- 
ziehen sich nicht auf einen, sondern auf beide sieg-e, wie es ja auch 
natürlich ist, dass der dichter entweder bei keinem oder bei beiden 
siegen die kampfg-attung nennt. Würden wir sie nur auf die zweite 
X01.QK9 bezielin , so entstände ein falsclier g-egensatz : lavtav {l'S, 
ayEvüoiv) '^(iQiv VixA ■HLv^ 'inwi ix nayAQatlav, Sie aber auf beide 
zu bezieh n, dazu hilft aucli der ihnen vorherg-ehende stropliensclihiss, 
der ilire Verbindung" mit dem unmittelbar vorherg-ehenden lockert. 
Dass ju«/(x sonst nicht vom g-ymnischen kämpf bei Pindar g-ebraucht 
werde, bemerkt Kayser mit recht; aber da dichter, die der zeit 
nach nicht fern lieg-en, das wort so gebrauchen, wie Soph. Trach. 
20, da es ferner an sich um so weniger unpassend erscheint, 
als es hier von dem den faustkampf einschliessenden pankration 
gesagt ist, so darf man, wie mir scheint, daher einen grund zur 
änderung nicht entnehmen. Die ganze stelle heisst demnach so: 
wenn mein lied dem Melesias den im knabenwettkampf errungenen 
rühm heraufliolt, so werfe mich nicht der neid mit spitzem steine. 
Denn (nicht bloss diesen) ich will zugleich diesen nemeisclien sieg 
erwähnen und den folgenden — eine männerschlacht — , die im 
pankration errungen wurden. Nachdem er ihn dann als Sieger ge- 
priesen, preist er ihn im folgenden als lehrer. 
Ol. 9, 53 sqq. : xsircop (laöoi) 8' saaar 

-^aXxäarndei; vuFTfQOi nQoyovoi 

aQxddev ^ lanttiovidog qvzXag 

■xovQOi xoQar — xa) (ptQzuTCOi' Knovidav , iy/^ooQioi ßaGi- 

tzqIv OXvfiTiiog dysfACov 

dvyaro dno yäg ^ Eneimv 'ÖTToerzog dtaQTzdaaig '^xalng 

ui'x^V Manalitiaiv iv SsiQaig yai sveixsp 

yloxQC^, firj xa&tXoi ^iv utoov notnov icpdtpatg 

ooqavov ysTEÜg, 
Dass in dieser stelle ein alter schaden stecke, wie Schneidewin 
Gott. gel. anz. 1848 p. 665 meint, ist nicht einzusehen. Man 
darf nur nicht, wie sämmtliche erklärer thun, vogav xa) cfE^raioai 
KocviÖdv verbinden, sondern vielmehr xfiiojv — xut cpBQzdjuiv 



Erklärungen zu Pindar. 33 

KqopiÖüv, Der dichter sag-t : von jenen (es sind die Xaoi ge- 
meint V. 46) sind eure erzbeschildeten vorfahren, welche vom er- 
sten Ursprung an (der dichter geht noch über die Xao( hinaus) söhne 
sind der niädchen vom stamme des lapetus (insofern die mutter 
der luniy Pyrrha, abstammte von lapetus) entsprungen und vom 
mächtigen Krouiden, stets einheimische könige, bis Zeus ein neues 
geschlecht zu dem einheimischen hinzubrachte. Mit diesen Worten 
V. 57 sqq. wird eben das in v. 56 durch y.ul cptQzuTcap K(tovi- 
(^ür angekündigte ausgeführt. Die I^okrer stammen ab einerseits 
von den XaoC , die immer im lande blieben, andererseits von Zeus, 
der von auswärts ein neues geschlecht hinzubringt vermittelst der 
Protogenia. Denn dass unter des Opus tochter diese zu verste- 
hen sei, scheint mir unwidersprechlich. Sonst würde uns ja Pin- 
<lur über die v. 41 genannte Protogenia völlig im dunkeln lassen, 
obwohl doch gewiss jeder nach den worten : cptQoi^' Ö€ iluMtoyt- 
vtia^ liarti yXäaaur etwas näheres über die Protogenia zu hören 
erwartet. Hermann (Leipz. progr. 1848 p. 5) bemerkt sehr rich- 
tig „Afcc lacere potuit nomen midier is^ ex qua Locro natus esset Opus^ 
nee quam Protoyeniam dixit, Deucalionis et Pyrrhae fü 
Uam esse siynificavit. Pindar also stellt die Protogenia als toch- 
ter des Opus hin ; dass er das nicht allein that beweisen die schollen : 
T//>- llQ(ojoyt-'ptiup ui fxfv /itvxuXiojiü^ (fdaif, oi Öi- 'Onovring, 
Ol. 11, 7 sqq.: txa&ev yuQ insXdojv ^iXXmv XQ^*'^"» 

ifiov xutai'öxvtB ßa&v xQ^o<i. 

ufAOiti de Xvaai Övvatog o^tiuv entfAOfjiqidv yt zoxog «»- 
d(}cör. fvv — xpäcpop iXtcaofit'vut 

ona xvfxa xutuxXvöosi ^eopl 

una TB xoirop Xo^op 

qiXttp rCaofiep «V x<^?'^' 
\iirii diene stelle scheint der conjectur nicht zu bedürfen. Die guten 
.odd. lesen loxog Opurwt bis auf den Pc , der ein yt zwischen 
entfioficpap und roxog einschiebt , und yt hat auch das lemma ties 
alten srliolinsten , wenn gleich an unrechter stelle. Ks ist kein 
gnind, dies yt zu streichen, da es, wie h'ayser und Rauchenstein 
gesehen halten , einen vortrefliichen sinn giebt : zwar die sache 
selbst kann nicht ungeschehen gemacht werden, ober doch den^ta- 
icl der menschen können zinsen autliehen. Wenn aber yr richtig 
I, NO fallt licniuunrN conjectur orara>(;, die ohnehin einen, wie 
"iir scheint , mÜNsigen zusotz enthält, und es frogt sich nur, wiis 
la.iniog... \x , I 3 



34 Erklärungen zu Pinclar. 

an die stelle des metrisch unriclitig^en Ovaiojf zu setzen ist. Wird 
nun ein punkt hinter roxot,- g-esctzt und aus üiazav ein rcg-ens 
für den folg-enden satz herausgesucht, wie mehre kritiker wol- 
len, so wird die kraft des vvv zerstört. Denn vvv muss am an- 
fang- des satzes stelin: jelzt, sag-t der dichter, d. h. nachdem ich 
meine schuld hekannt, jetzt beginne das gedieht seinen lauf. Wir 
müssen daher den satz vor j'vp schliesscn. Nun lesen die inter- 
polirten codd. 6 loxog aiÖQÖov, worin gewiss der artikel als lü- 
ckenbüsser eingeschoben ist; ob aber auch drdoöjp nur um des 
metrums willen hineincorrigirt wurde, ist nicht so ganz gewiss, 
da nach den paraphrasen der alten scholien zu vs. 13 die lesart 
ai'd()cov sehr wohl alt sein kann (vergl. besonders die worte: dvp 
rrjv t:cov avdocöv (A,ofiq)rjv odgrug ipricpov 8ivovfj.8V7]v xaTaxlvasi r« 
7CÖV vfivcov Qsvfxa cot," üvßa). Mir scheint Boeckh's freilich später 
(über die kritik etc. §. 41) gegen Hermann's oväimg aufgegebene 
vermuthung richtig zu sein, wonach üvatcöv entstanden ist durch 
den Wegfall einer silbe aus dem vorhergehenden tribrachys (Boeckh 
meint o, indem er ausgeht von der interpolirten lesart, vielmehr 
dürfte es ya sein) , den man so durch einen iambus ersetzte. Je- 
denfalls ist die lesart avÖQmv durchaus pindarisch, denn Pindar 
verbindet gern mit einem derartigen abstractum einen concreten 
genitiv (vgl. z. b. Pyth. I, 81: 'AaiQOv ti (ji&ey^aio — (ieiajv ine- 
Tai (lööfiog dv&QWTzcav) , und da nicht wohl einzusehen ist, was 
sonst an dieser stelle gestanden haben könnte, so halte ich diese 
lesart für richtig. — Zu dem folgenden satze vvv — oTza — 
nazaxXvaasi brauchen wir nichts zu ergänzen, höchstens ein uyt. 
Er enthält eine aufforderung : nun — auf, wohin die woge den 
stein wälzt und wohin wir unsre schuld zu dank bezahlen werden ! 
d. h. lass der woge nun freien lauf, den stein hinwegzuwälzen 
und lass das gedieht sich entfalten, die schuld zu tilgen. Was die 
vergleichung betrifft, so ist mir nicht deutlich, wie man bei ypu- 
qog an einen rechenstein denken konnte, der mit einer woge 
doch nichts zu thun hat. Aber ich kann auch nicht Rau- 
chenstein beistimmen, welcher (Commentat. 2, 34) die stelle so 
erklärt: „es wird mir ebenso leicht werden , die schuld zu tilgen, 
als der woge, den stein wegzuwälzen." Denn von einer leichten 
tilgung der schuld spricht der dichter nicht und konnte er schon 
aus rücksicht gegen den sieger nicht sprechen, auch würde er 
damit seine eigenen worte v. 8 : 6 [asIIcov xQ^'*'^'» ^V*^** ^«^a/cr- 



Erklärungen zu Pindar. 3$ 

XVV8 ßa&v XQ^og aufheben. V^ielmehr will der dichter sagen: wie 
die strömende woge den liemmenden stein herumwirbelt und über- 
fluthet, so dass er also verscliwindet , so soll der ström meines 
liedes die schuld tilgen. 

Pyth. 5, 94 ff. : (idxuQ fih' atÖQcöv fieza 

sraiev (Bdizog), l]Q(og ö" ineira ).aoasßtjg. 

at€Q&8 08 TZQO dafÄcizcov eiEQoi Xttj[6visg aidav 

ßaaiXseg hgoi 

ivtif fieyaXäv Ö' agsiäv 

Sgoacp fial^axu 

Qavdaiaäv 

xoo/ioji' vno i^viAuaiv 

äxovovri nov i&ovia (pQSvi\ 

öcpov olßov vl^ Tfi xoivdv x^Q^*' 

BvdtHOV t '/^QXEÖlXa. 

An dieser stelle brauchte man nur dem scholiasten nach lesart und 
construction zu folgen, um einen vortrefflichen sinn zu erhalten. 
Er sagt: fror Öf intöi'jicov aov uqskov yuTuxovovaiv , ca ' Agye- 
aiXa, Ol ngoyovoi zjj savxwv cpgevl tfi vTioyeiqj. tcor uqetöjv di-, 
tmp olamp nvToTg oXßov. Die worte aq)ov oXflov xtX. also nahm 
er, wie neuerdings Bergk, epexegetisch ; von t* aber, welches in 
den meisten codd. sich hinter ii(ü[A(ov findet, zeigt er keine spur. 
Mir scheint r« eingeschoben , weil man die verwandten begriffe 
dpo(7(p naXOuAa und xwftoji' vno xivfiaaty verbinden zu müssen 
glaubte, was aber nicht angeht, da ja ugeräv xcoftoiv vno x^vfAa<7i 
QatOtKjfiv nicht gesagt wcnlen kann. Der dichter sagt: Unter 
den güssen der lieder hören die könige grosse tugendeu be- 
sprengt mit zartem thau, die für sie ein segen und eine mit dem 
söhn gemeinsame und rechtmässig dem Arkesilaos zukommende 
Zierde sind. Die xcu/icur j^^t/fiara also, die wie eine grabesspende 
auf die gräber der vorfahren ausgegossen werden , sind das 
incitirende, sie nifen die abgeschiedenen wach, sowie Kuripides 
sagt Hec. 534 sqq. o) nal flriXtatg , narrjQ Ä' tfiog, Ä»|a« X®"^ 
fiuv tuafit xrjXrjTTjQiovi' , fgXQMi' ayo^yoi\\ Noch bleibt das rnn 
der bücher zu besprecheu, das llergk beibehalt, mir aber uner- 
klärlich Mcheint. Hermann schrieb aus conjcctur dus, was der 
Mcholiast z. v. 130 licjit : fr)r fieyuXtjf tov *AQX8atXdnv a^«ri/r 
toig ttou]ftaai» tnixnaftovfititjp dxovovctt nov ol ngoyofot rg X^*^' 
fin avtöit (jpgtti. Diese» nov iitt völlig augemessen in einer vor- 

3* 



36 Erklärungen zu Pindar. 

Stellung-, welche bei den Griechen ganz fest war (vgl. Nägels- 
bach nachhom. theol. p. 415 sqq.), wenn auch der dichter ol. 8, 
77 sicli etwas bestimmter ausdrückt. 

Nem. 5, 2 sqq.: im miaag aXxddog ev t' «xarqj , yXvviu 

doidd, 

atalx' oin^ Alyivagf ÖiayytXXoiG' oii 

Adfinmvog vlog TIv&Eag svQVö'&et'^g 

vUri Nsfittoig fiayxQuriov GTscpavor, 

0V7ZC0 yivvöi (paCpcov zsQSivav (AatsQ^ nlvdv&ag hndogav. 
Wunderbar, dass man in alter wie neuer zeit die klaren, schönen 
Worte des letzten verses missverstanden und darum zu ändern ge- 
sucht hat. Zwar Bergk's meinung, dass f^aitg für fiurtQi stehe, 
ist mit recht von Rauchenstein (Jahn's jahrb. 1858, p. 243) abge- 
wiesen; dieser selbst aber schliesst sich Hartungs Vorschlag an, 
wonach statt oncouap f^arso' oivdi\}ag zu lesen sei oudpüav /<«• 
Tf ^' oTzoaQug. Demnach wäre dann der keim , der erste spross 
die mutter der reifezeit, was ich nicht verstehe. — Bedarf es 
einer parallelstelle, so setzen die schon öfters verglichenen worte 
in Isthm. 2, 5 oarig iav xaXog £?/£r ' AcpQo^kag tv&QOvov fivd- 
oteiQiiv ddlüTixv oncogav alles ins reine. An beiden stellen heisst 
oTKßga das, was es eigentlich heisst, die reife , und es ist aller- 
dings nicht ganz genau, wenn Lübbert (de elocutione Pindari, 
Halle. 1853 p. 12) sagt: o;rco^a nil nisi iuventutem signißcat et 
proprium signißcatum prorsus exuit. Die reife im jähr ist der 
herbst; wird das wort aber vom menschen gebraucht, wie es in 
den stellen Pindars der fall ist, so bezeichnet es die mannbar- 
keit, die aus der zeit der unreife, dem kindesalter, herausgetre- 
ten ist; es kann also nicht davon die rede sein, dass oTiojfja an 
unserer stelle herbst bedeute. Die mannbarkeit nun kündigt sich 
an durch ihr produkt, durch ihr kind , den flaum , welchen Pindar 
durch oivdv&ij — die ersten sprosse der rebe — bezeichnet. Dies 
wort allein steht bildlich, nicht otkoqu. 

Isthm. 7, 45 sqq. : cot,' qparo KQOiiöutg 

ipi'tTJOtca &sd (0i(iigy toi ö' ini ylecpdqoig 
vBvaav d&avdzoiaiv knimv 8s KaQnog 

ov ^aticp&ivB. (favti yaQ ^vv' dlsyeiv 

xal ydjAOV Ghiog uvanra. 
An der handschriftlichen lesart dvaniu hat man grossen anstoss 
genommen. Es sei selbstverständlich und somit nicht erwähnens- 



Ertilärungen zu Pindar. 37 

werth, dass Peleus, der übrig^ens auch nicht deutlich bezeichnet 
werde, in der besorg^ung- seiner eig-enen hochzeit nicht unthätig 
gewesen sei. Man will daher äraxTi lesen und als subject zu 
dltjBip sammtliche g-otter verstehn, die ja bei der hochzeit von Pe- 
leus und Thetis anwesend waren. Ich sehe nicht ein , wie eine 
solche ergänzung- möglich ist. Andre wollen ataxTE oder urax- 
tafy wogegen Härtung <len eben so richtigen als nahe liegenden 
einwand macht , dass von Zeus und Poseidon ja schon gesagt 
sei, dass sie einwilligten. Er selbst versteht unter dem uva^ den 
Nereus, der als vater bei der verheirathung der tochtey zunächst 
betheiligt sei. Aber wer versteht das? wer kann mit dem «1«$ 
sonst gemeint sein , als ein schon im verlauf des gedichts ge- 
nannter und zwar kurz vorher genannter? Das ist aber Peleus, 
nämlich v. 45 und kein anderer kann hier verstanden werden ^). 
Die Worte der Thcmis, sagt Pindar, hatten erfolg; die götter 
hatten ja ihre einwilligung gegeben. Aber Peleus ist auch bei 
der Sache betheiligt, und wie er sich dazu verhielt, weiss der le- 
ger noch nicht. Dies sagen unsere worte, und mit (putii spielt, 
wie mir scheint, deutlich der dichter an auf den berühmten liebes- 
kämpf, durch den Peleus sich die Thetis erwarb. 

Berlin. Ä", Friederichs. 

3) So auch Dissen, weicher auch richtig xat zu ät^axTa bezieht. 
Sein grund freilich hangt mit meiner ganzen ebenso willkürlichen als 
unpoetitrhen aufTasdiitig des gedichts , die iil)rigen.s auch T. Momriisen 
theil* ?■••-.',. ,. worauf \r\\ nn «'iriem .nnieren ort zurückkommen 

wer«!' 



Zu Pbiloi. XI, p. 390. 

In bctreflf der dankenswerthcn „erinnerung an einen verges- 
Hcnen*^ erlaube ich mir zu bemerken, dass kein grund vorliegt, 
,^Demophon* nicht für „Demophontis (ilius*' zu nehmen. Der ulte 
gelehrte, dem ich duM lob Heiner entdeckung nicht verkümmern 
mochte, »pricht wie Salmasiut, der Apoltonius Mulo u. a. statt Mo- 
lonii fiiius für allein römiMch erklärt, ad Regill. Her. hiMcr. p. IH7 
Mi|. , wie Gronot). od Sen. Med. (HM, Lipsius ad Scn. de Kenefic. 
3, p. 307 u. a«, um de» IhoXtfAuhi^' '> Juyog bei spätern <«rie 
chen nicht zu gedenken. 

Fricdland. U. IJnger. 



III. 

Beiträg^e zur kritik des Ag:amemnon des Aeschylus. 



1. Agam. v. 128 Diiid. v. 123 Herrn.: ndvxa da nvgycav 

7tT1]V7] TTQOa&Stä dt]fÄl07Tlr]&7j 

Moiga kand^sL ngog to ßt'aiov. 
Das fragliche wort ist Tzgoa&szä -— so steht im codex. Wer, wie 
die meisten editoren, ngoa&a ra StjfxioTzXrjxJtj festhält, müsste be- 
weisen, dass das adverb so vor dem artikel stehn könnte. Her- 
mann behauptet dies, ohne selbst so zu schreiben; die stellen aber, 
welche er anführt, sind sämmtlich anderer art. Soph. El. v. 1486 
steht {}v/j6HEir ubXXcovj ähnlich Soph. 0. R. v. 617 cpQoveiv ol 
taxsTg , Ant. v. 710 avöga ro fiavx^dvsiv nült uiöXQOv ovdsv, 
Eur. Ale. V. 1050 gar nichts der art, Androm. v. 215 dfiq)i Ogf,- 
XTjv yiovi zrjv xazaQQVTov — was ist denn da nur annähernd ähn- 
lich? Dass abhäng-ig-e infinitive oder casus vor dem artikel oder 
nach dem nomen eben so gut wie zwischen beiden stehn können, 
bedurfte keines beweises; dass aber ein adverbium, welches eben 
durch seine Stellung- zwischen artikel und nomen erst jene unmit- 
telbar appositionelle beziehung* zu letzterem erhält, vor dem arti- 
kel oder nach dem nomen ohne Wiederholung des artikels stehen 
könne, wird wohl nicht zu beweisen sein. So wenig- ndXai ol äv- 
•d^Qconoi oder ol ä. TzdXai dasselbe bedeuten kann wie ol ndXai 
a. oder ol d, ol ndXaif ebensowenig- kann ttqog&e ra 5j](jii07TXrj&ij 
denselben sinn haben wie td tiqucx^s brjiAioTtXrid^r], Nun bleibt, wenn 
man nicht ändern will, noch übrig-, nach Pauw mit Hermann TZQoa&eza 
zu schreiben, und zu erklären „vi fatum turrium diripiet opes collatas 
a populo". Aber TTQoa&szog heisst „angefüg-t, hinzugebracht, zu- 
ertheilt", und kann der Grundbedeutung seiner bestandtheile zu- 



Beitrage zur krüik des Acschylus. 39 

folge uiemals „cuUatus" heisseu. Dass Thiersclis Vorschlag- TZQna&sra 
dtjfiionXr/xft'aiy abgeschn von anderen bedenken, keinen entsprechen- 
den sinn giebt , hat Schneidewin bemerkt; aus demselben gründe 
ist auch weder //. L.Ahrens nQog de tu noch Wieseler^s nQog je 
7t(. haltbar. Denn wenn man auch annehmen konnte, niQyMv nzijvyj 
bedeute die reichthümer des furstenhauses im gegensatz zum besitz 
des Volkes — eine ausdrucksweise die nach beiden seiten ausser- 
ordentlich gezwungen wäre — , so würde es doch in der that ge- 
schmacklos sein, noch in der plünderung einer stadt, wo jeder der 
siegenden nimmt worauf er stösst, den unterschied zwischen dem 
gute des regentcniiauses und jenem des Volkes aufrecht erhalten 
zu wollen. Schneidewin wird desshalb darin wohl recht haben, 
dass er die stelle für stärker verdorben hält; nur wird ihr sinn 
wohl nicht gewesen sein, wie er nach II. 18, v. 288 vermuthet, 
,,die früher in aller weit gepriesenen (nun verschwundenen) schätze", 
denn nacii dem deutlichen sinn der stelle sollen die schätze ja 
eben nicht verschwunden sein, sondern erbeutet werden. Vielmehr 
wird eine änderung zu machen sein, welche zugleich den gedan- 
ken dem von kalchas gedeuteten volgelzeichen näher bringt, näm- 
lich niivta de nvqytav xtijvi] * vtoö&s ia örjifiionXtj&tj. 

Das htoctOt sonst meist nur bei epikern steht, kann diese 
«mendation nicht unmöglich machen, da es doch auch in prosa vor- 
kommt, und am allerersten bei Aeschylus unter den tragikern epi- 
sche formen zulässig sind. Ueber die. aphäresis und die nächste!- 
lung brauche ich nichts zu sagen. Es schliesst sich aber diese 
änderung an die schriftzüge des Laur. ausser des nicht seltenen 
Übergangen von A^ in 77 noch durch den accent an, welcher trotz 
de» gemachten fehlers richtig stehen geblieben ist. »Sie em|dlehlt 
sich ferner dadurch, dass man nun erst nvQyoiv ungezwungen con- 
ütruiren kann. Kisher musste man nv(iymv xr/jrTj^ da es kein lu> 
caler genitiv sein konnte, possessiv auffassen, „die reichthümer der 
tliürme", und das ist jedenfalls eine lästige gedankenhärte. Ii)nd- 
lich alH;r tritt durch ivtnaOt die bedeutsame gleichheit des vugel- 
zeichenti mit der auslegung des schers in ein weit helleres licht. 
Uie die udler die trächtige häsin zuletzt n<K!h ereilten und sie 
sammt ihrer fVucht, die im innern ihres leibes geborgen war, ver- 
zehrten, so wird , sogt Kalchus , dieser kriegszug nach lon- 
ger zeit die »tadt erobern und alle reichen schätze, die inner- 
halb ihrer waucr denn die muuer bedeutet nv{ty(n ; schutzkam- 



40 Beiträge zur kritih des Aesehyliis. 

mern könnten schwerlich durch nvQyoi ung-edeutet werden — g-e- 
borg-en waren wird das Schicksal g-ewaltsani erbeuten. Offenbar 
gewinnt das bild an sinnlichem parallelismus. 

2. Agam. v. 170 Dind. v. 158 Herin. hat derLaur. ovdhr U^ai 
ttqU' Öjv. Die stelle ist eine der vielbesprochensten, und ihre corrup- 
tel so offenbar, dass man nur die richtig-keit, nicht erst die nothwen- 
dig-keit einer änderung- darzuthun hat. Zunächst hat man wohl um 
des trochäischen masses willen richtig- aus li^ai g-emacht Xs^tTai. 
Ebenso erfordert das versmass einerseits eine änderung des o^ö«V, 
und macht andererseits, da es ganz rein sein muss, die vorschlage 
von Schütz und Blomßeld unmöglich. Hermann und Franz schreiben 
ov IslE^tTixi 7tq}v cor — allerdings den schriftzügen sehr ähnlich, 
aber welch ein sinn! „Neque qui antea potens erat, non dicetur 
fuisse". Also mittelst einer litotes, und zugleich fuisse im präg- 
nanten sinne genommen wie in „fuit Ilium": „wer vorher gross 
gewesen, von dem wird man nicht leugnen dass er gewesen', d. h. 
man wird allgemein zugeben, dass er nicht mehr existire! Das 
wären wirklich worte a ^vf^ßaltlv ov gaÖiov tjv, selbst wenn sie 
diesen sinn haben könnten. Aber weder kann ttqIv tap die bedeu- 
tung eines absoluten perfecti haben: „dass er gewesen und nun 
nicht mehr sei", sondern es kann nur heissen „dass er vor zeiten 
war — und vielleicht noch ist", noch kann man Xslt'^sTai ohne 
beleg aus den tragikern hinnehmen. Ahrens und nach ihm Schnei- 
detoin schreiben ov8l Xs^srai. 7zq)v kv „er wird als ein abgetha- 
ner jetzt nicht einmal mehr gezählt werden" (Schneidewin). Ab- 
gesehen aber von dem bedenken, dass n{))v (»v nicht diese präg- 
nante perfectbedeutung haben kann, macht der gedanke, „er wird 
nicht einmal erwähnt werden" einen sehr trivialen und fast komi- 
schen eindruck, namentlich desswegen, weil ja der chor eben von 
dem betreffenden spricht. — Der stelle ist allerdings schwer mit 
Sicherheit zu helfen; wenn man indessen annimmt — was wohl 
jetzt allgemein zugestanden wird — dass der Schreiber des Laur. 
wirklich Xi^ETai. schreiben wollte und st durch ein versehen aus- 
liess, so wird in Xs^trai wohl nichts leichter sich verborgen 
haben als ds^szai {A und A) , und aus ovdiv wird ov8\ was je- 
mand, um Xi^BTai oder Xi^ai verstehen zu können, in ov8iv än- 
derte. \Af^BÜai steht sonst zweimal bei Aeschylus. Ich halte 
aber ngh cov ebenfalls für sinnlos und verderbt, und vermuthe 
dass dafür ein particip eines verbi, und zwar parallel mit dem 



» Beiträge zur kritiH des Aeschylns. 41 

tvxfäv des folgenden verses . ein part. aor. II , wahrscheinlich nf- 
atupy gestanden habe. Nun heisst die stelle: 

ovd* di^erat nsacop' 

og ff snstT sq)v, tniaxTijQog or/srai tv)[(6v. 
Dass der sinn: der, welcher vordem (nämlich bevor Zeus ihm die 
höchste gewalt entriss) gross war strotzend von muth, nimmt nicht 
zu (an macht) nachdem er gestürzt ist , und der welcher hernach 
auftrat (nachdem Zeus die götterherrschaft gewonnen) ging davon, 
da er auf einen unüberwindlichen stiess (ohne seinen zweck, Zeus 
zu stürzen, erreicht zu haben)", — dass dieser sinn einfach und 
passend sei, sowohl an sich als auch namentlich mit rücksicht auf 
den von Zeus gestürzten Kronos und die auf Zeus einstürmenden 
(«iganten und Titanen wird niemand bestreiten. Noch lieber läse 
ich uvi* ut^trai ttsöcov] doch scheint mir das doppelte ovdt von 
Srhneidewin richtig vertheidigt zu sein. 

3. Agam. v. 216 F)ind. v. 204 Herm.: navcavsfÄOV yitQ ^uaiag, 
nuQOfviov !*>' alfiurog f gyn nBQioQycag tntüvuHv &8fiig' «5 

yaQ fuj. 

Die letzten worte sv ydg sitj zu verbessern haben die heraus- 
geber fast aufgegeben. Schneidewin sagt: „mir scheint jede ände- 
rung der überlieferten formel misslich, so seltsam die fügung ist". 
Somit bleibt er bei Hermanns erklärung stehen: ,,£1* yug Biq ita 
explicandum est, ut omisna censeatur sententia, ad quam yaQ refe- 
ratur: $ic fiat. Ita «piod brevissime dixit poeta accipiendum hunc 
in modum : nam, quoniam eoitari non polest j optandum ut bene ter- 
laC, Aber hiermit haben wir immer noch nicht den gedanken, 
auf welchen ydg (oder iiam) sich beziehen könnte. Denn beide 
Partikeln können doch nur eine begründung oder erklärung ties 
vurhergeiiagten einleiten, nur „denn^' oder „nämlich" heissen. Nun 
kann man aber den gedanken: „dass das beer ein windstillen<leN 
Opfer mit eifer fordere, ist recht" weder erklären noch begründen 
durch „denn" oder „nämlich es möge zum guten 8ein'\ und der 
von Hermann ergänzte gedanke „da es einmal nicht zu ver- 
meiden iMt" hilft hierzu nicht das mindcNte , da er vielmehr hierzu 
den wuuMch „möge e.H zum guten Hein'\ begründet, also logisch 
nachzuiitellen int. Will man ydg in dieser Verbindung seiner Ix)- 
deutung gemäNN erklären, no muNN man die auNlaMNung zweier g«* 
diinkeu noneliiiiDn (wie auch die hcraungeber unbewusiit thun), V(»ii 



4:2 Beiträge zui« kritik des Aescliylus. , 

denen der eine die notliwendig-keit des opfcrs in einem causalen 
Vordersatz zu sv tuj behaupten und der andere sie parenthetisch 
begründen würde; etwa so: ETZtidi] Ö' ovv rzüaa avayv.ri {vnx\ yaQ 
doxH dvayxalov eh'ut), tu €/'//, oder, wie Hermann hätte schreiben 
müssen: „quoniam ig-itur non evitari potest (7iam revcra videtur 
non evitari posse), bene vertat", Dass aber dieser g-edankencora- 
plex in dem tv yuQ thj liegen könne, kann man wohl g-etrost be- 
streiten; eine solche ellipse wäre nicht sowohl kühn als vielmehr 
unverständlich. So erweist sich die g-ewöhnliche und einzig- mög"- 
liche erklärung der vulg^ata als unmog-lich, und damit die letztere 
als unhaltbar. Als Verbesserung ist vorgeschlagen von Moritz 
Schmidt, — ich bin augenblicklich nicht in der läge, die Zeit- 
schrift anzugeben wo ich diese conjectur fand — ov yag 
ni] y „das sei ferne!" bezogen auf nii^ Imoiavg ysvoofiui tv^- 
fÄU^iUi; cifxaQTcov', unmöglich für die construction, denn man 
kann das ydf) nicht über den langen Zwischensatz 7iavaart)Aov — 
■OtfAig, in welchem auch noch ein ;7x'o steht, hinüber auf jene Worte 
beziehen, und störend für den sinn, denn die worte navanvtfiov — 
&i-:(jLtg sind nun müssig und ohne beziehung. Geistvoll ist Schö- 
manns Vorschlag £i 6' «(/, titv : y,wenn es denn aber recht (i?^)i^t,') 
ist, so sei es drum!" Doch auch dieser geht von einer unrichti- 
gen ansieht aus. Der hauptpunkt nämlich, über den man sich 
vorher entscheiden muss, ehe man eine emendation versuchen kann, 
ist die frage, ob Agamemnon bei den letzten worten der antistro- 
phe seinen bestimmten entschluss, die tochter zu opfern, gefasst 
habe, oder ob er noch zweifele und überlege. Das erstere ist der 
sinn der gewöhnlichen lesart und der beiden angeführten conjectu- 
ren ; ich halte aber das letztere für das entschieden richtige. Ebenso 
hat 0. Müller kl. sehr. 1, p. 287 und Martin obs. in Aesch. p. 4 
genrtheilt. Die gründe für diese ansieht sind hauptsächlich fol- 
gende. Wäre in den Schlussworten der dritten antistrophe schon 
Agamemnons entschluss zur Opferung geftisst und ausgesprochen, 
so könnten die ersten worte der unmittelbar folgenden vier- 
ten Strophe STZtl ö' dvdyxag sdv )J'.7a8vov „als er aber — " nicht 
in einen solchen gegensatz zum vorhergehenden treten wie es hier 
geschieht, sondern statt oder neben der adversativen partikel müsste 
eine folgernde stehn, etwa insl 8' ovv, „da er nun also das joch 
der nothwendigkeit auf sich genommen". Dass der entschluss des 
königs hinter seine worte fällt, geht ferner daraus hervor, dass 



Beiträge zur kritik dos Aescbylns. 43 

die Worte der vierten strophe q)Q8f6e nvtcov 8vaasßij tQOTtaiav, 
nebst der partikel roOtv auf eine entschiedene Sinnesänderung-, ei- 
nen starken g-egensatz g^eg-en die in der dritten antistroplie ange- 
tlilirten worte des könig-s deuten, der doch g-ar zu sehr al*g-e- 
schwächt würde, wenn die cpqbvqq TQonai'a schon in den eigenen 
Worten des königs einträte. Die ganze strophe drückt den ener- 
gischen schmerz des königs über die unheilvolle alternative aus, 
der ihn zu ausbrüchen des zorns und zu thränen treibt; aber wie 
leicht wäre dieser schmerz überwunden , wenn sich an die worte 
des überlegens sofort und unverzögert die einwiiligung anschlösse. 
Dem Zuhörer muss die möglichkeit gelassen werden anzunehmen, 
dem könige habe dieses dilcmma längere zweifel und kämpfe ver- 
ursacht. Endlich ist es psychologisch gewiss viel feiner, und ganz 
der Zartheit angemessen, mit welcher Aeschylus diesen ganzen 
traurigen Vorfall der Opferung vom chor behandeln lässt (indem 
dieser z. b. wohl die Vorbereitungen zum Opfer genau schildert, 
über den todesstoss selbst aber ganz schnell hinwegeilt) , dass er 
zwar dem seelenquälenden zweifel die eigenen worte des königs 
leiht, nicht aber dem endlichen , unheilvollen entschluss , sondern 
diesen nur referiren lässt (im anfang von strophe d') und zwar 
nicht ohne die gebührende kritik. Wenn nun unsere bisherigen 
austührungen richtig waren, und wahrscheinlich gemacht haben, 
dass Agamemnons worte in zweifelndem nachsinnen ohne endli- 
chen entschluss abiirechen müssen , so wird sich für die schon 
ohnedies als nothwendig erkannte änderung am meisten empfehlen 
7iav(TUVffiov yuQ ^vauti; | nagOeviov {>' ainutoi; oQya TtSQiOQ- 
ytog (tfp (em. Schneidewin) iniOvfieif Oefii^" si yaQ eiitj. 
iNämlich Ohftn;. .«Dass «ie das opfer verlangen , ist recht und bil- 
lig-- möchte es das doch sein!" Agamemnon erkennt die billigkeit des 
Wunsches, um jeden preis günstigen wind zu bekommen, vom Stand- 
punkte det heere» an, und wünscht nur, dass «lieser wünsch, und 
die Opferung von seinem slandpunkle betrachtet ebensi» \h)ti^ sein 
möge, und nicht vielmehr ein aOefttrop, Nonchliesst die dritte anti- 
stroplie mit einer überraschenden, acht äschyleischen gedankenp<iinte 
— ich erinnere hier nur an das püt*; uvan; der Perser, lui^ts' 
uaatdfx iier Kumeniden, ferner du« ürltjTu rXäaa Ag. v. lOH und 
;frt(jiv* rt;f«»4rov' und u^aftif l.'lio. v. 44, Ag. v. 1545 statt 

des nllgemeingehaltenen. jedenfalls matten Wunsches „möge es sich 
zum besten kehren". lUun wende nicht ein , duss es dann viel- 



44 Beiträge zur Isrit'ih des Acschyliis. 

mehr ti yaQ ijv heissen müsste: dies würde so^ar einen falschen 
g"edanken g-eben. Denn das iinperfect würde ja das schon fertigte 
urtheil des könig-s ausdrücken, dass die Opferung- nicht üt'fug (für 
ihn) sein könne, und dann müsste er sie aus gewissensbedenken 
um frevel zu vermeiden unterlassen haben. Aber eben dies ur- 
theil ist noch nicht gefällt, ob die Opferung ß-t/xig sei oder nicht, 
ist der gegenständ peinlichen zweifeis. In Agamemnon streitet 
der ehrgeiz mehr noch als mit der vaterliebe mit gewissensscheu 
vor befleckung, und es kommt darauf an, nicht ob er die that übers 
herz bringen, sondern ob er sie vor seinem gewissen rechtfertigen 
könne. Der optativ hat also seinen guten grund; er sagt aus 
dass der könig es wenigstens nicht für unmöglich hält, ja dass 
er wünscht, auch seinerseits das opfer für x^sfug erklären zu kön- 
nen, und man ahnt daraus, wie seine endliche entscheidung aus- 
fallen werde. 

4. Agam. v. 378—379 Dind. v. 362—363 Herm. haben die 
codd. (wenn ich die vorhergehenden verse gleich mit den Verbes- 
serungen Hermanns und anderer hersetze): 

Ti^cpavTai 8' iayovoig 

äzolix^img " Agr] 

7zvs6v7(X)v (aeJ^ov Tj Sixcticog 

qjXsovTOov Scofjidzcor vTzeoqisv ' 
378. 362 V7T8Q to ßsXTiatov satco ö' dTTfjfiapTov coats ndnaQuuv 

SV TTQanidoov Xaiövta. 
Dass hier vtiIq to ßelTiarnv ausserordentlich matt sei, so dass man 
es für ein glossem halten möchte, wenn nicht die antistrophe ganz 
genau entspräche, haben wohl die meisten anerkannt. Dazu kommt 
das unveranlasste asyndeton, um eine änderung unumg-änglich zu 
machen. He*"mann und nach ihm Schneidewin haben geschrieben 
OTiEQ to ßtlriöTOP , und Hermann übersetzt „ — nimis affluente 
opibus domo: quod quidem est praestantissimum : sed vacuum esto 
crimine". Schneidewin citirt noch mehrere stellen für den satz : 
„der reichfhum ist das höchste glück des menschen'', sagt jedoch 
zugleich, 07T8Q to ßi-'lriötov klinge ihm allzu nüchtern. Letzteres 
wäre noch kein beweis gegen die richtigkeit der conjectur: aber 
der gedauke, obwohl im alterthum oft anzutreifen (Schneidewin 
hätte noch aus Theognis stellen citiren können) ist doch gar nicht 
aeschyleisch , und namentlich an dieser stelle entschieden falsch. 
Hier ist der gedankengang folgender: der chor hat so eben den 



Bcitrjlpp zur krifil» des Acschylns. 45 

irrthum derer g-cstraft, die eine vercceltung" des frevels durch die 
Q;iitter leug-neten (v. 369 — 372), und tulirt in den verscn (374 — 
377) als beweis für seine meinung^ die erfalirungen au , dass es 
den nachkommen überreicher g-eschlechter übel zu ergehen pflege, 
wenn der reichthum übermuth erzeugt habe, wie sich an den Pria- 
miden zeige. Er redet also in dieser stelle nicht von dem glück 
und den vortheilen, sondern von den gefahren des reichthums; und 
wenn er sich auch in einem späteren liede v. 750 ff. im ausdrück- 
lichen gegensatz gegen den alten volksspruch, dass des reichthums 
nothwendige nachkommenschaft elend sei, zu dem edeln und rich- 
tigen satze bekennt, dass nur des frevels gehurt das verderben 
sei, nur aus der v(i()is die uTtj entspriesse, so erkennt er doch in 
unserem chorlied von v. 380 an, gewarnt durch das beispiel des 
Paris, die grossen gefahren des reichthums zur Verführung der 
menschlichen leidenschaft und schwäche an: dies macht ihn auch 
in bezug auf das grosse glück seines königs bedenklich , und 
er erklärt sich zum schluss für einen entschiedenen laudator au- 
reae mediocritatis, v. 471 — 474, auch in bezug auf den reichthum, 
xQiro) d' ä(f&opof oAj^or. Der gedanke also (fliovxa öa)^uTu 
vntQCfBv sei 70 ßiXtiaTov kann nicht an der spitze dieser gedan- 
kenreihe stehen; er würde allem folgendem widersprechen. Wohl 
aber sollte man erwarten, dass ein dem xqivo) ö' ucpOnrof <')).ßot\, 
womit das lied als mit seiner summe schliesst, ähnlicher gedanke 
>chon unmittelbar zu den einleitenden worte trete, die von der 
vcrcreltung des durch reichthum erzeugten übermuths handeln. 
I jiiiii solchen gedanken gewinnt man , wenn man mit änderung 
/.weier buchstabcn schreibt: 

inti rn (i^XnaTop sai\ öjÖ' unijfiupToVf coart AunaQxeh 

tlf nQurridojp J.u^opra. 
Also mit hinzunahnie der vorhergehenden vcrse: „die Vergeltung 
der goUer zeigt sich an den nachkommen derer, die im vertrauen 
auf den unendlichen reichthum des hauses übermuth athmcten, da 
• K du« hcffte liMis ist, in der weilte ohne nuth (leid) zu sein, bei 
verständigem sinne, dass man zufrieden ist", yluxupxu gehört zu 
\rn]^upt(ip thut, und hat mit ü.tuqaüp nichts zu thun. Iliernuiih 
i-it auch llermunuH Übersetzung von ani'i^iariop „vucuum criminc" 
/.ii rorrigiren; in ni,tta liegt zunächst gar nicht der hegrifl' des 
\<Tbri'cluMiH. Der folgende gedanke: ,.<lrtin fiir «1» ' '' r ttiv irl.rr 



4Ö Beiträge zur kritik des Acschylus. 

mutli (las recht verletzte, ist der reiclitlium keine hülfe" schliesst 
sich aufs heste an. 

5. Agam v. 470 Dind. 448 Hermann.: ßdllarai yag oaaoig 
Jio&sv xegawog. Dass ü(j<Joig widersinnig- sei hat Schneidewin 
gegen Hermann erwiesen. Schömanns conjectur o^vg verkennt den 
gedanken, den das bild eben erläutern soll, den gedanken nämlich, 
dass ausserordentliche grosse auch ausserordentliche gefahr mit 
sich führe. Sehr passend führt Schneidewin das Horazische (carm. 
II, 10, 10) „feriuntque summos fulgura montes" nebst den gleichen 
stellen Herod. 7, 10 und Lucrez 5, 1131 an. In diesem richti- 
gen sinne conjicirte Lobeck "Oaoa, eine keineswegs ^^mira coniec- 
tura^^ wie Hermann sagt, obgleich der dichter schwerlich den all- 
gemeinen gedanken so auf den speciellen fall der Giganten be- 
schränkt haben möchte. Schneidewins ös HQoaaaig veranlasst er- 
stens eine änderung des nothwendigen -/uq, und führt zweitens ein 
seltenes, nicht tragisches, und als specieller terminus technicus 
unpassendes wort ein. Das richtige wort wird ox&oit; sein, wo- 
bei eigentlich nur ein buchstabe geändert wird, und so dürfte 
diese stelle des Aeschjlus als die quelle der gleichen gedanken 
bei Herodot Lucrez und Horaz anzusehen sein, wenn nicht, was 
sehr wahrscheinlich ist, schon Aeschylus selbst eine sprüchwört- 
liche redensart in sein chorlied einflocht. 

6. Agam. v. 737 Dind. v. 711 Herm. wird die antapodosis 
zu der berühmten parabel vom jungen des löwen eingeleitet durch 
die Worte nagavtct d' ilOsiv tlg ^ Jliov tjoIiv Isyoifx uv /.xl. 
Statt des unmöglichen ndgavia was ja „sogleich, plötzlich" be- 
deutet, während der sinn ein „so" verlangt, schrieb Dindorf nuQ 
avzd: aber da fehlt das demonstrativum; Wieseler nag av raÖ' : 
aber av „andererseits", was soll das? Schneidewin tzuqui zäd\ aber 
nagal ist untragisch. Ich schlage toiavta 8' vor^ welches adverb 
gerade so steht bei Soph. 0. R. v. 1327 nag hXijg zoiavra tag 
oxpeig (lugävai; — IldQavta scheint übrigens nur durch ein ver- 
sehen des abschreibers von seiner rechten stelle entfernt zu sein 
und nach v. 728 Dind. 702 Hermann, zu gehören : 

IQOviG-Jeig ö' dn^dti^ev 

'iOog ndgavT a tox^cov. 
Dort hat Wellauer to jVQoa&s gesetzt;; „der Charakter, der früher 
derjenige der eitern war." Hermanns 70 ngog tohscov entspricht 
nicht dem rhythmus, auch heisst ngog ttrog m> etwas anderes. 



Beitrilge xnr kritik drs Acschylns. 47 

Kaysers ndXit zo Toxtjcop würde voraussetzen, dass der jiing-e löwe 
den sinn der eitern schon einmal g^ezeig-t, oder wenig-stens be- 
sessen (und verheimlicht) habe. nÜQuvra ist das rechte wort 
tür den jung-en löwen, der unmerklich herang-ewachsen, nun plötz- 
lich zu aller schrecken seine löwennatur entfaltet. Der artikel 
Ist entbehrlich. 

7. Afiram. v. 1276 Dind. 1275 Hermann.: 
ovtoi dvaoiXa) \}(iftvov o)g oqvi>; (pößcp 
uXXmg' 
''y4)X(og ist eine allg-emein ang^enommene correctur Hermanns. An 
<lem trimeter hat meines wIssens noch niemand anstoss genom- 
men, und doch ist weder der g^edanke klar, noch kann man dvn- 
oiXm Odfirov recht construiren. JvaniXco , was ausser zwei 
stellen des Rhesus nur noch bei Hesychius , der es falsch erklärt, 
vorkommt, hat Aeschylus gebildet von dem weheruf o7 wie cpav^oi 
V. 1308 (12G7) von qel. Diese vcrba sind doch gewiss, wie 
alle ähnlichen, die einen ton oder ruf bedeuten, areiä^ai «m^w 
oifio'X^o etc. eigentlich intransitiva, und können als object zunächst 
den sogenannten accusativ ciusdem originis haben (rsreid'^co azt- 
ruYfior), demnächst sinnverwandte begriffe, also namentlich neutra 
von pronominibus und adjectivis , wie v. 1308 ri lavt' iffsv^ug, 
oder f)ftttd ftiftojhig; auch substantiva z. b. GTetu^etv naiüta und 
undii bei Ruripides. Dann können sie transitiv werden und zum 
td»ject erhalten entweder die person in bezug auf welche die klage 
laut wird (niftöj^nv {luroiTti) oder die sache welche die Veranlas- 
sung der klage ist ((Trera^o) noTfjov). Das ist aber auch die 
grenzo de» gebrauche», und unter keines dieser objecto fällt ein 
ausdruck wie ÜvnoiXot iyüurni , denn der husch wird weder «ge- 
klagt (durch die klage hervorgebracht) noch Geklagt noch über 
ihn «/«klagt. Wie haben sich denn nun die editorcn den nccusa- 
liv erklärt^ Schueidettin sagt: „der vogel i^vaoi^tt Od^itor, er- 
fiiUt mit jammertonen den husch" etc. , indem er Bemhardy synt. 
|i. 8 12 anfuhrt , wo vom „nccuMitiv bei den verhältninsen des um* 
t .uixenden NchalleM , von welchem objecte afllcirt wenlen" die rede 
ist. Aber HO Hicher der paMsive gebrauch dieser art, olso der nu- 
ininntiv, itcht, z. h. dan pindariMche atiÖito nitt rtfitfOQ^ «o wenig 
ist für den nctiven gebrauch, für den ortxaccuKativ , ein beiNpiel 
lUHNer eben unHcrcr Htelle angeführt , denn die citirten stellen 
i'ttp icoQutf OQ'ii](ja(iOai Ttyiaf nind doch zu venirhiedener art, 



48 Beiträge zur kritik des Aeseliylus. 

um darnacli dvaoil^tiv ■Ou/xvo^ „den buscli mit klagfcn erfüllen" 
rechtfertigen zu können. Bis also ein actives beispiel, und zwar 
eines solchen verbi auf — ^oo gefunden ist, halte ich diesen ortsac* 
cusativ für unmöglich. Anders scheint sich Hermann nach den 
scholien die sache gedacht zu haben. Der scholiast sagt: ov dva- 
X8Qaiv(o, (ptjaiv , mg OQvig Oilnvaa elg 'Auliav eiaeXüeiv xal &JJQdr 
Tita qjoßovfifvij. Abgesehen davon, dass er wie Hesychius dvcoil^co 
schief durch dvöi^Quivco übersetzt, hat der scholiast darin ohne 
zweifei recht, dass er fühlt, üdfxvov könne nicht von övaoi^(o ab- 
hängen; freilich lässt er nun eine ellipse zu, die ebensowenig mög- 
lich ist, dtlovaa dötlOtlv dä^ivQv. Was Hermanns meinung sei, 
ist nicht recht klar; erst scheint er dem scholiasten beizustimmen, 
dann aber übersetzt er : „non ego, ut avis, virgultum prae timore 
frustra me/wo" als ob dvaoC^co hiesse „metuere\ wovon dann frei- 
lich grammatisch ßdfjivov abhängen könnte — aber sinnlos; denn 
warum in aller weit soll der vogel den husch, in dem sein nest 
ist, fürchten? Dazu käme die böse tautologie Övaoi^co qioßcp ,,me- 
tuo prae timore." Aber wenn Hermann behauptet, „metuendi sig- 
nificatu hoc verbum dicitur in Rheso vv. 714. 805," so ist das 
unrichtig : es heisst dort wie hier „schmerzliche klagen ausstossen" 
und kann seiner ableitung nach nichts anderes heissen. Nähme 
man aber auch an , dass eine dieser constructionen sich rechtferti- 
gen Hesse, so giebt doch keine von ihnen einen vernünftigen sinn, 
wie zum theil schon nachgewiesen : vögel die sich fürchten und sich 
verbergen wollen, schreien und klagen nicht, sondern ihr instinkt 
lehrt sie dann schweigen. Kurz, man kommt mit üdyivov in kei- 
ner weise aus; es ist ein Schreibfehler und muss &dvazov hei- 
ssen. Dadurch wird nicht nur die structur glatt , sondern auch 
das schöne bild frei von Verschrobenheit: denn wenn sich ein vo- 
gel in der gewalt seines feindes schon befindet, wie jetzt Kas- 
sandra, und schlachtblock und tod vor äugen sieht ohne ihm ent- 
fliehen zu können, dann allerdings wehklagt er über den tod aus 
furcht vergeblich. Kassandra aber geht dem tode freiwillig ent- 
gegen. Dies soll ihr der chor bezeugen, wenn der rächer gekom- 
men sein werde, und sie bittet sich dieses zeugniss als sterbende 
zum gastgeschenk aus. Diesen letzteren vers 1320 (1279), glaube 
ich, muss man so schreiben: ini^spovfjiai tavxa a (für d') ojg üarov- 
^itvi]. Erstens ist das asyndeton sehr angemessen. Zweitens wird 
man &7ii^svov(*cti , da es einmal hier als medium und in unge- 



Beiträge zur kritik des Aeseliylas. 49 

wölinliclier bcdeutung steht, — welche Hesychius und die von 
Hermann citirten grammatiker wiederum falsch verstanden — am 
leichtesten mit den zwei accusativen nach der analogie von uirtco 
construiren, als gesetzt für ahico as rovro ^f'viov. 

Agam. V. 1397 Dind. 1355 Herrn, haben die codd. : 
el 3* rjp TtQBnotKüv aar BnianivdHv vixgcp 

Am einstimmigsten hat man hier Tyrtohitt^s Verbesserung T(»5' für 
TiiSi' angenommen, ohne welche auch der vers alle beziehung auf 
Agamemnon zu verlieren scheint. Hermann zwar behält tdd' bei, 
und schreibt v. 1397 el d* tjv nginov imS' (Sat xxX. Dabei ist aber 
bjazs mindestens überflüssig, und Clytaemnestra's gedanke auch nicht 
recht klar. Mit übergeiiung anderer vorschlage erwähne ich nur 
noch denjenigen Schneidewins, el d' jjv nQtnov zoi^ö* : „wenn es 
wohlanständig wäre , einem solchen (d. h. von der band des eige- 
nen weibes erschlagenen) todtenopfer zu bringen'^ etc. Darin 
läge aber eine art eingeständniss, ein verbrechen begangen zu ha- 
ben, dem das vne(fdixcos des folgenden verses entschieden wider- 
Hprirbt. Ich lese: 

ti d' Tjv nQBnovzcoii' ad inianivÖsiv vBX{)(pf 

T(öÖ UV dixai'cog Jy, vnsQdixcog fisv ovv. 
„Wenn es möglich wäre , so, nämlich blutbefleckt wie ich bin (cf. 
V. 1390 — 92), auf geziemende weise über dem todten ein trank- 
Opfer den gottern darzubringen, über ihm konnte man es mit allem 
recht thun (xätd' av Sixuicot; ijv Inianivdnv): vrgl. II. VI, 2()Gir., 
wo Hcctor sich weigert dem Zeus zu libiren , weil er blutige 
hande hat; Clytaemnestra hat eben gesagt iym Ö' i/xtvxofnu. Dazu 
würde eine dankspende für die götter über dem leichnam des 
überwundenen feindes gehören, und Agamomuous schuld gäbe ihr 
hierzu allen recht; sie hält es aber für unziemlich ihres blutbe- 
sprütztcn zustundes wegen. riQtnorr<a<; schrieb schon Stanley. 
'IV,....,,.. ;. ,! Kfga. B. Todi. 



int 



/ju (li?n Hcliolicn des Euripidcs. 

khv Worte den Scliol. ad Kur. Orcst. 308: iv t(i) tnimiy 
rhXiuv sind zu Htreichcn, 1) weil Ktym. M. p. 085, 40 h'w nicht 
hat: 2) weil tfrsX Römer den (ilaukos. den Hohn des SisyphoH, hei 
den wettNpielen den PeliaN umkommen laNwen. 

Ermt ton Leuisch. 



IV. 

Die Ordnung* der bücher der aristotelischen politik. 



Die naclifolg-ende nbliandliing- wider die neuere Umstellung- 
der bücher der aristotelischen politik war schon im frühjahr 1858 
geschrieben. Auf eine anfrage an die geehrte redaction des Phi- 
lologus, ob eine abhandlung dieses inhaltes ihr zur aufnähme in 
den Philologus genehm sein werde , erhielt ich eine bejahende 
antwort, wurde jedoch auf die soeben erschienene abhandlung von 
Bendixen (XllI, p. 264 — 301) und auf einen von demselben aus- 
gezeichneten kenner des Aristoteles zu erwartenden „Jahresbe- 
richt" über die aristotelische literatur aufmerksam gemacht zur 
Vermeidung von Wiederholungen. Nachdem ich nun beide treffliche 
arbeiten gelesen, finde ich, dass ich die frage von einer andern 
Seite angefasst habe, und scheint es um so erfreulicher, dass wir 
beide zu demselben resultat gekommen sind. Nicht weil zwei das- 
selbe sagen, sondern weil sie aus verschiedenen gründen dasselbe 
sagen, enthält die Übereinstimmung ein zeugniss für die Wahrheit. 
Ein dritter ausgangspunkt, der zu demselben ziel fülirte, war der, den 
ich in einem vortrage in der Casseler philologenversammlung genom- 
men. Der Vortag ist in den „Verhandlungen" jener Versammlung 
gedruckt, später öfter citirt, aber wenig gelesen und von ei- 
nem anerkannten kritiker beurtheilt, der jedoch den Aristote- 
les missverstanden. Ich habe die absieht, jenen Vortrag neu 
herauszugeben, bemerke jedoch hier , dass ich mich im folgenden 
aller beziehung auf die dort geltend gemachten gründe aus der 
aristotelischen lehre von den vier <«(>/«/, als den bedingungen al- 
ler erkenntniss, völlig enthalten habe. Wenn ich in jenem Vor- 
trag am schluss einräumte, dass die ankündigung über die beab 
sichtigte folge der zu behandelnden gegenstände bei Aristoteles 
(Polit. 4, 2 a. E.) mit der folge, die Aristoteles selbst bezeugt 
(6, 1 und 5) in beziehung auf das fünfte und sechste buch nicht 



Aristoteles Politik. 51 

Übereinstimme, so mag- bemerkt werden, dass ich längest von die- 
ser ansieht zurückgekommen bin, und erkannt habe, dass die 
Worte n, 2: tCra tqotiov dsi yaOiardvat tov ßovXofxEPOv tavrag 
Ttti' noXiTtiag^ sich auf 4, 14 — 16 beziehen, wo die ^sTgonoT der 
„xardaraaig" aufg-ezählt werden. Ich freue mich, auch in dieser 
beziehung mit Bendixen (p. 281) übereinzustimmen , und durch 
seine rechtfertigung den Aristoteles selbst von jenem sehr leisen 
Vorwurf befreit zu sehen. Jemehr ich mich mit der politik des 
Aristoteles beschäftige, desto mehr überzeuge ich mich, dass die- 
selbe auch in der form eine der vollendetsten , durclidachtesten 
^chriften des grossen mannes ist, für den gegen neuere vermeint- 
liche Verbesserungen einzutreten eine bestimmte spräche for- 
derte, damit der wabrbeit die elire gegeben werde. Hiernach 
zur Sache. 

Der enge Zusammenhang zwischen der ethik und politik 
nach der lehre des Aristoteles tritt am bestimmtesten hervor 
in seiner lehre vom besten Staat. Schon mit diesem aus<iruck 
scheint sich ein Widerspruch gegen eine herrschende auch in neue- 
ster zeit wiederholte ansieht anzukündigen, nach welcher Aristote- 
les gar nicht einen „besten staat'' habe aufstellen wollen , wie 
Plato gcthan, sondern nach seiner praktischen richtung sich an 
die concrete Wirklichkeit gehalten, und nur hervorgehoben habe, 
welche unter den bestehenden Staatsverfassungen die beste sei. 
Ks scheint unbegreiflich, wie jemand, der die ethik und politik 
•l(*fl Aristoteles ohne vorgef^isste meinung und mit einigem ver- 

tandniss der aristotelischen philosophie gelesen hat, daran zwei- 
if'ln kann, dass Aristoteles in der ihat eine beste Verfassung, wie 
>ie bis dahin nirgends bestand, wie sie aber gleichwohl möglich 
fst, habe aufstellen wollen, eine ideale Verfassung, wenn man will, 

(»bald man darunter nicht eine phantastische, nicht eine unvernünf- 
tige , wie die platonische , sondern eine an sich ausführbare ver- 

(eht. i^lan wird Midi vcrgcblirli bemühen, jene be.ste Verfassung 
viin der er im siebenten und achten buch der politik handelt, als 

ine jener drei rechten (n(tOut) Verfassungen nachzuweisen , wenn 
" drei, di<> basileia , aristokralia und polileia gelegentlich 
:..: hunghweise „beste" genannt werden. Ist denn in einer 
lieMer Verfassungen die forderung erfüllt, welche er an seinen be- 
uten Staat stellt t dasn nhmlich in ihm der tugendhafte mann und 
der tugendhafte stnatihUnjer röUiij identisch seien . diiN- -.i« • it.. 

r 



52 Aristoteles rolitili. 

ger gleich fähig sein soll zum regieren und regiert werden , dass 
kein bürgcr durch bloss körperliche arbeit behindert sein soll, sich 
der geistigen Ihäiigkeit, auf der alle tugend des mannes und des 
Staatsbürgers beruht, hinzugeben, dass jeder, wie befähigt, so auch 
durch theilnahme am regieren wie am regiert werden in den stand 
gesetzt werde, neben den ethischen tugenden des muths, der mä- 
ssigung und der gerechtigkeit, auch die dianoetische tugend des Ver- 
standes und der Weisheit auf ihrer höheren stufe in dem gröss- 
ten verein, der alle kleineren vereine in sich befasst, zu üben, 
dass die glückseligkeit des einzelnen und die glückseligkeit des 
Staats, als das höchste erstrebare ziel heider völlig zusammenfalle, 
dass überhaupt der mensch nur als* Staatsbürger und durch den 
Staat sein höchstes ziel, die thätigkeit des geistes in Übereinstim- 
mung mit der höchsten tugend in einem vollkommenen leben er- 
reichen könne , und dass eben darum der staat selber dieses 
ziel , die thätigkeit des geistes in Übereinstimmung mit der höch- 
sten tugend in einem vollkommenen leben erstreben und errei- 
cben solle ? 

Einen solchen staat fordert Aristoteles und er giebt ausführ- 
lich in der ethik und politik, und namentlich in den beiden letzten 
büchern der politik, an, wie derselbe einzurichten sei, wenn man, 
ohne unmögliches zu fordern, einen staat nach wünsch (xat^ tv- 
-j^Tj'p) bilden kann, der durch keine äussern hemmnisse, durch kei- 
nen mangel an wesentlichem, an äussern gütern, an land und 
Volk wie es sein muss, behindert ist, sondern avEfiTzodi'armg mit 
einer „glücklichen choregie", die das bedürftige gewährt, nach 
dem höchsten erreichbaren strebt. Nach dem höchsten erreichbar 
ren ! und dadurch unterscheidet sich eben der beste staat des 
Aristoteles von dem besten staat des Plato, dass letzterer in sei- 
nem Staat mit seiner unhellenischen staateneintheilung, mit weiber- 
gemeinschaft , kindergemeinschaft , gütergemeinschaft und mit all 
den absonderlichen bestimmungen, die sich daran knüpfen , etwas 
unnatürliches aufstellte, das man bei den heutigen communisten, 
die vielleicht nicht einmal so weit gehen, absurd nennt, beim Plato 
aber „ideal, jedoch unpraktisch.'' 

Aristoteles dagegen fordert durchaus nichts unnatürliches, 
nichts unpraktisches. Er stellt nur die forderung, die jeder an 
sich selbst stellen sollte, an alle: die sittlichen tugenden des muths, 
der mässigung und der gerechtigkeit, und die dianoetische oder 



ArUtotelrs PomiK. 53 

log-ische tugend der weislieit, welche jene andern erst zu wahren 
lugenden macht (EtL. Nie. 6, 2 <ftt 8ia tavta top te Xoyor aXijO^ 
flvai xai tfjp oQt^ip og&i^v, siTzeQ rj nQoaiQtcig anovdaia, Ha\ ta 
avta TOP fisp cpdpuiy ttjp ds dicoxeip), diese vollstäiidig-e 
tug-end fordert er von dein einzelnen im höclisten , d. h. eben nur 
im rechten grade, und zwar fordert er sie von allen. Er weiss 
sehr wohl, dass diese sich in keinem der vorhandenen Staaten voll- 
ständig- finden, er weiss aher auch, dass das hinderniss der erreichung- 
des ziels zwar wohl in der schwäche, aber nicht in der mensch- 
lichen natur an sich liege. Er giebt auch die mittel zur erreichung 
des ziels an. Die ganze ethik und die ganze politik bezweckt 
eben nichts anderes. Die mittel bestehen bei einer gesunden na- 
tur yor allem in ertiehung und lehre. Darum sagt er im anfang 
der ethik: „die auf tugend, auf der ganzen tugend beruhende 
glückseligkeit ist ein göttliches und beseligendes ; sie kann aber 
auch den meisten oder allen gemein werden; denn es ist möglich, 
dass sie allen (so fern sie nicht von natur in ihrer fähigkeit zur 
tugend verkümmert sind) durch lernen und Übung zu theil werde": 
Eth. ad Nie. 1, 10. 

Die irrige auffassung der politik des Aristoteles hat es mög- 
lich gemacht, dass die leidige Versessenheit der kritikcr auf Um- 
stellung der bücher der politik sich immer wieder und bis in die 
neueste zeit erneuert. Ohne den schätz edler Weisheit zu heben, 
der in diesen biichern verborgen liegt, hat die kritik mit grosser 
naivität und mit dem derselben, wenn sie sich isolirt, eigcnthiimlichen 
Selbstvertrauen an diesen büchern herunigearbeitet , und allerdings 
zum allmähligen bessern verständniss beigetragen , zum theil da- 
durch, das« gründliche forschungen , wie die Bendixens durch jene 
veranla^ist wurden. Im allgemeinen aber scheinen die vielen frei- 
lich unerlasslichen Untersuchungen , ob diese stelle sich auf jene 
beziehe und dergleichen der gründlichen kenntniss des gamen der 
ariNtoteÜHchen philoNophie entbehrt zu haben , und die folge davon 
ixt gewesen , dass selten eine hierher gehörige sclirift , sei sie 
noch so gelehrt und umfangreich, i\vn eindrurk machte, als wäre 
sie auM dem ganzen gearbeitet. Es wird sich ergeben, dnss na. 
mentlich eine autorilät, welche seit jähren einen nicht geringen 
einfluNs auf die beurtbeilung von fragen aus der höheren kritik 
%\\ betrefl der iirisluliUhi hin tiliik mimI (toliliU ..i.).;il.i 1...» haupt- 



54 Aristoteles Politik. 

sächlich auf demselben gründe ruht, den sie so selbstvertrauend bei 
andern tadelt, auf vermeintlichem wissen. 

In Polit. iü, cc. 6. 7 g'iebt Aristoteles seine bekannte ein- 
theilung- der Staatsverfassungen in drei rechte (opv>««,') und drei 
schlechte, verfehlte [tj(A.a()ti][iavagf Tzageußdasig tojv oq&ööv], je nach- 
dem einer, oder die minderheit oder die mehrheit im besitz der 
souverainetät (des hvqiov) ist, und diese entweder zum allgemei- 
nen oder zum eigenen besten regieren. Die rechten sind die ba- 
sileia, die aristokratia und die politeia, die verfehlten sind die ty- 
rannis, die oligarcliia und die demokratia. Aristoteles spricht 
dann zunächst über einige allgemeine fragen , die sich bei jeder 
Verfassung aufdrängen , über die verschiedenen oqoi der Verfas- 
sungen, über die soverainetät , das :{vqiov, im staat, über das 
dixuiov u. s. w. Darauf wendet er sich zu den einzelnen Verfassun- 
gen. Zunächst zählt er die arten der basileia auf, unter denen 
allein die pambasileia als eine „beste Verfassung" anerkannt wird, 
d. h. jene basileia, in welcher ein einzelner so sehr sich vor al- 
len übrigen auszeichnet, dass er „wie ein göttlicher mann" in sei- 
ner person die identität des vollkommenen menschen und des voll- 
kommenen Staatsmannes darstellt. In einer solchen Verfassung 
verhalten sich die unterthanen zum könig, wie die ethischen tu- 
genden zur dianoetischen tagend. Der könig vertritt die qQÖvr^' 
aig zu der acoq)Qoavvt] , ävÖgsia und Sixaioavvij der unterthanen. 
Der Staat als ganzes kann im besitz der vollständigen tagend sein, 
und da der könig es auch ist, so kann für den könig und den 
Staat die höchste tugend und das höchste ziel dasselbe sein, und 
die tugend des mannes und des Staatsbürgers ist in dem könig 
dieselbe, in den unterthanen aber nicht. Sie, als Staatsbürger, 
müssen sich mit einer geringeren tugend begnügen, indem der kö- 
nig für sie m allen staatlichen beziehungen und handlangen die 
dianoetische tugend vertritt. Wenn sie auch als menschen an 
dieser theil haben, entbehren sie derselben als Staatsbürger und 
zwar immer und gänzlich , weil sie stets nur regierte , nie regie- 
rende sind. Für sie also ist die tugend des menschen eine an- 
dere als die des Staatsbürgers. 

Ebenso verhält es sich in der „aristokratia", nur dass hier 
die zahl derer, für welche die tugend des mannes mit der tugend 
des Staatsbürgers zusammenfällt, und welche in beiden beziehungen 
das' höchste erreichen können, grösser ist, als in der pambasileia. 



Aristoteles Politil;. 55 

Denn wenn auch nicht gfleichzeitig- alle mifs^Iieder der regierenden 
stände reg-ieren, so können sie doch im Wechsel regieren (fv fifQsi) 
und insofern als staatshürger auch die dianoetische tugend der 
Weisheit (q}Q6ptjatg) üben. Alle andern staatsunterthanen sind 
aber wiederum auch hier von der dianoetischen tug-end ausge- 
schlossen, in ihren privatangelegenheiteil mögen sie selber weise 
sein , und durch die dianoetische tugend die ethischen fügenden der 
mässigung , des muths und der gerechligkeit (diese pflegt auch Ari- 
stoteles zu nennen) zu wirklichen lugenden erheben^ aber als Staats 
unterthanen , als regierte («(»;|fo/4€*'0/) müssen sie sich darin fin- 
den , dass ihre ethischen oder sittlichen tugcnden erst durch die 
verstandestugenden der regierenden zu wirklichen tugenden wer- 
den. Auch sie entbehren des normalziistaiides des vollkommenen 
Staats, in welchem die tugend des mannes und des Staatsbürgers 
eine und dieselbe ist. 

So viel ist klar, dass auch diese beiden „besten Verfassun- 
gen" noch sehr verschieden sind von jener einen Verfassung, wel- 
che er buch 7 und 8 darstellt , und im vergleich mit welcher 
jede andere , auch die eben besprochene , verfehlte sind. \ ergl. 4, 
8 „in Wahrheit verfehlen sie alle die am meisten rechte Verfassung." 

Aristotek's hatte wie bemerkt auf seine eintheilung der Ver- 
fassungen in drei rechte und drei schlechte die betrachtung der 
einzelnen folgen lassen, und hatte zunächst unter den fünf arten 
der rechten monarehie die painbasileia aiisfübrlicher beiiaiideit mit 
fortwälin-nder rücksicht auf die nahe verwandte „beste*' unter den 
verHchiedenen arten der aristokratia y auf welche arten er jedoch 
im dritten buch noch nicht, sondern erst im vierten buch näher 
eingeht, sowie auf die arten der politeia und zwar aus dem gu- 
ten gründe, weil «lie formen dieser arten auf einer mischung (vgl. 
4 , 8) aus oligarchischen und demokratischen dementen beruht, 
daher eH zwerkmÜNsig war, die betrachtung der arten der demo- 
kratiHchen und oligarchischen Verfassungen voraufzu8enden(},4 — H). 

Da nun allen diesen verfujisungen der genieinschaftliche name 
|mliteia oder staatsverfasNung beigelegt wird, so bebt er das vierte 
buch an mit einer Untersuchung über die verschiedene bedeutuiig des 
auNdrucks: ,,6«sto Verfassung'*. Man bedient sich nach dem Aristo- 
lelen dirjieH aiiHdriickN in einem vierfachen sinn (veiyl. meine ab- 
handlung in den Verhandlungen der TaNHeler pbilologen • Versamm- 
lung 1843 p. 83). Darnach sind zu unterscheiden: 



56 Aristoteles Politik. 

1) die absolut beste Verfassung-, die aber immer eine moglidie 
sein muss: rj noXneia 7) aQiartj „x«< tzolu rig av ovaa fxd' 
Xiat shj nax cv/^»' (irjÖEvog ifATiodil^ofTog tmv i^z6g'\ — /} axQoraTtj 
■Aai ÖEOfibvtj noD.rjg X^^QV7^^S' — V XQCc^K^^t] ctTzXcog. cf. 4, 1. 

2) die relativ beste Verfassung" d. L. die nacli verbältniss der 
vorhandenen elemente (des vnoxsiftsvor) beste form (si8og) der 
Verfassung-: t] ix rmv vTionEifisrcov ccqioti], — fj ix zöjv vtzuq- 
lovtcov it>8sxofji8vtj. — 7 ig tiai aQ[j.6rtovca. ibid. 

3) die allgemein beste Verfassung-, tj iidliara ndaaig zaTg nd- 
Xegiv ciQfjiotTOvaa. — tj noivotiga andaaig.' — xotr/J 71g. — /) xoivo" 
idtTi xai algsimTaTf] fiszä Ttjv ägiaTTjv nolnsiav. — tj nXitaraig 
agfAOTZOvaa tzoXeüi. — ?/ ngiaTij taig nXtiaznig noXacsi. ibid. 

4) die bedingt beste Verfassung-, d. h. die beste unter der 
Voraussetzung- eines bestimmten zieh, einer bestimmten aufgäbe 
(keinesweges die Verfassung eines „schon vorhandenen und gege- 
benen Staats" wie Spengel missverstcht) : ^ «1 vTzv&Easoog, 7/ do- 
{^eiaa (d. i. die aufgegebene, die zur aufgäbe gemachte), olov ei 
ZIVI noXei avixßißi^xe iiiizE zyv dgiaz7]v noXizEVEO&ai noXizsiav 
axogijyrjzov ts shai xal rcof avayxatcov , fti^z s ztjv ivÖExo^EVt^v 
ix z6jv vTTag^ovzmv , dXXd ziva qjavlozigav. — Xiyta 8s ngog 
VTio&Eöiv, ozi noXXaxig ova/jg dXXr^g noXizEiag algszcozigag, ivloig 
ov&EV xcoXvöEi avfiCfEgsiv izigav fidXXov shai noXizEiav. — Un- 
ter eine dieser rubriken, namentlich der drei letzten, wird sich 
jede Verfassung bringen lassen. 

Wenn nun nach der eintheilung der Verfassungen bei Aristo- 
teles in drei rechte und drei schlechte zu „erwarten' war, dass er 
auf die basiieia und die bereits mitberührte aristokratia nun die 
politeia und die Oligarchie, demokratie und tyrannis in seiner Un- 
tersuchung werde folgen lassen , so ist um so weniger zu ver- 
wundern, dass er es auch wirklich gethan hat. Es hatte ihn die 
betrachtung der basiieia auf die fünfte in der that gar nicht exi- 
stirende form derselben, in welcher der könig an tugend und Weis- 
heit im eigentlichsten sinn ein „göttlicher" mensch wäre und zu- 
gleich auf die vollkommenste aristokratie , in welcher statt des ei- 
nen eine anzahl solcher bevorzugter menschen die regierung inne 
hätten, geführt. Diese beiden besten Verfassungen sind nur beste 
Verfassungen innerhalb des bereichs der arten der basiieia und 
der aristokratia, aber sie sind, wie bemerkt, sehr weit entfernt, 
von der absolut besten Verfassung des siebenten und achten buchs, 



Aristoteles Politik. 57 

lind durum behandelt er sie eben hier am ende des dritten buchs. 
Deshalb aber sind sie nach der lehre des Aristoteles keine absolut beste 
verfassung-en, weil es wider die „natur*' ist, diiss der theil besser sei 
als dasg-anze. Es sei nur ein (SviAßsßTixog (ein concreter fall ohne 
innere naturnothwendigfkeit), wenn es in einer politischen g^eraeinschaft 
einen solchen g'öttlichen mann oder eine anzahl solcher ccottlicher 
menschen gebe: ov yuQ necpvxe to pisQog vtieq^i^iv tnv natTug, 
T(p de TTjXtxavTTjv vnsQßoXrjv hyovti rnvto a v ^ß ißij'A bv. Wo 
sie sich aber finden, da sei es besser ihnea zu g^ehorchen, weil 
man sie nicht den übrigen gleichstellen und folglich durch Wech- 
sel der regierungsgewalt unter die übrigen d. i. niedriger stellen 
könne. Gileichwohl beruht aber eine solche Verfassung darauf, dass 
nur der eine oder in der aristokratia nur die wenigen im besitz 
der Vollkommenheit sind, welche für den menschen und den Staats- 
bürger (für den natürlichen und den staatlichen menschen) eine 
und dieselbe ist. Alle andern müssen auf die höhe der tugend 
und Vollkommenheit verzichten, und zwar weil in jenen Staaten 
ikre natur verhindert ist ihr ziel, die ihätigkeit des geistes in Über- 
einstimmung mit der vollkommenen tugend in einem vollkommenen 
leben j unbehindert durch äussere Verhältnisse, zu erreichen. 

So verhält es sich nach der aristotelischen lehre. Am sclilusse 
des dritten buchs hebt er dann, in völliger Übereinstimmung mit 
seiner Sittenlehre und mit seiner lehre vom absolut besten staat 
hervor, dass die erreichung jenes zieles für jedermann, sei er kö- 
oig in der basiieia oder sei er bürger eines andern Staats auf er- 
uehung und Unterricht beruht Für alle Staatsbürger d. i. für je- 
den einzelnen ist das ziel aber nur in dem absolut besten staat 
zu erreichen. Diesen zu schildern, davon ist er aber noch weit 
entfernt. Zuerst ist von den andern Staatsverfassungen zu reden, 
welche (bald diese, bald jene) beste Verfassungen genannt wer<len 
und es auch sind, nur nicht absolut, sondern bald allgemein bald 
relativ oder speciell , bald nach der aufgäbe bedingt beste. Alle 
diese fallen unter den allgemeinen begriiV der besten Verfas- 
sung. Allein zur herstelhing der absolut besten Verfassung, 
in der der mensch und der bürger (beide im besitz der ganzen 
ethischen und diano«^ti»chen tugend) identisch sind, bedarf es dreier- 
lei : natur , er%iehung , unterrichte — denn diese sind es, wodurch 
der mensch gut und tugendhaft wird: INil. 7» 13 aXka ftijp ayu- 
Ooi yt HUt önovdaioi ^lyroptat diu r^ioijr* tu T(fia Ö» tuvtü 



58 Aristoteles Politik. 

iari q>vGtgj s&og, Inyog, Und zwar sind jene drei auch in 
dieser Ordnung wirksam, dass der rechte mann und der rechte 
staatshürg-er liervor^ehe. Es muss die natur in ihrer g-esammten he- 
ziehung- der art sein, dass durcli erziehung- und Unterricht, durch 
8&og und Xoyog der tug-endhafte mensch werde. Ebenso verliält 
es sich mit dem staat. Der beste staat kann nur werden aus 
den natürliclien nicht aus idealen, nur in der idee existirenden 
Staaten. Und wie der natürliclie d. h. der zur tug-end fäliig-e 
mensch vorlianden sein muss, dass ein tug^endliafter mensch werde, 
so muss der natürliche staat vorhanden sein, dass der beste staat 
daraus werde. Aristoteles sag-t also am schluss des dritten buchs 
ganz mit recht: erziehung und Unterricht, durch welche die demente 
der einigen tugend, das sittliche und das denkende, das rj&ng und 
der Xoyog im einzelnen menschen gebildet werden, sind es auch, 
welche den könig wie den Staatsbürger bilden und den staat tu- 
gendhaft, zum besten machen. Ehe wir aber nun mit dieser rück- 
sieht den besten staat betrachten, müssen wir ihn in seiner natür- 
lichen existenz und seiner natürlichen Zusammensetzung kennen 
lernen. Dass ist es, was Aristoteles mit den Worten sag-t: waz tarai 
xai Tiaibsta xai s&t] Tavzä a)[s8ov tu Tzoiovfza 7TOA.iTii{ov nal ßa- 
aiXixov dicüQiafÄsi^cov 8s jovzojv tzsqI trjg nolitdag ^di] nEigaziov Xs- 
ysiv Ttjg agCatrig, zlva TZscpvxE yivead-ai rgonov xai xa&iaTaaüat 
näg' drdynt] 8 rj zov fxeXXovTo. ttsqI avt^g Tzoujöaa&ai ttiv TTQoafjXOV- 
aav GXEXpiv. Dass TiscpvKS yUsaß^ai entwas anderes bedeutet, als 
yivsTai oder 88i yirsa&ai, braucht wohl nicht bemerkt zu werden. 
Wir wollen zur bequemlichkeit der leser einig-e stellen anführen: 
Pol. 2, 1. 3, 6. 4, 17. 4, 2. 7, 4. Auch hat man g-emeint, dass 
hinter axtxpiv etwas fehle, und der g-edanke plötzlich abbreche, 
und hat daher jede Interpunktion am schluss weg-g-elassen. Es ist 
einfach ein punktum zu setzen, und aus dem vorherg-ehenden Xhysiv 
y.rX. zu erg-änzen, wie schon aus der partikel 81'] einleuchtet, welche 
man freilich nicht in 81 verwandeln darf. Alles was Speng-el *) 
über den schluss des dritten buchs bemerkt, g-iebt den beweis, wie 
wenig dieser ausgezeichnete kritiker in den inhalt der aristoteli- 
schen lehre eingedrungen ist. Dahin gehört die unglückliche Ver- 
besserung TOöj' iisv dg'j^stv xai agx^ö&ai 8vvausvcor, dahin über- 
haupt die identificirung der uninTt] noXiTsia mit der doiatonQaTia; 
dahin die Veränderung der worte T.d noiovvta noXitiaov x«/, ßa- 
1) Abhandlungen der baierischen akademie. Bd. V, 1. 



Aristoteles Politik. 59 

aiXtxop in ra noiovvra tzoXixikov dya&ov xnl önovdaTov und die 
falsche anwendung- des halb richtig-en gedankens , der zweck der 
hasileia sei nicht einen ßaaiXixop hervorzuliring'en, sondern die 
Bürger gut und glücklich zu machen. Aristoteles sagt vielmehr: 
„es seien dieselben millel, Unterricht und gcwöhnung (7, 15 Tiai- 
devTt'oi TW loyM — ro/\' sdeair), durch welche ein könig und je- 
der Staatsbürger gebildet werde", und allerdings ist es aufgäbe 
der hasileia , nicht nur für das glück der unterthanen zu sorgen, 
sondern auch in den erben des königthums ßctaiXixovi; hervorzu- 
bringen. Zu ändern ist nichts. — Was ist auf die frage: „wo 
anders wäre die dgiarij nnXneia unterzubringen , wenn sie eine 
mögliche existenz haben soll , als in der lehre der guten Verfas- 
sungen, deren höchste potenz sie selbst ist, und welchen sie sub- 
stituirt wirdT' — was anderes ist darauf zu antworten, als dass 
sie, als das TfXng, wohin die ganze ethik und politik strebt, ans 
ende zu bringen war und mit recht gebracht ist ^ 

Npengel sagt ferner: „die erwähnung der natöeta und e&q 
beweist, dass der staat nicht mit wenigen Worten abgemacht, son- 
dern von grund auf gebaut werden soll'. Allerdings hat Aristo- 
teles diese absieht, und hat sie auch ausgeführt. Allein eines tlieils 
liegt dies nicht in der erwähnung der nuideüc und eOij, welche 
envähnung vielmehr den schluss des vorhergehenden bildet und, 
freilich nicht Ohnehinweisung auf künftiges, den gewichtigen satz 
enthält, dass Unterricht und erziehung sowtdil für den könig wie 
für jeden bürger in der jMditeia das identische mittel sind um zur 
vollkommenen tugend zu bilden. Anderen theils ist aber das, was 
Aristoteles zunächst ankündigt, wie bemerkt, und wie es ja klar 
in den Worten liegt', in dem schlussatz enthalten: Tita nt'q^vxt 
yt'peaOui t{^onov xa\ xuOiazuaOai nöjg htX, Dieses tliema be- 
handelt Aristoteles so evident in den zunächst folgenden büchern, 
dass in der that und mit recht in diesen von der rrun^tiit und den 
fOtj (jar nicht die rede ist. Ks wenlen die verschiedenen s. g. 
besten Verfassungen zugleich mit den anderen arten der schlechten 
verfaMMiingen durchgenommen. \on der erziehung aber und dem 
Unterricht , der rtuiötvati tnia tOiai xal ry Xoyq), durch welche 
der mensch und der Staatsbürger zur ethischen und logischen »der 
dianoetiMchen tugend d. i. zur vollen tugend erzogen wird, ist, 
wie bemerkt, gar nicht die rede. Auch fehlt viel daran, iiusH man 
etwa die im siebeuten buch gegebene bejtchreibung der i>hf/$is des 



60 Aristoteles Politik- 

landes und des volks des absolut besten stuats ansehen könne als 
entsprechend jener ankündig-ung (rtVa 7zt(pvn8 yivsa&ai. igonov), 
denn es wird dort keinesweg^es land und volk beschrieben J tje- 
ijvxsv, sondern die cp^vait; wird beschrieben wie sie sein soll i^ 
vTzoüsascogj xaz tv^/p'. 

Bei dem kunststück, wie auf einem heute nicht mehr unge- 
wöhnlichen wege die äussere Verbindung* des dritten mit dem sieben- 
ten buch herg-estellt wird durch vorg^ebliche ablösung- „des einen 
blatts oder vielleicht richtiger des letzten blatts der läge" und 
durch beisetzung ergänzender worte von selten eines „jemand", der 
so simpel war dass er nicht einmal „aus eigener einsieht" verfuhr, 
halten wir uns nicht auf. Nur möchte es jemand auffallend fin- 
den, dass nach jener ablösung der verbunden gewesenen bücher 
die verbindenden wÖrter, stall zu verschwinden , nun gar doppelt 
gesetzt wurden. 

Das missverstehen der aQiaz)] noltisfa veranlasst Spengel zu 
einem irrthum über den andern: denn daher die erwähnte Ver- 
wechslung mit der doiato'AQazCa , daher die identificirung dersel- 
mit der noliitia oq&tJ , daher die ganze reihe der aporien in sei- 
ner note 24, die er nicht lösst, so dass er sogar p. 23 in der 
mitte der note mit demjenigen in gradem Widerspruch redet, was 
er selbst p. 19, z. 4 gesagt hatte. 

Indem wir die weiteren beweise Spengels für seine anordnung 
einer nähern betrachtung unterwerfen, müssen wir zuerst im na- 
men des Aristoteles das lob ablehnen , welches ihm p. 23 unten 
u. fl. gespendet wird, dass er, dank der nunmehr entdeckten und 
begründeten Ordnung, „die einseitigkeit seiner Vorgänger vermie- 
den und theoretisches und praktisches innigst verbindend seine Uni- 
versalität wie sonst auch hier treffend an den tag gelegt". Wahr 
ist das alles, allein grade aus dem umgekehrten gründe, weil er 
nämlich in der politik, wie überall, die praxis voraussendet um 
auf und über dieser seine theorie aufzubauen. 

Als beweis für seine anordnung führt Spengel zunächst Pol. 
4, 2 an inel Ös iv rij tiq^ttj fisO^oÖcp Tzt^n läv nolnaimv öieiXo- 
lie&a TQsTg fxsv rag oQ^ng TioltTSiagy ßaöiXsiuv , aoiGzo'AQaTiav, 
noliJEiav , TQSig ds rag tovTOjp TiagEußdasig 7VQavi>iöa fiev ßaai.- 
Xeiag , oXiyanyiav 8s aQiöroyiQaTiag , drjfAOXQatiav 8s noXiTsiag, 
xai TT £Qi fisv dQiat o^Qar lag y^al ßaatlsiag stQtjrai 
(zo ydo TisQi Tijg dQtarrjg noXiniag &e(x}Q7jöa( lavzd 



Aristoteles Politik. 61 

xrt/ n sqI 7 ovt biv iar^v sinsiv rwr ovo fidztov ßov).E- 
rai yu-Q 8xar (QU x ur' agsT tj v avv eaz dvai x e^o QTjyri- 
fitvyjv) kii di 71 diacpEQOvai a).)./]Xcor u n laro hquz ia 
xal ßaatXei'a , xai /toTi- öei ßaaiXei'av vofii^Etv, Ömgiarat ngotf- 
Qor y Xotnuv neQi ft o )• tz s lag dteXO^eiP trjg to) xonm ngoGayo- 
QtvofiiPfji orofiati, xal negl tcöv uXXcov noXizeiöJv oXiyaQ^iag 
le xai 8ij fjiox Q nr tag xal r v q avv (d o g. 

Dazu bemerkt Spengel: „diese worte fordern unmittelbar, 
duss die darstellung der ilghTtj noliTtlu in vollem umfange 
vorausg^e|2:ang-en ist , damit aber ist, wie wir gesehen haben , zu- 
gleich die ßuailiin uud ugiornxQuziu^ welches nur ihre äussere 
erscheinung ist, erklärt, und Aristoteles hat nicht nothwendig dar- 
über weiter vorzutragen." 

Wir müssen Spengel für diese sehr klare bemerk ung sehr 
dankbar sein, denn sie beweisst vollständig , dass wir uns nicht 
irrten, als wir oben andeuteten , dass derselbe die lehre des Ari- 
stoteles vom absolut besten Staat ganz niissverstanden habe. Herr 
S|iengel meint, weil Aristoteles sage, er habe, indem er vom be- 
sten Staat sprach, zugleich von der aristokratia und basileia gere- 
det, müsse nothwendig die lehre des siebenten und achten buchs von 
dem (absolut) besten staat diesem satz voraufgegangen sein. Nun 
aber findet sich in diesen büchern kein wort von der aristokratia und 
basileia. Herrn Spcngel scheint das freilich nicht entgangen zu 
seio, denn darum vermuthlich sagt er am schluss : „und Aristoteles 
hat nicht nothwendig darüber weiter zu reden." Was ihm aber 
entgangen ist, ist dieses, dass im siebenten und achten buch d. h. in 
der aristotelischen lehre vom absolut besten staat von der uristokra- 
tic und basileia gar nicht die rede sein kann. In <ler pambasi- 
leio ist nur der eine im besitz jener vollendeten tugend des Wol- 
fens und der einsieht, welche dieselbe ist für den menschen und 
den hcrrscher; alle an<lern , die untertlianen sind ßuntXivroty (p. 
12KH 0, H) nicht ßuaO.ixni. In der aristokratia sind statt des 
einen eine anzulil regierender im besitz derselben tugend, ein nXl,' 
üog vntgix'iP xcer agtrfjp »der xat uQettjv ijytfAoxiPol ngng noXi' 
tixfjf (JQXi^ * *^'*^ übrigen sind zwar freie aber nur fällig zum 
rru'iert werden, nicht zum r<>gieri'n , nXi^Ong äg^*^^^^ dv$(ift%' 
r(uv iXtvOigotf n(>j(7r, sie sind wie die untcrthnneu in 
<li-r I iinli.iHileia als meuNchen vielleicht der gesaromten etbischen 
und iliiiitort lieben tugend fabig aU Mtnatsbürger aber nur der ellii* 



62 Aristoteles Politik. 

sehen, während die rcg^ierenden (anxnvzeg und lin-j^Ftv dvva^Evoi) 
für das ethische handeln der regierten die dianoetische tugend der 
qtQovTjaig besitzen : ^ Ös (pQovTjatg ciqxovz o g 1810 g d q sttj 
fiovi] — aQXoiiivov 8e ys ovx sütiv dQeztj q) QovtjO tg 
(3, 4 u. f.) Dagegen verlangt Aristoteles, dass in dem abso- 
lut besten staat jeder Staatsbürger im besitz der gesammten und 
vollen tugend sein könne, dass für jeden die tugend des men- 
schen und des bürgers durchaus dieselbe sei. Daher sagt er 7, 
13 t6 ÖS arzovdatav sivai tjjv noXiv — IniarrniriQ nai tzqouiqs- 
ceoag. aXla fAjjv anovöaia nolig iatl 7^ roiig noXltag rovg fisj- 
sxovrag ryg TzoXitEi'ag tlvai aTzovöaiovg' ij^lv 8« Tzdvzsg 01 
noXitai (X a T t^o V a i Tijg noXiiBiag, tovt aga ohutztsoi' ^ noog 
dvTjQ ylvsTai anov8aTog xta. Man sieht also, wie irrig die be- 
hauptung Spengels ist, es sei die ßaaiXeia und die aQiatoxQaiia 
„nur die äussere erscheinung der dgiatj] noXiiEiaP 

Was nun aber jene stelle im vierten buch betrifft, so wollen wir 
nicht dabei stehen bleiben, dass sie sich nicht auf das siebente und 
achte buch bezieht, noch darauf beziehen kann, sondern auch hervor- 
heben, dass sie sich grade auf das unmittelbar vorhergehende dritte 
buch bezieht. Dort hatte Aristoteles im besonderen von den sechs 
Verfassungen nur die basileia behandelt, und hätte er in unserer 
stelle (4, 2) gesagt: „es sei schon über die basileia geredet," so 
würde wohl niemand ein bedenken tragen , dieses einfach auf das 
dritte buch c. 14 ff. zu beziehen. Nun aber sagt er, es sei auch 
schon von der arislokratia gehandelt; und doch kommt er erst 
4, 7 zu der aufzählung der bi8)] dQiatoxQaTiag , während er im 
dritten buch noch keinen besonderen abschnitt der aristokratia 
gewidmet hat. Dies ist der grund wesshalb er in unserer stelle 
in der parenthese eine erklärung hinzufügt, in welchem sinn er 
behaupte, auch schon von der aristokratia gehandelt zu haben. 
Er hatte ja schon in der abhandlung über die basileia und schon 
vorher in der abhandlung über das yivoiov (c. 10 ff.) , über das 
dixaiov (c. 12 ff.) und besonders c. 13 bis 18 oft genug von 
der aristokratia gesprochen als der besten unter den herrschaf- 
ten der wenigen, indem dieselbe nicht nach dem nXovTog, noch 
nach der tvy&vsia, sondern nach der aQsrri sich bestimme, — dass 
wenn die wenigen GTinvSaioi mit recht die -avqioi wären, dann 
wieder unter diesen der ditshcov zäv uXXcov nach demselben grund- 
satz der xvgiog sein müsse. Weiter heisst es in der mitte des 



Aristoteles Politik. 63 

dreizehnten capitcis : ei de tig iariv e i g Toaovzov 8iaq)tQcov xar' 

UQETJjg VTZEQßoXfJV j ?j 71 X 8 i V g fi £ V f ^ ? , /M// fXtVTOl dufUTül 

TzXfjQoofjia TzaQt'ieaOai noXecog , ojaze fiij avfißXtjT/jv elvai Ttjv täv 
uXX(ov oLQBtijv ndvicov (ijj8e tr^v dvvafitv avtmv tijv 7zoXmxi]v ngog 
7tjp ixEt'rojv ei nXilnvg, tl d* ttg ttjv exeCvov iiovov , ovxtzi Oszeov 
jovTovg fttQog noXecog' a8ixtj60V7at yun d^iovfiepot tw»- i'amvy 
driaoi tocfovtov xaz dget^v oftsg xai zijv tioXitix^v 8vvapiiv, 
Aus dem fünfzehnten capitel citiren wir noch folg^ende worte: ti 
dtj lijv fisv zdc» TiXeiopcop dQ)^!jv , dya&<av 8 dfdgöjv nuvTCor, 
d QiatoxQaj iav Otziov, 7})v ds lov ivog ßaaiXstaVy aiQ^tCüratov 
dv Elf] zatg noXeaiv dg lar ox gar ia ßaatXeCug , weil es nämlich 
besser ist, wenn viele, als wenn nur einer im besitz der vollen 
luii^end ist. Nehme man dazu das glänze capitel 17 und 18 des 
dritten buchs, und man wird keiner weiteren citate bedürfen, um 
einzusehen , dass Aristoteles sich im anfang des folg-enden buchs 
auf das vorherg^ehende in bezieiiung- auf die aristokratia beru- 
fen konnte, und dass er zu g-leicher zeit mit recht hervorhob, dass 
(wenn auch nicht in einem besondern capitel ausschliesslich von 
iier aristokratia geredet sei doch) in der abhandlung über den 
besten staat — oder wie es dort auch heisst über das xvqiop 
lind diis Öixuiopy und wer in dem besten stmtt xvgiog sein soll — 
zugleich und eo ipso über die aristokratia nicht minder als über 
die basileia gehandelt worden : beide , sowohl die basileia als die 
aristokratia strebten darnach, xat dgetrjp zu sein. Dies ist aber 
das kriterium jedes besten Staats, sei es dass einer oder mehrere 
die regierenden sind. 

Also dieser beweis für die neue, und dieser einwand gegen 
die alte Ordnung wäre beseitigt. Wir kommen zu einem zweiten. 
..üine andere gleichwichtige stelle, sagt herr Spengel, ist 4, 3 
r'ti ngiß^' tatg xatd nXovtop dtaq)ogaig ij fit/p xard yipog, »} 8e xat 
dgerifP xup ei ti Ör] zotuvtop tJtgop iigtjzat noXe(og ihai ftfgog 
tp folg ntgl 1 1/ p dg laz o xg at i up' ixel ydg ÖtetXd- 
ftiOa ix nocbip fttgäp upayxaltap iatt ndaa noXtg' 
tovtntp yug t(op fitgüp Ott fiip ndpta fittt'xa f^g 
noXtreiag, ort 8 i i Xuttto ^ ort de nXtioa, Dem fügt 
herr Spengel folgendes hinzu: „dass die abhandlung über den be- 
bten Staat id titgl ti/p dgiatoxgatiap genannt wird (vgl. VII, 
kann nach obigem nicht auffallen. Die Worte selhnt hat man 
nh, aber vrrirclMMiN im dritten buch gesucht und zu linden 



f(4 Aristoteles Politik. 

geg-laubt; sie stehen VJl, 8 und am anfang- des c. 9 pag-, 1329, 21 — 
6, 33, wo er die verschiedenen fitQf] sammelt und absondert, so 
deutiicli, dass darüber kein zweifei obwalten kann". Alles das ist 
irrig. Sicherlich wäre nichts auffallender, als wenn Aristoteles 
die abhandlung- über den besten Staat (buch 7 und 8) rä ntQi Tr/v 
d{>iajo>i(jatiav genannt hätte. Er thut das auch nirgends, auch 
nicht in dem citirten vierzehnten capitel des siebenten buchs. Was 
aber die worte betrifft, auf welche Aristoteles zurückweist, so 
hat schon Woltmann dieselben im zwölften capitel des dritten buchs 
nachgewiesen. Es ergiebt sich aus der von Spengel angeführten 
stelle 4, 3, nach ihrem ganzen Zusammenhang, dass Aristoteles 
dort von denjenigen unterschieden der Verfassungen spricht, die 
auf der Verschiedenheit der Staatsbürger nach dem reichthum, der 
geburt, der tugend und etwa anderer früher erwähnter eigenschaf- 
ten {^nlovüioi, tvysvsTg, dyaOol, iXev&SQoit sldorsg, nf.nai8svf.ilvoi) 
beruhen; welche er dann im folgenden auf die Oligarchie (deren 
O{)og der nlov7og) und auf die demokratie (deren OQog die llav- 
■OsQiu) zurückführt als die parekbaseis der besten Verfassung oder 
zweier, der aristokratia und politeia. Von diesen Verschiedenhei- 
ten der Staatsbürger, wonach sie (isqt] des Staats sind, ist nun 
im buch drei, capitel 12, 13 auch schon 9, 10, 11 sehr viel die 
rede, namentlich mit rücksicht auf die aristokratia, deren o(jog 
die OLQSZ^ (yS^' ^i ^ dQiazoxQatiag [X8V ydg oQog u(jttrj, oliyag- 
liag de Tzluvrog , d)](jiov ds iXsvx^sQid). — Welche sind denn 
nun nach herrn Spengel die fxtQt] des Staats „die Aristoteles buch 
7 cap. 8 und 9, sammelt und absondert, so deutlich, dass darü- 
ber kein zweifel obwalten kann," dass nämlich Aristoteles sich 
auf diese im dritten capitel des vierten buchs bezieht? Es sind 
gar nicht die ixtQTj des Staats , sondern p i o i und g (>?'", ohne 
welche der staat zwar nicht bestehen kann , und in welchen auch 
die iiigri enthalten sein müssen , die aber selbst keineswegs an 
sich ixiQri Tiolnsiag, theile des constituirten Staats, sind, vielmehr 
als solche grösstentheils von der dQi'aTij nolntia ausgeschlossen wer- 
den. Es sind nämlich die yecoQyoi, z^x^Ttai, i6 [xdxif^ovy to &vnoQovy 
lEQeig aal ygizal rmv dvayaaicov Koi GVfiqjtQOtzar. Am ende des 
neunten capitels heisst es dann ausdrücklich: wv (äsv roirvv dvev no- 
Xtg oh övviötataiy ytal oaa fiSQTj Tzolecog^ ei'()}]Tar ysmgyof fiev ydg 
aal isivUai' aai näv to &i]tix6v dvuyKaiof h ti äg^siv raig 



Aristoteles Politik. 65 

nnXBaipy fiigi} ds rijs noXeoag td te onXnr/uv xai ßovXsvTixop^), 
Es werden also in dieser stelle überlunipt nicht die f* s g tj (inte- 
87-irende tlieile) des constituirten Staats sondern vielmehr andere 
der Staatsgesellschaft nuthwendige theile aufgezählt, von denen 
nur zwei zugleich fifQrj sind. Jene juf'p/; aber, von denen Aristo- 
teles 4, 3 spricht, werden in der citirten stelle des siebenten buchs 
überall nicht erwähnt, sondern in jenen capiteln des dritten buchs 
welche t« nfgi ttjv aQiaTOXQUTiap enthalten, lieber den unter- 
schied zwischen fitgog und (äoqiov genüge es, vorläulig zu ver- 
weisen auf 1, 2 to yuQ oXov nQOiBQOv atayunlov elvat 70v fxs- 
Qovi'f und auf 1, 4 7o de xtripia Xeytrut ojaneg xai to fiogiov. 
TO Tß ycLQ fiOQiop ov piovov dXXov iarl fiOQiOv, aXXä xal oXcog 
uXXov. Dagegen im anfang des capitels: // m^jaig fitgog jijg oU 
xiae iffTi xai ;/ xti/tjx^ fitgog ttjg oinorofiiug. \gl. 7, 8 von an- 
fang, wo gleich für jedermann die Warnung zu lesen ist, dass ge- 
wisse den Staaten nolhioendige dinge und personen darum noch 
nicht für theile (^iQtj) des Staats zu halten seien. Solche dinge 
und personen zählt Aristoteles auf, und auf diese bezieht herr 
Spengel die ftt'(>// noliag in der fraglichen stelle 4, 3, nicht nur 
wider die ausdrückliche erklärung des Aristoteles, sondern auch 
mit einem vornehmen Seitenblick auf andere gelehrte, die das 
richtige gesagt. — Und sollte etwa behauptet werden, dass im 
buch 7 cap. 9 zwei fAfQii nämlich das o/zJ.tr/xoj' und das p'or^lft'- 
rixor genannt würden, so ist doch klar, dass Aristoteles unmög- 
lich auf diese sich berufen konnte, wenn er sagt, er habe h roXg 
negl rriv uqkjtoxqutiuv über die unterschiede nach reichthum , ge- 
hurt, tugend und ähnliche andere {j o i ovt ov itegov) gesprochen. 
Eine Schwierigkeit fand sich in der abhandluiig über den ab- 
solut besten staat selbst (7, 4), welche zu beseitigen herr Spen- 
gel allerdings für not h wendig fand. Er beseitigt sie ohne schwie- 
rigkeil, er streicht die stelle. Hören wir zuerst hcrrn Spen* 

^J hrrr ^»pciigft beinerkl zu dietiiT itlcllu ch hei hier der nccuna- 
IJT ytoiQynvf fiiy yt\{, xai u/yitui .,unrrlSii'»lioh". Auch die« ist irri((. 
Zu ytiogyoi und ityyluit ist cinrAch tlal tu «rgünzon. Diese hoiden 
halt«' AiisloloU's ohen mit nti^^('znbU. Von dnii i^tjuxin- halte er gar 

■ '' fun. NN'i'il er es «her liier niil iieiiiieii hü! aIn zu «len- 

1^', ohne welche der slaat nicht ist, die aber keinen iheil 
t .. w •■ ■ ^.jniit) noitniu bilden, »o fügt er das ufuyxaioy vntt[txto' hinzu. 
i*flrlies nur zu O/juxny gehört. Es i«t also hinter itjffltftt zu inter- 
pungircn. 



66 Aristoteles PolitiK-. 

„Es darf jedocli nicht verschwiegen werden , dass eine stelle 
VII, 4 mit unserer annähme in direktem Widerspruche steht, und 
man liat niclit g-esäumt ilire auctorität für die gewöhnliche Ord- 
nung* hervorzuheben: inel 8s mcpQOiixiuüTai. rä vvv tigijfjit'va tisqi 
avzmv , nal tzeqI rag äXXag Tiolirsiag tjfxtv TE'&eojQrj' 
tai TTQoreQOV, o(QXV '^*^*' ^oinmv finEiv tiq^tov jioiag tivag 
dsi tag vTTodtGtig thai ttsqI Tijg fisXXovcrjg y.aT evpjV öwtördvai 
Tzöleojg. Sie setzt den inhalt der hüclier IV, V, VI voraus , in- 
dessen wäre sie auch noch so g-ewichtig;- , sie würde doch nur 
vereinzelt g"eg"en den inneren und äusseren Zusammenhang* dastehen: 
es lässt sich aber dartliun, dass jene worte eine g^anz ung*escliickte 
Interpolation sind, wie in unserer poIitik auch andere citationen zu 
grosser Verwirrung des ganzen eingesetzt sind. Aristoteles hat 
am anfang VII, 1 bemerkt, ehe die Untersuchung über die (XQiorr] 
nolirda beginnen könne, müssten die fragen beantwortet werden, 
welches das beste leben sei, und ob dasselbe, wie für den einzel- 
nen , auch für den ganzen staat gelte. Sie bilden die einleitung 
und sind in den ersten drei capiteln beantwortet, worauf er so- 
fort zu seinem gegenständ übergelit und die obigen worte an- 
führt. Er muss demnach sagen: naclidem die nöthigen einleiten- 
den Vorfragen über den besten Staat abgemacht sind, liaben wir 
diesen selbst zu betrachten und zuerst nachzuweisen, was voraus- 
gesetzt werden muss und von aussen vorhanden sein, die mate- 
riellen bestandtheile und äussern hülfsmitel zur glückseligkeit ei- 
nes Staates, ta ^at ivpiv (cap. 4 — 12), dann die innern Ursa- 
chen, 7a y.at ageri'jv (cap. 13 sqq.), um jenen besten zustand zu 
erringen. Hier ist die dazwischen gesetzte erwähnung von den 
andern Verfassungen — gleichviel ob diese vorausgegangen oder 
nicht — ganz am unrechten ort und unterbricht den Zusammen- 
hang des gedankens". 

Aristoteles hatte die frage wegen des besten lebens und der 
Identität desselben für den einzelnen menschen und den Staatsbür- 
ger schon in der einleitung zu seiner lehre über die Staatsverfas- 
sungen (3, 4 ff.) insofern beantwortet, als er nachgewiesen, dass 
die tugend, auf der das beste leben beruht, nur dann bei dem tu- 
gendhaften menschen und dem tugendhaften bürger dieselbe sein 
kann, wenn der staat ein solcher ist, dass alle bürger desselben 
als solche tugendhaft (d. h. im activen besitz der ethischen und 
dianoetischen tugend) sind: 3, 4 jtjv jusv yaQ tov anovöaiov no- 



Aristotel/s Politik. (57 

XtTOv (aQSTtjv) dsi näatf vnaQxeiv ovtoa yäg dgiajrjp dvayHaiov 
ehai T7jp fjoXtv ttjp ds tov dpdQog lov dya&ov ddvvaTOpf ei fxfj 
ndpTag dpayxatop dya&ovg sipui. rovg iv rf; GTzovdaia noXsi no- 
Xitag. und einig-e Zeilen weiter wird die mög^Iiclikeit des letzte- 
ren (nämlich in der dnXöjg uQt'atr} noXneia) ang^edeutet: ei Ös t) 
ai'Trj dgeri] dg^opTog tb dya&ov xaz dpögog dya&ovy noXirrig di 
iüti xai n uQ^oftepog y ovx ^ avrt] dnXmg dp tirj noXhov nai 
dpdgogt ^i9>6g fjif'rroi n oX irov y nämlich des hürgers in der 
dntiJTrj noXininy in welcher jeder dg^ofiepog auch dgy^oav ist, denn 
wie ohen bereits aus demselben capitel (3, 4) angeführt ist: ^ 
q*g opija ig äg^opr o g 1810g dgeiTj fio ptj. 

Daraus ergab sich, wie wir gleichfalls bereits oben gesehen 
haben, dass in der pambasileia nur einer, in der besten aristokra- 
tia, welche ist ix tüp dgiazap dnXöJg xar dgst^p , nur die we- 
nigen, die ugiarot , solche sind , bei denen die vollständige tugend 
des menschen und des Staatsbürgers (basileus) dieselbe ist, weil sie 
allein als doxnptfg im besitz der q)g6pt]aig sind. In allen andern 
Staaten, von denen im 4, 5 und 6 buch gehandelt wird, den rech- 
ten und schlechten, ist vollends von einer allen gemeinsamen iden- 
tität der tugend, des menschen und des Staatsbürgers nicht die 
rede, da ihre Verfassungen, wie Aristoteles sagt, im gründe alle 
pareklmseis der absolut besten Verfassung sind. ^ gl. 4, 8 to /4«r 
dXrjOfg nuaai SitjfAugri^xaai Ti/g gd 07 dztjg noliteiag. 

Jenen gedanken von der identität des tugendhaften man* 
ncH und des tugendhaften bürgers in dem besten staat nimmt 
nun die einleitung zu der lehre von dem „besten staat'* von der 
dfi'^mg dgiat^ noXinCa (7, 1 — 3) wieder auf und führt ihn wei* 
ter aus. indem gezeigt wird, dass das beste leben das tugendhafte 
sei für den einzelnen und für den staat (cap. 1) und dass dieses 
beste tugendhafte leben auch für beide dasselbe sei. Daran schliesst 
Hieb der anfang des vierten capitels, indem daran erinnert wird, 
dnsM von allen Igwlier dargestellten Verfassungen keine der forde- 
ning dieser einleitung über den absolut besten staat entsprochen 
habe. Die anfangs Worte des vierten capitels sind also so zu fos* 
seil : nachdem in dem eben gesog-ten die einleitung üiier selbigen 
gcurnntand abgemacht, und die lehre von den (d. i. allen) andern 
vcrfuMNungen Melion früher zu ende geführt ist (welche eben je* 
ner höchsten uufgalie des Staats nicht entsprachen), so ist zunUclisl 
IM reden von den vorauMCdungcn des besten Staats u. s. w. — 

5* 



ßS Aristoteles Politik. 

Es war hier beim Übergang von dem princip zu der lehre von 
dessen Verwirklichung im staut keinesweges überflüssig, daran zu 
erinnern, dass die lehre von allen andern Staatsverfassungen noch 
immer die frage nach dem besten Staat und dessen Verwirklichung 
übrig lasse. und das eben ist es, was Aristoteles hinreicliend 
deutlich durch jene von Spengel gestrichenen worte sagt. Wenn 
übrigens Spengel zuerst mit Schneider die worte nsgl avtmv, 
dann wie er sagt, „die eigentlichen worte" d. h. xal nsql zag 
aXkag noXizEiag Tjfxiv tt&BWQiitai ttqoteqop^ und ausserdem tcSv 
lomöov hinauswirft, hat er wohl nicht bedacht, dass er so den 
etwas sonderbaren satz bildet: i;zsi ds 7zsq)Q0i(Äiaatai tu vvv st- 
Q7]fZ8vaj ocQX^ EiTTSif 7TQC0T0V xtI. Doch wir brauchen uns nicht 
mehr bei dem gar wohlfeilen mittel des Streichens zur beseitigung 
selbstgeschaffener Schwierigkeiten aufzuhalten. 

Indem wir nach Widerlegung der hauptsächlichsten gründe für 
die Umstellung hiemit die frage über die Ordnung der bücher vor- 
läufig schliessen, empfehlen wir herrn Spengel, die letzten worte 
seiner abhandlung wiederholt in reifliche erwägung zu ziehen. Zu 
seiner und des lesers gewissenhafter berücksichtigung sollen sie 
hier abgedruckt werden. Herr Spengel sagt : „die gerühmte gründ- 
iichkeit der deutschen philoIogie hat in beziehung auf die aristo- 
telische politik nicht nur das richtige nicht geahnet, sondern sich 
als wenig fähig bewiesen, den von Italienern und Franzosen rich- 
tig erkannten Zusammenhang des werks auch nur zu würdigen und 
zu verstehen; leicht könnte ein fremder Hesiodus verse (welche () 
mit seinem guten rechte auf uns in anwendung bringen". 

Kiel. P. W. Forchhammer. 



Exspecto. 

Nach Doederlein Lat. Syn. III, 57 und Reisig Lat. Sp. p. 789 
behauptet Klotz im Handw. s. exspecto, dies verbum werde nicht 
mit acc. c. inf. verbunden. Diese behauptung wird widerlegt durch 
Ennius bei Gell. N. Att. II , 29 : ne quid exspectes amicos , quod 
tute agere possies^ wo doch agere aus dem relativsatz zu ergän- 
zen ist. 

Graudenz. A. Lentz, 



V. 

Die xccmarceoii; der attischen reiterei. 



Unsere künde der xaTuarnai^; der attischen reiterei ruht auf 
der einzig^en stelle des Lysias 16 §. 6. Mantitheos hatte durch 
das loos eine stelle im ratke der 500 erhalten. Es g-eschah dies 
nach der schlacht hei K<»roneia (§. 1(5) und vor dem tod des 
Thrasyhulos von Steiria: denn der spott §. 15 vategov dpsx(»Qriaa 
roh aiftvov JSzfiQticoe tov näaiv av&Qconoig dsiXt'av covEiÖiyoTog kann, 
sowohl des perfectunis wegen als wenn er üherhaupt wirksam und 
angemessen sein soll, nur auf einen lehenden gehn: ohgleich Rau- 
chenstein ausgewählte reden des Lysias p. HO anderer ansieht 
ist. Folglich war Mantitheos zwischen 394 und 390 (ol. 96, 3 — 
97, 3) zum mitglied des raths gewählt worden und Krüger (zu 
(Clintons F. H. 394) bemerkt mit reciit, dass man eher an eine 
spätere als eine frühere zeit denken müsse, da §. 18 noch auf 
spätere kriegsziige hinweise un<l (füg' ich hinzu) <lie erzäh- 
iuiig von den k;impfen hei korinth und in liöotien keineswegs der 
ort ist, als seien es unmitteihar vorhergegangene hegehenheiten. 
Ohgleich also «eit der verireihuiig der XXX wenigstens zwölf 
jähre vergangen waren, so machte mau doch bei der prüfung, wel- 
cher sich die durch das loos hezeichueten zu unterwerfen hatten, 
gegen .MantifheoH geltend, diuts er unter den XXX reiterdienste 
gel hau hnhe (^. 3). IVie sehr das volk diese hasste, zeigt schon 
Xcn. Hell. III, 1, 4 ijttjaato d' o (Olj^QOiv xai na{t .//Otjvuitop 
t(ftaxntiiovg irrntagf ti/nop 6t i avro^ fitaOop naQt^ti, oi d* intfi' 
\pup Tför in) ra)r timixnpra inntvaupTcor^ »o/«»'forrev' xii'(»Äov' T(f» 
f^flftfp, ti dnofitj^nifp xai iranoXotftn, Die gegner beriefen sieb 
auf die Stammrolle der damaligen reiter (öaviÖior §. 6) , und dass 
eine H4ilr|ie herufung gewöhnlich als g< • r beweis gegolten 

lial»e, zi'iirl LvsiaN ^(» (j. 10: »i iit>t (V (üt> tvn r'^oxntii- 



70 Die xam<fm(fi,g der attischen reiterei. 

^STO aal wg iTiTiEV'AOTog avzoif snl rmv tQiaKOvta rovvofia iv taXg 
aaviaiv EVEyfyQanto^ aal ävsv 'AartjyoQOV av avzov dTzedonifÄd^Ets. 
Mantitheos aber sagt, dass diese Stammrollen unzuverlässig seien, 
und tritt den beweis, dass er nicht unter der reiterei in jenem 
jähre gedient habe, so an (§. 6) STZEidi] yccQ narrjXOEtE, EipijCpi' 
aaad^E tovg CfvlaQiovg dnsvsyiiElv xovg iTZTZEvaavTag , Iva tag xa- 
Taazaastg dvangd^aizs naQ aviojv. ifis roivvv ovdalg äv dnodEi- 
l^EiEv ovz dnsvEX&EVTa vno zmv (fvldgicov ovzs naQado&tvra roTg 
Gvrdiytoig o'vze xazdazaaiv Tzagalaß&vza, xaizoi ndai gdöiov rovto 
yvmvaij ort dvayxaiov rjv roig q)vXd())[oig , ei (xtj aTZOÖEi^aiEV zovg 
ej^ovrag tag xataazdöEigy avroig l^r^iiiovad'ai. Was war nun diese 
nazdazacig ? Schon die alten erklärer kannten sie nur aus un- 
serer stelle, wie der unsichere ton der erklärung und die offenbar 
unrichtigen ansichten zeigen. Harpocrat. p. 107, 10 sagt eoixev 
aQyvQiov Eivai otzsq ot aazaazad^EvzEg InnoXg iXdfißavov ix tov 
dr](jiO(Jiov ETii zri xazaardasi , coctteq avzog 6 QrjtcoQ iv xüig 
s^TJg vnocriiAaivEi, und dann dnEbibozo ds z6 dgyvQiov vno iv)v 
iTznsvadvzcov, ozs dvz avzmv ezeqoi xa&iazavzo' dn'^tovv 81 avzo 
Ol (jpvXaQXOi. Ebenso Photius lex. rhet. und Suidas s. v. Dage- 
gen das lex. rhet. in Bekk. anecd. p. 270 xazdöjaaig' ?/ vtto 
trjg ßovXtjg rmv iTznmv doxif^aala xazdazacig iXiyEzo. Dass die 
letzte bemerkung bei Harpokration nur auf einem missverstandniss 
unserer stelle beruhe, erkannte Boeckh schon in der ersten aus- 
gäbe der Staatshaushaltung der Athener (1, p. 269). Denn die 
stelle des Lysias beweist gerade, dass die zurückforderung der 
xazdataaig etwas ausserordentliches war und dass die phylarchen 
nur das verzeichniss der reiter aufstellten, die zurückerstattung 
dagegen durch die damals eingesetzten avvdixoi. betrieben wurde. 
Aber Boeckh nahm damals die xazd^zaaig für gleichbedeutend mit 
sold oder, wie er Corp. Inscr. I, p. 896 sagt, mit dem, was ander- 
wärts üizog (verpflegungsgeld) genannt wird. Dass dies nicht rich- 
tig sei, sondern unter xazdazaaig nur mit Reiske (orat. gr. T. 
6, p. 831) eine einmalige, an die reiter bei ihrem eintritt in den 
dienst gemachte Zahlung verstanden werden könne, bewies C. F. 
Hermann progymn. ad Arist. Equ. 2, p. 31 ff.; xa&iazdrai ist der 
gesetzliche ausdruck für die einstellung der einzelnen in die rei- 
terei, wie Xen. Hipparch. 1, §. 9 lovg fisv zoCvvv InTziag Ö^Aoj' 
Ott xa&ictdvai Ösi xazd top vöfiov tovg dvvatcotdtovg xal XQV' 
fxaci xal (yoofjiaaiv ^ siadyovta sig bixaatriQiov ^ TZEi&ovta, und 



Die xautaTKGiq der attischen reitcrei. 7 l 

andere stellen zeisi'en. Der hi|)|)arcli wählte zuerst die ihm pas- 
send erscheinenden aus (Lys. 16 §. 13 imo 'OgOoßovXov xaTst- 
layfievog innfvstv), wenn sie sich weig-erten, nahm er die hülfe 
der gerichte in anspruch (Xenuphun a. d. a. st.). Uerniaun p. 22 
meint zwar, dass die g^erichtliche cntscheidung- das g-ewöhnliche 
gewesen sei, weil dies hei Xenuphon vorausg-ehe. Aber Xenophon 
sag^t, dass vor allen die reichsten und stärksten deshalb ein- 
gestellt werden miissten , damit die andern keine ausrede hätten. 
Das war aber auch dann nicht der fall, wenn die öirarcüTUToi 
xiu iQijfiuai 'A(u aouiuciv freiwillig, 77tix)uuttoiy eintraten. und 
man sieht nicht ein, warum eine gerichtliche entscheidung in an. 
Spruch genommen worden sein sollte, wenn sie nicht nöthig war, 
da 68 doch fälle gab, in denen sie nicht in anspruch genommen 
wurde (q nfi\f<ma). Alle aber, die in die reitcrei eintreten 
sollten, mussten sich dann erst noch einer prüfung, wohl vor dem 
rathe, unterwerfen. Lys. 14 §. 8 tov vofiov xfAftoyTOtf, idv tig 
ddoxifiuajog InntvHj atifiov elraty izoXfitjaev döixofiaaTOi; Innevsip 
1(5 §. 13 etfQCoy draßarrmv int tovg Innovg ddoxifidöTcov naQu 
tov püfAOt. Unrichtiii^ jedoch ist es, wenn Hermann p. 28 diese 
doxifiaaiu nicht von denen unterscheidet, die Xenophon Hipparch. 
1, §. 13 ff. 3, §. 9 und an andern stellen erwähnt. Diese muste- 
runijen konnten erst stattfinden , wenn die reiter eine zeit lang 
eingeübt waren und auf sie kann natürlich das ddoxifiaatog des 
Lysias nicht gehn. Welche doxiuuaia Inntcof Lykurg ev toJ /rtnt 
7/^v ötoixi](Jt(H(i (^Fragm. orat. att. p. 2i)3) meinte, ist uugewiss. 
Erst dann , wenn der rath kein bedenken hatte , war der reiter 
als wirklich eingestellt zu betrachten {xaiucstuiHii). Dies war 
die xuTuaraatg t von der diin lex. rhet. in iiekk. anecd. p. 270 
Mpricht. Nach ihr wunle auch ohne zweifei erst jenes handgeid 
gegelieu, welches dehhuiii ebenfalls xardoruaig genannt wurde. 
Dicfte von Hermann gehicherte erklärung wurde dann von Koeckb 
Hclbst HtaalHh. d. Alb. 2. ausg. 1, p. 3;)J f. anerkannt und findet 
«ich auch bei Herrn, gr. staatsalt. §. 152, 23. Schümann griech. 
alt. 1, p. 'i\',i und andern. Anders aber glaubt I. liake die sache 
anfluHHeM zu mÜHhcn. In der l^lnenMiNyne \ III, p. 217 ff. sucbt 
Mr zu lM*.weiiien, diuiM nicht allein die gefoniert« zurückerstattung 
der Hurdmufiti; eine nur einmal, nach der Vertreibung der \.\\, 
eingetretene mnNHregei , Mondern dasN auch die« xutdiJrtKH^' ge- 
nannte auMrüstungugcld «clbst eine ausuuliwc, ciuc nur einmal, von 



I 



7St Die yMTtt(fmffig der attischen reiterei. 

den XXX, hewillig-tc zalilung- an die von ihnen eing-estellten rei- 
ter gfewesen sei. Denn, wenn dies uusrüstungfsg-eld g-ewöhrilich 
g-eg-ehen und niclit erstattet worden wäre, so würde die rückfor- 
derung- eine gehässige und gegen die amnestie verstossende aus- 
nalimsregel gewesen sein. Wie aber die XXX zu der Zahlung 
eines solchen handgeldes ausnahmsweise gekommen seien, lasse 
sich leicht erklären. Bei der menge der aus Athen geflohenen 
habe es ohne zweifei an der nothigen zahl vermöglicher gefehlt, 
um die reihen der reiter zu füllen, man habe ärmere bürger auf- 
nehmen und diesen mit einer solchen Zahlung bei der ausrüstung 
zu hülfe kommen müssen. Nun ist allerdings diese Zahlung an 
die reiterei anderer art, als der sold, den nach Bake p. 220 die 
mitglieder des rathes und die 3000 in den katalog aufgenomme- 
nen bürger erhalten haben sollen. Ein solcher widerstreitet den 
grundsätzen der griechischen Oligarchie durchaus: die (xia&o- 
(fogd war in ihren äugen ein charakteristisches merkmal der ver- 
abscheuten demokratie. Thukyd. 8, 97 x«« fiia&op uTjÖf'va cf.>t' 
(jtiv [jtjdsfiiä aQ'/^ij' tl 08 fiy^ inaQarov inoirjaavto. Damit stimmt 
denn auch überein, was über die Wiederherstellung" des theorikon 
und des ekklesiastensoldes durch Agyrrhios erzählt wird. Diesen 
grundsätzen der aristokratie widerstrebte die xaidazuaig der rei- 
terei allerdings nicht, wie die stelle des Lysias beweist. Dass sie 
aber nicht eine neuerung der XXX war, zeigt auf das schlagend- 
ste die stelle aus Eu-polis, welche Harpokration a. a. o. anführt: 
TzaQSfAqiaivBL tovto xal EvnoXig <Diloig' 

ovx iacoqiQovfjaag, co TrgsnßÜTa, ttjv y.azdaTaaiv 
r)j>de lufißdimv äqjrca tzqIv xal fia&Hv rtjv Ittttix/jv. 
(Meinek.com.gr. II, p. 533). Denn wenn auch das jähr, in wel- 
chem Eupolis starb, sich nicht genau bestimmen lässt (Meineke com. 
1, p. 105 f.), so weist doch nichts darauf hin, dass er über die 
zeit der XXX hinaus gelebt und gedichtet habe. Jedenfalls aber 
lässt die erwähnung des Lykon und der Aspasia in den (InXoi 
(com. gr. 2 p. 535) uns schliessen , dass dies stück in frühere 
zeit gehört. Und schon die stelle des Lysias selbst beweist, dass 
die xazdaraaig etwas gebräuchliches, unter diesem namen allen be- 
kanntes war. Sonst hätte er nicht einfach iva Tag aaraoidatig 
dvariQd'^atte nag aviwv sagen können, sondern, wenn es ein un- 
ter den XXX neu eingeführter ausdruck war, wenigstens rag 
XtyoiJLBvag iiaiaöTaGEig setzen müssen. Wenn aber Bake fürchtet, 



Die xaTttffTaßig der altischen reiterei*. 73 

dass die eintreibung^ der Kuruainoig g^eg"en die amneslie Verstö- 
ssen haben würde, so hat er ja selbst die avvdmoi erwähnt, die 
nach der herstellung" der demokratie die anspräche des öffentlichen 
Schatzes wahrten und nicht allein die guter der von der amnestie 
ausgeschlossenen einzogen : vgl. Isaeos bei Harpocr. p. 173 , 6 
und was ich zu Jjysias frg. 70 (fragni. orat. Gr. p. 183) be- 
merkt habe. Denn da die eintreibung der ytaruaiaai^ denselben 
eltenfalls aufgetr»igen wurde (Lysias 16, §. 7 ovjb naQa8o\}f'vTa 
Tois avrdixnig), so sieht man, dass sich die amnestie auf die, wel- 
che Ti Tfjt; rroXfoog hatten, nicht erstreckte. Am wenigsten kann 
uns die beitreibung öffentlichen geldes von denen auffallen, die un- 
ter den XXX reiter gewesen waren, da wir gesehen haben, wie 
sehr diese dem volke verhasst und verdachtig waren. 

Ich muss also der ansieht liakes entschieden widersprechen, aber 
einen gewinn hat seine bebandlung dieses gegenständes jedenfalls ge- 
bracht. In den angeführten Worten des Lysias (26 §. 7) ovt «//f i ^//^^l t« 
vno rcör q!vXdQX(ov ovze nagadodtvta roig avvdixoti; ovts yaid- 
fstacjiv naQuXaßotra weist sowohl die aufeinanderfolge der drei 
angaben, als der umstand, dass nvje x«t«(7t«(T/»' TTUQuXu^-iörza nichts 
heisst als ovre innta xataara&f'pTa oder xarsi'kiynfvov , also eben 
das zu beweisende ist, daher nicht mit als beweisendes aufgeführt 
werden kann, darauf hin, dass in den letzten Worten ein fehler 
ist. Etwas, was hei dem von dem volke angeordneten verfahren 
in bezug auf !\!antitheoH nicht eingetreten ist, aber eingetreten 
sein müsste, wenn er reiterdienste gethan hätte, muss als beweis 
dafür angeführt werden, dass Mantitheos nicht reiter gewesen sei. 
Ich hatte mir deshalb längst bemerkt, dass dem sinne nach für 
fraQn}u(jdfta ein wort wie (itanQa'/ßtvra stehn müsse. Dies wort 
ist xaruj^iaXofta, was Hake p. 223 herstellt. Wichtig aber für 
die einsieht, wie alt so manche Verderbnisse in den Schriftstellern 
sind, ist es, dass schon llarpocratiun nnQitXußnvru vorfand , denn 
ich wÜMst« nicht, worauf sich sonst sein zusatz fim;if^» avju<i n 
Qtltm{i tp roiV «|//v' vnnorjfMuhn heziehn sollte. 

\ielleichf könnte jemand daraus, dass die i*hvlarchen einfach 
Mugewieseu werden uniftyxtir roi-v* innitdutrui^', nicht etwa /<»i\* 
iüi tw9A apaftdftuf iir/rfav, eine hestätigimg der ansieht ent- 
nehmen , die Hermann a. a. o. p. 31 aufstellt , dass , wenn auch 
dieselben immer wieder hätten gewählt werden können und häu- 
fig gewählt worden seien, doch jeiles jähr die bildung des mter- 



74 Uie xataffrccmg der attischen reiterei. 

Corps und prüfung- desselben (delectura et probationem cquitum) 
von neuem statti»-efunden habe, woraus auch einejährlicb erneuerte 
Zahlung- der TcaTaaraöig g-efolg-ert werden konnte. Dass dies nicht 
der fall war, zeig-t Xenoph. Uipparch. 1, §. 2 si ös fiij TZQuöuvaßi^üoptai, 
iTinsig, fieioveg asi taovzai' avay^i] yuQ Tovg ^fv yriQft aTiayo^sv- 
81V , Tovg 6s xal ä)ylo3g iakeiTzstVi und aucli wohl Arist. Equ. 582 f. 
7jv 7Z0T siQfjpt] yb'v7]7ai nal novcov TiavaojfxsO'aj 
fii] cp&ovEid' 7]fxiv xofimai jm?/(Ü' äneßilsyyiaiAtvoig. 
Und auch in jenem InnEvaavjag liegt keine bestätigung- dafür, 
denn die ansieht des demos ging- natürlich dahin, dass alle, die 
unter den XXX reiterdienste gethan , gleichviel ob sie da erst 
oder schon früher eingetreten , der Unterstützung der Oligarchie 
schuldig seien und die aus öffentlichen mittein ihnen gezahlten 
ijusrüstungsgelder, die sie gemissbraucht hätten, zu erstatten ge- 
zwungen werden müssten, gleichviel ob sie dieselben erst von den 
XXX oder schon früher erhalten hätten. 

Mit unrecht wirft Bake p. 219 u. 223 f. Boeckh vor, dass 
er mit den worten (staatsh. 1, p. 354) „es scheine dies (xara- 
araaig) ein geld zu sein, welches vom Staate den reitern oder rit- 
lern bei ihrer anstellung oder einstellung gegeben worden" das 
reitercorps mit dem ritterstand vermische. Beide scheidet Boeckh, 
wie Hermann in der genannten abhandlung, überall auf das ge- 
naueste, und die worte, welche Bake p. 224 noch anführt: „weil 
darnach die berechtigung zum reiterdienst und einiges andere ab- 
gemessen wurde" (staatsh. 1, p. 658) bezieh n sich ja nur auf den 
zustand der dinge nach Nausinikos, wo von einer ritterklasse keine 
rede mehr sein kann, und auf die sonderbare stelle des Isaeos 7, 
§. 39 nai [jitjv xal avtbg 'yiTzoXXodcoQog ov^ mgttbq IjQOvaTzrig 
ansyQdxpazo [äsv zifi7]fia fitugav ^ cog Inno, da 8l TeXcov ^QX^^v 
Tj^iov tag otQydg. Richtiger wird sie allerdings wohl so erklärt, 
dass Pronapes, obgleich er nur wenig versteuerte, dennoch die 
vielbegehrte stelle eines hipparchen oder phylarchen zu erlangen 
trachtete. Dies vordrängen in stellen, die viel aufwand forderten, 
wird ihm nun mit einem ausdruck vorgeworfen: er macht ansprä- 
che reiterführer zu werden, als zahle er die rittersteuer , der einer 
früheren zeit entlehnt ist und auch in dieser nicht richtig gewe- 
sen sein würde, aber zeigt, dass Isaeos den reiterdienst früher 
mit dem rittercensus verbunden glaubte. Auf diese erklärung 
weist schon das von Hermann a. a. o. p. 39 ff. gesagte hin. Wenn 



Die xam<TTa<fTg der attischen reiterei. 75 

aber ßoeckli trotz der einsieht in die völlig-c Verschiedenheit der 
attischen kavailerie von den sühniischcn irrnEig mit den ausdrücken 
reiter und ritter wechselt, so will er damit ohne zweifei nur dar- 
auf hindeuten, dass die attischen reiter, meist aus vornehmen und 
reiciien geschlechtern, schön und jung-, durch die hestimmung- für 
die feste der g-ötter auf glänz und stattlichen aufzug- hing-ewiesen, 
eine vornehme haltung*, etwas aristokratisches als gesammtheit und 
als einzelne annahmen. So erscheinen sie auf das iehendig-ste in Ari- 
stophanes stück, so waren sie die stutze der XXX. Sie waren also 
nicht nur, was wir reiter, sondern zugleich, was wir ritter nennen. 
Hei g-elegenheit bespricht Bake (p. 225 ff.) auch die Stelle 
in Xenuphons Uipparch. 9 §.,*5: eis ^b ztfirjv jäv Innrnv vo^i^m 
av avToii; XQVf*^''"' vnaQ^ai xai naQO. imv acpodga dnEXOfifvmv firj 
inmvetpf ort y.al oU xn&iarrjai tb innvAov i&eXovai teXsiv uQyv- 
{tiop (og fit] innsvEtVf tzuqu nXovaitov y«, udwaKov de ToTg aojfia- 
(Jtv oiofiai ÖE xal nctf/ ogcparöjv tcS»' dvvazovg oixovg ixovTcov. 
Richtig können die worte so nicht sein und die gewöhnlich auf- 
genommene Verbesserung von W. Bud6 otg xa(yi]nEi genügt 
nicht, Tc inniyop teXeip aber mit lioeckli (Staatsh. I, p. G58) zu 
verbinden („statt des reiterdienstes , wozu einer verpflichtet ist, 
reitergeld zahlen") ist unmöglich. Bake streicht deshalb die worte 
()7i xui olg auOtOTTjai to inniHüf iOtXovat teXsiv d()yv(j(or cög ^/] 
inntvEiv und sagt, dass es zu Athen etwas durchaus unerhörtes 
gewesen sei von der erfüllung einer bürgerpflicht sieb durch erle 
gung von geld loszukaufen. Durch betrug und bestechung möge 
es dem einen »der anderen gelungen sein sich einer leistung zu 
entziehen, aber von Zahlung eines geldäquivalents für persön- 
liche leistungen , wie es die bundesgenossen früher an Athen für 
nicht gestellte schüfe und mannschaften entrichtet , oder wie es 
nach Xen. Hellen. \ , 2, 21 ff. die lokedämonischen verbündeten 
thun können sollten , könne zu Athen keine rede sein. Früher 
gewisH nicht, aber wir haben es mit Xenoplions zeit, mit Xeno 
phons ansieht von der sache zu thun. Ihm war das entsprechende 
verfahren des Agesilaos bekannt (Xen. Hell. 111, 1, 15. Ages. 1, 
23), er billigte es ohne zweifei. Und was fangen wir denn, mö- 
gen wir die fraglichen woKe streichen »der behalten , mit den 
vorhergehenden an: mV d< tiiiiiv tcop inrtoap (für die einzustellen- 
den nichtulhener) ro/i/^oi ur aiitoia ^QW"-^^ vnü{il^ai xni na^u 
roijy atfod^a c<fff;(o/i«icüi' fi;/ inntvnt i Da steht ja doch, thisN 



76 Die xajdaradig der attischen reiteroi. 

man von denen, die nicht reiterdienste thun wollten, f^eld erhalten 
werde. Wie wäre denn das mög^lich, wenn sie nicht reiterdienste 
zu thun verpflichtet gewesen wären und sich durch g-eld davon 
loskaufen können sollten i Von hetrug*, von hestechung kann hier 
keine rede sein: Xenophon's ansieht kann nur sein, dass die zum 
reiterdienste tauglichen und vom hipparchen ausersehenen entweder 
willig folge leisten oder durch gerichtliche entscheidung gezwun- 
gen werden (Hipparch. 1, §. 9) oder sich loskaufen, d. h. miii- 
lairpflichtersatz (zürcherischen andenkens) zahlen. In den Worten 
aber, welche Bake streicht und schon vor ihm P. L. Courier 
streichen wollte, steht allerdings davon nichts. Sie hat C. F. 
Hermann a. a. o. p. 25 f. auf das schönste verbessert: xul rnT<: 
yax^iataai. Damit verschwinden alle sprachlichen Schwierigkeiten, 
die Bake p. 227 findet. Denn auf die frage: Quis unquam dixit 
uoyvQiof rtlnvi antwortet, verwundert, dass er nicht griechisch 
können solle, Piaton Protag. 311 B uQyvQiov rsXmv ixtuq) fiia- 
{fov VTZSQ Gsavzov und C. mltiv tovzo to agyvQiov mg ttvi Zvti 
iv Tq> fjeig noXvxXsnq)', Der sinn der worte ist nun: da (es ist 
oTs für oTi. zu lesen) sie ja auch denen , welche das reiterkorps 
bilden (also den hipparchen), geld zu zahlen bereit sind, um nicht 
zu dienen. Mit recht hat schon Hermann auf 1, §. 10 verwie- 
sen: Ijoi) 8f oifxai, £ig filv zn diAuaii'jQiov Tovznv*; sicaKtEoi' eivnt 
oi/g fjitj siGuycov (iv iig dia y.i'QÖog doHOit] tovio noith. Die ganze 
stelle ist, meine ich, so zu lesen: slg 8s iifxtjv rmv Innmv vofxiXoi 
av avToig )(^Q/jfiaza hnctQ^ai ^a) naga jcöv acpodga ant^ophcav 
fii] iTiTitvsiVy 07 e (für ort) v.al tolg xaüiaräat (f. oig xa&iartjai) 
70 InniHOv i&slovnt zelslv uQyvQiov mg fi^ iTiTiivsiv, 'Aal tzuqu 
(für nana) 7iXov<jia)v fiev (iüv ys mit L. Dindorf) advvdzmv 8s 
7(ng (TCüfxaaiv' oiofiai 8s xal tzuq' OQqiavmv zoov 8vvaiovg oi'xovg 
f^otTcor. Also geld für die ausrüstung der einzustellenden frem- 
den werden die Athener nach Xenophons ansieht bekommen, er- 
stens von reichen, die dienen können, aber nicht wollen, zweitens 
von reichen, die dienen sollen, aber nicht können, drittens von 
Waisen , die noch nicht dienen können. Das letzte ist nur hoff- 
nung, denn die waisen waren nicht verpflichtet. Xenophon rech- 
net auf die qnXozifiia der waisen und Vormünder. 

Göttingen. Hermann Sauppe. 



VI. 

Das g^ral) und die todtenfeier des Dionysos. 



Die im Aug-usteiiin taf. 4 — 7 , in Gerhardts dcnkmäleni taf. 
CXI. CXVI. CXVII V. J. 1858 und sonst oft ahg^ehildote drei- 
seitigpe hasis lia( wiederholt die aufnierksamkcit der aitertliiimsfor- 
scher auf sieh pfezog^en. Das denkmal hat an wicht ig^keit g-ewon- 
ncn , seitdem K. Höttichcr in seiner tcktonik der Hellenen Pots- 
dam, 1849, hd. IL hoch IV, ,). 170, 178, 222 und 310 von den 
bildwerken eine ganz neue crklärung- aufgestellt und an zwei Sei- 
ten die heziehung auf den geheimdienst des Dionysos nachge- 
wiesen hat, wahrend früher alle drei reliefs aus dem dreifnss- 
rauh des Herakles erklart wurden. Ich trat in einem vortrage 
über den delphischen festcyclus dieser ansieht im wesentlichen hei, 
wie der auszug in Gerhard*« archaol. anzeiger v. j. 1857, nr. 
108. p. 120 zeigt. Dagegen ward Kottichers ansieht hestritten 
von Stark, Gerhardts denkmiiler v. j. 1858, nr. 111, gegen des- 
sen neue erklaning Uottichcr seine ansieht in denselben denkmä- 
lern v. j. 1858, nr. 110 — 18 sowie im pnigramme zum Winkel- 
mannsfest (das grab des Dionysos an der marmorhasis zu Dres- 
den. Berlin, 1858) weiter entwickelt und vertheidigt hat. Stark 
geht von dem satz aus, dass jeder nur einigermassen entTvickellc 
tempelrituN wesentlich mythologisch gedacht ist, dass eine band 
lung oder ein leiden der gottheit selbst dargestellt wird. Dann 
meint derMe|l»e, e« sei das nächste, an dem bezeichneten Kunst- 
werk die Hcenen oJn wesentlich einem mvthos angehorig zu he 
trachten. Indem er nun alle figuren für gotter erklart, kommt er 
zu dem ergebniss , es seien dargestellt 1 ) „erfassen des fortge- 
tragenen dreifusses Cdurcli Herakles) unter erholienem Itourn 
Cdes Ajiolloii) trcgeii die erliobene keule (den Herakles) also kaiiij»t 



78 Das grab und die todtciifeicr des Dionysos. 

2) sieg^esweihe des nun rulienden köchers als symbol der ganzen 
g-escIiosswaiFen des Apollo (diircli Zeus und Artemis), 3) fest- 
setzung- und neuweiliung- des dreifusses (durch Leto und Diony- 
sos)." Muss man nun auch zug-eben, dass bei der g-ewöhnlichen 
ansieht auftauend ist, an demselben denkmal zwei durch menschen 
vollzogene kulthandlung-en zu sehen (denn mit Bötticher anzu- 
nehmen die darstellung der dritten seite, der dreifussraub, sei 
nur zur bezeichnung des locals, des Delphischen tempels fiir die- 
an den beiden andern Seiten dargestellten handlungen hinzuge- 
fügt , scheint allerdings ungenügend , und würde diese ungleich- 
mässigkeit nicht aufheben), so ist doch zu erwägen, dass zwar die 
kulthandlungen mythologische Vorbilder haben , dass aber in den- 
selben weniger götter als priesterliche heroen und heroinen han- 
delnd auftreten, wie z. b. die Agraulos vorbild der bei den Plyn- 
terien thätigen priesterin ist. Desshalb kann eine kultushandlung 
dargestellt sein, die so gut mythologisch ist, als der dreifussraub, 
ohne dass wir in den dargestellten personen gÖtter zu suchen 
brauchen. Dass die von Stark angenommenen götter nicht darge- 
stellt sein können, scheint uns Bötticher genügend dargethan zu 
haben, der zugleich die fraglichen gegenstände sorgfältig abgebil- 
det und mit gleichartigen auf andern denkmälern verglichen hat. 
Daraus geht unwiderleglich hervor, dass auf der zweiten seite 
(wenn man mit Stark diejenige, an der der dreifussraub dargestellt 
ist, die erste nennt) kein köchfer, wie dieser meint, sondern eine 
aus rebzweigen zusammengesetzte fackel, und auf der dritten 
der dreifuss von dem auf der ersten dargestellten dreifuss we- 
sentlich verschieden sei, so wie dass der von dem priester, in dem 
Stark den Dionysos erkennen will , gehaltene gegenständ kein 
thyrsosstab , sondern ein kehrbesen sei , wie ihn der neokoros 
führt. Demnach stimmen wir in der erklärung der einzelnen ge- 
genstände völlig mit Bötticher überein und glauben auch, dass 
seine deutung des dreifusses auf der dritten seite richtig ist, in- 
dess noch einer weiteren erörterung und begründung bedarf. Doch 
können wir in der bedeutung der fackelweihe für das fest und in 
dem zeit\erhältniss der grabesweihe zur fackelweihe nicht seine 
ansieht theilen. Je höher wir die von Bötticher aufgestellte er- 
klärung schätzen, desto wichtiger scheint es, begründete bedenken 
gegen einzelheiten nicht unerwogen zu lassen, damit durch diesel- 
ben nicht auch das wesentliche in zweifei g-ezogen, sondern viel- 



Das grab und die todtenfeier des Dionysos. 70 

mehr fester begründet werde. Wir g'eben damit zugleich eine er- 
gänzung unseres nunmehr vollständig gedruckten Vortrags: über 
den fcstcyclus des Apolion und Dionysos, ein osterprogramm des 
akademischen und realgymnasiums, Hamburg. 1859. 4. 

Aus der von Bötticher angeführten stelle des Clemens geht 
keineswegs unmittelbar hervor, dass das grab des Dionysos ein 
dreifuss g^ewesen sei und stellen älterer Schriftsteller, denen wir 
zum theil autopsie zutrauen dürfen, scheinen grade das gegentheil 
zu lehren. Dieser, wenn auch nur scheinbare, Widerspruch ist es, 
der einer lösung zu bedürfen schien. Die worte des Clemens Ad 
bort. adv. gentes p. 5 ed. Sylb., welche sich unverändert bei Eu- 
schius Praep. Evang. II, 3, 14 wiederfinden, lauten, nachdem vor 
her erzählt ist, dass die Titanen den Dionysos getodtct haben, 
folgendermaassen : Ol de Titävtg ^ ol xal diacTtdaavies avrov, 
'Kbj^ijjä jiva jQiTJodt ini&kvre'iy aal tov ^/tovvöov ((j^alorreg ra 
fithj, xaOt'jXffovv TjQüiSQoVj (TZtiza oßBAiaxotg ntQinttQaviEt; vnfigS' 
Xor HifaiaTOio. Ztig d' vütsqov inicpuftigf st Osng rjv, td)^a nov 
Tili xviaatjg rmv ommfAiKuv x(,£(i)t> fX£Ta),aß(6v , ijg dij ro ytQu^ 
öfÄo}oyoiaiv vfjiär oi Otol Aa;f£/>, xeQuvröj tovg Tiiäpug uixi^ttai 
xal tu fteXij tov /liovvcov ^An6XX(ovi t« nai8l fiaQaxaiatiOezai 
xuTuOdxpat, O de ^ ovöe yoLQ TjTXsiüyjae jdii, sig ruv IlaQvaanv 
(ftQtap xatariOerat dtsanua^ivov rovznv top vshqot. !VIi( dieser 
stelle wird combinirt Lycojdir. Cass. 207 

(j) not' iv lAv^olg 

/jh).i} tiiitv 7i(t.{i <(.yr(ja KeQ8(pov Oeov 

TavQCp XQVcpuiag ;(«'()»'i|^«ff xazuQ^tzai 

'(} xiXiaQx^i 'oi7 TioXtQ^aiazov gzquzov , 
wo dem Agamemnon verheissen wird , dass er einst <las geheim- 
niNNVulle opter in Delphi dem Dionysos vollziehen werde; dazu 
l>emerkt Tzetze«: (p noz iv ^vxoii\ (p zivl noza 7at^(>rp zav' 

/jiofvtjqt xuzuQ^ezai xal Ovasi XQVCpuiug xal ^vanxüg 
/. ^..,. „ ip fivxoi^ /JtX(fiPiov zonoVt tjyovp zi/g ^l^oaxiÖog nt(ii zii «r- 
r^a xai (tniiXaia tov KtQdqiov Oiov tjtoi tov y^noXltopog."— na{^ 
tiptQu] naQu roig iaoturovg zonovf rov vaov' iriftato df xal 
/ttvrvnng tp /iiX<polg avp '^noD.mpt oltoig* oi TniiPtg zu //in* 
tvaov n$X^t u duanuQa^up , 'Arn\XX<api ddtX(fHrt optt uvtov naQ" 
iOtPto »fi(iaX6prts itg Xffitfta* o Öi nra^a ttp T{fi'nodt nuQtOtto^ 
(0^ (f)ij<ji KuXXtfmxog' xai /'A'qo(fio)p Xiytf 

ifinv(>l /Iüxxop\dtot ini(i qntXij» iPi(iuXoptu . >v<f>aias 



so ^^^ grab und die todtcnfeier des Dionysos. 

)^8QV ißas] Oll SV nagaßvarcp ta (ivatriQia tcp /4iovvaq> sTfXtiro. 
BÖtticlier fülirt ausserdem noch Arnoli. atlv. Gentes V, 19 an, dessen 
Worte wir der vollständig^keit halber mitthcilen, obgleich sie nichts 
für uns wichtiges hinzufügen : sed et illa desislimus Bacchanalia altera 
praedicare, in quibus arcana et tacenda res proditur insinuaturque 
sacratis, ut occupatus puerilibus ludicris distr actus ab Titanis (sie!) 
Liber sit, ut ab iisdem membratitn sectus atque iu olbilas coniectus 
ut coqueretur, quemadmodum luppiter suavitate odoris illectus.invocatus 
advolarit ad prandium , compertaque re gravi grassatores obruerit 
fulmine atque in imas Tartari praecipitaverit sedes. Aus der com- 
bination dieser stellen wird nun folgendes ergebniss gewonnen: 
„den Dionysos , der hiervon Zagreus heisst, sagt Clemens, hatten 
die Titanen zerrissen und seine glieder in den lebes eines gewis- 
sen dreifusses geworfen XtßTjTu nva rQinobi sniOtvrtg [genauer: 
in einen gewissen lebes, den sie auf einen dreifuss gesetzt hat- 
ten] oder in solche ollula , um gekocht zu werden , wie Arnobius 
weist. Kallimachos und Euphorion bürgen nicht minder hierfür. 
Ferner heisst es bei Clemens , dass dieser dreifuss mit den reli- 
quien vom jungen Apollon [doch heisst Apollon wohl o nui>; als 
söhn des Zeus] oder dem bruder (^Anöllmvi ddtXqai) nach Delphi 
geführt und hier beigesetzt wurde. 'ATiullmvi. t(^ naiÖ] 7iaQay.aTa- 
rUysiai xaiaüdipai , und zwar im adyton neben der orakelkluft, 
iv fiv^oTg AsXqjiviov tiuq^ dvioa nach Lycophron oder nagd to iqtj- 
GzriQiov dnoyiElaOai, wie Plutarch (Is. et Osir. c. 35) von diesen Ist- 
\para sagt, also grade neben dem mantischen dreifusse, 77«^« rcp tgi- 
7io8r, und dem goldnen Apollon,den Tansanias und andere wohl kennen." 
Obgleich gegen diese combination im ganzen nichts einzuwen- 
den ist, fällt doch auf, dass einige hauptstellen nicht berücksich- 
tigt sind, die genauer vom grabe des Dionysos handeln und auf 
ältere sichere quellen zurückführen, zumal da sie auf den ersten 
blick der ansieht, dass in jenem dreifuss das grab des Dionysos 
zu erkennen sei, zu widersprechen scheinen. Sie finden sich 
sämmtlich in den fragmenten des Philochoros bei Müller Fragifi. 
eist. Gr. I, p. 387, fr. 22—23. So schreibt Johann. Malal. Cliro- 
nogr. 11, p. 45 ed. Dind. vom Dionysos: xal sig Jt/.cpovg aTztl- 
Oüov ixsi Ttltvrä. aal iis&i] tu Xtixparov tov aurov /Jiorvaov 
iasi iv aoQq)' xal tu onXa 8s avrov aviog sah tig 76 itQov s-aqs- 
ixaasj y.adoog /JtiraQXog 6 cocpcozaTog avvsyQu^paTO tisq) tov avtov 
/liovvaov, cögavtcog ös aal 6 üoqxatatog fDiloxogog td avtd övvb- 



Das grab und die todtciifeier des Dionysos. Si 

eygdyjaTOf iv § ix&tcsi eins ttsqi tov aiTov /Jiorvaov eariv idsip 
rrjv titqfjp uvrov iv /dslq'oTg naga rhv 'AnoXXcßva tov XQ^^^ovr . 
ßd&Qov 8i tt iivai vnovotitai 7} aoQOSy iv 4* yQÖLOfetai' 

^Et&uÖs Ktiiut &avdüv ^lorvaos ix 2^eiiiX^g. 
ofAOimg de xai 6 aoq:(6taTog KtqjaXiav tu. avTit iv tw iöiw av/yQÜ^i 
piuji i^iOsio. Und die beiden ersten Zeugnisse werden vervollstän- 
dig-t durch Syncell. Chron. I, p. 307 Dind. /tiovvaov ngd^eig xai zd 
TjfQt 'itdovg jdvAOVoyov tt x«f '/^xTuiojta xal rifv&ifc, oTzmg 78 FIeQ' 
(jft avarug sig f^d^^jv dvaiQeiTat, cog q)ijai /JtiraQXog 6 noiijzrigy ovi 
o gjjTcoQ. ,,T(p de ßovXofiirq) ndgeativ iötiv avrov t^v taqirjv iv 
i4 eX q> oig nugd lov AnoKlwva rov jiqvcovv, — Bd&nov de ti 
rofii^erai roTg dyvoovaiv 6 /liovvGov zdqmg, Grqazijyog de doxsl ye- 
ria&ai xal ovroa yQdq<£Tni O'TjXvfxoQqog did zs uXXag (da^gug ai- 
ziag xal did zv fii^6S7]Xvv azQazov onXiXeiv, wnXi^e yaQ (Jvv zotg 
d(iQtai zag Ojjleiag , Mg qijöiv 6 fJ^iXoxogog iv devzt'Q(p. Davon 
gibt der armenische Eusebius Chronic, p. 292 ed. Mai. einen aus- 
zug, der auch bei Bötticher (tekton. p. 310. 318) angeführt wird. 
\ach Dionys. Halic. Dinarch. war der hier nach Cyrill. c. lul. X, 
341 gemeinte dichter Dinarchus aus Delos älter als der gleich- 
namige rhetor, doch schwerlich viel älter, denn da er nach den 
angaben bei Eusebius, Syncellus, Malalas die indischen thaten des 
Dionysos besang, was wohl nicht vor Alexander geschehen ist, 
und doch älter war als der rhetor, der noch Antipaters Zeitge- 
nosse gewesen ist, muss er wohl ein jüngerer Zeitgenosse Alex- 
anders gewesen sein. Dass Dinarch einer abweichenden legende 
über die art, wie Dionysos getodtet sei, tolgt, indem er den Dio- 
uysoM vom Ferseus todten lasst, kommt hier nicht in betracht, da 
es sich nur um die beschaffen bei t des grabes handelt. Wollte 
man nun auch annehmen, dass der sarg (angog) des Dionysos bei 
Dinarch als dichter nicht eigentlich und strenge zu nehoien sei 
und vom dreii'uss verstanden werden könne, so lässt Philochoros, 
•Icr als exeget im engsten verkehr mit Delphi muss gestanden 
liil'iii. iinM darüber nicht in ungewissheit , dass die gewöhnliche 
< Itt eine andre gewesen sei und eine stufe für das grab hielt. 
Hallen wir nur die wortc des Philochoros bei .>lalalas: JidOgov 
d4 ti ilvat vnovoilrat rj aogng xtX,, lo würde es schwer sein, den 
Widerspruch mit dem Tzetzes und dem daraus erklärten Clemens 
<u beseitigen. Da aber hei Syncellus steht: lidOgnv Öi» ri vofn. 
C«frti foig uyvftov^n o Jtofidov id(piig^ so kann nicht zweifeJ 

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82 ^^^ grab und die todtenfcier des Dionysos. 

haft sein, dass Pliiloclioros sagen will, die stufe, auf der die in- 
sclirift stund, würde von unkundigen, also mit unrecht für einen 
sarg- ang-eselien und für das grab des Dionysos gehalten. Und doch 
sagt er, dass jeder, der da wolle, es sehen könne. Da liegt es nahe, 
die stellen des Clemens und Tzetzes zur ergänzung hinzuzuziehen und 
anzunehmen, Philochoros habe weiter.berichtet, nicht die stufe, sondern 
der auf der stufe stehende dreifuss sei das eigentliche grab des Diony- 
sos. Der dreifuss unsers kunstwerks steht aber eben auf solch er stufe. 
Bötticher führt zur bestätigung seiner ansieht noch an : „die 
heilige sitte der weihe solcher lebetes und hydrien mit den tod- 
tenresten auf stelen und säulen bezeugen bildwerke, wie schrift- 
liche Überlieferungen in fülle". Zwar lässt sich dies nicht so 
unmittelbar auf unsern fall anwenden, denn die reste der tod- 
ten, die in lebetes oder hydrien bestattet wurden, waren gewöhn- 
lich verbrannt und wurden unter der erde bestattet, Aesch. Agam. 
423 f. Von Verbrennung der zerrissenen reste des Dionysos ist 
aber nirgends die rede, vielmehr heisst es ausdrücklich, der zer- 
rissene leichnam sei begraben {&dxpai und diEcnaafitvov lov vß- 
^Qov). Die lebetes und hydrien auf grabstelen sind aber nichts 
anderes als symbolische ausdrücke dafür, dass die stele, auf der 
sie stehen, ein grab bezeichne. Vrgl. „über die motive antiker 
grabmäler" im archaol. anz. 1850 nr. 23 und 24, p. 220. und 
nach der analogie der gräber, welche die form von altären hat- 
ten, kann es gar nicht befremden, wenn auf gräbern von dichtem 
dreifüsse vorkommen, die als errungener kampfpreis auf den rühm 
des dichters ;deuten, aber auch einen altar bezeichnen können, 
weil dreifüsse auch dazu dienten. Aber diese Schwierigkeiten kön- 
nen nicht in betracht kommen, da nach bestimmten Zeugnissen 
auch freistehende gefässe vorkommen, welche die gebeine verstor- 
bener enthielten. Bötticher weist auf Cumae hin wo nach Paus. 
X, 12, 8 eine steinerne hydria im tempel des Apollon die gebeine 
der Sibylle bergen sollte. Und in Delphi sollte sogar auch der 
mantische dreifuss ein grab sein, bald des Python, bald des Apol- 
lon selbst. So berichtet Hygin. Fab. 140 vom Apollon: nam Par- 
nassum venu et Pythonem sagittis tnterfecil, inde Pylhius est dictus; 
ossaqiie eins in cortinam coniecit et in templo suo posuit, ludosque 
funebres ei fecit, qui ludi Pytliia dicuntur. Und beim Serv. ad Verg. 
Aen. III, 360 heisst es vom delphischen tempel: in eodem templo tri- 
pus est cum ossibus et dentibus Pythii serpeutis. Damit hängt vielleicht 



Das grab und die todtenfeier des Dionysos. §3 

eine andre notiz zusammen bei demselben ad Aen. 111, 29: dici' 

tur autem cortina — quod ApoUinis Iripos corio Pythonis tectus est. 
Bötticber meint freilich, dass diese sage nur entstanden sei durch 
eine Verwechselung mit dem grabe des Dionysos; dazu ist aber 
kein grund. Denn wenn er nach Plut. Quaest. Gr. XII auch am 
heiligen wege von seinem söhne Aix verendend gefunden und be- 
stattet sein soll, so ist damit eine andre legende nicht ausgeschlos- 
sen, üod es gab hier offenbar auch verschiedene legenden, wie 
Varro L. L. VII, 17 bezeugt: sed terrae medium, non hoc, sed 
quod tocant Delphis, in aede ad latus est quiddam , ut thesauri spe- 
cie y quod Graeci vocant ofxqjaXov, quem Pythonis aiunt tumulum. 
Dass hier eine alte notiz zum gründe liegt , zeigt die glosse des 
Uesychius To^inv ßovv6<;' tov * AnoXloavog zov iv 2^ixv^vi' ßeX- 
tiQOf de axovsir Ttjp iv JsXqiots NaTijjv XayofjievTjv ' ixsi yaQ xal 
6 Ögdxojv xatBTO^svOtj xal 6 oftcpaXog jfjg pjc rucpog iatl tov Flu- 
Oayfog. Es ist aber Nutz/j die schlucht. Derselbe gilt aber auch 
wieder für das grab des Dionysos nach Tatian. c. Gr. VllI, 251 
if T«p zefAstet rnv udfjrotdov xaXtttai zig ofigiaXog, 6 ös ofKpaXog 
7u(f>og iazt Jiorvaov, Dazu kommt die bestimmte nachricht bei 
Porphyrios ^it. Pythag. c. 16, p. 20 Westerm. ' S2g de nXtcov JeX» 
ifoig nQogt'xezo [IIvl^aYOQag] , iXsyeioP 7q> tov \4n6XX(ovng tdq)(p 
inrj{ta\pe , di ov idijXov , co^' 2!eiX/}vüv fxer Ijv viog 6 ^ AnoXXcov, 
dtiQbOij de vrtü UvOcorog, ixr^ÖEiOtj iv rq» xaXov/iivcp XQiTiüdi, ug 
tavTtjg hv'/e r^tf incovvfiiag did z6 tQSig xoQag Tgionov dvya- 
rtQug irzuvOu OQrjviiaai '/^noXXmva: vrgl. Cyrill. in lulian. X, p. 
341. Auffallend ist die hier allein stehende notiz, dass Apollon 
vom Python gctodtct sei, was mit der legende vom grabe des 
Apollon zuMumnienhängen muss. Doch wird auch die dienstbarkeit 
beim Admet als nufcnthalt in der Unterwelt getleutct, und liisst 
mit Sicherheit auf eine sage vom tode des A|>ollon schliesscn. 
Die »ohNt nicht vorkommende notiz, dass Aptdlou solin des Seilenua 
i»«M, Moll offfMibar eine bezichung zum DionvHo.s auNdrücken. Kine 
hindeutung aui beide sagen , dass der dreit'uss grab des Apollon 
oder den dnirhen sei, findet iiich bei Serv. ad Verg. Aen. VI, 
317 Cortina dicta ett aui quod cor tcneat auf quod tripoi srptuM est 
corto »erpenlit: vrgl. Script, rer. mythic. ill, K, p. 2iVZ Hod. Auf den 
Triopii weifet auch eine Minst dunkle glosse bei Hejtycliiua hin Tgioxt» 
o Ino foii flvOaymtixÖiV iv /1iX(j>oig r^inoig. JedcntnllM \n\ tinvon 
•Im-^ vMti ♦•MKfti P\tltugoraN erfundene muMikuliMche in«lriinniii L-Iriihm 



84 Das grab und die todtcnfeicr des Dionysos. : ^ 

namens verschieden, von dem beim Athen. XIV, p. 637 die rede 
ist. Jedocli war auch dieses neben dem vorzug-sweise so genann- 
ten delphischen dreifuss. So erklärt sich, auch abgesehen von 
dem musikalischen Instrument, dass so häufig von einer mehrzahl 
von dreifüssen in Delphi und von einem erklingen derselben die 
rede ist, wie schon beim Alkaios bei Himer. Or. XIV, 10. 

Demnach dürfen wir nicht zweifeln, dass alte Überlieferungen 
zum gründe liegen, Hygin aber die cortina mit dem omphalos ver- 
wechselt habe. Vielleicht ist Philochoros von den gräbern des 
Python und Apollon, wie vom grabe des Dionysos, die quelle. Das 
adyton des delphischen tempels barg also offenbar drei gräber, 
den mantischen dreifuss , das grab des Apollon , den dionysischen 
dreifuss oder das grab des Dionysos und den omphalos das grab 
des Python. Vom omphalos hat Wieseler Annali dell' Instit. Vol. 
1852, p. 160 ff. dargethan, dass derselbe auf dem altare der He- 
stia neben dem dreifuss des Apollon sich befand. Alle diese ge- 
genstände waren im adyton. 

Demnach scheint Böttichers ansieht vom grabe des Dionysos 
gerechtfertigt und sicherer begründet. Daraus ergiebt sich auch 
die bedeutung des dreifusses für das fest als gegenständ der tod- 
tenfeier erörtert. Hier ist es aber vielleicht gestattet, einen noch 
tiefern blick in die bedeutung der damit zusammenhängenden ge- 
heimlehre zu thun. Zunächst finden wir durch andre Zeugnisse 
bestätigt, dass die lehre vom sterben der götter einen wesentli- 
chen theil der griechischen mysterien bildete. Dass die lehre vom 
sterben der götter eine allgemeine sei , dürfen wir schliessen aus 
Cic. N. D. III, 21. 53, wo es vom Zeus (Jupiter , in dem spä- 
tere bearbeiter der mythologie mehrere götter dieses namens un- 
terschieden) , heisst: tertium Creiensem, cuius in illa insula sepul- 
cruni ostenditur. Ganz allgemein wurden die gräber der götter 
in verschiedenen theilen Griechenlands auf die mysterien bezogen: 
Cic. Tusc. I, 13, 29 Si vero scrutari cetera et ex his ea , quae 
scriptores Graeci prodiderunt, eruere coner, ipsi Uli, maiorum gen- 
tium dii qui habentur, hinc a nobis profecti in coelum reperientur. 
Quaere, quorum demonslrentur sepulcra in Graecia, reminiscere, quo^ 
niam es initiatus, quae tradantur mysteriis : tum denique, quam hoc 
late pateat , intelliges. Und nicht bloss die inschrift auf dem 
grabe des Apollon in Delphi, sondern auch die auf dem grabe des 
Zeus in Kreta, ward auf Pythagoras zurückgeführt nach Porphyr. 



Das gr.ll» und die todtenfcier des Dionysos. 85 

V. Pyth. c. 17, p. 20 West, und bei Cyrill. c. lulian. X. p. 34 t 
Elg ds to ^I8uTnv naXovuEtov ävtnov xaraßagj 8Qia e/oJi' ftt'Xava 
jag vEtniitafiftai! tgiTTclg ifvsa rjfitgag ix8i diezQixpe xa) xaOi^- 
ytoB 7(fi /4it TOP 76 aroQvvftsvov uitcp xat srog &q6vov idsaaato, 
ETTiyQdfAfjiaT «V«|€;f«(>a^e»' in} rto 7dq,cp iTiiygcixpag TITQj4rOPj42 
TSil /tJI, ov // dQX7j. 

(ade Oavdov ysltai Zdv , ov /Sia x(x>1^(Txov(T{>. 
Porphjrios nennt seine quelle nicht, wir kennen ihn aber aus an- 
dern Schriften und besonders aus den frag-menten bei Eusebius 
als einen in der relig'ionsg'eschichte wohlunterrichteten mann. Der 
entsprechende bericht des Philochoros von der Inschrift am grabe 
des Dionysos, deren Worte spuren einer dactylisclien form zeigen 
und zum theil dieselben sind, lässt annehmen, dass die oben an- 
geführte stelle von einer Inschrift auf dem grabe des Apollon, und 
diese nachricht vom grabe des Zeus auf eine quelle zurückzufüh- 
ren sind. Wir würden dann auch für das grab des Zeus einen 
guten gewährsmann haben am Philochoros. Es muss demnach Pj- 
thagoras ein besonderes gewicht gelegt haben auf die lehre , dass 
die vom volk geglaubten götter gestorben , also sterblich seien. 
Ein mangel , der selbst dem höchsten gott beigelegt wird , kann 
den übrigen nicht gefehlt haben. Diese lehre kann aber kaum 
einen andern zweck gehabt haben, als alle einzelnen götter als 
untergeordnete wesen im vergleich mit der einen höchsten gott- 
heit darzustellen. 

lind hier lässt «ich vicileitlit ein zusammcnliatiir ili-r urj^un 
mit der philosophie erkennen, der zugleich auf die orphische theo- 
gonie zurückweist, nach anleitung des Syrian. ad üb. II. Arist. 
Metaph. p. 79 Brand. dXXu xav fit'uv Xfycafisv thai Jtjp nufzcov 
dQX'jV xaJ Otni (ivrrjp rj rayadut y tr nQogayoQevojfitv negag xai 
dnnQiat tlHX^(i(p flXatap xal nyo aiftov fi^iXoXaog av' 

lag opu/ÄÜ^oniig i/ fiordda xal dvdSa t (og o'^ nXetatot röJv Tlv- 
OayoQtCoiWy tj uiOrQU xat X^"^* d)g'0(iq)»vg, fj TTQaxre'a xu] i^vddu, 
mg avrng ii lIvOayoQug iP rt^ '/«CV Xoyqt, Wir haben für die- 
nen (latz noch einen älteren sengen im Alexander xu Ariit. IHc- 
tuph. p. 711 I. 5 dXXa xur fiiup Xiyooftir thtn Ti]f ndrtior a(>/'}*' 
xa'i Opop tth^p tj idyaOop tf tp nQoguyo(^ev(OfitP ni>(tag xai dnet- 
Qii" < ^nXi'ijfrp nXdttop uai ttQo avtov U^tXoXaog avtdg 

' >r... Dil! Worte itimaeo lo genmt Uberein, dais Man 
itIiiiImii könnte, hyriou habe aie d«a Atoxander enüelint « 



86 Das gral> und die todtcnfeier de.s Dionysos. 

nicht, was der erste mehr hat, vielmehr auf eine noch ältere ge- 
meinsame quelle hinwiese. Den philosophischen inlialt bestätigt 
eine andre stelle bei Syrian. ad Arist. Metaphys. XIII, p. 325 Br. 
yicii sTi TiQo 7C0V 8vo ^Q^wv tyv iviaiav ahiav y.ai ndrzcop c|iy- 
QijfXEVTjv TTgoiiarrov , rjv — 0iX6Xaog tjuvkov dgj^äv elvai büaxv' 
Qi^erai, Diese stellen, welche Bö'ckh noch nicht bekannt waren, 
obgleich er den hauptinhalt aus andern Zeugnissen kennt (Philol. 
p. 47. 130) sind in ihrer Wichtigkeit für den Zusammenhang der 
pythagoreischen orgien mit der philosophie und beider mit der or- 
phischen theogonie noch nicht beachtet. Zur bestätigung dass 
Philolaos auf die in Delphi anerkannte orphische theogonie (in 
dem im progr. des Hamb. gymn. 1859 nachgewiesenen sinn) be- 
zug nahm, können zwei bruchstücke aus lohannes Lydus ange- 
führt werden: lohann. de Mens. p. 72 Roeth, 'AtzoXXcov — 8iä 
70 cLTKad^Bv ahai tcov noXXmv rovitari [zovov. 'ÖQ&wg ovv dfiijroQn 
701' 87170. aQid^iiov 6 fPiXoXaog Tigogijyogsvas' fxotog ydq ovze yevvdv 
0V7S ysvväa&at nsifVAS, wo Philolaos offenbar die dem Apollon 
heilige siebenzahl auf ihn als ausdruck der göttlichen einheit be- 
zog, wie Plutarch de Ei ap. Delph. c. 9 xQV7Z76fiSPOt 8s 70vg 
TToXXovg Ol 60q>(O78Q0i 7rjv filv slg nvg fit7ußoX7jv ^ uänoXXcovd zs 
7^ fxof(ü<ysif 0oTß6v 78 70) naüagcp xal dfiidvzqt aa^.ovai, wo in- 
dess auch auf Heraclit hingewiesen wird. Wenn es ferner bei lo- 
hannes Lydus (Menss. p. 208 Roth.) heisst: 'Og&cog ovv 6 fpiXoXaog 
zjjv dvdda Kgovqft gvvevvov shai Xsysi, ov xarct zo 7zgoq)avsg xgorov 
ai 7ig EiTzoiy so begnügen wir uns, nur kurz anzudeuten, dass die 
dyas als princip der Vielheit und mannigfaltigkeit eine bedingung der 
Veränderungen ist, welche wieder die zeit zur Voraussetzung hat. 
Eine ähnliche herabsetzung der vom volk geglaubten götter 
finden wir beim Empedokles, der ja wenigstens auch bei den Py- 
thagoreern in die schule gegangen war. und dessen lehre einen 
ähnlich mystisch - Religiösen Charakter hat. Wenn nun selbst die 
bei den Orphikern und Pythagoreern am höchsten geachteten göt- 
ter Apollon und Dionysos für sterblich erklärt werden, so wird 
doch diese Sterblichkeit zugleich wieder aufgehoben, indem die Wie- 
derbelebung in gewissen Zeitabschnitten gefeiert wird und zwar 
die Wiedererscheinung Apollons jährlich im frühlingsanfang , die 
des Dionysos alle zwei jähr nach der wintersonnerwende. So- 
wohl tod als Wiederbelebung ward festlich begangen. Da aber 
zugleich die götter doch immer als thätig vorgestellt werden, 



Das grab niid die todfcnfcicr des Dionysos. 87 

kann kein lang-er zwischen räum zwischen beiden festen g"ewesen sein, 
sie müssen vielmehr unmittelbar auf einander gefolg't sein , fwie 
dies aucli bei andern göttern feststeht: s. Bötticher tektonik buch 
4, p. 221. Denn fortdauernde thätigkeit und lebendigkeit ist 
z. b. auch darin ausgesproclien , dass der tag, |an dem jeder gott 
geboren gedaclit wurde, monatlich wiederholt wird: Petersen ge- 
burtstagsfeier p. 308. 

Darüber ist nun aber Bötticher in bcziehung auf Dionysos an- 
derer ansieht, indem er über die Jahreszeit der lustration oder 
grabesweihe (das grab des Dionysos) p. 9 sagt: „für die zeit des 
Jahres jeder trieteris, in welche die weihe des Dionysosgrabes 
gesetzt werden kann , ergiebt sich ohne weiteres der gegensatz 
der zeit, in welcher Dionysos auferweckt wird. Das ist das ende 
des winters, unmittelbar bei beginn des frühlingsmonats Bysios 
oder Pythios, dessen siebenter tag zu Delphi als tag der geburt 
also der epiphanie des Apollon gilt." Das wird nun mit bezie- 
hung auf M aerob. 1, 18 dadurch motivirt, dass Dionysos die win- 
terliche , Apollon die sommerliche sonne sei. Und in ähnlicher 
weise ist die sacbe schon tektonik buch 4, p. 170 und 222 ge- 
fasst. Dabei sind aber mancherlei Schwierigkeiten nicht erwogen* 
Die epiphanie Apollons ward jährlich gefeiert; das müsste aber 
auch mit der lustration des grabes des Dionysos der [fall gewe- 
sen sein, wenn sie jene feier vorbereitet haben sollte; diese aber 
war , wie gesagt , zweijährig. Auch ist es kaum denkbar , dass 
Dionysos neun monatc als im grabe ruhend gedacht wurde, ge- 
schweige denn zwölf -\- neun monatc , wie es sein müsste, wenn 
die lustration, die doch eine art bestattungsfeier ist, aus ende des 
frülilings gefallen wäre. Nun ist aber Dionysos auch den ganzen 
.Sommer lebendig und wirksam in förderung der Vegetation, zunächst 
de« weiostocks und tritt auch im cultus, wo wir denselben genauer 
kennen, wie in Attika nicht zurück, wie an den Skirophorien, Boe- 
dromien und ONchophorien, auch scheint er in Delphi bei den Herakleen 
eine rolle gespielt zu haben. Man kann dagegen sogen, dass die 
.sclir versrhiedenen heiten desselben gottes zumal in verschiedenen 
hiaaten eine verschiedene, ja entgegengesetzte aufliissung für den 
cultus zuliesNcn. Allein e« würde doch immer des bcweiscs bedür- 
fen, dass dien hier der fall, d. h. dass Dionysos im sommer im grabe 
ruhend und nicht auf der oberwell thätig gedacht ward , oi>gleich 
er im ruilu« xur erMcbciuuog kommt. Sehen wir aber auf die o&- 



88 Das grab und die todtenfcier des Dionysos. 

turbedeutung-, auf weloJie sieb Bötticlier beruft, indem er nach Ma- 
crobius den Dionysos für die winterliche sonne erklärt , so dürfen 
wir auch die andre seite nicht vergessen, dass er auch herr der 
feuclitigkeit (Plut. de Is. et Os. 34), die zwar im sommer ab. 
nimmt, aber nicht ganz verschwindet , im frühling aber, in dessen 
anfang sein tod fallen soll, ganz besonders wirksam ist und sicht- 
bar hervortritt. Wenn Bötticher sich auf den satz beruft, dass 
„bei den Hellenen überall das fest der epiphanie des neuen got- 
tes stets dem abschiede und der todtenweihe des andern folge", so 
ist mir davon kein beispiel erinnerlich, wenigstens ermangeln wir 
eines Zeugnisses, dass die todtenweihe des Dionysos zur epipha- 
nie des Apollon in beziehung gesetzt sei. Gewöhnlich und na- 
mentlich in der hier zu gründe liegenden orphischen theogonie 
folgt die Wiederbelebung des gottes aus dem noch schlagend ge- 
retteten herzen unmittelbar auf die bestattung. Dass die Wieder- 
erweckung in den anfang des winters fiel, darüber waltet kein 
zweifei ob ; dazu kommt , dass naturfeste durch die natur selbst 
bestimmt waren , die zerreissung des Dionysos durch die Titanen 
war aber das absterben der natur im Spätherbst, zunächst die ent- 
blätterung des weinstocks durch die stürme. Desshalb kann auch 
die todtenfeier des Dionysos nur im Spätherbst gewesen sein. Je 
später im jähr in Griechenland die natur abstarb, und je früher 
die ersten spuren der wiedererwachenden Vegetation sich zeigten, 
desto mehr müssen wir geneigt sein, anzunehmen, dass diese feste 
in derselben art auf einander folgten und nicht weit von einander 
entfernt lagen. Wenn sie nicht, wie sonst der fall, einander noch 
näher lagen, so führt die gleichsetzung des Dionysos mit dem 
Osiris und die Übertragung aegyptischer Vorstellungen und ge- 
brauche seines cultus auf den des Dionysos darauf, anzunehmen, 
dass sein todestag wie der des Osiris auf den 17ten des letzten 
herbstmonats (in Delphi nach Hermann Apelläos) gesetzt sei, was 
um so wahrscheinlicher , da nach Plutarch deshalb die Pythago- 
reer die zahl 17 avzCcpQa^ig versperrung oder Verfinsterung ge- 
nannt und als unheilig oder unrein betrachtet haben (dcpoßinvvTat 
Plut. de Isid. et Osir. cap. 42). Endlich lässt namentlich Plutarch 
überall die feier der Wiederbelebung unmittelbar auf die todten- 
feier folgen, ja das umherschwärmen, bis der gott wiedergefun- 
den ist, scheint ein theil der todtenfeier zu sein. So heisst es 
de Iside et Os. c. 35 von dem vergleich der orgien des Diony- 



r 



Das grab ntid die todtenfeier des Dionysos. 89 

SOS mit denen des Osiris: nunXoyEi di yat TiTavixa xal vil^ ts- 
Xsla roig Xsyofispoig ^OaiQidoi; diaaTzaöuotg x«/ zaJg araßicoaecsi 
■Koi naXiyyereainig' hfiotoag ds xal ra' jtsqI rag raqidg. Aiyv- 
TZTioi 78 yuQ 'OatQtdog noXlnx^v -^r^xag, Sgneg einrjTai, dstyvvovai 
xal /JsXqiol ja rnv /liovvaov Xeixpava ttuq^ avioTg rzaoa to XQ^' 
nrfiQiot unoxeiöOai vofiiXovai' x«< &vov6i ol Oaini O^vaiav anoQ- 
nijTny iv 7q> Itgq) Tov '^noXXcovog , orav al &viddsg sysCgmai top 
/fixvtTtjr. Nacli dem was vorherg^eht, kann man nicht zweifeln, 
dass das g^eheimnissvolle opfer, welches die Hosioi (priester des 
Dionysos in Delphi) darbringen . nichts anderes ist als ein tod- 
tenopfer für den Dionysos , das mit jener g^rabesweihe zusam- 
menhängt, die auf der Dresdener basis dargestellt ist und dessen 
in der oben (p. 79) angeführten stelle des Lykophron und seiner 
scholien gedacht wird. Nun heisst es aber, das Opfer sei ge- 
bracht zur zeit , wenn die Thyiaden den Dionysos wecken. Also 
fällt der auszug noch in die zeit der todtenfeier (s. unten). 
In demselben unmittelbaren zusammenhange erscheinen beide feste 
Plut. de Et apud Delph. c. 9 /Itovvaov ds xal Zaygm y^a) Nvats- 
Xiop xai ^laodftirtjv avtop opofxdi^ovai. xal (j)d'on(ig rivng x«) «qca- 
piCfiovg Aar zag d n o ßicöff 8 1 g nai TzaXiyyeveaiag oUeia 
raig f.iQr^iAtvaig ^eraßoXaTg aiptyftutn xat fiv&svfAnTa nennirnvat, 
wo besonders zu beachten , dass dnoßicoaeig und nuXiyyevealai; 
durch den artikel wie ein ganzes zusammengefasst 'werden. Nach 
l'lutarch de F)ef. Druc. 13 war der tag des auszugs, um den Dio- 
nysos wiederzufinden, ein trauertag: ioQzdg zs x«i Ovaiag ^gnsQ 
^fitga^ dnocpgddaQ xal aavOQoyndg, iv alg mfiocpayiat xal dia- 
anaafAoif pfjortiui ze xai xon8zoiy wo die letzten wortc auf die 
Kleusinien , die zunächst vorhergehenden unzweifelhaft auf die tri- 
eterische feier des Dionysos zu beziehen sind, beide aber als trauer- 
tag«*, in denen jedoch Opfer dargebracht wurden , geschildert wer- 
den. Das können aber schwerlich andere als die todtonopfcr gc 
wesen sein , die dem nuMZiiu'o vrirhrrgi'üfangcii t)dpr während dcs- 
Nelben gebracht wurden. 

kann es nicht zweifrlliatt seien, dass das tost diesem mythus 
nach der Überlieferung der orphischen tbeog(»(iie entsprach, so 
folgt darauN, daMM die feier der Wiederbelebung unmittelbar auf die 
todtenfeier gefolgt nei oder wenigsteuM letztere nicht gar lange 
vorherging: m. t'lemenN Pnttrept. p. 5 ed. Sylb. p. If) e^. Oxon., Ku 
■eil. Praep. II, 8, 13 u. f., Lohuck Agiaoph. I, p. 5AS u. f Wan 



90 Das grab uiul die tocUenfeier des Dionysos. 

im mythos so unmittelbar auf einander folg^te, muss auch in der 
festfeier, die ihn wiedcrg-ab, eng- verbunden gewesen sein, wenig- 
stens ist kein grund es anders zu denken , wenn es nicht aus- 
drücklich überliefert ist. Das ist aber nicht der fall. Wenn der 
entgegengesetzten annähme dazu fast unüberwindliche Schwierig- 
keiten, wie wir gezeigt haben, entgegentreten, so haben wir um 
so mehr Ursache anzunehmen, dass in der trieterischen feier tod 
und Wiedergeburt eben so eng verbunden gewesen seien , wie es 
z. b. bei Bötticher über die Plynterien naehgewiesen ist, tektonik 
buch IV, p. 311, wenn auch vielleicht zeitverhältniss und bedeu- 
tung der Kallynterien anders zu fassen sind: s. Petersen die feste 
der Pallas Athene p. 11. 

Man kann freilich dagegen einwenden, es sei zwar bei dieser 
leichenfeier von einem opfer der Hosioi, der fünf delphischen prie- 
ster des Dionysos (Plut. de Isid. et Osir. c. 35) die rede und 
wenn auch ein opfer der Thyiaden , wie auf dem Taygetos (Paus. 
III, 20, 4) auch in Delphi vor dem auszug anzunehmen, so werde 
doch nirgends der schmückung des grabes gedacht; allein bei den 
zahlreichen abbildungen, die wir gerade von todtenopfern haben, 
wird das grab eben so wie hier mit binden geschmückt : s. z. b. Sta- 
ckelberg gräber der Hellenen, Taf. 44 — 46, Miliin, Peintures des 
Vases I, 16 und 21. Ein ähnliches trauerfest mag nun auch 
der epiphanie des Apollon vorhergegangen sein; dies musste sich 
aber auf denselben gott bezogen haben, und es findet sich bei der 
neunjährigen feier des Septerion davon eine spur in der erinne- 
rung an die dienstbarkeit Apollons, welche an dem knaben, der 
den Apollon vorstellte (Plut. Def. Orac. 15), vollzogen ward. Die 
dienstbarkeit beim Admet ist aber, wie bereits oben erwähnt, als 
ein symbolischer ausdruck für den aufenthalt in der unterweit 
d. h. dem tod zu verstehen. 

Ein ähnlicher gedanke scheint die Ursache zu sein , wesshalb 
die todtenfeier des drachen (Euseb. Praep. Ev. II, 6. 7) an den Py- 
thien im anfang des herbstes stattfand, obgleich der tod desselben 
als im frühling bei der Wiederkehr des Apollon stattfindend ge- 
dacht sein muss. Denn mit dem herbstregen füllten sich wieder 
quellen, bäche und flüsse, ward also im Pleistos der drache wie- 
der belebt, die spiele wurden aber auf die todtenfeier bezogen. 

So entspricht die dreifache todtenfeier den drei gräbern im in- 
nersten heiligthum des delphischen tempels; und selbst dem dienst 



Das grab and die todtenfeier des Dionysos. 91 

des heitersten g-ottes, des repräsentanteii der eclit liellenischcn göt- 
ter, ist jener mythische hintergrund nicht fremd, indem das mensch- 
liche lehen auch von einer trüberen und ernsteren seite ang-esehen 
ward, welche, wie der Verfasser in seiner schrift „über den ge- 
heimen g-ottesdienst der Hellenen'' darzuthun g-esucht hat, die ganze 
religiun der Griechen in den mysterien durchdrang. 

Hanibui^. CA. Petersen. 



Sophocl. Aiac. vs. 257. 

Es thut bisweilen noth, alte emendationen ins gedächtniss 
zurückzurufen. Auf die worte des chors, dass den Aias rarr' «.t ?.«'.- 
zo^' i^ax^i bemerkt Tekmessa: nix hr XafiTZQus yaQ utsq öTeQO- 
nag alag o^vg pozog tJ^, X^yei. Bei dieser lesart haben sich 
viele beruhigt, andere weitgreifende änderungen vorgenommen. 
Allein durch ein derartiges beruhigungsmittel , wie man es hier 
angewandt bat, „Sunt haec aliis in locis aliter comparata" kann 
man sich nicht beschwichtigen lassen, und grosse änderungen sind 
unnöthig, da der allein passende gedanke durch eine sehr einfa- 
che Verbesserung gewonnen wird, durch Lobeck's utz' aazEnonag. 
So wie der gewittersturm kein anhaltender wind ist, sondern in 
folge des gewittern plötzlich daherbraust und sich sofort legt, wenn 
jenes vorüber ist, so ist der Wahnsinn des Aias kein anhaltender, 
gondern ein nur* das rachewerk begleitender, der nach ausgetobter 
räche gewichen ist. Das uzho ist eine blosse Wiederholung des 
oarfQ, und wenn eine absichtliche, dann sicher in dem sinne: 
wie der daherbrausende süd sich ohne das gcwitter legt , d. h. 
UPiin duK gewiMrr Vfiriibrr Ist. 

Oslniwo. R. Enger. 



Ari«t. I\ubl). 179: 

«X ttjg naXai'aTQog Onifiuztoy v(pfiXeJo. 
Diene ? erdorbene stelle emendirt IScrgk : tx rijg nuXrjg Ootptj^ä' 
Tior iqttXiTOt so dass näly dasselbe was vorher Xenrl; riq^Qu be 
deutet, die asche. Liesse sich aber nicht für OoiPtjfiuiiop der ge 
netivuM |>artitivus OoiputtHcip schreiben und als nHheres obiect 
/u i<j u'liTo nun der frage des StrepNiades v. ITT» ;< < . 

r'iltftr' rnaXunifduio el»eu tu üXquru hinzunehmen ^ 

Ititterfeld. '>. Ooram. 



II. JAHRESBERICHTE. 

10. Die trag-ödien des Sophokles. 

Erster artikei. 

Der nachfolg-ende bericht giebt eine Zusammenstellung^ der 
leistung-en auf dem g-ebiete der texteskritik des Sophokles seit 
der Vollendung der Schneidewinschen ausgäbe, also vom jähre 
1856 bis Ostern 1859. In dieser zeit sind erschienen: 

1) die von A. Nauck (Berlin , Weidmann) besorgten neuen 
auflagen der ausgäbe von Schneidevrin , des Oedipus Tyrannos 
1856, der Trachinierinnen und des Oedipus auf Kolonos 1857, 
der Electra 1858. 

2) Sophoclis tragoediae, ed. Theodorus Bergk , Lipsiae, Tauch- 
nitz 1858. LXIV und 356 S. 8. 

3) Sophoclis tragoediae ex rec. Guilielmi Dindorßiy edit. ter- 
tia correctior, Lipsiae 1859, in der Bibliotheca Teubneriana, 381 
S. 8. 

4) Sophokles. Für den schulgebrauch erklärt von Gustav 
Wolff. Erster theil. Aiax. Leipzig bei Teubner 1858. Vlll und 
152 S. 8. 

5) Des Sophokles könig Oedipus. Schulausgabe mit kritischen 
und das versmass erklärenden anmerkungen , herausgegeben von 
Dr. Friedrich Bellermann, Berlin bei Springer 1857. XIX und 
144 S. 8. 

6) Studien zu Sophokles von professor Hamacher, erster bd. 
Electra. Griechisch und deutsch mit kritisch exegetischen anmer- 
kungen. Regensburg bei Joseph Manz 1855, 216 s. 8. II bd. An- 
tigone 1856 VIII und 216 S. III bd. Trachinierinnen 1856, 224 S. 

7) eine anzahl von gelegenheitsschriften. 

A. Nauck hat die einrichtung beibehalten, welche Schneide- 
win seiner ausgäbe in der dritten aufläge des ersten bändchens 
gegeben hat, wonach unter dem texte fast nur erklärende anmer- 
kungen stehen, dagegen in einem anhange die kritisch unsicheren 
stellen besprochen werden. Hier begründet Nauck seine abwei- 
chungen von Schneidewin , und theilt mehrere werthvolle emenda- 
tionen mit. Ein anhang, der die abweichungen von Laurentianus 
A enthält, gereicht der ausgäbe zu grosser empfehlung; es ist au- 



Jahresberichte. 93 

sscr der collatlon von Elinsley noch die von Cobet benutzt wor- 
den, die Naiick aus Schneidewins nachloss erhielt, ausserdem tür 
den Oedipus Tyrannus die verg^leichung- von G. VVoIff, im Rheini- 
schen museum IX, S. 118 — 29 mitgetheilt, endlich für eine er- 
hebliche anzahl von stellen der Electra die verg-leichung- von W. 
Dindorf, die sich Nauck erbeten, da ihm die Cobetsche collation 
durch verschweig-ung zahlreicher von Gaisford angemerkten Varian- 
ten zweifei an ihrer genau igkeit erweckte. — G. Wolffs Schul- 
ausgabe des Aias hat fast dieselbe einriclitung, wie die von Schnei- 
dewin ; der kritische anbang giebt die abweichungen von Lauren- 
tianus A, den Wolft* selbst verglichen und ausserdem die Cobetsche 
collation benutzt hat. So werden uns in kurzer zeit die collatio- 
nen des Laur. A von Elmsley, Cobet und Wolff vollständig vorlie- 
gen, aber die zweifei über die lesart an sehr vielen stellen kei- 
neswegs beseitigen , so dass wie für den Aeschylos dieser hand- 
schrift, so auch für den Sophokles eine neue, die correcturen der 
verschiedenen bände genau berücksichtigende vergleichung als sehr 
wiinscbenswerth erscheinen muss. Die genaueste collation scheint 
W. Dindorf zu besitzen, von der wir vielleicht bei einer neuen 
aufläge der Oxforder ausgäbe etwas erfahren dürften; die neueste 
ausgäbe in der bibliotheca Teubneriana enthält leider nur den an 
einzelnen stellen verbesserten text, ohne hierüber rechcnschaft zu 
geben, was auf handschriftlicher Überlieferung und was auf cor* 
rectur beruht, da doch die angäbe der abweichung von I^aur. A 
bei geringem raumaufwande die brauchbarkeit der ausgäbe bedeu- 
tend erhöht hatte; selbst die in aussieht gestellte ausfübriichc 
praefatio ist dem buche nicht beigegeben. Dagegen hat Th. Rergk 
alles gethan, was einer solchen ausgäbe ohne commentar zur em* 
pfehlung gereichen kann. Jede abweichung von der handsciiriftli- 
eben Überlieferung ist vermerkt zugleich mit neniiung des besse- 
rer« : auNNerdem ist eine grosse zahl sebr schöner verbesserungs- 
vorsrliläg«' mitgctbcilt , eine abhandlung De tila Sophnrlis vorange- 
srliirkt , die rei(*b an feinen bemerk ungen das material mit kriti- 
üchem takte sichtet, endlich ein index der Nomina proprio ange- 
hängt. Die ausgäbe des Oedipus Tyrannus von director Bellcrmann 
sucht die schüler in die kritik einzuführen und verweisen wir auf 
<•, was wir über diese ausgaite in der zeitscbrift für das 
il Winsen Xlll , I». 132 IT. bemerkt haben. Hamacher s Stu- 
dien «Midlicb ziehen wir hier niclit in betracbt. Ilamacher hält es, 
um nur das eine anzuführen, für ein vorurtheil, nn der starreu 
regel festzuhalten, doMs im secliMten fusse des trimeters der s|ion- 
deuN unzulässig sei, und er nimmt mit Verwunderung und bestür- 
/unuf wahr, wie auf dem aliar dieser starren reirrhi ohne nusnali- 
nieii die wunderNcböiiMlrn tra<iilionen vcrblii(< n. Für diese 

wunderNchönen tradilionen halten wir w« i ■< ebensowenig 

ninn und verNtandnisM . wie für die ästhetisrhon nnirterungen dr« 

brii. ll.'iiiiJirliiT 



94 Jalneslicrit'Jit«'. 

Um den durch diese ausg-aben in der kritik des iSophokles 
bewirkten fortsdiritt richtig- zu würdig-en, wäre es ang-emessen, 
eine geschiclitliche Übersicht der bisherigen textesrecensionen vor- 
auszuschicken. Diese aufg-abe wird aber für einen besonderen ar- 
tikel ausreichenden stoff bieten, und dann weit fruchtbringender 
gelöst werden können, wenn eine genauere vergleichung der liand- 
schriften vorliegen wird. Auch geben die angezeigten Schriften 
keine besondere veranlassung hierauf einzugehen , da sie sämint- 
lich ziemlich übereinstimmend nach dem schon vordem zur geltung 
gebrachten grundsatze dem Laur. A als dem sichersten fuhrer 
folgen, ohne dabei die lesarten der anderen handschriften ganz 
unbeachtet zu lassen, so dass es hauptsäclilich darauf ankommt, 
mit welcher einsieht von den herausgebern das richtig überlieferte 
als solches anerkannt und das verdorbene gebessert ist. Wie sich 
die verschiedenen herausgeber zur Überlieferung stellen , wollen 
wir an einem stücke nacliweisen, und wählen hierzu den Aias 
wegen der einzelausgabe dieses Stückes von G. Wolff. 

Wenn wir die abweichungen in der Orthographie , accentua- 
tion und ähnlichen blos formellen dingen, in der interpunktion und 
personenvertheilung unberücksichtigt lassen , so zählen wir bei 
Schneidewin 48, bei Bergk 50, bei Dindorf 57, bei Wolff 67 stel- 
len, an denen Verbesserungen in den text des Aias aufgenommen 
sind, so dass die Schneidewinsche recension die conservativste ist, 
die Wolffsche sich am meisten von der Überlieferung entfernt. 
An 24 stellen treffen die vier herausgeber in der aufnähme der- 
selben emendation zusammen, doch sind dies meist ältere, auch 
von früheren herausgebern anerkannte besserungen. Dagegen 
findet sich mehrfach bei jedem der herausgeber eine andere lesart 
im text, so an den freilich sehr schwierigen stellen 601, 1190, 
aber auch sonst, wie 717, wo bei Schneidewin d-vfjbuv i, bei 
Bergk ^vuuyj bei Wolff d^vfxaJVj bei Dindorf d^vfiov t steht, 901 
wo Schneidewin die lesart der bücher xaiiirscßveg äva^, Wolff da- 
gegen äva§ xaTSJtscpvsCj Bergk xarinefpvEg wva^, Dindorf xuujrscpvsg 
ava% c6v aufgenommen hat. Oft gehen zwei recensionen zusam- 
men, besonders die von Schneidewin und Bergk, oft steht eine 
den übereinstimmenden drei andern allein gegenüber. Selten steht 
Schneidewin allein, wie 1312, wo er die Dindorfsche, von diesem 
selbst aufgegebene vermuthung jov Gov '^vvaCfjbovogj 1339, wo er 
Doederlein's gleichfalls nicht zu billigenden Vorschlag ov xav uti- 
fidaai^'^ äv aufnimmt. Oefter Bergk, der 649 xal mit den bü- 
chern edirt, während die andern, richtig wie wir glauben, ^al ediren ; 
195 Ritschl's noiC, 880 tögag statt ayqag, 771 die eigene Ver- 
besserung Siag ^Ad^dvfx g i]vix^ wtqvv oaau vlv , rfiöa t Itv* ix- 
d^QOig — y 1152 die eigene besserung aiGtSslv statt sicftdwv auf- 
nimmt. Ebenso Dindorf, der 116 aot (f iipieiJiat, S^sd , 428 ovS* , 
496 11, 635 ndg" mit Elmsley , 1144 ivevgsg edirt. Am häufig- 
sten steht Wolff allein, indem er theils die Überlieferung festhält. 



Jabresherichte. 95 

wie 350 fiovoi, i , 776 ToTgj 1230 itpijjvng, an allen drei stellen 

mit unrecht, tlieils und besonders von den handscliriften abweicht, 

wie 135 uy^fu'/-ov, 177 5, 194 fiuxgaCwi', 378 wo Iw zugfesetzt 

wird, anoebiich wegen der strophe, 431 richtig- ^viaaetv, 564 mit 

Musgrave Trjlovo^g, 573 fiijjs mit Schaefer, 604 növco statt /^oiw 

mit Martin, 756 itjÖ'' l^' W^Q{^ "*'t Schaefer, 758 xuvorjTa , was 

auch Bergk für richtig hält, 867 nunuT , nanui mit Lachmann, 

978 wvnfQ, 1145 xgvßeCg, 1184 fio/wv — fis^.rjacü (van Gent 

Mncmos. \ II, p. 221 vermöthet /i,oAw. Tuy)Ov fitlriasi, rcods — ), 1307 

ytXOJv tlir Uywv, 1350 tv Gißnv, 1357 ys statt ^s. V. 869 ver- 

muthet WoifF ijTiGium ys Gvv fi^ uyst , und imaruTU ist wohl 

richtig, sonst aber kann man einfacher fje av/jßu).X(i schreiben, 

das wegen des ln(aiaiui> in üvfißuXtlv verändert leicht in das den 

zügen wie der bedeutung nach nicht sehr abweichende av/nfiu&el^v 

übergehen konnte. Ferner glaubt er, dass der folgende fehlende 

vers bei Herodian fidii] .i'v&sv xui ysi'ixr, ttuqu ^OfpoxXn ' ovjt, rot 

fitTQOv fjLi'jug (fr. 715) erhalten sei, man habe nur fjaX' vor ovn 

einzusetzen ; aber diese worte kann man doch nur vom masslosen 

Unverstände verstehn , in dem hier ertorderlichea sinn hätte i^oyu 

stehen müssen. — Dass sämmtliche herausgeber sich bestreben, 

den tv^xi des Laur. A, und zwar von erster band ihrer recension 

zu gründe zu legen, haben wir erwähnt. Auffallend ist, dass 

Schn(>idewin 289 ^tav edirt, da der I^aur. A ^lug bietet, was 

ßergk, Wolfl' und Dindorf aufgenommen haben, 1304 uoKyriwv, die 

andern mit Laur. A pr. uQ/dTtoiv; ebenso dass Bergk 168 die 

vulgata uTt beibehält, da im Laur. A pr. uTieQ steht, dem die drei 

andern herausgeber folgen. Oefter weicht Dindorf ab, der 61 

nüvnv edirt, die andern mit Laur. A 70101-, 451 /.t^j r/roi r*, die 

andern mit Laur. A pr. imvi^viovi', 543 loyov , die andern mit 

Laur. A pr. Xoywy, 1137 xaxwg, die andern mit Laur. A pr. xa- 

Xwg. Dagegen hat Dindorf 1358 allein mit Laur. A pr. ßoojun-y 

die andern ß^oiolg^ doch giebt WolfV keine abweichung von Laur. A 

an, so dass hiernach im Laur. ßooioTg stünde, elienso schweigt 

er 205, wonach fifyag^ nicht u /n^yug die Icsort des Laur. wäre, 

ferner 635, wo Bergk und Schneidewin xo^aawv , weil als lesarf 

de« Laur. angeführt, ediren, W'oKf dagegen mit Dindorf xorfa 

iiujv ohne angäbe einer abweichung. Am meisten sucht sich WoMV 

dem Laur. A pr. anzuschlies.sen, mit dem er 33 ünov (die andern 

Ztov), 80 big Söfiovg ('die andern ii dö/noig) , 149 mivrujf (die 

andern nätsiv) mit Naucks änderung von ^Odvaaivg in YMvtr^iij, 

221 uXdovog mit Dindorf (Schneid. uXi>onoc, Kergk (tXtiwrog) edirt. 

DasM sich im Laur. A fehler finden, welche in don andern band 

Nchrifteii rirhtitr verbeNsert sind, niuss man natürlich finden, nllein 

••"fl,il!<ii.l( ;i cn sind wohl zu beachten. So lautet die vnl 

'*l.i i'uij m ^ ^ ' xnXvft/Jttaiy, die von Schneidewin und DiiMiMit 

aufgenommen ist; da aber im i^aur. A togu nv ^rJij fo» xqüiu xulvfj^ 

fjtian htelit , HO «•«'■•• U "IM •■'■ "..... freilich unrichtig, da jene 



96 Jnliresbci'lchte. 

lesart, wie ßergk g-esehen hat, rjStj '<Sn xqutu bedeutet. V. 45 
xav l^ijtQu^sv, d xaTfifiiXrjcf iyoj bietet Laur. A pr. i^eTtga^uT^j 
und dies hat Dindorf aufg-enoinmen und auch Berg-k hält es für 
das wahrscheinliche. Es ist aber nicht anzunehmen, dass der dich- 
ter gegen den fest ausgeprägten sprachgebraucli das medium statt 
des activums gesetzt habe, zumal ohne alle nöthigung. Die an- 
nähme aber, dass die bedeutung des mediums hier festzuhalten 
und die glosse des Hesychius s^stiqu^uto ' l(p6vivaev auf unsre stelle 
zu beziehen sei, verstösst ganz entsdUieden gegen den sinn der 
stelle, so dass mit recht M. Schmidt im Hesychius unter i'^eirgd' 
^aw auf unsern vers nicht verwiesen hat. Wenn nun aber Wolif 
hier der vulgata folgt, so steht dem entgegen, dass nicht einzu- 
sehen ist, wie diese auffallende lesart des Laur. A entstanden sei. 
Hier schlägt Schneidewin den richtigen weg ein, indem er an 
eine dritte lesart denkt, aus der jene beiden entstanden sind, nur 
hat er mit xav i^inga^^ uv nicht das das rechte getroffen. In 
derartigen antworten setzt der Grieche ya, und dieses ys: ist hier 
nach i'^ijTQu^€ , das im gegensatz zu ßovXevfia steht, fast unent- 
behrlich. Nach einem gewöhnlichen fehler las man aber i'^sirgu^Ei 
und dies wurde von den einen in i^tirgu^at' , von den andern in 
il^ijTQa§€v geändert. — Gegen die annähme von interpolationen 
sträubt sich besonders Wolff , der nur die verse 841 , 842 
und 1417, sowie 714 die worte ts xal cpleyet als unecht bezeich- 
net. Allein wie ist es möglich, den mit recht von den andern 
herausgebern ausgestossenen vers 554 zu halten, der auch durch 
A. Spengel's besserung uvujSvvov xuxwv nicht zu schützen ist? 
oder zu glauben , dass es vers 966 mit der änderung von rj in /; 
oder in ^, wie Martin will, abgethan sei. Hier lässt auch Schnei- 
dewin jetzt den text bestehen, Dindorf klammert 966 — 70 ein, 
Bergk meint, die stelle von 961 an sei vielleicht von demjeni- 
gen interpolirt , der das ursprünglich zu einer trilogie gehörige 
stück behufs besonderer aufführung redigirt habe. Ferner verdäch- 
tigt Schneidewin die verse 1105, 6, die Dindorf einklammert, 
während Wolff 1103, 4 nach 1106 stellen will. Endlich glaubt 
Schneidewin auch in der dritten ausgäbe noch an die unechtheit 
von 1396, 97. Dindorf wirft 571 und 812 aus, die auch Bergk 
unecht scheinen, der erstere auch Martin, ferner übereinstimmend 
mit Bergk nicht bloss 841, 42, sondern aush 839, 40. Endlich 
werden von Bergk noch ausserdem für unecht gehalten 135 die worte 
T^g ufKptQVTOv, die verse 821, 22. 855 — 65, endlich der schluss des 
Stückes von 974 — 1419. Hierüber spricht sich Bergk in seiner 
Commentatio do vita Sophoclis genauer aus. Er glaubt, der Aias 
und die Trachinierinnen seien in ihrer gegenwärtigen gestalt nicht 
von Sophokles gedichtet; der ursprüngliche Aias, eine Jugendar- 
beit des dichters, habe mit dem Teukros und Eurysakes eine zu- 
sammenhängende trilogie gebildet und sei, wie die stücke des Ae- 
schylos (Agamemnon ?) kurz gewesen , später , postprincipiis belli 



JahresbericTife. 97 

Peloponesii habe lophon beliufs einer auffiilirunj*- des einzelnen 
Stückes Aias dasselbe zu einer selbständio^en tra^ödie erweitert 
und nicht nur den jetzigen schluss hinzug-ediclitet, sondern auch 
anderes in dem stücke theils liinzug-efüg-t, theils gestrichen, lie- 
ber diese hypothese lässt sich mit wenigen Worten nicht entschei- 
den , so viel aber scheint einleuchtend , dass bei dieser annähme 
die von lophon vorgenommenen ändcrungen des ursprünglichen 
Stückes so weitgreifend anzunehmen wären, dass wir es überhaupt 
nicht mehr mit einem stücke des Sophokles zu thun hätten. Denn 
in der erhaltenen tragödie greift alles so in einander, dass ohne 
den schluss nicht nur einzelnes, sondern auch die ganze anläge 
nicht zu begreifen wäre. So niuss der Zuschauer das auftreten 
des Teukros erwarten, und zwar in demselben stücke, denn in 
dem zweiten stücke der trilogie kann das unmittelbar auf den tod 
des Aias folgende nicht dargestellt worden sein. So müsste man 
die scene , in welcher der ayyiXog auftritt, streichen, besonders 
von 797 an, die rede der Tekmessa 803 — 812 ^), in dem mono- 
loge des Aias die verse 826 — 830, so dass von diesem gefeierten 
monologe schliesslich nur wenige zeilen übrig bleiben dürften. Ebenso 
ist das spätere auftreten der Tekmessa und des Eurysakes vorher 
motivirt, und die schöne rede des Tekmessa von 485 an wäre 
ziemlich bedeutungslos, denn die tragÖdie ist kein epos, wenn nicht 
die angeführten gefahren für weib und kind wirklich eintreten. 
Auch der prolog müsste zugedichlct sein, denn das auftreten des 
Odysseus wird erst durch seine am Schlüsse eintretende vermilte- 
lung zu einer wahrhaft schönen und glücklichen poetischen erfin- 
dung. Doch dieser gegenständ ist im vorbeigehen nicht zu er- 
schöpfen, und wir bemerken nur noch, dass auch Wulff den Aias 
für eine der frühesten arbeiten des Sojdiokles hält. Dass aber 
der uns vorliegende Aias in eine spätere zeit als die Antigonc 
fällt , lehrt der bau der trimeter. Wolff nimmt ferner zwölf cho- 
reuten an, unter die er einzelne rlM»rpartien vertheilt, was zu 
widerlegen uns hier zu weit führen würde. 

So viel wird wohl ausreichen , die Stellung der verschiede- 
\) Untpr Qitttfgtwnum Sophoclcrti-um pnrticuln JI (I)c Sophoclis Aincr) 
im Programm der donidc-hule zu (iiislrow [^T)V) meint, dass in der be- 
kannten ckkyklemxreno UaKpe nimmt koin ekkyklein nn , da dii^ niiH- 
driK-kc f'(yi,tyt7f, thoiy«), ttuxtou, fi>»'f^<f#r* nicht V(»n okkykloni Kcbraiirht 
wcrricn. Wer hat dien aber behauptet?; zugleich mit AiaH nur Tek- 
mvnna abtrete, Eurj'naken aber einem diuncr iiiiergeben werde, mo dast 
der rhor, der diex mit eigenen äugen genehen, vers !)b4 Aageii könne 
fioyof 7Trr(<« ax^ytüaty. Ihese anwirbt wird zwar wieder zuiurkgenom- 
mcn, durfte aber ilherhaupt nicht aufgentelll werden, da vn HO!) heiuBl 
ii «f(U((Tu>4 Ttxyoy, KafipeN nbhandiiing beruek»iebligen wir im folgenden 
nieht, da li« »ich mit kritik nirbt be^rhiiftigt , und bemerken nur, 
daiiR darin nachzuwriien geiiucbt wird , e« sei dem Aia« mit »einen 
Ti-mirherungen 64G fT. voller crniil. Die schuld des Snphoklen i»l e» 
weniKiiens oicbl, wonn seine dichtung in solrher weino missver»tan- 
den wird. 



()3 Jahresbeiiclite. 

nen herausgeber zu einander und zur Überlieferung" zu bezeich- 
nen. Weit wichtiger ist es jedoch , durch eingehen auf die 
einzelnen stellen nachzuweisen, in wie weit dieselben durch die 
bemühungen der genannten gelehrten gefördert sind. So würden 
aber fast alle kritisch unsicheren stellen des Sophokles zur be- 
sprechung g^elangen , und wollten wir uns etwa auf das beste be- 
schränken, so würde unsere berichterstattung- von dem vorwürfe 
der einseitigkeit nicht frei sein. Wir wählen daher den ausweg, 
dass wir sämmtliche in den zerstreuten einzelschriften mitgetheil- 
ten conjecturen hier aufführen und nur für diese stellen das ver- 
fahren der oben genannten kritiker berücksichtigen. So erhalten 
wir für unsere berichterstattung ein fest begrenztes gebiet und 
wir glauben so besonders angehenden philologen einen dienst zu 
erweisen , indem wir ihnen mühe und zeit ersparen , die zu dem 
wirklichen gewinne in keinem verhältniss steht. Offenbar falsche 
Vorschläge übergehen wir, und führen wir auch so viel nutzlose 
hariolationen an, so suchen wir an solchen stellen, so weit wir 
dies im stände sind, durch eigene vermuthungen dem wahren nä- 
her zu treten. Nachstehend lassen wir das verzeichniss der von 
uns berücksichtigten Schriften folgen: 

1) Prof. Fr. Martin , de aliquot locis Aeschyli Supplicum et 
Sophoclis Tragoediarum , im osterprogramm 1858 des Friedrich- 
Wilhelms- gymnasiums zu Posen p.25 — 39 (zu sämmtlichen stücken). 

2) Fr. Th. Hertel, kritische und exeg-etische bemerkungen 
über einige stellen des Sophokles, im osterprog^ramm 1856 des 
gymnasiums zu Torgau (zu allen stücken, den Philoktet ausge- 
nommen), 19 s. 4. 

3) Collaborator dr. Buchhoh, Emendationum Sophoclearum spe- 
cimen I, programm des gymnasiums zu Clausthal, ostern 1855, 18 s. 
4., specimen II, ebendaselbst 1856, 22 s. 4. (I, Phil. El. Ant. II, 
Ai. Phil. ^nt. Trach.). 

4) Director dr. K. W. Piderit. sophokleische Studien II, oster- 
programm. Gymnasium zu Hanau 1857, 24 s. 4. (Ai. Oed. Col.) 

5) Coniectanea Andreae Spengel Leon. f. in Sophoclis tragoe- 
dias. Monachii 1858, 15 s. 4. Gratulationsschrift der Seminarii 
philologici Monacensis sodales zu Fr. Thiersch's doctorjubiläum (zu 
allen stücken, die El. ausgenommen). 

6) Aiacis Sophocleae metra descr. dr. C. M. Francken , Gro- 
ningae 1857, 29 s. 8. 

7) Fr. Haasii, Miscellanea philologica, im Index lectt. der Uni- 
versität zu Breslau, Wintersemester 1856, p. 11 — 16 zum Oedip. T. 

8) H. BonitZf beitrage zur erklarung des Sophokles. II heft. 
Wien 1857, 71 s. 8. 

9) Prof. Lorenlz, Antigenes Sophocleae stasimum primum, 
partim explicatum, partim emendatum, programm des gymnasiums 
zu Altenburg ostern 1856. 12 s. 4. 

10) Director dr. Fr. Helmke, die parodos aus Sophokles' An- 



Jahresberichte. 99 

tigfone, lateinische Übersetzung- in den versmassen des Originals 
mit anmerkungen. Programm desg-ymnasiums zuClevel858, 36 s. 4. 

11) G. Thudichum , zu 8ophukles Antigone. Programm des 
g^^mnasiums zu Büdingen 1858, 43 s. 4. 

12) Herrn. Boniiz , beiträg^e zur erklärung^ des Sophokles. 
Wien 1856, 88 s. 8. (Phil. Oed. C). 

Hierzu kommen noch beitrage in den Zeitschriften und anderen 
Programmen, die wir an den betreffenden stellen anführen werden. 

Unter der g-rossen zahl der in diesen schritten vorgeschlag^e- 
nen emendationen finden sich leider nur wenige, welche wirklich 
der beaehtung werth sind, dagegen viele recht verkehrte, nament- 
lich ist es Buchholz nicht gelungen , die kritik des Sophokles ir- 
gendwie zu fordern , der in den beiden angeführten abhaudlungen 
und in seinem aufsatze in Jahn's Jahrbüchern LXXM , p. 223. 
343. 403. 455 zwar das material fleissig sammelt, sich aber als 
ein nicht hlos unglücklicher, sondern auch unkundiger kritiker 
zeigt, wie er denn beispielsweise Antig. 23 /(^/^tTiog b &eTog, 601 
ufiu (ufju) xovig vorschlägt. Um so mehr zeichnen sich Slartin's 
Verbesserungsvorschläge aus, die überall von Scharfsinn und ver- 
ständigem urtheil zeugen. Auch die kleine schritt von A. Spen- 
gel empßehlt sich durch richtigen takt und einige gute Verbesse- 
rungen. Indem wir uns nun zur besprechung der einzelnen stel- 
len wenden, glauben wir der bequemlichkeit des lesers zu dienen, 
wenn wir nach der reihenfoige der stücke zusammenstellen , was 
von den einzelnen kritikern für jedes stück geleistet ist. 

Aias. 

Martin führt v. 269 r;(ii{7g uq ov voffovvug UTWfnad^a vvv 
A. Nauck's cmendation an ^x^ig äg. ov voffovyrtg, die dieser ir- 
gendwo niitgetheilt habe. Aber Nauck schlägt ZA. 1855 p. 111 
vor ^/ftg oi(J oll t'oaovfieg. üass indessen ov nicht geändert wer- 
den dürfe, lehrt 271 };t'Cx' J^v iv n; »offw, 274. 280 rj vocwt', 259 
xul vir <fQuv$/Jog v(ov u)yog i^^i. Martin's ^ Sfffa' für ij/utig ist 
eine treffliche emendation , aber der eigentliche anstoss in dieser 
stelle int ihm nicht klar geworden, wenn er ov yocovvifg beibe- 
hält. Däh von Hermann und Bergk vermuthetc ov voGovvjog bringt 
bei beibebaltung von ijfJtJg einen verkehrten gedanken in die stell«', 
jetzt aber ist die«e änderung nothwendig und 6faa^ ihwfjfcfxhi 
hv'iHht „wir haben ein doppeltes unlieil, es ist ein doppeltes unheil 
vorhanden". So int diese vielbeNprochene stelle in durchaus be- 
friedigender weise hergeHtcllt. Kine wahre crux criticorum ist 
T. 405 tl lä ^h fpddtif qtfXoif lolcd* ofAov niXag , fiw(fuig d* 
u/{^(ug nQOffxtf/ntdu. Zu den vielen emendationen kommen nun 
Dorh hinzu die von Hertel tl lu fjh tp'Pfrn tfO.iCTm, loig 6* ofto- 
etoXoig fiüJ{fa^ uy{^}Utg it{to<txttfttihij von Wolff tl tu fth <f*fCrn, 
tfrdtvn, fffXni, 7o7g (T bfiov nfhig /jwQUtg uyQttig nQoctxfffH^tt; — 
von li<'rgk d in fiiv (piKvn, oldi ng iffXwt' öfjov niXug, von C 

^' I r-Mirkcn il tu fA9 ifft^Ul, ^PiOtj TotoJöJ* ÖftOV r^^" l/fJ- 

7 • 



i,0() Jahresberichte. 

grug S^ aygaig no. , von Martin si m fjsv (p^ivH^ (ptXoi, joTog 
(oder ToVog) (5^ OXfjtotj /f'Awg^ (jiü)QaXg ö' äyouig TVQoaxsifjuid^a „si 
illa quidem (vindicta) pereunt, sed talis (trucidatas pecudes mon- 
strans) vae ! risus sum stultaeque praedae assideo". Allein r« ^iv 
ist nicht von der räche zu verstehen , wie cp&Cvet lehrt , sondern 
von seiner krieg-erischen ehre, wie der scholiast richtig- erklärt 
ir]v (l. Ti>jiii^)j xurä tyjv xgCfftv twv ottIojv, Dann ist der gedanke nicht 
klar, ein einwand, der sich fast g"egen alle vorschlage zu dieser 
stelle erheben lässt. Verg-leicht man, was Aias später in den tri- 
metern sagt, 440 ff. 450 ff., so muss man den gedanken erwar- 
ten: „wie soll ich noch leben, da ich durch die entscheidung über 
die Waffen des Achilles meine ehre eingebüsst habe , und indem 
ich mich dafür zu rächen gedenke, ich der räche nahe über heer- 
den herfalle", also vielleicht t i'(Sig S^ oi ovv TtsXa, (jiwocug ayqrxig 
7rQoG)Cstfisd-(x. So ist auch das folgende dinaliog zu erklären, da 
das beer einen doppelten grund zur bestrafung- hatte, da Aias die 
fürsten ermorden wollte und er ausserdem das beutevieh getödtet 
hat. — V. 799 t^vSs S^ f^oSov bXBd^qtav ^laviog ilTtC^st ^sqsi^v 
emendirt Martin oXid-gi' ufjicp' ^laviog ilTTi^ei^v (pioevv „hunc exi- 
tum funestam de Aiace spem afferre" gewaltsam, und der accus. 
c. inf. lässt sich nicht rechtfertigten, ferner v. 802 xuif fjfj,eouv 
xrjv vvv 6t auTU) d'uvuwv i} ßiov (psgst , da mehrere handschriften 
^t' statt Ol bieten , xriv vvv et — cpigsiVj so dass das subject 
TrjvSs B(^oSov sei, aber der ausgang- kann ihm nur den tod bringen, 
nicht das leben. Auch Hertel liest so , hält aber richtiger rjfiigav 
für das subject und verwandelt deshalb xaß-^ in xäd-^y so dass 
der böte seine unterbrochene rede Htcl'Qsi^j cpigsLv — fortsetze, 
was durchaus unstatthaft ist. Bergk vermuthet an der erste- 
ren stelle cpgsGiv statt (pigetv und an der zweiten ög uvtcö, wie 
auch Dindorf edirt. Das scheint uns nicht wahrscheinlich , dage- 
gen leicht erklärlich, dass IV' von denen, die nur auf den sinn sa- 
hen, für fiT gelesen, von denen aber, die das metrum berücksich- 
tigten, in 6t' verändert wurde. Die handschriftliche lesart an 
diesen beiden stellen zu schützen ist verg-ebliche mühe, und sicher 
ist das (pigs(>v verdorben, wofür wir xvgeXv vorschlagen, eS,o8ov ble- 
d^giav AXuvTog ikiri^si xvgsTv und xad-^ rjfiigav zrjp vvv «V uviu) 
d^dvaiov r] ßtov xvgsXv. Zu xvgsXv passt auch die glosse sivca 
und xguTfjaat im Palat. sollte wohl xvgrj(rsbv heissen. — V. 994 
ist nicht mit Martin bSwv d^ anaawv ^J', sondern mit Bergk 
oSCjv &^ ^ujTuCwv 666g zu verbessern. — Zu 1031 iyvdjrisT 
aUvj idv' dniipv^av ßCov bemerkt Martin ^^Sophocles si Homeri de 
Hectoris morte nnrrationem senntus est, scripsisse mihi mdetur iyvd- 
TiuT atvLog , evT* ä, ß^ Allein die Zusammenstellung der beiden 
verderblichen, von der Erinys und dem Hades gefertigten Werk- 
zeuge machte die abweichung von Homer nothwendig, am wenig- 
sten wäre die nachträgliche bemerkung, dass Hector bereits todt 
war, und der ausdruck selbst „als er sein leben ausgehaucht" an- 



Jahre sbericLte. 101 

g-emessen. Freilich aliv ist unerträglich, allein ahuig oder aiavig 
t' wäre nicht die hier passende bestimmung-, sondern ahtüg, oder 
vielleicht ul/ig, das uuxig geschrieben wurde, so dass ait leicht 
in den te\t kommen konnte. Endlich billigt es Martin, dass 1366 
ri 7i(xv&^ 6/jo7u nug dv^q uvto) jiovHj wie auch Schneidewin, 
Bergk und Dindorf ediren, Hermann ein kolon nach ndvd^ setzt, 
worin ihm Wolff folgt. 

Hcrtel vermuthet, v. 475 t[ yug naq* n^uq ri^iqa liqnHv 
iXf* nqoG&Hüa xuvuSiTffa lov ye xard-uveTv; sei zu verbes- 
sern Tignet fi' ^ u^f] und roü/*« xaid^uviiv , was uns keinen kla- 
ren gedanken zu geben scheint. Es ist rjfi^qa nqoa&eTau für sich 
zu nehmen, ein hinzufugender tag"; ein solcher tag, der nichts 
bietet, als dass er täglich die summe der tage vermehrt und eben 
nur vom sterben abhält, hat keinen werth. Auch die anderen 
emendationen empfehlen sich nicht, 812 aidq og av ansvSet &a- 
nTv, 921 iv ßoj; statt tl ßcär] , 1Z12 tjr aov lov S~^ ofiutijovog XiyWj 
1307 w9fiv ä&u7iTovg ovx inuiG^vvti /Jywr, Statt Xiywv hat 
nach den vorschlagen iii{ywvj ßUjrwvj nach Bergk's XiwVf nun das 
passendste Wolff aufgestellt yfXuiv, 

Buchhoh's (II, p. 7) Vorschlag, v. 494 xul leXtvir^iTag TUff^g 
erwähnen wir nur, um die bemerkung anzuknüjtfen, dass Schnei- 
dewin jetzt mit recht zur vulgate TfX^t;r^;ö■.;(c ucpT^g zurückgekehrt 
ist, aber nicht richtig erklärt fiortji' ucft^gj da der sinn vielmehr 
ist ,,und du mich durch deinen tod aus deinem besitze, also her- 
renlos lassest". Tekmessa war eine beute des Aias und fürchtete 
als solche nach seinem tode an das beer zurückzufallen , weshalb 
sie auch ihre rede mit der klage über die uvuyxufa Tvxrj beginnt. 
Statt d ist aber sicher mit Dindorf r; zu setzen. 

Piderit behandelt zwei stellen des Aias, v. 208, wo er ufif- 
qtng in afifAoqfug verwandelt, eine schon von Seidler aufgestellte 
emendation, wie au« Scbneidewin^s ausgäbe zu ersehen war, und 
V. 360, wo er statt noi/jfvwv Inuqxicovi sehr verfehlt itoi {nov) 
fifvui -^ Inuqxicovi* vorschlägt ; Ai^n Aias durchzucke nämlich beim 
unblick seiner genossen ein hoffnungsschimmer, hei ihnen eine zu* 
>' iitte zu finden. Dadurch würde aber der dichter den heldenruhni 

Itcfli'cken: ferner könnte nicht so abruj>t aX) a ^tk (SvY$ai%ov 
liiig^en: ^A^\ allein kannst mir eine znflurhtsstälte gewähren und 
mich vom tode retten, aber tödte mich"; endlich weiss man nicht, 
wie man sich das fiiyttv zu denken habe , das durch das hinzugc* 
fugte yi vollends unerklhrlich wird. Eigen ist der einwand ge- 
gen die emendation nr^fiovdv, dass es den Salamiiiiern nicht mög- 
lich war. den Aias von seinrni leiden zu befreien. Wohl war dies 
möglich auf die nrt, die Aia» selliMt nngiebt ..wohlan drnn , tödtet 
mich". Darum erwiedert auch der chor , er solle nicht ein übel 
durch ein anderes zu heilen suchen. Kigenthümlich ist llertel*» 
Vorschlag et tot, oi fio$ fi6(foy SfdoQxu noifAftwv Innqxfaov^ . Kergk 
vermuthet noim-v&v Cllfsyrh. no{nw6g' d^dnwv), A. Scholl Phi« 



^0^ Jahresbericilte. 

lolog. XIV, p. 190 jroiJJtiwv „ihr seid die einzig-en geleifsmänner, 
fährmänner i von welche« ich hülfe erwarten kann", sehr verfehlt, 
WolfF edirt Troi^fiivwv ijruQXsai^Vj nach Hermann, der vennuthe, ovtu 
sei als g-losse über lnuQ7ii<Sbv geschrieben g-ewesen. Aber es war 
nrjfjLOfuv ijcd()X6<Siv zu ediren , da irot^fiivtüv hier ganz unpassend 
wäre. 

Francken theilt in seiner für schüler berechneten schrift ei- 
nige emendationen mit, die aber sämmtlich unwahrscheinlich sind, 
wie die zu 405 angeführte., ferner 398 wo er yivog willkürlich 
in g)uog ändert, wozu ßXijrstv zu ergänzen sei, 701 wo o t* iv- 
XvQug mit tilgung des folgenden 6^ ergänzt wird, weil in der ge- 
genstrophe is xal gyXiysi nicht fehlen dürfe, 901 wo loj nach 
ava^ hinzugefügt und in der antistrophe ävavdurov eoyov 'Aroev- 
Sav j TwJ' %oe geschrieben wird, so dass rwcT auf Eurjsakes 
gehe. Aber Eurysakes ist nicht anwesend, und wie kann der 
chor die Tekmessa übergehen? 1187 dovQvaöwv und in der gegen- 
strophe Ssi^evj endlich wird 1190 uvä tuv evQwdr} TqoCuv verbes- 
sert aiav äv" svQVsSrj Tgotuv. Schneidewin edirt mit Ahrens uv 
%av evQtüSsa TgwtaVj Dindorf äv'' evQwdt] Tgotuv j Wolff uv^ ds- 
qojSsu Tgcotav , worüber man sich wundern muss , da nichts ein- 
leuchtender ist, als Bergk's treffliche Verbesserung äv^ dxmv eii- 
QvsS^y wenn auch damit der vers noch nicht hergestellt ist. Denn 
den antistrophischen vers Iw novoi^ Ttqoyovoii ttovwv darf man schwer- 
lich in tat novoL ngo ttovwv ändern , vielmehr ist zu verbessern 
ai jiovwv novoL TVQoyovot, und in der strophe idvS^ äv^ äxidv iv- 
Qvedri, Das %uvS^ ist kaum zu entbehren und es musste natürlich 
ausfallen, nachdem uv^ uxmv in uvu tuv übergegangen war. 

lieber v. 97 r] xut ngog ^ArgdöuiGi^v fi)(^[xu6ug /igu und meh- 
rere andere stellen des Sophokles ist auch zu vergleichen die ab- 
handlung im osterprogramm 1858 der Meldorf er gelehrtenschule 
von rector Kolster „über das innere object im Sprachgebrauch des 
Sophokles". Zu vs. 358 wird um der entsprechung der verse willen 
p. 10 vorgeschlagen uXi>ov offi h'ßug ilCßiSwv jiXuiuv = ogt uXiov 
ß^fjia k'ßug^ der du auf das meer den schritt thatst. 

Elektro. 

Martin scheint es v. 21 wg ivravd^* ifitVj tv ovx et" oxveXv xut- 
Qogj uXX' tQywv uxfiri am einfachsten und wahrscheinlichsten zu ver- 
bessern (hg h'vd^ (oder tv^) sGTUfifVj ovx iCx i't* dxvtlv xuigog. So hat- 
ten schon theils Thielemann, theils Härtung emendirt, und dies scheint 
richtiger, als Kreussler's von Kayser gebilligtes wg xu&iaiu^av. Din- 
dorf verbessert d)g IvTUvd^ e'ßrjg. Ganz abzuweisen ist Schwerdt's ver- 
muthung, der die worte ivzuvd-* — äXX" für unecht hält. — V. 114 uX 
Tovg uöCxcog d-vriaxovTug bguu rovg svvag vnoxXsnw^ivovg vermuthet 
Martin, um die responsion herzustellen uX lovg uSCxwg d^vTqGxoviug 
bguTj IßoguTB öl rovg ulxwg evvug viroxXeTtTOfievovg. Die responsion 
ist allerdings herzustellen, hier aber ist die leichte änderung von Do- 
bree und Ahrens bgud-' ut xovg ivvug vnoxX. gewiss richtig, die 



Jahresberichte. 103 

auch Bergk und \auck in den text gesetzt haben. Xauck will 100 
die Worte an' uXXrjg fj ijjov tilgten, mög^iich ist es auch, dass hin- 
ter vnoxlfUTOfiivovq eine lücke zu statu iren ist, nur nicht in dem 
von Kayser ansfenoninienem sinne, da v. 114 kein anstoss zu neh- 
men ist, wie 276, 488 — 494 lehren; um so weniger ist es zu 
hilligen, dass Dindorf nach Porson's vorgange mit Verletzung der 
responsion die worte rovg tvvuq vnox) BTTtOfjiivovQ herauswirft. — Die 
verse 495 — 497 zu emendiren , ist auch den neuesten kritikern 
noch nicht gelungen. Martin schlägt vor noo iCJvdi to( fx i)^H, 
fit^nouj fii^nod^ rix UV dipsyig fiiXav rigug — Bergk edirt 
äipfipfg statt uip(y{g ex coniectura, quam olim cum Dindorßo com- 
municavi und (lerfi, statt fi* ^«t, worauf auch mich die stelle in 
Aesch. Agam. 1530 gefuhrt liatte, doch scheint dies hier nicht 
passend zu sein. Dindorf setzt statt (jrjnore das zeichen einer 
lücke; Nauck hält noo loJi'Sf für unpassend und vermuthet Soxu> 
di 7o( fi ^X^f'f ^"ält aber bei der verderbniss der folgenden zeileo 
jede vermuthung für unsicher. — V. 600 wird 6 d' av toi' e^w 
statt o (J' uXlog f^uj verbessert, allein 70«^ so gestellt, wäre 
schwer zu erklären. An ulXog ist hier kein anstoss zu nehmen, 
eher 739 toV uXXog, alXoS^ uuQogj wo Martin bS^ äXXoi vor- 
schlägt. — V. 853 iXSoiJbfv (l d^QOilg wird vorgeschlagen uv&grj- 
viig i. e. 5 äya&grjvHg. Aber das wäre vielmehr u iv&ijrjvdgj und 
warum nicht mit Dindorf a&Q]jv(tg? — V. 1060 vermuthet Mar- 
tin ßXaarwf^, uTTu ^' wy, woran auch Bergk denkt, der aber ucp 
't(üv i vorzieht. — V. 1395 viax6vr\iov aJfja /stuo^v f^ujr wird 
verbessert vfoxovrjTOv aJfiu j^ft^oT»' ;^/ü>j', ,,notum sanguinem mani- 
bus profustiru$'\ Allein das futurum /^o»' ist sehr zweifelhaft, 
und vollends als simplex nicht nachweisbar, ausserdem ^nqolv auf- 
füllend: k^iJ^v i«C sicher echt. So wie die Dike nach 476 naht 
SfxuKt (ffQO/jLna x^oolv xqutt], ho zieht hier Orestes in des va- 
ters pullast als Iriqiüv uowycg , den mord in seinen bänden füh- 
rend ; dieser i^t von neuem anfjereyt, denn im hause herrscht dvG- 
i^)KJtov ul/ju. Freilich ist vfuxovrjiov uJfjKx mehr als befremdlich 
und Nauck vermuthet vtuxoyrjTOv, ul, fAuxatQuv (figwv, oder, was 
ihm ungleich wahrscheinlicher scheint, «^ifjua statt ulfiu, eine dich- 
lerinche nebenform für (tt^fit], die an unserer slelle, wie bei Kur. 
Phoen. 1292 durrhaus passend sei. — \. 1123 xai ixt;v nuQfi- 
<Jiv oUh' (foivlu di /*i(; ffm'C*» SvrjlrjC "y^Qfoc, ovS* ^ü> Hytiv wird 
vermuthet ovSie nu) ^y n'/tl nerdum rem ahsolvily oder auch ovSi 
nui tiXit. Allein eine solche bemerk ung des chors wäre hier nicht 
{Mumend. Auch was Bergk vermuthet ovS^ f;|f(i> i( (pw Nclieint uns 
nicht nngemeNNon, wiewohl vh dem charakfer dex chors gemäsNer 
wäre, aIn da« auch von kayser gebilligte und von Nauck aufge- 
nommene \ft(ynr , wobei es überdies nicht rerbt klar ist, was ei- 
genttirb der clior nieht zu (adeln hat. Nach dem zweiten schmer* 
zeniinif der KlytämneNtra int en dem rhor klar, dnflM die thnt voll* 
bracht Int und dien npricht er 1419—21 «un. Indem f^renten und 



104 Jabresberiehte. 

Pyludes heraustreten, kann der clior passend nur sagen „und da 
kommen auch diese mit blutigen Iianden , welche die that deutlich 
verkündig^en." Daran schliesst sich dann passend die frag-e der Elek- 
tra und die mittheilung- des Orestes an. Darum vermuthen wir ovS* 
f/n aiiyeiv. Nachdem auysiv nach einem gewöhnlichen fehler in 
Hyeuv übergegangen war, musste auch ^x^i^ *" *i^ geändert werden. 

Hertets Vorschlag v. 123 jov ubI {xq'vov) mxfig Gwfi uxo- 
QiTov olfiw^ovüa setzt eine eigene Vorstellung von metrischer re« 
sponsion voraus. Die Verbesserung ist zweifelhaft, ßergk edirt 
in der antistrophe Ji^uziga yootg ovu hiaTCLv uvCTuGsig, Nauck 
führt Schwerdt's vermuthung an, der 7MnxEi,g sstatt luxeig vorschlägt. 

Buchholz I, p. 13 vermuthet v. 686 SgofjLov cJ' l'ffwaug rävv- 
Csi zä xiQfjiUTu, was bedeuten soll „omnes vias pari celeritate con- 
fecii'\ Bergk edirt dqofxov d^ Xawaag rfi (pvGeLj m Tigfiaia vixrjg 
iX(A)v l'^qXd^Sy Ttuvn^ov yegag, V. 688 vermuthen übereinstimmend 
und gewiss richtig Nauck und Bergk j^wjrujg fiev Iv jvuvqoJöv 
TvolXu aoi> Xiyü). Gewaltsam aber und unverständlich ist Schmal- 
feld's Verbesserung in Mützell's zeitschr. f. das gymnasialwesen 
1858 p. 554 von v. 691 SqofJbOVj SiavXov wv u nhjad-)? hvofjba^ 
was so übersetzt wird: „von wie vielen preisbewerbern die kampf- 
richter den einfachen lauf, den doppellauf und die wettkämpfe, aus 
denen herkömmlich die fünfkämpfe bestehen, ankündigten, in die- 
sen trug Orestes alle siegespreise davon". Der vers ist sicher 
unecht, allein es ist mit Nauck Sqü(ji,o)v beizubehalten und tovtcüv 
im folgenden verse zu streichen, wodurch Schmalfeld's bedenken 
in bezug auf die beziehung von "üwv beseitigt wird. 

Director Schmidt progr. von Herford, 1859 vermuthet v. 921 
ßtovv S^dXkovid T HdYixovoiu Aber der Wechsel in der construction 
des sliSrjxovov hat allerdings etwas auffallendes. 
Oedipus Tyrannos. 

Martin emendirt v. 101 wg r'd^ ulpa x^i^fid^ov ttcXiv leicht 
und dem sinne entsprechend wg roa^ ai^a, — v. 199 will er lAft 
in (pbyytt verwandeln „^wci (i. e. vitae) enim si quid nox permise- 
rit (i. e. si cui nox pepercerit), id dies invadit^\ — V. 478 Tti- 
TQug iaöravQogj allein in welcher beziehung sollte der sich in 
grotten bergende flüchtige mörder „ stierähnlich " sein ? Bergk 
vermuthet jriiQaiGiv 6 xavqog und jedenfalls wäre das wort hier 
besser untergebracht als Trach. 959. — Endlich wird v. 822 
UQ^ icpvv xuKog', jedenfalls unnöthig uq iyut ov xaxog; ver- 
muthet. 

Hertel ändert ohne noth v. 43 ujt ävögog in anvciogj v. 329 
Tu^ u)g äv in zayvwrov (Bergk ä ^>ov<St* ävetnu) oder a fiovüüv 
iXjv(jü , Buchholz Jahn's jahrb. bd. 76, p. 456 hvfiMg dvEtnü))^ v. 
1280 fiovco xuQUj wo vielmehr mit Lachmann fiovov /uiovM zu ver- 
bessern ist, wozu Nauck mit recht sich neigt ; Dindorf wirft 1280, 
81 aus. — V. 1493 ug nugaggCipsi^j Texva_, wtavT* ovelSi] Xafi- 
ßdvwvj « ToTg ifioTg yovevGiv Mciai Cfwv ^ ofjuov ^tß^fiuTu ver- 



Jahresberichte. 105 

muthet Hertel u Tolatv oJg yovoicuv tiSrui G(pMv ^ bixov örj Xv- 
fxaia „wer wird, solche bilder der schände nehmend, die schmacb 
übersehen, welche seinen und euern kindern zug;^leich offenbar 
anhaften wirdT' SrjXi^fiuiu ist freilich kaum zu halten, allein olg 
yüi'Oiaii' kann hier nicht stehen , wo von den vorwürfen die rede 
sein niuss, welche des Oedipus geschlecht treffen. Wir hatten 
früher TOii^t vwv vermuthet; rq-'v^ des Oedipus einerseits (lokaste), 
andrerseits seiner Schwestern und kinder zugleich (Oedipus und 
lokaste), so dass das ganze unselige verhältniss damit ausgedrückt 
wäre: die Stellung des prononiens ist nicht ohne beispiel. Allein 
jetzt halten wir tur das richtige , weil einfachste , 70101 te. Dies 
ging sehr leicht in roiöTS, toiüs über, und wurde dann nach dem 
versbedürfniss und da yorevatv folgt in loii; ^iaoi^ vervollständigt. — 
Vers 1512 vvp 8f zovi* evxsa&t fioi^ ov xatQOi; dti Üiv , rov 
ßiov de Xqpovog vfjiäg xvQfjaai rov q>vtfi>aavTog Tzargoi wird ev- 
XBa&8 (iot in svxog ys pioi geändert. Dindorf edirt jetzt r^Tx^co 
fiofoVi und jjvxOco ist sicher richtig, das in tvxt'frOco überging, wo- 
raus sich unsere lesart gebildet hat; aber warum nicht iJ'Xi^co y* 
fiini? Im folgenden ist DindorPs meinung in sehr wahrschein- 
lich, aber ov widersinnig, wofür f^wi; oder y zu setzen wäre. 
Bergk vermuthet ri>v 08 tovt' bvxbgO' (ftoi, ov x«t()o«,', u^eiv , so 
dass (i^eir , das der gramm. Beckeri An . I. 348 , 17 aus Sopho- 
kles anführt und durch OTt-rtiv erklärt, hier vielmehr vitam exspi- 
rare bedeute. Allein s'vyinx^i scheint uns hier gegen den Zu- 
sammenhang zu sein. — Fehlerhaft wird endlich vers 1526 og 
rig ov Cv^-QJ TioXiTMf xai Ti'xaig int^'fJnmv geändert in oarig ovx 
TjXco noXi7U)9 talg Tvxaif InißXincov ^ abenteuerlich Buchholz I, p. 
12 ofxr* laov ^rjXcp n, laig ivxot-ii fTitj^Xemv ^ \auck etlirt mit 
Härtung 01; rig ov C»i^<p noXiiäiv raig ivyuig inii^X^nev^ hält aber 
mit recht die dreifache änderung /ür bedenklich. Es ist zu ver- 
bessern Ol' TiV oj* ^i/io) noXiTMV ifV Tvyuig fni^Xenrnr. 

A. Spengely erhesHcrt zw, ei stellen, wie wir glauben, richtig, vs. 
539 fj lovQyov wg ov yvujQioTfi'C cov lodf 66X0) TTgoGignor, xovx 
üXt^offiTjy fiud^iuv; indem er xovx in ff ovx ven^andelt, denn au- 
genMchcinlich erklärt Oedipus mit diesen verscn die worte duXtuv 
r^ fiut()(uv. Ww. iuuU'TMuy^ ist ganz leicht, da x und i/ oft kaum 
zu unterscheiden sind; umgekehrt steht Aesch. Ag. (MO ^ 'i',7';- 
Guio y wo es offenbar xu^i;yt'](fujo heissen muss. Auch v. KK^l 
yvva^y voftg ixiJyov ^ Svui^ ugjfwg fioXtlv ItfU^tG&u lov d^ ovjog 
Xf'yit; wini richtig rotJg tt xitvov — i6v6' oltog Kytt emen- 
dirt, wiewohl das lovde auffallend ist. Nun Nchliesst sich auch die 
folgende frage natürlich an it J', Siuy* (fna iurMy iiiQuifTc, y\» 
nicht j( (Vi /Ji'/i»'' thtf y fitjdif inQunlg zu interpungiren ist, wie 
Hertel will und U'ex in .lahirs jahrb. bd. 73, p. ()7I, welcher er- 
klärt ..(piid aut«*m (at\tutH)i fjuemrumipie dixit, noii haer curare." — 
Dagegen kann mon cm nicht billigen, da«» vern 390 tnti , y>/p* 
tlni, nov Ov fidvtig tt <futpfjg} 8pengel ifoy6g selxt, weil Cu^g 



t0ö Jaliresbericfate. 

gebrauclit werde, si diclio certa est. Es ist doch wohl nicht blos 
derjenig-c kein sicherer, icahrer propliet, der lüg-eti verkündet, sondern 
auch derjenig-e, den seine kunst g-erade da, wo es darauf ankommt, 
im Stiche lässt, wie Tiresias der Sphinx geg;-enüber t^xv^v Tvcplogt 
also kein wahrer prophet war. — Vers 640 wird dvoTv in Sstv^ 
g-eändert, allein xaxoTv allein könnte hier nicht stehen. Die syn- 
izese in SvoTv wird ein verum miraculum g-enannt, in hezug^ auf 
die ausspräche aber könnte uns vieles andere weit mehr befremden. 
Dass dieser fall vereinzelt dasteht, das ist es allein, was uns bedenk- 
lich machen kann, andererseits ist zu erwäg-en, dass das wort im 
g-anzen selten vorkommt, dass eine ähnliche synizese in *Eqlvv(jjv 
stattfindet, die uns auch ein verum miraculum scheinen könnte, 
wenn uns die Iphig-. T. des Euripides nicht den g-lauben abnöthig^te, 
dass endlich auch das lateinische wort eine synizese zulässt. Be- 
denklicher ist die messung von anoxqtvuq^ die Wolff ZA. X p. 
538 keinesweg-s g-enügend in schütz nimmt. Berg-k's SvoTv iv ist 
Dothwendig-, sonst aber hat die stelle nicht das ansehen einer ver- 
dorbenen oder interpolirten. — Vers 943 wird vermuthet: 7ox. 
nutg ilnag; rj Ti^rrjxs IJöXvßog [w yiqov ; ^^yy. ffjrov ye Srj, ri- 
d-vrjxs Holvßog] ei 6s firj liyw y iydt TäXrjd-ig^ ä^iw &av€rv. Diese 
vermuthung- wird schon durch die vorletzte stichomythie gerichtet. 
i\uch Nauck können wir nicht beistimmen, welcher der Verbesse- 
rung, auf welcher unsere vulgata beruht , jeden schein der Wahr- 
heit abspricht; vielmehr ist sie die einfachste und dabei durchaus 
befriedigend. Die handschriftliche lesart sl Ss fjurj \ Uya) y" iycü 
luXrj&egj u^iw ^uvelv ist offenbar interpolirt, da der böte mit ei- 
nem neuen verse beginnen muss ; auch ergiebt sich öi als unstatt- 
haft, y iyw mindestens als überflüssig, so dass nichts näher liegt, 
als die annähme , diese worte seien hinzugesetzt worden , um die 
kleine lücke nach Jlolvßog ausaufüllen. Das von Triclinius, oder 
wer es war, gesetzte yigwv ist freilich in dem sinne von ö yi- 
QUJv üolvßog gemeint, wie es vorher heisst o TPgiaßvg ITöXvßog, 
so dass wir in der lesart w yiqov eine auf eine blosse conjectur 
gestützte conjectur haben, die nur nach ihrer sonstigen Wahrschein- 
lichkeit zu beurtheilen ist. Es kann auch Bini ^ov ausgefallen 
sein, das fast dieselben laute, wie das folgende ü de (jit] hat; in 
bezug auf die Wiederholung von dirsTv wäre zu vergleichen Aias 
270 jTiog Tom h'Xs^ag; ov xdiovd^ oTTtog Xiyug. 

Prof. Haase weist im index lectionum für das Wintersemester 
1856 an der Universität in Breslau mit gewohntem Scharfsinn 
nach, dass weder der vers des Kreon 624 oruv ngoSei^rig oiov 
i<yu 10 cpd^oveTvj noch der folgende des Oedipus wg ov^ vnst- 
'^wv ovös ni(Suv(S(ji)v Xiyeig ; einen irgend befriedigenden sinn ge- 
ben, und schlägt die Umstellung dieser beiden verse vor, so dass 
Kreon fragend sage : „itane ergo? egone cedam et fidem tibi ha- 
beam, quando aperte demonstraveris, quam detestabilis res sit invi- 
dia?" Dabei haben wir das bedenken , ob in diesem sinne oruv 



Jahresbericbte. 107 

stehen könne , und auch die frap^e des Kreon scheint darum hier 
nicht passend, weil mit vers 622 Kreon den versuch, den Oedi- 
pus zu überzeug'en, aufg-eg-eben hat und es sich jetzt nur darum 
handelt, wie Oedipus gceg-en den Kreon einzuschreiten gedenkt. 
Dass vers 625 Tuanvdwv ganz verkehrt ist, kann keine frage 
sein , hier aber hat das von den absclireibern verkannte und flir 
ovöi gelesen OJE die coruptel herbeiführt, und der vers lautete 
ihq ov)( vml'S.wv utds JtKrifvwv X4yftg', worin sich der argwöhn des 
Oedipus ausspricht, dass Kreon auf seine partci mit Zuversicht 
rechnet. 

Kine sehr schöne emendation verdanken wir 0. Ribbek, der 
im Rhein, museum Jahrg. XIII, p. 129 ft*. die verse 246 — 251 
nach vers 272 setzt, wodurch der Zusammenhang im ganzen her- 
gestellt wird und auch der fiir verdorben gehaltene vers 251 seine 
erklärung findet. Die Verbesserung ist so evident, dass es unnöthig 
erscheint, etwas hinzuzufügen. Auch ist sie bereits anerkannt von 
von Heinemann in seiner programm - abliandlung „zur eisthetischen 
kritik von Sophokles könig Oedipus" Braunschweig 1858, der aber 
damit die sache noch nicht für abgethan hält und noch viele andere 
Schwierigkeiten in dieser rede des Oedipus nachzuweisen sucht. Da* 
rjfi, dass vers 230 fi 6^ av nc äXXov oiSsv «$ ullrjg x^ovog ganz wi- 
dersinnig sei, hat er vollkommen recht , und es ist gar nicht zu 
begreifen, wie die neuem herausgeber Sclineidewin, Nauck, Bergk 
und Dindorf dies beibehalten konnten, allein die behauptung, dass der 
allgemeine befelil 224 — 226, den mörder zu oft'enbaren, den befehl 
auch den ausländer nicht zu verschweigen, einschliesse , beweisst 
elieusowenig , als die von Kayser gebilligte behauptung Schneide- 
win's , die coniectur /} '^ uXXfjg ;^*(>o$ sei falsch , weil schon 224 
f. dasselbe ein.schliesse. Oedi|Mis erliisst zunächst im allgemeinen 
den befehl, die anzeige an ihn gelangen zu lassen, und gebt dann 
die einzelnen fälle durch, zugleich um seinen befehlen die nötbige 
Wirksamkeit zu sichern. Der anzeigende nemlich kann sich selbst 
angehen, rovnfxXrjfi^ vnt'^tXwv avwg xui}* aviov (nicht virt^iloi 
uIm nuchsatz mit Rauchenstein Jal^rs jahrh. hd. 75 p. 266, son- 
dern vjitStXfiy mit K. Halm); dies kann er ruhig thun , da ihn 
nichts Nchlimmes trifft, sondern einfache Verbannung. Oder der 
anzeigende kann einen andern nennen, il J* au 7*5 u^Xop oMfi», 
das mag er (hun, denn es erwartet ihn belohnung. OflVnbar ist 
uUo ÜX).0¥ dem uvjog »uH* uvtov entgegengesetzt und dies wird 
ganz evident durch veri« 233 il 6* uv (Jtu)jrr;aKTO^tf xa( ng ij yT- 
).ov Si(*Tug ujTuiaH lov/rog rj /atirot; toSf. Da nun aber LaioM 
im auslände, u\ho voraussieht lieh durch gedungene mörder gefallen 
iüt, so hebt Oedipus , um jede mögliche ansflnchl aiizusclmeiden, 
noch beMonders hervor, niclit nur der mörder, Noiidern anrh ein 
etwaiK^er anstifter des monles solle angezeigt werden. Diese Un- 
terscheidung macht er erst im zweiten falle, zu u)Xo¥^ ohne dniiN 
deftshalb ihre geltung für den ersten fall ausgeschloMen wäre. 



108 JahresbcricLte. 

Die conjectur x^Q^Q ^^^ daher eine ebenso g^Iückliche, als die les- 
art x^ovog verkehrt ist. Denn in diesem fülle wäre der orakel- 
spruch und die ganze rede des Oedipus sinnlos, und wollte Oedi- 
pus , damit er besonders dadurch bezeichnet werde , den fall be- 
rücksichtigen , dass der mörder ein ausländer war und erst nach- 
träglich bürger wurde, so musste dies so ausgedrückt werden, 
dass es zu verstehen war, wiewohl dann die frage entstände, 
wie in aller weit' 'Oedipus zu der annähme eines solchen falles ge- 
kommen sein soll. Die lesart aXlov rj i'§ alkr,g x^Q^^ *^^ ''^^^^ 
noch nicht genügend, da £§ aXlriq x^Q'^9 ^^^ allov untergeordnet 
ist und es heissen musste ri uvioxuqa t] i^ ukXrjg x^Q"^ ^ daher 
wird zu verbessern sein bI d^ av ug aXXov otdev €§ ällrjg /f^oc» 
flV uvTox^i'Qu. — Heinemann geht aber noch weiter und hält die 
folgende excommunication für widersinnig, weil sie voraussetzt, 
dass jeder den mÖrder kannte und weil Oedipus nicht erwarten 
konnte, dass der, welcher dem ersten allgemeinen befehl, den mör- 
der zu nennen , trotzte , sich diesem fügen würde , da er damit ja 
indirect den thäter bezeichnete und noch obendrein die dem hehler 
drohende strafe auf sich zog. Darum nimmt er hier eine grossere 
interpolation an. Dazu liegt kein grund vor. Die excommunica- 
tion wird in der üblichen form ausgesprochen und hat ihre wi^ 
kung, auch wenn nur einer um die that weiss ; die bedeutung 
derselben aber ist nicht, dem mörder oder hehler eine falle zu 
stellen , sondern die strafe für den fall der Unterlassung einer an- 
zeige wird ausgesprochen, um eben eine anzeige herbeizuführen. 
Denn sollte der mörder oder hehler dem befehle des königs sich 
nicht fügen wollen, so wird er sich doch scheuen, den fluch auf 
sich zu laden, der ihn, die seinigen und die ganze stadt in's ver- 
derben stürzt. 

Das zweite stasimon war gegenständ eines Vortrages des 
prof. Lange bei der philologenversammlung in Wien. Lange nimmt 
eine durchgängige doppelsinnigkeit des chorgesanges an, in [der 
weise, dass der chor bei seinen worten nur an lokaste denke, 
während die worte auch auf Oedipus passen. Uns scheint, dass 
der chor durch eine äusserung der lokaste, der auch Oedipus bei- 
stimmt, in seinem religiösen gefühle verletzt und im gegensatz 
zu einer solchen gesinnung auf die heiligkeit der ewigen gesetze 
hinweisst und die erwartung ausspricht, das orakel des Laios 
werde in erfüllung gehen; dass er aber eine bestrafung der lo- 
kaste oder des Oedipus nicht fordert. Der frömmigkeit stellt er 
die gottlosigkeit gegenüber und weisst auf ihre folgen hin, aber 
eben nur um zu zeigen, wohin sie endlich führe, aber nicht als 
ob lokaste oder Oedipus bereits zu jener Ungerechtigkeit und über- 
hebung gelangt seien. Dass übrigens diese gottlosigkeit und miss- 
achtung der göttlichen gerechtigkeit so stark und wiederholt her- 
vorgehoben wird, dass der chor neben den loyoi/^ zu deren erwäh- 
nung allein er veranlassung hatte, auch die sQya betont, zeigt 



Jahrecbcrichte. 109 

deutlich, dass dieser chorgesang^ unter dem eindruck von tages« 
ereignissen gedichtet ist. Von den Verbesserungen Lange's ist 
Xdd^a vers 870 überzeugend. V. 876 wird elauvußdg gelesen, 
was auch Bergk verniuthet, und die lücke durch äxfiiig ausgefüllt. 
Aber weder der sinn noch das versmaass deutet hier auf eine 
lücke , viehnelir ist in der strophe ovguria 'v aid(Qi> zu verbes- 
sern. Man las ovQavtuv und dies zog ul&iqu nach sich und alsdann 
Jm, da der blosse akkusativ nicht zu erklären war. V ers 889 wird 
als Vordersatz zu der folgenden frage xtg hi> tiot* gefasst in dem 
sinne „wenn er nicht gestraft wird.*' Hierin ist Lange mit Bergk 
zusammengetroffen, der aber ausserdem (schon in Jabn's jahrb. bd. 
61 p. 247) vers 890. 91 xai liuv dcinuxiv k'o'^trui^ rj nov dd^Urwv 
i^fTat jLiuTu^ujy eine dittographie annimmt und schreibt xui lujv 
(U>ixTmp e{)^£7ai fiata^cop y und djis ganze so erklärt: „A'm di(f- 
num pro facinore praemium (i. e. poenam) accipiet et prohibebitur 
(i. e. e'tQieTai passive dictum) quominus lemere tangat quae non 
sunt langenda , quis landein , haec si ita sunt comparaia , in poste- 
rum rolet {f^tzui i. e. uriitiai , ut est Anligon. 463) cupiditaiis 
(Ov^ov) tela ah animo suo arcere?' Die annähme einer dittogra- 
phie, zu der sich auch \auck entschliesst, scbeint uns bedenklich, 
weil in der gegcnstrophe ein bestimmtes anzeichen einer interpola- 
tion nicht vorliegt und die Wiederholung desselben gedankens zu der 
sittlichen entrüstung des chors gut stimmt. Dass mit vs. 888 der 
Vordersatz beginnt, ist richtig, allein den angegebejien gedanken 
kann man nur künstlich hineintragen, wie denn auch alle inter- 
preten bisher den entgegengesetzten sinn in diesen Worten gefun- 
den haben. Der nachsatz rtV itt nnr' scheint allerdings einen 
solchen gedanken zu verlangen, allein diese stelle ist ohnedies ver- 
dorben überliefert. .Man erhielte einen angemessenen gedanken, 
wenn man die stelle etwa so schriebe: £( /4/y ro ye(iÖo^ xeQÖursi 
iixai<üii xat tmv üat'nrcop f(>|errti, et tojv nOixzojv titrut finzn^^cor, 
nü)i in noT* iv rniaö' utijQ Ovficöv pV'X?/ uQxtast xpvj^u^' ufti''- 
ftiv; d. h. „wie wird bei solchem thun ein mann noch im stände 
Nein , de» zornes pfeile von sich abzuwehren (" worauf dann pas- 
Mend folgt: „denn wenn sidches thun verehrt wird, bedarf es kei- 
ner gottesverehrung.' Seine subjective ansieht spricht der chor 
wohl auch SHf» aus, wo die veruiin.srhung xuxii. vtp Sloiro ft<)i{ta 
unangemessen scheint und vielh'icht /.u verbessern ist xnr liv rtp 
ikniTo fioiQft. In der nntistrophc ist 90() die lücke durch Schnei- 
dewin'« rivOdxQf}(fTa ylainv ^ da« auch Dindorf aufgenommen hat, 
WollTi» yiutnv nnXatyrvijt Rergk's yininv rtuluifiara oder naltti- 
'/ithVii nicht richtig auKgefülU , weil ein zweiter epitrit erfordert 
wird. \au<'k) der in der atrophe 890 auswirtt , verniuthet Zi'v, 
fi'/f lu/>oi IUP mir i»V uitp U(t'j^ttp. q^Oirnprn yuQ , Ttitpt* uruaaoyp^ 
jiuiov Ointfut* i'^aiQOvdip tjdtj. Da zu XüOm dtui Bubject nicht ent- 
behrt werden kann, bo vermuthen wir: Ziv^ nupt' «pdaaoiPt ^lif 
XuOot ai täp Ti CUP äOutatop aitp (tQX^* qtOt'popta Ta(>[xaV arax* 



^•i^ Jahresbericht!'. 

Tog] ylaiov üy(sq,ad' cf'^aiQOvan tjötj. Wäre in der strophe vers 
890 zu streichen, so würde unter berücksichtig-un^ der respon- 
sion und ohne annähme einer lücke die stelle so zu constituiren 
sein: «t fi^ to xtgöog yisgöavei dmaiag | nai rwp dOixrcov e^sTai 
fiaid^cov j Tiäg hi tzot' iv toiöö' citrJQ ^Vfimv (ieXi] | UQxeaEi \pv- 
;fät," Ufivvsiv i zzz dXX' , co xQatvvcov j untQ oqO'' axoveig \ Ztv, 
navt' apdaocov, yit] Xäd^oi ae cäv 7t j d&dvaiov «(j;frii' cpüfrovra 
Aatov I \^iaq,a&' d'^atoniaiv ijdij. Doch scheint uns ein solches 
verfahren weg^en der willkürlichen änderung-en nicht g-erechtfer- 
tigt. — Auf Lang-e's weitere änderungen in diesem chorg-esange 
können wir hier nicht eingehen; sein Vortrag, begleitet von anmerkun- 
gen, liegt jetzt vollständig vor in den Verhandlungen der achtzehn- 
ten Versammlung deutscher philologen in Wien, 1859 p. 23 — 75. 
A. I\'auck in Philolog. XII, p. 634 ff. sucht die bereits frü- 
her ausgesprochene vermuthung (der auch Bergk sich anschliesst, 
der aber nach 1415 den ausfall zweier chorverse annimmt) näher 
zu begründen 5 dass die verse 1424 — 31 nach 1415 einzuschalten 
seien. Das von ßonitz z. f. österr. g. 1857 p. 164 geäusserte be- 
denken, Oedipus könne nicht sagen mg läiiai^ ig oixov iaxofti- 
^trs, da er so eben aus freiem antriebe aus dem palaste heraus- 
getreten sei und der späteren aufforderung des Kreon, in den pa- 
last zu gehen, nur mit widerstreben folge, sucht Nauck durch die 
annähme zu beseitigen, dass Oedipus aus dem schweigen des chors 
nach 1412 schliesse, der chor meide ihn, um nicht durch seine be- 
rührung befleckt zu werden , und als auch auf die folgende bitte 
der chor schweige, wolle er ins haus gebracht sein, um von sei- 
nen verwandten die erfüllung seiner bitte zu erlangen. Allein, 
um anderes zu übergehen, auch dies genügt nicht, das auftreten 
des Oedipus und sein plötzliches verlangen , ins haus geführt zu 
werden, zu erklären, und die verse 1430. 31 sind im munde des 
Oedipus ganz unmöglich. Denn wenn er es weiss, dass solche 
leiden die verwandten allein hören und sehen sollen , warum ist 
er dann aus dem hause gegangen? und zu diesen verwandten ge- 
hörte doch Kreon, dem er sicher nicht begegnen wollte, wie auch 
1419 lehrt. Darin hat aber Nauck offenbar recht, dass jene verse 
nicht an ihrer stelle sind, allein es sind nur 1424 — 1428 auszu- 
scheiden und wahrscheinlich nach 1412 zu setzen (1424 mit der 
änderung xazaKjyJ'peGßE ri). Oedipus tritt aus dem palaste mit 
dem Vorsätze diesen nicht wieder zu betreten, 1290 ^na Ömiyeiv 
ulfjüga — rag ix x^otog Qixpcov savzov , nvÖ' k'n fASpäf dofioig. 
Er fordert den chor auf 1410 ihn als einen fluchbeladenen irgend- 
wohin (ttov ist sicher nicht in yJjg zu ändern, irgendwohin, z. b. 
auf den Kithäron 1451) zu beseitigen srüa lAt] not eiaöipta^' 
hl. Nach der vergeblichen aufforderung fügt er nun passend 
hinzu, wenn sie ihn nicht dem anblick der menschen entziehen 
wollen, möchten sie wenigstens den Helios scheuen , und so steht 
denn jenen Worten und dem nalvxpare jetzt 1427 roiofd' äyoi 



Jahresberichte. Ül 

axdXvnrov ovrw detxrvtai entgegen. Dass die folg-enden worte 
des chors unjiussend seien, können wir nicht zugeben. Wenn Oe- 
(lipus um verliunnung* oder tod g-ebeten , so denkt der chor natür- 
lich nur an die erstere, und diese war nothwendig* und für Oedi- 
j»us eine wohlthat und Kreon sell)st sagt 1438 sÖgua av, sv tuvt* 
taör up. Es folgt nun die rede des Kreon in fünf versen. Im 
zweiten, otO' Wj,- oreiötar rt rcöi' nägo^i xwxcor. hält Nauck es 
tlir sicher, dass tmv ntnQayfAtrwv die ursprüngliche lesart war, 
weil es das allein angemessene sei. Auch rcüi nuQOii /o;'co; wäre 
ungemessen und eine leichtere änderung, wenn wirklich xkxcoj un- 
haltbar wäre. Der folgende vers olIk (ag Tfi^r/ar' f*; (u/.ov iaxo- 
^tubzt ist unpassend, weil Kreon hier nicht die diener anreden 
kann; ianofii^i ae wäre auch ungeeignet, das richtige wird sein 
o'i ruxog <j' fi or/.o» iöyofii^^T(o. Der gedachte rig ist der diener, 
•ier ihn herausgeführt hat, 1287 xal öiilolr Ttru, 1292 nnoijyij- 
70V Tira»; dtlrai. Kreon sagt also, er sei nicht gekommen zu 
spotten oder ihm vorwürfe zu machen; er solle sich aber hinein- 
führen lassen, denn seine leiden zu sehen und zu hören gezieme 
sich allein für die angehörigen. Es ist nach dem inhalte der letzten 
verse sehr erklärlich, dass man jene fünf anfänglich ausgelassenen 
und dann an den rand geschriebenen verse an dieser stelle passend 
einzuschalten vermeinte. — Vers 1204 vermuthet und begründet 
Nauck seine emendation n) fXTuloti aQn'tvcttaiv aloinavuni^v. — 
Aus dem mir eben zukommenden fünften hefte 79 von bd. p. 322 — 
32(3 von Jahns jahrb. ersehe ich , dass sich auch prof. Teuffei 
gegen Nauck^s Umstellung erklärt. Er möchte eher annehmen, 
dass nach vers 1423 einige verse ausgefallen sind, worin Kreon 
hciiH* positive gesinnung und a!>sirht gegenüber von Oedipus aus- 
ifr>|»rorhen und dann sich zum chor gewendet hätte, diesem sein 
befremden über dessen verfahren ausdrückend, über ihr ov xarai- 
a/^irttaitut, {hi^rovg, worauf er dann fortfuhr dX).' ti rit Ortjrtöp 
u. 8. w. Allein diese verse kann Kreon nicht sprechen, wenn er 
nicht als ein wüster polterer erscheinen soll, der mit vorwürfen 
über den chor herfällt, die nicht diesen sondern den Oedi|>us tref 
fen : dann sagt er ^.scheuet den Helios", da er doch sagen miisste 
„ihr hättet scheuen sollen** , denn jetzt hängt es doch wahrlich 
nicht von der Zustimmung des ckors ah, ob Oedipus in den palast 

tri-nilirl uir«I ikIit nirjit. 

Oediput auf holutws. 
niiirim \ rriiiiiun«, ver» 47 dXV uvfi' fftnf jnt jnv^tti inrüt ai 
noXtcag dix t<Jti Ou^nagf n{)iv y* uv nSeil^a), ri ^(loü sei zu ver- 
beHsern n{tli y* ur t^tifi(ü ri d{>M. Damit wän» nur das eine be- 
denken gehoben, es ist aber das ii ^(jfi) überhaupt uiihtatthaft, 
u*iin man nicht etwa mit Firnhaber den ^^rnv für eim*n jf* 
(' 7 ( /a^ hält. Die« hat lionilz niciit berücksichtigt, wenn er in 
^«-iiiin ,J>eiträgen^* (nr. 12) p. 71 di« vulgata in Hchutx nimmt. 
I>i-r Wanderer will sich nicht verlittUungsniMiircgeln erbitten, nun* 



ii^j Jahresberichte. 

dem den fall einfach zur anzeige bringen, damit die stadt ent- 
scheide und einschreite. Nauck g-eht wobl zu weit, wenn er ver- 
muthet all' ov8' sfiov toi Tov^anardrai [er' tÖQag] TznXscog Öi^* 
i(T7i, TiQiv y' üiv ivdsi'^oo 7i[r[]. Berg-k nimmt mit Wex 7t dga 
als selbstständige frage. Man erwartet vielmehr ttqiv y' av fr- 
d€i^(o fioXcov, dgaficoVf Ooqwv. Am leichtesten Hesse sich die vul- 
gata erklären aus ivdsi^mv &()Q(o , da vor O leicht ausfallen 
konnte und ögm und dgcö öfter verwechselt werden. — V. 113 
üiy/j(yniiai ts aal au fi «| odov noSa nQvxfjov aar' alaog wird 
statt noba vorgeschlagen nsQa von vSchneidewin , nslag von Ka- 
rajan, ndXiv von Cobet und Bergk, endlich toÖe von Martin. Al- 
les dies hat mit noöa geringe ähnlichkeit und wäre diese auch 
grösser, so müsste es doch für unwahrscheinlich gelten , dass der 
abschreiber ein in den Zusammenhang so wenig passendes wort 
eingesetzt habe. Der fehler liegt wohl nicht in Tzoda, sondern in 
y.QV\pov , da der ausdruck -nQixpov f/e aar' dXaog auffallend ist 
und man hier die aufforderung erwartet, Antigone möge ihn in 
den hain führen. Wir vermuthen ütyijoofxai. roi xat ov fiov '| 
odov nö8a aTQp.xpor xat* dXöo^', Auf das scholion zn 114 8u vo- 
eiv 07/ ixQvß)] £fV 70 d).Gog berufen wir uns nicht, da dieses zu 
116 gehört. — Vers 278 ändert Martin fioigaig in fAeiovg, und 
erwartet Nauck's Zustimmung, die ihm schwerlich zu theil werden 
wird; das hier entfernte fxoiga wird dagegen an zwei stellen ein- 
gesetzt, 525 aaaä fjioina statt '/.axa fx' f-i'va {y,a'Aa fx' ev^ä 
Nitzsch. Rhein, mus. XI p. 469) und passend 547 aal ydg äüovg 
iqnrevaa na) mXtaa' voficp 08 yaxfaQoc , didoig eig t68' tjX&oij 
wo Porson's x«/ yuQ avovg , was Nauck in den t^xt gesetzt hat, 
mit recht von Hermann abgewiesen ist. Martin verbessert iiotga 
dlovg, ausserdem aber muss , so viel wir sehen rjl&or in ilümr 
geändert werden. Dem sinne nach würde Schwenk's und Bergk's 
ifxovg allerdings passen, ist aber von der handschriftlichen lesart 
alXovg zu weit entfernt. — Vers 521 ^rsyxov 'AaxoTai', to ^s- 
i'Oi, ^vsynov axmv fiiv , ßeog iötco ^ tovtcov ö' av^aigsinv ovdev 
vermuthet Martin dd?]v statt ayair , wodurch diese so vielfach be- 
handelte stelle keineswegs hergestellt ist. Wir glauben, dass die 
Worte äxcov fxfv des metrums wegen umgestellt sind und dass 
7jrsyxov fj€v dycov verdorben ist aus rjrtyxov enanroV' Dieses noch 
besonders durch eine betheuerung hervorgehobene inaarov wird, 
wie «xojV y.ovv. dyoDv, sehr passend noch einmal in negativer form 
gesetzt T0V7(ov 8' alüaigeTor ovdii', worte, die zu den gewalt- 
samsten ändernngen veranlassung gegeben haben , während ein- 
fach zu verbessern ist avihiigtrov oiuri tovicov. Der gegensatz 
von maxTog und av&aiQsrog ist bekannt: so erklären die lexiko- 
^TW^\\e,n inaxrog oqyiog' ov ersgog indyi-i, ovx ctv&aiQeiog^ Eurip. 
Hipp. 318 hat sTianTog nrifAory, Soph. Trach. 491 roüov Inaxtov. 
Die folgenden worte des chors d)X ig ti ; darf man keineswegs 
mit Kayser für das regulativ für die emendation von 523 und 521 



JahrrsbericIUe. 113 

balteo, sondern diese Worte sind entschieden verdorben, wiewohl 
sich das ursprüugliclic hei den uiancheriei wegen, die offen ste- 
hen, nicht ermitteln lässt. Wir dachten an d^f/k* t/, d. h. ijptyxtt; 
71 77Qoa6t^ufxeros ; und das scholion aiX' «>• ti ;fOJ(>/;<ytt {(^^YX^^Q'r 
Ott Rum.) (Tot td nQUjuaiu hahe ursprüng'lich gelautet upb)^ ti: 
öv/x^(jfjau^ ziva TTfjdyiiuzu ; das einfachste wäre siXa^' rt; auch 
an Xuxsi,' Tt; könnte man denken, jedenfalls niuss ti object sein, 
80 dass nun Oedipus antwortet xuxuv evpuv nölii^ ovöIp iÖqiv 
ydfiav in'dt^ner dzct. — Vers 755 dW ov '/ng aöti T«^<y«»^ 
xQvmnv vermuthet Martin uXl' ei7t£() oder dXX* et ydn , was 
uns unverständlich ist, Hertel 757 ^vcsnov ütlijoag statt xQvxpov 
OtXtjöu^, wogegen ütXi^aag spricht. Kreon sagt nicht hlos xqv- 
\por, sondern ngvifjof OeXi^aui; ,,da es nicht möglich ist das of- 
fenbare zu verbergen, so komm in's haus und verbirg so deine 
schände." — Vers 1305 setzt Martin oncog up statt ono^g xüv 
und hält 1305 — 7 oder 1311. 12, mit unrecht, wie wir glauben, 
für unecht. — Vers 1336 uXXovg Ö8 OoonevopTsg oixovfitp au 
Ti y.d-/o) wird utTovf.ttP statt oixov/Atv vorgeschlagen, das so ohne 
object nicht stehen kann; ebensowenig genügt \auck*s ijxof.ttp. — 
Vers 1358 oz' n nöxo ruvjw (it^i/jAMg Tvyxdittg xuxö^p f^ot 
vermuthet Martin or* h xlnico, ßergk ot' sp noTfAcp. Das ist 
unsicher, sicher unrichtig aber ist vers 1419 dXX^ ov^ olov r« • 
rtöög yuQ avOig uv ndXip nzguzsi'fi uyotfti Tavzop tiaunu^ ZQi-'nng; 
das von Martin statt zaizor gesetzte luxzopy oder Nauck's uynif* 
iItuatop. Dieser gedanke liegt viel zu fern und ist nicht tref- 
fend ; dag€*gen drängt sich auf die bitte der Antigone, er solle 
das beer zurückziehen , von selbst die entgegnung auf, er würde 
feig erscheinen, wenn er das einmal zusammengebrachte beer wie- 
der entlieKse, und auf diesen gedanken führt auch das uvüig na- 
Xtr uyti9 wiederum zuruci, führen. Daraus ergiebt sich die hezic- 
Lung von tlaünu^ und die worte werden gelautet haben naa; yuQ 
avOig UP nuln özpdrtifi' uyoifi' , tnaxiip tindnu^^ /(itda^; Im 
folgenden, wo ;\ntigone entgegnet ii d* ulOigj co /ruT, Ott rrt Ov 
fioiaOui; zi not ndrguv xuTunxiiipapri x^()^ng tn-j^trut ; verl»essert 
Martin richtig rt «5* ul t/(t', nur war die Hermannsche erklarung 
nicht für richtig zu halten. Aus dem mild gesprochenen vers 
1115 w rjrtirar//, ro ttoiop, '.'frziyditj; Xiye , kann Autigone keine 
neue hoffnung schöpfen, da sie den gegenständ ihrer bitte noch 
gar nicht bezeichnet hatte, also für Polyneikes kein grund vorlng, 
unmilde gegen sie zu sein. Inwiefern er aber avOw />i/<o»rrti, 
Ut gar nicht zu hegreiffn; er giebt ja einfach und ohne heftig* 
keit den grund an, warum er ihre bitte nicht ei-füliiii könne, und 
xeigte auch vorher keine heftigkeit. Der vem ist aber auch sonst 
Doch verdorben. Der abschreiber hat , wie nahe lag, ///'Y (^f Ov 
ftoiaOui für f^ti fii '^t*/ir/t'(i/No gelesen und 7-« für rrf, fr«t gehalten, 
wie der Lanr. A Aesch. Choeph. 113 (jumg für nnfztg hat und 
404 nui für nt , und zwar in einer tu verNthndlichcn phrasc n^ 



144« Jalii-esbericbte. 

ug TQaTtotT UV. Antigone sag-t tC J' av loff^ w^fXsi tf« &vfiov<f- 
d^ai>', ,.du sag-st, du kannst nicht mehr zurück, aber was nützt es 
dir dagegen so sehr, deinen zorn zu befriedigen, da dir aus der 
Zerstörung des Vaterlandes kein gewinn erwachsen kann ?" — V. 
1435 a(pu)v (J' woSoir] Zsvq, tu6^ sl reXeTri (jloi d^uvovi* ^ Inn ov 
fiot ^wvtC y* av&i>g ^^eiov beliält Martin den zweiten vers bei , den 
er so abändert cpCV el rsXehi (xot &uv6vn' xui yug ^wviC y' ov- 
xeO-* i^STOv, was doch zu gewaltsam ist. Es sind wohl beide verse 
auszuwerfen, denn der ganze gedanke taugt hier nicht , und auch 
im ersten verse verräth das agxAV 6^ EvoöoCrjj was mit bezug auf 
1432 ifjiol fiiv ^ö" böog — gesagt und sicher nicht in hv dtSoCrj 
zu ändern ist, den interpolator. Hertel vermuthet (T^pto S^ eiioäoCri 
Zsvg Tag)riv leXsiv ifioC mit beseitigung des folgenden verses. — ■ 
Vers 1454 hatte IV«) was Martin statt ijraC herstellt zugleich 
mit aufnähme der conjectur avTtx* statt av&tg, schon Dindorf in 
der Oxforder ausgäbe vorgeschlagen, behält aber jetzt die vulgata 
bei. — Vers 1551 lovds SelXaiov statt rov isXsviawv. — In 
dem schwierigen strophenpaare 1567 — 1578 schreibt Martin 
1560 XiGacüfjiui^ mit Dindorf, 1565 sehr gewaltsam TtoXXwv yuQ ol 
xäfid}(wv 7ir}fjiUT(x)v ejroQfi^vcuv statt ttoXIojv yiiQ äv xal fidiav nrj- 
(jidicüv Ixvov^ivcav , schon dagegen 1568 uslxotov statt ävi^xaiov. 
1562 ist der gebilligte Vorschlag Schneidewin's Xd^og aUv e^^tv 
statt Xoyog rxUv f^«t schwerlich richtig. JBergk edirt hier fxoyog 
aUv k'^ih indem er für das verdorbene ^«fft, das der scholiast nicht 
gelesen, tuTcI' vermuthet. Die bemerkung* des scholiasten Xstirn 
To (paGtv ist aber auffallend, da hier niemand (pact vermissen kann, 
sondern das dastehende für überflüssig erklären muss , wie man 
eben deshalb wg Xoyog verbesserte und der scholiast richtig be- 
merkt riQxsL Ss sl xm k'XXsiipiv i^evi^vsxio ö Xoyog. Wäre ^aöt 
richtig, dann müsste man verbessern xuddfiuwvj was auch für 
Bergks Verbesserung des strophischen verses firj "mnovM spräche. 
Weiter schreibt Martin rov — xuuvxo^ai> iv xfxß-uQW fiivHv für 
ov — xcxT. iv xu&agq) ßrivM „2S precor ut puro loco maneat, i. e. 
ubi Salus sit nee congrediatur cum Oedipo, non obvius sit ad infe- 
ros descendenti , ne descensum eins impediat.** Aber dass von dem 
eben angerufenen Cerberus jetzt in der dritten person geredet 
werde, ist unstatthaft. Nauck vermuthet Sog für uv und dies 
verlangt der sinn, oder ttoq^ oder vielleicht Sot. In der strophe 
wäre Sofjiov in dw^a zu verwandeln. — Vers 1619 to Xomov 
ridrj ßCoTOV Siu^sioVj wo man jetzt mit Elmsley riSrj rov ßCov edirt, 
vermuthet Martin to {tov) Xolttov ^St] ßCotov aiiv u^siovj denn 
darauf führe die handschriftliche lesart. Allein ueC wäre hier 
fehlerhaft und Elmsley's Verbesserung ist weit leichter. Es hat 
nämlich das vor ßCov ausgelassene und dann darüber geschriebene 
TOV der abschreiber falsch verstanden und ßCoTov statt tov ßtov 
gesetzt. — Vers 1640 wird to' y^ k'fiTTatov (piquv statt to /«>'- 
vaXov (fQivt vermuthet und 1752 h olg yuq ;^a^^S ^ x^^^^^ ^wa- 



Jahresberichte. 115 

noxHxaty mvd-iXv ov XQ^ sehr gut x^ovCa vv<^ djroxsiTai verbes- 
sert; sehr bezeichnend wird der tod des Oedipiis x^^^^^ ^^^ 
genannt. 

Hertel vermutbet vers 590 uW il ^iXori uv y" ovSs Gol (pfvynv 
xaXov (uX'k UV üt'ioviwv oiSe Scbneidewin . ulX^ el dilovrä y' ' 
ovdt Berg-k, dXX' ni üf'lovTui; /, oiöf Üindorf) nXX' ov {y^Xoprug y 
ovös, gut in bezug auf das ov, das schon Göhel eingesetzt bat, OeXov- 
Tury aber ist dt'/n'tTOJv y\ wie Xauck mit recht edirt bat, der aber mit 
unrecht im folgenden verse des Oedipus dXX' ovÖ' ot avrog /}i>£- 
Xov naißisduv das ntt in 0(7« verwandelt, wovon ausser dem nicht 
zutreffenden gedanken schon das uvk'x; ahbaltcn musste. Oedipus 
sagt: „wohl habe ich recht in der Verbannung zu bleiben gegen 
ihren willen , denn auch sie tbaten meinen willen nicht , als ich 
freiwillig in die Verbannung gehen wollte." Den vorhergebenden 
vers xeivnt nopii^nv xtia' upuyxä^nvai fit hat man nicht ängstlich 
nach der ahnlichkeit der züge zu emendiren , was schwerlich 
zu einem resultate hier führen wird ; bisweilen hat die eigene 
thätigkeit des abschreibenden unwillkürlich ein erwartetes wort 
trotz ziemlich entfernter ahnlichkeit herausgelesen. Der fehler 
liegt aber nicht in xofii^etti wofür Nauck ein wort wie xuttXütiP 
erwartet, sondern in drayyu^ovoi, wofür, wie das folgende dXX* 
ov VtXt'itTOJv lehrt, ein verbum in der bedeutung „wollen" stehen 
muss , und so vermuthen wir xbhoi xo/^/ft/i' äl^tovai xelat fte. 
Nachdem u^^ioiai in uiuy>iäC'>i>(^t übergegangen war, musste xttcjs 
umgestellt werden. Doch dies wird nicht allen einleuchten , eher 
wird man uns dfirin beistimmen , dass vers 602 nöjy dtird a uv 
ntuxpuiuO' , w^TT oUeip Ölj^a; das sinnlose mai in q) at zu än- 
dern ist, denn Theseus nimmt auf die vorausgehenden worte des 
Oedipus bezug tartp Öi ftni näliv xart/.Oeiv ftiinoie. — Nicht 
glücklich sind HertePs vermuthungen vers 1022 t»^' naiöa<i ti^ 
f^tüt statt tü^' TxuiÖUi; Tjfxojp (Martin und Nauck ijxmv , Bergk räf 
nutdu^'f ijfitv avrhg ixdei^^g dyoov oder ^oiwi», Dindorf tuv tovda 
natdaf), 1172 nv y' iyco xpe^ntfit 7i; 12(56 yjxetv lufid fifj '^ «X- 
X(OP ndOfj f 1270 dxfirj fih böii , 1118 x(a (Jo} rd y' ^Qyov ov 
<parrf(JtTat (iQux^- ^^^^ letzte vers lautet nach den hRndschriften 
xul (joi re joiq/ov lovftop titrai p{)U'iv. Dindorf edirt xcu aoi re 
rovQyop Toyr* fftni r' inrai ßQny ""*^ Hermann, Nauck oi; xunri 
tovQYOp* tovftnp o5ä* frrrr«! (i(fux^ "*'' Wex, ohne dies für richtig 
sn halten, Bergk vermutbet xnt aoi tod' tQynt ov ftop^i earai 
Hax{tu<i. Da OedipuH seine tochter aufgefordert hatte, ihm den 
bergnng de» kampIcN zu erzählen , aber sich kurz zu lassen , so 
i»t die stelle offenbar so zu verbeNNern : uÖ' inO' 6 atoau^. toiiI« 
XQt; xliitp, Ttdrut' xeintt nv rnt^tynp^ tovt* ifiot d* Jfaiai ßintxv- 

Pidrril bebniidell verM 801 Öeipov Xtyot^. jovro pvp ntnQa^t» 
IUI und billigt llerman^N dtiprp Xßyotf £y, annehmbarer Nnurk ^tf 
909 Xnyot anv. Den folgenden ver« tjp fu'j n' ! H{tni'*oip t?i(id§ 
/7( dnttQyuOf) theilt er dem chor zu und ändert ft* in </. Dan« 



^£ß Jalireslx'ncLte. 

diesen vers der clior spricht ist richtig-, es ist aber zu verbes- 
sern ijv fxi] y' xQahmv T/jöds yljg (J* antigyäi^iß. — Vers 882 
wird ergänzt oog o?ö' iyoo , was schon deslialb nicht richtig- sein 
kann, weil, wie die antistrophe lehrt, der Personenwechsel nach 
der cäsur eintreten muss , es also unzweifelhaft ist, dass , worauf 
auch Laur. A führt, die entgeg-nung- des Kreon lautet Ztvg y' 
ap siöeCi], gv ö' ov. Dass aus diesen Worten erhellt, es sei ei- 
dt'pui vorausgegangen , hat Piderit richtig erkannt und war dies 
bereits von uns in Jahn's jahrb. bd. 73 p. 354 bemerkt und da- 
rum vermuthet worden iöto!} yiiyag Ztvg. — Vers 813 lAanivgo- 
fiai 70vaö*y ov at, Tjgng 8s roiig (pilovg oc' ärTafitißEi Qt'ipiaT^ ^ 
riv a' 'ilm nord vertheidigt Piderit die lesart ngog ys, allein die 
richtigkeit dieses ngöc ist allerdings zu bestreiten. Bergk inter- 
pungirt Ol' es, ngog 8s, rovg cpilovg, oi' avTa^tißrj Qi'jfiaj' i'jv — . 
Dass Kreon nicht den Oedipus selbst zum zeugen der Ungerechtig- 
keit des Oedipus nehmen kann, dass also ov at unpassend ist, be- 
merkt Nauck mit recht. Aber auch roig q)iAovg kann nicht rich- 
tig sein , denn Oedipus hatte nichts gesagt , was den verwandten 
als solchen verletzen konnte, er hatte nur die wohlgemeinten ab- 
siebten des Kreon mit unverdienter härte zurückgewiesen. Daher 
liegt hier eine starke verderbniss vor, und der vers scheint mit 
nQoaq^iloig geschlossen zu haben, etwa fiagTVQOfiai toi'ctö', d)8^ 
exotra ngoöqiiXöJg oi' dvTafAStßEi Qi^fxuT\ tjv er' f!Xco noTs , oder 
was einfacher, aber nicht ohne bedenken wäre coÖg ngog as ngoa- 
qiAtig. Kreon nimmt den chor zum zeugen seiner wohlgemeinten 
absiebten für den fall , wo er dieses mit gewalt wird durchsetzen 
müssen. Das scholion zu unserer stelle lautete so: iiiv ae fcXco, 
Sixaicoam as 8rjXov6ii, zifioigtjaofjni. finQ[Tvgoßai] rova8s, oia arr- 
Ufjisißri lAS grjfiaTa. — Ausserdem sucht Piderit vergeblich 735 
TTjXix6v8' zu halten und spricht endlich zur erklärung von 885 
und 104. 

F. Ascherson sucht im Philol. XJI , p. 750 — 754 zu erwei- 
sen , dass die rollen des Stückes unter drei Schauspieler und ein 
Tzagaoxr'jriov {^nagayogriyrifAa) für die Ismene und den Kreon zu 
vertheilen sind. Die kritik des Stückes bleibt hierbei unberührt. 

Antigone. 

Was in den emendationes von Buchhoh, in F. Wieselers 
emendationes in Sophoclis Antigonam, Göttinger lectionskatalog 
des Sommersemesters 1857, die hier zu besprechen wären, und 
einigen andern Schriften für die kritik der Antigone geleistet ist, 
findet sich zusammengestellt und kurz beurtheilt in dem anhange 
der „beitrage zur erklärung dös Sophocies von //. Bonitz, 2. heft". 
Um unser referat nicht ungebührlich auszudehnen , verweisen wir 
einfach darauf und über die „beitrage" selbst auf unsere anzeige 
in Mützell's z. f. d. g. XUl, p. 123 ff. 

Martin nimmt vers 89 an der form a8t7r oder rf.8kh anstoss 
und vermuthet aXl^ ol8' agtaaovö' oig fxu/uata 8?} (is XQ^i > *^^' 



Jahresberichte. il7 

lein dies wäre schwerlich verkannt worden. In der parodos wird 
mit recht die resjionsion auch der anapästischen Systeme festg-e- 
halten, wie dies z. b. die Übereinstimmung- von 113 und 130 i';7f(>- 
mru und vntQUTJtagunA im zweiten die schlussverse -aoivoI üavajov 
fitQO(; r/j[/qrQ) und xoiro) xtjQvyfAUTt ^zf^i/;«*,' unzweifelhaft machen. 
Allein der vermuthung-, dass vers 112 zu ergänzen sei op — wq- 
aep' xeivog Ö' n^ta xXuI^oöv möchten wir nicht beitreten und 
halten die Verbesserung* von Scali^er für evident trotz Helmke's 
(nr. 10) auseinandersetzung p. 15. Möglich, dass ein epitheton 
zu aUr6>i ausgefallen ist , möglich auch , dass in der antistrophe 
das den gedanken schwächende und auch nicht angemessene tiqoü' 
via(io(Annv<i spätere zudichtung ist und die stelle lautete xui aq^ag 
fift Idoor rroXXq: ^f rurtTf , ^^qvöov xava^^ d' vTrsgonrug. Wahr- 
scheinlicher ist Martin's ergänzung vers 151 Kqsoov 6 Mevoixfmg 
vfo^tinc ta)[Ob(g^ zumal auch im entsprechenden verse Tax^^ev- 
reg stellt. Helmke p. 31 vermuthct xoaitcov vsnipiog. — V. 211 
verändert Martin Knf-'ov in noith, was jedenfalls der annähme von 
Fr. Thiersch, dass ein vers ausgefallen sei, vorzuziehen ist; in- 
dessen hatte bereits 1847 B. Thiersch an notBit gedacht. Ebenso 
hatte das 234 vorgeschlag^ene (fQaaovd^ o^mg schon Bergk Z. A. 
1850 p. 561 und vers 736 XQ^an statt ynri ys Wunder vermu- 
thet. Auch vers 718 habe ich fivOq) statt Ovfxq) angemerkt, aber 
ohne angäbe des emendators. Der mangel des artikels erregt 
kein bedenken, wie director Schmidt „bemerkungen zu einigen 
stellen des Sophocles" (Antig. 43. 718. El. 951), prog^r. Herford 
1859 einwendet, welcher all* sJxs xa) av vermuthet. Dindorf 
edirt gegen den rhytbmus nX) ' sixt xat Ovftm ftsrciaTacsiv öt'öov. 
— Vers 138 tiyf <5' uX)u tu ^h billigt Martin Kaysers cmen- 
dation inyi ö* "Aida Xctyäv ^ ändert nur noch elyB. in hXs. Ein 
facilis error wäre diese corruption nicht, ausserdem scheint r« 
IJLf% hier unerlässlich zum abschluss, dem dann das folgende alXa 
entspricht. Dieses aXXa ist wegen des vorausgehenden ra ^ilv durch 
T« hi erklart und dann in den ie\t g^esetzt worden aXXa 7u ^, 
und im f>aur. A durch ein missverständniss des abschreibers auch 
hiiil«*r das erste uXXuy so dass fiiv vertlrängt wurde. Wir wun- 
tlcrn uns, dass man die leichte und treffende ändern iig Hergk's 
Z. A. 1850 p. 561 «?/f d' (()aXu ru ^tt'p ignorir! hat, womit 
auf 133 rixtjt^ 0{tftcöpj' dXaXu^at zurückgewiesen wird. Kino 
HU ungenaue responsion hat sich aber der dichter nicht erlaubt und 
CS wäre vielmehr ity^v ^' aXuXu tu ftff zu schreiben und in der 
irvtrvuHtrn\i\io OkZp ^f ttat^- yn(ioig. Die abhchreibcr hal>en hier 

iflicre form vunvg gesetzt, doch steht 
llrlnikc vermuthet tlye ü' uXXn rulf 
ovr — lers 1:)1 ändert Martin Xrjaftnnvpat In ftftjftfxivrnrt wo- 
mit Minn und nielrum hergestellt wird; ebenso ansprechend ist die 
enieiidation vers 1179 fiov xX(n9 itatt ^ovXthip. — Damit v. 
fj.'jf» «lie Il<MM kll^« lie erk!;ir«iiitr der woHe ctlX* ovx in* a()()iJroi( 



118 Jahresberichte. 

ye Tolg ifioTg Xoyoig, wonach nQQTjToig attribut, nicht prädikat ist, 
mög^lich werde, beseitig-t Martin den artikel 70ig und setzt dafür 
rovt\ Boeckh hat mit vollem recht die erklärung- „nicht ohne 
meine gründe auszusprechen" als unpassend verworfen, allein durch 
die von ihm und Schneidewin versuchte deutung" „ich habe das 
leben mir mindestens nicht nach meinen ungesprochenen überleg-un- 
gen gewählt" erhalten wir nicht nur eine seltsame rede , sondern 
auch einen schiefen gedanken', da zu der that der Antigone die 
gesinnung der Ismene im gegensatz steht, diese mag nun ausge« 
sprochen oder nicht ausgesprochen sein. Es waren aber die Xoyot 
der Ismene nur angaatoi und keineswegs uggt^roiy denn sie hatte 
ihre gesinnung keineswegs verheimlicht, sondern es ganz bestimmt 
ausgesprochen , dass nur äussere gewalt sie abhalte , der pflicht 
der beerdigung zu genügen. Wir erwarten aXX' ova in' clqqti' 
roig y' icoig l^oTg "koyoig, so dass sie darauf sagen kann x«< pirjv 
161] vqv iarlv Tj^afiagTia „aber nicht ohne meine übereinstimmende 
gesinnung ausgesprochen zu haben, so dass unser vergehen gleich 
ist." Der vers der Antigone naXmg av fxsv rolg, roig Ö' eyco 
'doHOvv (pQovsiv bedeutet: du glaubst in deiner, ich in meiner 
weise recht zu handeln, d. h. du, indem du es bei der gesinnung 
bewenden liessest, ich, indem ich zur that schritt. Den rhythmus 
anlangend, so ist der vers der Antigone av ^sv yag siXov txiv^ 
iy(x) ds xar&avBiv dem inhalte angemessen in zwei hälften ge- 
theilt und übereinstimmend damit hat auch der vers der Ismene 
diesen rhythmus erhalten. — Vs. 795 ist mit der änderung nai- 
dvog lusorius statt TtaQEÖQog die stelle nicht hergestellt (Dindorf 
rmv fif-ydlcov ixzog nixiloör) , und 966 wäre der den gleichklang 
herstellende Vorschlag naqa ds xvavscov nelayscov diövfiäv ns- 
TQav =zxaTa ds taxopisvoi iasIsoi fis7Jav 7Tai*>«y annehmbar, wenn 
die lesart überhaupt feststünde; Wieseler p. 10 sieht in nslaysoop 
das glossem und vermuthet naga ds Kvavsav anäddoov (Dindorf 
Kvavtmv anilddcov) didvfiag dXog, ebenso Bergk, der aber otUIcc- 
dag vermuthet. — Vs. 1097 hat Martin an den Worten t6 t' 
eiHa&stv ydg dsivov dvziarävTa ds ar?/ nard^ai d^vfiov iv dsivq) 
ndga mit recht anstoss genommen , denn auch Thudichum's er- 
klärung p. 38 „es ist hart nachzugeben, widerstehe ich aber, so 
ist mir auf eine harte weise ein schlag nahe, der meine seele 
trifft," genügt in keiner weise. Allein sein Vorschlag &vuov ov 
dsircöv (dsivov) nsga , d. h. dsivcov dsivorsgov eöti, wie Demosth. 
Steph. 1, §. 73 dsivov neu nsga dsivoi., kann, abgesehen von dem 
unnöthigen nv, nicht richtig sein, weil wenn Kreon das eine übel 
für schrecklicher erachtet, es einer weiteren Überlegung nicht be- 
darf. Uns erscheint auch das arri Tzard^ai befremdlich, und wir 
glauben, dass Kreon hier etwas anderes passender sage, nämlich 
dvtiardvra ds dysi naXdhtt ß^vfiov iv dsivq) ndga d. h. iiinaXd' 
^ai dsivq) äysi. dvfiov die seele^ weil durch seinen widerstand sein 
wille zur ausführung kommt; von ;5or« kann hier keine rede sein, 



Jahresbericht«. fi9 

der nicht der beweg-^und seines handelns war und am allerwe« 
oigsten von ihm seihst als solcher angeführt werden kann. 

Hertel emendirt v. 648 rag qiQEvag avy tjdovtj. liergk edirt 
Ttttf q)()ipag TiQog jjdovtjgy Dindorf adg v(p^ rjdovrig q^ghag. 

A. Spengel vermuthet v. 218 7t 87/7 av dXXa zovt inev- 
relXoig hi; und dies hilligt Leon. Spengel, aber trotzdem, dass 
auf dasselbe auch Heigl und Hamacher verfallen sind, ist es doch 
unrichtig, weil eine solche Stellung des dXXd unmöglich ist. 

Lorentz behandlung des ersten stasimon bietet etwas erwah« 
nenswerthes nicht dar. Emendationen , wie 353 Xaaiat'xsrd &' 
iTinov iz d^srai ducpiXoqiöJv ^vy6r, oder gar dv nhiaty 356 Tid- 
ymv T« r a^{^orra xa] haben auf beachtung keinen anspruch. 
Eben so unglücklich ist hier Buchholz in seinen Vorschlägen. An- 
sprechend vermuthet Wieseler 354 icai opdeypia xaz dvEfiosv cpgo^ 
rijfia. Dass übrigens drefÄOSp nicht zu ändern sei , zeigt schon 
das entsprechende fiwj^avoEv. 

Director Helmkes abhandln ng enthält eine lateinische metri- 
sche Übersetzung der parodos nebst deutschen anmerkungen und 
eine deutsche metrische Übersetzung der drei ersten stasimen. Die 
anmerkungen p. 8 — 34 beschäftigen sich unter besonderer berück- 
sichtigung des metrums und der responsion , aber auch des ge- 
dankenganges und des Sprachgebrauchs, und mit herbeiziehung vie- 
ler parallelstellen mit der constituirung des textes der parodos. 
Mit recht geht Helmke von dem grundsatze aus , dass der so 
überaus sorgfaltige bau des ganzen Systems und die genaue Über- 
einstimmung von Strophe und antistsophe in den einzelnen vers- 
füssen und silben uns berechtige, bei ungerechtfertigten abweichun- 
gen im metrum an der richtigkeit der lesart zu zweifeln. Unge- 
rechtfertigt ist aber die Verdächtigung des ersten verses «xkV 
ueXlov = öTug d' vtieq fxtXdOQCov , da diese vertauschung des 
spondeuH und trochäus auch bei Aeschylos vorkommt. Seltsam 
ist hier die behauptung, dass in dxjig vielleicht die geschärfte 
länge nach der arsis metrisch fast einer kürze gleichkam und dass 
es ein vorurtheii ist, zu glauben , dass jede länge als solche auch 
gedehnt gesprochen wurde. Eher kann man beistimmen , dass v. 
106 Tof levKunniv ' /fnyoOtv statt ' A{tyn(fH ein mit einem cou- 
lonanten anfangendes wort gestanden habe, wie rtjXtÖannv oder 
tijXi nuTQugf TtiXt dofitov. \. 105 JtQxaitov vrtfg Qf^eOgo^v /«o- 
Xovau nimmt Helmke nicht eine Verwechselung mit dem Ismenos 
an, sondern glaubt, dass der buch Dirke auch nach seiner Vereinigung 
mit dem Ismenos Meinen namen beliau|i(et habe und die dirkäischcn 
gewa.Hser überhaupt die theitäiMchen sind. Prof Wieseler schlägt 
irti {ftf'OQMP vor, allein der clior erwähnt deshalb die Dirke, weil er 
auf der im westen befindlichen akropolis belindlich die sonne in dem 
Wasser der Dirke sich spiegeln sieht. — \. 134 drfirvna d' rni 
ja niat rupraXatOti^ hält es Helmke für gar cn enghentig, bei- 
nahe kindisch t an der Verlängerung der letxten silbe in arri'fvna 



120 Jahresbcnelite. 

SU zweifeln. — Gelegentlich wird p. 16 die richtig-keit der vul- 
g"ata V. 24 'Ertoxlsa usv , w^' Xiyovoi avv dixti ;fo/;(j»'>fJff dr/.ai'n 
itat r('fjcp x«T« i^ovog behauptet und übersetzt : „den Eteokles 
hat er, wie man sagt, der sitte getreu verfahrend (gegen ihn), 
der gerechten, und dem gesetz — bestattet". Aber selbst Thu- 
dichum hegt an der vulgata zweifei und emendirt cht dixijt XQ^^' 
{^8}g dr/.aicp x«/ 1 6 fiep „mit recht hat er ihn begraben, gerechtig- 
keit und herkommen in anwendung bringend". Dindorf edirt 
'Ei^oxXt'a fASv , a)g Inyog, xara xO-ovot;, Bergk vermuthet 'Emo- 
xAf'a fiEv avv öi>ir} xard x&opoi^', 

Thudichum beabsichtigt die Würdigung der Charaktere und au- 
friebe in der tragödie festzustellen, und den text gegen ände- 
rungen und das ausstossen vermeintlicher Interpolationen zu schü- 
tzen. Er behandelt die meisten der controversen stellen des Stü- 
ckes und sucht fast überall die Überlieferung zu rechtfertigen. Mit 
einem solchen conservatismus können wir uns nicht befreunden 
und g-lauben, dass wer sich in dieser weise begnügt, weit öfter 
in der läge ist „die wölke statt der Hera zu haben". Dass Thu- 
dichum die vielbesprochenen verse 905 if. schützt, darin hat er theils 
recht, theils unrecht. Unrecht insofern er glaubt, dass diese verse 
von Sophocles herstammen, recht, insofern er sie nicht ausgewor- 
fen wissen will. Die erste aufFührung des Stückes kannte diese 
stelle sicher nicht, sie ist erst später nach dem tode des Sopho- 
cles von lophon eingesetzt worden , aber nicht so übel , und die 
Athener werden sie gewiss mit grossem beifall aufgenommen und 
über dem glücklichen gedanken ihr kritisches gewissen zum schwei- 
gen gebracht haben. Das aber kann man nicht zugeben, dass 
sich diese verse so ohne weiteres, oder mit einer geringen ände- 
rung ausscheiden lassen. Auch von anderweitigen, jetzt nicht 
mehr nachweisbaren zuthaten wird das stück nicht frei sein, wenn 
auch diese änderungen in keinem falle weitgreifend waren und 
man unterschreiben kann, was Bergk in seiner Comment. de vita 
Sophoclis p. XXXIII sagt: „Neque vero ille multum videtur immu- 
tasse tragoediae praestantissimae formam, sed detraxit potissimum 
ea, quae cum seorsim docenda esset fabula, non iam conveniebant, 
alia autem de suo adiecit". Die kritik kann solche zuthaten nach- 
zuweisen versuchen, der editor hat nur den allein erhaltenen text 
der zweiten aufführung herzustellen. Ganz verschieden davon sind 
aber Interpolationen, wie v. 24, von dem wir eben sprachen , oder 
46, wo Antigone sagt thv yovv ifiav y.al tov aar, tjv ov (H] {f^S' 
Xrjiiy a8E).q)6v ov yuQ ö// nQodova' alojaofiai, den man, wie Thu- 
dichum meint, ohne allen f/rund gestrichen habe. Man sollte mei- 
nen, dass die Verletzung der stichomythie und die erhaltene notiz 
/JCdvfiog q)tj(jiv, VTTO rat InofiirifxajuitöJi 7ov öti'xov rerodnödai 
doch wohl zu beachtenswerthen gründen zu zählen sind. Auch 
CobetMnemos. VI, p. 38 verwirft den vers; allzu rasch hat sich aber 
M. Schmidt Philol. XI, p. 397 überzeugt, dass Hesych. vol. II 



I 



Jahri>Bberichte. 121 

col. 1400 Tof (fop* rhv i^iov sich auf unsere stelle beziehe und dass 
Didymus den vers wie Nauck las und den folt^enden vers strich. 
Naucks vermuttiung- ro%' ovv ffxov v£ , tur aor tjv gl> ftrj Ot'Xrjs 
halten wir für unstatthaft, weil g^ea^en die e^edankenfolg-e der ge- 
gensatz fftnv und nor betont wird , während der diesen Worten 
gemeinsame begrift* den g-egensatz zu anugn^rav noXsi bildet. 
Dürfen die bürger, meint Antigone, ihn nicht beerdigen, so haben 
wir als schtteslern die pflicht, es zu thun, und ich werde den 
hruder der Antigone und Ismene, wenn diese es nicht will , beer- 
digen. Damit zeigt sie sich nicht willfährig, sondern sie mahnt 
die Schwester an die gleiche pflicht. Eine „spitze'', wie Nauck, 
ein „Vorwurf verletzter gescliwisterpflicht"', wie Bonitz meint, wäre 
hier ganz ungehörig und man darf sich nicht auf 09 berufen , da 
dort Ismene bereits die theil nähme bestimmt verweigert hatte, hier 
aber erst noch zu einem entschlusse gelangen soll. Ebensowenig 
kann man Nauck zugeben dass 48 a')X ovdsv aurcn to3i ffXMf 
fx i'Qytiv fifra Antigone der Ismene jeden antheil an Polyneikes 
abspricht. Sie sagt, Kreon habe nicht das recht, sie von ihrem 
eigenthume abzuhalten , indem sie nunmehr nur von sich spricht, 
es aber selbstverständlich ist, dass der satz in gleicher weise von 
der Ismene gilt. — um zu Thudichum zurückzukehren, so sieht 
sich dieser trotz seines respects vor handschriften doch veranlasst, 
zweimal zu eigenen conjecturen seine Zuflucht zu nehmen , v. 25, 
wie wir oben bereits erwähnten und v. 1281 rC Ö' sarir av yu- 
xior 7/ xaxot'i' hl , was heissen soll : „was giebt es wieder eleu- 
iliTow ;W< >i.iw fiM/>|. 4.l..iii| macht?" 

rrachinierinnen, 
Vom i^iarnns vorsriilagen kann der zu v. 122 wv irrififficj^o- 
ftftn n\ d ;fC'fm ulr (statt üdtia mm), urtiu ö* nnfm ,,quae uti- 
liu fjuidem. scd adversa tuae sententiae sunt, afferam'' nicht geliil- 
iigt werden, da es umgekehrt utila fth ^ XQttu 6t' heissen müsste 
und XV*'^ *" solcher bedeutung nicht gebraucht winl. Auch an 
rr(>o«TTo?.ov statt n(j(Kirtn)n^' v. 188, d. h. praemisstis können wir 
nicht glauben, ebensowenig v. 554 an XvrijQiov kvntjii ri, was auch 
anden* statt XvTi'ioin^ Xintj^a vorgeschlagen hai)en. — V. 520 
f'/fo ^^ fnin/n ftfp oja (fQii^ö) wird die llarhingsche emendation 
vervolUländigt ryto ^' aiüt r/(</i«r* o/« qfjt'il^fo, so dass (itür für 
TtQK^fMr , ^uy/tp stehe. Allein warum nicht upati? da bei fol- 
gendem t die Verwechselung von paateg und f*(tftj{t leicht vorge- 
hen konnte. IndesNen upfj ist so viel als r^Qftu , so dass diese 
vrrbeNNerung nicht richtig Hein kann. Ein genitiv ist nicht erfor* 
derlirh , denn da dieiier vers nIcIi offenbar an v. 522 an.schlicsst, 
so ist fiii/'i'» *" r/(>^rtr« leicht zu ergänzen. Dagegen hätte «ler 
ftcboliast, welcher bemerkt fyo) nuQtirtn t« noXXai ^ rä ft'hj Xt'yn) 
roip nQayfu'unn das n'iu schwerlich durch nu{tttan rä noXXu er- 
klärt und wir vermuthen daher iyto d' itq>ttQ ffQfmr oln q^dl^to. 
Burhholz II, p. 21 meint „(|uaai sponle suppelit hoc fyfOi di> fia» 



|.2!2 Jaliresberichte. 

t7]Q f4€P ola cpQa^G). — Ansprechend ist die Verbesserung" Martin's 
V. 856 i(o xEXaiPu )^a)^u (stutl ^oy^u) nQOfxit-^ov doQOi;, äz n X e- 
&Q(av (statt « roTfi üoäp) vv^Acpav ^ indem in der stroplie mit 
Wunder ohXiaiai g-elesen wird. Allein es drängt sich die frage 
auf, warum der dichter nicht alma und vv^icpav ihre stelle habe 
wechseln lassen und warum er dann im ersten verse nicht schrieb 
atxi^a ot oXadglav. — Endlich v. 1019 av Ös avXXaße. aoi ts 
yag Cfi(A,a sfinXsov tj Öi sfiov acp^siv verbessert Martin aoi ts yag 
dufxd ig tzXfov, allein dies giebt keinen klaren gedanken. Gut 
gefunden ist aber dx/Aa und die stelle ist zu verbessern oov aq)8 
yaQ äx(ia ijv nXfov /; 8i ifiov acp^siv, 

Hertel vermuthet v. 327 tj 8s roi tv^y xax^ (asv avtri '(Tt , aXXd 
övyyvcoiÄTjv fj^«, was ganz unverständlich wäre, ebenso wie v. 365 
yal vvv, (og ogäg , 7jh£i d('fÄOvg cög lovads nfixncov ovx äcpQOvii- 
ajag, yvvat, ovd' Sare ÖovXtjv die Verbesserung dofxovg ovg^ rovadsj 
die überdies anderweitige bedenken dieser stelle nicht beseitigt. 
Wir vermuthen xat vvVj cog OQCig ^ aof ijusi öofiovg cod' Sg üe 
ni^ncov, — V. 381 ' loXi] sxaXsho^ rrjg ixeivog ol^apia ßXdaiag 
icpcovEi, 8tj&8v ov8sv laTOQCjv würde Hertel's iq)c6ga statt Eqjm'si 
nichts anderes als lazoQmv besagen. Schwerlich liegt in E(p(XiVEi 
der fehler, sondern vielmehr in ovSafAct^ wofür man dyvoEiv er- 
wartet. Denn der böte nimmt ironisch auf die worte des Lichas 
bezug V. 317 ovx oi8a' xai ydo ovo' uvtaTOQOvv (laxQuv. Daher 
ist auch 382 nothwendig 8tjÜ£v ov8' dviorogoör zu schreiben. 
Wahrscheinlich hat der abschreiber dieses ov8sv laTogöJv verbes« 
sert und das darüber geschriebene ov8av hat das darüberstehende 
dyvoEiv des vorhergehenden verses verdrängt und ist so die les- 
art ov8a^d entstanden. — V. 419 ovxovv 6v zavrrjv, ^v vn 
dyvolag ogag, l6X?]v icpaaxEg Evgviov onoguv uyEiv\ ist mit b8oig^ 
wie Hertel statt ogng schreiben will, nichts ausgerichtet. Was 
auch der scholiast gelesen hat, jedenfalls muss hier der gedanke 
stehen, den er ausdrückt ?*» ngoonoiri äyvoEtv, also wohl tjg vri 
äyvolav sSvg. Unbegreiflich ist es übrigens, wie die lesart im 
vorhergehenden verse xdioia&a 87Jt' ; ov q)?](j,i bei so vielen hat 
anklang finden können, die auch Buchholz empfiehlt II, p. 17 (wo 
auch über 419 eine conjectur mitgetheilt wird, berichtigt in Jahn's 
Jahrb. bd. 74 p. 602), und selbst Dindorf in den text setzt. — 
Gut verbessert Hertel v. 781 xofiijg in xogaijg y wie auch Bergk 
vermuthet. Dagegen ist v. 911 xal tag dnaiSag ig to Xomov 
ovölag die Verbesserung xai tijg dnaicovog to Xomov oixCag (nicht 
iatiag wie Nauck angiebt) eine verunglückte, nicht nur weil sol- 
che änderungen wie des dtnaicovog ganz haltlose hariolationen sind, 
sondern auch weil der gedanke hier nicht taugt. Ebenso unver- 
ständlich ist übrigens auch der vorhergehende vers avty tov av- 
trjg 8aifi0v dvaxaXovfxht] , den noch niemand verständlich über- 
setzt, oder erklärt hat, was das avtrj avttjg zu bedeuten habe. 
H, Weber, der im Philo!. XI, p. 438 — 455 eine anzah! von stel- 



Jahresberichte. 123 

len unseres Stückes behandelt, ist in grrussem irrthum, wenn er 
seine Übersetzung* ,, et infelices liheronim in futurum tenipus res 
doniesticas" dem trag-ischen sprachg-ebrauch ang-emesseu erachtet; 
das blosse anuideg kann diese bedeutung- nie haben, ausserdem 
wäre die erwähnung- ihrer kinder hier g-anz ung^ehörig-, wo Deia- 
nira von den dienstmädchen abschied nimmt. Wir verbessern si 
rov (fsdoav ßXs'xpstEv oUercöv deftag ^ ExXaisv r] di'(TT7]vog mg oqoj- 
liivri avjij top nintjg önlfiov, avaKaXovfxfvi] TzaiSdg acp anaidaq 
ig 70 Xoinnv oixiag „so oft sie eine liebe dienerin erblickte, weinte 
die ung^lückliclie , als oh sie ihren eigenen tod (nicht blos den des 
g^emahls) vor ang-en sähe, indem sie dieselben hinfort ungflücklichc 
kinder des hauses nannte". Das war es eben, was die amnie 
aufmerksam und besorg-t machte, dass Deianira nicht blos schmerz 
über ihr ung-lück zeig-te, sondern dass sie abschied nahm, wie eine 
die sterben soll. Darum war die ang-abe cog oQ^yiivri und ava- 
xaXovfifttj notliwendigf. Frag^lich ist es übrig-cns, ob nicht ovaiag 
beizubehalten ist , das in vulg"ärer spräche mög*licherwcise den 
hausstand bedeutete, und hier gfiebt eine dienerin die rede der Deianira 
zu ihren dienerinnen wieder. Das yixl idg aber ist aus dem über 
naldag öcp g-eschriebenen avTag entstanden. — Endlich vermu- 
tbet Hertel v. 1046 xrJy Xoym ^ während Nauck sehr ansprechend 
yai Xnycß nay.n und noi\f}]aag iyco umstellt. 

Buchhoiz II, p. 16 g-laubt v. 80 durch die änderung" eig nv 
vaTsgnv „adversus aliquem qui inferior esset' herzustellen. 

A. Spengel meint, v. 1032 axotJ d' dxog, ai ft ij^oXoaaev ad 
^drriQ sei i^öXcone, irritavil y matt und unerträg-lich und vielmehr 
ffinXcomv zu schreiben. Die g"rosse entschiedenheit, mit der Spen- 
g-el das rechte g^etroffen zu haben behauptet, hätte schon die er- 
Wt'ig^ung- ermässigfcn können , dass t^öX(o<^Ev nicht so leicht 
in i/nXojntv übergehen konnte; ausserdem ist d)[ft rird önXnvv 
auflitllend und der g-edanke „heile den schmerz, mit dem mich deine 
mutter überlistet hat" so matt als mÖgflich und ung^eschickt aus- 
gpedrückt. /jro/lojdf»» heisst „mit dem mich deine mutter in wilden 
uufruhr versetzt hat*' und dies ist ein passender g-eg^ensatz zu 
äxelaOui, aufregen — stillen. 

A. Nauck beg^ründet im Philol. XII, p. 638 — 41 seine be- 
reits in der zweiten ausgäbe der Trachinierinnen über den schiuss 
des Stückes ang-eführten ansichten ausführlicher und vermuthet 
ausserdem v. 1260, da die prolepsis oo \pvxii axXtjQn hier nicht 
g'nnz augemessen sei, nxXtiQov xdXvßog. Aehnlich urtheill Hergk, 
der aber 1264 — ]'H\\} dem Hyllos lässt, umtr' beibeb.ilr und 12t)6 
nicht blos if 1 i^f n'dnTeg t(tyMr , sondern auch noch roir 

nQnrtffOftp'ro)) 'i, sonst 1269 ebenfalls rruOij tilgt und 1270 — 

1278 dem chore beilegt. 

Pkihktetet. 

Slartin scblMgt v. 125 vor r! XQ^h " Xci» ^^*^f*^^\ ir ifpit^i- 
»or, mit ousfltovsung von ^«, da« in den bUcbcrn nach Sianota 



(1:2^ Jahresberichte. 

g^estellt, von den heraiisg-ehcrn vor dieses wort g^esetzt wird. Dies 
wäre unnehiiihurj aber bedenklich ist der Vorschlag- im antistrophi- 
schen verse (AtXov ndlai fibkijfxd fioi X^ytii; y «t«^, to öov das 
wort fi^hjfAu auszustossen. — V. 174 uXusi d' inl navi] tm 
XQfi'f^^' lOTafAt'vw hält Martin die Stellung des artikels für fehler- 
haft, da in dem sinne von tj naoovoa igela entweder ;f^£m*,' ro 
lajd^svov oder to laTufitvop XQdag zu sag-en war, und er kehrt 
daher zur vulgata rcj) zurück. — Auch v. 300 (ji^QE — piux^ißi 
hält er nicht für richtig" und will /<«v>£ oder fmO^oig aufgenommen 
wissen. — Unzulässig aber ist v. 1140 upÖqO'»' toi j6 fxsv sv 
^Cxaiov sintTv, einovrog ds (itj qtx^ovsQuv s^öjaai yXcoaaag odurav 
die änderung von tinovrog in tly.orTogy 55viri (ergo etiam tuum) 
est id quod utile est iustum dicere, sin cedendum ei sit, non pe- 
tulanti lingua invidiosum animi dolorem proferre". Denn die bei- 
den gedanken hängen nicht zusammen und Philoktet ist noch lange 
nicht t'Ucov j wohl aber f|oü(7«s' Cfx^ovtQur ylcoacag odvrap. Die 
vulgata giebt einen weit besseren sinn, als die auch von anderen 
versuchten Verbesserungen. Denn da Philoktet eben den Odys- 
seus als einen hinterlistigen mann geschmäht hatte, erwiedert der 
chor: „es ziemt dem manne (dir;, das was frommt, für recht an- 
zuerkennen, und hast du es anerkannt, nicht durch Verdächtigun- 
gen dem schmerze luft zu machen ; denn Odysseus hat im auf- 
trage und im interesse des ganzen heeres so gehandelt". — Sinn- 
reich ist die Verbesserung der gegenstrophe v. 1163 ttqoq üsav, et 
tiai^si ^trcop, nlXaaaoTy evroia Tiuia nalärav dXXa yv^d^ sv yvwif-' 
071 001 xrjQK tdvd' aTioqjsvysiVf wo dXxd&ovT , ev yvwx)-' ori, aoi 
gesetzt wird „opem tibi ferentem, probe scito, ut hanc calamita- 
tem efFugias", mit Verweisung auf Bekker. Anecd. I, p. 383, 31 
dXxdOco nai dXxdü£iv: I^oq]oy.lrig xa'i yHiS^vlog' ar](Aa(iEi de to 
ßoi]&Eiv. Sollte aber auch äl-AaOslv ganz so viel als ßot]deTr 
sein, während es doch „von jemandem etwas abwehren" bedeutet, 
so wäre auch dies nicht richtig, da ihm der chor keinerlei hülfe 
bietet, sondern nur den rath giebt, die bereits dargebotene anzu- 
nehmen. Wir vermuthen ngog dswv, ei' ri at'ßet ^svor, ^aldadov^ 
elvoia ndaa neXaiav. ßdrra yvmd-' , ev yrmd-' ot* aov, nrjQii rdtö' 
dnoqjsvysir. fiaXdaaov ist durch einwirkung des folgenden neXdtciv 
in das in mehrfacher beziehung bedenkliche und auch dem sinne 
nach nicht befriedigende neXaoaov verschrieben. Das doppelte 
yiöädi ist ganz der gesinnung entsprechend, die der chor eben 
als eine wohlwollende und theilnehmende bezeichnet hatte. Das 
eingesetzte ßdvra aber scheint nothwendig, da sonst in der rede 
des chors nichts enthalten wäre, worauf die folgenden worte des 
Philoktet zu beziehen wären. Dieselbe auiforderung erfolgt v. 
1196 ßff&ivvr^ CO idXav, mg gb y.eXsvofiSv, — Die folgenden worte 
oiHT()d yuQ ßoansiv , döa'tig 8' exeiv fxvQi'ov dy(^&og o '^vvoixel ent- 
halten die grösste Verkehrtheit. Denn nicht die krankheit hat 
die in ihrem gefolge auftretenden übel zu tragen , sondern sie 



Jahrehbericlite. 125 

selbst ist ein übel^ das, wie die anderen die sich zugesellen, der 
mensch zu tragen hat. Es ist zu verbessern üÖuiji; ö^ tl ax^ip 
HVüi'nr a-jK^Oog n ^vioixii. Man übersah das häkchen am j|f und 
fiX^tt' konnte hier nur tx^ir sein, das übrigens schon an sich ver- 
dächtig ist, da der dichter, um eine genaue Übereinstimmung mit 
dem strophischen verse herbeizuführen, vielmehr iaxsiv gesetzt ha- 
ben würde. 

Buchhoh 1 schlägt v. 716. 728 Xsvöaoav d' ottov yrolij ata- 
10V f/V vÖaiQ ilti TiQoötrwfia = nAitüei näaiv ^ Oeico tivqi na^A' 
(farj<; Üita^ vnfQ 6xO(op, in der strophe vor qsvötov d' evt' ov 
yroi'rj, öTUTov ei\' vÖojo und in der antistrophe q>aah- statt nüaiv, 
ßergk tilgt yioitj und näaiv, was sich in metrischer beziehung 
empfiehlt. Aliein wenn es auch sehr wahrscheinlich ist, dass nä- 
oip ein flickwort eines metrikers ist, so sestzt dies doch die ver- 
derbniss der strophe voraus und es käme darauf an, hier die In- 
terpolation mit einiger Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, die natür- 
lich noch grösser würde, wenn durch die entf'ernung der interpoia- 
tion die sinnlosen worte Xtvaocür Ö' ottov ytoi'fj htX,, die man vergeb- 
lich zu deuten bemülit war, in eine verständliche und vernünftige 
rede verwandelt würden. Uns scheint nun nichts sicherer, als dass 
iSophokles geschrieben hat Xeiaamv Ö' ofifiQOv aiatov tiii vÖooq. Hin 
Bcholiast erklärte nebmiich die worte Isünaojv — usi nnorjerc^fia 
durch 0/701/ yt'oiij riQooeKo/tu und die über levaawr geschriebene 
glosse oTzoi; ypoitj gelangte mit Verdrängung von u^^quv in den 
iiixi. Sicher hat der scholiast noch das ofi(i(jov gelesen, wenn er er- 
klärt To f'l Ofi^itov ni'vtaii^xo^' vöa?(), /) TTtjyaior, /} Xifiiuini^ nicht 
nur weil er aiatop vdoiQ nicht durch el ofiß^tw avreajijxoi; 
rdfi'Q erklärt hatte, da pfützen auch bei gewöhnlichem regen er- 
zeugt werden, sondern weil er unmöglicli darauf verfallen konnte, 
bei r,rajot vÖüjq an nr]-/ai<n zu denken ; reichlicber regen belebt 
aber wieder die versiegten quellen. — V. H30 kommt liuchholz's 
vermuthung ofMfiu d' iÖtiv y inxoii zwar den zügen des hand- 
schriftlichen ofifiudi d' atifioa; nahe, ist aber gleicliwtdil zu den 
gewaltsamen zu zählen; an sich ist sie unbrauclibar schon wegen 
des yt^ und dann wäre ar/).a u rtrurui tutvt doch ein seltsamer 
cinfall. Kndlich sind ja Philoktet's äugen bereits geschlossen und 
der chor wünscht einen dauernden schlaf, also ist 'l'hiersch s ände- 
rung u^lvp nothwendig. — V. 1002 wird gar vorgesclilagen ui 
nj' ntt(f oa Uta). Ür. llop\te De comparatiou um et melnphornrum 
apud tragicot Griieco» u$u im programm des berlinischen gvmnn* 
«iums zum grauen kloster 1850. p. 17. 18 meint, l'liiloktet wün- 
■che ut üveM in aetberem »e auferant, dazu passe ttih und darum 
«ei der Optativ berzusteilen , oi'x ti oi/^fo aber bedeute nun iam 
ipse nie Ku.Htinere poMNum : funditus perii. Ob aber dieser gedanke 
in den Zusammenhang pusst^ Unsere ansieht üiier di4'H<' >.i>i)o 
haben wir im Philol. \ll, p. 170 ausgeHprochen. 

Im ttpecimen 11 wird von Buchhulz die stelle 13U3— .*(>, wo 



§SH^ Jahresberichte. 

Neoptoleinus scliliesslich zu Phlloktet sagt: li brii av TjfieTg dg^t- 
fjieVf si ae y iv loyoi^g ntCötiv Övvi^aofisa&u (x7]8ev cov Xsyco] oog gaar' 
ifiol (isv rmv Xoycov Xtj^ai, as ds ^rjv manfQ 'rjöt] ^fig avsv ö(jOTi]Qiag 
so abg-eäiidert ei äs fiifv Xnyoig n. övi^i^ffOfAeaOa ; fitjdsv ovv X^yco; 
Bonitz p. 65 hält eine änderung- nicht für nothwendig- , aber er 
muss, um anderes nicht zu erwähnen , vor mg den g-edanken ein- 
schieben „mein vortheil ist es nicht, den ich suche", wozu man 
keine berechtigung- hat. Das cog bleibt einmal verkehrt, denn Neo- 
ptolemus würde sag-en; „da mein zureden nichts fruchtet, so weiss 
ich kein anderes mittel mehr; denn das einfachste ist, dass ich 
mich meines Zuredens beg-ebe". Das verhältniss der beiden vers- 
paare ist klar und sind dabei die geg-ensätze Tjfxtlg und as ye, 
ifxol fAsv und as 8s nicht zu übersehen, so dass der sinn der stelle 
nur sein kann: was soll ich weiter thun, da keines meiner worte 
dich zu überzeugen vermag? es bleibt nichts übrig, als dass ich 
von weiterem zureden ablasse und du in deiner unglücklichen läge 
verbleibst". Dies wird Sophokles so ausgedrückt haben : ag saz' 
ipibv fABP tÖov Xoycov 'ktj^ai, as 8s tjjf, mansg ij8ij <^fig , avsv am- 
T7]giag; ganz so wird uga in affirmativem sinne folgernd gebraucht 
Aias 277 ag' satt lavra 8)g zog i^ aTzlmv xaxd ; Oedip. T. 822 
ag' scpvv Huxog; — Endlich wird v. 1443 vermuthet av^tj yäg 
svösßsia, avv&vijGüsi ßgozoig, was doch wohl durch den folgenden 
Vers wieder aufgehoben wird yctv ^äai xav &dr(X)aiv , ovx dnÖK- 
XvTai. — üeberzeugend wird von E. von Leutsch im Philol. XI, p. 
777 ausgeführt, dass auch die verse 1437 — 40 iyoo 8' I^öxItj' 
TZiov — dXmvai unecht sind. 

A. Spengel verbessert richtig v. 502 ag ndvza 8£iid näni- 
j<it'8vv , mg ßgoTOig statt des gewöhnlichen xd7nxiv8vv(og ßgocoig. 
Dagegen kann man es nicht billigen, dass v. 1128 co to^ov cpi- 
lov , CO q)iXcop I x^'Q^^ saßsßiaa^ivov der zweite der beiden an- 
geführten verse nach 1126 mit der änderung iaßsßiaafxsv av ge- 
stellt, und im ersteren qx'Xcov in qjiXor geändert wird, damit der 
ausruf m zohop cpi'Xnv dem ausruf in der antistrophe m 8vazavog 
iym entspreche. Bei Sophokles finden wir Wiederholungen dersel- 
ben Worte und Wendungen nicht immer an der entsprechenden, 
sondern öfter an einer benachbarten stelle. Noch weniger durfte 
Spengel im Oedip. C, weil v. 120 o Tzdvtcov 6 Tidvzoav axogsaza- 
zog steht, in der antistrophe 150 8vaaicov (layigaiojv t s&' snsi- 
ndaai das fiangaCcov in 8vaaio3r verwandeln. In der constituirung 
dieser stelle weichen die herausgeber bedeutend ab , und doch 
scheint uns Dindorf's lesart (aber nicht die interpunktion) ein- 
leuchtend richtig zu sein. Die lesart fiaxguiojv t cog sTistxdaai 
ist durch ein über das r gesetztes &' verbessert worden, was 
man dann für isd^ hielt, jenes t oj^' aber bedeutete / oa und 
der sinn ist: „du bist also wohl von geburt blind? unglücklich 
jedenfalls seit langer zeit, wie dein äusseres lehrt". 

In Hermann Bonitzs beitragen zur erklärung des Sophokles 



Jahresberichte. 127 

werden eine anzuhl von stellen aus dem Philoktetes und dem Oe- 
dipus anf Kolonus eingehend behandelt. Da aher der Verfasser 
dieser schätzbaren beitrag-e hauptsächlich die erklärung^ der über- 
lieferten lesart oder auch einzelner emendationsversuche im aup^e 
hat, ohne selbst mit vorschläg"en hervorzutreten (nur v. 1048 
wird übereinstimmend mit Schneidewin «xw* statt irog verbessert), 
so begnügen wir uns nach unserem plane auf diese schritt ein- 
fach hinzuweisen. 

Ostrowo. Robert Enger. 



Zn Lykurg-os. 

Leoer. §. 16: /Jtofiat 5* vfiwv, co '^Otjraioi uxovaai fxov rrjg 
xarr^yoQius Öiu 7iXovg, xai f*/} ax&tcOai iav «(;|to/u«t ano 7cjp 
rg ;yo>lfi tute avft^idvToav, «Xa« toig airioig 6()yi^ea&ai xal Öi 
nvg arayxd ^n^tai riv ftf^rr^aOat ntg} aiTojv, — Schon Franke 
bat in den Actis societatis graecae diese stelle richtig erklärt und 
sie mit Aesch. in Ctes. §. 233 in Verbindung gebracht: /} Öe xd- 
Qig 7X(jog ov f';f«^/Ctro adriXog ytyf'rr^Tai , i. e. /} Öf x^'tQig tovrat 
ddtjXng yr/bt)]tai noh^i ov iiuQiXErn. Aehnlich ist die vielfach 
missverstandene stelle bei luvenal. sat. I, 101 adcusator erit, qui 
terhum dixerity hie est^ wo zu schreiben ist: adcusator eril qui 
terhum dixerit: ^^hic estT^ d. h. accusator eril ei, qui verbum 
dixerit: hie estf So wenig also sprachlich gegen unsere stelle 
einzuwenden ist, hat doch in neuester zeit Jenicke wieder ge- 
schrieben: uXXu 70tg uiiiotg OQyiQtaOai Öi nvg druyxd^ofiui rvf 
utfitt^aOai ntQi «ircoi mit der bemerkung, dass die schuldigen 
nicht etwa diejenigen seien, die am unglü<k bei Chäronea schuld 
waren, sondern die , welche den redner nöthigen, jener Unglücks- 
fälle crwäliMung zu thun, d. h. f^eocrates zunächst, dann mit ihm 
seine freunde und vcrtheidiger , welche ihn aus diesem bände! 
gerettet wissen wollen. 

Nun über hat doch Lycurgus selbst klar gezeigt, dass eben 
leutc wie Leocrates schuld gewesen sind an dem unglück von 
Chäronea, cf. 59, 00, 03, 64 — 06 etc. Alle diejenigen also, 
welche gehandelt haben wie Leocrates , sind oi a'rio» r;/v (JVftq'o- 
l>i}< und diejenigen, welche wie Leocrates so unverschämt sind, 
dennoch in ihr Vaterland wieder zurückzukehren, oder diejenigen, 
welche lente wie Leocrates zu vertheidigcn suchen (cf §. 20), 
zwingen den rediirr , j«'l«t von dnii i!n"|ii.l, il..^: vf.i;iii.s xu 
Mprcchen. 

München. h. ii eidner. 



-9i> 



III. MISCELLEN. 

A. Mittheilung-en aus handschriften, 

i. Die zweite Wiener Persiiis - handschrift. 

(S. Pbilol. bd. XIV, p. 170. 379). 

Auch die zweite Wiener Persius - handschrift , nach Endlicher 
nr. CCCXXXIX aus saec. XI , verdient vor anderen genauere 
beachtung^, wie dieses schon aus folg"endem hervorgeht. 

1) Dieselbe gehört zu den ganz vereinzelt dastehenden hand' 
Schriften, welche Sat. I, 59 statt imitata est noch das allein rich- 
tige imitari bewahrt haben. Das sind nämlich der vaticanische 
palimpsest, der aber leider nur Sat. I, 57 — 103 enthält, der Cod. 
Leidensis = D (ed. Jahn 1851, nach Hermann's bezeichnung Schol. 
Pers. 111 = C), Cod. olim Laureshemiensis, nunc Montepessulanus 
2 = (Jahn), Cod. Bernensis 1 (zzz Bl), Cod. Ebner ianus 1= iS' und 
endlich zufolge C. Fr. Hermann 1. 1. p. 15 auch cod. Treclrensis '). 
Es reiht sich demnach der Cod. Vindobonensis 2 gerade den be- 
währtesten handschriften an; doch nicht bloss durch diese eine, al- 
lerdings charakteristische lesart, sondern auch durch eine reihe 
anderer nicht minder kennzeichnender lesarten zeichnet sich der- 
selbe aus. Z. e. Prol. prodier im CE \ 5 remitto (reliquo) ABCD\ 
9 nostra uerba BDE \ 12 refulserit [refulgeat) CD \\ \ 1 quantum 
[oquantum] in Übereinstimmung mit den besten handschriften des 
Lactanz, der diesen vers citirt | 6 examenve (statt -qua) 2) | 44 
feci (st. fas est) CDE \ 74 Cum-dictaturam \ V 78 turhinis 3) 
(st. temporis) C u. v. a. Doch wir wollen der collation nicht 
vorgreifen. 

2) Ausser dem Cod. Bernensis und Oxoniensis verzeichnet 
kaum irgend eine handschrift so häufig neben oder vielmehr über 
ihrer eigenen lesart die anderer handschriften : mit vel oder aliter : 
Prol. 3 prodierim, vel prodirem 9 conari , vel legitur blandirij 

1) Nach O. Jahn ed. 1843 gehört der Trevirensis nicht hierher, 

2) C. Fr. Hermann 1. 1. p. 8. 

3) Ibid. p. 51. 



MisceHeil. £29 

14 melos. SchoL: „melos, in aliis legitur nectar" Sat. I 21 ut, 
aliler ubi 61 ius, vel fas {man. 3) 92 ut, t>el et (man. 2) 

II 46 fotum, tel foetum 54 Excucia* [= t] , tel excucias 

Jll 2 ostendit, supra os: ex 108 adtende, aliter atting^e IV 

33 fig^as, aliter fricas V 59 Fecerit, aliter freg^erit 118 

repono, ahter reduco 174 quod, nel quem Vi 21 inrogans, 

aliter irrorans (man. 2). 

Unstreitig- als variae lectiones, wenng-leich der zusatz vel oder 
aliter fehlt, sind anzusehen: V 134 rogas, supra: „rog^itas" I 

59 imitari, supra: „iniitata est'' VI 46 captis : „uictis": ghssen 
dag^eg-en, die anderswo als lesarlen auftreten sind , Prol. 12 über 
refulserit: „i. refulgeat 1 36 über nunc non : „pro non nunc" 

Jl 25 über sulfure: „fulmine'' VI 31 über ratis: „nauis"' 

3) Kine reichhaltige varietas lectiununi alter codd. bietet diese 
handschrift auch dadurch, dass spätere correctoren die Ursprung-* 
liehe lesart tilg^ten und die anderer handschriften eintrug-en; und 
zwar sind die ursprünglichen lesarten erster band oft höchst be- 
deutsam und characteristisch. Man vgl. unten in der collation Sat. 
I 18. 21 I 72 tenens m. 1 (Vat. palimps.) 111 etenim m. 2 in 
rasurOj man. 1 onines< || 11 10 Ebulliat m. 1 | 25. 38 | 42 pin- 
gues m. 2 i» ras., grandes m. 1 ^ 46. 50 | 52 creteras (= cre- 
terras) m. 1. | 54. 57 purgatissuina corr. in purgatissiina jj III 
16 palumbo, pa m. 2. in ras., columbo m. 1 ? | 32 hoc m. 1., hie 
m, 2 I 76. 93. rogauit m. 1 . rogabit m. 3 | 104 lutatus m. 1, 
litatus e corr. || IV 27. 33. 38 || V 9. 58 Venere m. 1, lineolam 
adiecit m. 2 vel S \ 123 Tris m. 1, Tres m. 2, 3 | 154. 168 
censen m. 1 , cessem m. 2, 3 | 179 || VI 4 Ad(\ue m. 1 Atque 
m. 2 I 8. 22 magna nimis m. 1, magnanimt/s m. 2 \ 55. 56. 72. 
73 I 66 impoue, in m. 2, 3 in ras., man. 1 rcpone i opponc ^ 

4) Auch diese handschrift hat verschiedene der ältesten Schreib- 
weisen bewahrt. Im vorigen liegegneten wir bereits tris = tres, 
adque := atque, purgatissuma. Andre vereinzelte erscheinungen 
■ind fälle von nicht- a^similation: I 35 suiiplantat, III 110 subri- 
■it, 116 Hubposita, V 36 subposui || I 37 inprimat, V 32 inpune, 
62 inpallescere, 128 inpellit, 130 inpunitior, VI 21 inrogans, 73 
irimeiat |! V 100 conpescerc || I 102 adsonat, III 7 adsit, III 108 
adtende, V 38 adposita, 81 adsigna. — Dahin gehört mich, da.ss 
meist H in zuHammensetzungen mit ex nach dieser silbe fehlt .- I 82 

xultat, \y 19 cxpecJa, \ \M\ extincta. sogar extet I 57, rxere 
\ 119. Auf nichts anderes lauft auch die lesart exuberat III 89 
hinauH, indem mehrfach b für p irrthümlich gesetzt ist '^), nlso =s 
( f Hegefmaaig dagegen kehren wieder die NchreibweiHCn 

II, quirquid , cum etc. lem/^tare , consum/fsi e|r. ungiicre, 
ln.u««re etc., \upp\tvr, li//era, A/iulus, pi//eum. iieglrg», baca, bra- 
CHI UM, turreta, diwoucere, conivere, flleboru«, «mina, /lebenum, dazu 

4) Z. b. i, 34 &ilito. II 13 in&ello. 



130 Mlscellen. 

eu/tion, ho\us III 112 u. v. a. Wo die Orthographie ae oder e 
verlangt, wie in maestus, caelum, obscenus , cena etc. steht hier 
nirgends das sonst so g-ewöhnliche oe andrer handschriften , aus- 
genommen: loeti V 152, foenoris Vi 67, foeno I 72, aber 40 
richtig- Fenisecae. 

5) Desg"leichen weist auch diese handschrift manche sonder- 
lesarten auf, die weder Hauthal, C. Fr. Hermann, noch 0. Jahn 
erwähnen (sie sind unten durch g-esperrten druck hervorg-ehoben 
worden); dieser umstand ist nicht ohne Wichtigkeit bei einem 
Schriftsteller, bei dem es unmöglich ist einen codex zu ermitteln ^ 
der als fundament der texteskritik hingestellt werden könnte ^). 

Wir gehen demnächst zu einer beschreibung* dieses Vindobo- 
nensis 2 über. Er besteht aus 15 pergamentblättern gross quart, 
welche mit verschiedenen anderen handschriften desselben Jahr- 
hunderts zu einem grossen volumen zusammengebunden sind; das 
sind nämlich: 1) 42 blätter von Coelius Sedulius; die letzte seite 
enthält jedoch versus memoriales de avibus etc. — 2) Persius 
f. 43—57. — 3) f. 58 Fragm. Glossarii latini etc. — 4) Te- 
rentii Comoediae bis f. 134. Schon die äussere beschaffenheit lässt 
sofort erkennen, dass die Persius - haudsclirift früher für sich al- 
lein bestand. Sodann befindet sich auf der Vorderseite des ach- 
ten Mattes ein nicht deutlich mehr zu lesendes quaternio- zeichen. 
Danach wäre der letzte resp. zweite quaternio f. 8 — 15 (= acht 
blätter) vollständig, vom ersten dagegen fehlt fol. 1. Was auf 
diesem verlorenen ersten blatte gestanden, ist hinlänglich aus dem 
inhalte der erhaltenen ersten seite zu entnehmen. Denn so ver- 
schmutzt und abgenutzt dieselbe auch ist (ein neuer beweis zugleich, 
dass der Persius - codex früher für sich bestand , indem nach Ver- 
lust des ersten blattes blatt zwei die vordere seite bildete), so 
lassen sich doch noch einzelne worte derselben erkennen: „cogno- 
uit per cornutum anneum", in ziemlichem abstände davon : „arriam 
uxorem", gegen ende: „flauus praetextam uescio". Diese worte 
gehören der „vita A. Persii Flacci de commentario Probi Valerii 
sublata" an und stehen bei Jahn p. 234, 236, 237. Ein stück 
dieser vita scand somit noch auf der rückseite des abgefallenen 
blattes. Darüber werden recht gross geschriebene tituli gestan- 
den haben, so dass die Vorderseite völlig offen blieb, ähnlich wie 
bei Vind. 1. Auf der kehrseite des jetzigen ersten blattes (eigent- 
lich fol. 2) folgt sofort der prologus mit ausführlichen scholien. 

Die ganze handschrift bestand demnach aus zwei vollständi- 
gen quaternionen. Auf der letzten seite ist nur noch eine zeile 
offen geblieben. Subscriptio fehlt. Ob also mit quaternio 111 ein 
Juvenal begann? Bis auf die letzten neun Seiten (von Sat. V, 67 an- 
gefangen), welche ausser dem texte nur spärliche interlinear- glos- 
sen enthalten, sind die ränder, namentlich der ersten blätter, ganz 

5j C. Fr. Hermann. Lect. Pers. I, p. 6. O. Jahn. Prell, p. cxcni. 



^liscellen. £3f 

dicht mit scliolien beschrieben, und zwischen den Zeilen befinden 
sich gflossen. Leider sind jene nur unvollständig- lesbar, indem die 
Seitenränder und ecken nicht bloss stark ubg-enutzt, sondern auch 
vielfach verschnitten sind. Ausser hinweisenden zeichen sind g-e- 
wohnlich auch noch ieuiinata in abkürzung^en vorhanden. Im all- 
g-emeinen stimmen diese scholien mit denen des s. g. Cornutus 
überein ; doch haben sie sehr vieles von letzteren nicht, dageg-en 
auch manches, was beim Cornutus fehlt, aber theils im Vindobo- 
nensis 1 , theils im cod. Darmstadiensis , theils in anderen codd. 
g-efunden wird: z. b. findet sich g^leich anfang-s zwischen den scho- 
lien zum prolog- unmittelbar vor der beschreibung" des Psittacus 
der ganze abschnitt „Hie tamen fabulam tang-it. Phorcas" etc. (bei 
0. Jahn p. 241 f.), welcher abschnitt sonst irrig^er weise als an- 
hängsei hinter der Vita u. s. w. herzieht, in den meisten handschrif- 
ten aber ganz fehlt. Ueberhaupt hätten dieselben zur berichtigung 
der scholien des Cornutus nicht selten mit nutzen herangezogen 
werden können, so nachlässig auch gerade die scholien und glos- 
sen unserer handschriften im ganzen geschrieben sind. Dass sich 
unter den glossen hie und da einzelne altdeutsche Wörter ver- 
streut vorfinden, ist aus Graff Diutiska III 183 bekannt, wo die- 
selben zusammengetragen sind. 

Der /f-j/des dichters dagegen ist bis auf die verse III 100 — 103, 
V • Irlif; fast ganz verwischt sind, überall noch leserlich, vollständig 
< rli.ilten {ini\ deutlich geschrieben. Jeder vers beginnt mit einem 
etwas abstehenden grösseren anfangsbuchstaben , sonst erscheinen 
die initialen nur in den Überschriften. Statt u consonans steht 
manchmal r ohne sichtliches princip bei der wähl , doch bei wei- 
tem am häufigsten «; statt ti vor folgendem vocale oft ci. z. b. vi- 
rium, tcrcius etc.; statt e wenigemal ae z. b. aecho, öfter e statt 
rte, dm'h minder häufig als in anderen hanilschriften jener zeit ; 
Ktatt y gewöhnlich i fPliillidas), zweimal auch y für i: Pyrenen 
Prol. 1, stoycus V 86. Sowohl für quid als für quod erscheint 
meistens die abkür/ung qct. IJebrigcns muss schon das vorexem- 
plar, woraus \ indobonensis 2 geflossen ist, nicht bloss minuskeln, 
h itiili-rn auch vielfache nbkürzungen gehabt haben. Daher \\ 52 
(|ii;tiii sit uel curta suppellex, III 05 surgit tacife ucl lutea pellis, 
»tntt tibi ein uel, an letztrer stelle sogar mit der glosse späterer 
hand „i. etinm'^; denn für uel dient /, für tibi aber die abkürzung 
r' (V 23), und so steht auch / seihst II, 28 statt tibi. Ausser- 
dem muss da« fragliche exemplnr wie hier, so auch anderswo nicht 
besonders deutliche schrift gehabt haben , weMbalb der abscbreiber 
in zweifelhaften fallen beide möglicbkeiten anmerkt z. b. II 40 
fotum, tri foetum, ua« kaum als varia lectio angesehen wer- 
den darf. 

Spatere correctoren sind mehrere über der handschrift hcrge- 
Wesen; einer derselben hat ülirigens seiner Unwissenheit II SO 
tin denkmal gesetzt, indem er Kineris in Kmpseris umänderte! 



i.^^ Misccllen. 

Wir geben nunmehr im folg'enden die abweichung-en vom texte 
Hermanns (ed. 1854); doch glauben wir das bereits oben unter 
nr. 2, 3, 4 hervorg-ehobene nicht wiederholen, noch auch die fälle, 
anmerken zu dürfen, wo e st. oe, ae st. e, i st. y, ci st. ti steht. 
Im übrigen aber hat Übereinstimmung statt, wofern keine abwei- 
chung notirt ist ^). 

Prol. 2 parnaso CV \ 3 Memini me ut ABDE \ 8 psytaco| 
chere VD \ 9 Picasque CD | nostra uerba BDE | 10 ingeniique 
BCDV I 14 perpegaseum C. 

50^. /. Inscriptio duarum Unearum dilula | 1 hominum quan- 
tum I 5 PraetuleT | quod \ 8 Romae est aBCDE \ ac BCDE \ 12 
chacinno E \ 16 Et tandem natalicia | sardonice DV \ 17 colue- 
ri(s), s. in ras. m. 3, }X: collauerit \ 19 neque | 20 Ingentosj 

V 

21 scalpantur | 22 aligenis | 24 Quid E | 26 senium , m. 3 add. 
que I 27 est supra scr. m. 2 | 28 Ad (m. 1) AB; at m. 2 | 30 
nichilo A \ 32 est om. | 33 Rancidolum ax \ balbä | 34 isiphilas m. 
1 I balato I 37 post Felix m. 3 add. & | inprimot | 43 tus VO, 
m. 3 add. h | 44 eor aduersa \ 50 acci jB | 51 uerato | si qua eli- 
gidia I 57 propenso VCDE | sexquipede x in ras., ergo m. 1 ses- 
quip. VABCE \ 58 pinxit C \ 60 apula VCDE | tantum ] 61 ins est 
C I 62 postico I 65 unges V \ 69 eroas | 73 dentilia c \ 74 Cum 
ABCE I 75 cum (pro tua) | 76 ue^^sus | 77 que om. \ 81 istud 
VO I 82 Trosulus | 87 hoc semel ABDV \ est an \ 88 cantat | 91 
quaerela | 91 esi ut (v. s) | 93 didicit uersum | 95 apennino DE\ 
100 capud I 101 Basseris \ 105 atis 1 110 sf | 111 (V s) | 114 
Meite ACDEV | 115 muti F 1 117 ludet, supra i (— ludit) | 119 
mutire ADV \ 123 aflate | 124 eupolide j 125 decoceius | 130 
eminas ABDV \ areti CD \ 131 abac(h)o, h erasum \ 

INCIPIT SATIRA SECVNDA | 6 humiles murmurque \ 8 fides 
supra scr. | haec om. | 10 Ebullit C, yX : moriatur \ patrui ABDEcV\ 
12 Ercule | 13 Inbello \ expugnam ü^, yA: mittam foras \ nam est 
et I 15 in om. \ merges | 16 purges m. 1, purgcs m. 2 \ 19 uis 
supra scr. w. 3 | 19 et 22 stagio | 24 m. 1 putas VO, m. 2 pu- 
tes I 25 Sulfure m. 1 AE, sulpure m. 2 C \ 2S t (=z uel) {pro 

i 
tibij j 29 quodnam | 30 Empseris ex corruptela m. 3 | 35 macram 

at 
spem m. 3 in litura \ 36 Uci, m. 3 superscr. ni | 38 fiet | 42 {v. 
s) I 43 Annuere | 46 («?. s.) | 48 opi,mo corr. ex optimo | 50 ex 
^pes, sub ras., erat s | 52 crateras m. 2 (v). s) \ incussaque DEV\ 
54 (ü. s.) I ptrepidum, rep in ras. \ 55 subit BC \ 57 (p. s) \ 62 

6) yX = glosse, c^ = schol. dieser handschrift. Um schneller 
das verhältniss zu den fünf von Jahn (^d. 1851) herangezogenen codd. 
sowie znm Vindobonensis 1 überblicken zu lassen, .«etzen wir im falle 
der Übereinstimmung die betreffenden zeichen bei: (F= Vind. 1, = 
alle fünf Jabn'schen handschriften. 



Miscellen. 133 

hoc ABCEV I 63 diis CK | 69 o pontifices (o ex gloss. irrepsit)] 
70 \emppe | 72 messale V \ 

INCIPIT SATIRA TERCIA | 2 ostendit D, supra ex (m.2?)| 
7 otius D versus S post versum 10 10 bicolor positis AD 11 cartae, 
sine h seinper V \ uenit m. 2 corr. ex uenie I 12 Tum | queriturj 
pendeat, e suprascr. m. 2 ] 14 quaeritur \ 15 liuc eine DEV \ 16 
(r. s) I 17 papare DV ninutuin 18 reciises 28 steiiiate 31 di- 
stincti I 32 hoc m. 1, hie m. 2 C | et fibris V \ 39 aerea | 45 si 

ex corr. \ 46 Discere ABV | non sano DC \ maigistro | 50 angust<i\ 

V 

fallerer | 52 coruos j reprehendere | 58 Sftertis | 59 Hoscitat ^| 
60 in , quo, in quo ABDEV | 63 Ellehonim CD \ 66 et om. \ 67 
aut (pro et) D \ 68 flexus in ras. | 73 neque D \ 75 moniuienta 
DV \79 archesilas BDEVa/ \ salones DE Vax I ^^ trucinaiitur m, 
1, pro c m. 2 t I 84 nichilo — iiichil — nichilura | 86 in marg, 
inf., om. que, add. m. 3 | 87 chachinnos | 89 exuherat EV, exu- 
perat D | 90 a niedico (a ex gloss. irrepsit) | 93 jauturo | surentina, 
n supra scr. m. 3 | roc^auit m. 1 CD, rog^aliit m. 3 | 95 uel (pro 
tibi) yl: i. etiam (m. 2, 3) | 96 Ad m. 1 C. At m. 2 | 99 sul- 
phureaa V | exalente E \ 100 trienteni? dilutum , sed in schol. et 
trientem et trientem et triental explicatur 104 lutatus, corr. in lita- 
tus, yl : oblitvs vel unclus amonis 106 Esternü 108adtendeZ) llOTuric. 

SATIRA IV DE HIS QVI AMBIVNT HOXORES (B) \ 3 
hoc I 8 Mag-estate ET \ 9 reccius istud | 13 est i5 | 21 Dum nori| 
22 ozima D \ 25 uetidi D \ 26 non om. \ 27 diis m. 1 DV \ SS 
Ad m. 1, At m. 2 I cute, supra „vel cutem" 35 in mores | archa 

c 
iiaque DK I 38 gurgulio | 39 palestrite | 45 Protegit | 49 cautus 
muita I 52 uel (pro tibi), yX: „quam muUa tibi desunt.^^ 

SA^riRA V AD CORNTTUM | 3 inesto ABCD \ tragedo V\ 
7 eluone V \ 8 prognes CV \ 9 cliconi «n ras. (yX: glico) \ 15 
tcrin cDEV yX , ax^) \ 18 Cum, supta sc. m. 2 | pulhitis ABC- 
DEV yX. ax «) | 26 plectoria D \ 26 Hie AE ax: „in hac re 
ego , ad hoc centum ora habere cupiam , ut digne tibi dicam, 
quanta sit mihi cura tui \ 29 arrliana VD | 36 »ubposui d^x | 45 
federe B | 55 cimini { 58 /n uenere y m. 2 add. Uneolam == In 

7} yl: „slilo Hrribis paruo" ox- „ore leris. ila foruiato opprc, u( con- 
tra to lor|u<>ntibui figuratur terii. ezponia {»upra: com-) niodico brcui 
Herrnon«»" (iir;. 

8) yX '. „puliatia n. i. proptor trintoi fabulaa nigriH." aj( i „Non 
«•quificm b. a. p. ▼. m. n. p. l, nee atudiuni lale est, ul nioro graeco> 

'ulpntut tragoediaR orribam «. ronttMiipdiin mv RAtvram »rribcro. 

■^ aut nugi* traitnodiarum ait prnptrr «(rint^R TabulaK cl quin ni.ixinio 

; I ueale i. lugubri tragocdi ulcbantur. Lrgilur cipullaiit id cat or- 

'>?. Non eal hoc mihi nrnpoailum grnuM, ut »tudcAui pullatia nigrii 

;'"' '|iiam arribcrc i. purrillhuii ioria ac ucrbii, acd noa loquiuiur digna 

' iliu« urrbia rornute i. tullalii grecii." (6'ic!!) Cf. C Fr. Iler- 

iiiiiiti acbol. Pvra. I, p. 30. 



13^ Miscellen. 

ucnerem ( cirugra | 59 Fecerit AB (©. s) \ 64 cleantea | iuuenes- 
que senesque | 69 lioc C, yl, s. cras | 71 cantum BCV \ 74 Pub- 
plius \vs, 81 ante 80 | 82 pillea VO \ 92 Cum | 96 gannit | 99 
uentos (pro uetitos), yX: i. uenluosos \ 100 elleborum BCDV \ 102 

a 
Nouim I 107 uitanda D 109 Et C I 111 poscis | 112 saliuam 
sorbere \ 118 repeto D \ repono, alifer reduco | 120 tbure | 121 
Ereat (erreat E) \ seinuntia V | 123 Tris m. 1 ABCE \ cantumj 
satiri D \ 124 summis (pro sentis), yl: i. maximis \ 126 stigilesj 
palnea | 127 increpui | 130 quin CDE^ yJ : numquid \ 131 At * * * 
(supra quam) | et om. \ 132 eia F 1 134 rogas (ABCDE), supra 
rogitas | 135 hebenum VO \ tbus | 136 e siciente (e sitiente V) 
138 Varo BDV | 141 nil | qui in AB | 147 uegentanumque EV 
148 Exal*et \ 149 nummi VO \ 150 pergant AD \ auidos VO \ su- 
dare A \ 151 ienio | 154 scinderis in ras. | 156 alternos ( 159 
ast D I 162 cheristratus 1 163 Abrodens | boc | 167 diis | 168 
censen m/ 1 ACEV^ cessem m. 2. 3 | 172 ne nunc C \ arcessor 
(accessor ABV ^ accersor E) \ 174 quod CD (v. s.) | 179 Aprici 
m. 1, ex e corr. i m. 2| 180uenirem. 1, uenerew. 2| 183 tbimni(tymni 
C) I 184 tatiius ' 189 capud | 190 fulfennius | 191 centuce CD. 
SATIRA VI I 1 pruma (yl: hiemps) \ 4 Adque m. 1 | 6 Egre- 

V 

gios Ed I senes E — yX-, qui se putant egregios \ 8 scopoli | 15 
borti ABC \ 17 laguena | 18 oroscope | 20 Tinguat VO 21 in- 
rogans (irrogans F) (v. s.) \ 22 (v. s.) | 23 rombos CD 24 te- 
nuem — saliuam ' 29 littore DV\ 34 Negleget VO\urna \ 37 Tune 
bona etc. VO | incolomis D sed | 41 Haec cinere etc. CDEV \ 43 lau- 

ros I' 46 clamides BV \ 48 Diis F | 50 coniues CDEV \ arctojl 
creasque | 51 audeo CDE \ 54 sterelis | 55 bouillas ABDEV (b 
m. 3 in ras.) | 55 nichilum A | 56 uerbi «i, 1 C, uirbi m. 2 59 
Manius ABDEc \ 63 Pinguitur A | 66 mpone, in m. 2 in ras. 68 
iawi pensius D \ 68, 69 ungue ADEV \ 73 uubae, t m. 2 in ras. 
[uulwae ABC, uulgae F] 77 pauisse A | 79 lam redit in rugam 
decies \ 79 depingue | 80 crisippe V. 

Demnach bestätigt auch diese handscbrift die von Hermann 
zuletzt in der praefatio seiner ausgäbe besonders betonten lesar- 
ten I b examenve CD \ 9 Tunc CZ) | 14 quod CDV \ 17 legens 
OV I 32 circa ABEV \ 66 dirigat VcDE \ 86 doctas OV \ 97 
praegrandi ABVE \ 111 omnes omnes ? jj II, 14 conditur OV \ 42 
grandes? CD \ 45 Accersis CE \ 54 Excutias (excucias Vind. 2) 
D I 61 terris OV \\ III, 13 quod D (non sed) | 29 Censoremve 
CD I 34 rursu.n D \ 56 deduxit ABC \ 60 in quo ABDEV \ 68 
quam CD \ 78 quod satis est, sapio mihi VABDE || IV 26 milvus 
oberrat AEV \ 31 farratam ollam VEd \\ V 13 stloppo VDE\ 
71 dicas EV | 77 Vappa lippus BCDE (F) | 117 sub pectore F 
DE I 159 ast D \\ VI, 9 cognoscite VABDE \ 61 poscas CD\ 
69 coquatur CE, 



Miscellen. 135 

Von andern beinerkenswerthen lesarten seien ausser den g"leich 
einganfiTS ang'eg'ebenen noch folg'ende auch von Hermann festge- 
haltene hervorg'ehoben : 

Prol. 4 Ueliconiadasque D | 5 remitto (st. relinquo) ABCD\ 
lambunt CDEV \\ I 44 teci ö/ CDE | 51 si qua ADE \ 74 dicta- 
turam D | 87 Laudatur cEV | 95 Sic DV \\ W 9 munnurat BDCE 
V I 48 At tarnen ABDEV | 70 donatae a ^C | 73 aninii D ji III 
9 dicas ABDCV | 16 at cur ADE \ 66 Discite, o niiseri ABCdEV] 
118 sani esse BCDE \\ IV 9 puta BC \ 37 Tu cum BD | 52 ha- 
hita, noris D || V 35 Diducit V \ 78 turbinis C \ 84 licet V0\ 
uoluit cD I 90 Masuri ACEV \ 105 speciem yl C \ 134 Et quid 
OV I 174 nee | 185 Tum \\ VI 9 Lunai CDEV \ 10 destertuit 
yX 0\ I 24 turdarum BCEV \ 35 inodora VCDE \ 76 nee ABDEV 
u. a. dergl. 

Ueberraschend ist demnach die ähnlichkeit zwischen unserer 
handschrift und dem trefflichen Cod. Leidensis D gerade in charac- 
teristischen lesarte«; aber wiederum giebt's auch der abweichun- 
gen genug-. Vind. 2 kennt z. b. nicht den vers des prologs cor- 
uos quis olim concauum salutare, noch liest er I 69 docemus statt 
uidemuN, oder 74 quem statt cum u. s. f. Gleicherweise stellen 
sich auch bei auffallender Übereinstimmung nicht unbedeutende di- 
vergenzen mit C und E heraus, desgleichen zu dem Bernensis 1, 
mit dem unsere handschrift die nächstgrösste Verwandtschaft hat, 
ebenso zum Vaticanischen palimpsest. 

So wenig sich nun auch eine gewisse Verwandtschaft zwi- 
schen den genannten handschriften und der zweiten Wiener ver- 
kennen lässt, ebensosehr muss andererseits auch eingeräumt wer- 
den, das» der text einer jeden derselben im laufe der zeit eine 
t(Mhe von Umgestaltungen auf grund andrer zu rathe gezogener 
handschriften und deren glossen erfahren habe. Jedenfalls aber 
gebort der \ indob. 2 auch zu den wenigen unter den zahlreichen 
l*ersius -handschriften, die einen hertorragenden platz beanspruchen 
und ron der ktihh nicht nu beachtet gelassen xrerden dürfen, 

\\ i* I Dr. Anton Goebel, 



B. Zur erlilärun(]^ und Isrilik der scliriftslcller. 

8. De vocaliiilift dormiendi g;racci8. 

Sermo graecus latinum vinrit multitudine verborum dormiendi, 

"' n, daQ^äytiv, (^Quihiv) xywtfHv, ßi^t^nv, hwftp, vTivovy, KOi- 

)m, quonim tria priora themuti careiit , neque verba adsunl, 

uni illoruin nffirla rriMiamus. Sed ab huiusmodi parasclienm- 

.. non alirna vidnifiir fi^^i^nv et {i{f('fnyy qune nun solum lite 

ran principaleH inter «e partiripant, sed etiam intellertu qiiodani 

modo roiiv <-i>i>>iii , Kiiiiiiilrm i»1tn'|i«'iil r sninnii nftili gra\an(nr 



i36 Miscellen. 

(ßaQv&ovCt). Quod sequitur, succrevit simpliciori avsiVy quod 
grammatici ab aa> lo iwict) arcessunt, unde facilis ad dormientes 
translatio: v. Rliem. p. 4, p. 11 et 14. Quemadmodum autem io 
sermone g-ermanico verba hauchen (fauchend) anfachen (v. Grimm, 
lex. s. vv.) et latina flaro, ßagrare, inßammare intcr se cobae- 
rent, eadem ratione continentur äetv spirare et i^av6i>v incendere, unde 
(vav(ffia et spissius aTtzu) (cf. d^qavWj &QV7nw). Koi^av modo 
consopire sig-nificat, modo dormiturum ad cubile deducere, medium 
xoi>fiäa&(u dormire solum ut laveiv, quare jure adnumeratur syno- 
nymis. Prototypi loco accipitur xio(jLUi> xeXfiub quod de inanimatis 
quoque dicitur, sed activum xcw sive Kf^to ^) restricte de iis qui 
cubaturi vel cubitum ituri sunt aut qui cubare g"estiunt. Cetera 
quae in hunc intellectum feruntur, non per se nee directe dormire 
sig"nificant, sed per synesin sicut vvard'QEiv sive viv(Sidt,si>v ^ quippe 
quia somnulentis oculi connivent, caput nutat; alia a substantivis 
dueta quae cubile denotant svvut,HV sive wvdvj xotrd^sLVj Xi^a<S- 
■d-at f vel a tempore, quo dormimus, ivw^svew pernoctare; sed 
huius notionem obumbravit Sopbocles in splendido illo carmine 
quo vim Amoris celebrat ad omnes animantes permeantem ^'Egiog . . . 
xal iv änalaXg itaQHolg vednSog ivw^iVH, nam pulcbritudo oris, 
qua iuvenes alliciantur, per tenebras noctis tota latet; nihil inso- 
lentiae Labet Horatianum, quod interpretes apponunt Cupido Chiae 
excubat in genis , neque offendit verbum quo Paullus Silentiarius 
utitur iXjrtg ofifAuGi^v ivStan; memoria nominis unde fluxit ex- 
tabescente. Hactenus de verbis. Substantiva huius classis qua- 
tuor novimus quorum tritissimum est, idemque parag-ogorum 
feracissimum vTrmg, unde et verba proficiscuntur vnvovv^ vjivojt" 
ZHVj vjtv[^€iv et adiectiva vitvaXiogj vTTfwJjyg, avjvvog cett. Sub- 
stantivum, quod his antecedit, primitivi simillimum videtur, neque 
tarnen repug-naverim , si quis cum vno , vTTitog, suppus cohaerere 
et posituram dormientium exprimere suraat , qui exporrecto cor- 
pore Caput reclinant: vTFrtog Qeyxst ttsCojv Aristophanes, stertuntque 
supini Horatius. Cum somnus Gellius componit sopor, quod literas 
principales cum virvog communes habet. Alii a graeco dmg opium 
repetunt propter vim papaveris soporiferam et quia sopor praeci- 
pue somnus gravis similisque torpori lethargico sive veterno vo- 
cari solet. Huic vicina sunt xdgog et vojxaQ a xdga, ut videtur, 
parique intellectu posteriores xwfjia usurpant. Vetusta vox est 
awQog sive WQog a verbo unde manat lavei^v, id est respirare, 
ävjwovg vvxiag iavuv Homerus de iis qui noctem insomnes trans- 

1) "Oqöo xsoiv, ßrj xeicoy Homerus accentu gravi, quem Alberti resti- 
tuit Hesychio xscSv xot/^tjS-^aü/uspog. Apud Eur. Suppl. 773 xsco prae- 
sens est futuri loco positum per antichronismum , de quo dixi ad 
Buttmann . p.489 ; sed Dindorfius et Nauckius circumflexerunt /«c3 eo- 
demque modo Bekkerus in Choerobosci canone \290 drjfidovfTai, ib ix- 
Xscü olop xccl t6 xaiaxXifvg naq" Eifnohdb (Meiaek. 545), quod ed. Oxon. 
663 x^^ exhibet, 



Miscellen. •£37 

ig-unt. Praeterea sunt qui awiog sive au}TOV inter vocabula somni 
referre dig-nentur, liinc verbum fluxisse rati, huic autem Humerum 
e puralieio adiunxisse nonien conseiitaneum vnvov dwistv. Pars 
nHiiur interpretum ad ätjfn redit, quod convenit Virg-IIiaoo somnum 
proflare. 

Reg^imontii Prussorum. Chr. Aug. Lobeck. 



3. Kritische beiträg^e. 
I. Zu Hesjchius. 

*/i nodv aai: ccTzodvdst. So die haiidsclirift. Schmidt 'Ano- 
8v: unodvaai, unoSvöi. Das richtig-e ist wohl 'Anobvaat,: ano' 
dvdi, Umg^ekehrt ist die folgende glosse 14 n o8voi : än68vaoi 
so zu schreiben Anodv&i' aTTÖduGui. Sie bezieht sich auf den 
luenandrischcn vers bei ßekker Anecd. p. 427, 25 

unndv&i Tccpcoi,', FlufiCpiX', ijfiheQOi 6 nkovi. 
Denn so ist dies in der handschrift äusserst verdorbene fragment 
in den Com. III, p. 491 emendirt worden, also längst vor Cobet 
\\ L. p^ 50. 

EiiJirjr: ovioa^. Es ist El ft^v herzustellen, gleichbedeu- 
tend mit 7 fii'jv, eine form die sich in der neuerdings entdeckten 
messenischen inschrift (Archaeol. zeitschr. 1858 p. 253, 27) fin- 
det oQxt^ovKOP tov yvvatxov6(A.ov — e1 (auv t^eiv inifit'Xeiai'. 

'ExQi^fiptanf. xarrjxnvTiaav. So ist in der neuesten aus- 
gäbe des Hesychius geschrieben worden statt des handschriftli- 
cben xitrexorTtjöav. Allein xqjjuviXbiv kann doch unmöglich die 
bcdeutung von dxovTi^tiv haben, und die bandschriftliche lesart 
führt siebtbar auf xaTFnovttaay. Das herabstossen von einem 
xQTiiAtn^ in das meer wird öfters erwähnt. 

' E8 CO 8 ifÄO (i : rpo)xr;yv', ßi>(oni^o<i. Das glossirte wort kann 
eine active bedeutung nicht gehabt haben und wird mitbin falsrb 
durch TQCoxr^^ erklärt. Es ist dafür iQOixroi zu setzen. 

Ai'aiTu lov ovQavov: rn rpuyeTv tn nitir. Diese vi('ll)e.spr<»- 
cbene glosse, über die ich im Philol. XII, 600 gehandelt habe, ist 
vielleirbt ganz einfach so herzustellen dass 8()((,tnv statt ovQuvnv 
gpsrbricbeii wird, also 8[uitu t o v t^ü t o v , vielleicht aus einem 
komiker. 

II. Zu PhilostratuM nagi YVfAfaauxij^. 
l'iiiloNtr. 4, 5 /} fitp yaQ ndXai yvfivaanxi] MiXcnm^- r.ioiti 
Hat ' I rt n oaO iv tm lInvXv8u^uvtii^ re xu) fI^Ktfiuxov^\ So 
Dnremberg statt der baiid.schriftlirben Überlieferung ' i n no d O h v a i^', 
von \v«'lcber abzuweirbeii kein grund war. Die noniina propria 
der dritten declinntion auf i/c werden im jduralis ganz richtig nach 
der ernten declination gebildet, z. b. oi /JijfAnaOt'fni und AituJtoq^ii- 
tai bei (*ho€roboNcui« in Bekker Anecd. p. 1101 ol /itoytpai bei 
Theopbiluf c. Autol. 11, H und oi ^flox^atai not oi //^larorpaVai 



138 Miscellen. 

bei Maxiinus zu Dioiiysius Areop. p. 2^ Auf d«rselben seite 
zeile 19 ist vielleicht ufiTztlov t6 ofioia sti nal avxijg ömqu zu 
lesen, statt des minder concinnen UfATZsXoi ze ofioiay tan nai av- 
xrjg d^QU. 

P. 10, 12 aKOVG) 8' avia xai /Jelcpmv , STzeidrj ngog Iviag 
tKiv (DcoxiÖcov Inolipujaav. Eine ellipse von nolsig anzunehmen 
ist um so bedenkliclier , je leichter dies wort vor ETToXsfxrjauv 
übersehen werden konnte. 

P. 30, 2 nai Ol Tzlaa&tvtsg ya in IJQOfxrjß-mg — reo nq' 
X(p yvfiv aadf4.svo i — TzXdtTsa&ai vno lov n^jofti]08cog voovto. 
Statt y V ^v aa d fx Bv i wird iyyvfivaadfisvoi zu schreiben sein. 
In dem auf derselben seite edirten scholion tovtop (Aiayogav) 
V(ÄVt](Ts nivdaQog iv rqj siösi rööv 'OXvfiTiicov , ist «V t^ C si^ti 
zu schreiben. 

P. 44, 9 dyvosia&GJV nrj Tzagovisg tqj TraiSl ig itjv itgiaiv, 
Tzmg ßaaaviovfASv trjv xoiaiv; So ist zu lesen: gesetzt die eitern 
sind nicht bekannt , wie werden wir die abstammung der söhne 
prüfen ? 

P. 78, 10 ri fisv ovK av iv ^ Icovia, ri 8s ovx av iv 'OXv^i- 
nia ysvoiTo in^ alaxvvrj tov almvog. Cobet in seinen reichhalti- 
g-en bemerkung-en zu Philostratus vermuthet diese worte habe 
Mynas interpolirt, und folgert dies aus dem allerdings sehr 
befremdlichen etz ala^vviß aimvog, ä la honte du siede, wie 
Daremberg" übersetzt. Diesmal g-laube ich geschieht dem Mynas 
unrecht. Die stelle ist ganz in Ordnung, wenn «;r' alaxvvrj dyui- 
vo g geschrieben wird. Ueberdies stosse ich in den angeführten 
Worten bei ' Icoria an. Das factum, das dem Schriftsteller zu die- 
ser expectoration den anlass gegeben, hat sich in Griechenland 
und zwar in den nemeischen spielen zugetragen. Was soll also hier 
die erwähnung loniens? Zwar kamen aus lonien und namentlich 
aus Milet viele athleten nach Griechenland; allein die betrügereien 
die Philostratus rügt, und der schnöde handel der mit der sie- 
gespalme getrieben wurde, war doch nicht in lonien begangen, 
sondern in den hellenischen wettkämpfen. Ich halte daher ' Imvia 
für verdorben, und zwar aus 'la&ixia. Denn so konnte einem 
Philostratus gar wohl einfallen statt la&fxoT oder iv 'la&fiq) zu 
sagen. 'la&fiia yrj zur bezeichnung des Isthmos ist bei Dichtern 
nicht selten, und wie z. b. iv 'Po8la^ iv 2!a[iCa u. a. gesagt 
wird, so iv ' la^^iia für 'la&fioT, 

III. '^7t6XX(ov. "HXiog. 

Was Ruhnken Epist. crit. p. 203 und seinen Zeitgenossen 
noch unbekannt war, dass die beiden vorangestellten namen in den 
handschriften häufig verwechselt werden, ist heutzutage jedem an- 
fänger in der kritik hinreichend bekannt. Ein so viel ich weiss 
noch nicht bemerktes beispiel findet sich in den Bekkerschen Anecd. 
p. 443, 33 wo es von den attischen richtereiden heisst: jQHg 81 



Miscellen. 139 

{^eoifi; cofirvot, /iia /ltifir]7Qa x«J "Hltop. Dies widerspricht der 
Überlieferung- hei Aristophanes Equ. 491, Demosthenes c. Callistr. 
§. 9, Dinarchus heim scholiasten zum Aeschines Timarch. §. 114, 
und Püllux VIII, 122, welche einstimmig- Zeus Demeter und Apol- 
lou als diejenigen götter hezeichnen, hei welchen der richtereid 
g-eschworen wurde. Es ist also ' u^TTolXwfa statt "ffXim zu schrei- 
ben. Denselben fehler habe ich in den Analectis Alex. p. 184 
noch einmal in den Bekkerschen Anecdotis p. 331 nachg-ewiesen. 
Statt des Apollo im richtereide nennt der Verfasser des einschieb- 
sels in der Timokratea des Demosthenes §. 151 den Poseidon : 
sTxofirvfai Jia TJaoeiSära /1ii^t]TQa x«) i/iaQÜaüai f^oj/siuv 
iavTw u. s. w. wo aber unbedenklich 'ATzoklcora herzustellen 
ist, von dessen ven^echselung^ mit Fla a fid öjp in den handschrif- 
ten unzweifelhafte beispiele vorliegen , z. b. bei Stephanus Byz. 
p. 416, 16. Auch ist die palaeographische erklärung- dieses irr- 
thums ohne alle Schwierigkeit. 

IV. Zu Aeschylus. 

Im Prometheus schliesst Hermes vs. 319 seine androhung 
noch härterer strafen, welche Zeus über den Prometheus verhän- 
gen werde, mit folgenden Worten 

märe üoi rbr rvv j^olop 
naQOvra fio^f^mv Traidiav ehat doxfh. 
Dass ;|roXo)' verdorben ist leidet keinen zweifei; ob aber ojfAo»-, 
das, wenn ich mich recht erinnere, zuerst von Döderlein in Vor- 
schlag gebracht worden, das hier zu wünschende wort ist glaube 
ich kaum und empfehle dafür or/lor, also die last deiner gegen- 
wärtigen mühen, nicht das gewimmel. 

\. Zu den Sibyllinischen orakeln. 

iiass in den Sibyllinischen liedern Überreste antiker und echt 
hellenischer j>oe.sie enthalten sind, ist eine wahrscheinlich nicht 
von mir zuerst gemachte bemerkung. Ich beschränke mich vor- 
läufig auf ein heispiel aus dem driffcti IhkIic. das ich im Piiilol. 
XIV, p. 31 so hergestellt habe: 

KvQfOii hu) 2>aQda) ntydXui-y /fi[fi<ii >,<; ut'/.)uti^ 
yat nXrjftnig ayt'otn Oenv xnra ßnOea nortov 
diaorrai, /i/y« Oavfiu {fnXunfiuioii rexhinnir. 
Kn int dies ohne zweifei ein echtes altes orakel, in dem nher der 
christliche Überarbeiter auf seine eigene haud ayioio Otov statt 

dci UrMpriiiiLrlI*-li«'li i't'jnnt, ^}yt>i> Lri'si'l/( liaf. 

Vi. ( ^t'fjv^'. /.h 'Txo/.o^'. 

Der naiii i iitTges X)0{}Vii wird in der Kuhnschen «eit- 
«clirift für vergleichende »priichfumchung 1859, heft i (a. Philol. 
M^, p. 11?) von Legerlütx auf o(»(/«v »urückgcführt ^f-r -flmint 



i^ Miscellen. 

"^O&Qvg nichts anders zu sein als oq>Qvg^ eine bekannte bezeichnung 
von berg"kuppen; 6cf{)vc aber verhält sich zu o&Qvg wie (jpotV« zu 
&oipa und vieles derselben art. üeberdies vergleiche man die 
gflossen des Hesychius 'O&Qvoev 7Qa)(^Vy vXwÖBg, daav,xQjj[4,tmdss 
und "0 «'> Qv v KQijtsg ro ogog. 

Im zweiten heft derselben Zeitschrift von demselben jähre (s. 
Phil. 1. c. p. 443) wird von Benfey övaxolog mit ßoi'xoXog, ütijxo- 
Xog u. a. zusammengestellt und auf >ioXsTv colere zurückgeführt; 
andere dachten an yioXog^ die speise. Einfacher aber ist es mei- 
nes erachtens an lo noXov = zo evrsgov zu denken, wonach svxoXog 
soviel als BvanXayxfog und dvayioXog soviel als Övastiegog aaxo- 
anXayj^vog sein würde. lieber das seltene xöXop in diesem sinne 
ist ausser Aristophanes Equit. 455 roig ivtsgoig xal toXg yioXoig 
und Pollux II 5 209 noch eine glosse des Hesychius zu verglei- 
chen, in der dasselbe wort herzustellen ist, "^Hcpvasv: 8i8teiiEv. 
noXov ajtijvzXrjasv. Was die herausgeber über diese glosse ge- 
sagt haben ist ganz unhaltbar, das richtige ist "Hcpva sv: 8tt- 
ze(Ä8 xoXov. an^vTXtjaev. Offenbar ist dies eine homerische glosse, 
welche das dreimal in der llias wiederkehrende öta z' evtsqu x^X- 
xos i^(pva8 erklärt. 

VII. Die Thibronische silbermünze. 

Pollux III , 86 stellt verschiedene bezeichnungen schlechten 
silbergeldes zusammen, nagdaijfiov , TzagaasarjfiaafÄSvov ^ x^Xuoyga- 
70V, xißdi]Xov. Hier schaltet die treJBTliche Falkenburgische hand- 
schrift nach ^aXxoxgajov das wort d^ißgoviov ein, welches mit 
leichter Verwandlung in &ißg(6vEi.ov unbedenklich eine stelle im 
text verdient hätte. Zugleich erfahren wir nunmehr von welcher 
beschaflFenheit diese münze gewesen sei, was aus der einzigen 
stelle, aus der das vofiiafxa &ißg(6veiov bisher bekannt war, nicht zu 
lernen war. Denn wenn Photius Lex. p. 92, 15 sagt 0ißgc6- 
v[e]iov vofiiafj.a: doxei anb Oißgvcoog tov ^agd^avTog eigtja&at, so 
konnte man noch immer nicht wissen, ob eine gold - oder kupfer - 
oder silbermünze gemeint sei, noch viel weniger dass dies silbergeld 
eine beimischung von kupfer gehabt hat. Wer ist aber dieser 
Thibron, von dem dieses vofAiafAa benannt worden? Ich denke 
kein anderer als der aus Xenophon und Diodor bekannte lacedä- 
monische Harmost in Kleinasien. 

VIII. Zur griechischen anthologie. 

In der anthol. Pal. XI, 280 steht folgendes epigramm des 
Palladas : 

BeXtsgov r)yEfi.6vog lyoTOXTovov ig xgiaiv iX&eiv, 
7J 70V lEigovgyov Fewablov naXdiiag • 

og fisv ydg qjoveag caicog atvymv HaTa7Sfivsif 
og ÖS Xaßojv fÄia&ovg sig ^ Atdriv xaidysi. 
Was ein riyei^mv Xya70X76vog bedeute wird niemand sagen können. 



Kliscellcn. 141 

Man erwartet für rjysfiovog einen eigennamen, und der ist nicht 
weit zu suchen. Offenbar schrieb Palladas: 

Bfltsgop 'HyhfJLOvog XijcsToxTovnv fV xQiaiv il&stv. 
Den nanien Hyffioav weist Dindorf im Thesaurus aus Deinosthe- 
nes und Arrian nach, g-jaubt aber dass dort ' Hyt'jpKov zu schrei- 
ben sei, eine vermuthung* die sich nunmehr als unbegründet her- 
ausstellt. Ein anderes epigramm desselben dichters Anth. Pal. 
X, 77 lautet im ersten theile so: 

Time ^uTtjry urÜQCone , Tzoreig x«i n avi a t a q d a <j s i gy 
xXriQO) dovXavoii tcjj xara itjt yittaiv ; 
Die herausg-eber , die an nuvza jnQaaasi<i keinen anstoss g-enom- 
men, scheinen ndtra laQuaaeiii im sprichwörtlichen sinne etwa 
von ndvta XiOov xtretg genommen zu haben. Bis die möglich- 
keit einer solchen deutung nachgewiesen ist, mochte ich vermuthen : 

Tinii fjidztjp, apO()(ü7T8, novtlg ^ou navta t egd^fn^ 
ex omni re omen capis, wofür ich eine bestätigung im zweiten 
verse zu finden glaube. In einem dritten distichon des Palladas 
anth. Pal. X, 93 

BiXjfQüp icTi Tyjfj/f xai &). tßofxivoig dpsxsa&aiy 
^ tmp nXovTovpTcop rtjg vjisQTjqiupiTjgy 
finde ich im ersten verse keinen passenden sinn , der aber durch 
diese änderung gewonnen wird: 

BeXreQOP iaii z v Xfj '»^ xoti &). ißofxi^vtjg dpfx^a&aiy 
wo tv^i] &lißo^f'vtj angusta. afflicla fortuna ist, in welchem sinne 
dies verbum, sowie auch das Substantiv ^Xixpig , namentlich hei 
späteren häufig gefunden wird. 

Ein nicht ganz witzloses gedieht eines ungenannten Verfassers 
X, 118 

nmg yiPOfitjp; no&ep eifii; ripog x«'?*' V^^^*' aneX&eip; 
nmg Övpafjirti t< fia&etp fttjdep iniardfispog \ 

ovdip id)P YBPOfiTjp' ndXip f.aaofiai, tag ndgog tja. 
ovSep xai fAtjder tcov ^eQonojp ro yfVoff, 
wird durch die abenteuerliche Verbindung von ot^f»- xai ^jyÄ*»' entstellt. 
Mit recht findet ein gelehrter in der Mnemosync IM, p. 366 diese 
Verbindung lächerlich , ohne zu sehen dass der dichter ausser 
schuld ist. Dieser schrieb vielmehr: 

ovj?^» ta)p yer/ifitjp' ndXip eaaofiai, tog nagog^a, 
oi'Sf'p. xui fiTjdtp Tcüi' ^ii-günMp TO yfpog. 
Im ersten verse ist dntXOeip nicht zu verstehen, vielleicht hiesa 
es Tipog xdgiP tjXOoPt finrjXOnp; 

lu einem unter, dem namen des Aesopus X, 123 uns erbal* 
tenen gedieht heinst es im anfang : 

llwg rtg uptv Oupdtov at (pvyot ßU; fiVQta yag <t8V 
Xvygn- xnl o're qivyeip ivuuQpg ovr§ qp/(i#ii* 
Ich dächte es läge /.innlirb imf (irr luirid. dusH der dichter ge- 
schrieben habe : 

JiO)g tig uttv X n f* u T u V o« 'f 70 f"» 



142 Miscellen. 

Ein kleiner fehler scheint auch in dem epigramm des Simo- 
nides X, 105 zu stecken: 

Xui(j8i 7ig, ötodcoQog stiei Odvsv ulXog sti' avj^ 
"^aiQfiaei ' ■d^avdrcß ndvreg ocptiXofxe&a. 
Die mang"elnde Verbindung* der worte dlXog in avxc^ laiQj'iaBi 
wird durch eine leichte Veränderung* herg^estellt : a'kXog iri al tw 
Xvciij/jöei. 

IX. Zu Ion dem tragiker. 

Das 41 fragment dieses dichters lautet bei Nauck p. 547 wie 
folgt: et d' sym 6(j\*}og lÖtiv ßiop dif-'Qog, co nolirjTai. Aufbewahrt 
ist dasselbe von Aristophanes ran. 706 «t d' iya OQ&og lötiv ^Cov 
dv8'()og ij tQOTznVf oaxig st' oi^oo^erai, wo der scholiast bemerkt 
zovzo "loavog lativ in (Poivtaog rj Katticog. d ö' iym n(jd6g idelv 
ßCop dvfQog, cö TioXirjtai. Es ist mir sehr wahrscheinlich, dass 
die Worte ? tqotzov, welche Aristophanes nach dvtQog hat, auch 
im verse des Ion standen , der nun ein dactylischer heptameter 
sein würde. 

Si ö' iyoo OQ&og ideiv ßi'ov dvsgog ^ rgonop, m TTolirjrai. 
Und gerade die Seltenheit dieser rythmen mochte die weglassung des 
/) iQonov in dem verse des Ion, der ohne jene worte einen dem 
scholiasten geläufigeren rjthmus bildete , veranlasst haben. Eine 
bescätigung dieser ansieht finde ich in dem 53 von Philo Jud. 
vol. II , p. 466 erhaltenen fragmente aus einem nicht genannten 
stück des dichters, welches gleichfalls einen dactylischen heptame- 
ter enthält: 

01*0' j'fi ffcojwa tvnug diqiveig te nogag sTziXd&etai aXiiäg, 

dXX oXiyodQavicov (fdoyydt,ttai , 

&dvarov ö' oys dovXnamag TTQoßi-'ßovXsv. 
Bei der Seltenheit dieses rythmus, und da es nicht wahrscheinlich 
ist dass Ion sich desselben häufig bedient hat, wird die vermu- 
thung nicht zu kühn sein , dass das Philonische fragment gleich- 
falls dem Phönix entnommen ist und der erste vers desselben den 
strophischen oder antistrophischen vers zu dem 41 bruchstück 
gebildet hat. 

In dem 42 fragment des Ion bei Athenaeus IV, p. 185% 
welches ebenfalls aus dem Phönix genommen ist: 
6ATV7ZOV dycov ßagvv avXov tq8)[ovti Qv&f4w, 
giebt dymv keinen sinn. Es ist dafür diojv zu schreiben. Der 
vers besteht aus zwei dochmischen füssen , die einen ionicus a 
minori einschliessen. ßentley irrt, wenn er das fragment iambisch 
liest und schreibt i:<.Tvnovv dymv ßagvv | avXov rgi/^ovra gv&piov. 
Ich will diesen bemerkungen noch einige worte über ein an- 
deres fragment aus dem Phönix hinzufügen. Es steht bei Athe- 
naeus III, p. 91*' und wird gewöhnlich so geschrieben: 
dXX' ev TS X^Q^^ '^'^^ Xsovtog rjvsaa 

5 tag i^ipov ^dXXov oi^vgdg ti^rag^ 



Itliscelleii. j^43 

oi svj' av aXXajp xgeiacopcov OQfiTjv fid&jjf 

öTQoßiXog ufi(p* axavOap eiXi^ag dt'iJiag 

xtiTui daxiiv TB xal ^r/eiv a^yjx^woi;. 
Die ersten worte aX).' h te x^Q^^? ^'"*^ ohne grund angefochten 
worden ; offenbar will der dichter den gedankeu ausfüliren , dass 
geradheit und entschiedene gesinnung* den Vorzug verdiene vor 
Schlauheit und list. Dies erläutert er durch beispiele welche der 
thierwelt entlehnt sind: der löwe ist mir lieber wie der schlaue 
igel. Beides sind landthiere , und wenn der dichter daher sagt 
uXX' h 7t x^Q^^ "• ^* ^- ^" zeigt dies deutlich, dass er dem bei- 
spiel vom igel noch ein beispiel von einem seethiere hinzugefügt 
hat. Und eben dies beispiel ist auch noch vorhanden. Bei Athe- 
naeus > II, p. 318«= stehen folgende verse aus dem Phönix: 

HUI TOP TiitQiiUiP TiXtHtdvaiii dvaifioatp 

GTV/ÖJ fitTu}XuX7?]{)U TinvXvTZOVV jf^OOff. 

Man wird demnach keinen fehlgriff thun , wenn man beide frag- 
mente zu einem verbindet: 

ftXX' h TS X^Q^V r oif e XeovTag ^psaa 

ij tag ix^vov fxäXXop oi^vgdg rixtcti^ 

üv tvx* dv dXX(ov XQtiaaopcop OQpirjv fidOrj, 

GJgu^iXoi; d fiqi dx upi^ op BiXi'^ug dsfAug 

xtlrai daxeip re xut -^lyeip duitX^tvfx;. 

xdi TOP neTQaiop nXFXTdran; dtaCfwaip . . 

arv/m fiSzaXXaxrrjou nnvXvnovp /(jooi,'. 
Wahrscheralich war das gleichniss vom poIypen weiter ausgeführt, 
und da die dative nXtxTdputg drui^onip in den vorhandenen Wor- 
ten keine beziehung haben, so ist die annähme einer lücke, wie 
ich sie angedeutet habe, hinreichend gerechtfertigt. Im ersten 
verse habe ich rovi; X^optui»- geschrieben ; denn da der dichter 
den löwen als heispici grossmüthiger gesinnung im gegensatz des 
schlauen igeln hinstellt, so kann von künsten und listen des lö- 
wen nicht die rede sein, wofern nicht vielmehr vs. 2 Ti'jruv zu 
Hchreiben ist. Kine zweite abweichung von dem überlieferten text 
besteht in der besserung des vierten verses, in dem ich ditq)üxur' 
Oor mit Sulma«iu8 iitutt des sinnlosen dfifj^' dxapOar hergestellt IuiIh'. 
Hrrliu. A. Hleineke. 



\ Zu Fnipedoklcs. 

AU ich vor hMMM'ii jähren die bruclisturkc lirs Kiii|MMlitkies 
nach Sturz und kurNten aufs neue edirte, war es mir vergönnt 
nie aus der eben damals erschieneuen editio priiiceps des lli|tpoly- 
tu« ntgi ai(itnKi>p um eine erkleckliche anzalil neuer verse zu 
vermehren. Dagegen war mir eine andere langst eröllnetr fund- 
g^ube ich weis« nicht durch welchen zufall entgangen. Da« ver- 
MAumte nachzuholen , wohl auch durch andere wenn gleich gerin- 
gere nacUräge zu vergüten, «tand die rechte gelegcnheit iu uo- 



144 Miscellen. 

her aussiclit. Nun aber andere pflichten und dring-endere arbeiten 
die ausfiihrung" und erweiterung" jener primitiae zu einem wenig- 
stens alle vorsokratischen philosophen umfassenden corpus vor der 
band in unbestimmte ferne binausrücken , benutze ich die müsse 
eines ferientag-es mich jener alten schuld in kürzestem weg-e zu 
entledig-en. 

Cramer. Anecd. Oxon. 111, p. 158 — 203 stehen 29 briefe ei- 
nes anonymen byzantinischen grammatikers und polyhistors des 
zwölften Jahrhunderts, an höchste und hohe personen, freunde und 
verwandte, verschiedenartig-en inhaltes, meist werthlose stilübung-en 
eines halbwissenden eitlen kopfes, kümmerlich zusammeng-escharrte 
redensarten aus g*uten und schlechten autoren. Aber auch so 
sind sie nicht nur, wie ihr herausg-eber bemerkt , non inutiles ad 
illustrandum istius aevi rem literariam, sondern bieten dem kundi- 
gen Sucher auch hier und da ein versprengtes goldkorn, das über 
die mühe und den ekel solcher lektüre tröstend weghilft. Der 
text ist in einem codex Baroccianus leidlich gut erhalten , und 
hätte unter einer entschiedeneren und geschickteren band sich mit 
leichter mühe von den zahlreichen fehlem und fehlerchen befreien 
lassen, die ihn jetzt entstellen. Der 18. brief, wie es scheint, an 
denselben gelehrten arzt Leipsiotes gerichtet, dem der 2L und 
wohl auch der 19. bestimmt ist, enthält, ausser längst bekann- 
ten, auch sechs neue verse des Empedokles. Ich setze ihn voll- 
ständig und bis auf einige kleinigkeiten unverändert her, und lasse 
die nÖthigsten Verbesserungen und anmerkungen folgenj 

*E^7'jrtjaagi cptloaoqjcotdTi] ^J^XV i '^^'^^ f**»* «'«^^^ ^'^ 'Efins- 
öoaXsovg eTirj tä Tzegl tov vsiaovg xal ttjg qiiliag' tmv zovtov 
noi7]Tii«iv äg^öäv diuXafxßdpovTa; nov dl nai nag (isftvrjTai 
tov alzofidrov ; liva ös iativ olg oviog dviiQ ttsqi Ttjg xot- 
5 Xiag rcöv Qivööv q)vaio}.oysi, yai cog rjfiTv y.oiXrj yivoiTO, yal vnb 
rivog aiiiag olov i(Aßo\>Qat&si(Ja, at Öe givsg 8iar8TQr]^evai ye 
ys'foipzo ; na&d7TSQ 'AQtatoriXrjg qirjalv iv tcp nsgl ^mojv fxogimv 
ngayiidj(ov. nov 8s rmv incov rj gdpg rcov (^(owv ' Efinsdox^ti 
xazsayev ; böii 8s olg (äsv avzog [iEfivt^rai nsgl q)iXiag nal 
10 vsiaovg zavra zd Mnri' 

dlXots iisv (fiXozTjzi üvvEgxo(ASv* Eiölv ccnavza, 
dXXozs 8' av 8ix eyiaaza (pogevfisva veiasog sx^si. 
z6 8s z^v Gvvzv'XifX'V zov (fiXoöoqiov nagsfxq}aipov zniovzov iaziv* 
ovzco ydg övfsavgas ß^^cov zozs ' noXXdi<i ö' dXXoag 
15 Olg [J.SVZ01 nsgl TiOiXiag xal Qivmv xal gd^scog q)tXoao(p8if 
avzog lAsv ovit spzszvx^Hai vi} zrjv Isgdv aov iisq)aXrjv, noitj- 
aaifjiijv ö' dv aoi nazd lovv zov ijxqjsgofisvov ig zoTg ^/4giazo» 
zsXovg 6vyygd(X(Aaoiv ' Efins86xXsia snt]' ov8sv zmv fxsivov zov 
gv&fi-ov dno8iovzoL' sözco 88 zd fisv zljg gdxscog nsgi roiavza' 
20 t,aa 8s zavzoysvsd^Xa ndgog x^ovog i^avszsXXsv 
avzdg snaid^ iXsXixzo aal dyvvzo gd^^eog ogmj^» 



Miscellen. 145 

ra da tr^v xotXiap xoiXtjp noiovpza Hat tstQrjfjisvag rag gipag, 

ovrmg fj^npiav 

vygop fih cpiXorijTi dtfßivaep avtixa vÖmg • 
25 aitodoxop Ös xaroj noXv^avöm yaajiqa tev^i' 
nvQ Öe tot uQXiysvi&Xüv svTQrJTovg tisqi Qhag 
dftnpevaag diudtvasvj tca^s ze ntevfiaTi gtfiijv. 

xat iax(ü aoi zuvra ngbg rovg TzagaßdlXorzag fia&rjjäg xal 

fteydXqp xai 7gay(p8rAmTUT(p XeyofAEfa arofiari fiszd azofi- 
30 qjaafxov zifog tj Xagvyyiöfiov , e778i8dv q)iXozifioio ngog zov- 

zovg, Hoi dfj xazd Toü ' Efinedoy).4ovg sntj nai ttjp qivaioXoyiap 

oXr^v frzi GTOfxazog f jjotc- 
Z. 2 f. hebt sich alle Schwierigkeit, wenn man interpungirt qi 
Xiag, Tfl5r zovzov noirjTixöJv dg/^* i diaAafjßupovza ; über öt(tXa(ji- 
(idtiir (exponere, disserere) hat Schäfer zum Greg-orius Coriothius 
an mehreren stellen gesprochen. — Z. 4 leg. ovzog 6 dvTJg. — Z. 
5 ist xai vor gitöJv ausgefallen (vgl. z. 15. 22), und statt Ijuip 
wt // fih zu lesen, wie z. 11 eig ty statt eimv. — Z. 6 ist in 
(fifioOgcodeiöu so gewiss ein wort des dichters erhalten , wie im 
fg. diazszgriuivai und dann in xazsaytv sein eigener ausdruck 
wenigstens nachgeahmt ist, vgl. z. 21. 26 und vs. 289 m. ausg. — 
Z. 7 f. die Worte xaf^aneg — ngayfidzatv (leg. ngayfiaztia) ge- 
hören jedenfalls zur folgenden frage. Die stelle ist p. 640a 19 
dtomg ' Efxniöoy.Xtjg ovx ogdäg siqtjxe Xt'ymi> vnÜQXttP noXXu zoig 
^qyotg diu z6 avftßijpat ovzcog iv zrj ysptasi , oiop xai ztjv gdy^ip 
Totuvrrjr fjf««»', oii aTga(j:epzog xaT«;fi^^»'«i övf^ßrj. Ihren falschen 
bezug mag der kompilator selber zu verantworten haben. Die 
xuTÜ^^ig des rückgrates, um dies gleich hier zu erledigen, bezieht 
>i\ch auf die 24 (kjiÖpÖvXoi , in weiche der stamm gleichsam zer- 
knickt zu sein scheint. Arist. p. 654b 14 inat d' dvdyxtj xivov- 
fifpov tov ^cpov xdfinrtaOui to aäifia , ftia fiip 8td zrjp aw^xeidp 
efjxt ^ ftoXvfiegtjg de ig Öiaigeati z(äp anopövXoip. — Z. 11 f. 
H. VS. 67. 68 m. a. — Z. 14. subject ist ai^ijp, s. lu vs. 167. 
Den begriff der avptvxnt findet der briefschreiber im wortc avpa* 
yvgm, wobei er sich auf die auslcgung seiner quelle, des Aristo- 
t»lrs ^p. l'.Hui 22. 334a 2) verlässt. — Z. 10 hat schon Cra- 
iiHT t'i itn /t^xn gebessert. - Hinter polt ist ein particip weg« 
K''l'»ll«*n, etwa nvrfgati^cüv (p. 198 14) oder avpdy(üp , was zur 
'"'/«' hatte dasN der abschrcibcr zop fftqptQnftepnp aus rd fftqegöftepa 
'te. DasH die verse sich bei Aristoteles nicht finden, soll 
nicitianden auf den gedanken bringen, der Kyzantiner habe sich 
einer vollHtaiidigeren recension der ariNtoteiischen schritten er- 
trtiif. .Sil« HJnd irgend einem Kommentar entlehnt , und mit un- 
MT^tand entlehnt; denn die beiden verse haben, wie der erste 
blick lehrt, kein nachbarliches verhaltuisn, sondern stammen, wenn 
nuch beide nui den zweiten abschnitte oder buche des dreitheili* 
Ken gedicbte« ntgt qiiaeeog , jeder aus einem andern gedanken- 
kreise. Der ente Ut mit vt. 265 oifXot^viig fttp ngcöta rvnoi 



146 Miscellcn. 

X&ovog i^avsTslXnv zu verg-leichen ; während aber dieser einem 
grösseren fragmente angehört das die erste entstehung der men- 
schengattung behandelt, muss jener wegen ^ma auf einen früheren 
ort bezogen werden, wo die entstehung der lebenden wesen über- 
haupt aus dem gemeinsamen mutterschosse der erde (zavToytft&la) 
erklärt ward, mag also gleich im anfange des zweiten buches 
gestanden haben. Die andern und die vier folgenden betreffen 
einzelne der verschiedenen körpertheile , die nach Empedokles an- 
sieht jeder für sich aus dem feuchten erdboden durch die kraft 
des feuers emporgetrieben erst allmählig- sich zu harmonischen 
körpern zusammenfanden. Ihr ort scheint in der nähe von 235 ff. 
gewesen zu sein. Der inhalt des ersten ist durch metaphrase des 
Aristoteles klar; sXsXsxto bezeichnet die wirbelform des ganzen 
grates, ayvvjo seine zertheilung in die einzelnen wirbelknochen. 
Statt {nyvvzo) Qoixi^i wird man sich entschliessen müssen das ho- 
merische (aypvr) ayivtjatiog einzusetzen, wobei die kurze silbe vor 
muta mit liquida keinen anstoss geben wird. Wenigstens ist mir 
kein anderes synonymon von gäxci bekannt, das der forderung 
des Verses genug thäte. Ich lese also: avzaQ tTzeiz (oder i;zsi 
t') iXiXr/zo xal ayvvt dxv/jöziog olquij'^, — Z. 19 leg. ano^ 
deov. — Z. 27 ecp^s 8L — QV[xr]v ist = cztvmnov. Vgl. vs. 287ff. 
Danzig. Heinrich Stein. 

5. Zu Lysias. 

19 §. 13. Die heidelberger handschrift hat o ds oqojv av" 
Tovg vn ixsit'ov ts TTsniGtsvixiiovg ytyovözag ze STin-iifBig z ij n 6' 
Xbi SV zs T^zote ^ (> o y tp aof'fiMoi^r«?, STTsiö&t] douvaiy ovx ei- 
dwg zTjv iaofisvijv diaßoli/jv. Mit Reiske geben alle neueren her- 
ausgeber zri z s tzoXsi sv y e zco z. XQ' Das letztere bei dem ge- 
gensatz zu dem folgenden mit recht, aber zs vor ttoXbi ist un- 
nöthig und unrichtig. Das erste glied vn ixeivov zs ntntarsvfis- 
vovg zeigt, dass der vater des Sprechers nicht den Charakter des 
Nikophemos und Aristophanes, sondern nur ihre Stellung zu Ko- 
non und der stadt in betracht zog. Dafür spricht schon die Stel- 
lung, da zwischen die gleichartigen glieder 1 und 3 ein ungleich- 
artiges treten würde, ysyovözag snisixsig also ist als grund des 
zr, nöXsi afjfaxovTug anzusehn und bildet mit diesen worten zusammen 
das zweite glied des satzes. So brauchen wir weder Cobets (Var. 
lect. p. 158) vermuthung ysyovözag zs inisiKÖög, für die Kayser 
Philolog. 11, p. 153 mit recht belege verlangt, noch Kaysers än- 
derung, der rs vor inisixsig streicht. Beide scheinen nicht beachtet 
zu haben, dass ts vor tzoXsi nur vermuthung von Reiske ist. 

§. 34. 8ia zovzo ij^iow zovg .... ixsivov xai lovg ngoari- 
icovzag anoliG&ai. So die heidelberger handschrift. Den offen- 
baren fehler hat man auf die verschiedenste weise zu verbessern 
gesucht. H. Stephanus, Taylor und Reiske wollten itai tovg 



Miscellen. 1^47 

streichen, andere schoben zwischen znvg und ixsipov ein wort 
ein , H. Stephanus naiSag , Marklaud oixsiov.; , xr^dBardg Sluitcr 
(lectt. andoc. p. 268), apayxaiovg (woran auch schon Sluiter ge- 
dacht hatte) Scheibe in der zweiten ausgäbe (vgl. lectt. lys. p. 340), 
Emperius observ. in Lysiaui p. 48 veruiuthete xai Tovg ixsipov 
ngoö^xovjag 1 ich wollte rovi; ixtnov hinter rovt; nQon{]xot7ag 
umgestellt wissen, wie §. 38. Scheibe Hess sich zu seiner ver- 
muthung vorzüglich dadurch bestimmeu, dass in der heidelberger 
handschrift zwischen toi g und ixfiiov eine lücke (etwa von vier 
buchstaben) ist. Aber Isaeus I, §. 2 beweist für die Verbindung 
von uvayxaioi und 7i{jo6i'jXor7t^ nichts, da oi oixeloi dort befreun- 
dete, ol ngnai'iXovTEg verwandte sind, wie §. 36. 37 deutlich zei- 
gen, hier beide worte nur auf Verwandtschaft gehn könnten. Auch 
steht §. 48 und 51 ol nQOGijxovjEg allein und ol druyxaiot als 
ganz gleich bedeutend mit jenem ebenfalls allein §. 38. Daher 
glaub' ich jetzt, dass das jedenfalls nicht nÖthige jovg ixtirov 
(vgl. §. 48) zu streichen sei. Die lücke in der handschrift rührt 
wohl nur daher, weil in dem original desselben am rande stand 
rovg • ixeifov. Ebenso stehn §. 28 in der handschrift vor rrmv 
die Worte /r^/r Nixncpfjfiqft ^ xul '/^Qiato^ävei j die nach Sluiters 
und Dobrees vermuthung zuerst in der zürcher ausgäbe und dann 
von den neuern hcrausgebern mit recht gestrichen worden sind. 
In dem original stand auf dem rande tzq'iv vor dem schulion , als 
Stichwort zu dem dies gehöre. Das versehn, dass das folgende, 
nicht das vorausgehende wort, zu dem eigentlich ein am rande 
bemerkter zusatz gehört, diesem vorgesetzt wird, findet sich auch 
16 §. 4. Rauchenstein hat sehr schön §. 3 ovz' eTndijftovii wie 
in der handschrift steht, gestrichen und es §. 4 nach tT/v* fio)t- 
tiiag eingesetzt, Philolog. 13, p. 212 ff. Nur gehört es wohl 
vor ovie fieOimuftivr^i; jtjg noXiittag , wie so häufig das gemein- 
schaftliche prädikat nach dem ersten gliede eines zweigliedrigen 
Satzes steht. Es war ausgelassen und am rande stand ovre. ine- 
dq^tovp. Diese randbemerkung gerieth in der heidelberger liand- 
•chrift an eine unrechte stelle. — In der zuerst besprochenen 
■teile, 19 §. 34, schreibt Scheibe auch jetzt noch mit Bergk 
anoXtdat (vgl. lectt. Lyn. p. 331) f.), da es hier wie §. 38 nicht 
auf das verderben der verwandten, sondern auf den Verlust ihres ver- 
nogens ankomme. Aber gerade §. 3H zeigt, dass dann nothwendig 
etwas wie ru (iq^tTfQUvtöJ» dabei stehn müsste. urtoXiaOai wird durch 
die ahnlichen stellen §. 45 iyoi fiik ovx d^iöi — r}^aw c^nul^'aOa^ 
ddtHOis; f §. 54 (iovXtaift {jfiäg dixaiotg aiüaui fiäXXov tj ddixmg 
anoXiaai, §. 64 (im^Oth Iffih xat ntQiifitit vnti rcür t^O{><)i>p ufah 
(ftOfPTag hinreirbnn! lt.s« liii(ii(. \'i rluhl allrs xcniioircnK i/IIi als Un- 
tergang. 

Iv b. 3H. /\i •^i ii|iii<iiii-n V iriiMii; i'ii iM'iiiiL; iiacii o. -i «: li. 
fast 15 talentc, nach einer allenliiigH wunderlichen berechnung. 
Von diesem konnte bei einer ciuziehung uur der grundbcsitz, der 

lü* 



148 Miscellen. 

über 5 talente betrug (§. 42), in betracbt kommen, baares geld fand 
sich nicht (§. 27), die bewegliche habe hatte 1000 dr. ertragen 
(8. 31). Wenn man bedenkt, wie tief bei gütereinziehungen der 
endliclie betrag unter dem werthe des eingezogenen blieb (Boeckhs 
staatsh. 1, p. 519 f.), so dürfen wir nicht annehmen, dass aus 
der einziehung des Vermögens des Aristophanes viel über 4 talente 
gelöst worden sei. Zehnmal grösser, heisst es nun, hätte man meinen 
sollen, als das vermögen des Nikophemos sei das des Konon (§. 
35) , aber bei einer einziehung dessen , was Timotheos besitze, 
werde man nicht einmal 4 talente bekommen (§. 34: man begreift 
nicht wie Bake schol. hypomn. 3, p. 201 an jFrraQdxovza den- 
ken konnte), und doch werde man auch dann nicht an unterschleif 
zu denken brauchen. Das vermögen des Konon nämlich habe sich 
durch das testament desselben viel geringer herausgestellt, nur 
auf 40 talente, von denen 17 an Timotheos gekommen seien (§. 
40). Wenn also das vermögen des Aristophanes fast 15 talente 
betrage, so lasse sich jetzt gewiss nicht an Unterschlagung den- 
ken. Denn natürlich habe man bei ihm dasselbe missverhältniss 
des Scheines und der Wirklichkeit vorauszusetzen. Also: weil der 
Staat aus Aristophanes vermögen nur gegen 4 talente bekommen 
hat, nimmt man Unterschlagung an. Noch mehr würde man sich 
dazu berechtigt glauben, wenn das vermögen des Timotheos weniger 
als 4 talente ergeben würde, denn das müsse man sich verhältniss- 
mässig grösser als das des Aristophanes denken. Dennoch werde 
die annähme ungerecht sein, denn das vermögen des Timotheos 
betrage nicht viel mehr als das des Aristophanes. Worauf grün- 
det sich nun die annähme, dass aus den 17 talenten des Timotheos 
noch weniger als aus den 15 des Aristophanes für die Staatskasse 
gewonnen werden würden ? Ohne zweifei , weil nach §. 30 f. 
bei der einziehung des Vermögens des Aristophanes von Seiten der 
verwandten desselben mit grosser gewissenhaftigkeit verfahren 
Worden war, dieselbe also mehr als gewöhnlich ertragen hatte. 
Jene annähme wird §. 34 und 38 vorgetragen, aber §. 34 nur 
als möglicher fall gesetzt: ai — ^rj iysfeto thraga tdXavTa» 
Muss sie nun auch §. 38 so wiederholt werden? So meinen mit 
dem Schreiber der florentiner handschrift die neueren alle , mö- 
gen sie mit ihm ilärra ds (wie Bake schol. hyp. 3 p. 201, We- 
stermann comment. in Script, gr. 5 p. 12), oder Scheibe sXdtrova 
d\ Kayser (heidelb. jahrbb. 1854, p.232) sldttay 7t dij, Rauchen- 
stein (3. ausg.) iXaTTco 8' si schreiben. Aber die heidelberger 
handschrift hat iXaTta) ich und deshalb vermuthete ich, dass sldiTco 
äv — zu lesen sei und dass diese Worte den nachsatz zu dem Vor- 
dersatze vvv joifvv H 8t]fjiev(7aiTs rd Tifio&eov bilden. Dies halte ich 
noch jetzt für richtig. Allerdings enthalten die §§. 35—37 nichts 
zur begründung jener annähme, sie stellen vielmehr nur dar, wie 
viel begründeter der verdacht eines unterschleifs in diesem falle 
sein würde. Aber die annähme mues doch, wenn sie als fall zu 



Miscellen. i49 

setzen nicht thöricht und nutzlos sein soll, eine innere walirscfaein- 
lichkeit und begrütidung' hahen. Warum also soll man nicht statt 
so zu sagen : wenn das vermögen des Timotheos eingezogen tcürde 
und nicht vier talenie herauskämen , würdet ihr da die verwandten 
det Timotheos zu gründe richten wollen? deu fall als wirklich an- 
nehmen und sprechen können: wenn ihr also das vermögen des 
Timotheos einzöget, so würdet ihr nicht mehr als vier talenie be- 
kommen: würdet ihr deshalb die verwandten u. s.w. Wenn das aber 
müg-lich ist, so leuchtet ein, dass die grössere Zuversicht, mit der 
die annähme hingestellt wird, ganz zu dem zweck des redners 
stimmt. Aber zwischen tovjov und tvs/a ist wohl ein Ö' einzu- 
schieben. Doch noch einen anstoss find' ich in der parenthese: o 
ft^ yhoitOj d fit'j 71 fisXlsi pitya ayaOov eaE(j&ai 7rj noXei. Die 
Vorstellung, dass durch einen grossen vortheil für den staat die 
einziehung gerechtfertigt sein würde, ist doch zu sonderbar und 
gerade für den Charakter des Sprechers dieser rede unpassend: 
dann folgt ja eben gleich, dass der vortheil ein sehr geringer 
sein, nicht einmal vier talente betragen würde. Sollte also nicht 
hier dasselbe versehen anzunehmen sein, wie 25 §. 21 , wo die 
heidelberger handschrift dyaOov hat für das nothwendige, in C 
hergestellte xaxof'i vgl. Dorvill. z. Chariton p. 620. Lesen wir 
auch hier xaxoVf so ist der sinn : fern sei eine solche einziehung^ 
wenn nicht ein schwerer schaden die Stadt treffen, d. i. wenn sich 
nicht etwa Timotheos schwer gegen die Stadt vergehn sollte» 

12 §. 33. (Sat im jovToig iaii nccvia tu x«xa ilgyaoiAhvoiQ 
tTiv noXiv navta rdyudu nsQi uvtmv Xe'ysiv. Keiner der neueren 
herausgeber erwähnt Dobrees vermuthung ndvia xaxct und Tjcttra 
dyaOdt ""d doch ist sie wahrscheinlich richtig. Dobrec selbst 
fuhrt an §. 57 toi^ re TQtdxnvTU ndvia xaxd eigyacfÄtfOti xal 
vfiir nuTTu xaxn nsnovffnat. Zwar steht auch §.41 ndpta td xaxd 
FQyn^errOut. Aber wie häufig der artikel in dieser formcl irrthum' 
lieber zusatz sei, zeigen Aristoph. Run. 302 Ouqqei' Ttdrx dyadd 
ninQuyapLtt. Acliarn. 944 oanv ln\ ndpj dyd&' t^nvuni fnixoi' 
fidna^ itQydnutn rrävta xaxd, Aves 1690 at ndfj dya&d nQUi' 
lOttiQ. Plut. 1121: nQoTtQOv yuQ il^ov fier na{fd rati x«fr/;Ai» 
tjiv narr dyd(f tonOiw tv&vf, 1190: ftdvt' dyaOd roivvp Xt'yeii, 
Fragm. Amphiar. 11: nuai xaxoidip i,^dii qtXdJnip — äpögt^. 
Denn fast an allen dioNen .stellen findet sich in den schlechteren 
handHchriflen der arlikel binziigehetzt. ^'gi. Theopomjios in Mei- 
nck. friigm. C(»m. 2 p. 807: rturr dyaOd ^// y/ynrep dri^fjdiiir, 
Amphi» 3 p. 312: )fO(>f«Co/<ffT^« drranit dyuOm>i, l'lat. polif. 281 
A: ndftn uyaOd xa\ xaXd äfifQyäl^optai. Lcgg. 7 p. 783 Ki 
nupin xuXd xa) dyadu untQyd^oprai. Symp. 197 B: ndft 
dynOd yiyopa mu />foiV xa) dtrO(tcinni^\ MvUr Htellen hat noch 
Winckelmann zu Ruthyd. 293 D: xtiXd dij ndpta Xt'yn^'. 

12 §. 62. xai fiijötp'i rolro ;Ta(»u4r J , oitf 7'(>rtTO<Ti9/roi»t xir« 
dvPtvopTOf SrfQafihovg nartj^OQ». Wo« ioll hier naQaar^ l»e- 



150 miscellen. 

deuten? Niemand möge es beikommen, dass ich in dem process 
gegen Eratosthenes den Theramenes anklage? Kann dies der sinn sein? 
Aber Lysias klagt ja doch im folgenden den Theramenes an und 
schliesst §. 79: tteqi yikv toivvv QtjQUfAEPOvg ixavd fioi iari ia xat' 
TjyoQTjfitru. Und doch kann nagaair^ keine andere bedeutung ha- 
ben. Vgl. 7 §. 17. 21 §. 12. Hier ist der gedanke nothwendig: 
niemand möge daran anstoss nehmen, dass — Daher ist zu lesen 
ngoaüT"^. [Demosth.] 60 §. 14: avuv ds zavtijg {rijg rmv anov6v- 
7(ov Evvoiag) i xap vTiSQßdXri tc^ Xsyp.iv aaXmg , ngnasattj toig 
dnovovaiv (Ji TCO»' Xöycov nsi&m) Hyperides f. Euxenippos p. 3, 5 
Sehn.: d-avuci^m el (jitj nqocsiGTavtai fjdt] vfilv al loiaviai eia- 
ayytltai. Piaton in Meinek. com. gr. 2 p. 648: r^dt] (paywv re 
no^no&\ ola yiyvstai , oxpagiov fna[X£gi yal 71qo(7söz?j tovjo aoi; 
Tgl. auch Meineke 2 p. 682. 

GÖttiugen. Hermann Sauppe. 



6. Zu Hyperides Epitapliios. 
(Briefliche mittheilung an H. Sauppe). 

Der neue Hyperidesfund hat die gelehrte weit so freudig an- 
geregt, dass die arbeit daran nicht zum stehen gskommen ist. 
So hat Babington der editio princeps alsbald zusätze und 
nachschrift angehängt und auch Ihre saubere herstellung hat sich 
der nachtrage nicht entschlagen können. Einen solchen bringe 
auch ich, nach einer vergleichung des papyrus, welche ich vor 
wenig Wochen auf dem britischen museum vornahm, bemerke aber 
im voraus, dass etwas wesentliches nicht dadurch gewonnen wird. 
Das facsimile ist vortrefflich gemacht, und was trotz aller Sorg- 
falt die handschrift deutlicher erkennen lässt, hat Babington beinahe 
vollständig ersclnipft. 

col. III, 21 (§. 4) ica&'] das & ist aus z corrigirt. Der vor 
X erhaltene strich kann (wie Babington erinnert) nur zu 
einem o gehört haben. 
IV, 5 (§. 5) nach roTg 8s ist ein rest von a zu erkennen. 
23 (§. 6) aai 8oxm] das <r ist deutlich im papyrus. 
26 (eb.) 00 8a nodsv] ein rest von co ist erhalten; weder s 
noch V kann dort gestanden haben. Auch mir scheint da- 
her das gleichermassen von Spengel Lighfoot Cobet gefun- 
dene dnogm das wahre. 
17, 20 (§. 11) [Jiaxofisvovg] das v ist in der handschrift durch- 
strichen also {xaxoixsvog die urkundliche lesart. 
23 (eb.) [nag]68ovg ein strich von g ist erhalten. 
VII, 7 (§. 12) j[dv TovTo]v füllt die lücke nicht aus, eher t[ov 

Eneivo]v , was bereits Em. Müller gefunden hat. 
IX, 17 (§. 19) aal vvv i[ii%]. Das « halte ich (mit Goodwin) 
für sicher, ht vermuthete schon Kayser. 



Miscellen. 151 

X, 26 und XI, 29 (§. 22, 24) entsprecben einander; das a von 
iXsvd^noii ist nahe an av ytyovtvai der benachbarten co* 
lumne berübergezog^en, daber scheinbar afdgayu&ioav. 
X, 42 (§. 23) t[vi'ot]av (mit Kayser und Cobet)? mehr bucbsta- 

ben fasst die ^ lücke nicht. 
XII, 11 (§. 26) ai yoyov 27 dBtrig sg (wenig-stens nicht ev.) 

\i|I 42 (§. 29) die beschädigung des randes ist im facsimile ge- 
nau wiedergegeben. 
Schliesslich bemerke ich dass die rücksendung der von Har- 
ris aufgefundenen papyrusfragmente nach Alexandria bevorsteht. 
Babington , in dessen bänden sie sich gegenwärtig befinden , hat 
sie wiederholt aufs geuaueste verglichen und wird binnen kurzem 
die ergebnisse seiner vergleichung veröffentlichen. Die übrigen 
stücke des von derselben band geschriebenen papyrus habe ich 
unmittelbar vor meiner abreise durch die gute ihres besitzers, 
Arden, in London gesehen, zu einer vergleichung gebrach es mir 
an zeit. 

Greifswald. Arnold Schäfer. 

7. Zu Hyperides grabrede. 

In der durch glücklichen Scharfsinn ausgezeichneten Sauppe- 
sehen ausgäbe von Hyperides grabredc (in dem ersten Supplement* 
hefte des Philologus) sind noch einige Schwierigkeiten unerledigt 
geblieben, zu deren beseitignng ich vielleicht etwas beitragen kann. 

P. 15, 2. 4 V. ü. muss wohl gelesen werden tov nfjoeXea- 
0ai, ebenso z. 6 rov fji^ xataiaxvvai. Das to scheint mir hier 
gänzlich ungriechisch. 

P. 35, z. 2 V. u. schlage ich vor zu lesen (jiv'qsi yaQ nänap 
ivdat^oviuy li uviv Trj<i aiTorofitag ; das ri kann leicht am ende 
der vorhergehenden zeile weggefallen sein. Der sinn ist klar. 

P. 37, z. 1 v. u. möchte ich lesen eig rijv ngnc rov dij^inv 
tvfoiav. Vgl. in dem bei Jo. Stobaeus erhaltenen epilog der rode 
(Sauppc p. 50) oaoi de naidug xaruXeXoi'nuaiv , ij jr/g naTQtöog 
evfoia ifHTQoaog avroig lüv naldojv xaTaar/jaeTat. 

P. 41, z. 5 V. o. lese ich uyaOo] yeyoraai xal «•» nolX^ 
XQt'f'V» In der handschrift steht [rjore fifr ^rolAwr. Das Tora 
fit9 mag ein abschreibcr wegen des folgenden fvp de j welches 
ganz gut unaplioru «ein kann, für nötbig gehalten haben. — Z. 
2 v. u. muNM hinter einQu^taig ein komma stehen. — Z. 1 v. 
n. bt zu lesen artaXavo^ev statt unnXuvau^ef. Kbenso musste 
p. 45 dynv6pT(or für uxovnofTOjp geschrieben werden. — Z. 8 
V. o. für uyupitOu v^Tniuthe ich uliol^if. \^\. Uuttmann Ind. 
zu DfuioNth. Mid. 

P. 47, Z. 1 V. u. Folgendes nähert sich mehr den zügeD 
der handschrift und scheint mir pasNcnder ovdt'tiQOP ottoig avt^ 
otHtiop 10 f hi^fOf ap ahai pofii^etp. 



£52 Miscellen. 

P. 49, z. 2 V. 0. Die concinnität des satzes scheint mir tiXtj- 
oid^siv zu verlaug-en. Aus TzXrjaici^siv ist hier 7zXi]6idasiv (und 
daraus TxXrjaidöeiap) geworden, wie oben p. 45 iyHoofAidaovzos 
BUS iyyco(j.td^ovTog. 

Ilfeld. C. Volckmar. 

8. üeber den g^ebrauch von 6<SnsQ und ocw^ bei Polybius. 
(Piniol. XIV, p. 288 fl.) 

In der abhandlung* über den hiatus bei Polybius erwähnte ich 
Philol. 1. c. p. 290 unter den wortformen , durch welche der hia- 
tus häufig vermieden wird, relativa und coniunctionen mit ange- 
hängtem neQ, Wie sich hierbei ein rein äusserlicher anlass, die 
scheu vor dem hiatus, mit dem sehr wesentlichen moment der ver- 
schiedenen bedeutung von og und oötzsq verträgt , will ich jetzt 
nachzuweisen versuchen. Die fälle, wo formen von oaTzsQ auch 
ohne angehängtes tteq einen hiatus nicht verursachen würden, 
sind sehr selten: octzsq 2, 34, 10. 4, 59, 2, ijvnsQ 3, 63, 8, ov- 
neg 4, 23, 8, oLTieq vor xaj' 4, 36, 6; sehr häufig jedoch finden 
sich formen von oansQ im entgegengesetzten falle, besonders otieq 
1, 4, 6. 38, 6. 51, 9. 55, 8. 57, 7. 66, 10. 67, 10. 2, 33, 
5. 39, 2. 47, 8. 68, 3, 15, 9. 36, 2. 48. 4. 59, 6. 60, 1. 
69, 12. 4, 30, 4. 32, 8. 40, 1 und 3. 53, 5. 74, 6. 5, 
31, 8. 38, 10. 62, 7. 84, 5 (10, 22, 2. 11, 24, 2. 12 p. 
728, 25 u. ö.), ansQ 2, 2, 2. 3, 31, 10 (6, 11, 6), rinsQ 
1, 38, 7. oinso 3, 75, 5, ainsQ 1, 51, 11. Dass heisst doch 
nichts anders, als dass Polybius oansQ in den meisten fällen mit 
rücksicht auf Verminderung des hiatus gebraucht hat. Doch darf 
man deshalb nicht annehmen, dass nsQ an allen diesen stellen seine 
hervorhebende kraft verloren habe, vielmehr glaube ich den Sprach- 
gebrauch so feststellen zu können : 6 ansg heisst auch bei Poly- 
bius „welcher gerade, qui quidem", es hat sich aber fast nur da 
erhalten, wo zugleich dadurch der hiatus vermieden wird ; sonst 
gebraucht er lieber in diesem sinne og dij, vgl. o 8^ 1, 18, 11. 
30, 8. 81, 4. 2, 53, 3. 55, 5. 3, 29, 7. 68, 3, oi 8i] 1, 81, 11. 
82, 5. 2, 7, 4. ip ^ 87] naigco 1, 20, 15. 

Eine wirkliche entartung der ursprünglichen bedeutung hat 
aber sicher bei oang stattgefunden. Krüger bemerkt über dieses 
pronomen zu Arr. Anab. 1, 18, 4: „eines Unterschiedes zwischen 
og und oatig ist Arrian sich nicht recht bewusst; namentlich ge- 
braucht er oft oatig wo og stehen sollte." Dasselbe gilt schon 
von Polybius, n'ir dass bei diesem wieder die scheu vor dem hia- 
tus mitgewirkt hat. So steht fjtig in den ersten fünf büchern 
nur einmal vor einem consonanten: 4, 41, 1 (wo übrigens die 
Worte Tjtig vvv avvearjjxsv wegen des unmittelbar vorhergehenden 
awsGidvai nicht unverdächtig sind): sonst überall nur vor voca- 
len: 1, 58, 2. 3, 15, 3. 66, 9. 4, 3, 6. 21, 1*. 39, 1. 5, 19, 7 



Miitcellen. 153 

(6, 4, 3*. 27, 3* und 5*. 33, 12*. 12 p. 760, 32*. 14, 7, 6), 
olitvs9 vor consonant nur 2, 58, 8*, vor vocalen 1, 74, 7*. 80, 
3*. 2, 48, 4. 60, 5. 3, 26, 6*. 5, 63, 13. (6, 41, 2*. 14, 7, 5). 

Von diesen stellen sind nur die mit einem * bezeichneten der 
art, dttss sie orrrti,' in seiner eigentlichen hedeutung- zeigen , dage- 
gen lassen sich 2, 60, 5. 5, 63, 13. 14, 7, 5 nur gezwungen 
so erklären ; an den übrigen aber steht oarig oiTenbar für ein ein- 
facbes ov. Vgl. 3, 66, 9 Txegl noXiv IIXaysvTiuVy Tjrn Ijv änoi- 
xia Pojfiuiojv j 2, 48, 4 Ninoq)dvei ytal Kegntdä Toig MeyäXoTzo- 
Xituig, olrivsg rjoav avTov TraTQixol ^hoi. Wenn daher Her- 
Bann praef. ad Oed. R. p. 8 flP. einen unterschied von oarig und 
Otf für alle fälle festhält, so ist dies für die Attiker jedenfalls, 
vielleicht auch für Herodot begründet , schwerlich aber dürfte es 
sich bei allen späteren Schriftstellern durchführen lassen. 

Schliesslich bitte ich noch im vorigen bände, da mir die ent- 
fernung vom druckorte nicht gestattete eine correctur zu lesen, 
p. 314, z. 13 f. V. unt. 8, 13, 6 ort — diöri 'xeivotg zu tilgen, 
und dafür in der anmerkung hinzuzufügen: ,,indess kann dies 
auf das / (von ozty duni) keine anwendung finden, da dieser vo- 
cal der krasis überhaupt nicht fähig ist (Mehlhorn §. 99 f.), es 
ist also wohl auch 8, 13, 6 oti 'xetvrjg, 15, 1, 11 ozi 'xehoi, 
ebeodas. 20, 5 diöri 'xeivoig zu schreiben." 

Zwickau. Fr, HuUsch. 



9. Zu Deinetrius nsgl SQfirjVslccg §. 213. 

Im texte des Demetrius steht: ^TQvriyXtog tig avrjQ MJfdog 
jvpaixa 2^axiÖu xata^aXcov. Der name 2^TQvayXiog steht zwar, 
wie ich aus eigener ansieht weiss, in der wolfenbüttler hand- 
schrift und wahrscheinlich auch in allen andern , da er seit der 
AJdina in allen ausgaben, auch in denen von Victorius , Gate und 
Walz, von welchen doch jeder handschriften vor sich hatte, bei- 
behalten worden ist. Ja, das« er schon vor dem jähr 11.50 in 
den handschriften des Demetrius stand, sieht man aus Joannes 
Tzetzes (^hil. 12, 824, wo dafür Z'rQxüXtog steht. Denn dass 
Tzetzes den Demetrius und nicht den Ctesias vor sich hatte, 
würde schon eben die Icsart ^TQväXiog lehren, wenn man auch 
nicht wÜHste, dass er eben so §. 304 nach Schneiders richtiger 
bemerkung die stelle des Clitarchus dem Demetrius und nicht dem 
(.'litarrbus entnommen hat. Nichts desto weniger ist die lesart 
J^tovdyXtog falHch. Denn Demetrius will eine steile des Ctesias 
anführen , in welcher von dem hchwiegersohnc des medischen ko- 
nigfl Astibaras die rede ist. Bei Clesiait hiess aber dieser schwic- 
l^ertobn des Astibaras nicht 2^r{tvityXing, »ondcrn 2,'T(jvnyyaiog. Denn 
•o nennt ihn Nicolaus DaranacenuH, welcher in seiner geschichtc des 
«Myri«cbeA reiche«, d h. in den beiden ernten bücbcrn »einer bi- 



1 
154 Miscelleii. 

storien erweislich dem Ctesias folget, bei C. Müller fragm. hist. 
graec. t. III, p. 364. Und dass diese form die richtig-e ist, sieht man 
aus dem ausdrücklich sich auf Ctesias berufenden Anonymus de 
mulieribus, quae hello claruerunt , in Tychsens und Heerens biblio- 
thek der alten literatur und kunst. st. s. p. 13: dixox&tiaa 8b vno 
10V ayyaiov IxtTSvnaaa ötsacoür], wo die verderbte lesart tov ay- 
yalov statt ^TQvayyaiov wenig^stens die drei letzten silben des 
namens (^ayyaloi;) bestätig-t, während für die richtig-keit der zwei 
ersten' silben (2TQvay) Demetrius selbst zeugniss ableg"t. Es g^e- 
nüg-t also nicht mehr, wie bisher geschehen ist, die identität des 
Stryag-lius und des Stryangaeus anzunehmen; die form 2rQvuyyalog 
muss als die richtige , von Demetrius gewollte in den text ge- 
setzt und die form ^TQvayliog als eine verderbte, von Demetrius 
nicht gewollte beseitigt werden. Denn diese ist bloss durch nach- 
lässigkeit eines abschreibers entstanden. War nämlich einmal von 
den beiden F das zweite ausgelassen worden, so konnte, wenn 
der das j4 von y/ unterscheidende querstrich im yj nach dem F 
übersehen wurde, aus der mit uncialschrift geschriebenen form 
HTPT^F^IO^ leicht die jetzige form 2TPTAFA102 werden. 
Heilbronn. C. E. Finckh. 



10. Zu Hesychios. 

Gl. a 2412 an ig GS' 6 ßoQQug. Wenn nicht alles trügt, 
steckt hierunter wohl Archiloch. fr. 20 , p. 540 Bergk. : a^qp' 
^AniQiog Qodg. 

dvaidsiag qidgog' nixov. Auf grund des Hesychius sind 
die gesperrt gedruckten worte unter Sophokles fragm ente aufge- 
nommen worden. Möglich , dass Sophokles gerade sie oder ähnli- 
che gebraucht hat. Allein wahrscheinlicher dünkt mir jetzt, dass 
sie dem Ion gehören, und Didymos in seinem commentar nur pa- 
rallelen aus Sophokles und Homer beibrachte. Man wird in 7ii(ov 

doch richtiger n "loavi d. i. nag "loovi als iittav erkennen. 

G Silva 7 tj g arjg n aQ& iv o v [iv a t ^ g la . ntX. bildet bei 
Nauck das 733 bruchstück des Sophokles. Aus Photius folgt das 
nicht, nur aus Hesych. Aber waltet hier vielleicht ein irrthum 
ob? In dem ithyphallos zu ehren des Demetrios heisst es bei 
Bergk carm. popul. 34, 5 p. 1057 xh i"^*' '^^ osfifd ryg Kogtjg 
fAVötrigia. Ist nicht diese stelle gemeint, so wäre sie jedenfalls 
dem Sophokles nachgedichtet. 

iyyTJvalo i ' vnoygdiiiiatoi. In diesen dunklen Worten 
glaube ich jetzt das mit keiner Interpretation versehene bruchstück 
eines epischen dichters wahrzunehmen: syyltjvoi liTiagoixfiaToi • 
.... das erste wort wie (xovoylijvog TgtyXijvog loyXijvog gebil- 
det. Vielleicht aber lauteten die worte auch loyXtjvoi Xinagofxfxa- 
toi. Sucht man unter loivTzoygdiJifiaToi etwa XEinoygdfMfiaroif so weiss 
ich mit iyytjvtt absolut nichts anzufangen. — Ein episches wort 



Miscellen. 15S 

steckt auch wohl unter iaavgsvTor* ßXonvgov ^ dnxsgov, BXo- 
avQwnng ist oft mit doppeltem sig-ma g-eschrielien, ßXonavgconov z, 
b. haben Pal. Schell. Rbed. Dionys. Perig^. 123. ßX]oaav qco- 
not* ßXoavQOf cpoßegnv würde untadlige sein. 

fTjTtjg cod., e7]Tvi; Gnyetus. Mög-lich : aber sollte nicht das 
homerische fVjyzi'c qr, 306 g^emeint sein ? 77 fiel vor H leicht weg*. 

axflQOP' axgtdn. Kg^rsg. Nachdem ich mit dem kretischen 
dialect vertrauter gfeworden bin, muss ich das für entschieden un- 
richtig- halten. Ich habe schon früher auf den überg-ang- von sgd 
in r^Q bei den Kretern aufmerksam gemacht. Danach würde äxt]- 
Qov in andern diulecten ux^g^ov gelautet haben müssen ; dies konnte 
aber nur durch uxg(^'du erklärt werden. Und so ist herzustellen. 
Eine aeolische glosse ist oggt^ag' {^gavaug urelnfiefOi;. Sie 
steht für uvaggaiaug oder draggii^agf und muss ogg^^ag gelautet 
haben. 

Bd. I, p. 170, 39 lese man avaXoyeiov für dvaXoyiov und 
vergleiche Pollux X, 7. 

Gl. rt 4215 fordert die Ordnung (nifayayyaXiafiog') dva» 
yagyagafing, didxvaig. 

unter der gl. av^id?]fiog' * Egn'^g Im rrjg iSgvasoDg erregt 
idgvaitog anstoss. Es wird ddgvvöBmg zu schreiben sein. 

dfio mXov dyyiTov (\. uyiov) ElXixgtvsg halte ich für rich- 
tig, sobald dfif'a)f»»v geschrieben wird. Vgl. d(T n iX o v d}ji(opiov. 
Es steht o(o für oj, wie in qpo'wf Komg Sefocfrmv {yocoxog (KgetfTrj), 

diQG in ov ov avfifiergov y dgtnHOp. Die Ordnung verlangt 
dgeaiov oder dgiaxov. Das monstrum findet in deaiv tiovov 
seine lüsung. 

dgiaTj}dTjg- 6 ex rwv dgiaroav ixXsXsyfievog. Wie wäre 
CS mit dgiattdsvg' o fx rät* dglnrcov ixysyeprrjfif'rogi Vgl. 
yaXtdevg, ahidtvg xXenjtSEig igojtiÖtvg u. a. bei Cobet Nov. Lectt. 
p. 151. 

dg aavvtj' nvsXog, Vielleicht dgvadrrj'i 

(a)gaptg' tXaffog. Im Albunesischen heisst (/rmi der hirsch. 
Man konnte also an dgavig denken. Allein näiier liegt wohl 
(tlg) igav {e)ig idaq)og. 

agafief ^Afvitv. Die glosse ist dorisch, wie es scheint: 
aQafih = dgufiHp z=: i^gt^tth und das bald darauf folgende ugd- 
liitai die längere infinitivform. Vgl. G. Curtius grundz. p. 289. 

ißdficomf rjTTtjOt], LeHcn wir ißa^iMÜtj' i^TTijOriy so 
wird klar, dass ixagdOrj gemeint ist. 

*EyXiing. *^qfgo5!rrj. Kvngtni. Freilich int eine gewapp- 
nete Venus bekannt. Aber da das wort die reihenfolge slort, 
bt die frage erlaubt, oh nicht 'EXttog s= ir iXti gemeint ist. 
Kingtoi ist vielleicht richtig, vielleicht aus Kvngtg entstellt. 

ataßaXXayo gag- ppugfiaxöt rt xai XlOog tp 2dft(p. Die 
Ordnung der huchstahcn verlangt /i für IX. Wenn unter Xi- 



156 Miscellen. 

{^üs die rednerbühne zu verstehen ist, liesse sieb avä ßuf>i* ayO' 
Qug' Xid-og BP I^dfiO) sehr wohl halten, (fdfjjxaxov geht vielleicht 
auf ßdfAfia. 

dXova' xiJTioi. Darauf dXov gyd' — Kvtzqioi. Die 
ethnische glosse ist offenbar dlova , wie Ruhnken behauptete. 
Aber sie ist herzustellen in dXov d' ntjTrog oder dX ov ä x/jncp. 
Das Kyprische exemplar des Homer hatte wopl dXovä statt aXcorj. 
Danach könnte yovvovneg zz: xcopcanegy ^ovor oder ^ov'iov ziz ^QJoy 
Kyprisch sein, wenn nicht der Übergang- des co ia ov auch thes- 
salisch wäre. 

l^a ßXsiiico g. Bei Panyasis fr. XX, 8 heisst es nircov 
dßXsfxmg. Vielleicht ist ^aßXeiitco^ zu schreiben. Wie von tqsco 
sich TQ^'fico bildet, so von ßXsco = Tzhco: ßXtfxco ein verbum in- 
termortuum. Daraus ^aßXsiÄijg (wie dtgsfiTJg) und ^aßXsfitcog stark 
trinkend. 

dßoöTOi' Ol aiz7jC!iv. Vielleicht ußoa'xsai' vj^atiatv, 

Ev7]Xog' /Jiog leQov iv Msydooig xal iv KoQiv&cp. Die 
Ordnung- würde zwar EvxXog verlangen ; doch ist wohl EvnXovg 
zu lesen. Ein Zavg &uXdo6iog wurde auch in Sidon verehrt. 

rjiQBi* uQ)^8i, HaieXdijßavEv. Man hat an hqsi' ag^si von 
xQS(a (Kgmv KgeCmv) gedacht um «(>;f£t zu deuten. Doch ist 
wahrscheinlich eine Verwechslung von riysi' dg^stg mit ijgti vor- 
gegangen. 

ü agöv g' d^gaavg. &agavv' ze&aggrjycmg, Musurus hat 
daraus eine glosse gemacht indem er &ngavv streicht. Er hätte 
■&d gavvo g' rE&aggtjxcog eine homerische glosse erkennen sollen. 
Ebensowenig durfte er Qg&ntrjg eg' Tgacpofisvoi (?) d-gsnit'igia. 
tgoqjog in QgETitTJgEg' rgsq)6fiBvoi zoocpsig ändern und d^genTi]' 
Qiu zu dginTo. (lies Oginiga] ziehen. Es sind vier glossen : d^gi- 

nrga. O^gsTTZJjgeg. d^ g an 1 1] g la- (ß- g e tz 7 i] g)- zgnqjog. 

Dagegen hat weder er noch die nachfolgenden kritiker erkannt 
dass sich unter Odaiog Tidi'g 'AyXaoqimvjog eine zeile verlaufen 
hat, welche zu Qacia aX/ur/ gehört. Qdaiog nd'ig 'Aylaocfäviog 
heisst die öS[A.löaXig wie der komiker Theopompos das Therikleion 
0i]gty.Xiovg niarov t^hvov nennt. Damit hat nun inl loig sgyoig 
ysiofit-i>j] nichts zu schaffen. Diese worte sind vielmehr auf Quaia^ 
was mit Qaxpia verwechselt ist (so unten &va(U mit ßvipai), zu 
beziehen und an ol ds ßdufia zt schloss sich im roig sgioig yspofiBPOP, 

Jena. ÜL Schmidt, 



11. Zu Suidas V. ^ Engvtdvsvds, 

Die Worte des Suidas lauten; 'ETzgvtursvae, nagtaxs, ötQjxyJ- 
aaiü. /Iwgd is nsfiTzsi inl cpiXia rs xa/ avfjfiax^(^i ^f ^t^vy- 
yaiog Engvtdvivöiv. Dass hier in bezug auf die form 2jgvyyalog 



Miscellen. jf57 

von keinem fehler der abschreiber des Suidas die rede sein kann, 
siebt man daraus, dass bei Suidas später ein eig-ener artikel folg-t: 
J^TQvyyalog, ovo}xa xvoinv. Suidas bat also selbst in seiner quelle 
die form ZrQvyyalog vorg-cfunden. Aber sie war schon in seiner 
quelle verderbt, und dieser J^rovyynioii , über dessen person sich 
weder bei Küster noch bei Bernliardy eine auskunft findet, ist kein 
anderer, als 2^TQvayyuin(;, der scbwieg"ersohn des niediscben könig-s 
Astibf'tras. Wir haben es nämlich hier, da ausser Nicolaus kein 
anderer g-eschicbtscbreiber bekannt ist, der den Stryang-aeus ge- 
nannt hätte, als Ctesias selbst, von welchem Suidas nur ein ein- 
zig^es dem Harpocration entnommenes citat aus seinem nBQinXovg 
jtjg 'Aaiug^ aber keines aus seinen historien hat, — wir haben 
es hier mit einem citat aus dem zweiten buche der historien des 
Nicolaus Damascenus zu thun, durch welches die drei bereits von 
C. Müller in den fragm. hist. graec. T. III , p. 363 — 365 aus 
Suidas aufg^enommenen frag-mente desselben vermehrt werden kön- 
nen. In diesem citat ist die rede von Zarinaea, könig-in der Sa- 
ker. Diese schloss nach Ctesias, dem Xicolaus hier folgt, nachdem 
sie ihren zweiten gemahl g-etödtet hatte, welcher den im kriege zwi- 
schen den Sakern und Medern in gefangenschaft geratheneu Stryan- 
gaeus der ihr vorher das leben geschenkt, hatte umbringen wollen, 
einen freund- und bundesgenossenschaftsvertrag mit dem könige 
von Medien Astibaras. So der anonym us de mulieribus, quae hello 
clarueruntf in Tychsens und Ueerens Inbliothek für alle literatur 
und kunsl, st. 6, p. 13 Tzu()uffovaa reo Woari tyr iccQav (ptXiap 
inotrjrsaTO ngog uvtov , cog hrngei Krrinlag ^ und noch genauer 
und in Worten, welche zum theil an die des Suidas erinnern, Dio- 
dor. 2, 34: dtontQ cvatditog noktfiov roig 2.uxaig n^og Mijdovg 
in htj nXetoi yirf'öOat la fiuxng ovx oXiyag , xat av^vöjv ttuq 
uucfOTfQOig (tTaiQiOevTcov to TeXivratov etQi'jrriv fm roigds avp' 
OtaOait HuQ&ovg filv vno MtjÖovg re7d)^0at, röJv di nQovnuQ» 
'/ofTcop txajtQOvg HVQtevaavrag q:iXovg elvat xal (Tv^fid- 
X'ivg uXXt'iXotg tlg lov dnavia x'y^övov, ßaailsiaat de rore rmp 
JTrtxci)»' yvt'ttixa — npofta ZuQivatav. Nach der stelle bei Sui- 
das hatte Stryangaous diesen vertrag vermittelt, wozu er als 
groMsmüthig behandelter gefangener der Saker und als Schwieger- 
sohn des königs der Medcr sich vor anderen eignete, und Zari- 
naea schickte dafür geschcnke. Das zeitwort rtQVjuvtvur fin- 
det sich bei Nicoluus auch Vita Cae»ari$ c. 28, p. 451 : dne() 
vartQfif fn(tvTdttvatP 6(fO<ög to daifioptov xat ?/ tvxf]- 

Heilbronn. C. E. Finckh. 



12. Zu Lucretius. 



1. In laueret. IU^'*350 ed. I^achm. wird gelesen: 
Quod super est, siquis corpus sentire rcfutat, 



158 Miscellen. 

Atque animam credit permixtam corpore toto 
Suscipere hunc motum quem sensuin noniiuitamus, 
Vel munifestas res contra verasque repugnat: 
„Wenn einer zuletzt noch läugnet , dass der körper fühle, und 
meint dass die seele gemischt dem g'anzen körper diese bewegung", 
die wir das g-efühl nennen, hervorbringe, dann streitet er selbst 
g-eg-en offenbare und wahre ding-e". — Diese letzte zeile ver- 
stehe ich nicht. Erstens kann man niemandem einen Vorwurf dar- 
aus machen, dass er g"egen wahres streitet, da die Wahrheit ja 
sehr häufig dunkel und nur für den tiefer oder feiner blickenden 
erkennbar ist. Die verkennung der Wahrheit ist nur dann ver- 
dammenswerth , wenn diese offenbar , auf der band liegend ist 
(manifesta). Und dies freilich wirft Lucrez häufig den gegnera 
seiner ansieht vor. So III, 359 sqq. : dicere porro oculos nullatn 
rem cernere posse. Sed per eos animum ut forihus spectare reclusis, 
Desiperest, contra cum sensus dicut cor um. Ebenso lässt er sich 
diesen einwand bringen I, 803: at manifesta palam res indi- 
cat, inquis, in auras Aeris e terra res omnis crescere alique. Fer- 
ner ist es nicht recht und folgerichtig, vielmehr falsch und ab- 
surd, den begriff der deutlichkeit mit dem der Wahrheit so zu 
verbinden wie es an besagter stelle geschehn. Vielmehr musste 
in umgekehrter reihenfolge stehn : vel veras manifestasque res con- 
tra^ da alles offenbare, handgreiflich vor äugen liegende, selbst- 
verständlich wahr ist, also erst das umfassendere, allgemeinere, 
dann das engere, beschränkende kommen musste. Für eine sol- 
che Zusammenstellung, wie nach der vulgata in besagtem verse 
sich bietet, wird man kein beispiel im Lucrez nachweisen können ; 
ja nicht aber darf man damit zusammenhalten die zahllos vorkom- 
mende häufung der ausdrücke zur bezeichnung derselben eigen- 
schaft, wovon nachher. Dort wird nämlich derselbe gegenständ 
durch zwei synonyma, also congruente begriffe, ausgedrückt, was 
mit dem hier besprochenen falle selbstverständlich nichts zu thun 
hat. — Werden wir uns also bedenken mit Veränderung zweier 
buchstaben zu schreiben; cel manifestas res contra clarasque re- 
pugnal? Was zunächst die Verdoppelung des ausdruckes dersel- 
ben sache betrifft, so würde bei einem andern dichter, zumal ei- 
nem der nicht didaktisch ^), dieselbe verwerflich sein; grade 

2) Häufungen wie more modoque bei Hör. C. IV, 2, 28, oder cm- 
dex ultorque parentis bei Ov. Met. V, 237 gehören zu den Seltenheiten 
in der augusteischen poesie, und dürften nicht dem vorwürfe, dass 
sie sich der prosa nähern, entgehn, obwohl bei Horaz das formelhafte 
(deshalb auch aliiterirende) des erwähnten ausdrucks in betracht kommt. 
Bei dem yirgilischen magnam cui (Sibyllae) mentem animumque Delius 
inspirat vates ist es mir immer so vorgekommen, als habe der dichter 
einen älteren poeten , etwa den Ennius, vor äugen gehabt; eine ver- 
muthung , die auch in metrischer hinsieht, wovon an einem andern 
orte, sich empfiehlt. Doch glaube ich nicht, dass Trag. 255 iii mentem 
atque animnm dehctat suum, was in den erhaltenen trummern der stelle 



Miscellen. ^59 

umg-ekehrt bei Lucrez. Es genüg-e an einigen beispielen aus 
dem ersten buch. V. 83 scelerosa atque impia: 100 felix 
faustiuque: 337 ofßcere atque obslare : 431 seiunclum secrelum- 
que . 452 seiungi seque gregari: 559 disturbans dissohensque : 
736 bene ac dicinitus. Ferner: in promplu manifeslumque: II, 
149, 246. — Was endlich die entstehung des fehlers betrifft, 
so ist es klar, dass teras (beras) auf dieselbe weise, nur mit 
umgekehrter verderbniss aus ciaras entstanden , wie kurz vor- 
her V. 321 noctis aus nobis ^ was endlich Lachmann wieder her- 
gestellt hat. 

II. Bei demselben dichter heisst es V, 828: 
Mutat enim mundi naturam totius uetas, 
Kx alioque alias Status excipere omnia debet, 
\ec manet ulla sui similis res: omnia migrant, 
Omnia commutat natura et vertere cogit. 
Namque aliut putrescit et aevo debile languet, 
Porro aliut clarescit et e contemptibus exit. 
Sic igitur mundi naturam totius aetas 
Mutat, et ex alio terrani status excipit alter; 
Quod potuit nequeat, possit quod non tulit ante. 
Alles ist herrlich und meisterhaft; nur genügt der letzte vers 
nicht dem gedanken , wie Kentley und Lachmann erkannt haben. 
Da nämlich der gedanke, dass alles vergänglich und wandelbar, 
in dem vorhergehenden in der bestimmtesten, positivsten form aus- 
gesprochen ist , so ergiebt sich von selbst , dass v. 836 , der die 
reihe heschliesst, affirmativ, und nicht dubitativ, was der coniunctiv 
offenbar ausdrückt, sein muss. Deshalb hat lientley vermuthet 
quod tulit, ut nequeat cett., dem sinne nach vortrefflich , aber doch 
gänzlich abgehend von dem überlieferten. Auch mindert sich die an- 
nehmbarkeit der coniectur, wenn man bedenkt, dass potuit nicht 
den mindesten grund darbietet an eine in ihm verborgene verderb- 
niss zu denken: im gegentheii, es passt vortrefflich zu dem leicht 
erkennbaren gedanken. Darum hat Lachmann Hentley's änderung 
mit recht verworfen, indem er jedoch an dem anstosse desselben fest- 
hielt : Formabimus leniter, quod pote uti nequeat, possit quod 
non tulit ante, uti nequeat ferre quod pote; sine verbo substan- 
tivo y ut in 111, 1079: nee devitari letum pote, quin oben- 
mui. ita tuave iu primis libri tecundi tersibus y mir um in II, 
87, 338, V, 1238. >l, 130, »cilicet adiectica neutri generis. — AI- 
lein zuerst spricht gegen diesen versuch , dass die für die aus- 

•UN der Apni'i« «m nArhulen komml , dorn Virpil Tnrf(Piirhwi>h( h«he. 
Sonil itl die hiiufung \nu »ynonytm* hei KnMiiiti zahlreich und aui 
•einem ringen mit der form sowie irinor unliehüKlichkeil leicht cr- 
klArlirh. Ann. *^\ ampicio augurioquf. \\'i feltrttrr ac brnr: Tgl. gut 
Ann. 107. Anderen gilt nlirigm« fiir die ultlMtcjniiirh iireniarhe 

fiofale, wo die hier brftprorbrnu rmchi'iuung wohl uoch •ndere licfor 
liffg«nd« gründe h^t. 



fOO Miscellen. 

lassung^ des hülfszeitverbum beigebrachten stellen nur dafür zeu- 
gen, dass est fehlen kann unter gewissen bedingungen , wovon 
später; hier aber müsste pote für potuit stehen , wie aus dem 
folgenden possit quod non tulit ante hervorgeht, was auch 
Christ in den Quaestiones Lucretianae München 1855, p. 10 z. e. 
richtig gesehn hat. Dies ist in der zeit des Lucrez unmöglich. 
Sonst freilich, wenn pote an dieser stelle für potest genommen 
werden dürfte, wäre eS grammatisch untadelig: vgl. Ritschi, proll. 
in Plaut. Trin. p. cxi. Dagegen mochte ich nicht mit Lachmann 
als grund für die auslassung des verbum substantivum anführen, 
dass sie bei adiectivis generis neutri stattfindet — denn weshalb 
sollten diese einen vorzug oder einen unterschied hierin haben? — 
vielmehr dürfte folgendes zur erklärung der von Lachmann bei- 
gebrachten beispiele dienen. Es ist gesetz für die altlateinisch 
hexametrische poesie, dass est, obwohl es in der regel nicht aus- 
gelassen werden darf (vgl. Lachm. zu Liieret. I, 111), untadelig 
fehlt, sobald der gedanke des satzes sich verallgemeinert und zur 
Sentenz wird. Lucret. 11, 1 sqq.: 

Suave mari magno turbantibus aequora ventis 

E terra magnum alterius spectare laborem. 
ibid. vs. 6: Suave etiam belli certamina magna tueri 

Per campos instructa tua sine parte pericli. 
III, 1078 sqq. : Certa quidem finis vitae mortalibus instat, 

Nee devitari letum pote, quin obeamus. 
Sogar schon in jeder leidenschaftlichen , rhetorisch erregten rede 
darf die gleiche licenz eintreten. So in den schönen versen des 
Ennius Ann. 38—42: 

Eurudica prognata, pater quam noster amavit, 

Vires vitaque corpus meum nunc deserit omne. 

Nam me msus homo pulcher per amoena salicta 

Et ripas raptare locosque novos. ita sola 

Postilla, germana soror, errare videbar. 
und ibid. v. 86: Omnibus cura viris, uter esset induperator. 
Catull. LXIV 185: Nulla fugae ratio, nulla spes: 
denn an der Verlängerung des a vor sp wird hoffentlich niemand 
anstoss nehmen. Zwar ist, irre ich nicht, in hexametrischer dich- 
tung dies das einzige beispiel der dehnung einer kurzen end- 
silbe vor folgendem doppelconsonanten bei Catull; allein ebenso 
sagte Ennius Ann. 99 : stabilitä scamna solumque , und 562 : po- 
puleä frus, und lange nach Catull Gratius 173 generosä stirpibus 
arbor : ib. 259 vulpina species , anderer beispiele nicht zu geden- 
ken. — Es Hessen sich überhaupt interessante facta in bezug auf 
die beachtung oder Vernachlässigung der position in dem erwähn- 
ten falle dem gebrauch der einzelnen dichter gemäss bringen; 
doch verspare ich dies auf günstigere gelegenheit. — Ferner 
nun, um wieder auf die auslassung des hülfszeitverbum zu kom- 
men, ist es regel dass est in den fast formelhaft gewordenen aus- 



Itlisccilen. iQ£ 

drücken nee (neque) mirum, quid mirum fehlt. Beispiele sind zahl- 
reich. Lucret. II, 86 : 

fit ot diversa repente 

Dissiliant: neque enim mirum, durissima quae sint 

Porideribus solidis. 
Vgl. ibid. 338. VI, 130. Catull. XXIII, 5 sqq.: 

Est pulcre til>i cum tuo parente 

Et cum coniug-e lig^nea parentis. 

Nee mirum : bene nam valetis omnes 

Pulcre cuncoquitis, nihil tioietis. 
Cf.LVIl, 3. LXII, 14. LXIX, 7. Endlich für ,, quid mirum'' : Lucret. 

V, 1238 „quid mirum, si se temnunt mortalia saecla?'* — denn 
über die zeit des freistaates hinaus in der anführung- von beispie- 
leo zu i^ehn ist nicht rathlich, da die auslassung- des verbum suh- 
stantivum bei den aug-usteischen dichtem überhaupt viel zahlreicher 
und freier von einschränkungen ist, denn vorher. Üebrigens ver- 
steht es sich, dass wenn auch in der regel bei jenen formelarti- 
gen, sehr häufig gebraucbten Wendungen „es/" ausgelassen wurde, 
die lebende spräche dies doch nicht für sacrosanct ansah , und 
dass sich auch wohl einmal das verbum heigesetzt findet. Lucr. 

VI, 375; 

Nee mirumst, in eo si tempore plurima fiunt 
Fulmina. 
Ebenso verhält es sich mit dem formelhaften hie situs, wo est feh- 
len darf. So in der einen Scipionen -grabschrift dss L. Cornelius 
Co. f. Co. 0.: „ts hie silus quei numquam victus est tirtutei" und 
ebenso in dem epigramm des Lucilius: ,^sertus neque infidus do- 
mino neque inutilis quoiquam Lucili columeUa hie situs Metrophanes. 
Dagegen in einer grabschrift bei Orelli 2623 : Protoqenes Cluulei 
sttareis heicei situst mimus , und so Cicero hei Gellius XV, 6: 
fjhie Situs est titae iam pridem lumina linquens , Qui quondam 
Hectoreo pereulsus eoncidit ense, um von spätem zu schweigen. 5) 
Nachdem wir nun gesehen, dass die conjectur Lnchmanns zu 
der stelle, von der wir ausgegangen, nicht wohl möglieb, und 
darauf utin bemüht hatten zu zeigen, dass die spärlichen falle der 
auslasNung von ftt in der alten latinität einen andern grund als 
den von ihm beigebrachten haben , wollen wir versuchen in dem 
Verse quod polmt nequeat possit quod non tulit ante die fehler 
des lucrezischen archetypum seihst zu corrig'iren. Wir nehmen 
zuerst an, dass po%»it mit demNclben irrthum, oder auch derselben 
interpolutiun geschrieben »«ei für poli» est, wie die handschriften II, 
850 quod licet ac possis reperire für quoad licet ac potis es re- 

3) Pormelhsft liod such wt^ndun^ idiusifThtt und Ihnli'eha 

fnittehl. prol. «d Trin. p. CXI), und dem nrc mirum kommen am 
nicbttrn «uidruckc wi« imerfdihih quanfum , mirum quantum, mirum 
»i «Ic. wo diff sualstiunR d«s Ttrbun suiilisre regvl ist. 
rKii.Ug.». \v. j4k,g. 1. II 



1A2l Miscellen. 

perire bieten. Nachdem wir dies hergestellt, bleibt nur noch die 
frag-e übrig, ob es zu verwegen sei, aus nequeat zu machen ne- 
quit et oder nequit ac, wonach als der vers so lauten würde: 

quod potuit nequit et potis est quod non tulit ante. 
Denn an der Verbindung adversativer sätze durch eine copulativ» 
Partikel nimmt niemand anstoss. Horat Serm. 1, 2, 107: 
mens est amor huic similis; nam 
Transvotal in medio posila et fugienlia captat. 
Berlin. Lucian Müller. 



C. Griechische Inschriften. 

13. Die Kabiren, Kasmilos und Titanen zusammengestellt. 

In A. Conze's soeben erschienener „reise auf den inseln des 
Thrakischen meeres" wird p. 91 eine von der insel Imbros stam- 
mende, auf taf. XV, n. 9 genau wiedergegebene inschrift folgen- 
dermassen gelesen: 

&sol dvtctroi, 

KaöfxsiXe — i 

01% h'olog, 

KgEiogj * T- 

negeimv, 

ElaTzezogf 

Kgovog» 
Dazu bemerkt der herausgeber: „dass der beiname &sol ^sydXoif 
^Eol dvvatüi gerade auch den samothrakischen gottheiten häufig gege- 
ben wurde, ist gewiss, ebenso gewiss, dass Irabros mit Samothrake 
den cultus der Kabiren theilte. Schon eine bisher vereinzelt ste- 
hende notiz bei Photius erklärte die Kabiren für Titanen. Die 
vorliegende imbrische inschrift nun nennt als die x^toi (xtydXoi, 
Üsol Öviaioij laxi'QQoi — die bekannten in Hesiods theogonie 
und in einem orphischen fragmente aufgezählten Titanen Koiog, 
KQsiog, ' Tntgeicop, Elantrag und KyötOs, auch ganz in derselben 
reihefolge wie in den beiden angeführten stellen. Der vorherge- 
hende "Arai^ erscheint in der milesischen uns von Pausanias er- 
haltenen sage als söhn der Gaea, also als bruder der genannten 
Titanen, die form Ky42MElyJE — ? in zeile 4 und die lücke 
mit den buchstaben TIAT — Ol in zeile 5, 6 befriedigend zu 
erklären, überlasse ich kundigem." Es liegt auf der band, dass 
der Steinmetz sich einige grobe nachlässigkeiten hat zu schulden 
kommen lassen. Was zunächst jenes Kaa^tiU anbelangt, so 
kann wohl kein zweifei sein^ dass nichts anderes gemeint ist als : 



llliscellen. £03 

Kaafteilo^y d. t Kaa/iilog oder Kad(xiXo(;. Der fehler entstand, 
Indem das O ausgelassen und das Z" am ende, welches auf dem 
steine durchgäng^ig die form des E ohne den querstrich in der 
iiiiit. hat. mit h! verwechselt wurde. Der Samothrakische Kad- 
luilo:» oder Kasmilos ist allbekannt. Gehen wir jetzt zu dem 
j41\'AZ über, so g-ilt Anax bei Pausanias I, 35, 5 nur als 
soho der Ge nicht des üranos und der Ge (wie, nebenbei 
beaerkt, in Jacobi's handwörterbuch der griechischen und romi- 
schen mytholog"ie unter dem worte falschlich ang^egeben wird). 
Er wird nirg^ends unter den Titanen aufgezählt. VVir haben keine 
berechtigung- ihn den im folg-enden genannten Titanen an die 
Seite zu stellen. Aber das wort braucht ja kein nomen proprium 
zu sein. Es ist vielmehr nebst dem folgenden als apposition zu 
KadfAfUoi,' zu fassen. Zwischen TIAT und Ol eine lücke anzu- 
nehmen, zwingt auch nicht das mindeste. Sicherlich hixor U AT 
durch nachlässigkeit des Steinmetzen ein T ausgefallen und das / 
am ende für /. gesetzt (wenn nicht die zeit die beiden querstriche 
getilgt hat; denn an der vollkommenen genauigkeit der Conze- 
sehen abschrift zweifle ich durchaus nicht). Das wort sollte lau- 
ten : vnazo^. Also haben wir : KaafisiXoi; , ut>n^ vnato^ , Knios 
u. s. w. Wären nun die am anfang genannten x^ent fisyuXoiy 
^«01 dvpuToi, inxvQoi keine anderen als Kasmilos, Koios u. s. w., 
so hätte man das xin hinter la-jn^vQoi als fehlerhaft zu betrachten. 
Da böte sich denn die leichte conjectur: laivQiviot. Allein die vor- 
ausgesetzte identität der kabiren und Titanen scheint mir auf sehr 
schwachen füsseu zu stehen. Conze beruft sich auf die in Lo- 
becks Aglaophamus p. 1249 angeführte notiz des Photius: Kußei- 
poi daifiOfi^' ixyfiifivov diu tit rökfi^fia röiv yviaixööv fi€TEr8)^0iiTe%'. 
Eint di r]ioi ' Hcfiaiarov rj Tirürei,', Aber ein jeder, welcher den 
letzten Worten die gehörige aufmerksamkeit zuwendet , wird mir, 
glaube ich , beistimmen , wenn ich behaupte , dass man wie von 
selbst auf die ansieht komme, für Tiruvt'i sei zu lesen: Tiräfm;, 
Freilich wird nirgend anderswo berichtet, dass die Kabiren kinder 
des Titan seien. Aber das macht nichts aus, du ja auch die an- 
gäbe von der identität der kabiren und Titanen allein dastehen 
würde. Findet doch selbst in betreu' des llephästos als vaters 
der kabiren schwanken statt. Nach Akusilaus bei Strubo X, p. 
472 a. e. war jener vielmehr der grossvater dieser. Die angäbe 
des Hephästos als vaters , für welche Pherekydes bei Strabo a. a. 
o. die ältcNte auctorität ist , stimmt überein mit der genealogie 
der ägyptiHrhen kabiren, die bekanntlich als söhne des Hephästos 
galten, und der genealogie der ebenfalls mit den samothrakisclien 
göttern für eins erklärten phönikiMcheu kabiren in Herytos, wo- 
fUr ich der kürze wegen auf Jurobi u. d. W. kubeiren , p. 516, 
\«rueiMen will. Als eitern diewer phönikiNclien knhiren wnnte ge- 
ii.iuiit Nydyk und eine Titaiiin. Die Tilanin aU mutter kann 
etwa tur erklkrung Cnirht aber sur Verbesserung) der glosse bei 

11* 



1^4 Miscellen. 

Photius dienen, üeber den Titan verg-leiche man die zusammen- 
Stellungen in Schömann's abhandl. de Titan. Hesiod. p. 32 (Opusc. 
acad. Vol. II, p. 121) anm. 47, wenn nicht vielmehr der sonnen- 
g-ott g-emeint ist. Also: für die identität der Kabiren und der 
Titanen spricht die stelle des Photius nicht, und unsere inschrift 
steht, insofern die obige herstellung die richtige ist, der annähme 
einer solchen identität schnurstracks entgegen. Vielmehr wer- 
den in der inschrift die Kabiren (^Otoi fxsydXoi, &sol dwuTo) , lö- 
XVQoi) mit andern wesen zusammengestellt, unter denen den er- 
sten platz Kasmilos einnimmt, welchem sich fünf Titanen anschlie- 
ssen. Die trennung der Kabiren und des Kasmilos ist ganz wie 
in der bekannten stelle des scholiasten zu Apollon. Rhod. 1, 917. 
Sie wird für die insel Imbros auch bestätigt durch die stellen des 
Stephan. Byzant. u. d. w. 7/^/iioos' und des Eustathios zu Dio- 
nys. Pcrieg. vs. 524, in denen die Kabiren und Hermes gesondert 
genannt sind. Wem es bedenken erregen könnte , dass es bei 
Varro de Ling. Lat. Vll, 34, p. 133 Müller heisst: Casmilus no- 
minatur Samolhrece mysteriis dius quidam administer Das Magnis, in 
unserer inschrift aber: Kaöf^tikoi:, ava^ vnarog, der erwäge, dass 
Kasmilos, insofern er eins ist mit Hermes, gerade auf Imbros, wo 
der Hermes von den Karern Imbramos oder Imbros genannt wurde, 
besonders hoch stand. Dazu kommt das passende der hervorhe- 
bung gegen die zunächst mit ihm verbundenen Titanen. Anlan- 
gend die Zusammenstellung der Titanen mit den Kabiren , so 
giebt dafür schon einen genügenden pendant die obenerwähnte 
herleitung der phönikischen Kabiren von einer Titanin als mutter. 
Was aber den umstand anbetrifft, dass die Titanen unmittelbar 
mit dem Kasmilos, d. i. dem ithyphallischen Hermes, zusammenge- 
nannt werden, so möchte ich besonders auf die glosse des Pho- 
tius Lex. p. 592 aufmerksam machen, in welcher es von den Ti- 
tanen heisst: hoi^ii^ovro ds jwv TiQiancodmv &e6jv y eine auffas- 
sungsweise, welche nach Meineke fragm. Com." Gr. Vol. I, p. 
101 und 411, auch von den komikern, aber ihren zwecken ge- 
mäss, benutzt worden ist. ') 

Göttingen. F. Wieseler. 

1) Ich ergreife diese gelegenheit zur berichtigung eines missver- 

Ständnisses Conze's, welches mich betrifft. Als ich ihm mündlich meine 

ansieht über die auf p. 21 seines oben angeführten werkes unter B 

behandelte inschrift mittheilte, meinte ich, dass in vs. 5 zu lesen sei 

TtaTQog d' evokßoto SoffoxXeos ägatva yivvav. 



D. 14. Berichtigung. 
Im Philologus XIV , p. 362 sind die beiden Schriften : der 
beste Staat des Aristoteles, Bromberg 1851 vom Oberlehrer 
Fechner; und die schrift; über den gerechtigkeitsbegrift" des Ari- 
stoteles von H. A. Fechner. Leipzig 1851, gegenwärtig colla- 
borator am Elisabethgymnasium in Breslau, einem und demselben 



Miscellen. 165 

Verfasser irrthümlicb von dem unterzeichneten zug-eschrieben. ln> 
sofern diese vermenfifung- verschiedener Verfasser auf die beurthei- 
Jung- der genannten Schriften leicht einen nachtheiligen einfluss 
mag- äussern können, beeilt er sich jenen irrthum hier zurückzu- 
nehmen. 

Ploen. J. Bendixen, 



Et, Auszüg^e aus Schriften und berichten der gelehr- 
ten g-esellschaften so wie aus Zeitschriften. 

Akademie der itiss, zu Berlin , 1859: monatsberichte , Januar, 
p. 15: Gerhard berichtet über zwei neu entdeckte griechische In- 
schriften , die auf Oxythemis bezügliche (s. Philol. XIV, p. 435) 
und die niessenische (s. ebendas. p. 436). — Februar, p. 128 — 
157: Barth, versuch einer eingehenden erklärung der felssculptu- 
ren von Boghaskoei im alten Kappadocien : sie werden aus Uerodot. 
I. 74 zu erklären versucht. — Lep sius, ^t. 1S2 — 186 : chronologische 
Untersuchungen : sie , abschnitte aus einer grösseren abhandiung, 
beziehen sich 1, auf die tagesstunde, mit welcher Ptolemäus den 
ägyptischen tag beginnen liess; 2, in welcher stunde der diony- 
sische tag begonnen habe , 3 , wie sich die überlieferten dionysi- 
schen daten zu den julianischen Schaltjahren und 4, wie sie sich 
zu den dionysischen Schaltjahren verhalten haben : daran anschlie- 
ssend machte Boeckh über den Kalender des Eudoxus bemerkun- 
gcn. — ^/dri, p. 259 Parthey, über die erdansicht des geogra- 
pheri von Ravenna: ohne auszog. — /. Bekker, p. 259 — 268: 
über zahlenvcrhältnisse im homerischen versbau: es wird bemerkt 
1, da«s wenn auch in der ersten stelle des hexametcr der daktylus 
' t'^rer sei als der spondeus, doch daraus Vorliebe für den spoiidcus zu 
Anhangsweise wird von den kürzen gesprochen, womit ei- 
imeter anzufangen scheinen, wie 6iu, (n"ktj Xvro , fnhiörj 
iimI il.inii gemeint, es zeige darin sich eine wandellturc quantitat, 
lie aber unangetastet bleiben müsNc; 2, bemerkungen über die 
<äsur im zweiten fussc: dabei die bemerkung , dass zusummen- 
>etzungen dem verse überall nicht für festverwaciisene einheilen 
L<ltrii, am wenigsten verba mit angesetzten priiposilionen ; 3, in 
'!• IM «Irittfn fiihsc hcbeiden sirb durch die cäsur die zwei reiben, woraus 
i' I l'x.imeter b^Hteht, eine daktylische und anapastisrhe : daher 

* \s< liip; verse, denen sie fehlt: unter den 15694 der llius seien nur 
185, unter den 12101 der Odyssee nur 71 ohne sie und in die- 
Mor finden sich cnutelen: die verse sind verzeichnet; 4, wird die 
räsur des vierten fuNses be»prochen , namentlich die sog. bukoli- 
s« In- r.iMir, vor welcher meist daktylen ständen , zu deren herbei- 

«liMlIuiig die Sänger häutig zu formen hätten greifen müssen, die 
sonst nicht vorkämen: dies wird ao einer massc stellen g^eseigt; 



rti. 

)ic\ai 



166 Miscellen. 

5, verhältniss der spondeen und daktylen im fünften fusse; 6, die 
form der ausgänge des verses : die gewöhnlichsten wortfüsse der 
zwei letzten versfüsse seien ein trochäus mit dem bacchius , vn- 
arov sTaiQoav. — Haupt, p. 269 : über ApoUonius von Tyrus ; ohne 
auszug. — April, Mommsen, p. 358: über die griechisch - asiati- 
schen münzwährungen und ihr verhältniss zum römischen gelde: 
ohne auszug. — Mai, p. 391 — 395: Bekker , über den homeri- 
schen gebrauch von oti und o ii, oza und o Tf, iüeloo und d^s/.co; 
es wird &sXa) für Homer bewiesen, und in einer note eine reihe 
versehen in Bekker's ausgäbe des Homer berichtigt. — Juni, p. 
407 : Parihey , über die iberische halbinsel der alten geographen : 
ohne auszug. — Bekker, p. 423 — 26 giebt noch einige beispiele 
(zu i&i-'Xm) von Wörtern, die bei Homer ein s zu anfang bald ha- 
ben bald nicht haben, wie xsivog und ixslvog, svsqi^s und v^'q&s, iti- 
ödfisvog und shdfAevog, isiHoai und s'iy.o(ii: er nimmt dabei einige 
früher gemachte conjecturen zurück und setzt diese beobachtun- 
gen mit den über die cäsur gemachten in Verbindung. — Juli, p. 
608 — 515: Gerhard, Paralipomena zu seinen etruskischen spie- 
geln: uachricht über die fortsetzung dieses Werkes. — P. 515 — 
524: J. Grimm, über die göttin Bendis: nach bemerkungen über 
das enge verhältniss der Thraker zu den Griechen stellt Grimm die 
stellen der alten über die göttin zusammen und sucht nun die 
mondgöttin in dem namen nachzuweisen : in ben findet er die be- 
deutung weiss, in dis die göttin, frau, also nr die „schöne, leuch- 
tende, weisse frau", die also mit Vanadis, Artemis, Freyja zusam- 
menzustellen: es wird dann noch aus anderm auf den Zusammen- 
hang zwischen den Thrakischen und Germanischen Völkern hin- 
gewiesen. 

Sitzungsberichte der k. k. akademie, Wien XXX bd., 2 heft, 
Febr. 1859. 3 h. März. Reinisch: über die namen Aegyptens 
bei den Semiten und Griechen: nach Zurückweisung der andern 
erklärungsversuche von Aiyvnrüg deutet der Verfasser diesen 
griechischen namen als land der Kaphtorim, ihQS'';^, Ikaphtor. 
Die Kaphtorim des alten testaments hätten das delta bewohnt, 
welches von den Griechen ursprünglich vorzugsweise den namen 
Aegypten gehabt habe; und wenn Herodot sage, dass die Thebais 
zuerst Aegypten genannt worden sei, so meine er damit nur, die 
Thebais sei der erste wohnsitz der Aegypter gewesen. "i^ von 
Ikaphtor sei griechisch durch ai wiedergegeben worden. Sei hier- 
nach zwar Ikaphtor zur zeit der bibelabfassung nicht als identisch 
anzusehen mit Kreta , so scheinen doch die Kaphtorim sich auf 
verschiedenen inseln des aegeischen meeres niedergelassen zu ha- 
ben und es seien daher das 'mythische volk der Carpathii, sowie 
KQTjTrj, Kvnoog , Kvdijga nach den Kaphtorim genannt worden. 
An diesen „phÖnikischen" stamm [der Verfasser bringt nämlich 
[Jjjlovaiov und FlaXaiötivog zusammen und lässt die Peli'stim 
theils aus Aegypten einwandern (Pleti), theils durch Carier von 



Miscellen. ig7 

von Creta her (Krethi) verstärkt werden] müsse man denken, 
wenn von ägyptischer einwanderung* in Griechenland die rede ist; 
eigentliche Aegypter, Kemui, seien weder in Hellas, noch auf den 
inseln nachweishar. (Auch Poote, fügt er in einem nachwort 
hinzu, stelle zu Rawlinson's Herodot diese ableitung- des nameos 
Aegypten von Kaphtorim auf, erkläre aber ai durch a?u). — 
'HqinnrifCy ein zweiter name Aeg-yptens bei Steph. Byz., komme 
von 'HqttKjtO'i^ dem g^riechischen namen desPhthah; Ahoia (eben 
4s; so heisst auch Creta) soviel als nnta^ht^ von dem koptischen 
nanen des Nils eiero, iero, (schwarz); wofür der Verfasser anführt, 
dass der scholiast des Apoll. Rhod. ^ Atioa durch fjs'Xa»; erkläre, 
p. 379 — 413. — Dethier: „Dreros und kretische Studien, oder 
Stele mit einer inschrift dieser pelasg'isch - minoischen Stadt, ent- 
haltend die tripel-allianz der Drerer, Gnosier und Milutier g"egen 
die dorischen Lyttier, mit einer vor - olympischen zwölf- götter- 
tafel der Drerer." Die inschrift, jetzt im türkischen museum der 
Irenenkirche, ist nach einem von Rangabe antiq. Hellen, vol. H, nr. 
2477 veröffentlicht: Dethier, die fehler der ersten abschrift be- 
richtigend, giebt die inschrift mit gegenüberstehender Übersetzung 
und fügt endlich anmerkungen hinzu. Auf acht tafeln ist ein fucsi- 
mile der inschrift beigegeben. Die erste zeile der inschrift druckt 
Dethier: [Q]f6ii E/Tv^'t. In diesem EI erkennt er (nach Ca- 
ratheodori's Vorgang , der so das fi in Delphi erklärt , s. Plu- 
tarch ritQ) TOXI iv JfXcpoii; EI Constantinopel, 1847) die anfangs- 
buchstaben von Jehova. In einem anhange sucht der Verfasser 
die Sache noch dadurch glaublich zu machen, dass er anführt, der 
stamm Kaphtor habe Creta bewohnt. [Im facsimile ist, zwischen 
dem 2^ des angeblichen Wortes ^fov und dem T von Ti'/rt nur 
ein zeichen, ähnlich einem umgekehrten E, also etwa ^: Papas- 
liotis hielt es auch gar nicht für einen buchstnben, sondern für 
ein interpunktionszeichen, das hier freilich keine stelle hat. Auch 
passt Jehova gar nicht zu rvyu: und da in der zweiten reihe uu- 
zweifelhaft da« wort rt/jr»« im dntiv vorkommt, nämlich ayaOii 
"ivyrr., so scheint es nach allem, dass der gelehrte Verfasser an 
der schwelle der inschrift arg gestrauchelt ist und einen frommen 
irrthum begangen hat, den die Wiener akademie nicht hätte unter 
ihren schütz nehmen dürfen. Dethier selbst hält nämlich das C') des 
angeblichen Wortes i'^to'v in der ersten zeile für problematisch, 
wie er dadurch anzeigt , dass er in seinem abdruck der inschrift 
es einklammert: in der (hat wird, wer es mit den übrigen ('), 
die vorkommen , vergleicht , es nur schwer für diesen buchstaben 
halten; es ist nichts als ein monogrammatisches zeichen, durch 
welches der InpidnriuM andeutete, dass von den vier seiten der säule, 
welche die inschrift enthalten, diese seite den nnfang gieht. Ferner 
ist von dem O des von Dethier herauNgelesenen Wortes fhö,; nur ein 
bogen ; übrig und da ii in der inschrift beinahe immer schräg 
geNchrieben ist, so sterkt in diesen seichen viel wahrscheiali* 



^^ lUisoellen. 

eher ein ß, als ein O. Wie also, wenn man zu lesen bat: sooi tiia. 
aya&a ^vf^a d. i. co? Tvfy^ dyaf^i] tvixi, ut accidat bona fortuna? 
ein eingang, der ungefäbr dem latelniscben quod bonum felix fau- 
stumque sit entsprecben würde. Das nebeng-escbriebene i sub- 
scriptum des conjunctivs rvxa ist entweder vergessen worden, 
oder es ist, wie die grosse lücke am ende der ersten Zeilen an- 
deuten möchte, und wie es ganzen reihen der inschrift ergangen 
ist, verwischt. "Eoj? in finaler bedeutung ist aus Homer hinläng- 
lich bekannt. Dann würde allerdings, was zwischen toa^' und 
tvia sich befindet, nur ein fehler oder sprung des steines sein; 
die lücke zwischen beiden Wörtern würde nicht grösser sein , als 
zwischen manchen andern Wörtern oder bucbstaben der inschrift. 
H. J. Heller.] In den anmerkungen stellt der Verfasser eine Un- 
tersuchung an über das Epheutengericht; Epheuten hat die in- 
schrift für Epheten. Eine besondere abhandlung ist dem volk der 
Drerer gewidmet. Der name wird sonst nur in Kramer Anecd. II, 
p. 60 erwähnt- Dethier hält das volk für identisch mit den Trerern 
in Thracien und den Trierern in Lycien , welche auf münzen vor- 
kommen, und welche nach der versprengung des volks in Creta 
als flüchtlinge nach jenen ländern gekommen sein können. Das 
volk der Drerer rechnet er zu den 'ETSoyiQrjrsg (Odyss. XIX, 175); 
ihre spräche cbarakterisirt er als „griechisch mit starkem vorherr- 
schen des Aeolischen oder Dorischen, kurz als eine pelasgische." 
unter den göttinnen wird Britomargis (so in der inschrift für Bri- 
tomartis) genannt; wie aus der Zusammenstellung mit Helios her- 
vorgeht, ist Selene gemeint. Als zeit der inschrift ist etwa die 
epoche des Peloponnesischen krieges anzunehmen. Nebenbei wird 
eine von Oeconomidas in Corfu herausgegebene lokrische in- 
schrift über das gastrecht wieder abgedruckt und commentirt. 
Eine karte von Kreta, sowie Untersuchungen über die religion 
und die staatsform der Cretenser verspricht der Verfasser später 
herauszugeben p. 431 — 468. 

Archäologisches Institut in Rom. Sitzung vom \sten april. 
Herr professor Henzen legt eine von herrn dr. Schillbach in 
Venosa copirte inschrift eines meilensteins , der nur aus weni- 
gen denkmälern bekannten via Herculea aus der zeit des Ma- 
xentius vor, darauf verschiedene knöcherne tesseren aus der 
Sammlung Depoletti, von denen einige als eintrittsmarken für ein 
theater, andre wahrscheinlich als marken für öfientliche speisever- 
theilungen oder als privatspeisemarken dienten. Von jenen hat die 
eine die aufschrift TIICT mit der zahl /z/ und XIIII, die andere VE- 
RECVND und XII, wahrscheinlich zur bezeichnung des cuneus 
und der sitzreihe, welche für den besitzer der marke bestimmt 
war; durch den namen wird der cuneus bezeichnet. Von der 
zweiten gattung hat die eine die form eines widderkopfs mit der 
zahl III, die andere eines hasen mit der zahl I. Eine tessera 
aus thon zeigt auf der einen seite einen männlichen köpf mit ei- 



Miscellen. 169 

Der binde und die stirn , auf der andern die erhabenen buchsta- 
ben SPVTOR. — Der padre Garrucci bespriclit die ausgrabun- 
gen von Präneste, die neuerdings eine bronzene strigel mit archai- 
schen lateinischen characteren und verschiedene eisten ans licht 
brachten, woraus das bestehen einer einschlägigen einheimischen 
Industrie hervorgehe. — H. dr. ürunn zeigt verschiedene Spiegel, 
darunter einen höchst interessanten aus dem museum Campana 
mit alt -römischen inschriften. Venus (VENÖS) wendet sich seitwärts 
zu Amor (CVDIDO) , während auf der andern seite ^ ictoria (VIC- 
TORIA) zu einer sitzenden figur spricht, von der unklar ist, ob 
sie männlich oder weiblich. Sie trägt eine beischrift wie RIT. 
Zur erklärung von CVDIDO bemerkt Padre Garrucci, dass auch 
Dionys von Ualikarnass einer alten inschrift erwähne, die Denates 
statt Penates getragen habe; die alte form des D stand offenbar 
der des P sehr nahe. Aber der name RIT war schwieriger zu 
erklären. Das R derselben stimmt in der form nicht mit dem in 
VICTORIA zusammen. Der zweite zug ist flacher gerundet, ohne 
sich in der mitte an den ersten schaft anzuschliessen , woher h. 
dr. Brunn lieber PIT lesen und dies als Pito nehmen möchte ^). 

Siiiung vom Sien april. Der padre Garrucci legt das jüngst 
in Rom erschienene werk von L. Fortunati: Relazione generale 
degli scavi e scoperte fatte lange la via latina — dall' Ottobre 
1857 — Ott. 1858 vor. Diese nachgrabungen brachten beim 
zweiten meilenstein der alten Strasse vollständig erhaltene, mit 
sehr schönen maiereien und Stückarbeiten gezierte grabgewölbc 
zum Vorschein und in der nähe derselben die reste einer der äl- 
testen christlichen basilikcn, die dem h. Stephan gewidmet war. — 
H. dr. Michaelis bespricht die von ihm in Gerhards archäol. Zei- 
tung beschriebenen neuen tliermen von Pompeii s. uut. p. 185. 

Sitzung com \ftien april. Der padre Garrucci macht höchst 
interessante mittheilungen über die neue entdeckung eines thea- 
ters und anderer Überreste einer alten bis jetzt unbekannten stadt 
unterhalb \esce, nicht fern von Tagiiacozzo, als deren namen 
eine inschrift Aequicum angiebt. Dann zeigt er eine pränestini- 
sche strigel mit griechischen namen und characteren. — Herr 
Gouzales legt die Photographie einer in Uolsena gefundenen mar- 
morstutuette vor mit der ziemlich ahen inschrift R\ TILIA, ausser- 
dem eine reihe elruskischer aUerthünicr. — II. prof. Ilenzen bc- 
•pricht römische inschrifteu aus llulgurien und Kroatien, deren 

I) Wire et nicht mAglich dai zeichon R in iwni buchiitahen, oiu 
P und rin un, ' V ' , S, auf/ulöifn und das T, i\v%nvu «rhafl nnvU 
biolrn filwa^ nl, als ciii» nachllüigo ichrcibung von V. an- 

iu*ehrn , bo .i.i-^ i.^l(,= P»irn . pjiio alti* form für ISjchc hrrau«- 
klme? Zwar kfnnon wir dnn mvlbui von Amor und INyc hp nur au« 
einer weit Rpltfrrn leit ; die leirhnung dea ftpiegcla aber iMsit lirh 
iehr wobi auf ihn besieheo. [Dfiigfsem ] 



170 Miscellen. 

eine sich auf den lupiter nundinarius, eine andere auf die zollein- 
richtung^ jener g-eg-enden bezieht. — H. dr. Brunn zeigt einen 
etruskischen spieg-el mit einer auf einem schwane sitzenden frau 
mit dem namen Turan (vg\. 0. Jahn in der archäol. zeitg. 1858 
t. 118—120). Ein ähnliches florentiner relief (ebend. t. 119, 2 — 
Gori inscr. etr. I, t. 14) hielt der padre Garrucci für eine arbeit 
des löten Jahrhunderts. 

SiHung vom 29s/cn april. In dieser sitzung giebt h. baron 
von Reumont eine Übersicht der archäologischen entdeckungen des 
letzten Jahres, sowie der thätigkeit des archäologischen instituts. — 
Darauf bespricht prof. Henzen eine neu aufgefundene gladiatoren- 
tessera des h. Depoletti, die durch die auf ihr erhaltenen consul- 
namen : MAXIMVS | VALERI | SP(ectatus) ID lAN | T. CAES. 
AVG. F. III. AELIAN. II. von grosser Wichtigkeit ist. Sie bezieht 
sich auf das jähr 827 a. u. c. =- 74 p. Ch. n. und ist die jüngste 
aller bekannten (nach ihr folgt die vom j. 824 bei Cardinali, Di- 
plom. 214). Der zweite auf ihr genannte consul kann nur der- 
selbe sein mit T. Plautius M. F. Silvanus Aelianus, bekannt durch 
sein grosses grabmal bei Ponte Lucano nahe Tivoli, dessen an 
historischen notizen reiches epitaphium sich erhalten hat. Die ge- 
naue datirung dieser notizen war bisher schwierig, da man eben 
das jähr seines zweiten consulats nicht kannte und nur aus ihm 
seibat wusste, dass es in die regierung des Vespasian fiel. Die 
neue tessera beseitigt diese ungewissheit, indem aus ihr zunächst 
folgt, dass im j. 827, welches mit den consuln Vespasian zum 
fünften und Titus zum dritten mal begann, Vespasian so früh 
zurücktrat, dass an den iden des Januar Silan schon consul suf- 
fectus neben Titus war. Nach dem epithaphium folgt daraus, 
dass Silvan im j. 826 stadtpräfect war (Corsini hatte ihn als sol- 
chen in's j. 823, de Sanctis in's j. 828 gesetzt) , dass er wahr- 
scheinlich 834 oder 825 legat in Spanien war, von welchem amte 
er vor dem gewöhnlichen Schlüsse desselben zurückgerufen wurde, 
dass er zwischen 811 und 822, am wahrscheinlichsten von 815 
an legat in Mösien war, bei welcher gelegenheit er die transda- 
nubischen Völker glücklich bekämpfte und 10,000 von ihnen auf 
römisches gebiet übersiedelte, und später einen angriff der Sarma- 
ten gleich beim beginn zurückwarf, wofür ihm dann Vespasian 
die insignien des triumphs ertheilte. Die bestimmung der übrigen 
daten des epitaphs war schon früher möglich gewesen. — H. 
dr. Brunn hielt sodann einen Vortrag über verschiedene im j. 1855 
von h. Bazzichelli aus Viterbo in einem grabe bei Corneto, dem 
alten Tarquinii, aufgefundene gegenstände. Zunächst gehören 
dazu verschiedene goldarbeiten , dazu ausser mehreren ringen eine 
blätterkrone und zwei ketten sehr schöner etruskischer arbeit, 
aber nicht mehr alten stils , dann vier sehr interessante elfenbein- 
täfelchen, die wohl ursprünglich ein kästchen bildeten. Sie tragen 
reliefs im reinsten und feinsten alt -etruskischen stil. Die dar- 



Illiscellen. 171 

stellung^en sind nicht echt mythologfisch, sondern enthalten ausser der 
fig'ur eines ineerdänions verschiedene auf ein gfastmahl, auf Wettren- 
nen und jag"d bezügliche g-eg-enstände. Endlich g-ehörten dazu noch 
zwei lironzereliefs, wahrscheinlich spieg'elkapseln, das erste aus einer 
palästrischen darstellung- in g-emischtein griechisch - etruskischem stil, 
das zweite rein griechisch und von höchster eleg-anz, den bronzen 
von Siris verg*leichbar mit einer darstellung* von Venus und Amor, 
üeber die zeit der entstehung dieser kunstwerke lässt sich leider 
nichts bestimmteres festsetzen. — H. Rosa giebt als letzten Vor- 
trag" werthvolle, auf seinen eigenen Untersuchungen beruhende 
aufklärungen über das verwickelte strassensystem zwischen Rom, 
Lavinium und Laurentum, deren hauptresultat darin besteht , dass 
sich von der via Ostiensis etwa beim vierten meilenstein eine erst 
mehr parallel mit ihr, dann links fast im rechten winkel umwen- 
dend die laurentische Strasse abzweigt , von der in der nähe von 
Laurentum ein nebenzug rechts hin zu einer villa am meeres- 
strande. der des Plinius, führt. Die lavinische Strasse dagegen führt 
in fast gerader linie von Rom nach Lavinium und ist mit der via 
Ostiensis so weit in Verbindung, dass von dieser sogleich hinter 
8. Paulo ein weg nach jener führt, der sie bei Ponticello erreicht und 
hinter dieser brücke wieder nach jener zurückführt. Lavinium und 
Laurentum waren dann ebenfalls durch eine alte Strasse verbunden. 
Jahrbücher des cereins con alterthumsfreunden im Rheinlande. 
XXVII. Bonn. 1859. P. 1. Die römische niederlassung im Ho- 
ledorn und der Teufcisberg bei Nvniwegen. Von dr. J. Schnei- 
der. Der Verfasser identificirt Holedorn mit dem Ceoelum der 
peutingerschcn tafel in der nähe von Nociomagus. — P. 45. Priapos, 
von Otto Jahn. Die auffindung einer erzstatuette des Priap 
bei Dietkircben veranlasst die Zusammenstellung einer reihe dahin 
gehöriger monumente und ein eingehen auf die kunstmythologie 
dieser gottheit. — P. 63. Neue antiquarische funde innerhalb der 
römischen niederlassung bei Kreuznach, von lieep. Darunter in- 
Schriften: MAIRID CALVISIA I SKCVNDINA i V. S. L. L. M. 
Ferner: IN. HO. D. D 1 MKR( VRIO i ET MAN AK CA |{ DV- 
CE\M KT li ARA.M MASC LIVS SATTO FAHKR KX VO iTO 
V. S. L. L. M. — P. 75. Beitrage zur römisch • keltischen my- 
thologie von J. Becker. 1) Lenu» Mars. 2) Zwei neue inschrif- 
ten der Sirona. — P. 83. Die antiquitätensummlunuen der frau 
Sibylla Mertens • Schaaff hausen , von Knist ausm Weerth. — IV 
115. Kingehende anzeige von Fröhner^s tnscripliones terrae m- 
etae vasorum intra Alpf* Ttnam Tnmeüu repertae, von hletn ; Mnx 
de Htnij Tovr ■ " im^ von Stein: Lin- 

dentrhmit nh f i i i /rjt, von Krusl aus in 

Weerth. Unter den miNcellen heben wir iicrvor: neue iuNchriften 
aus PoIa; Spuren römiarhcr niederluNsungen in Rolondiieck , von 
A. Hein; vergieichung der röminchen casteile zu Niederbiber bei 
Neuwied und auf der Noalbarg bei Homburg vor der buhe und 



172 Miscellen. 

ihre gleiclien besatznng-en (leg-io VJII Aiigusta, legio XXII und 
coliors IUI Vindelicoruiii), von A. Rein; phalerae von g-etriebenem 
und verg-oldetem silberblech , zwisclien den ehemaligen Römerca- 
stellen Gelduba und Asciburgium gefunden, von A. Rein; votiv- 
stein in Bonn gefunden (L. CANDIDINIVS |j VERVS. V. S. L. M.), 
von Kr äfft. 

Mittheilungen des historischen Vereins für Krain. Redigirt von 
Elias Rebitsch. XIII. Jahrg. 1858. Laibach. — Jan.: über den 
gott Latovius von Davorin Terstenjak. Der Verfasser schwärmt für 
Slavismus. „Der Latov der norischen Slaven ist der aufseher und 
Wächter an dem trüben und pfuhlartigen scheidestrome zwischen 
der ober- und unterweit, was auch sein name ausdrückt". — 
Juni: die ruinen unterhalb Kersko (das alte Noviodunum?) von 
Jos. Leinmüller. — Juli: die älteste geschichte Krain's und der 
gebiete von Görz und Triest, bis auf die Zeiten des Augustus um 
das j. 13 vor Chr. geb., von Rebitsch (dem heutigen Standpunkte der 
Wissenschaft durchaus nicht angemessen). — Von demselben Ver- 
fasser sind noch : Sept. : Wohnsitze und thaten der Senonen in 
Italien und besonders in den gegenden des heutigen Krains; Oct. : 
Schicksale Krains unter den römischen kaisern Augustus und Ti- 
berius, 30 vor Chr. geb. — 37 nach Chr. geb.; Nov. : fernere Schick- 
sale Krains unter den römischen kaisern von 37 — 138 nach Chr. g. 
Mittheilungen des histor. Vereins für Steiermark. Heft VIII. 
Gratz 1858. p. 71 — 98.: Epigraphische excurse im j. 1857 von 
pfr. Richard Knabl. Wir erhalten hier eine anzahl unedirter RÖ- 
merinschriften , die mit kenntniss und Scharfsinn besprochen wer- 
den; drei meilensteine von Maximinus Thrax und seinem söhne 
Maximus , von Constantius II , und von Valentiniah , Valens und 
Gratian, und ausser einigen unbedeutenderen eine inschrift von 
Kerschbach, welche Knabl so ergänzt: marti i aVG.E^ |l wOREIAE 
KEginae \\ et BRITANIAe !| prO. VIC. L. SEP j| sev. pERT. INV»c|| 
\jeg. II. ITA [j ex VOTo ^). — Eben so interessant als die uu- 
edirten Römerinschriften sind die von Knabl „revidirten inschriften", 
wodurch die lesung von vier bei Apian, Lazius, Gruter, Katancsich 
nnd Muchar falsch gegebenen inschriften gesichert erscheint. — 
P. 161 wird ein im august 1858 bei Leoben entdecktes römisches 
denkmal, reich ornamentirt, jedoch ohne inschrift, beschrieben. 
Eine dabei gefundene münze des kaisers Maximianus lässt auf 
die zeit desselben schliessen. 

Verslagen en Mededeelingen der Koninglijke Akademie van 
Wetenschappen. Afdeeling Letterkunde, IV, 2. Janssen: be- 
richtigungen seiner abhandlung über etruskische inschriften. — 



1) S. correspondenzblatt des gesammtvereins der deutschen gesch. 
und alterth. vereine. VI, p. 91 f., wo Grotefend so ergänzt: marli 
rtVG. E< II nOREIAE. RErfwa; || ex BRITANIA 11 prOVlnQ». L. SEPIj 
mflmERTINV« II 7 L. II. ITA f] ex VOT. 



Miseellen. 173 

Leemans : zusätze zu den abhandlungen über etruskische insclirif- 
ten; er glaubt uicht, dass durch das altassyrische die entziiferung- 
derselben gelingen werde, da die aus dem semitischen abgeleiteten 
scbriftzüire nicht den semitischen Ursprung der spräche beweisen 
und weist Stickel die Verwechselung des etruskischen schriftzei- 
chens für r und k (oder q) nach, veranlasst durch einen druck- 
fehler in Gesenius script. ling. Phoen. mon. — Janssen: über 
ptahlbauten. IJebersicht der darüber erschienenen berichte der 
schweizer gelehrten besonders Keller's mitth. der antiq. ges. 
Zürich bd. IX) und auszüge aus denselben und aus allgem. augsb. 
zeit. 1858, n. 182. Ein zusatz handelt über die von Uerodot V, 
16 erwähnten pfahlbauten der Päonier. — Bake: bemerkung 
zu Lysias pro Mantitheo; das vorstrecken der xurutTrarriv, wie 
auch die spätere zurückforderung, ist, als ausnahmsweise erfolgt, 
aus den umständen zu erklären (s. ob. p. 09 flgg.). — Kar- 
sten (und HuUemannj : bericht über die zum abdruck in den quart- 
werken der akademie bestimmte abhandlung von liake: die unecht- 
heit der ersten catilinarische rede. [Die unechtheit dieser rede 
hatte zuerst Rinkes, besonders nach mündlicher mittheilung ßa- 
ke'8, in einer sebrift zu beweisen gesucht. S. Phil. Xlll, 624.] 
Bake glaubt, die trage könne nicht sowohl durch äussere kenn- 
zeichen und Zeugnisse der alten , als vielmehr durch die inneren 
beweise, namentlich sprachlicher art, entschieden werden. IVlit der 
unechtheitserklärung der ersten , fallen natürlich auch die übrigen 
drei. 1) Die Zeugnisse der alten Cic. ep. ad Att. II, 1, 3, (wenn 
auch interpolirt) XII, 21., Philipp. II, 119., Sali. Cat. 31., Sen. 
Rh. Suas. VII, p. 44 Rurs., Ascon. Pedian. Or. p. 6, Uuintil. hält 
Karsten durch die bezweifelung Rakes, der auf Ciuintilian's ur- 
theil nicht viel giebt, für nur wenig geschwächt. 2) Die unge- 
nauigkeiten und wahrheitswidrigkeiten , welche in diesen reden 
vorkommen, schiebt Karsten auf den umstand , dass sie drei jähre 
nach Cicero'a consulat abgefasst sind und in der politischen Stel- 
lung Cicero's seitdem änderungen eingetreten waren, die ihn ver- 
anlassten, diese reden nicht ganz, wie sie gehalten worden waren, 
■ondern zugleich als vindiciae herauszugeben. Die anachronistische 
Äusserung über Pom pejus Cat. Hl, 26 schreibt er dem wünsch Cicero^s 
xu , «ich diesen Staatsmann auf das engste zu verbinden, ja, es 
scheint ihm einen so passenden anachronismus nur Cicero , kein 
falscher, gehraucht haben zu können. 3] Was stil und spräche 
anbetrifft, so beurtheilt Büke — und er legt hierauf das haupf* 
gewicht — die erste catilinarische rede, wie nel»enbei die übri- 
gen, nach einem ideal, welches er sich aus Cicero's echten reden 
und de aralure geiiildet. Nach ihm sind in den catilinarien nicht drei 
Worte hintereinander ciceronianisch. Karsten dagegen erscheint (nach 
ep. ad Attic. I, 11 und 16; der hochtrabende ton nicht als ein 
xeirben der unechtheit ; er lindet auch im stil hier eben nicht viel 
mehr auffallendes, als in irj^eud eiuer andern cicerunianisclien schrift, 



174 



Mlscellen. 



die man g^enauer untersucht. Man dürfe nicht ciceronianischer sein, 
als Cicero selbst. Manche hemerkungeu Bake's hält Karsten für 
ung-erechtfertig-t. Er vertheidigt vereamini censeo , Cat. IV, 13 
durch Sallust., ibid. remissio poenae ; IV, 23 spem — fefeUerit durch 
Orat. I ; IV, 24 eum consulem qui — non dubitet mit de Rep. 1, 
4; die zufügungen zu de aris et focis welche nach Bake unstatt- 
haft sind, durch Phil. VIII, 3, de nat. deor. III extr. [Merkwür- 
digerweise sind alle diese stellen nicht aus der ersten catilinari- 
schen rede, auf die es doch hauptsächlich hier ankommt.] Für 
das genaue verständniss und die sorgfältige interpretation biete 
Bake's arbeit wichtigen stoff. 

Bulletin de la societe imperiale des antiquaires 1858. 1 Trim. : 
Aymard: die stadt Puy liegt, wie aus ausgrabungen hervorgeht, 
auf der stelle, wo früher eine römische stadt, Anicium, von Gre- 
gor von Tours genannt, gelegen. S. Journ. de la Haute Loire 
1855. — Renier: zwei neue inschriften , die eine aus Lam- 
baese, aus welcher hervorgeht, dass die leg. III. Aug., die bei 
Gordian's III thronbesteigung entlassen worden war, zur zeit Va- 
lerian's reorganisirt wurde. — 2 Trim.: Deveria: üeber das 
verfahren, die pap^Tus - rollen, besonders die mit erdpech durchtränk- 
ten, abzuwickeln. — Renier: (nach einem abdruck auf Ölpa- 
pier) inschrift von Zrai'a (col. Jul. Zarai) aus dem dritten consu- 
lat des Septimius Severus (202) einen Zolltarif enthaltend. — 
Derselbe: Doppelgrabschrift aus der provinz Constantine 



D M 
MMVNDICIVS 
SATVRNINVS 
VAL XXXXV 



D M 

V M B R I A M A 

T R N I C A 

matvritashominvmFv 



H S E T B Q AMESERVIT VSLONGINQVA 
TIMORISN VMINIHVIVSET 
RELIGIONISCVIEGOANNIS 
OCTOGINTASERVIVIETIAM 
NVDOPEDECASTEETPVDICE 
INSTANTER VNIVERSAETERRAE 
CIVITATESAPPARVIETIDEO 
ABEASICMERITAPERTVLI 
VTBENIGNEME 
TERRARECIPERET 
V A CXV 

H • S E 0TB a 

VA in der 4 linie rechts ist monogramm , zeile 4—12 enthalten 
akrostichisch den namen Matronica, wahrscheinlich einer Ceres- 
priesterin, daher manches mystisch (maturitas hominum fui?) 
D (iis) M (anibus) 

M (arcus) Mundicius Saturninus. V(ixit) a(nnis lxxxxv. H(ic) s 

(itus) e(st). 0(ssaj t(ua) b(ene) q(uiescant) 



Miscellea. 175 

D(iis) M(anibu8) 
Umbria Mutrunicu. Maturitas hominuin fui ; a me (perlata est) 
servitus longiiiqua tiinoris numini(s u. s. w. ; tor universae bat 
man per binziizudenketi , das wegen des vorausg'eg'ang'enen ter 
ausgefallen zu sein scbeint. — Ren ter: inscbrift aus Zraia: 
FLORENTISSIMO 
SAECVLO DD NN IMP- 
P I I • FELICIS • et . 
m a X i tn i n o b i l " 
CAES • AVGG • HORI 
LEG'VM • QVOD • SVA- 

EX**PONTE • C • IVLIVS MAXI 
MI • FILIVS • SATVRNINVS* 
MESMAPANVS * ET * Q * CAN 
NEIVS • Q • CAN^EI * 6E 
MELLINI ' F I L I V 8 ' E M E 
Rl T \ S • A PEON 1 AN¥S * 

CIVIBVS • SVIS • VO 
VERANT • DE • SVO • 
DE D E R V NT • ET • 
DE D 1 CA VERVNT- 
VI • KAL • APRIL • PER 

PETVOETCOR^KLI ANO 'CONS 

DD * NN * IMP * d. i. domlnorum nostroruin, imperatoris. Be* 
incrkenswertb ist die form borilegium. — Egger : zu den wer- 
ken de8 Phidias muss ein AIcibiades als Aesculapius binzugefügt 
werden: h. fragin. des Libanius binter Ang. Mai's ausgäbe des 
Fronto und Sinner, delect. patr. Graec. p. 237. — Derselbe: 
statt des namens eines arcbitekten Metiobus , Poll. Onom. \ 111, 
121 muMS Metiocbus gelesen werden: Bekk. Anccd. p. 309. — 
li ourquen o t: scbmurkgegenstände , armbänder, ringe, gefunden 
hei Grisis nicbt weit von Provins. Den einen ring erklärt Re- 
liier für eine militairiscbe auszeicbnung die auf der brüst getra- 
[j[vi\ wurde, Lerticb, centralmus. II, p. 1. Maffei mus. \ eron. p. 
122, n. 4. — {Juic berat: eiserne naben - und felgcnbescbläge, 
Ml Aiaise in einem grabe auf dem leirbnam gefunden: attribute 
eines essedarius. — i'-UO^'- erklärt Quint. XII, 10 concipiendis 
visionibus quas pbantasiaM vucant für die efTecte, welcbe die ma- 
li'r jetzt tronipe • Tocil , augentausrbung , nennen. — Renieri 
erklärt die bei Petroiiell (C'arnuntum) bei Wien gefundene in- 
scbriit, Ueuzen. «uppl. Orell. nr. 52.03: 

T F L A \ I V S 

CRENMCE8 

BQAI. KTAMVI 
UIRlTANMULlSTIP&f 



176 Miscellen. 

DOMDVROCO RKEM 
HSKFLAyiySSILVA 
NVSDECA . . . FVSD 
H • F • F 

T(itus) Flavius Crescens, eq(ues) ale Tam(piane), vex(illatione) 
Brit(annica) , ann(orum) trig-inta, stip(endiorum) quindecim dom(o) 
Durocor(toro) Rem(orum) , h(ic) s(itus) e(st). Flavius Silvaniis 
deC'Urioj a[ie ei]usd(em), h(eres) [e(ius)] f ecit). Die „ala Tain- 
piana" vertheidi^t Renier aus Grut. p. 45 , n. 4 und Cardinali, 
Dipl. XI, p. 31. — 3 Trim. Menault: der dolmen von Chambeaudoin 
(mit abbildung-). — Deveria: über den äg-yptiscben scarabeus 
des köni^s An (XIII oder XIV Dyn.). — Longperier: in- 
sebrift (bei Abbe Texier, manuel d'epigrapbie) — sie wurde we- 
g^en laesu bisher für eine christliche gehalten — 

lAESV 
ORIGANI 
ONIS 
für die ersten Zeilen so ergänzt 

D • M E MEMO 
RIAE SVL. 
D iis) M(anibus) e(t) (memor)iae Sul(picii) Origanionis. — De- 
veria : entzifferung eines hieroglyphischen textes, Prisse, Monum. PI. 
XXX. — 4 Trim.: Quicherat: neue ausgrabungen zu Alaise ; 
unter andern ein rothes gefäss mit dem fabrikzeichen ALESI (noch 
nicht erwähnt in Quicherat's Schriften über Alesia, über welche man 
S.Phil. XIII, p. 572, 593 flg.). — Renier: ürsarius leg. XXX 
in den inschriften Or. n. 3395 etc. nicht der titel eines offiziers 
oder Unteroffiziers; es bezeichnet einen bärenführer; er glaubt, 
die legionen am Rhein hätte jede einen hären, zum vergnügen der 
Soldaten, gehabt (s. Fiedler gesch. der alterth. d. unt. german. p. 
149)- — Bourquelot: inschrift und alterthümer zu Chateaubleau 
(cant. de Nangis, arrond. de Provins), vielleicht das alte Riobe 
der tab. Peut., wie er aus den dort gefundenen strassenresten 
und ihrer richtung schliesst. Die eine der inschriften liest er 

VSFILIVDODRANT 

TOCVINCVAGES 

AVOSATVRNI 
ODAGO 
— Peigne • Delacour glaubt in dem zerstörten flecken Gratepanse- 
les - Ferneres ( 8 kilometer von Montdidier) wo die reste eines op- 
pidum Gall. sichtbar sind, Bratuspantium zu entdecken. 

Vinstitut n. 282, juni , 1859: Lenormanl: Antiquites de la 
Russie meridionale ; ein aufsatz, welcher bericht erstattet über das 
werk von de Gilles , Antiq. du Bosphore Cimmerien, Petersb. 2 bd. 
fol. 87 tafeln mit abbildungen. Man erfährt aus der 1. und 2. 
abtheil, des aufsatzes, wie Dubrux, ein französischer emigrant in 



Misceilen. 179^ 

russischen diensten die gT-abliügel von Kertsch (Panticapaeura) ent- 
deckt hat: dann vermuthet Lenonnant in den im grabg-ewölbe ge- 
fundenen leichen die Scythenkönigfe Paerisades 1 und seinen söhn 
Satvros Jl (Diodor.) : in der dritten ahtheilung werden die dadurch 
gewonnenen archäologischen thatsachen festgestellt, besonders die 
allmähliche civilisation der Scythen durch die Griechen ; endlich in 
der vierten abtheilung geschichtliche und ethnographische folgerun- 
gen über die Scythen des Bosporus gezogen ; namentlich scheinen 
die abbildungen die längst gegen Niebuhr aufgestellte behauptung 
Lenormants zu bestätigen, dass die Scythen der indo -europäischen, 
nicht der mongolischen race angehört haben ; „die Scythen der 
armee des Satyros waren von derselben race, ja beinahe von der- 
selben familie, wie die von Trajan und Marc- Aurel besiegten Ger- 
manen''. Bemerkenswerth ist auch die thatsache , dass die Scy- 
thenkönige in den in ihrem territorium liegenden griechischen 
Städten zugleich republicanische magistrate waren. — Auszug 
aus der denkschrift von Egger: sur les traites publics dans l'an- 
tiquit^ depuis les temps heroiques de la Grece jusqu'aux premiers 
siecles de Pere chr^tienne. — Ausgrabungen in Langon , arron- 
diss. Fontenay: römische münzen von 12 — 180 nach Chr., ge- 
fasse etc.; desgleichen in Chambery : etrurische vasen. 283. 

284 , juli — august. Lion Renier: nachricht von der auffindung 
•im r halbkreisförmigen mauer in Lyon mit der inschrift; [Juliae 
■^(üicae [conjugi) Eppii Belltci {tr es procinc(iae) Galliae (cf. Re» 
cherche des antiquit^s et curiosit^s de la ville de Lyon, nouvelle 
edition par Montfalcon avec des notes par L. Renard p. 135). 
Durch diesen fund wird die läge des tempels der Roma und des 
Augmtus naher bestimmt. — N. 285, septemb. Hittorf: Notice sur 
les ruines d'Agrigente, p. 110 — 114. 

Siances et travaux de Cacad^mie des sciences morales et pO' 
litiques. 1859, juli. Sudre: „über eine neue philosophie der ge« 
schichte. Die lehre von dem unterschied der racen"'. Der Ver- 
fasser findet die grundzüge einer philo.so|ihie der geschichte schon 
'•<*i den alten, namentlich bei Plato, Aristoteles, Hippokrates, nie- 
•legt, und zwar in zwei entgegengesetzten Systemen; Aristo- 
CPolit. IV) Kchreibt die regierung, die einrichtungen , den 
rharakter der Völker äusseren Ursachen, dem einfluss der geogra- 
[diischen läge, der temperatur, der gestirne, übernatürlicher mächte 
/u; Plato fReip. VIII) betrachtet die politischen revolutionen und 
! •«• der r«" ' • ii als ein product der intellec- 

i>.chen all'. i. welche sich in der mensch- 

1 neejp von Hflbhl und narii gewissen bestimmten gesetzcu 
u'hen ; beide jedoch mit (Ut einschränknng , dass sie der er- 
ing einen mächtigen einfluss auf die entwickclung der Völker 
tmfn. Beide übrigens machen, in politischer beziehung, ei- 
' ri sonst gewiss wohlbekannten racenuntersrhied nicht gel- 
tend, ja, Aristoteles hat aus diesem unterschied keineD ■cklHM 
rkiUUg... XV. j«W|. 1. X2 



if^ Mscellen. 

für seine vertheidigung der sclaverei g-ezogen. — August — 
September. Laferriere: Considerations g-enerales sur la philoso- 
phie du droit. Der idealismus der platonischen republik, die quelle 
aller späteren Utopien, hat keine principien einer lebensfähigen 
gesetzgebung schaffen und zurücklassen können ; die stoische phi- 
losophie erst, durch Panaetius in Rom eingeführt, hat vermittelst 
der bücher Cicero's über die republik, von den gesetzen und von 
den pflichten den ersten grund zu einer philosophie des rechts gelegt. 
Allgemeine augsh. Ztg. p. 1859, nr. 233 beilage, 3806: ausgra- 
bungen im alten Etrurien: es hat unter direction von graf Cone- 
stabile (s. Philol. XIV, p. 437) und C. Santi die 1857 gestiftete 
florentinische columbarische gesellschaft ihre ausgrabungen in der 
nähe von Grosseto, dem alten Ruselle, ferner in der pisanischen 
Maremma, auch in der nähe von Siena und Chiusi begonnen; ei- 
nen bericht davon giebt Conestabile in Bulletino degli scavi della 
Societa Colombaria, n. 1, agro Chiusino, 1859: viele gräber sind 
geöffnet aber bedeutende funde nicht gemacht: alle nämlich tru- 
gen spuren früherer, zum theil wohl sehr alter nachgrabungen 
an sich. — Nr. 241, beilage: Ocerbeck , gesch. der griechischen 
plastik, 2 bde. : empfehlende anzeige. — Nr. 249 beilage: Lud- 
wig Ross, nekrolog: aus dem deutschen museum 1859 nr. 35, 
mit einem zusatz der redaction. — Nr. 255: kurze notiz von 
den „reiseskizzen des erzherzog Maximilian", deren vierter band 
bis jetzt erschienen ist: sie behandeln Dalmatien, Albanien, Grie- 
chenland, Sicilien, Portugal und Madeira, nehmen besonders auch 
auf die kunstschätze Rom's rücksicht. — Nr. 262, beilage: Th. 
Levin vertheidigt in einer besondern schrift die ältere ansieht, dass 
Cäsar's Portus Uius und Portus Superior in den heutigen küsten- 
orten Boulogne und Ambleteuse zu suchen und dass Cäsar bei dem 
heutigen Dover oder Folkestone (grafschaft Kent) gelandet sei. 
Dagegen tritt G. A. Airey im Athenaeum vom lOten septemb. auf 
und behauptet wie schon früher, jene beiden häfen des nordwest- 
lichen Gallien's entsprächen den mündungen der Äomme und der^w- 
ihie in der Picardie und sei Cäsar in der Pevensey - bay südöstlich 
von Hastings (grafsch. Sussex; gelandet, ziemlich da, wo eilfhun- 
dert jähre später Wilhelm der eroberer. — Nr. 263. 264, beil. 
versuch über die gräbersymholik der alten, v. J. J. ßachofen. 8. Ba- 
sel. 1859: lobende, die grundansichten des Verfassers entwickelnde 
anzeige : „ so dringen wir zur grundansicht der alterthümlichen 
menschheit über die entstehung der weit, welche unter dem bild 
einer ursprünglichen Vereinigung des männlichen und weiblichen 
princips im urstoff sich kurz zusammenfassen lässt": es wird dann 
die zweite abhandlung„Ocnus der seilflechter" genauer durchge- 
gangen, er gefasst als darstellung der tellurischen zeugungskraft, 
welche alles leben schafft und zur reife bringt, daneben aber in 
ihm der begriff der busse und strafe, ferner der gedanke der my- 
sterien, dass es eine rettung aus den finstern mächten des hades 



Miseellen. 179 

gebe, wenn man sich den gott zum fiihrer des lebens wähle, 
nachgewiesen ; dabei wird der esel besonders berücksichtigt , der, 
ursprünglich auch eine darstelluiig der natiirzeugungskraft, mit 
Tvphon zusammengestellt wird und als Verkörperung des büsen 
princips erscheint: dies alles wird dann als aus dem phönikisch- 
ägyptischen ideenkreis, der durch die Kadmeer nach Theben ge- 
kommen , entwickelt betrachtet und nicht ohne scharfe Seitenblicke 
auf die Oberflächlichkeit und ungläubigkeit der neueren philologen 
vorgetragen. [Natürlich, wer nicht die gründlichkeit und tiefe die- 
ser neuen forscher hat, wird nie zu der nach diesem urtheil al- 
lein selig machenden unkritik gelangen ! ] 

Archäologische zeitung, von Ed. Gerhard, 1859, april, nr. 124: 
A. MichaeliSy die neuen bäder in Pompeji: dabei lateinische inschriften 
[s. unt. p. 192.]. — Mai, nr. 125: 1. Ä, Conze, drei bemalte thonge- 
fässe aus Argos: da in Argos noch wenig der art gefunden, werden 
sie genau beschrieben und die figurendarstellung der dritten, Hera- 
kles und die Hydra so wie Herakles im hause des Hades genauer be- 
sprochen. — H. Die neuen bUder in Pompeji (fortsetzung). - III. 
Allerlei. 26. Hermes und Silen, von K. Friederichs: erklärung einer 
vase in Berlin. — 27. Zur Parthenos des Phidias, von demselben: 
die bildung der schlänge betreffend. — Nr. 126: I. //. Barth, über 
die ruinen bei Uejuk in Kappadokien. — 11. Th. Bergk, griechi- 
sche inschriften : drei inschriften werden emendirt ; in einer note 
bespricht Bergk die Pbilol. XIII, p. 1 von kirchhofl' behandelte 
inschrift mit bezug auf eine von ihm frübcr versuchte ergänzung. — 
III. 28: Alterlei. Herakles und Auge, von O.Jahn: auf ein viel- 
besprochenes pompejanisches Wandgemälde wird ein relief bei BoiS' 
sard bezogen und daraus die erklärung des erstem versucht. — 
29. Zum palladiumraube, von A. Friederichs. — — Archaolo- 
(/t sc her anieiyer Sr. 124. 1. W'issenscbaftlicbe vereine: be- 
richt aus Berlin, nebst zwei beilagen von Bötticlier, die erste auf 
den Parthenonfries, die andre auf das h)rechtheion bezüglich. — 
II. Griechische inschriften: attische inschrift aus Ol. 112, 3, 
von A. V. Velsen. — III. Ausgrabungen zu Karlliago: bericht 
über Beulfs ausgrabungen in Byrsa, nach dem Moniteur nu 551, 14 
mal ISfiiK — l\. .Museographisches :' antikes »»nyxgcfäss in St. 
.Maurice in Wallis, von B. Starke der es auf Iphigenia in Tauris 
liezieht. -^ .Nr. 125. 126, mai und juni: I. Wissenschaftliche ver- 
eine, berichte uun Rom und Berlin, bei letzterm eine beilage von 
Botlicher, in suchen des Parlbenonfrieses. — II. (jiriechiMche vo- 
Menbilder: PbrixoH und Helle, rine vase aus Pästum , mit der auf- 
'lifift: j4(jnttns: ty^Ktqt. — III. Griechihche insrhriften, von 
//' liergky eine inschrift aus lialikurnaNN bctrctlend, auf der 7»o) 
an;.' «rufen wird. — IV. RönuNche inschriften. .Aus Ungarn, von 
l'ifi^irn, mit ergänzung von Th. Mommtrn. — V. Neue schrifleo. 
Ausland, 1858, sept. nr. 37, heschreibung einer sehr merk* 
M iir<lii..» II liiili|iii lle in Uermione. — Ott., nr. 40: die regierung 

12* 



iSD Miscellcti. 

des Dareios nach den keilinschriften. — Schilderung' des alten 
Rom von aug-enzeug-en. — Novemb. , nr. 47 : Fr. Spiegel, Dejo- 
kes und die anfange der medischen herrschaft : wichtig für Hero- 
dot I, 96 sqq., da das historische gewicht seines buchs genauer 
nachgewiesen wird. — Nr. 48. 52: Schilderungen des alten Rom 
von augenzeugen : stellen aus Ammian , üieronymus u. s. w. und 
kurze erläuterungen über sie, die die sitten, zustände Roms in den 
ersten vier jahrh. p. Chr. betreffen. — 1859, nr. 5, Rafn, über die ru- 
nenschrift auf dem löwen von St. Markus in Venedig, p. 117: 
der marmorlöwe aus dem Peiraieus, jetzt in Venedig, trägt eine 
doppelte inschrift in skandinavischen runen, welche prof. Rafn nach 
einjährigem Studium sicher entziffert zu haben glaubt: die entzif- 
ferung ist mitgetheilt und wichtig für die geschichte Griechen- 
lands im Xr jahrh. p. Chr. — Nr. 11. 12: über die geographi- 
sche Verbreitung des elephanten und seinen gebrauch zum kriegs- 
dienst bei den Völkern des alterthums, p. 250. 271 Agg- — Nr. 
14: 15, A. St., italienische klöster: 2. Monte-Cassino. 

Blätter für liierarische unterhaUung , 1859, nr. 26: anz. von 
Zeising : Chr. Semler, die tempelsculpturen aus der schule des Phi- 
dias im britischen museum. 8. Hamburg 1858: der verf. geht 
darauf aus , „das wesen der sculptur und ihren Zusammenhang mit 
dem homerischen epos an jenen werken nachzuweisen": sieht fer- 
ner den höchsten zweck der sculptur in der idealen Verkörperung 
der menschlichen gestalt, und sucht dies in den werken des Phi- 
dias zu zeigen und schliesst mit einer vergleichung der periode 
des Phidias mit der des Praxiteles und Skopas. 

Correspondenz -blatt für die gelehrten- und realschulen. Nr. 8. 
August, 1859, proben aus einer metrischen Übersetzung des Horaz 
III, 30. 1, 7. I, 34. — Nr. 9, September. W. Teuffei : H. Peerl- 
kamp und die kritik des Horaz (wiederabgedruckt aus „Jahrbü- 
cher der gegenwart 1843. nr. 50 — 52"). Der Verfasser findet 
in Peerlkamps verfahren den hauptfehler, dass er alles mangelhafte 
bei Horaz für unecht erklärt; das mangelhafte und unbedeutende 
sei allerdings in grossem masse vorhanden, müsse aber auf rech- 
nung des Horaz geschrieben werden; die dichtergrösse des Horaz 
werde dadurch wesentlich beeinträchtigt; es sei aber eine un- 
richtige Vorstellung, von Horaz nur das treffliche und gediegene 
zu erwarten. [Seit dem abdruck dieser abhandlung ist von Gruppe: 
„Minos, die Interpolationen der römischen dichter" erschienen ; ein 
werk, in welchem alle versuche, von Guyet an bis zu Buttmann, 
Peerlkamp, Meineke, G. Hermann herab, unechte verse oder Stro- 
phen aus Horaz auszuscheiden, zusammengestellt und zu einem 
System verbunden werden. Da Gruppe die Peerlkampsche kritik, 
theils ablehnend , theils beistimmend , in sein werk aufgenommen 
hat, aber noch weit über dieselbe hinausgeht, so ist merkwürdi- 
ger weise der Teuffelsche aufsatz bei seinem wiedererscheinen so- 
gleich antiquirt; der streit wird übrigens nur durch eine einge- 



MIscellen. Igf 

hendere und die einzelnen stellen g^enau in betracht ziehende prü- 
funjif gefördert werden können; alsdann wird, wenn auch eine 
jeden Widerspruch niederschlagende entscheidung nicht zu errei- 
chen sein sollte, dennoch aus demselben ein gewinn für die 
Interpretation, wie für die ästhetische Würdigung der horazischen 
öden hervorgehen. [H. I. Heller.] 

Deutsches museum , 1859, nr. 14: Jacob I von England und 
Hamlet prinz von Dänemark : weist die historischen bezüge zwi- 
schen Shakespeares Uamlet und dem leben Jacob 1 nach. [Als pa- 
rallele für die noch so verkehrt behandelten politischen anspie- 
lungen bei den griechischen tragikern zu benutzen.] 

Gersdorf Repertorium, 1851), bd. I, heft 4 p. 196: Hegesippus 
qui dicitur sive Egesippus de hello ludaico ope cod. Cassellani re- 
cognitus. Ed. G. E. Weber. 4. Marburg. 1858. — P. 219: Me- 
tropulos, geschichtliche Untersuchungen über d. schlacht bei Manti- 
nea um d. mitte des Pelop. krieges, insbes. über die stärke der 
beiden feindl. beere. 8. Götting. 1858: die zahl in jedem der 
beere wird auf ungefähr 50000 m. bestimmt. — F. ^19: Asch- 
bach, über Trajans steinerne donaubrücke. 4. Wien 1858: sie lag 
zwischen Turn Severin und Clodowa unweit Orsowa: daneben 
Untersuchungen über geschichte der legionen , über den baumei- 
ster Apollodor und die technische construction der brücke. Heft 

6, p. 320: G. F. Schoemanni Opuscula Acad.: vol. III, Lips. 1858: 
anzeige. — P. 324: J. \ ahleni in M. Ter. Varronis Satur. Men. 
rell. conjectanea. 8. Lips. 1858; anzeige. — P. 336: Claudius 
und Nero und ihre zeit, von E. Lehmann. 8. Gotha. 1858, mit 
einigen gegenbemerkungen. — Bd. II, heft 1 : Bröcker, Untersu- 
chungen über die gaubwürdigkeit der altrömischen verfassungsge- 
ftcbichtc. 8. Hamb. 1858: inhaltsanzeige, mit der bemcrkung, 
da»» Bröcker's conservative ansichten nicht übezcugten. — A^f>- 
buhr , vortrage über römische alterthümer cett. herausgegeben von 
#/. hier. Berl. 18r)8: wird sehr empfohlen. — Schwegler : gesch. 
der griechischen philosopbic iMT.iustrrg. v. K. KösÜin , Tültiiiuen 
1859: wird empfohlen. - 

Göttingische gelehrte «/<«. ../.;^, hSöUbl. ii7 100, /. Lasal/e, 
die Philosophie Herakleitos des dunkeln von Ephesos. 2 bd. 8. 
Berlin 1858, nnz. v. //. p. Stein: nach allgemeinen bemerkun- 
ffvn über die Stellung und den einlluss des Heraklit in der alten 
zeit wird die Vollständigkeit der fragmenthanunlung bezweifelt, 
dann die grundzüge der an die Jiinghegelianer sich anschliessenden 
luifTaiiNung des verfasNers angegeben und bekämpft, die art, wie 
LoJtalle den Heraklit zu einem logiker macht ganz verworfen, eben 
tm ««»in verfuhren bei der darlegung der runvQOjnt^' ungenii- 
II und geleugnet dass beuiesen werde, Heraklit liaii« 
nicht gelehrt und somit köniml der refereut zu 
• i< ( .trl^l• lii , <l.i . NO hoch der verfanser sich auch über seine vor* 
^'..iiu-.r .1.11. . , .Im. k,m}... .1...!. iM.l.i M..r..r.|..rl l.:.l... — St. 113 



ig2 Wtiscelleii. 

115: D. Chwolson^ über die Überreste der altbabylonischen literatur 
in arabischen übersetzung-en. 4. Petersb. 1849. von H.Ewald, der die 
wichtig^keit dieses Unternehmens für die älteste geschichte hervor- 
hebt, allein bedauert, dass Chvrolson statt der werke selbst nur 
eine abbandlung^ über sie und auszüg-e aus ihnen g-egeben. Das 
wichtig-ste der besprochenen werke ist nun eins über die Nabatäi- 
sche landwirthschaft, welches in das arabisehe übersetzt ist von Ibn- 
Wachschijja im anfang-e s. X. p. Chr. und eine art babylonischer 
encyclopädie der landwirthschaft ist: es ist verhältnissmässig* sehr 
alt, aber auf keine weise so alt wie Chwolson will, 2000 a. Chr, 
Hier g'enüge nur darauf aufmerksam zu machen , wie gpriechi- 
sches hier hervortritt. So wird erzählt , den Griechen hätte Ir- 
misa oder Ermisa und vor ihm Ag-athodämon das essen von fi- 
schen und bohnen schwer verboten : Ewald erkennt in ersterm 
Hermes, den er mit ligfia und Terminus zusammenbringt und er- 
innert daran , wie bei den spätem Griechen und den vergriechten 
Egyptern und Babyloniern Hermes Agathodämon oft erscheine. 
Dazu kommt noch Asqulebita, arzt, Stifter und apostel des son- 
nenkultus, auch Verfasser von Schriften, in denen er unter a»- 
derm lehrte, man könne nicht nur gewächse und metalle, sondern 
auch lebende wesen künstlich erzeugen , wenn man nur die dazu 
gehörigen stoffe besitze, mit der rechten kunst sie anzuwenden: 
er wird in die ältesten zeiten hiuaufversetzt. In ihm erkennt 
Ewald Asklepios, den die spätem Griechen auch gern mit der 
sonne in Verbindung brachten (Sanchun. p. 32 Orell.) : den namen 
Asklepios leitet Ewald von der wurzel ^KATin ab und fasst ihn 
als besänftiger. [Interessant ist, dass erzählt wird, dies werk sei 
zuerst von dem uralten Dhaghrith verfasst, dann von einem auch 
noch alten lanbüshäd und endlich von Quthämi vermehrt : damit 
vergl. Varr. R. R. I, 1, 10, wie denn die blüthe der karthagi- 
schen literatur über den ackerbau nun auch erklärlicher wird. 
Ernst v. Leutsch] Ein zweites werk ist von Tengelöscha, wel- 
chen Ewald (p. 1141) mit dem Kyzikener TsvHgng identificirt: 
Suid. s. V. : doch lässt sich bestimmtes noch nicht ausmachen. 
Ferner giebt Chwolson nachrichten von einem buche über die 
gifte [vergl. 0. Schneider, ad Nicand. proll. p. 181 sqq. Ernst von 
Leutsch] und auch über geheimnisse der sonne und des mondes, p. 
1123: man sieht, auch wir philologen haben auf diese litera- 
tur zu achten- — N. 131: Hardeland: versuch einer grammatik 
der Dajackschen (sie) spräche. 8. Amsterd. 1858: anzeige von 
H. Ewald, der ausser historischen bemerkungen über das volk der 
Dajacken von der spräche als eigenthümlich den häufigen ge- 
brauch des passivum hervorhebt , dann die ausdrücke des genitiv- 
begriflfes: wie im maleischen wird er lediglich durch die setzung 
eines selbstwortes hinter ein anderes ausgedrückt , jedoch dem er- 
sten, dem regierenden, ein n angehängt: human olo z=z. das haus 
des menschen, im nom. huma haus, olo = mensch. — St. 145: 



Miscellen. 183 

E. Renariy memoire sur Torig-ine et le charactere veritable de l'hist. 
Phenicienne qui porte le nom de Sanchoniathon. 4. Paris. 1858 : 
anz. von H. Ewald ^ der die ansieht Renan's, das von Philon über- 
setzte buch des Sanchuniathon sei erst im seleukidischen Zeitalter 
g-eschrieben widerlegt, das buch im g-anzen tlir alt hält, aber (p. 
1455) ausführt, wie zur zeit, als die g-riechische bildung überwäl- 
tigend wie nach Asien so nach Phönikien gekommen sei, das alte 
buch Zusätze, Umänderungen erfahren habe: in dieser gestalt habe 
es Philon übersetzt. — Nr. 149, 50, 51 : 'Innoagdtovg nai aXXcov 
iatQÖJv naXaiwv Xeixpava. Ed. Fr. Ermerins. Vol. primum. fol. 
Utrecht. 1859: anz. von J. W. H. Conradi, höchst anerkennend, 
aber geg-en den verf. die echtheit des Prognosticum und der Apho- 
rismen behauptend. 

Grenzboten: 1859, nr. 23, p. 381, Prellers römische mytho- 
logie: anzeige. — Nr. 27, p. 1: der römische majestätsprocess : 
mit besonderer rücksicht auf Tiber's und Nero's zeiten. — Nr. 
33, 34 : das fortleben der antike im mittelalter (bezieht sich auf 
das archäologische). 

Heidelberger Jahrbücher, 1859, nr. 3: Thrakisch • pelasgische 
stamme der Baikanhalbinsel und ihre Wanderungen in mythischer 
zeit. Von Beruh. Giseke. 8. Leipz. 1858: anzeige von Chr. 
Ostermann. 

Katholische lileraturzeitung 1859. Nr. 2: Furtwängler , die 
siegesgesänge des Pindaros: anz. — Nr. 3: Schwegler, römische 
geschichte, bd. 3: anz. — Nr. 4: Classen . Jacob Micyllus : anz. 
— Xr. 8: Munck, gesch. der römischen literatur für gymnasien: 
vielfache ausstellungen werden gemacht. — Nr. 16: Piatons 
ausgewählte dialoge erklärt von H. Sauppe. bd. 2, Berl. 1857: 
ref. vertheidigt p. 312 A aviov, 313 C. i^anar/ja^y spricht gegen 
lesarten p. 322 C. 327 I). 328 B. 329 A. 331 K, referirt den 
gehalt der einicitung, und bespricht schliesslich einige stellen des 
commentars, am ausführlichsten 336 C, wo ixyQOveiv roitf loyovg 
alü gegentheil von Xoyov de^uaOai gefasst wird. — Nr. 20: J, 
A. Härtung y die griechischen Elegiker. Bd. 1. Leipz. 1859: die 
texteskritik sei kühn , aber oft unbesonnen, die Übersetzung un- 
genügend: e« wird dann eine eigene Übersetzung von Tyrt. fr, 
11 Bergk gegeben. 

Adnlbert Kuhn, Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 
auf dem gebiete des deutschen, griechischen und lateinischen : band 
Vlll. Berlin 1859. Vierte» heft. 7/. Ebel zeigt den bedeutungs- 
Wechsel von „hous'* und „Stadt '^ an mehreren wörteru: urrrt;, 
«lad' *i ' vdstu. haus; olxoi; y vicus, villa , haus, gut; bemerkt 
dir iiinmung auch in der hedeutung „ein theil des bogen»*' 

bei niiiv^ und un.Hrrm bug ; npricht über da.s umbri.srhe frosetom. — 
Leo Meyer handelt über deutnrhe wurzelformen auf d, mit de- 
nen auch u)7/4i, at'jtrjSy atXXu, 9entu$, sScuium, gcschlecht, x^m, 
im'ere (au« $i'$ere)y irjfit, mmt«, idm, ipda, iXtyxo^ t ichinpf, 



184 Miscellen. 

im verhältniss zum deutschen laster (aus Jähster)^ Xmßri , bescliim- 
pfung, yiyväayKüf nSsco, fläre =: blähen, pulmon z=z nXsvfJOv, bd- 
Idre, blöken, ytjgvgy stimme , ysgavog , gruSy kranicli , terere , tor- 
quere, JSQSTQOv, bohrer, rogvog^ dreheisen, nere, spinnen, = nä- 
hen, iTJixay gespinst, garn , meiere, a/xäv z=z mähen, cpcoyeiv zzz 
backen, favere neben altind. bhaj , verehren, lieben, screäre , sich 
räuspern, nsQavvvfii, x^oo<,% grüne färbe, ;(Xo>/ , gras, virere, grü- 
nen, ulrirog, gerufen, caldre, rufen, cldmor, geschrei, latrdre, bel- 
len, ighjjg , rüderer, SQEt^og = remus , folium z=z (piXlov , flos, 
blume, cploog, blüthe, cpgvytir == frigere, rosten, dörren, ^sgiAog^ 
warm, &dX7zsiv , erwärmen, fernere, brennen, anttgetv y spargere, 
ausstreuen, aniv&rjQ, funken, ^vriv, schaben, reiben, zi&ri(ii, &£aig, 
das setzen, d^safiog , gesetz, credere , glauben, x^sfxtgy gesetz, Sa- 
tzung, brauch , lajTjfit , atdaig , aufstand , statim , sogleich , ßrifia, 
schritt, ßdaig, tritt, ßaaiXsvg, ßaivoD = tenio und vddere =z ßrj~ 
d^siv zur besprechung kommen. — Josef Budenz deutet facS- 
tus , anmuthig, fein, elegant, als ursprünglich „glänzend, schön" 
aus cpdog, (pdpog , womit er fax identijficirt und auch favilla, fa- 
vere und fotere verbindet: das mit facetus gleichbedeutende lepi- 
dus, stellt er zu altind. vapm, gestalt, Schönheit; derselbe erklärt 
prömncia, „herrschaft" als zunächst aus einem adiectiv prövincius 
hervorgegangen, das selbst, wie nuncius, nouncius auf novus, zu- 
rückleite auf ein provus oder provius, das mit dem gothischen 
frauja, herr, übereinstimme und mit diesem auf pra , vor , zurück- 
führe, wie TTQOfiog , anführer. — Georg Curtius betont mit 
recht gegen einen früheren aufsatz Lottners den engern Zu- 
sammenhang des griechischen mit den italischen sprachen und 
zieht dann eine glosse des Hesychius hervor ,, gili^firco?. dvil rov 
iX&s, EaXafiivoi (wahrscheinlich 2aXafXLnoi)'* deren iXS^ezoog (aus 
-Tcar) in seiner bildung wahrscheinlich genau übereinstimme mit 
den lateinischen imperativ-formen auf tö (aus töd) wie vehito (aus ve- 
hitod) für die zweite singularperson. — H. Sc htoeizer-Sid l er be- 
spricht sehr lobend den ersten band von Corssen : über ausspräche, vo- 
calismus und betonung der lateinischen spräche, mit einzelnen 
einwendungen und mehreren etymologischen nachtragen. — A. 
Kuhn, bringt 1) Fritsch: vergleichende beacbeitung der griechi- 
schen und lateinischen partikeln, 2) Harrison: A treatise on the 
Greek prepositions , das von der ausbreitung sprachvergleichender 
Studien in Amerika erfreuliches zeugniss ablege, und 3) die neue 
Umarbeitung der etymologischen forschungen von Pott, die in ih- 
rem ersten bände die präpositionen umfassen, zur anzeige. 

Fünftes Heft. Th. Benfey deutet e-Aaarog und hdrsgog aus 
einer Zusammensetzung der altindischen stamme ya, welches, und 
ka , wer , die im altindischen mit einander verbunden — aber 
selbstständig neben einander flectirt und dann mit dem indefinit 
machenden nachfolgenden ca, cana oder cid — „jeder" bezeich- 
nen. Es fehlt der nachweis, dass ursprünglich mit j — anlf^U^ 



Miscellen. 185 

tende Wörter, wo wir für das j im griechischen später den hauch 
finden, im Homer noch consonantisch anlautenden Wörtern g-leich 
g'elten, welche erscheinung- bei sxuötoi; und sHfiteQog andere zur 
annähme von psnaarog und rfxnreoog führen musste. — H. L. 
Ähren s liefert (p. 329 bis 361) „einen beitrag- zur etymolog-ie 
der g-riechischen Zahlwörter." Er deutet anal^ aus kretischem 
afAaxiif die suffixe kis, vas , tar aus ekas = oJpog , daher nev- 
tdxig ffönf einmal", quinquies aus qumquis-oinis, adh. zuiront, 
zweimal, aus ^ui- einest^ auch wil-ont ff. aus einest, unus aus ae- 
quoinus = xoivog -zz com • münis , quis aus aequis, cum aus eka -^ 
magis aus o^a, hahu ; oinus zz enus in alienus ; tw i'inari ilias 6. 
422 ..an jenem tag-e" ; \'a aus fifa , CfAirt; di — äxoaiot ff. aus 
dxaro9 zn ixarnv = dexarov ; sinoai aus dtidgati; fAci — xeXXa 
aus ax, vorher acus; onia&s aus avastät, 8b aus d;J = ^ zu dl^- 
log, lat. jam; fier aus fir/v, von fidXa = g^oth. caiVa, lat. ee/, f*a 
aus ^a** Tür fiaX , und zum schluss — dem ganzen die kröne 
aufsetzend — erklärt er den pronurainalstamm sam für verwandt 
mit fieg, afieg nz par, Parca zz MoTga, Der aufsatz , ohne jede 
etymologische methode, geräth ins bodenlose und ist fast g-anz 
werthlos. — Leo Meyer g'ieht Tür das homerische ivxrotf «^ioAycp 
an das altnordische myrkr , dunkel, anlehnend, die erklärung* „im 
dunkel der nacht": derselbe identificirt unser dreck mit sterctts. — 
Georg Bühl er deutet fteTaAP.«ö), „ich frag-e, ich erforsche" was 
eigentlich „ich sehe nach etwas" aus fierd und Xdco , aus Xdpto, 
yXäpco. — Hermann Hupfeld will Benfeys deutung von 
a^iog aus anc, ac, ehren, umwerfen und stellt es selbst zu agere, 
beweg-en, wägten, dazu auch veho, axis, oxog, axilla, achsel, altin- 
disch axas , Würfel, achse , aug-e , oculus , äuge, «Jt'r;/, axt , acies, 
Schlachtordnung, fjiaaxüXr] , mala, maxil/a , fitj^avtj, fioxXog, g'altcl, 
udyyuvnv, salbe, malleus und anderes, selbst die wurzeln pag und 
lag, alles bunt durch einander. Der aufsatz ist g-anz und gar 
werthlos. — Th. Kind bespricht das altgriechische nnTQKüTtjg 
und die neugriechischen ßdXrog , sumpf, Xi(iddiov , wiese, und 
ouangnp , fT*'*'* — H. Ebel berichtet über sprachliche Schriften 
von Friedrich Müller, Rreulier, Henloew, Wahlenherg, Weingaer/ner, 
Leo Meyer, G. rnn Zeschtritz , Legerlotz , Dörr, Rangub^^ Tohler^ 
Helfferich mit einzelnen geg-enbemerkungen , und noch über meh- 
rere nutzlose arbeiten über da« etruskisclic. — Gustav Leger^ 
/o/s spricht sich für die von Leo Meyer gegebene Zusammen- 
stellung von ftdx ' iXXa mit fidxatga aus, noch einiges weitere zu- 
fügend, und stellt fiixtXXn zu dintir, werfen; erklärt aixfif'i aus 
axiH^J oder uxiftrj, alxXog nun dxtXog ; identificirt CfiOtiQ \nu\ 
zu denen auch dxnXXn , nxcgntog und anderes gehöre; des li ^ 
chios >lo^ai, bände, stellt er zu Xa(itiy; dann zu dem von («. Tur- 
tius erschlossenen tnar , drehen , noch die formen fagöf , besen ; 
9d(fiaXog , geflochtenes gefäs«; Xdgxog , korb; Xdgva^, korb. — 
Aug. Sehleichtr findet im lateinischen drei perfectstanme I) 



186 Miscellen. 

ohne zusatzelement: *fefac, 2) mit zug-esetztera f.* *fefaci; 3) mit 
zug-iesetztem is: *fefacis. — H. Kern identificirt oaiog , gottse- 
lig, gottgefällig, mit altind. salya, wahr, wahrhaftig; sTsog ge- 
höre nicht dazu, laute hei Homer per Bog [das ist nicht wahr]. 

Sechstes heft (schlussheft). J. Savels ber g -behauptet für 
das griechische relativ 6g die ursprüngliche gestalt rog^ haupt- 
sächlich aus einigen homerischen stellen [hier wäre aber die ge- 
genprobe sehr nöthig gewesen] und deutet dies aus dem frage- 
wort itog npög^ aus dem auch das altindische relativ yas hervor- 
gegangen sei, auch qpjj, i], wie, und iva wird dazu gestellt. Der 
fiufsatz ist zu unvorsichtig. — Gustav Leg er lo tz stellt aycc- 
&6g uz hitä [dem aber ßstog entspricht] und dazu auch goth. 
quo [das vielmehr „Gott" ist und mit „gut" nichts zu thun 
hat], unser gut-, nanraivm zu pat ^ sehen [das erst nachgewiesen 
werden müsste], makedonisches "^Qavttg zu 'EQivvvg, er erklärt 
EiXrjlov&a aus einem präsens elXEv&oa, das entstanden sei aus der 
Wurzel xAv^, wozu itsXsv&ogi weg; dazu auch EiXsiü^viaj die 
kommende, helfende; derselbe stellt XUvov, getraideschwinge, Xtx- 
(Aog^ worfschaufel , und anderes zu vUeiv das „worfeln und siegen'' 
heissen soll. — Pott bespricht namen von Amazonen: ' Avtid- 
rsiga, die manngleiche, EvdvdQT] so tüchtig wie ein mann, ' Av~ 
TiOTZi] , auf mondgöttin bezüglich, To^ocpoftj , mit dem bogen er- 
legend, 'lo^na, die pfeilscharfe, ' ^öTudoxctQfAfj, mit dem schilde in 
die Schlacht gehend, ' ^ävögoSdi^ay männerdurchbohrend, 'EnUsv^ig, 
das gelingen ; und eigennamen mit Ödiog , Öi^iog, Öaig : z/?/i7vx7j, 
gegen feinde eine wölfin, roQyolmv ^ furchtbarer löwe, AvtnXv- 
xog, ganz wolf, /dirjtcpoßog , feinden furchteinflössend, Jatloxog^ 
furchtbare schaaren befehligend; /JrjiTivXog , den feinden thore ent- 
gegenstellend, /jatcfQtßv, kriegerisch gesinnt: /IriUocav ^ vor feind- 
lichem Überfall sich hütend, JtjfÄOHOoov , für das volk sorgend, 
Mavsdaiog , erwartend die feinde; AlavÖgog , volksmann, ' ^gsl- 
&via , bergstürmerin , und andere. — H. Schweizer - Sidler be- 
spricht sehr eingehend und reiches lob spendend G. Curtius: 
grundzüge der griechischen etymologie, mit manchen einwendun- 
gen und nachtragen im einzelnen. [Leo Meyer.] 

Morgenblatt, 1859, nr. 14: Catull und Ed. Mörike. Eine 
parallele, von F. P. , 326: es wird hervorgehoben, wie Catull 
ganz im dichten aufgehe, wie seine lieder Stimmungen, ausflüsse 
seines individuellen empfindens und erfahrens sind: in diesem stark 
individuellen gepräge findet der vf. eine ähnlichkeit zwischen Catull 
und Mörike: zur probe für Catull übersetzt er Catull. c. III und 
LXXVI und wirklich sehr schön und schliesst: „das sentimentale 
ist der grade gegensatz des humors. Aber es hat von je die 
masse beherrscht. Es lassen sich keine stärkern antipoden der 
Sentimentalität denken als Catull und Mörike. Sie büssen dafür 
mit dem mangel der popularität". — Nr. 20: vom theater im 
ßlterthum, p. 462: zunächst betrachtung des theatergebäudes (die 



Miscellen. 4Bf 

neuern forschun^en sind dem Verfasser unbekannt geblieben). — 
Nr. 22: Riehl: Sebastian Münster: als benutzer der alten g-eo- 
graphen in s. XVI zu beacbten. 

MülzeWs Zeitschrift für das gymnasialwesen 1859, 4: Kindscher, 
chronolog-ie der g-edicbte TibuIIs, p. 289 — 301. Das resultat ist, 
dass tür kein einzig^es g-edicbt Tibulls eine g-anz feste jabresbe- 
Stimmung- gewonnen werden könne. Nach den untersucbungeh 
werden die gedichte etwa so g-eordnet: I, 4, 9, 8, 10, 3, 1, 5, 2, 
6: IV, 13. 14. I, 7. II, 1, 3—6. IV, 2—7. II, 2. die übrigen 
(IV, 1 scheint Kindscher für unecht zu halten) sind nicht berück- 
sichtigt. — Theophrasti Char. ed. Foss , angez. von Mülzell , p. 
330 — 31, der eines tbeils wegen der consequenz und schärfe in 
benutzung der handschriften , andern tbeils wegen der mit divina- 
torischem Scharfsinn nnd ruhiger Selbstbeherrschung gehandhabten 
conjecturalkritik die ausgäbe und deren fortschritt sehr hoch stellt. 
— Livius ed. Weissenborn fVVeidm.) III — VI, anz. v. Löice, p. 
331 — 41: berichtigt eine reihe von druckfehlern im text und 
in den noten , der werth der ausgäbe Tür die Verbesserung des 
textes und die erklärung wird anerkannt, wenn auch an dem 
urtheil festgehalten wird, dass die ausgäbe nicht eigentlich eine 
Schulausgabe sei. — Reinhardt, ähreniese au dem felde der deutscb- 
lateinischen lexikograpbie und lateinischen Synonymik, p. 345 
66. — 5. 6 : Schmalfeld, bei Sophokles keine politischen anspie- 
langen auf einzelne personen oder zustände der unmittelbaren ge- 
genwart. p. 371 — 97. Des verf. mcinung ist, dass der dichter 
zwar oft auf das Vaterland und seine geschichte hinweise aber 
nirgends eine bestimmte politik für einzelne fälle, eine bestimmte 
Parteinahme für eine person zu erkennen sei, die annähme 
von anspielungen könne nur da anerkannt werden , wo sie 
durch unbefangene betraciitung der sprarblicben und histori- 
schen beweise und durch eine sorgfältige beachtung der grund- 
■ätze der dramatischen kunst geschützt oder erzwungen werden. 
[Trotz der bekämpfung von Süverns grundsätzen, die zu subjectiv 
seien, ist de« vf. verfahren ebenfalls subjectiv zu nennen, denn es 
wird Sache der intorpretation «ein , ob man eben an dieser oder 
jener stelle eine Nolrh(> anspielung nicht für sehr wahrscheinlich 
oder nothwcndig zu lialti^n habe. Das argumentum ex silentio 
scboliastarum in vergleich zu Aristophanes ist immer zu beach- 
ten, wenn es auch hei dem zustande unser scholien wohl nicht 
so viel beweist, als der Verfasser meint. S. fTebrigens s. oben 

p. IHt. — ] Im (*ifi/f*hMMi werden Nodann dir i>riden Oodipus und 
Antigone nach diesem gcNirbtspunkte bes|)rochen und insbesondere 
geiren die nnsirbteii irekämpft, dass den stücken eine leitende 
politisrhe idee zu gründe gelegen hätte. — Honnen* Kpisteln v. 
Döderlein II, anz. v. Krüger p. 398 — lOfl, der die Übersetzung als 
sehr gelungen bezeichnet und die neu inlerpungirten und interpretir- 
ten stelleo hervorhebt. — Hahn , probe^homerischer arithm«tik, 



188 Wlscellen. 

V. Stier, p. 406 — 12, der den arithmetischen unsinn zwar erkennt 
aber doch als solchen nicht scharf genuf>- anja^reift. — Schwegler, 
römische geschichte 11, 1 v. Rathmann , p. 421 -30, der nament- 
lich die besonnene forschung* anerkennt: bestritten wird die an- 
sieht über die zwitterstellung* des Collatinus, die glanzpartie des 
Werkes sei die politische beurtheilung des Ständekampfes. — Ranke^ 
F. A. Wolf 's Verdienste um das g-elehrte deutsche Schulwesen, eine 
rede p. 476 — 87. — Richter, zum lö.febr. 1859, eine rede zum anden- 
ken F. A. Wolfs p. 487—93. ~ Pahle, zu Luc. Piscator p. 493—94. 
§. 22 wird zo inaymyov h aaigw lav aTTodei^tcüv erklärt als „die 
kunst die beispiele zu rechter zeit beizubring-en. §. 45 gelesen 
fiaiaiQi8iov x«« cpvyiog (statt d^vrimv) , ebenda W Bv8og und 
"Ayvoia (gegen Lehmann und Sommerbrodt) geschrieben. — AhU- 
borg, über Thucyd. V, 7 extr. (p. 494), es wird gelesen riv iituv 
y,ai ig (Aiav ßovXijv Tv^ovadv ts na,] (aij xazoQ&maaaav täte = 
von welchem einen (vaterlande) wisset, dass es, wie selbst eines, 
so auch nach ausfall von einer berathung gerettet und nicht ge- 
rettet sein wird. — Bormann, Tac. H. IV, 29 (p. 495) liest 
tendere vires statt arcus. — Poppo, de latinitate falso aut merito sus- 
pecta commentatio tertia p. 499 — 516 giebt berichtigungen 
und ergänzungen zu Krebs' Antibarbarus. — Fritsch, die griechi- 
schen Partikeln II, ausführlich besprochen von Liebig, p. 543 — 50, 
der das zu sehr ins detail fortgesetzte rubriciren der bedeutungen 
missbilligt und eine reihe von etymologien als unbegründet oder 
doch unwahrscheinlich zurückweist: zum schluss wird eine partie 
stellen aus griechischen und lateinischen Schriftstellern behandelt, 
in denen rec. den gebrauch der präposition anders erklärt als der 
verf. — Blackert, griechische syntax I, von Liebig, p. 550 — 53, 
allzu schonende anzeige eines durch und durch verkehrten buches. 
Meineke, zu Stobaeus p. 563 — 65; der bericht über die stoische 
und peripatetische philosophie bei Stob. Ecl. II, 6, 5. 6 wird als 
arbeit des Didymus Arius nachgewiesen. — Ohbarius, zu Horat. Sat. 
I, 6, 110 p. 566 — 68 z=r um so ungebundener (= desto unge- 
nirter) lebe ich, als du , hochprejslicher Senator, und noch tausende 
der art. Beispiele werden in grosser zahl für den Wechsel in der 
construction (freilich kein einziges für diesen fall), sowie für die 
bedeutung des hoc bei dem comparativ beigebracht, auch milibus 
atque aliis noch besonders erklärt. — Obharius, bemerkung zu Hör. 
Od. I, 12, 45, p. 568 — 70, z::: der rühm des alten Marcellus ver- 
jünge sich (wachse fort) durch den jungen Marcellus ebenso, wie 
ein alter seit undenklichen Zeiten dastehender bäum, der immer 
frische zweige treibe : als beweis der Verehrung des volks für 
uralte bäume citirt der verf. Sueton. Vespas. c. 5. — J. A^. Schmidt^ 
zu Hör. Od. I, 28 p. 571 — 72 setzt calcanda semel via leti dem 
gedanken gegenüber, nicht Herum, wie Pythagoras behauptet, ob- 
ruit wird als präsens gefasst, wodurch allerdings das ganze eine 
andere färbung gewinnt, 



Miscellen. 

Neue Jahrbücher für Philolog-ie und Paediig-. von R. Dietseh und 
A. Fleckeisen. 1859, heft V; 28 C lassen, anz. von Homers 
Odvssee, von Ameis. — 29. H. W. S toll, zu den homerischen 
hymnen. — 30. Teuffel, zu Soph. Oed. Tyr. 1409 — 37. — 

4) L. Prell er, mytholoe^ische literatur: Schriften von SchÖmann 
ind Lehrs (vergl. lieft VH, nr. 48). — 31. Hitzig, zur kritik 
des Horatius. — 32. Bormann, anz. v. Mercklin, de curiatorum 
comitiorum principio disp. , 1855, und de novem tribunis Romae 
combustis disp. 1856. — SS. A. M ommsen. anz. von G. C. Le- 
wis. Untersuchungen über die g-laubvriirdig-keit der altrömischen 
g-eschichte, übers, v. Liebrecht, — Abth. 11, 19. Janson, anz. 
von Benseier, griechisch - deutsches Schulwörterbuch. 

Heft VI, 34 Emil Nu Her, noch ein wort zur griechischen 
cyclenfrage. — 35. A. Weil, anz. von Eberz, Theokrit's idyl- 
len und epig-ramme, deutsch mit anmerkung-en. — 36. Unebner 
die annales maximi der Römer, anz. der schriften von Hullemann, 
Renssen , Zell. — 37. H. Jordan, anz. von A. Bormann, M. 
I*orcii Catonis originum reliquiae. — 38. Jansen, zur erklärung- 
des Horatius. — 2) Finckh, nach trag- zu p. 10. — 39. Huebner, 
zweiter nachtrag zu nr. 27 in Jahrg. 1858 (Schulz, ortograph. 
(]uaestionum decas betreffend). (11) register der in der recension 
über Horaz besprochenen stellen. — 40. Susemihl, erklärung. 
— (16) Philologische gelegenheitsschriften. — — Abth. II, 25. 
Dübner contra Burnouf, anz. von acht broschüren gegen die in 
Frankreich officiell eingeführte griechische grammatik. — 26. 
Campe, zur historik. 

Heft VII, 41. //. Michaelis, die publicationen des orchäo» 
logischen instituts in Rom. — 42. IUI. S c hmid t , anz. v. ^4. Weil, 
Aeschyli Agamemtio. — 43. Low insky, "yi^ji^q und KijQ in den 
sieben des Aescbvios. — 44. E. Alberti , einige bemerkungen 
zum Zusammenhang des platonischen Theatetos. 45. A. Schä^ 

[er, zu den fragmenten des Theopompos. — 46. Sommerhrodt^ 
ZU Lukianos. — 47. L. Kays er, zur literatur von Cicen)'s rhc- 
(oriHchen schriften: anz. v. Halm, Linsmayer. Fckstein , Piderit, 
s , [ j,«.. — 48. C. F. W. Mueller, berichtigung zu p. 347. — 
\ lii II, 30. Becker, anz. v. Reiss, Anthologia latina. 

Heft VIII, 49. H. Ehel, licricht über die neuen literarischen 
enicheinungen auf dem gebiete der vergleichenden sprachforschuag, 
anz. von Bopp, Pott, Curtiun, l..eo iMeyer, Dietrich, (^irssen. — • 

1. /.. Preller, mytholitgische literatur, anz. der schriften von 
1^. («crhnrd. Furtwani(^ler . Jarp, Sloll , L. Schmidt, F. Hott'mann, 
L. kr.ibiiifr, Lugf'bil, J. CaKar. — ftü. Lehrte anz. v. hochly, 
lUailrmiscIi«« vortrage und reden. — 51. Sunemthl, anz. von 

irA, raeletemata PIntonic«. — 52. Suehier, zur 'kritik von 
* vidi UN metamorpho«en. — 53. A. Mommiem^ ablebnung in be- 

lg auf nr. 34. — fl6) Philologincke gelegenbeitiiMchrifton. •— 



Itliscellen. 

— Abth. II, 33. Funkhänel, anz. von Sauppe, Platon's Prota- 
goras. — 34. Obbarius^ anz. v. Magerstedl, der weinbau der 
Römer. — 35. Rüdiger, Horatiana. 

Heft IX, 54. Friedländer, hoineriscbe literatur, vierter ar- 
tikel ; anz. von Schriften von G. Curtius , Hiecke, Köcbly, Moritz, 
I. Becker, Heerklotz, Hennings, Rhode, A. Schuster, L. Döderlein, 
Th. ßergk. — 55. Lucas, observ. philologicae de nigri coloris 
significatione singulari. — 56. H. Weit, der letzte chorgesang 
in Aeschylos choephoren. — 57. lülg, anz. von Ziedner , Aeschi- 
nes och Demosthenes. — 58. B. Stark, anz. v. L. Preller, rö- 
mische mythologie. — (52) Suchier, zur kritik von Ovids me- 
tamorphosen. — 59. Sieters, anz. von Ihne , a plea for the 
emperor Tiberius. Parti. II. — 60. Bormann , zu Tacitus Agri- 
cola. — 61. L. Roth, Prodromus gymnasialpädagogischer Vorle- 
sungen. — 62. Reglement über die errichtung eines philologisch 
pädagogischen seminars in Bern. (16) Philologische gelegenheits- 
schriften. — — Abth. II, 38. G. Thomasius , rede am grabe 
von Nägelsbach gehalten. — (32) Ljungberg, neue kritische 
bearbeitung des Livius und der öden des Horatius. (Schluss). 

Rheinisches museum für Philologie, XIV, 2: J. Ooerbeck , der 
Cellafries des Parthenon nochmals, p. 161: gegen Petersen und 
Bötticher : s. ob. p. 179. — C. Schaarschmidt, lohannes Sarisberiensis 
in seinem verhältniss zur classischen literatur, p. 200. — A. v. 
Gutschmid, ist Manetho's Zeitrechnung cyklisch oder rein histo- 
risch ? p. 235. — H. Jordan , über die apophthegmen und Sen- 
tenzen des Cato, p. 261. — Fr. Ritschi, epigraphische briefe. 2.: 
die Inno ■ Seispes - inschrift von Basel. — 3. Der popillische mei- 
lenstein von Adria. — Miscellen. L. Schmidt, über Menander, 
p. 320. — J. Bernays , grabschrift auf die bei Chäronea gefal- 
lenen, (vgl. Philol. XIV, p. 413) p. 321. — F. Bücheier, zu 
Plautus Pers. 330, p. 322. — Th. Maurer, Catull's fünftes gedieht, 
p. 322. — 0. Ribbeck, zum Pervigilium Veneris, p. 324. — L. 
Urlichs, zu Cic. de Republ. II. 22, p. 325. — E. Müller, berich- 
tigung zu heft I, p. 327. — F. G. Welcker, erklärung, gegen 
Philol. XIII, p. 622 gerichtet. 

Heft 3: A, Schleicher, kurzer abriss der geschieh te der itali- 
schen sprachen, p. 329. — E. Huebner , beitrage zu den römi- 
schen inschriften in Britannien, p. 347. — J. Bernays, ein brief 
von L. Spengel über die tragische katharsis bei Aristoteles [s. 
Philol. XIII, p. 414], p. 367, 488. — Fr. Ritschi, epigraphi- 
sche briefe 4. / longa und apex. 5. die lateinischen sortes , p. 
378. — Fr. Bücheier f bemerkungen über die varronischen Sati- 
ren, p. 419. — H. A. Koch, zur neuesten ausgäbe des Nonnus, 
p. 453. — * yj. Klette, beitrage zur kritik der Terenz, p. 461. — 
Miscellen. R. Köhler, Sarpedon, p. 471. — R. Enger, zu Sopho- 
kles Aias 961 sqq., p. 475. — Ty. Mommsen, zu Soph. Elect. 
993—996. 1017, p. 478. — M. Stahl, zu Thukydides, II, 93, 2, 



Miscellen. i91 

p.^480.— Fr. Hiitigy zu Virgil, Ecl. X, 16—18 p. 482. — Fr. 
Ritschi, Zusätze zu den epigraphischen briefen, p. 485. 

Weslermann , illustrirte deutsche monatshefte , 1859, Juli: 
skizzen aus einem reisetaefbuche, p. 416: betreffen Rhodos, Can- 
dia u. s. w. : aber sehr kurz. — Chrysander , über Volkslieder, 
p. 438 — die Nilquellen, p. 452. — 

Dansk M aanedskrif t, A. R. Iste Aargang 1859: Ra~ 
tenna sotn romersk Krigshavn , som Kejserlig Residenis , Theodorik 
den Store, Exarchalet , Ratenna under Kirkenstaten ^ de betarede 
Monumenter fra det 5/e og fUe Aarhundrede: heft 2 — 5, p. 121 — 
149, 245 — 261, p. 357 — 382: anschauliche Schilderung^ von prof. 
J. L. Ussing nach läng-erem aufenthalt an ort und stelle, mit man* 
cherlei historischen und kunsthistorischen nebenbemerkung-en : z. 
h. über den Charakter des Theodorich, und dessen entstellung^ durch 
katholische kirchenschriftsteller, über die Verschiedenheit desselben 
vom Dietrich von Bern der deutschen heldensag^e , über Maft'eis 
irrthum , im stadtsiegel von Verona Theodorichs alten palast er- 
kennen zu wollen, und mehrere ähnliche irrthümer, besonders in 
Quasts: altchristiichen bauwerken von Ravenna. — Kejser Trojans 
Brecvexling med Plinius Secundus, von dr. Grimur Thomsen: 6. heft, 
p. 425 — 455: hauptstreben des Trajan , als regfent das römische 
Volk wieder seiner alten freiheit zuzuführen ; daher rückg-abe des 
amtlichen wirkung^skreises an die prätoren, ccnsoren (!), Senatoren 
und consuin seiner zeit; die eig-eue thätigkeit und Wirksamkeit 
hauptflächlich beschränkt auf die auswahl der rechten personen tür 
jene einflussreichen ämter. Dabei sieht Trajan den durch die 
burbaren drohenden unterg-ang- des alten Weltreichs mit klarem 
blick ; und dabei heisst und ist das römische Volk auch hier ein 
längst verderbtes , verzogenes und verschüchtertes. Zur nähern 
begründung und Charakteristik ist die Übersetzung von einigen 
zwanzig briefen aus Plinius Sammlung beigegeben. 

Tidskrift for Philologi og Paedagogik. Forste Aargangs forste 
hfftf (Juli). Kjöbenhacn 1859. Ett nytt uppslag i fr^gan om für- 
f'iiuiren tili dtalogus de oratoribus. > on J. G. Ek, p. 1 11. Der 
gegenwärtige stund der frage nicht sowohl : Tacitus i oder Pli- 
niuH ^ oder Uuintilian f sondern nur: Tacitus < oder nicht Taci- 
tus? Die hauptsächlichste Vorfrage desshalb gemeiniglich: ob eine 
so f^itüisti Verschiedenheit des stils, wie zwischen den historischeu 
werken und diesem dialog , sich aus einem nachweis verschiede- 
ner ultersNtufen des gleichen Hchriftstellers begründen und erklä- 
ren lasse < Dieser Nchwierigen Vorfrage entzieht sich hier aber 
der viTtasMer dudiirrh , dans er auf mehrere feine , unscheinbar« 
und doch auch wieder unverkennbare Spracheigenheiten und ei- 
genthümlirhkeiten der darstellung in jenem dialog hinweist, die 
deniselben bei aller sonstigen Verschiedenheit fast nur ^ oder aut' 
tchltetsltch mit den historischen werkrn di>N 'l'acituH gemein sind, 
uod go gleichsam unhewuMt ein J zeugnisi ablegen fUr 



192 Miscellen. 

die Identität des Verfassers. Dahin gehört aber erstlich die dem 
Tacitus so eig-enthümlich beliebte, dem Quintilian, Sueton, Plinius 
durchaus fremde und ungewohnte Umstellung des nomen gentile 
und des cognomen, und zweitens die ihm gleichfalls eigenthüm- 
liche berechnung vom regierungsantritt des Augustus, weder nach 
dem datum der schlacht bei Actium noch von der beileguug des 
namens, sondern nach seinem ersten consulat: Annal. 1, 9. In 
beiden stücken aber stimmt der dialog mit jenen historischen werken 
überein: cf. dialog. 17. Solche individuelle züge völliger gleich- 
heit, verbunden mit vielen andern, wenn auch minder sprechenden 
anklängen an die eigenthümlichkeit Taciteischer ausdrucksweise, 
— nachgewiesen an 34 beispielen — nöthigen im dialog ein 
jugendwerk des Tacitus anzuerkennen. Jene Jugendlichkeit ist 
aber nicht die Ursache des verschiedenen stils, sondern eine wäh- 
rend der rhetorischen Studien jener lebensperiode mit bewusstsein 
unternommene nachahmung des Cicero. — Om de senest udgravne 
Thermer i Pompeji. Von ,/. L. Ussing, p. 11 — 21. Gemeint sind 
die im jähr 1854 aufgefundenen thermen , zu welchen dem Ver- 
fasser durch besondere Vergünstigung der zutritt 1858 verstattet 
worden. Aus der erinnerung, unterstützt durch den seitdem er- 
schienenen bericht in Minereim s Bulletino archeologico Neopolitano 
ist die hier gegebene beschreibung gegeben. Dabei widerspricht Us- 
sing des letztern ansieht in betreif einer daselbst aufgefundenen ge- 
denktafel die sich auf eine frühere restauration beziehen soll. Un- 
möglich nämlich ist sie mit Minervini auf das erdbeben i. j. 63 
zu beziehen; die damals erlittenen schaden nämlich sind bei wei- 
tem nicht völlig ausgebessert; jene inschrift ist desshalb auf eine 
noch frühere Zerstörung bezüglich. Mit einer dieser thermen 
übrigens war (gegen Vitruv) eine palästra verbunden, — im halb- 
griechischen Pompeji. Hier findet sich auch wohl das erste wohl- 
erhaltenene laconicum , das erste destrictarium , und vielleicht noch 
andere unica (s. oben p. 179). — — 

Vintestigateur. Journal de tinstitut hislorique. Ille serie Tome 
IX, 1859. Mars. p. 65 — 87. [Biographie des familles consulaires 
Romaines. Familie Fabia. Von Barry. Eine fortsetzung des in 
den heften 1 und 2 angefangenen aufsatzes; den schluss macht 
die aufzählung und besprechung von 39 münzen der gens Fabia, 
unter denen verschiedene colonial - münzen von Caesaraugusta, Cala- 
gurris, Hierapolis etc. — Juni 1859, p. 174. CroUalanza , Sto- 
ria militare di Francia dai tempi piu remoti simo ai nostri giorni, 
angezeigt von Depoisier, p. 177. Rapport sur le bulletin de la so- 
ciete archeologique de Sens von Em. Agnel. 

Annales de CAcademie d'archeologie de Belgique XV, 4. XVI, 
1. (Anvers 1859) enthalten nichts für unsere zwecke dienliches. 



VII. 

/ 

üeber das opus aionotriolyphum bei Vitruvius. 



K. Bötticlier giebt im ersten bände seiner tektonik der Hel- 
lenen eine restitutiun des ältesten, vorhistorischen dorischen baues, 
die jedoch in einem wichtigen punkte zu modißciren sein dürfte. 
Dieser punkt ist mit Bötticher's Worten folgender: „horizontal 
über die, für dasselbe aufgerichteten, säulen , spannt sich, wie 
ein mächtiges gurtband das cpisty!i(»n hinweg , um dieselben ge- 
meinsam zu verknüpfen und im stände zu halten , nach oben zu 
aber, den weiteren gliedern des pteron und des dache» existenz 
zu bereiten und sie schwebend über dem räum zu erhalten. Es 
ist als ein steinband gebildet , und zwar in seiner continuität aus 
einzelnen blocken, die von säulenaxe zu säulenaxe reichend, rings 
um den hau und dessen inneres geführt Bind. Seine mechanische 
function spaltet sich in zwei bezüge; die äussere hälfte seiner 
oberen breite nämlich nimmt die geison - stützenden trigl^phen, 
die innere hälfte aber , die kalymmutien • tragenden balken auf*' 
Dorika p. 149). „Die schwächste stelle eines epistyibaiken tallt 
ultcr in die niitle der länge desselben zwischen die stützenaxen' 
(p. 151;. Man wird also anfanglicb, ehe daii freitragende 

nioiiicnt der cohurenz an einem materiale durch bauliche praxis 
huiier erprobt ist, diese lichwache stelle auf das sorgsamste vor 
allem hruche zu behüten trachten, und die gliederung der auf ihm 
ruhenden lastung so organisiren, dans sie die lastung über ihm ab* 
fnn^t. Dieses gesrbieht durch die triglyphen, welche das geisou 
aUtutzen, indem man nämlich auf dem epistylioii nur über jeder 
•äulcnoxe und ante je eime kurze stütze, eine (riglypbe, errichtet, 
«Ino ein opu» monotritjltfphum bildet, von triglypbe zu triglyphe 
ober je einen der bhirkc des geisou streckt, welche in ihrer con- 
euui..,«. \\ .1.1..^ 2 J3 



194 tJcher «las opus inonufrlglyphuni. 

tinuität die äussersten g-lieder des baues scliwebend über dem 
epistylion halten. So wird der mitte des epistylion die lastiing- 
entrückt , von den stützenden trig-lypben, zwischen denen sich leere 
räume , die metopen bilden , aufgenommen und von diesen endlich 
auf die säulenaxen geworfen. Eine gleiche entlastung von seiten 
der balkendecke wird dadurch bewirkt, dass man nur hinter jeder 
triglyphe je einen deckenbalken anlegt, und so die bclastung eben- 
falls auf die säulenaxen rcducirt. Man sieht, dass das epistylion 
auf diese weise unverbrüchlich gesichert ist; es bleibt ihm wei 
ter nichts übrig, als zwischen den intercolumnien sich selbst frei 
zu tragen, die aufgestellten stützen, säulen und triglyphen aber, 
so wie die balkenglieder zu verknüpfen und in Spannung zu er- 
halten; es ist so zu sagen nur ein spannbalken, ein spannendes 
band. Daher bedarf es auch wenigstens keiner grösseren höhe, 
als die kalymmatien - tragenden balken. Folgerecht diesem kann 
die höhe des epistylion anfänglich nicht so mächtig gewesen sein, 
wie später" (Dor. p. 152), Um also die existenz des ganzen pte 
ron ^) nicht der zweifelhaften tragfähigkit oder der zufälligen 
dauer des epistylbalkens anheim zu stellen (Dor. p. 158), wird 
das epistylion gar nicht belastet, dem geison aber, das in allen 
erhaltenen monumenten und auch von Bötticher sehr viel geringer 
an stärke gebildet ist (p. 158) , die ganze „mächtige last" „des 
daches, des tympanon , der schrägen geisa mit ihren ziegelbahnen 
und akroterien, sowie die traufrinne", zu tragen gegeben, wodurch 
das gebäude aber nicht weniger gefährdet wird, als wenn die 
epistylbalken in ihrer mitte belastet würden. Es scheint mir eine 
solche Organisation der gliederung durchaus nicht „eine unver- 
wüstliche" (p. 160), im gegentheil eine sehr zweifelhafte, wie sie 
die alten Dorier, welche „die freitragende kraft des materials 
noch nicht so sicher erprobt haben konnten" (p. 158), wohl nicht 
angewendet haben möchten. Wenn auch das pteron unmittelbar 
dadurch nicht gefährdet war, so doch das tympanon und das dach, 
durch dessen einsturz der ganze deckenbau zerstört worden sein 
würde. Aber auch das pteron selbst war gefährdet, indem die 
stroteren die länge der epistylbalken haben mussten, also bei ih- 
rer geringen höhe verhältnissmässig sehr weit sich selbst schwe- 

1) „Der mögliche bruch eines solchen gliedes zieht noch nicht die 
auflösung der ganzen decke nach sich , weil alsdann die übrigen glei- 
chen glieder noch unberührt sind" (Excurse p. 6). 



Ueber das opus monotriglyphum. 195 

bend über dem räum zu erhalten und uusserdem noch die freilich 
sehr gering-e last der kalymmatien zu trag^en hatten. Es dürfte 
demnach constructiv nicht zu rechtfertigen sein, dem sehr starken 
epistvlhalken gar keine, dem sehr viel schwächeren (in der tekto- 
nik tafel 21 verhalten sich die höhen von epistylion und geison 
ungefähr wie 3:2) geisonbalkeo , der sich in der länge des ab- 
Standes der triglyphenaxen (Dor. p. 172) kaum selbst würde ge- 
tragen haben, aber eine so grosse last aufzulegen, besonders wenn 
man bedenkt, dass die tragfähigkeiten zweier balken sich verhal- 
ten wie die quadrate ihrer höhen (lonika p. 63). Die tragfähig- 
keit des epistylion würde sich in diesem bestimmten falle also zu 
der des geison verhalten, wie 9 : 4. 

Gesetzt aber, die einzelnen sehr langen, breiten (weit vorla- 
denden) aber nicht hohen geisonblöcke könnten sich so weit schwe- 
bend über dem räum erhalten, könnten auch noch die ihnen auf- 
gelegte last tragen, das epistylion wäre geringer an höhe (auf 
weiche dimension es allein wesentlich ankommt] , so scheint mir 
doch da» epistylion ganz ohne constructice function zu sein, und 
..mathematisch nothwendiges ist die erste und eigfentliche bedin- 
trung der ganzen formation des baues" sagt Bötticher p. 115 ge- 
\\i>^ mit recht. Das epistylion ist in diesem falle rttcA/ so durch- 
ins nothwendig, dass ohne dasselbe der bau nicht existiren könnte. 
DasH das epistylion, wie Bötticher sagt, als „ein spannendes band' 
liber den säulen nothwendig sein sollte, ist nicht einzusehen. Sollte 
diese ansieht nicht nur aus dem bedürfniss hervorgegangen sein, 
<iem bei der restitution der vorhistorischen dorischen bauweise nun 
lihne function itttrig gebliehenen baugliede doch irgend welchen 
zweck zu geben { — Der ausdruck „es bleibt dem epistylion wei- 
ter nichts übrig, als die säulen u. s. w. zu verknüpfen", p. 152 
Hcheint darauf hinzudeuten. Die älteren durischen säulen haben 
MO stämmige, gedrungene verbältniHHe , da«i gie wohl auch ohne 
ein aufgesetztes steinband fcNtsteben , besonders da „kein seiten- 
M-hub. Hondern nur ein lo(hre<'liter druck" ausgeübt wird (l'Jxcurse 
p. 7): und dass sie es thun , zeigen noch heute die säulen der 
teuipel in korinlh, Pliigalia , Agrigent, der Propyläen zu Athen 
und selbMt die sehr viel Nchlunkeren korinthischen vom tempel des 
olympischen Zeus zu Athen u. a. m. , wo ülterall einzelne säulen 
ohne übergelegte epistylieii seit Jahrhunderten uufrccht steheti. 
AuMMcrdem bildet ja dos geisoo schon die verlangte Verankerung, 

13* 



196 Ueber das opus nioiiotriglypham. 

wie auch Dor. p. 171 angedeutet ist, so dass also eine nochma- 
lig-e, nur um die höhe des triglyphon niedrig-er sich befindende, 
gewiss nicht nothwendig ist ^) und namentlich bei so kleinen tem- 
peln, wie die ältesten dorischen, die ja auch immer aedes in antis 
(Dor. p. 122) waren, also wohl nie mehr als zwei säulen in der 
front hatten. Zu dem zweck der Verankerung- allein haben die 
alten dieses so wichtig-e und an masse so bedeutende bauglied ge- 
wiss nicht in die architectur eingeführt , besonders da sich sehr 
leicht eine bauweise ohne epistylion herstellen lässt 5), die aber 
einen ganz anderen, nicht griechischen habitus erhält. 

Dass bei Bötticher's monotriglyphensystem das epistylion al- 
lerdings ein spannendes band ist, und die festigkeit des baues 
fördert, ist mir nicht zweifelhaft, aber wozu erst durch aufstel- 
lung von triglyphen über jeder säulenaxe eine verschiebbare con- 
struction herstellen, der man wieder durch Zwischenschiebung des 
epistylbandes festigkeit geben musste? Sollte dagegen nicht die 
constructionsweise der alten Aegypter verständiger sein , in wel- 
cher stets auf dem säulenkapitäl ein, von Lepsius abacus genanntes, 
wohl aber besser mit dem scami/lum zu vergleichendes, stützendes glied 
sich findet, dem das ganze gebälk aufgelegt wird? — Sehen wir 
jetzt nach, wie die Überlieferung mit Bötticher's restitution stimmt. 
Die uns erhaltenen monumente dorischer bauweise sind theils 
aus einer zeit der entartung der architektur, da man gar kein 
verständniss mehr für diese formen und deren ursprüngliche be- 
deutung hatte, dieselben folglich bunt durcheinander, ohne alle 
regel, nach dem jedesmaligen geschmack anwendete. Von diesen 
denkmälern kann füglich bei dieser Untersuchung nicht die rede 
sein. Ein anderer theil der monumente ist zwar noch aus der 
blüthezeit der griechischen kunst, da die ionische bauweise sich 
eben erst recht entfaltet hatte, in welcher zeit die dorische archi- 
tectur „welche nur in der ersten phase wahr und vollkommen" 
(Dor. p. 117), aber schon in verfall gerathen war. Man hatte 

2) Das epistylion als veratiherung ist nolhwendig im inneren der 
hypäthralen zelle, wo zwei säulenstellungen [columnae in allitudine du- 
plices) über einander stehen (s. tektonik lafel 24). 

3) Man hat nur das im dorischen bau epistylion genannte glied fort- 
zulassen, und die triglyphe mit allem was darauf ruht, nebst den bal- 
ken mit ihren kalymmalien auf die säulen selbst zu setzen (in welchem 
falle sie zu epistylien werden) . mit einem werte aus epistylion und 
geison eins zu macheu, wodurch der ganze bau überraschendor weise 
sehr grosse ähnlichkeit mit den ägyptischen tempeln in hochbau erhält. 



lieber das opus monotriglyphum. 197 

diese sehr gebundene und für einen kleineren massstab berechnete 
bauweise auch auf grossere gebäude angewendet, und hatte 
hier in der construction allerlei künstliche hülfsmittel anwenden 
müssen, weil die alte, hieratische form beihehalten werden musste. 
Die metopen waren nicht mehr fenster, sie wurden durch ein 
opaion im dache ersetzt , durften folglich nicht mehr offen sein, 
wurden daher durch lothrecht eingeschobene tafeln , welche man 
durch maierei oder sculptur dekorirte, verschlossen. Veberall aber 
findet sich in dieser periode der geschichte der baukunst die an- 
Ordnung der triglyphen so, dass über jeder säule eine solche sich 
findet und über jedem intercolumnium eine, also auf jedem epistyl- 
halken deren zwei. In besonderen fällen , wo die entfernung der 
Säulen von einander grösser ist als gewöhnlich , setzte man dann 
luch ztcei triglyphen über ein intercolumnium, und das war dann 
iin opus dilriglyphum , ein wort , das zwar bei den alten Schrift- 
stellern gar nicht vorkommt, das aber nach der analogie von opus 
monotriglyphum des Vifruv gebildet ist. Dass aber das opus mo- 
notriglyphum des Vitruv die oben angedeutete weise, so dass über 
jeder saule und über jedem intercolumnium sich ein triglyph be- 
findet, sei^), sagt Vitruv ganz deutlich lib. II. cap. 3, indem er 
den ausdruck opus monotriglyphum erklärt: „Ita supra singula epi- 
stylia et metopae duae et triglyphi bini erunt coUocandi\ worte, die 
Bo klar sind, dass sie gar nicht missverstanden werden können, 
Isher auch wohl immer erklärt worden sind , wie sie Lorentzen 
in seiner neuen ausgäbe des Vitruv (Gotha, 1857) p. 175 über- 
setzt, nämlich: „so werden über jedes einzelne architravstück je 
/»ei metopen und zwei triglyphen zu stellen sein" ^). An und 
Mir sich kann das wort monolrigfyphon zweideutig sein, indem das 
<o»o^'auf das systeni der säulen oder auf das system der intercolum* 
lien hcxu^rcn wenlen konnte. Da aber über jeder säule seihstverständ- 
ich nur /'ifi^' triglyphe Mtehen kann, über jedem intercolumnium aber 
iifhrp, wie es namentlich bei den Römern, wo die triglyphen nur 
\rrrr- uiri.itii« nt . das in unt erstandener weise von den (ariecheo 
nxrti.iurri wurden war, ganz gang und gebe war, so kann dos 
uor» imto^ nur auf dir zahl der triylyphru uhrr dm intrvntUtm- 

4 lltir (»roUhft.-i L...,.,, u. nnl dien t-m uf,u^ iiii,i<in/j>fn. 

driicn Aufsatz über dio lAuienordnungon in tinilhabaudii ii< 
der baukuiio n. n.. aui^ahe, hofl lil). 

&) Dei r»<?lzt (laa worl „opuM monolrifflyphum:" „»in ten»- 

pl'I mit je I Iriuhnlirn iiber den niinlfii/«»».. >ii«f,r «iMii.-f'' 



198 lieber das opus monotriglyplium. 

nien bezogen werden, hat also für die Römer, für welche doch 
Vitruv schrieb ^')5 erst den rechten sinn, denn die Hellenen dürf- 
ten wohl, so lang-e sie selbstständig- waren ^) , nicht leicht mehr 
als zwei trig-lyphen über jedes intercolumnium g-esetzt haben, und 
auch dieses wohl nur bei prachtthoren wie z. b. den propyläen 
zu Athen und Gleusis , dem thore der neuen ag-ora zu Athen. 

Geg-en Bötticher's restitution spricht also die schriftliche Über- 
lieferung-, Vitruv, von dem er freilich (Dor. p. 169) sag-t, er habe 
„einen g-anz verworrenen beg-rifF der sache, wie im 9. excurse g'e- 
zeigt werden soll ," was aber bis jetzt nicht g-eschehen ist ^). 
Ferner spricht dag-eg-en die monumentale Überlieferung-, indem sich 
durchg-äng-ig- trig-lyphen über den intercolumnien finden, auch nirgends 
in bildern auf vasen und sonst eine andeutung der bauweise nach Böt- 
ticher nachgewiesen ist. Wollten wir die mitteltriglyphen in den 
ursprünglich dorischen bau nicht aufnehmen , so müsste in späte- 
rer zeit, aber auch noch in vorhistorischer, eine gänzliche Umge- 
staltung der dorischen bauweise stattgehabt haben, wie solches J. 
Krieg „de triglyphis^^ (Berlin 1852) angenommen hat. Denn dass 
die mitteltriglyphe, durch die allein nur das epistylion erklärt wird, 
ein wesentliches constructionsglied ist, ist aus dem obigen klar. 
Es spricht endlich dagegen auch die construction , indem dem epi- 
stylion keine statische funktion zugewiesen ist. Demnach , meine 
ich, ist diese ansieht Bötticher's zu verwerfen: denn wollte er 
dem bau mehr festigkeit geben , indem nur die rückwirkende fe- 
stigkeit des steins in anspruch genommen „alle lastung auf die 
sichere Stabilität der stützenden säulen geworfen wird (Dor. p. 
158), so ist diese aufgäbe doch nur unvollkommen gelöst, indem 
bei den balken ^) welche die kalymmatien tragen und bei dem gei- 

6^ SolUe auch unser Vitruv, wie vor kurzem Christian Ludwig 
Friedrich Schulz (Untersuchung über das Zeitalter des Vitruv, Leipzig, 
1856) in hohem grade wahrscheinlich gemacht hat, unächt und eine 
compilation des mittelalters sein , so beruht er doch immer auf uns 
sonst verlornen traditionen und ist insofern , da wir keine andere 
schriftliche quelle über die baukunst des alterthums besitzen, von ho- 
hem werth. [An der echtheit des Vitruv ist nicht zu zweifeln. E, v. 
Leutsch.] 

7) In der spätem zeit kam es öfter vor, selbst in Athen. Ein 
beispiel ist die sogenanate portikus des könig Philipp. 

8) Zweimal p. 12! und 169 wird auf den 9 excurs, der den be- 
weis für diese restitution beibringen soll, verwiesen ; er ist aber nicht 
erschienen. 

9) „Die existenz der gesammten decke ist hier auf die Unver- 
brüchlichkeit einzelner gliederbalken basirt und auf diese alle stati- 
sche thätigkeit reducirt." (Excurs p. 6). 



Ueber das opas raonotrigljpham. 199 

son die relative festig'keit (coliärenz) des materials, bei letzterem 
sogar in sehr bedeutendem masse, in ansprucb genommen ist. Es 
wird Dorika p. 172 dem geisonhlock so grosse dicke zugeschrie- 
ben, dass er „sowohl sich selbst, als auch das , was ihm aufliegt, 
zwischen den auflagepunkten in der schwebe tragen ' kann , um 
wievielmehr sollte aber nicht der epistylbalken, der bei Bötticher 
nach obigem 2^l20ia\ so viel tragen kann, nicht auch noch die 
balken tragen können ? — Wenn nun dieser grund der grösse- 
ren Festigkeit , der „unverwüstbarkeit" (Dor. p. 160) des baues 
wegfallt, dafür aber der übelstand eintritt, dass das epistylion 
nicht hinreichend raotivirt ist, womit gegen das Dor. p. 114 — 115 
aufgestellte grundgesctz des dorischen baues und das Dor. p. 119 
ausgesprochene „kriterium alles baulichen Organismus^' gefehlt 
wird, dass monumentale und schriftliche ^^) Überlieferung nicht da- 
mit übereinstimme, wie Dor. p. 115 behauptet wird, welcher grund 
bleibt dann für diese hypothese ? 

Statt dieser restitution schlage ich eine andere vor , welche 
mit der Überlieferung übereinstimmt , vorzüglich aber „abgeschlos- 
senheit des ganzen und gebundenheit und unbeweglichkeit aller 
einzelnen theile'' zeigt (Dor. p. 119). Ich setze nämlich auf je- 
den epistylbalken der von saulenaxe zu säulenaxe reicht, zwei 
triglyphen *') je eine über die saulen und eine mitten auf den 
cpistylbalken , hinter jeder triglyphe liegt ein balken, der nach 
der mauer der cella hinübergeht und das auflager für die kalym- 
matien resp. stroteren bildet. So erst wird das epistylion, diia 
„^teron • tragende glied" (6. excurs p. 76), wahrend es vorher die 
saulc selbst war, das epistylion aber nur säulen verbindend. Die 
kalymmatien resp. stroteren , welche in ßötticher's restitution die 
verhältnissmassig bedeutende länge des epistylbalken haben mussten, 
werden hier auf ihre halbe länge reducirt, können also geringer 
in ihrer höhe, mithin leichter gebildet werden. Bei dieser anord- 
nung wird nun freilich die mitte des epistylbalken , also seine 
•ch wachste stelle, ebenso stark belastet *^) als die säulen, welche 

10) Wenn Vitrut aIr nirht güilig ancrkAiint wird, so »ind wir nur 
auf dir inorniiiienlf AngcwicKcn, haben alao noch wenigor recht tu «i- 
orr I welche dir abweichende deutung des VitruT nur ichein- 
bar r ,; -n könnte 

11) KiKi^nllich rinn ganir und zwei halb«*, indem die Irigl^rphen 
über den niulen auf der stoinfuge der epiHtylbfllLcn Hlohon und lo 
SWfi derselben lugleirh betagten. 

12) Weishalb m«Ar. wii* Dor. p. 162 bchauplel wird 7 



*^ß(K) Ueber das opus mniiotriglyphum. 

natürliclierwei se , da sie das epistylion aufnehmen, doch die g-anze 
last zu trag-en haben ; aber desshalb ist das epistylion auch in al- 
len erhaltenen monumenten so mächtig- g^ebildet, und zwar um so 
stärker, je schlechter das baumaterial, wie die monumente in Pä- 
stum und Sicilien zeig-en. Um aber die trag-fähigkeit eines sol. 
eben balken zu kennen, dazu gehört noch keine besonders hoch 
ausgebildete bauliche praxis, die übrigens bei den Hellenen auf 
keiner g-eringen stufe mehr gestanden haben kann , als man ei- 
nen so kunstvoll gegliederten bau, als der dorische ist , ohne ein 
Vorbild dafür zu haben , schuf. Wie nun aber durch das hinzu- 
treten der trigljphe über dem intercolumnium das wesen und der 
nutzen der triglyphe verloren gehen sollte, wie Dor. p. 162 ge- 
sagt ist, ist nicht wohl einzusehen, da die triglyphen doch jetzt, 
ebenso wie zuvor das geison tragen , das epistylion entlasten , in- 
dem die triglyphen jedenfalls doch leichter sind , als ein dicker 
aufliegender balken , der thrinkos der ionischen und späteren do- 
rischen bauweise und endlich noch die pfosten für die fenster zur 
beleuchtung der cella von der seite des baues (Dor. p. 160) 
bilden. 

Auf den triglyphen ruht nun also das geison und zwar her- 
gestellt aus einzelnen blocken, die von triglyphe zu triglyphe rei- 
chen. Von ihnen gilt dasselbe , wie von den kalymmatien. Sie 
erhalten durch die anwendung des mitteltriglyphen eine halb so 
grosse länge, als in Bötticher's restitution, können also sicli selbst viel 
eher frei tragen und auch das, was ihnen aufgelegt ist (Dor. p. 
448). Im ganzen ist dieser bau also mit kleineren steinblöcken, 
also leichter herzustellen, und wohl auch sicherer, indem die co- 
härenz des materials weniger in anspruch genommen wird, als in 
Bötticher's monotriglyphensystem. Und die herstellung der dicke aus 
verhältnissmässig kleineren blocken, das ist ja eben in constructi- 
ver hinsieht ein unterschied der hellenischen bauweise von der 
ägyptischen, in welcher die dicke durch monolithe platten gebildet 
wird. Dabei ist die ganze construction aber noch immer ebenso 
sehr an die säulenaxen gebunden, als zuvor. 

Bei der hier vorgeschlagenen abgeänderten restitution sind 
nun, wie ich glaube, die forderungen der tektonik (Dor. p. 119) 
an einen organischen bau : y^ab geschlossenheil des ganzen und un- 
beweglichkeit aller einzelnen theile in örtlichkeit und form'' voll- 
ständig erfüllt. „Es ist jeder der theile als aus dem ganzen 



Ueber das opus inonotriglyphum. 201 

hervorgehend, auch demselljen dienend unterworfen, ihm g-emein- 
sani theilhaftig und auf dasselbe bezüg-Iich." „Es ist jeder ein in- 
tegrirendes unerlässlich nothwendiges glied desselben." „Je- 
des giied ist mechanisch noth wendig.'' (p. 115|. Wollten wir 
nur einen epistylbalken, dessen zweck eben ist die mitteltri- 
glvphe aufzunehmen , herausnehmen , so würde der ganze bau 
(d. h. in der anmerkung 1) erwähnten weise) ebenso sicher zu- 
sammenstürzen , als wenn man eine säule entfernte. Ebenso würde 
die wegnähme eines triglyphen oder eines geisonblockes den Zu- 
sammensturz des gebäudes bewirken u. s. w. Von jedem einzel- 
nen gliede lässt sich ferner die mechanische nothwendigkeit seines da- 
seins und gerade an deih bestimmten und keinem andern orte 
nachweisen. „Wenn aber meine darstellung des tektonischen die 
richtige ist, so wird sich das bewahrheiten, wenn alle resultate, 
die aus der literatur hervorgehen, mit dem gegebenen technischen 
durchaus übereinstimmen.'* (Dor. p. 115). Die einzige literari- 
sche quelle für diesen theii der tektonik ist Vitruv, der ganz da- 
mit übereinstimmt, wie oben gezeigt worden ist. Ebenso zeigen 
auch die erhaltenen dorischen monumente aus guter zeit die an* 
deutung desselben monotriglyphenbaues (mit mitteltriglyphe). Aus 
dieser ursprünglichen dorischen bauweise entwickelt sich aber 
auch mit leichtigkeit die spätere , wie sie die monumente zeigen. 
Man hatte nicht mehr nothig ein ganz neues wesentliches glied 
einzuführen. Von einer solchen triglyphe auf deren mehrere war 
der Übergang dann sehr leicht, ohne dass die function der meto- 
pen als fenster aufgehoben werden durfte. In späterer zeit, als 
man die fenster nicht mehr gebrauchte *^), verschloss man sie durch 
metojientafeln und setzte in noch späterer zeit sogar in stelle des 
aus triglyphen uud metopentafeln bestehenden triglyphen ein 
wandcontinuum, in welches dann die triglyphen als dekorirende 
tafeln eingeschoben wurden , wobei es auf die zahl und Stellung 
derselben zu den saulcri oft riifiit inclir .'trikam. 

Berlin. liudolph Bergan. 

\^\ l)ei einem periptcroM würden die mctopen überhnupt irhoD 
«ehr w.>nig oder gar nicnt cur heleucbtuog der cella beigetragen haben. 



VIII. 

lieber eine fig^ur im friese des Parthenon, 



So paradox auf den ersten blick auch C. Bötticliers behaup- 
tung- „auf dem friese des Parthenon sei nicht die festpompa der 
Panathenäen, sondern nur die Vorübungen zu derselben dargestellt,*' 
klingen mag, so erhält diese behauptung nach lesung von Bötti- 
cher's aufsatz über den Parthenon in der Berliner Zeitschrift für 
bauwesen von 1852, namentlich im hinblick darauf, dass der Par- 
thenon in der that nur ein schatzhaus, und nicht, wie man früher 
allgemein angenommen, ein culttempel der Athena gewesen, schon 
sehr viel für sich. Von neuem müssen wir aber Bötticher's Scharf- 
sinn, der uns auch zuerst auf den unterschied der cult- und ago- 
naltempel aufmerksam gemacht, in der erklärung der einzelnen 
gruppen des Parthenon - frieses bewundern, erklärungen, die leider 
erst in kurzen andeutungen in den berichten über die Sitzungen 
der Berliner archäologischen gesellschaft bekannt geworden sind. 
Wenn man darauf die darstellungen in ihrer gesammtheit, wozu 
besonders die verkleinerte restitution des ganzen frieses von dem 
englischen bildhauer Henning (photographie desselben in Monu- 
menti, annali e bulletino dell' inst. arch. 1854, p. 12) geeignet 
sein dürfte, betrachtet, so steigert sich die vermuthung, dass hier 
nur Vorübungen, auf der Östlichen seite aber „die ausgäbe von in- 
ventarstücken des parthenon" die bei der festpompa gebraucht 
wurden, dargestellt seien, fast zur gewissheit. 

Nur in betreff leiner figur glaube ich Bötticher widerspre- 
chen zu müssen , nämlich in der von ihm Rhabdonomos getauften 
gestalt, die er sich auf Stuart's Zeichnung (Antiquities of Athens 
Vol. U, Chap. I, pl. 25) stützend, der den köpf mit einem star- 
ken hart versehen, für männlich hält. 



Der fries des Parthenon. 203 

Das original ist uns noch erhalten (im britischen miiseum zu 
London) leider aber so sehr zerstört, dass daraus mit tollkomme- 
ner gewissheit nicht auf das g-eschlecht der frag"lichen person g'C; 
schlössen werden kann. Jeder unbefang-ene hält sie aber auf den 
ersten blick für ein weib , ein urtlieil wozu wohl besonders auch 
das durchaus weibliche g-ewand, wie es keine andere der auf dem 
friese befindlichen männlichen g-estalten hat, beiträgst. Alle andern 
unzweifelhaft männlichen g'estalten haben einen einfachen kurzen 
(militärischen) oder längern (priesterlichen) chiton, der in g-rossen 
auf einen dickern stofF (wolle) ^chliessen lassenden falten herab- 
hängt. Der Oberkörper ist meist g-anz nackt wenn nicht ein zi* 
pfel des gewandes über die linke schulter g-eschlagen ist. Ganz 
anders dag-egen ist der weibliche chiton , der von leinen , sehr 
viel mehr und kleinere falten schlägt, sich g-enauer an die körper- 
formen anschliesst und diese desslialb deutlicher erkennen lässt. 
Er erscheint auf unserm bildwerke mit, auch ohne ärmel. Mit 
einem solchen faltenreichen aus dünner leinewand bestehenden är- 
mellosen chiton und zwar einem doppelchiton (Müller archäologie 
§. 339, 4) ist unsere gestalt bekleidet. Seine falten sind aiier 
weg-en der sitzenden Stellung etwas in Unordnung geratben und 
desshalb nicht so klar erkennbar als z. b. bei den Stuart and Re- 
vett Antiquities Vol. II. Chap. I , pl. 22 und 26 dargestellten 
Jungfrauen. Für ein weib spricht ferner der sehr weich und 
rund gebildete , aufgestützte rechte arm , der bei den männern 
überall sehr viel muskulöser, und die andeutuiig der rechten brüst, 
eine andeutung, die Cnurbould, ein treftlicher antikenzeichner. in 
den abbildungen in Hawkins Marbles of the British museum Part. 
8 plat. 1 noch mehr hervorgehoben hat. Hier nur eine Quetsch- 
falte des gewttndes anzunehmen, wie Rötticher itill , scheint mir 
unzuläKsig , hesonderK da bei sorgfältiger betrachtung an der lin- 
ken Seite des hniNtkastens , wo der arm ansetxt , eine leise an- 
deutung der weiblichen brüst zu bemerken ist. Kei den meisten 
andern in ähnlicher wtellung befindlichen figuren sind die weiiili- 
chen brüste ebenfalls nicht stärker hervorgehoben. Ausser den 
original Htehen uns nun aber n<»rh zeicbnuMgen zu geböte, die 
angefertigt worden sind , che sich das monumenl in dem zustande 
der xerstörung befand, wie wir e« Jetzt sehen. Ali folche lind 
besonders ausser den von Stuart und Revettt aus der mitte de« 
vorigen Jahrhunderts in ilirftt Antiquities of Athens in kupfcr- 



204 Der frics des P.irtbenon. 

stich publicirten, die im jähre 1674 von dem maler Carrey 
im auftrag-e des Marquis de Nointel an^efertig-ten zu nennen, 
Sie befinden sich jetzt im kaiserlichen kupferstich ■ cabinet zu Pa- 
ris und sind in der neuesten zeit in dem grossen prachtwerk des 
grafen Leon de Laborde über den Parthenon als facsimiles in sol- 
cher treue veröfFentlicht, dass man sich vollständig- auf sie verlas- 
sen kann. Aus diesen Carrey'schen z«ichnung-en , so mangelhaft 
sie an und für sich auch sind , geht nun aber doch mit gewiss- 
heit hervor, dass schon damals im jähre 1674 der köpf unserer 
gestalt sehr zerstört war. (Dessins originaux de Carrey pl. XVI, 
fig. 110). Auch hat Carrey die gestalt für ein weib genommen, 
denn er hat sie bestimmt ohne hart gezeichnet, hat die rechte 
brüst sehr viel stärker angedeutet als im original geschehen ist, 
hat das gewand und den erwähnten rechten arm ebenfalls durch- 
aus weiblich gehalten. Wenn nun aber schon Carrey den köpf 
ohne bart sah, so kann ihn unmöglich noch Stuart, der den fries 
erst 80 jähre später zeichnete, mit einem solchen versehen, ge- 
sehen haben, besonders da auch das original keine spur davon zeigt. 

Wenn Stuart auch in aufnähme der architektonischen details 
mit einer bewunderungswürdigen genauigkeit verfahren ist, über- 
all seine restaurationen gewissenhaft angegeben hat, so scheint 
er es bei Zeichnung der bildwerke nicht so genau genommen zu 
haben, wie aus einer vergleichung seiner Zeichnungen mit den ab- 
güssen der originale im Berliner neuen museum hervorgeht. Seine 
restaurationen hat er hierbei gar nicht angemerkt und eine solche 
ist dieser köpf zum grössten theil. 

Otfried Müller, dem man doch gewiss auch ein urtheil über 
kunst wird zugestehen müssen , hat aber selbst schon in seinen 
denkmälern der \ilten kunst bd. 1, fig. 115 e die Stuartsche Zeich- 
nung nach dem original corrigirt, indem er p. 13 sagt: „die Zeich- 
nung ist nach Stuart, nur dass die figur mit der fackel, welcher 
Stuart einen bart gegeben, dem original gemäss als weiblich restaurirt 
ist." Und für weiblich haben sie bisher wohl auch alle künstler (siehe 
auch die erwähnte restauration des frieses von Henning) und kunst- 
gelehrte gehalt'in, und Stuarts autorität, auf die allein Bötticher 
sich stützt, ist wie ich nachzuweisen gesucht, gerade hier sehr 
zweifelhaft. 

Berlin. Rudolph Bergau. 



IX. 

Zu Aeschylos Eumeniden. 



1) Aesch. Eum. v. 3: 

Qffiip \ f rj drj t6 fi7]r()(g dtvrsQn toÖ' t^ero \ fiavTtior. 
An di»n Worten t6 fit^Tgng hat der s^otliaer Iierausgeher (1857) 
mit recht anstoss genommen , obg^Ieich sie weder von selten des 
gebrauchs des artikels noch von seiten der consruction von «^fc- 
aOat anzugreifen sind: wohl aber wäre der g^edanke , den to ju;/- 
rpov 7('fi€ ftavTHor u;'Ä\fe , ein verkehrter. Er schlägt desshalb 
statt t6 fiTjTQni vor zu lesen to fAovQU^', eine glosse des Lycophron 
v. 223, nach den alten so viel als frQO(j>TjTt]g , fiiivm;. Das ist 
aber sehr unwahrsclieinlich. Erstens hatte sich die bedeutung- dieses 
eigentlich speciell auf die dodonäischen priester bezogenen Wortes 
(Straho 7, p. 828) ku Aeschylus zeit schwerlich schon so verall- 
gemeinert, dass dieser von dem thesprotischen berge ToftaQOi; ab- 
geleitete name hätte beliebig auf die zu Delphi weissagenden gutt- 
heiten übertragen werden können , ja es ist wahrscheinlich , dass 
überbaupt nur der tropensüchtige Lycophron die bedeutung so zu 
verallgemeinern gewagt hat. Zweitens sind die Kumeniden dasje- 
nige Stück des Aeschylus , das im verhältniKS am allerwenigsten 
glossen, neugebildetc Wörter, tn>pen , überhaupt autl'allendcn rede- 
schmuck enthält, wie im gegentheil die Snpplices davon da« meiste 
haben. Ks ist also nicht zuläNsig, die glossen ohne Veranlassung 
zu vermehren. Mir scheint der stell« um einfuchsten durch den 
schon alten vorsrhlag rj Ötj 'nu ^iiyrpry' /<*t;fA(»« x.r.X. geholten 
werden zu können, (arammutisch lässt sich hiergegen sicher nichts 
stichhaltiges einwenden (cf. Hennl. H, 55), und das sonst ubun- 
direndc /'/^r(iov tritt so in eine beziehung zu dem hauptbegriil 



208 Zu Aescbylos Eumeiiiden. 

2) Eum. V. 44 Dind., v. 45 Herrn. — nlddor 
Xr'jVEi fityioTcp a(>iq>Q6tag sarefifAtvov 
aQyTjZi fiaXlü)' zrjdt yaQ TQUföjg egm. 
Hermann schrieb bekanntlicli fÄaytaroococpQoroot,' , und diese geist- 
volle emendation^ sag-t die g-othaer, müsse beibehalten werden, bis 
bewiesen sei dass aQytjjifiuXXog als ein adjeetivum geschrieben 
werden könne. Darnach scheint angenommen zu sein, dass Her- 
mann desshalb an fisyiarcp anstoss genommen habe , weil die bei- 
den adiectiva fAsyiatqp und aQyijTi unpassend seien? Keinesweges, 
sondern weil l^t>si fieyiaicp ein absurder ausdruck ist. Oder, wenn 
man äQyt]7t(4.dlXcp schriebe — was schon wegen rfiÖs yäg rga- 
vdög EQOJ nicht angeht; denn diese formel erfordert das in der 
bedeutung „wolle" gebräuchliche Substantiv fxalXog als erklärung 
für das etwas seltene Xijvog — glaubt man dann Xi^vst {Asyiarq) er- 
tragen zu können? Aber Hermanns fisytüToaoqjgovcog hat doch 
viele bedenken. Was er als beleg citirt, (iEyiarorifjiogi ist ganz 
anderer art. Es ist nämlich ein compositum possessivum , so viel 
als TTjv (AsyiCTfjv ri^rjv «/co»', eine art der Wortbildung, die zu den 
gewöhnlichsten gehört ; fisyiatoa(6q)Q03v aber würde zu denjenigen 
determinativis gehören, welche, aus zwei adjectiven componirt, das 
erstere adverbial zum zweiten setzen , es würde also summopere 
sapiens bedeuten. Nun kommen zwar auch für diese art der Zu- 
sammensetzung einige wenige beispiele vor, bei Aeschylus sv&vdi- 
Kaiog Eum. v. 309, OQ&odixuiog Eum. v. 976, beide so viel als 
„stricte iustus", drjfiionXri&fjg \g. v. 119 publice repletus, vielleicht 
auch ßa&vxd'iog Suppl. v. 825: dennoch ist es schwerlich erlaubt, 
ein neues wort dieser art zu bilden , zumal im trimeter — alle 
jene beispiele kommen in chorgesängen vor, die ja fast zwei drit- 
tel aller vorhandenen glossen des Aeschylus enthalten — , ein wort 
obendrein, in welchem das erste glied in den Superlativ gesetzt 
ist, wofür alle beispiele fehlen. — Sollte nicht ^teyiöTCp vielleicht 
(erst durch einen Schreibfehler, dann durch correctur) aus negiacq) 
entstanden sein , das in nicht tadelnder bedeutung oft genug vor- 
kommt ? 

3) Eum. v. 50 Dind., v. 51. Herm. : 

eidüv not r/örj (Dirsoog ysygafjfit'i'ag 

dtinrov qiegovaag' dmegoi ye ixrjv Idth 

avzai X. T. X. 
Die herausgeber nehmen meist (ausser Müller) eine lücke an ; Her^ 



Zu Ae»chylo8 Eumeniclen. 207 

mann vor dem verse 50, Dindorf hat jetzt nach demselben die 
zeichen gesetzt ; doch scheint mir des letzteren frühere ang'uhe, 
dass die liicke nach tjöi] stattfinde , die richtig^ste , wenn man ein- 
mal eine lücke annehmen zu müssen glaubt; denn schwerlich darf 
man </>/»t'ca«,' zu weit von ÖtiTifOp entfernen. Der grund aber für 
eine lücke ist meines erachtens nicht der , dass die Uar|)yien ge- 
nannt sein müssten; denn die Pythia sucht in ihrem gedächtniss 
gestalten {tvnov^ v. 49), mit denen sie die ihr dem namen nach 
auch noch unbekannten Erinyen vergleichen könnte, nicht aber 
namen; sondern vielmehr der, dass es an einem subject man- 
gelt, was yiyQuyLiAipai nicht sein kann, und an einem werte, das 
den gegensatz zu uTZTtgd yt firjv lÖtiv aviai bilde, dessen man 
durchaus bedarf. Fände sich ein solches wort, so wäre die lücke 
— nicht unmöglich vielleicht, aber unnöthig. Ein solches wort 
aber erhält man, wenn man für noj yötj , wovon /jÖtj jedenfalls 
unnöthig und prosaisch ist, nojtjvdi schreibt, Substantive , wie es 
Pind. \em. 3, 140 steht. „Ich sah weibliche flügelwesen gemalt, 
weiche das mahl des Phineus davontrugen — (ergänze: denen 
möchten diese sonst nicht unäbniich sein) — aber freilich diese 
hier sind flügellos''. Die femiiiinalform kommt auch vor, und kann 
um so weniger auffallen, als schon seit v. 47 immer von weibern 
die rede ist. Ich meine die stelle könnte so gelesen werden ; was 
sie noch abgerissenes hat , namentlich das asyndeton, ist gramnia- 
tisch und logi«ch nicht mehr unerträglich, rhetorisch aber für den 
gedankengung und die Stimmung der priesterin sogar recht pas- 
send. Dass endlich aus nojtftu^ leicht :iot i'jdt] entstehen konnte 
bei majuskeUchrift, liegt auf der hand: es brauchten nur die letz- 
ten buchstaben durch Umstellung aus \AC in ANC verwechselt 
zu werden , so lug dann die currectur Jfl nahe genug. 

4) Kum. v. 17(> -177: notiTQonuto^ d' o)»- tttQOt tf xrign 
ftiuatOQ* iHiivov nuattai. 
ZiiiiariiM II. tt i (jrsuu oi (V corrigirt ; am meisten vorstbläge aber 
giebt es für da« verderbte ixettov. Ufimaun schrieb iativ 6f, 
früher «0rir ov, Bamberger i{ i/AOtf ^ Schoemaun alt inn. Ah- 
rem «k finv. Aber die gothaer hat recht zu sagen tiuidqitid ex- 
coijttutum e%t ah editonbu» mtnftce lanyuet. Nein eigner Vorschlag 
alMsr genügt ihm «eihgt oiclit : norttgonai^ iXtip tttgop tV ndg^ 
fAuinroQ tixti\* ov niiaitut. Ich verNtvhe dicN nicht recht. Soll 
uitinti,,.it itliliängeu von i^wr , wie cm "'»- !■ <''•" iliirii-i. Kf.-Il«n 



208 Zu Aeschylos Kumeniden. 

äyoq iXavveiv etc. den anschein hat, und svarov object zu na- 
aerai sein, so dass der sinn wäre: „wenn er auch durch sühnun- 
g-en den andern racheg-eist auf seinem haupt vertreibt, so wird 
er doch das gewünschte nicht erlangen"^ Aber was soll dann 
EisQov bedeuten, und wozu das futurum iXwv'i Doch vielleicht 
soll es anders verstanden werden; aber allerdings genügt mir der 
Vorschlag auch nicht. Für die erklärung scheint die hauptsache 
das richtige verhältniss von bzsqov fiidatoQa zu sein. MidarcoQ 
aber bedeutet an den beiden stellen (ausser dieser) wo es nicht 
„frevler" heisst, „rachegeist" und zwar Eur. Med. v. 1371 die 
geister der ermordeten kinder, Soph. El. v. 603 den Orest als 
rächer des vaters, also immer menschliche, nicht dämonische gel* 
ster. So wird auch wohl hier der hsgoig' (ndaTooQf den der schul- 
dige, auch wenn er zum Hades flieht, finden soll, ein menschen- 
geist sein , und zwar der schatten der Klytämnestra. Hiernach 
scheint ausser ixtifov alles richtig. Wenn man nun bedenkt, 
dass die Erinyen überall das recht zu schützen behaupten, und 
sich über Apollo's übergriffe, indem er den sterblichen mörder 
schützt, beklagen, so ist wenigstens wahrscheinlich, dass der 
chor sage „der mörder wird dem gebührenden rächer nicht entge- 
hen". Diess führt auf ix v6(jlov , was namentlich durch den ge 
gensatz nagd vofiop v. 171 bestätigt wird. 

5) Eum. v. 269—271. Dind., 266—268 Herrn.: 
üxpti ds xti rig ulXog ri}.i7Bv ßootwv 
7/ -d-top rj ^erov riv daeßööv, rj zoniag q)iXüvg 
fyovxy SHUüTOv rriQ 8rATj(; snd^ia. ^ 

"/^llXog für dlXov ist unumgängliche emendation Healh's. Um im 
zweiten verse den vollen dochmius zu bekommen, pflegt man eine 
lücke anzunehmen und zu ergänzen: Hermann ziv ouh tvaeßööp, 
die gothaer ausgäbe itv daeßäv dniy . Die worte iiv daeßcov 
tragen aber so offenbar das gepräge eines glossems an sich, uce-^ 
ßK)v ist neben tjXiTEv so schwach, die drei objecte reihen sich so 
concinn an das verbum ^Xirsr, sobald man das verallgemeinernde 
rivd los ist, dass ich keinen zweifei habe, man müsse die doch- 
mien durch Streichung jener worte herstellen, ohne dabei die syl- 
laba anceps in der scblusslänge des ersten dochmius zu übersehn. 
Sie wird aber entschuldigt durch die Wiederholung des ;/, nach 
Rossbach und Weslphal metrik p. 560. 



Zu Ae8cliylas Eamrniden. 209 

6) Eum. V. 302 Dind., v. 299 Herrn.: 

UKUfAUTOv ßunxr]^a^ daifiovoiv axid. 
Hierzu bemerkt der Gotliaer lierausg-eber; „nihil vel mediocre ad 
hunc versuin sanandum aut explicaiiduin proferri meinini." In der 
that ist schwer zu sagten was axio. daipiovmv bedeuten solle, und 
selbst die einfachste erklärung-, dass es das den daemonen ver- 
fallene eig-enthuui bedeute, hat doch Hermann^ nachdem er sie ver- 
theidigt, so wenig" behai>-t, dass er später ßöanripia räjvds 8ai(x6- 
vcav gesetzt und a-niix. für „aus der erklärung- in den text selbst 
gekommen" erklärt hat. Aber wie hätte amu in die erklärung 
kommen können, wenn es nicht im text stand ? welchem Interpre- 
ten wäre es eingefallen, etwa uruiftazov ßoaxrjua durch axid zu 
erklären? 2xiu hat sicherlich seine rechte stelle im text, und 
das verderbniss ist in dai^ovcov zu suchen. Wenn jemand durch 
blutverlust sehr geschwächt ist, so sagt man ganz passend von 
ihm, er sei nur noch ein schatten; aber derjenige eines gottes? 
nein, derjenige eines gesunden , bluterfüllten menschen. Hiernach 
emendire ich 

ataipiatov ßnanrju\ itciifxntmv axtd. 
Das wort i*aift<ot, synonym mit eiutfioi; weisen die Icxica aus ei- 
ner stelle des Hippocrutes nach. Wenn es aber auch gar nicht 
vorkäme, so hätte es von Aeschylus ebensogut wie TzoXvaifimp 
Suppl. v. 846 gebildet werden können. 

7. Eum. V8. 347 Dind., vs. 345 Herrn, ff. Dieses Strophen- 
paar hat unglaublich gelitten, und bis jetzt habcMi die bemübungen 
der hernuNgcbcr nur an wenigen stellen zu einer art von eini- 
gung geführt. Auch halte ich eine völlig sichere reslitution zur 
xeit für unmöglich , aber an einigen stellen glaube ich das ver- 
stäodniM fördern zu können. Vs. 347 wird man zunächst wohl 
bin etwa« gefunden ist, was bei gleich passendem sinne den schritt- 
zügen noch näher käme, Prien'n emendation aOunirtav d(x' */'"' 
Y»i/»t<t' (für d. &dnh'](Hf )r/("<v*) beibehalten müssen; denn dvn 
Gotbtter berausgehers conjectur d. d' dnkitkv X"'^'» ^sic: sollte 
wohl beiüten a, Ö' an' ix'** X'*^*''^) b<^ruht erstens auf einer gar 
zu kleinlichen Unterscheidung zwischen /«rj und fiui^' (in v. 348), 
gleifhüam zwiMchen trank und npeiMe, und lässt zweitens dos 3i 
«teben , duM eben hier, wo der gedanke kommen soll auf welchen 
ia/7/ Tud ' im vorigen veme hinweiNft , unhiginch und unmöglich 
Ut. Vi. 853 (348; hüben die bunduchrifton narXtvHiop !tf nt'nktap 



2iO 55« Aescbylus Eumeniden. 

äfiOiQoe äxXriQog hv^^i^v. Das erste wort wird g-ewöhnlich naX- 
Afiv'xoö» , von Rossbach und Westphal metrik p. 176 navtoXEvycov 
geschrieben , um den vers mit einem creticus , der einer trochai- 
sehen dipodle in der rhythmischen messung* gleichkommen würde, 
heginnen zu lassen. Da aber der vers jedenfalls auch mit einem 
spondeus beginnen kann, und von selten der Wortbildung beide 
formen gleichberechtigt sind (cf. Lobeck ad. Phr. p. 673), so wird 
es auf die antistrophe ankommen, ob sich dort das der kürze in 
TiavTO — entsprechende ydg als echt oder interpolirt erweisen 
wird. Noch fehlt dem dactylischen rhythraus des verses eine 
kürze nach tzstiXcov, welche Müller nicht unpassend durch uTzofioi- 
Qogy Franz weniger gut durch .'«/>*' äfxoiQog ergänzte. Am leich- 
testen konnte wohl die erste sylbe von navdfioiQog nach naXXev- 
ycop ausfallen, und dies wort dürfte auch für den sinn das pas- 
sendste sein. Hermanns und Dindorfs zu willkürliche ändern ngen 
kann man hier wie in der antistrophe ohne weiteres übergehen. 
In der zweiten halfte der strophe wird man zunächst vs. 357 
(352) wohl nicht umhin können die correctur des Turnehus im- 
701 mg für Im tov , ixi , mit Dindorf anzunehmen; denn die ellipse 
im 7ÜV „auf ihn" sc. uns stützend, ist an sich unerhört, und die 
redeweise hätte etwas untragisches. Am schlimmsten steht es mit 
dem ende der strophe. Die handschrift hat kquzsqov 6t>&^ ofioimg 
fxavQovfisv vq)' (schlechtere codd. sqp') ai^arog vsov. Mit selte- 
ner Übereinstimmung haben hier die herausgeber den schluss der 
Strophe nach dem metrum der antistrophe verändert, und diese 
vermeintliche metrische nothwendigkeit hat sie wohl veranlasst, 
die Worte selbst für sinnlos und vcp' aiixazog veov für ein glossem 
zu erklären, und sich zum ersatz derselben zu den allergewagte- 
sten conjecturen zn versteigen, zu welchen vqp' aifiatog vsov nim- 
mermehr glossem sein kann : Hermann veov dlfia , Dindorf vBoat^ 
fiov „quia furiae crimina celeriter ulciscuntur" praef. Ed. III, p. 
LXVII! Dies ist freilich der verkehrte weg zur emendation ge- 
wesen ; gerade die beobachtung des metrums führt vielmehr dazu 
die Worte der strophe für fast richtig anzuerkennen und die anti- 
strophe zu ändern. Der grundrhythmus nämlich dieses ganzen ge- 
dichtes, wenigstens der drei ersten strophenpaare ist der tro- 
chaische; im vierten strophenpaar treten iamben und dochmien 
ein. Namentlich aber tritt von strophe a' bis antistrophe y' die 
trochaische catalectische tetrapodie hervor, deren XQ^^^^ '** v®'"' 



Zu Aeschylus Eiimenidcn. 211 

schiedenen Umformungen , mit syncope der zweiten thesis (=: 2 
cretici) wozu oft eine auflosung- der ursen sedibus impariitus tritt, 
namentlich die zweiten Läiften der beiden ersten Strophenpaare 
beherrschen: s. Rossbach und Westphal metrik p. 157. Zum 
schluss der strophe aber pfleget der rhythmus nach allem Wechsel 
wieder rein hervorzutreten. So schliesst im ersten strophenpaare 
sowohl die strophe als auch der refrain (ay | viafxa xvqioi^ q)6- 
90V ; vfAPO<i i^ Eoivixov | OfOiAtog qigevmv aq>0Q | iiixTog avova. 
ßoittoiii); so schliesst das dritte strophenpaar (on/rja | ^ini^' t 
i7ri(j:dopoig nodrL). Da nun auch die zweite hälfte des zweiten, 
unseres, strophenpaares mit demselben rhythmus in reiner g^estalt 
heg-innt (dayuarcov yuQ (iXnfiuv — «v antjhwnaro), muss man 
nicht annehmen, dass auch die ganze strophe, wie strophe «' und 
/ an ihrem schluss diesen rhythmus rein und deutlich auftreten 
lasse, damit der hörer den grundrhythmus nicht aus dem ohr ver- 
liere? Dies geschieht nun eben in den Worten tqp' niuaroi; itov, 
denen zum vollständigen schema — v — v — v — nur die erste 
länge fehlt. Weit entfernt aber sinnlos zu sein, geben sie einen 
ganz einfachen, nothwendigen sinn. AVov aimt ist „frisches blut*' 
und bedeutet die blutspur, welche den nachsetzenden chor leitet; 
so heisst vqt* aiftaro^ vhov „auf veranlassung , in folge, vermit«. 
telst des frischvergossenen blutes." Diese bedeutung der prapo- 
sition vnn y dass sie einen äusseren umstand, der etwas befordert 
oder veranlasst, andeutet, ist im allgemeinen allerdings seltener 
als der, dass sie einen seelenzustand andeutet {vnh ;f«()«v), lie- 
sse sich aber doch aus prosaikern und dichtem mit mindestens 
einem dutzend stellen belegen, die man in den lexicis nachsehen 
möge. Ks bleibt noch übrig diese worte mit den vorhergehenden 
zu einem passenden sinne zu verbinden , und dabei die corruptel, 
welche noch in oftnia)^ fiuvQnv^ii liegt, zu heben. Ofinicoi; ist 
fiinnlos, denn nirgends ist von einer «rcrgleichung die rede; sehr 
paNMend aber ist i^ftay^ nach xqutfqov u%0\ wie auch Hermann 
früher vorNchlug. Muvitovfief warf //. L. Ahrvns als glossem 
heraus. Ki ist aber nicht wahrscheinlich , dass ein so seltenes 
wort trloMscrn sein sollte , man hiebt nicht zu welchem anderen 
wori , auch ist seine bedeutung keineswegs unpassend. Ks wird 
vielmehr nur eine leichte verständliche form desselben verbi , um 
es kurz zu sagen, das verbum finilum für den infinitiv fmvQin>9 
biociocorrigiri "• -n v»« . in. m. I.k. r «1. r .1. n /'(saniuinihang nicht 

14* 



212 ^11 Acsoliyius Eumeni<len. 

mehr übersah, welcher fönender ist: wie im ersten theil der Stro- 
phe von yiyvofieraiai Idxr] rdÖ' «gj* dixlv ixQavOr] der infinitiv 
öi'x sx^iv ysgag abhängt, so hangt im zweiten theil von ellofjiap 
ausser dem object ömfiarmv dvargondg noch der infinitiv (lavgovv 
ab. Und so lautet die zweite hälfte als eine periode: 

dcofiaTcov yäg eiXofiav 

dvaTQOTidg, oiav "Agrig 

Tidaaog wv q)iXoy sly, 

ETTlTOVOOg dioiASvatj 

üQnzEQov ovO' ofÄmg (Jiav j qovv vqi^ aifiarog ftov: 
„Denn ich habe den Umsturz der häuser überkommen, wann häus- 
licher mord einen blutsfreund hinrafft, angestrengt verfolgend ihn 
(den mÖrder) wie kräftig er auch ist zu vernichten (geleitet) 
durch die frische blutspur." Object zu ftavQOvv ist, wie sich zeigt, 
nicht eigentlich xq(Xtsq6v (was vielmehr in den participiellen ne- 
bensatz gehört) sondern es ist aus ^Agyg zu entnehmen, welches 
wort durch eine art doppelter metonymie den mord und den mör- 
der zugleich bezeichnet. Dass zu HX6fA.av der plural diofiHvai ge- 
setzt ist darf keineswegs auffallen ; in diesem ganzen liede findet 
solch ein Wechsel der numeri fortwährend statt (cf. v. 339, 360 — 
.62, V. 381 worauf sich v. 391 eixov bezieht, da die dv7. 8' den 
anacoluthischen nachsatz zur Strophe enthält). Der sinn ist sicher 
einfach und passend. Die Gothaer freilich folgt einer ganz ande- 
ren Vorstellung. Sich anschliessend an die worte eines gelehrten 
im Rh. Mus. XII, p. 533: „man müsste sich wundern, wenn der 
dichter sich die Vorstellung hätte entgehen lassen, vergossenes 
blut mache den weg schlüpfrig" schreibt sie: xQateQOv ovO' oXia&q) 
fiavQovfiEV dcp* aifiUTog viov. Ich will mich bei einzelheiten nicht 
aufhalten — aber da doch von einer langen Verfolgung die rede 
ist {diOfAEiai), soll nun das blut den ganzen weg des flüchtlings 
schlüpfrig machen ? Man denke sich eine blutlache z. b. von Mj- 
cenae über Delphi , über land und meer , bis nach Athen ! Das 
ist eine ungeheuerliche , äusserst hässliche Vorstellung , auf die 
wohl ein philologe kommen konnte, die aber dem dichter ganz 
fern liegt. Bei ihm wird das vergossene blut an der stelle des 
mordes zu einem unvertilgbaren, stets den mord bezeugenden und 
räche heischenden blutfleck von der mutter erde aufgetrunken (cf. 
Cho. V. 66. Eum. v. 261). Bei der Verfolgung des mörders 
aber liegt hier wie überall das bild der Jagd zu gründe: die Eri- 



Zu Aeschylus Eamenideu. 213 

nyen sind die „zoroig-en hunde", die noch im schlaf sich anfeuernd 
bellen (v. 131), der verfolgte ist das „scheue wild" (tiko^, ^f'iQ)t 
das aus den netzen entkommen ist (v. 113) und dabei hat das 
blut nur als leitende spur eine stelle, dessen duft den verfolg'ern 
das dasein des verfolgten verräth, v. 254 ocyfATj ß^mstcüv ulixarcov^ 
V. 245 fiTjvvTfjQ ucfüeyHTOiy nicht aber als vergossene lache. 

Bei der antistrophe ist zunächst die Vorfrage zu behandeln, 
ob man die verse 369 — 372 (360 — 64) fidXa yag ovv — dtap 
hinter der strophe y\ wo sie in den handschriften stehen, soll 
stehen lassen oder sie mit Heath zur antistr. ß' ziehn. Ersteres 
hat ausser Schoemann meines wissens nur der Gothaer herausge- 
ber gethan, schlägt aber um eine art metrischer responsion zu er- 
langen, einen bequemeren weg ein als Schoemann. Während näm- 
lich dieser den text als bis auf einen vers vollständig ansieht, und 
drei mesoden von verschiedener grosse annimmt (eine völlig un- 
erhörte, bei Aeschylus vollends undenkbare metrische gestaltung!), 
oimmt die Gothaer zwei lücken von je 5 versen am ende von 
antistrophe ß' und y' an (die man eben beide durch Umstellung 
vermeidet), und erreicht dadurch ausser der leichten responsion 
noch die bequemlichkeit, sich nun auch nicht mehr um den Zu- 
sammenhang des ganzen kümmern zu müssen , denn der ist doch 
einmal durch den ausfall von 10 versen unrettbar zerstört. Ich 
halte es tÜr unnöthig die gründe, welche für die Umstellung zeu- 
gen, noch einmal zu wiederholen. Nur dies eine: der herausge- 
ber wundert sich, dass die vertheidigcr der Umstellung behaupten, 
fxülu YUQ olv aXo^iifa folge in besserem zusammenhange nach 
Ztlg — arnj^itÜKiato als nach oQ^rjafioi^ — Ttodna, Freilich, man 
tanzt und springt mit dem fussc, — und diese einsieht eben ist 
der grund, wesshalb ein abschreiber der den Aeschylus hier auch 
nicht mehr verstand die verse an ihre jetzige falsche stelle im 
codex netzte, die er für die rechte hielt — aber darf man denn 
den begrifl" „Zusammenhang*' so auf ein oder zwei ^\ orte beschriai- 
ken { Ohne mich nun mit den ansichten anderer aurzuhalten will 
ich kurz sagen, wie ich die antistrophe verstehe. Vs. 360 [355y 
halte ich das medium anivdufttpai durch Ag. ITil (irttvÖnfttva Ovatur 
[wo die Variante des Guelph. keine autorität hat) für genügend 
belegt: mau konnte sonst freilich nurh in demselben »inne ansQ- 
X*'»f*»9ai Bchrcibrn. Auch der nom. plur. hat seine richtigkcit, ob- 
gleich //'"«. (Iiiriiiif fiilLrf l'iTiiiT frai'l vIi-1» wa« ,',,ttl>it ri*4t 



214 Zu Aeschylus Eumeniden. 

rdi^ds fisQi'^vag bedeute. Die meisten lierausgeber beziehen rivu 
auf die g-ötter oder Zeus; Hermann schrieb zivi „jemand dieser 
sorgen zu überheben." Ich kann in diesem g'edankeng'ange kei- 
nen sinn finden. Der chor hat in der stropbe seine aufg-abe fest- 
g-estellt, nun wendet er sich zur beschreibung^ der ausführung-. 
Deshalb beziehe ich tivu auf die mörder, schreibe zäÖa fisQifiva 
(C und I wechseln ja oft genug-) und übersetze: „wenn ich mich 
aber beeile jemanden hinweg-zuräumen durch diese bemühung" ," so 
dass äq)eXsiv iiva die ausführung- des fiavQOvv der strophe ist. 
Diese bedeutung" des af^aigica scheint schon dureh v. 444 fisktjfi* 
aq)aiQrj(jm ^i^ya g-enüg-end beleg-t; ehedem glaubte ich avBluv 
schreiben zu müssen. Im folgenden verse ist liralg offenbar cor- 
rumpirt und noch nicht restituirt ; allenfalls könnte man sich mit 
B. Voss ' Bfialg lÄslsTaig behelfen , doch ziehe ich dem noch ffialai 
diHuis sowohl der schriftzüge [AITAIC^ JIKAIC) als auch des 
sinnes wegen, den ich unten rechtfertigen werde, vor. V. 3 hat 
keine kritischen bedenken; v. 4 nehme ich vorläufig als von H. L. 
Ahrens richtig restituirt an Zbvg al^oazayig azl., wobei die Ver- 
längerung alfiatoaTay^g und ydg auf rechnung eines Interpreten 
kommen. Die entscheidende frage für die erklärung ist nun, da 
man jedenfalls eine parenthese annehmen muss sobald man öttsv- 
dofifva 8' dqieXeiv bezieht auf itatacpsgco, wie weit man sich diese 
parenthese ausgedehnt denkt, ob von Zavg bis dnri^iojaaro ^ oder 
ob man auch den vorhergehenden vers (W)^5' sg dyxQiaiv iXdeiv 
hinzuzieht. Ich nehme das letztere an, wegen der bedeutung von 
dyxQiöig, was man meistens willkürlich mit „certamen, tentamen" 
übersetzt hat. 'y^vdxQiaig heisst doch in der attischen rechts- 
sprache — und diese allein kann hier in betracht kommen, da die 
ganze stelle sich im juristischen gedankenkreise bewegt, wie uTt- 
XtiaVi ich meine auch Xiöxag und dixaig bezeugt, und weil die 
Athener wenn sie dies wort hörten schwerlich an eine andere 
als seine juristische bedeutung dachten — dvdHgicig heisst „Vor- 
untersuchung" d. h. die ermittelung der thatsachen, welche die 
nothwendigkeit einer gerichtlichen Verfolgung constatiren. Dem- 
nach heisst firjö' ig dyxgioiv iX^slv „nicht zur (gerichtlichen vor-) 
Untersuchung zu kommen", und kann sich nicht, wie die gewöhn- 
liehe meinung ist, auf die Erinyen beziehen, sondern muss auf die 
mörder oder auf die götter gehn. Das erstere ist wahrscheinli- 
cher: dann gehören diese worte zum folgenden verse, den schon 



Zu Aeschfliis Eumenidcn. 215 

der sclioliast richtig" auf to twp cpovicov t&vog bezog", ayxQiaiv 
ist zunächst zu verbinden mit Xia-j^ag ug und un7]^ic6f!azo in Intj- 
^lOjauTo zu verändern , wobei man eine interpolation desselben 
correctors welcher auch yaQ hineinsetzte, anzunehmen hat. Dann 
heisst der erste theil der antistrophe: „wenn wir aber uns beei- 
len jemand hinweg^zuräumen durch diese bemühung, die völlige 
freiheit der gÖtter aber durch meine gerichte zu bestätigen — 
Zeus hat dies blutriefende hassenswerthe volii nicht einmal zur 
Voruntersuchung seiner gerichtsversammlung zu kommen für werth 
gehalten — dann also gewaltig springend stürze ich etc.*' Die 
oberen götter haben so seitr mit den mÖrdcrn nichts zu thun ha- 
ben wollen (so behaupten die auf ihre rechte eifersüchtigen Eri- 
oyen und Athene bestätigt es beinahe v. 472), dass sie nicht nur 
die Vollziehung der strafe, sondern auch die ermittelung des that- 
bestandes denselben völlig überlassen haben, und hierin eben besteht 
die aiskeia (freiheit von gemeindelasten) der götter. Liesse sich 
freilich fiijd* is ayxgiaiv iX&etv auf die götter beziehen, ich meine 
liesse sich wahrscheinlich machen, und durch phrasen des atti- 
schen Sprachgebrauchs belegen, dass slg ayxgtaiv sXOeiv soviel be- 
deuten könne als unser deutsches „zu gericht", oder „aufs ge- 
rieht gehen", vom richter und seiner bemühung, was mir etwas 
zu modern vorkommt und wofür ich nur etwa Demosth. Cor. §. 
210 oTar etVi^Tfi xQipovvTtßy Aristoph. Vcsp. 560 siaBXOmf sc. to 
dixaarj^Qiov f argumentum Vesp. ((ponn eig dtxaati'iQia anführen 
kann (während eUit'pui ttg dixtjv von den partheicn der stehende 
ausdruck ist, welcher ig uyxQiaip iiOftiv vom angeklagten eben 
wahrscheinlich macht): dann wäre die erklärung noch einfacher. 
Man sähe dann htjÖ* eg uyxQtnip iXOeip als epexegese zu Oeööv 
uTt'Xtiap an, „die freiheit, sich nicht einmal zur Untersuchung ver- 
fügen zu brauchen," liesse im folgenden yuQ und anfj^ioortato 
stehen indem man die parenthese wieder auf v. 4 und 5 be- 
schränkte und schriebe in der strophc v. 4 mit Rossiiach und 
WcMtphal naptoXevxoDP, Aber bis jetzt fehlen mir hierzu noch 
mehr belebe; die grundanNchauung bliebe ültrigens dieselbe. Ks 
bleibt noch übrig den schluhs der antistrophe dem der strophc 
entprerhend herzustellen. In dem codex steht aq^uXutu tapvd(td- 
fioig xcJXu dva(fOQOP axup. Den gedanken xaiXa^ ^idffoQOp utap 
wird man wohl gerne loswerden wenn sich dafür ein so genü- 
gender grund wie die metrische rvspunsiun angeben lässt; so frei 



216 Zu Aeschylus Eumeniden. 

auch der g-ebraucli von «tj/ sonst ist, so bat docli die Vorstellung* 
7zo8og äxfAtj und xäXa seien die ury , etwas wunderliches. Ich 
vermuthe dvaq)nQmi ayav^ und wenn man nun noch tavvdQoiioiaiv 
schreibt, so ist die entsprechung- hergestellt, bis auf die licenz 
dass der länge ovd^ in der Strophe zwei kürzen lavv — in der 
antistrophe entsprechen. Die auflösung ist nicht unmöglich da die 
folgende thesis nicht syncopirt ist, und dass bei aufgelösten län- 
gen weder Aeschylus noch Euripides in den trochaeen der chor- 
gesänge die antistrophische responsion stets beobachten , haben 
Rossbach und Westphal metrik p. 159 bemerkt, und Cho. 787 
8ia diAag welchem v. 789 lovt iddv entspricht ist ein gesicher- 
tes beispiel dafür. Jedenfalls kann man ohne gewaltsamkeit ta- 
fvÖ^ofto/i' nicht entsprechend ändern. Die zweite hälfte lautet nun: 

(idXa yaq ovv aXoiitva 

avsüa&Bv ßaQvnearj 

aatacpsgco nodog ay^iiav^ 

C(faXsQa rawögofioiaiv 

xoJXaf 8vaq)6()oog ayav. 
Nimmt man nun mit dem scholiasten a^palsgog in activer bedeu- 
tung, so ist der sinn einfach genug; „gewaltig also springend 
lasse ich von oben herab die gewichtige fussspitze fahren gar 
schwer zu ertragen, die glieder, welche für lange gelaufene (ra- 
vvögofioiöi sc. Toig (fsvyovaiv) umstürzend sind." Die Vorstellung 
ist nach erörterung des rechtspunktes zum bilde von der jagd 
zurückgekehrt ; die Erinys hat ihr opfer durch lange flucht ermat- 
tet (fxavQovv), nun, um ihm den rest zu geben (acpslEiv) springt 
sie ihm von oben herab auf den nacken wie ein raubthier, dem 
sie namentlich durch das häufig erwähnte „blutschlürfen" eher 
als einem menschlichen Jäger vergleichbar ist, und der verfolgte 
bricht unter ihrer last zusammen. — Mag nun im einzelnen 
noch manches zweifelhafte bleiben, den Zusammenhang des ganzen 
wird man schwerlich richtig anders angeben können. 

8. Eum. V. 481 Dind., v. 471 Herrn, haben die codd.: 

zotaifta ^isv lud' icti' afK^orega, fievstv 

TzsfiTZEip 8s SvcTZi^fiaj' afit])^dt>ojg s[aoL 
Stanley schrieb ts und 8va7zri(iavt\ Hermann folgt ihm. Diese 
iesart giebt den sinn : „es ist für mich ein unglaublich (ayLrjidvmg) 
unheilvoll ding, ob sie bleiben oder ob ich sie entlasse." Da 
gäbe es also keinen ausweg , das unglück bliebe auf jeden fall. 



Kn Afschylns Enmeniden. 217 

Ebenso nach Dindorfs sonst durchdachter schreihart nlpinuv ts 
td(ide 71 fj^' afATjx('trag 7' ix^i. Das will aber die g-Öttin offenbar 
nicht sa^en , sondern sie sucht einen ausweg* um das ung'iück zu 
vermeiden. Ihre rede bisher hatte folg-enden g'ang*: „die sache ist 
schwierig-er als ein sterblicher meint. I^ir ist es nicht ^ffiig 
richterin über mord zu sein ; um so mehr, da ich dich (Orest) 
als meinen Schützling- ang^enommen habe (und dadurch g-ewisser- 
massen parthci g-eworden bin). Wollte ich aber dich freisprechen 
so ist es nicht leicht, jene ohne schaden loszuwerden." Also 
nur wenn sie richterin ist, sieht sie keinen ausweg-; sie kann 
weder ihren Schützlinge preisg-ehen , noch verurtheilen , noch auch 
die Erinyen ohne schaden ihres landes beleidig-en , indem sie den 
Orest schützt oder freispricht, und deshalb setzt sie ein neues 
unpartheiisches gericht ein , dessen richterspruch sie entweder 
ihrer schutzpflicht enthebt, oder den Erinyen wenig-er veranlassung- 
zum gegründeten zorn giebt. Deshalb müssen die verse heissen : 

dficpoTEga, ftivetp 

nf^miv t' dnjjfifivToag, u^rjidvmg fpioi (sc. f^*')* 
Man kann tdgie leicht entbehren, weil ergänzen, nicht aber l^oi. 
Denn dieses wort bildet den nothwendigen gegensatz zum fol- 
genden gedanken: „darum will ich andere richter einsetzen." 
Diese verse sind so zu lesen: 

inii OB TTQÜyfia devg* intaHtjxpsv rode, 

qiopmp dtxaardg ogyiiovg aiQOVfifit] 

Oeaftov fiiv (für ro») tig nnari' iyco O^aw X(?o»'or, 
485 v^tig 08 xtX. 
Hermann nimmt nach v. 484 Dind. eine lücke nn ; diese ist nun 
nicht nielir not big. 

1). Kum. 751. Dind., 743 Herrn.: 

y9ü)fir]g d' dnovarjg ftrjfia yiyvttai ^iya, 

ßaXolaa d' olxnr xptifpog ^QOoaöif ftt'a. 
Ich halte ßaXnvaa für verderbt, alle crklarungsverMuche Hermanns, 
Lobeck», Wellauer» für unmöglich. Was aber Müller's conjectur 
ndXXovaa helfen «oll kann ich nicht einsehen. Apollo sagt: „ziihlt 
richtig; denn wenn eine stimme (an der nothwendigen zahl der 
freinprcrhtnden) fehlt , so geschieht ein groNNCN unglück'^ — nun 
«chreilie man naQovda d\ so geht seine rede einfach weiter: ,,ein 
einziger NtimmNtrin aber, der nicht fehlt, richtet dan liiuii« — n«m- 
lieh fUiH der Atridrn auf*'. Der aorint ist nun nicht mehr der 



218 Zu Aeschylus Kiimenifl(>n. 

sog-enannte gnoinicus, sondern bezeichnet das sofortig-e, momentane 
eintreten des oqx^ovv, worüber Bernhardy gr. Syntax p. 381. 
10. Eum. V. 903 Dind., 893 Herrn.: 

onola fiatjg jujy xaxtji; Inianona, 
In dieser antwort auf die frage des chors z* ovv pC avcoyag ijd* 
sqivfiv^dai y^&ovi; ist viarig nicht zu verstehen , ebensowenig* Her- 
manns Vorschlag" veliaijgf wie der g-othaer herausg-eber richtig 
bemerkt. Nsi'xtj soll doch „Wettstreit" heissen : aber werden denn 
die hernach genannten Segnungen etwa durch einen „edlen Wett- 
streit" gewonnen, oder können sie ihn gar hervorrufen, wie 
Hermanns erklärung von STTiaxoTza durch iTTifisXijJtnd schliessen 
lässt? Sie sind allein gegenständ des Wunsches und gebets, so 
ein wünsch und gebet ist das ganze folgende chorlied , und dar- 
nach ist zu emendiren: 

OTToV äv ^vpig f^tj aaKtjg Inlönona, 
lieber die auslassung der copula bei relativen mit av s. Bernhardy 
p. 331. Die Verallgemeinerung durch av ist aber sehr passend, 
fast unumgänglich. Evit] [atj xaytj ist mit nachdruck gesagt, weil 
der chor vorher mit einer el^^ xaxrj , einer aga — denn das ist 
doch wohl der log xagdiag — gedroht hat. Das adjectivum inC- 
önoTzog ist selten und dabei vieldeutig: hier bedeutet es „bezweckt", 
also die ganze stelle : „was nur immer das ziel eines wohlgemein- 
ten Wunsches ist". Damit ist sie jedoch noch nicht ganz resti- 
tuirt. Denn im folgenden verse ist xal ravja „und zwar" eben- 
falls verderbt; auch ist die construction inconcinn, da xat tavTa, 
ytj&sv coordinirt werden soll mit dv8^cüv dj^juaia iniaiBi^siv, Ich 
muss mich aber darauf beschränken auf diese corruptel aufmerk- 
sam zu machen. Vielleicht könnte man zwar: 

yia}(x>o rd yij&Ev sx rs noviiag 8q6<jov 

e| ovgdvov TS xdvsfACOv dtjfiaTa 

£Vj]licog nviovT iniüTbi^Eiv ^^ova 
ertragen, tniGibiiuv als prädicat zu id y?]0-Ev etc. sowohl als zu 
drinata gedacht, abhängig von einem aus der frage der Erinyen 
zu entnehmenden xgXai'o) sq)vixvtjaai. Aber sichere emendation 
ist das freilich nicht. Ferner aber haben die verse 910 — 915 
(897 — 902) mannigfache bedenken, welche nicht genügend beach- 
tet sind. V. 910 töov bvaas^ovvKov ö' ixcpOQcoTsga TzsXoig: exq)0' 
Qog heisst entweder „ein bekannt zu machender" oder „ein hin- 
auszutragender" (bei Aristophanes) oder endlich, und zwar am ge- 



Zu Aescliylus Eumeniden. 219 

wohnlichsten, „das mass übersclireltend". Davon passt hier nichts. 
'En(foQOs' aber heisst entweder (Arist. Thesm. 472) „ausplaudernd", 
oder „hiuaustrag'end". So soll es hier heissen, und der g'edanke 
bedeuten „mögest du aber die g-ottlosen mehr begraben". Welche 
gespreizte ausdrucksweise liegt im comparativ und in dem vom 
adjectiv, nicht vom comparativ abhängigen genitiv! Jeder unbe- 
fangene würde die worte übersetzen „mögest du mehr von lei- 
denschaft hingerissen sein als die gottlosen'. Weiter : ai^Qyco 
yoLQ, dtÖQOi q)izv7Zoifisrog 8Ut]v ^ jo tmv dixaCmv röord' antritt]- 
rov yivog. Der gedanke ist jedenfalls schief ausgedrückt; nicht 
„ich liebe dieser gerechten leidenfreies geschlecht'' will die göttin 
sagen , sondern „ich liebe das geschlecht dieser gerechten und 
wünsche dass es leidenfrei sei". Man kann aber dntvOrjTOv ys- 
9oe aregya) nicht so verstehen als ob dastände ar. to yf'voc elvai 
dnh'v&^TOp; die ellipse des infinitivs wäre unstatthaft (s. Beruh, 
p. 331). Dass in dem worte cpitvnotfirjr, obwohl es von seiten 
der formation nicht anzugreifen ist, ein ungewöhnliches und, weil 
Aeschylus sonst den begriff noifir^v nicht auf leblose dinge zu 
übertragen pflegt, unäschyleisches bild liegt, werden die kenner 
des dichters fühlen. Nun folgt zoiavta aovan, im Lnurentianus 
steht aov ^art. Das soll heissen „dergleichen ist deine sache, 
aufgäbe". Ich bezweifle nun sehr, dass man den genitiv der per> 
sonalpronomina statt der possessiva in der bedeutung des o^ nav- 
Tüf apdqog ig KoQif&tp iad-* o nXovg mit beispielen belegen könne 
(h. Bernhardy p. 165); es müsste hier heissen To/oi;ro to anv, 
beNser aiiv I^Qyop rovto; wäre es aber auch nicht syntaktisch so 
ungewöhnlich , so haben die worte jedenfalls auf die nächst vor- 
hergehenden zwei verse keinen bezog, in welchen nicht davon die 
rede ist , was zu erbitten oder zu thun die aufgäbe der Krinys 
ist, wtnlurch der ganze sinn schwerfällig wird. Ausserdem sind 
dieNe worte entsetzlich prosaisch, und offenbar nur hingesetzt, um 
einen gegensatz gegen das folgende töHp ^Qncpitroap d' iy(6 xrX. 
zu gewinnen, desseu es gar nicht bedurft hätte, und der nicht 
einmal genau ausgedruckt ist, denn da es sich um einem gegen- 
saf/ ' t fyo) handelt, hätte es eigentlich fyo) ^/ statt 

H' / ' ti. Die folgenden worte sind (•benfalU verwor- 

ren genug: ffflör a^iKparor & iy(ü | nQtnrwp ityoipeop ovn a»#{o> 
ftat TO ^ff nv I Tfjfft' drtTt'pixnp fp ^(»oroiV f i^«i» nnX^p. //c 
Toc heiHMf bei lloinrr ('II. 10. .31. 0«1. 11, IT» ..Im krloir l- 



220 2iU Aescliylus Eumcnidon. 

tet^^ ; hier soll es nun , wie bei sehr späten dichtem z. b. in den 
Arg^onautica, allgemein „krieg-erisch" heissen. Dass aber Aeschy- 
lus es in dieser bedeutung- gesetzt habe, ist nicht wahrscheinlich; 
denn obwohl er einige homerische worte in mehr oder minder ver- 
änderter bedeutung braucht (z. b. aXcpE(7ißoiog , nEQtqiQ(ov)y so ist 
doch kein beispiel dafür aufzuweisen , dass er , wie es hier sein 
würde, das etymon des Wortes gänzlich ignorirte. Dass Hesychius 
eine aus den A^«a>'/(yxof? citirte glosse «(»f/gpayro»' A^iwa (fragm. 152 
Herm.) mit i6]^vq6v , " j4qei ioixog wiedergiebt , beweist nichts, 
denn jene worte heissen viel wahrscheinlicher „muth (im kriege) 
zu tödten". Aber angenommen agsicparoi ngEntol aymvBQ seien 
„ausgezeichnete kriegerische wettkämpfe" und man nehme den son- 
derbaren ausdruck hin , wie erklärt man sich den genitiv bei oln 
avt'^ofiai? ^ Avtisa&al tivog heisst doch „ertragen, sich gefallen 
lassen". Dass passt aber gar nicht her, denn offenbar soll ov}(, 
ävB^ofiai heissen „ich werde nicht aufliören" und ist das verb 
ungeschickter weise für navofiai gesetzt, denn nur von einem 
verb dieser bedeutung konnte etwa neben den genitiven noch 70 
(17] ov mit dem infinitiv abhängig sein. Falsch ist diese stelle im 
Passow — Rost'schen lexicon unter ävsx(o gegen ende beurtheilt. 
Endlich im letzten verse soll aarvpixov jedenfalls effectiv verstan- 
den werden: „ich werde diese stadt unter den sterblichen (durch 
ausgezeichnete kriegerische kämpfe) ehren , dass sie eine stadtsie- 
gerin sei". Der gedanke ist aber auch verschroben ausgedrückt; 
die göttin wollte sagen: „ich werde nicht aufhören dieser stadt 
in kämpfen sieg über städte zu geben , so dass sie unter den 
sterblichen geehrt werde". Zu allen diesen schieflieiten im ein- 
zelnen kommt nun noch dass die verse insgesammt unnöthig und 
störend sind. Der chor hat gefragt, was er für das land erfle- 
hen solle, darauf hat Athene bis vers 909 geantwortet, und da- 
mit hat sie ausgeredet. Was nun folgt, dass sie selbst ihr land 
liebt, und was sie dafür thun will, bedarf keiner erwähnung und 
gehört nicht hierher, wo es sich nur um die Versöhnung der Eri- 
nyen handelt. Namentlich unpassend ist die erwähnung des kriegs- 
ruhms, da im ganzen folgenden chorliede nur von den Segnungen 
des friedens und der furch tbarkeit des bürgerkrieges die rede ist. 
Kurz, ich bin überzeugt , dass diese sechs verse das werk eines 
interpolators, vielleicht eines patriotischen athenischen schausj)ielers 
sind, dem es leid that, dass der kriegsruhm seiner Vaterstadt keine 



Zu Acscliylus EumenlHeii. 221 

erwähnung fand, der aber, indem er das aeschyleische patbos nacb* 
abroen wollte , es nur in Unklarheit und bonibast zu karrikiren 
verstand. 

10. Der g-esang der nQono^noi am scbluss der Eumenideu 
?. 1032—1047 Dind., v. 1014—1032 Herrn, gebort zu den ver- 
derbtesten stellen des Stückes. V. 1034 (1017) wird sich wobl 
L. Dindorfs scböne emendation svqgoti für ev&vcpgovt bewähren ; 
letzteres wort ist hierher aus v. 1040 (1020) übertragen, wo es 
seine rechte stelle hat. V. 1037 (1018) wird schwerlich zu emen- 
diren sein ; ich nehme mit Hermann vorläufig Musgrane's negiaema 
tvxoiaat an , was den einfachsten sinn giebt. Wenn man nun 
Strophe und antistrophe als eine periode und den versus interca- 
laris evq)afxsitE ds x^glrai als parenthese ansieht, so wird man 
dieses strophenpaar sicher ziemlich richtig verstehen, denn weit 
von der Wahrheit kann Musijrave\ conjectur nicht abliegen, was den 
sinn betrifft. — Im zweiten strophenpaar ist v. 1 der strophe 
IXaot di xai tv&vcpQores yü metrisch so vollkommen , und sein 
gedanke „gnädig und gerecht dem lande" so passend, dass er 
sicher nicht anzutasten , sondern vielmehr als mass für die resti- 
tution des antistrophischen verses zu benutzen ist. \. 2 der 
Strophe heisst divg iis aeftval nvQiddnrq^ , sein gegenvers TlaX- 
Xudo(; uarotoi Ztv<; navtmraii. Ks kann wohl kaum ein zweifei 
obwalten, dass die dactylischen rhythmen rein erhalten werden müssen, 
und dass Hermanns correctur TlaXXddoi; daroTg Ztvi 6 navontag 
richtig sei. Dies ergiebt für den strophischen vers den mangel 
einer länge vor oder nach (jefivai , welche Hermann durch atfuat 
avr, der gothaer herausgeber durch xu] aefttai ersetzt, wofür ich 
noch lieber aus unten ersichtlichen gründen aefitai xai annehme. 
V. 3. der antistrophe ist vollkommen fehlerfrei und unveränder- 
lich; mit ihm verglichen hat t. 3 der strophe an der ersten stelle 
den dactylus XiifAnadt statt des spondeus ovroj. Hält man nun 
die« wohl mit recht für unmöglich, so bleibt die wähl zwischen 
Hermanns yurnchUi^ Xüftnrf, welche form zwar v. 387 (379j steht, aber 
in der bedeutung von „schmutz, moder^\ Eur. Kuppl. v. i)l)3 aber 
nur auf verfeblter conjectur beruht, oder dem des golbaer /rt/i.To), 
was bei Loheck paral. p. 340 aus Arcadius citirl wird, ebenfalls 
in der bedeutung von „schnuts, noder, scbimmef*, oder endlich 
siebt man mit Schoemann Xn^itiddi für ein glossem anntatt eines 
u<»r»s uii- .»UM TT..../ „„ \}\i"i iii «•iiiMcbieden nameiillicb duruai 



222^ Zu Aescliylus Eumrnlden. 

vorzuziehn, weil in Xafinag zunächst der begriflF des leuchtens, 
nicht des verbrennens lieget, und das wort deshulb , wenn es auch 
oft g'enug- von leuchtenden und dabei auch verbrennenden körpern 
gesagt wurde, doch nicht recht zu einem adjectiv wie nvQidanrog 
passt, sondern viel eher als glossem zu nvQiddmcg ntvyia gesetzt 
werden konnte. Nun bleibt v. 1 der antistrophe übrig, der im codex 
also steht: anovdai 8' is to näv hdd'idsg oixcov. Die schlimmste 
corruptel liegt hier in ivdd'ideg. Aeschylus war ein kühner wort- 
bildner, aber alles hat seine grenzen und eine bildung wie anof- 
8ai svddi'dsg oiycov steht jenseits der grenze. Die aus iv und 
einem nomen subst. componirten adjectiva sagen entweder aus, 
dass das substantivum, bei dem sie stehen , das ding mit dem av 
componirt ist, in sich enthalte, oder dass es in ihm befindlich 
sei: s. Lobeck parall. p. 380 — 382. So heisst hvdgog „im Was- 
ser befindlich" oder „wasser enthaltend d. h. „wassersüchtig". 
"Ev&flQog 5(>i',M0t,Eur. Rhes. v. 289 heisst „voller wild", hxfrjQog novg 
Soph. Phil. 698 „der das gift des thieres enthaltende fuss", wäh- 
rend hi^riQog &Qt^ Aesch. Agam. v. 562 das „im thierreich befindli- 
che", in die art des thiers übergegangene, verwilderte haar bedeutet. 
2nov8a) irdd'idsg wären also „trankopfer in denen fackeln sind" oder 
„die in fackeln sind" ; wollte man aber auch den begriff der praeposi- 
tion freier auffassen und übersetzen „trankopfer mit fackeln verbun- 
den", so kann man wieder orAoav nicht construiren. Wovon soll der 
genitiv abhängen? Die einzige möglichkeit ist, Hermann zu fol- 
gen, welcher übersetzt ffax {^onovdai) in omne tempus cum lumine 
taedarum in aedibus ; er lässt also oiyiojv abhängen von dem h in 
ii>8ai8sg, und das ist eben das beispiellose, unmögliche. Es fragt 
sich nun, wie ist eine solche verwerfliche form in den text ge- 
kommen? Durch ein ein blosses schreibversehen. Vergleicht man 
nämlich CflON^JJlJEC mit ENJJl/lEC, so ergiebt sich, dass 
das ganze wort bis auf die ersten buchstaben den beiden ersten Wor- 
ten des Verses gleich ist, also eine irrthümliche repetition derselben 
sein wird, die man, als sie im text stand, so gut es gehen wollte, 
zu einem griechischen worte gestaltet hat. Ist man ipÖdiöeg los 
— was an sich sehr wünschenswerth ist, da die fackeln schon 
Öfter und nur eben erwähnt waren — so ist freilich die restitu- 
tion der übrigen, durch die correctur jenes Schreibfehlers ebenfalls 
arg entstellten worte schwierig und nur annähernde Wahrschein- 
lichkeit möglich. Zunächst zwar kann als ausgemacht gelten 



Zu Aeschylos Eameniden. 223 

dass von oi'xcov die form falsch ist; aber auch der begriff des 
hauses hat hier keinen zweck. Mag^ man das wort von den 
Athenern oder Eumeniden verstehen , so ist an keines von beiden 
das trankopfer g-ebunden ; dies kann in und ausser dem hause 
stattfinden, es ist dies nichts charakteristisches , erwähnungswer- 
thes. Characteristisch aber für die opfer der Eumeniden ist, dass 
kein wein dabei sein durfte; dies wird nicht nur v. 107 erwähnt, 
sondern auch namentlich Soph. Oed. Col. v. 481, wo ein solches 
Eumenidenopfer genau beschrieben wird, besonders betont. Ich 
vermuthe also, dass in oixojv sich eine form von aoivog (v. 107) 
verborgnen habe. Ferner muss man, wenn anotdai als trankopfer 
verstanden wird, was gewiss richtig ist, nach vers 1 der antistrophe 
ein punkt setzen, TluXXudog uatotg zum folgenden ziehn , wo der 
dativus commodi zu avyxarfßa sehr erwünscht ist, v. 1 dagegen 
als grammatisch zum vorigen gehörig betrachten und also den 
refrain oXoXv^ute fvv tn'i ^nXnalg wie in strophe a als parenthese 
ansehn. V. 1 der ant. kann aber nicht wohl mit einem andern 
wort der Strophe verbunden werden, als mit rfQnofiStaif man muss 
also einen hiervon abhängigen dativ haben wie nvQtdnnTm nevxa 
und folglich nnopdaig doifoig schreiben. Nun fehlen dem verse 
noch zwei silben zum vollen metrum. Dem sinne nach ist ig ro 
nat, „für immer" wie Hermann erklärt ganz richtig; es bildet 
den gegensatz zu xa^* oönv. Die Eumeniden sollen sich erfreuen 
momentan an der fackelbegleitnng, aber an weinlosen spenden für 
immer. Ich vermuthe dass ig to nnv ein glossem sei für einen 
selteneren ausdruck derselben bedeutung, welcher freilich schwer 
zu finden «ein möchte; etwa ig to telriov, oder ig tn ndvoaQot: 
cf. Suppl. V. 690 (661), was ich natürlich weit entfernt bin für 
sicher auszugeben. Darnach lautet das zweite Strophen paar: 
iXaoi de Hiu ivOvifQnreg yu 

ntVHti 7(Qrr6fiefat xnO* odor^ — 
oXoXv^urt fvf in} fwXnaig — 
enofdatf If ig to v — v aoitotg. 
fJaXXddng flöroig Ztig o nafuntag 
ovT» MtHQa tt (jv/xurifia. 
oloXv^art pvv int tsoXnaig, 
Treptow a. d. Rega. H. Todt. 



Aeschylos und Herodot über den (p&öpog der 
g^ottheit 1). 



Dass die relig-iÖse erkenntniss des menschengeschlechtes nicht, 
wie ein ruhig- dahinfliessender ström, den weg* von der ersten 
quelle bis zur mündung;' unter stetig^em wachsthume zurüciilege, 
sondern vielmehr die geschieh te derselben dem unruhig-en Wechsel 
eines von ebbe und fluth beweg-ten meeres zu verg-leichen sei, — 
diese Wahrheit tritt kaum irg-endwo deutlicher hervor, als in 
dem entwickeln ng-sgang-e des hellenischen gottesbewusstseiu. Wir 
sehen hier zuweilen ideen von der gottheit auftauchen, die sich weit 
über das niveau des allgemeinen Volksglaubens erheben, aber ver- 
geblich spähen wir nach dem fortwirken derselben in der nach- 
folgenden literatur; und es können Jahrhunderte vergehen, bis 
wieder ein erleuchteter geist ersteht, der, nachdem er auf eigenen 
bahnen sich zu derselben höhe emporgearbeitet , das verwandte in 
dem Vorgänger erkennend, trotz aller abweichung im einzelnen 
sich diesem freudig anschliesst. Zwischen beiden aber ringt in- 
dessen die schaar der übrigen auf ihre weise nach der lösung der 
höchsten probleme, unfähig, das bereits gefundene bessere zu er- 
greifen, und vielfach zurücksinkend auf eine stufe der erkennt- 
niss, die sie nach unserer Voraussetzung, die wir jetzt das ganze 
überschauen, längst überschritten haben sollten. So steht Aeschy- 
los in einsamer höhe über dem glauben seiner zeit, und zwischen 
ihm und Piaton begegnen wir selbst seinen Zeitgenossen Pindaros 
nicht ausgenommen keinem mehr, der mit gleicher Sicherheit und 
gleichem nachdruck die absolute reinheit und sittliche unantastbar- 

1) Aeschylos ist nach Hermann und Schneidewin , Herodot nach 
Bekker, Aristophanes nach Bergk citirt. 



Aeschylos und HcroHotos. 225 

keit des göttlichen willens hingestellt hätte; es ist, als wäre der 
geist jenes philosophirenden dichters gleich dem Alpheios unter- 
irdische bahnen gezugen , ohne sich mit dem meere der späteren 
hellenischen anschauungen von der gottheit zu vermischen, — bis 
er in ferner folgezeit in den erhabenen gedanken des dichteri- 
schen Philosophen sein ctfjinrtv^a at^iov , seine Arethusa fand. 
Wie wenig nun der äschyleische gottesbegriff in die vorstellungs- 
weise der dem dichter unmittelbar folgenden periode durchgedrun- 
gen ist, das wird am deutlichsten aus einer vergleichung dessel- 
ben mit dem des Uerodot, der etwa um dieselbe zeit zu sammeln 
anfing, wo Aeschylos zu dichten aufhörte (ol. 81). Besonders ein- 
ladend zu einer solchen vergleichung ist der umstand, dass es uns 
vergönnt ist, beide schriftsteiler ihre ansichten zum theil an einem 
und demselben stofl'e entwickeln zu sehen, dass wir der geschichte 
Uerodot's die Perser des Aeschylos gegenüberstellen können. Wir 
beschränken uns aber bei dieser Untersuchung auf einen einzelnen, 
wiewohl entscheidenden punct, welcher am meisten geeignet ist, 
den characteristiscben unterschied der beiderseitigen religiösen 
Weltbetrachtung ins licht zu steilen, — auf die frage nach der 
bedeutung des göttlichen qp^oinv. 

Die diflerenz beider Schriftsteller in betrefl' dieser frage soll 
im folgenden nachgewiesen werden. Ks kommt aber nicht wenig 
darauf an, zu entscheiden, ob dieselbe bei Uerodot eine bewusste 
oder eine unhewusste war. Dass Uerodot von Aeschylos über- 
haupt wuHste, steht fest; denn er sagt 11, 150 bei erwähnung 
der ägyptischen sage über die abstammung der Artemis- Jiubastis : 
ix tovTov di fov Ao/ov Kui ovötvo^' uXXov y^ia^^CXos 6 Eifqio(fi(ü» 
fo^ tj{fnuae tu tyoi qp(H/(j(w, fxovvof dt/ noitjifOiv TWf n{tny^ro^i' 
ftof inoir^af jolq * y^QTtfttf Hiai OvyaitQU d/jfitjTQOf. Diese viel- 
fach für andere zwecke ausgebeutete stelle wirft 'fiir uns den 
gewinn ab, dass nicht nur die bekaniitschafl des geschichtschreibers 
mit dem dichter im allgemeinen dadurch cunstatirt wird , sondern 
da«c wir den AenchyloM gerade iu «einer eigenthümlichkeit als 
religiösen dichter und als iiopltfQtüw (Agam. 727) von Uero- 
dot anerkannt sehen. Ks ist nun zwar durchaus unbekannt, wel- 
chem der untergegangenen dramen des Aeschylos jene notiz ange- 
hörte, uod wir wis84Mi demnach auch nicht, in welche periode sei- 
ner poetischen wirkNamkeii dicMclbe fällt: es wäre daher immer- 
hin möglich, dass sie aus einer sehr frühen zeit slanimte, wo die 



226 Aescbylos und Ilerodotos. 

ansieht des Aeschylos vom göttlichen q)&6vog noch nicht so abge- 
schlossen und scharf ausgeprägt war, wie dies in seiner letzten 
Schöpfung, der Orestes - trilogie , der fall ist. Aber andrerseits 
spricht mehr als ein grund gegen die annähme, dass Herodot mit 
den späteren leistungen des dichters, die Orestea mit eingeschlos- 
sen, sollte ganz unbekannt geblieben sein. Der historiker erzählt 
uns (VI, 131) von dem auch bei Plutarch (Per. 3) erwähnten 
träume der Agariste , dass sie einen löwen geboren, worauf dann 
bald Perikles an's licht der weit trat, welcher von ihm als eine 
ganz bekannte persönlichkeit behandelt wird. Die erste politische 
that des Perikles war die im vereine mit Ephialtes (Plut. Per. 7. 
9. Kim. 15. vgl. K. 0. Müller, Eumeniden, p. 115 f.) durchge- 
setzte Schwächung des Areopag, wogegen sich Aeschylos in den 
Eumeniden so energisch erhebt, der zugleich ebenfalls (Ag. 691 ff.) 
auf jenen träum vom jungen löwen unverkennbar anspielt, welche 
anspielung wiederum Aristophanes (Ran. 1431 ff.) auf den Peri- 
kles seiner zeit, Alkibiades, wohl nur übertragen hat. Jener po- 
litische kämpf nun um die macht eines altehrwürdigen Institutes 
kann der aufmerksamkeit Herodots schwerlich ganz entgangen 
sein; und mit Perikles zugleich und seinen helfershelfern musste 
in dieser angelegenheit überall auch der kühne gegner Aeschylos 
genannt werden. Ausserdem ist Aeschylos derjenige unter den 
tragödiendichtern Athens, welcher von sich sagen konnte (Aristoph. 
Ran. 868) : ort t] noiijaig ov)(), avvtaüvTjxs fxoi , dessen stücke zu 
Aristophanes zeit noch aufgeführt wurden, also in den jähren, wo 
Herodot den haupttheil seines geschichtswerkes ausarbeitete, wäh- 
rend des peloponnesischen krieges, noch im volke und auf der 
bühne Athens lebten. Wenn somit anzunehmen ist, dass Herodot, 
der von den ihm gleichzeitigen ereignissen so mannigfache notiz 
nimmt, auch mit den letzten werken des Aeschylos noch bekannt 
gewesen sei, so ist sein religiöser gegensatz gegen diesen ein be- 
wusster, und der grund desselben nicht in der Unwissenheit des 
einen über den andern, sondern in der Verschiedenheit der anläge 
und der religiösen tiefe zu suchen. 

Noch möchte der zweifei zu beseitigen sein, ob es überhaupt 
erlaubt sei, die äusserungen eines dichters und eines geschichtschrei- 
bers über religiöse fragen als gleichermassen aus der seele beider 
hervorgegangen sich gegenüberzustellen. Was den Aeschylos be- 
trifft, welchen schon Aristophanes (Ran. 1030ff. 1053 ff".) als tendenz- 



Aeschylos und Herodotos. 227 

dichter darstellt, so lässt sich erwarten , dass er seine ansichten 
über das, was ihm das heiligste und höchste war, überall unzwei- 
deutig- werde kundgegeben haben, zumal da eine entwickelung 
der handelnden charactere, wie wir sie bei Sophokles finden, ihm 
noch fremd ist, und dadurch alle hieraus etwa entspringenden 
missverständnisse bei ihm abgeschnitten werden. Aber auch schon 
die in die äugen fallende thatsache , dass der chor des Aeschylos 
80 häufig an der handlung des Stückes wesentlichen antheil nimmt 
(Eumeniden, Hiketiden), zeigt uns, dass wir bei ihm keine feste 
gränze ziehen können , diesseits welcher allein , wie es wohl bei 
Sophokles der fall ist, eine klare äusserung der eigenen meinung 
des dichtcrs erwartet werden dürfte. Ausserdem behauptet R. 
U. klausen (theologumena Aeschyli p. 7) mit vollem rechte: ne- 
que ita quidquam de rebus divinis dicitur apud Aeschylum quasi in 
dubilationem possit cocari , sed profilentur id (personae) ut omnibus 
notum et de quo omnes conseuliant. — Was andererseits Hero- 
dot anbelangt, so finden wir, dass alle gewichtigsten äusserungen 
desselben , mit denen wir es hier zu thun haben , in den reden 
niedergelegt sind, welche er seine hauptpersonen halten lässt. 
Die bedeutung dieser reden aber hat grosse ähnlicbkeit mit der 
hedeutung jener Sentenzen sittlichen und religiösen inhalts , wel- 
che Aeschylos seinen dramatischen gestalten in den mund legt; 
denn sie dienen dem Herodot, wie K. 0. Müller (gesch. der griech. 
literatur hd. 1, p. 490) sagt, „weit weniger zur characterisirung 
der sprechenden personen, — sondern zur ausführung allgemeiner 
gedanken, namentlich vom neide der götter und den gefahren des 
übennuthii'\ Wir dürfen demnach ohne scheu die äusserungen 
über die gottheit bei Aeschylos und bei Herodot mit einander ver- 
gleichen unter festhaltung der Voraussetzung, dass es die meinun* 
gen der beiden männer selbst sind, die wir einander gegenüber* 
•teilen. Das resultat aber dieser vergleichung wird sein , dass 
der cfOnfOii der gutlheit im sinne des Aeschylos mit dem herodo- 
teischen kaum etwas anderes gemein hat, als den namen, -- dass 
beide, um mit einem fnr ähnliche täuschende namensgleirhheit ge* 
■ünzten auhdrucke des Spinoza zu reden , nicht mehr verwandteN 
teigen, quam inter se runveniunt caniN, hiunum (oclr.slc, (>| canlM, 
aoimal latrans. 

Da« unterNcheidcndc merknial tiir <lii> jrdfMiialigc bedcufuiig 
dcB göttli« licii ifOülÜ^ k.iiiii <la «i<r iiiiMliiirk hei Ucrudut uod 



228 Aeschylos und llerodotos. 

Aescbylos derselbe ist, nur in dem gründe g-esucht werden , aus 
welchem die ansieht eines jeden den cpd-orot; hervorg-ehen lässt. 
Nach diesem müssen wir uns also überall zuerst erkundig-en. 
Aristoteles (Eth. Nie. II, 7) bezeichnet als mitte zwischen cpd^ovog 
und iniX(i-iQByaxia die vffnaig, und erklärt dies so: 6 fxlv yuQ 
vEiÄSötjTiHog XvnsiTai inl roig ava^icog ev TiQaTtovaiVy o de q)do- 
vsQog V7T sQßdXXcov rovtov Im näa i "kvnaltai , 6 Ö' Iniiaigi- 
xaxog Z0O0V70V HXeItzsi tov XvjiEißd-at rngts ^ai ;fa/^£;v. Genau 
g-enommen hat hier Aristoteles seiner neig"ungf, jede tug-end als 
eine mitte zwischen zwei extremen hinzustellen , zu viel nachge- 
geben, und übersehen, dass imgrunde nur ein gegensatz besteht: 
der zwischen rFfisaig , dem Unwillen über unverdientes glück des 
andern, und (ifr&ovog, dem Unwillen über jedes glück desselben, ob 
verdient oder unverdient, — welcher letztere dann durch den Um- 
schlag jenes glückes sich von selbst in ETniatQS'nav.la umsetzt. 
Jedenfalls ist aber der qSovog nach Aristoteles ein menschliches 
Tii-iOos in schlimmem sinne; und dieses kann nun entweder eigent- 
lich oder uneigentlich auf die gottheit übertragen werden , — ei- 
gentlich, wenn man, wie beim menschen, auch bei ihr als grund 
desselben das hohe glück eines andern an sich annimmt, — un- 
eigentlich , wenn man , von einem höheren begriffe der gottheit 
ausgehend , die geltung der namensübereinstimmung auf die ana- 
logie der äusserungsweise beschränkt, bei andern wesen , was die 
götter der allgemeinen annähme nach sind, auch einen andern letz- 
ten grund des handelns voraussetzt, nämlich einen solchen, wobei 
die von Aristoteles geforderte fiEaojtjg, das kennzeichen der tu- 
gend, ihre stelle findet, — - wodurch dann cpüovog und vs/xsaig 
thatsächlich zusammenfallen. 

Zum glücke für unsere Untersuchung tritt gerade hier, wo 
Verwechslungen so leicht möglich wären, der seltene fall ein, dass 
Aeschylos seine betrachtungsweise der gottheit als eine eigene 
ausdrücklich derjenigen seiner Vorgänger und Zeitgenossen ent- 
gegengestellt hat, indem er die greise im Agamemnon, die wei- 
sen Vertreter seiner vornehmsten gedanken, sprechen lässt: 

TtaXaicpatog ö' «V ßgotoTg ysQCov Xoyog 

jszvHzat, fisyav tsXsa&svTa qxotog oXßov 

zeavova&aif fiyÖ' anaiÖa d^v^axsiv 

ix 5' dya&äg iv^ag ysvsi 

ßXaazdpBiv axogEOTOv oi^vv. 



Acschylos nnd Elerodotos- 220 

9 i'X^ ^' (tXXoof flOPO (J) Q CO t 8 t- 

fAi* 70 dvaaeßeg yag sgyop 

fisra filv TrXiiova r^xr«, 

aqiereQa d* sixoTa ysrva. 

oixmv ycLQ svOv d ixcor ^ 

naXX inaig noTfxog aUi. (Ag*. 722 ff.) 
Hier ist so klar wie mög-Iicb ausg-esprochen , dass hohes glück 
als solches niromerniehr der grund des Unglücks werden könne, 
dass vielmehr, wo eine Wendung des Schicksals in's schlimmere 
ii^endwie eintrete, ein sitlUcher mangel als letzte Ursache dieser 
Wendung zu hetrachten sei. Für die götter des Aeschylos ergibt 
sich denn daraus eben so klar, dass sie keinem menschen bloss 
desshalb zürnen, weil ein glänzendes loos ihm zu theil g'eworden, 
sondern dass, wo ibr zorn jemanden trifft, man mit Sicherheit dar. 
auf rechnen kann, derselbe sei "durch irgend einen frevel verschul- 
det Wären alle stellen des dichters über diese frage in so ein- 
fachen und bestimmten ausdrücken abgefasst, wie die obige, so 
könnte man gar keinen zweifei darüber hegen, dass für Aeschy- 
los ein neid der gottbeit nicht existire. Da uns aber von jenem 
yiaXXinaig norfiog, dem erbtheile der gerechten, in allen dichtuu- 
g^n des Aeschylos nirgends ein reines bild entgegentritt, den 
vergötterten Darcios ausgenommen , mit dem es , wie wir zeigen 
werden, eine besondere bewandtniss hat, — da vielmehr Acschylos 
so f(utj wie Hcrodot, der ansiebt huldigt, dass ein völlig leidens- 
freies menschenlebcn eine undenkbare sache sei und zumal glän- 
zende Verhältnisse sich gewöhnlich bald in^s gegcntbeil verkebren 
Cman sehe beispielHhalbcr Ag. 1?45 ff. 1301 f. Sept. 753 ff. Prom. 
277 f. Suppl. 313 f. Ag. 520 ff Cb. 1013 ff IVrs. 707 ff), 
da das höchste, was der vernünftige menscb in diesem leben er- 
warten kann, auch nach Aeschylos nur ein fifXriQOf yaxov ^ ein 
diftftiQov ist rSiippl. 1039 f.), und die ungetbeille Seligkeit der 
Olympier ilim ewig unzugänglich bleibt, so müssen wir, wenn wir 
nicht den dichter eines Widerspruches mit sich selbst zeihen wol- 
len, annobmen , daxs nacb seiner anNicbt aucb eiu tvOi'i^iHni; im 
vollen sinne de« Wortes nirbt existire, und hierin den grund dfr 
allgemeinen menschlichen boschränkung finden. 

Zu dieser annabme haben wir aber auch das vollste recbt. 
Denn die kurze und einfache antwort auf die frage , wiiruni d<*r 
mciiscli unbeschränkter Icbensfülle und lebcnslust nicht tbeilbaftig 



230 Aescliylos und Herodotos. 

werden könne, ist bei Aeschylos die : dass er zu schwach dazu ist. 
Seine sittliche kraftlosig'keit würde dem mächtigen reize schran- 
kenloser mittel erlieg-en; es entstände ein krieg- aller gegen alle 
in ungeheuren masstäben , allgewalt würde g^g^n allgewalt pral- 
len , und absolute Vernichtung alles lebens die folge davon sein. 
Kann doch selbst unter den göttern des Olympos nur ein einziger, 
Zeus, eine vollständige freiheit ertragen: ilsv&sQog yag ovTig 
iail nXijv /IkU (Prom. 55). Es giebt ein absolutes sittengesetz, 
welches dem menschen angeboren ist, und dessen bewusstsein sei- 
nem geiste auch in der höchsten aufregung niemals ganz ent 
schwindet. Dieses gesetz, an hundert stellen als öUij oder di^ig 
bezeichnet, waltet einerseits auf erden, und steht andererseits in 
der band und unter der obhut des höchsten gottes; an dieses 
knüpfen alle berührungen des Olympos mit der erde an. Wer 
die 8Uri der eigenen lust und beg-ierde gegenüber vollständig und 
in allen lagen des lebens aufrecht zu halten wüsste, dem könnte 
getrost jede macht in die bände gegeben werden, — denn er 
wäre sittlich stark : 

oTiov yoLQ iaivg Gv^vyovai xaf 8txt], 
TToCa. ^vvcoglg rtjgÖe ytagTsgooTsga; (fr. 340), 
aber keiner vermag es. Darum sind sie alle schwach, darum muss 
ihnen allen, welche sich selbst nicht bändigen können, von aussen 
her ein zäum angelegt werden, — darum muss den, welcher die- 
sen zäum eigenmächtig abzuwerfen sucht, zu seinem und des gan- 
zen wohl unerbittliche strafe treffen. Es versteht sich , dass Ae- 
schylos einen unterschied der stufen im sittlichen leben nicht laug 
net, — ja er geht darin so weit, dass er bestimmten lebensaltern, 
geschlechtern und nationen im ganzen einen höheren oder niedri- 
geren grad von Sittlichkeit zuschreibt. So ist nicht zu verken- 
nen, dass er das weib in dieser beziehung unter den mann stellt; 
denn aus der geringeren Fähigkeit , jedem reize der leidenschaft 
zu widerstehen, lassen sich alle die einzelnen Untugenden ableiten, 
welche dasselbe von dem manne unvortheilbaft unterscheiden. Dann 
wird wiederum das alter in sittlicher beziehung der Jugend vor- 
gezogen : yriQag yag rjßijg iazlv ip8inmTEQ0v (fr. 375), und der 
Hellene dem barbaren (z. b. Ag. 886 f. 902 f. Suppl. 879 f.). 
Aber trotz dieser stufen sind sie doch allzumal sünder; und wir 
treffen in den tragÖdien des Aeschylos auf eine ziemliche anzahl 
von wenig lobenswerthen eigen s chaften , die dem menschenge- 



Aescliylos und Hcrodotos. 23i 

schlechte im allg^emeinen zug-eschrieben werden. Wenn es nach 
der ansieht unsres dichters, wie nach der des ganzen alterthums, 
natürlich und sittlich zugleich ist, den feind zu hassen und den 
freund zu lieben, so ist doch die leidenschaft geschäftig, auch 
zwischen freunden eine Scheidewand zu aufzuführen, sobald beim 
▼erfolgen des eigenen vortheils einer des andern weg durchkreuzt. 
So beklagt sich Agamemnon bitter über den neid seiner kämpf- 
genossen : 

fiavQOtß yoLQ avdgmp iati avyyivlg roÖs, 

qiiXov 70V svTvxovvT avsv q)&6vmi> as'ßBiv fAg. 799 f.), 
und über ihre heuchlerische sclieinergebenheit: 
€v yoLQ i^ETiiatufiai 

OfiiXiae xdTOTxtQOVf BidmXof OHiäs , 

doxovfzag ehai xagta ngevfievsTe IpLot (ib. 805 ff.); 
und Prometheus spricht als eine allgemeine Wahrnehmung aus: 

ivBOJi yoLQ ncog tovto rj rvQavvidi 

poarjfia, roig (fiXoKjt /x/} nenoi&ivai (Prom. 226 f.). 
Gegen denjenigen aber, welcher ihm, wenn auch nicht feind, doch 
gemeinhin gleichgültig ist, befindet sich der natürliche mensch im 
beständigen kricgszustande , und offenbart hiebei einen entschiede* 
nen hang zum schlechten , namentlich zur erhebung seiner selbst 
auf kosten anderer. Dahin gehört die in den Hiketidcn häufig 
wiederholte klage über die menschliche schmähsucht (Suppl. 469; 
939 f. 963 f.), ferner der gemeine zug, welchen klytämncstra 
anführt, die freilich gern anderen etwas aufbürdet: ^gte avyyoto9\ 
ßgoTotat 709 maovza Xaxriaai nXiop (Ag. 851 f.), dieselbe Scha- 
denfreude , welche die königin selbst späterhin so unverhohlen 
äussert, und die der chor dem Acgisthos mit den Worten verweist: 
j4tyiaO\ vßgiXtiv iv xaxniaiv ov atßoi (Ag. 1580). Es ist, mit 
einem worte , der egoismus , welcher das menschliche leben he- 
herrNclit. Der egoismus treibt die Aegyptiaden auf die jagd nach 
frevelhafter Vermählung und an den Strand von Argos (Suppl. 
37 ff. 322 ff.), führt den A/(:amemnon nach Troja, wo er ehro 
und beute holen will — denn bei Aeschylos steht der tmisch« 
krieg nicht im lichte einer helleniMchen nationalsache da, wie bei 
Herodot — ; der egoismus verursacht den doppelmord der Oedipo- 
diden, Tcranlasst klytämneNtru zu ihrer furchtbaren Ihat und den 
Xerxea su seinem lldlenenzuge. Tnd NelitNt der fromme und ge- 
ftthU fUblt zrweilen nicht di« krnft in sich, dieNcm mächtigni 



^^ Aescitylos und Herodotos. 

drängte zu widerstehen, und kommt um samt den frevlem , wel- 
chen er sich ungeschlossen hat, — so Amphiaraos, über welchen 
Eteokles ausruft; 

cpev Tov ^vvaXXdaaovtos ogriOog ßgoroig 

diAatov avÖQa zoiai dvaaeßsöTaToig, 

iv TiavTi Tigaysi ö' ead^ OfiiXiag xax7ig 

xdxiov ovdei^f xagTiog ov xofiiaztog kt^. (Sept. 578 ff.). 
Vergl. fr. 333 und Soph. Antig^. 370 ff. 

Aeschjlos bezeichnet diesen grundfehler der menschheit, so- 
fern er sich in Worten oder thaten äussert, mit dem namen der 
^ ß Q i g , welche ihm die Ursache alles auf erden vorkommenden 
leides ist. Denn entweder führt dieselbe einen menschen feind- 
selig g'egen den andern , — und nicht der geringste theil des 
Unglückes der sterblichen fliesst aus dieser quelle — , oder for- 
dert sie direct das eingreifen der gottheit heraus, welches dann 
in den meisten fällen ein vernichtendes ist. Aus der grossen 
zahl von stellen, welche die vßgig in dieser weise characterisiren, 
heben wir nur zwei heraus, — die fortsetzung der oben ci- 
tirten Ag. 733 ff. 

qptXsr 8s tUtsiv vßqig 

fisv TiaXaia vsa- 

l^ovaav iv ytaitoig ßgormv vßgiv 

tot' 7] t6r\ Igt' av im to Hvgiov (ioX'd 

via Qctq)at 

dai'iÄord ts tav afia^ovy ccTiolsfioVy dviegoVf 

&gdaog (isXaivag (xsldügoiaiv 'Atag^ 

sidoixsvav toysvaiv — 
und die bitte der Hiketiden an Zeus Suppl. 93 ff.: 

lÖsad-n 5' Eig vßgiv 

ßgotsiovj ola ved^etf 7zv^i4,rjv 

8t' dfiov yd/Aor te&aXmg, 

8vgnagaßovXoiai q}geaiVy 

xul 8idfoiav fiaivoXiv 

nivtgov sxcov «qpi'xro*', a- 

tav 8' c:ndta fxetayvovg. 
Von der dem bösen innewohnenden zeugungskraft , dem vsd^eiv 
der vßgigy ausgehend könnte man, im vergleich mit Herodot VII, 
137, I, 91 das höhere gerechtigkeitsgefühl der äschyleischen göt- 
ter ebenfalls schlagend nachweisen,- uns jedoch soll für diesmal 



Aeschylos and Herodotos. 233 

die Untersuchung- über deu cpOotoi; zu demselhcii resultate ver- 
helfen. 

Geg-en die vßgt^ nun reicht der von Prometheus stammende 
weltverstand nicht aus; hier bedarf es der sittlichen einsieht, wel- 
che den Zeus zum Urheber hat (Ag-. 163 ff.), welche in die ei- 
gene brüst hinabsteigt, und hier die gränzen der menschlichen 
kraft erkennt, — wie Okeanos dem Vertreter der menschheit zu- 
ruft: /lyrtoaxe anvTov, nai fte{^dQuoani TQonovg j tfovg 
fProm. 311 f.). Es ist dies jenes qiQoreiv oder acoqQOviiv ^ im 
geg-ensatze der sittlichen voaog qigsrmv (Fers. 751), welches Da- 
naos seinen töchtern so dringend einschärft, damit sie ihren vor- 
theil über die von der vßQig beherrschten gegner sich wahren 
mögen , und welchem er einen höheren werth zuschreibt, als dem 
leben selbst (Suppl. 162 f. 983 cf. 987). Der gottlose ist immer 
zugleich der thor, der wahnsinnige (Suppl. 96 ff., Ag. 377 ff.), 
ganz wie im alten testamente ; der fromme Ampliiaraos heisst : 
a(6(pQ0)Vj dixaing j aya^og^ evaeßt/g arrJQ (Sept. 591) und ßa- 
^ilat aXnxa dtä q>Qgr6g yannov/jift'ng (ib. 574): sein fehler 
ist, dass er q: Qevmv ßi'a (ib. 592) , wider bessere sittliche ein- 
sieht, mit den dpoaioi sich verbindet. Weisheit und Verehrung 
des göttlichen rechtes ist g^anz gleichbedeutend: oi ngngxvvnvrteg 
rfjf '/4dQuaTeiaf aoqjoi (From. 946). Zur erlangung aber jener 
höheren einsieht bedarf es grosser prüfungen und läuterungen: 
nur durch teiden verleiht Zeus erkenntniss (Ag. 164 f.), — was der 
gelöste FrometheuH unsers dirhters gewiss anschaulich darstellte, 
— jene erkennhiiss, welche dem menschen im gewöhnlichen le- 
ben durch die innewohnende Selbstsucht getrübt wird, wesshalb 
Zeus eben diejenigen, die er lieb hat, vorzugsweise diese erzie- 
hende starke, die tvftirijg ßiu (Su|»pl. 1038) seines armes fühlen 
lässt; — es bedarf dazu ferner eines kühnen entsrhlutsen y einer 
Selbstüberwindung, wie sie Hermes dem Frometheus anrath : 

ro). fit] a 09 ^ w fiarntti toXfttjaov nort 

ftgig rag nuQOvang rttjftovag ogOäig q^QOftTv (Vmm. 1003 f.). 
Das wahre qp^oyciV also will mit mühe und kämpf errungen sein, 
nnd ist durchaus persönliche eigenschaft des einzelnen: xoiror Ti'jr;/, 
yptuftti df roir HtKitjttrMt (fr. 365). Aber bei der groNsen lei- 
denschaftlich k ei t , welche besonder« die von Aeschylos dargCNtell- 
trn personen der heroenzeit allenthalben an sich tragen, hei ih- 
re« cbaraktcrzuge des tonv und Xrtii/'»/C"*^ (^^' 282), ist diene 



234 Aeschylos und Derodotos. 

errung-enscliaft so schwer zu erlangen , dass sie fast nirgends in 
ungeschwäcliter fülle bei unserem dichter vorkommt. Daraus folgt 
unmittelbar, dass auch das bild des reinen glückes von ihm fast 
nirgends gezeichnet werden kann; denn die götter handeln nach 
dem grundsatze: xaxoi yctQ sv TTQuaaovTsg ovx avaa^eioi (fr. 373) 
oder, wie dem übermüthigen Prometheus gesagt wird: err^g qjootj' 
log ovy. av , el ngciaöoig xaXag (Prom. 983) , vgl. Sept. 170. 
Wo von Seiten des menschen der mässigung vergessen wird, 
müssen die himmlischen mässigend eintreten, um frevel zu verhü- 
ten; der mangel der sittlichen Selbstbeschränkung führt nothweu- 
dig beschränkung von aussen herbei. Dies und nichts anderes, 
ist bei Aeschylos der sinn des göttlichen cpOovog. 

Dieser satz wird nun an den einzelnen hier in betracht kom- 
menden stellen sich erproben müssen. Die meisten zweifei dage- 
gen könnte der gefesselte Prometheus erwecken. Dort wird so 
häufig und nachdrücklich dem wohlthäter der menschheit eben das 
zum Vorwurf gemacht, dass er ein ysgag der gÖtter , das feuer, 
den sterblichen ausgeliefert (z. b. v. 7 ff., 37 f., 82 f.), es wird 
eben dieses vergehen so deutlich als Ursache seiner bestrafung be- 
zeichnet (107), und der quldv&QtaTzog igonog (v. 11, v. 28), die 
Xlav (piXoTTjg ßgormv (v. 123), welche sich in der that des Pro- 
metheus äusserte, als unrecht und unklug von den göttern ver- 
dammt, dass wir hier den nackten hässlichen neid der Olympier 
glauben reden zu hören. Aber thatsachen reden jedenfalls lauter, 
als Worte; und die handlungsweise des Zeus im Prometheus zeigt 
uns , dass er die neuerlangten gaben dem menschengeschlechte 
nicht beneidet. Er lässt ihnen ja alles, was sie einmal haben, 
wiewohl er es ihnen wieder nehmen könnte; er bestraft sie auch 
in keiner weise dafür (denn die nur in einem einzigen nicht si- 
cher unterzubringenden verse (fr. 216) genannte Pandora hat bei 
Aeschylos eine andere bedeutung, als bei Hesiod) ; der einzige viel- 
mehr, welcher alles zu büssen hat, ist Prometheus selbst: üvritoig Ö' 
agrjyoDv avrog avQOfiyv novovg (Prom. 269). Wenn also irgend 
von neid hier die rede sein könnte , so wäre es der des einen 
gottes auf den andern , mit dem wir uns hier nicht zu beschäfti- 
gen haben; die menschen jedenfalls bleiben von derartigen leiden- 
schaften des Zeus unbehelligt, wofür der am schwersten wiegende 
beweis das stillschweigen des Prometheus ist, der sonst nur all- 
zugeneigt ist, an der handlungsweise des Zeus etwas verwerfli- 



Aeschylos und Ilerodotos. 235 

ches zu finden ; denn dieser findet zwar (v. 736 flP.) dieselbe 
härte und gewalttliätig-keit des neuen g^ötterkönigs, unter welcher 
er selbst zu leiden hat, in den Schicksalen der lo wieder, — 
aber ?on einem neide des Zeus auf die von Prometheus eben erst 
geförderten menschen wird in der g-anzcn tragödie auch nicht 
ein einziges mal etwas gesagt. (Prom. 861 gebort niciit hierher). 
Aber, könnte man einwenden, wenn auch Zeus das von Pro* 
■etheus em[ifangene den menschen unverkünnnert gelassen hat, 
so hat er doch weitere wohlthaten ein für allemal abgeschnitten ; 
denn den Asklepios, welcher den tod aus der weit hinwegschaf* 
fen wollte, traf sein vernichtender strahl (Ag. 984 f.). Das war 
doch wohl neid, sei es nun gegen den heros selbst, welcher sich 
das ausschliessliche ytQag des götterkönigs angemasst , oder ge- 
gen die gesammte menschheit , welche nicht der Unsterblichkeit 
gleich den Olympiern, (hcilhaftig werden sollte. Aeschylos äu- 
ssert sich darüber nicht; denn an der stelle, wo er des mythus 
erwähnt, bedient er sich desselben nur zur bekräftigung des Sa- 
tzes , dass todte nicht wieder auferstehen. Wir wissen also gar 
nicht, warum nach seiner ansieht Zeus den Asklepios getödtet 
hat, und ob es nicht aus ganz gerechten gründen geschah. Viel- 
leicht war ihm aber auch ein näheres eingehen auf diese frage 
anbequem, eben weil er hier fürchten mochte, einer beschuldigung 
des höchsten gottes nicht ganz ausweichen zu können. Er schweigt 
demgemäss, sowohl über den Charakter des Asklepios, als auch 
über die beschaffenheit der damaligen menschen , welche dieser 
wieder ins leben ri«'f, und es ist daher die frage, ob wir berech- 
tigt sind, die erwähnung dieser suche weiter auszubeuten, als der 
dichter selbst für gut fand. Wollten wir es aber, so finden wir 
das nähere bei Pindaros Pyfh. III, 54 ft*. Dort ist gesagt, dass 
xtQÖoi! die triebfeder des Asklepios war, der /pvdoy tp x^Q^'*' 
(jpareiV) um desNen willen ihm kronion den donnerkeil durch die 
bruMt Hchmetterh'; es ist aber nicht gesagt, dass der uuferweckte 
Mensch ebenfalls wieder zum tode verurtheilt wurden sei. Auch 
dort also wird nur der srhlechte beweggnind der handln ng be- 
straft , nicht die handlang selbst als eine der majestät des göt- 
terkönigs zu nahe tretende ; das moment des netde» iwt ganz biy 
•eile gelassen, und nur das der gerechten strafe hervorgehoben. 
Wenn nun auch Pindaros (v. 511 f.) aus dem allen die lehn* /i ' i 



23(5 Aeschylos und Hcrodotos. 

yvovra ro naQ 7iod*jg, oiag sifisv ai'ffng, — 
so hat, wie gesag^t, weiiig^stens Aesclivlos selbst dipse uiclit ein- 
mal daraus g-ezog-en, sondern stellt nur die tliatsache einfach hin, 
ohne eines göttlichen neides, dessen erwähnung hier so nahe lag, 
irgendwie zu gedenken. 

Wozu aber, möchte eine andere einwendung lauten, — wenn 
von einer missgünstigen beschränkung durch die götter nichts zu 
befürchten steht, — wozu dann die häufigen ermahnungen an den 
glücklichen, sich sein glück selbst freiwillig zu schmälern? Eben 
dazu, damit dem menschen das cpQovelv, die bedingung des wah- 
ren glückes, nicht allzusehr erschwert werde, — damit er be- 
wahrt bleibe vor der vßgtg , in welche die menschliche Schwach- 
heit bei abwesenheit jeder schranke nur gar zu leicht hineingezo- 
gen wird, und welche dann wiederum mit nothwendigkeit die 
strafe der götter herausfordert. Wir werden finden, dass die ein- 
zelnen stellen samt und sonders gar keine andere auslegung zu- 
lassen. 

Ag. 354 fl'. wird der satz vorangestellt, dass die götter sich 
um diejenigen menschen bekümmern, 
oaoig a&Urmv x^Q^S 

TT uro 170, 

Diese Wahrheit hat sich nun besonders auch, heisst es weiter, in 
den Schicksalen des Priamidenhauses geoflfenbart, welches durch 
seine verbrechen der gerechten strafe anheimfiel. Die qjlsovTa 
bafiaia vnsQ(ptv (v. 361) gingen mit recht unter; denn sie wa- 
ren ar oXfifjT (o g ^Aqri Tivtovia fisi^ov' ? dmaidyg (359 f.); 
der ratli des uTiagnsTv (363) an jeden , der gesunden sinnes sei, 
wird ausdrücklich dadurch begründet, dass bei der menschlichen 
natur aus allzuhohem nXovrog der xogog (366) , der fastus, mit 
einem worte die vßgig sich entwickle, welche XaxTi'aaaa (isyav 
/jinag ßoofAov (367 f.) nach den gesetzen des ewigen rechts 
nur zur aq)dv8ia (368) des frevlers führen kann. Dies zeigt sich 
denn auch in dem loose des Paris, welchem der trotz auf die 
macht seines hauses den verruchten gedanken eingab, die gattin 
des gastfreundes zu entführen, und damit eines der heiligsten 
gesetze , welche unter den menschen gelten, zu entweihen (v. 
382 ff.). 

Eine andere hierhergehörige stelle ist Ag. 446 ff. : 
70 ö' vJTi-gaoTTCog y,Xvsif sv 



Ae«chjlus lind Ilerodotos. 237 

ßagv' ßdlltTai fug oaaoig 
di(')&ev xfQavvog. 
Hgito) d' acp&ovov oXßov. 
Ist es etwa liier der ullzuliolie rulini an sich , welcher den Atri- 
deii zum schaden g-ereichen soll i Keinesweg-s. Es sind die ver- 
hrecherischen mittel^ wodurch sie ihn erworben haben, v. 440 ff.: 
7(üy noXvxtotODV yoLQ ovk 
aaxonoi &£0i' x£)mi- 
vui ö' ^EQiPVEi; XQ^'^^V 
rvxfjQov ovz d t> s V 8 in a g 
nuXiPTvxBt 'tQtßff ßiov 
Jidsio' a(.iavQ6f. 
Also wieder ist es die 8 i xrj , welche von der strafenden gfott- 
hcit aufrecht erhalten werden muss , und deren Verletzung den 
Untergang herbeifuhrt. Was aber den dcfOovog oXßog anbelangt, 
80 zeigt der Zusammenhang, dass der hier genannte qi&ovog nicht 
der der götter ist, sondern derjenige der menschen, von welchem 
V. 430 f. gesagt ist: 

q)Oov£Qov ö' V7z' uXyog egnsi 
ngodixotg */4rgeida'g. 
Es ist aber auch im sinne des niensrben nicht einmal neid , son- 
dern die ßagiia äarwp quitig Vvv xortp (43G), der gerechte 
grrimm der unterthanen gegen die herrscher, welche um eines 
[ I [\ ti/s'-f-rkes willen das blut ihrer hörigen massenweis vergos- 
' >> I • • II. Diese invidia des Volkes hat nun allerdings zur folge 
den zorn der gottheit, welche sich der bedrängten und gekränk- 
ten annimmt , welche aber dem nXßog der Atriden , wäre er auf 
rechtmässige weise erworben worden, und noch so hoch gestie- 
gen, kein hindernisM in den weg gelegt haben würde. 

Eindringlicher noch ertönt die wurnung vor den Verführun- 
gen allzugroMsen Wohlseins , vor dem zu mächtigen anschwellen 
deH öl^jog in der band eines einzelnen menschen Ag. UG8 ff. : 
fjidXa yi foi to noXtog y' vyiiag 
uxogtatop rtg^a. pt'aog ydg dtt 
ytito)p i^ioroiiug igtidett 
Hat noffiog ivOvnogüp 
afdghg tnuiar dqutror tgfia. 
Kui to fitp tiQu xgrjfidtoof 
Uft^aiap vHPog ^aX<OP 



238 Aesohylos niid Herodotos. 

öq)svd6vag an^ svfisTQoVf 

ovn s8v TiQOTjag dofiog 

ntiixoväg y^iimv ayaVf 

ovo' inovtias 6adq)og, 
TzoXld r' av Öoaig in /liog dpicpiXacfrig ts aal i^ dXoncov met&iäv 

v^OTiv aXtasv voüov. 
Wenn hier das ziel üppig-en Wohlseins ein unersättliches heisst, so 
liegt die erklärung- davon in dem begriffe der v 6 a o g. Sollte die- 
selbe hier weiter nichts bedeuten, als die einfache negation der 
vyitia, so enthalten v. 971 f. im vergleich mit dem vorhergehen- 
den eine tautologie, wovon der dichter sonst kein freund ist. 
Die voGog ist vielmehr hier, als mittelglied zwischen Wohlsein und 
Untergang, siulich zu fassen, — es ist die v^Qig , welche auch 
Dareios eine voaog cfQStööv nennt (Pers. 751). „Das höchste glück", 
ist der sinn der stelle, „führt bei dem menschen immer die krank- 
hafte maasslosigkeit des sinnes herbei" ; der nachbar des behagens 
ist der übermuth. Darum thut der verständige wohl , sich selbst 
eine gränze zu ziehen , indem er von der allzureichen ladung mit 
maassvollem [tvfiSTQog v. 975) würfe den überschuss entfernt. Das 
äcpavTov EguUf an welches er sonst stossen könnte, wenn sein 
kiel zu tief ginge, bezeichnen die Erinyen genauer als EQfxa Öixag 
(Eum. 553), und den, welchem solches widerfährt, als dtrizoXfxov 
xal 7zaQaipdr7]v zd noXXd navzocpvgi' dvev diiiag (Eum. 542 
f.); der lohn hingegen, welchen der empfängt, welcher vor der 
geistigen voaog sich hütet, ist die abwendung der vtjöiig voaog 
/Ag. 980) durch die götter; der ßaüsiav dXoxa 8id qjgsvog 
y,aQ7TOV(ievog (Sept. 574) erhält die doaig ix Jiog dfirpiXacp^g le 
Koi «I «?. dxooy enEisidv (Ag. 979). Der dichter fordert eine 
auf erkenntniss der menschlichen schwäche beruhende freiwillige 
Selbstbeschränkung im glücke, weil nur dadurch die gottheit der 
nothwendigkeit überhoben bleibt, zur Währung der dUtj strafend 
einzutreten : 

in o) V Ö' dvdyytag dt s q 

dinaiog mv ovx dvoXßog earai, 

narcüXt&Qog ö' ov not* dv ysiotzo' (Eum. 539 ff.). 
Dass jene ganze stelle des Agamemnon so gemeint sei, zeigt am 
klarsten der gegensatz von t6 (asp (Ag. 973) und lo ö« (ib. 981). 
Auf der einen seite steht der weise ouvog dessen , welcher sich 
vor zu grossem glücke hütet, und die belohnung dafür empfängt, 



AcHchylos und üerodotos. 239 

— auf der andern gleich die folge der entgegeng-esetzten hand- 
lungsweise, der mord^ das kind der vßgte: 

10 8* int yav maov ana^ ^avd.ai>^ov 

nQOTTttQOld' OLfÖQOg ^sXuV Ulfitt tt't; UV 

TtdXtv ayxaXe'aaij' inueidoav; (Ag. 981 ff.). 
Das heisst doch wohl deutlich gesprochen! Entweder also der 
mensch beschränkt sich, und dann geht alles gut, — oder er be- 
schränkt sich nicht , — und dann ist er vor den ärgsten Über- 
schreitungen der sittlichen gesetze und deren verhängnissvollen fol- 
gen nicht sicher. Es ist nun wohl keine frage, dass in v. 981 
ff", eine dunkle ahnung von Agamemnons künftigem untergange 
durchblickt; aber zunächst müssen wir bei dem uifta ■&avaatixov 
ao das blut derer denken , welche Agamemnon selbst hingemordet 
hat; sonst könnte der chor sein düsteres lied nicht einen ^qiivo^ 
*E{} tvvo s nennen (v. 958), d.h. einen gesang, welchen ihm sein 
glaube an eine richtende und rächende gerechtig keit einflösst. Wir 
haben uns also hier an den noXvxTOfo^' zu erinnern (Ag. 440), 
an die Opferung der Iphigenia, welche reraypo^ , uviSQOi, navio- 
foXfio^ war (Ag. 207 f.), eine folge der aioxndfu^Tig laXaira 
naQaxona ftQtotonri^mv (209 f.), — ebenso an die mordscenen 
in llios (306 f.), endlich wohl auch an die Verletzung der göttli- 
chen heiligthümer im fremden larnb' /'323 ff., 505 f.), in folge 
deren, wie klytämnestra sagt: 

lygr^yo^fof to niifxu imv oXoiXüi(av 

ye»on* ur, et nQo^mita ^rj ri^ot xwxa (331 f.). 
Halten wir alles dieses mit der obigen warnung vor der noXXrj 
vyUta zusammen, so ergiebt sich , dass letztere gefährlich ist, so- 
bald sich mit ihr die vyitta cpQevöctp (Eum. 520), die alleinige 
begrüuderin des nuftqitXog x«i TJoXvtvxrmi u)fioii (ib. 527), nicht 
paart ; und es kann kein zweifei darüber sein , dass nicht der 
glaulie an eine jedem hohen mcuhchlichen glücke niissgünstige ge- 
sinnung der götter, Nondern furcht vor menachUcher vermesseuheU 
der letzte grund der warnung ist. 

(■erade so verhält es sich mit den Worten Sept. 750 If., 
uiirb«« der oben citirten stelle ganz iilmli« !■ UlInMiii: 

T{/on{fVf*9a d' in^uXuf gn" 

urdg^p dXqrjatäp 

oX^ioi ityut ntt^vfOti^'. 
llczichcD wir dieselben aut Oedipus, wie wir ea wegen dea (Sept 



240 Aeschylos.ond Hrrodotos. 

753) folg-enden yaQ zunächst müssen , so hat der dichter selbst 
kurz zuvor von dessen schuld g^esprochen : 

7z ur () oxr 6 V p OiÖinöÖuv, 

ogt8 (ATI fiQog ayfav 

aneiQag aQOvgavj iv ' hgctcpri, 

Qit,av alfiaroeaaav 

izXa ' TT a Q dt' t a avväys 

vvyi^piovg qjgsvoiXs tg (Sept. 733 ff.). 
Beziehen wir sie, wie der weitere Zusammenhang fordert, auf 
seine söhne , — so ist deren loos nicht darum ein so trauriges» 
weil ihr glück so hoch gestiegen war, sondern weil sie in diesem 
hohen glücke sich nicht mehr zu fassen wussten, jeder des gan- 
zen begehrte, und um dieser begierde willen beide den alten vater 
missachteten (Sept. 766 f.), und der eine das gesetz der Vater- 
landsliebe, der andere das der brüderliche mit füssen trat. Da- 
rum blieb ihnen nun gar nichts zu beherrschen übrig, als der 
enge räum des grabes und das nachtreich des Hades. Auch hier 
also ist es der mangel der acocpQoamrj, welchen die gottheit straft. 
Besässen wir freilich noch eine vollständige bearbeitung der Oedi- 
pussage von der band des Aeschylos, so würde sich über die be- 
deutung der zuletzt angezogenen stellen mit mehr Sicherheit re- 
den lassen. So viel aber kann man, glaube ich, auch jetzt mit 
hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass im ersten stücke der 
äschyleischen Oedipodie das moment der Verschuldung des beiden 
in ganz anderer weise müsste hervorgetreten sein, als in dem O/- 
dinovg jvQuvpog des Sophokles, aus welchem man auch mit auf- 
bietung aller kunst das vorwalten eines starren und grimmigen 
Schicksals nicht wird beseitigen können. — Nach dem obigen 
kann es keiner missdeutung mehr unterliegen, wenn Aeschylos 
Ag. 1291 ff. sagt: 

Tt fAff &v Tiijäoötiv dyiOQiaiov s(pv 

näai ßgoiolaiv - 8a>iTv)od£(>i7cov 8^ 

ovttg anemmv eigyei (xeXd&qmv 

fjii]ii87^ igslÜTfjg, rdÖE qcoiöövj — 
und daraus den menschen einen Vorwurf macht. Denn es ist 
wieder die Verblendung des sterblichen, welche dem glänze des 
glucks und seiner schmeichelnden aussenseite nicht widerstehen 
kann, weil er nicht bedenkt, wie wenig er im stände sein werde, 
den entsittlichenden einflüssen dieses trügerischen gastes sich zu 



AeschyluS and Herodotos. 241 

entziehen , aber nicht ist es die sorgte vor einer plumpen raiss- 
gunst der himmlischen, was einen solchen rath als nöthig er- 
scheinen lässt. — 

Bis jetzt haben wir nur von stellen geredet, in welchen das 
wort (f&ötog in bezug auf die götter nicht ausdrücklich gebraucht 
war. Sehen wir nun , ob auch da , wo dasselbe in dieser Verbin- 
dung vorkommt, unsre ansieht sich werde durchführen lassen, 
das« der (fdovog der äschyleischen götter nur ihr aufrechthalten 
der dUti gegenüber dem frevler bedeute. — Hierher gehört vor 
allem die Weissagung des Prometheus über die Schicksale der 
Aegyptiaden ; qtOovov de am^dzcov s^ei &e6g (Prom. 861). Pro- 
netheus verkündigt hier die flucht der Danaiden von Aegypten 
nach Ai^os vor ihren vettern und die darauf folgende blutige 
brautnacht, in welcher die gottheit den Aegyptiaden die leiber ih- 
rer braute (nicht die eigenen, wie man die stelle wohl verstanden 
hat) missgönnt, indem diese sie ermorden werden. Um was sollte 
denn hier die gottheit die Aegyptiaden beneiden ? Will sie etwa 
die fünfzig Danaiden selbst heirathen ? Oder erscheinen ihr die- 
selben als so vortrcfl'lich , dass sie meint , kein sterblicher dürfe 
nach ihnen seine hand ausstrecken ? Bei Aeschylos wenigstens er- 
scheinen sie nicht so (vgl. z. b. Suppl. 329 f., 459 f.). Welchen 
grund hat nun der qpiL>oVoi1 Vs. 860 sagt es; den, dass jene 
fj^ovai dfiQiiüofiig ov &tj gaa i ^ov g ydfiovg. In wiefern aber 
die yu^oi diesen namen verdienen , sehen wir aus den Hiketiden : 
sie sind avtoyetiig und daher untßeig (Suppl. 8 ff.). Die Danai- 
den verabscheuen eine Verbindung, welche sie für blutschande hal- 
ten und ziehen selbst den tod derselben vor. Darum hilft ihnen 
die gottheit wider die vßgig ihrer verwandten (vgl. Suppl. 80. 
87 ff., 73. 93 ff., 129 ff. u. a.). In Verbindung mit letzteren 
■teilen verstehen wir auch erst die anfangs etwas hcrodotcisch 
klingenden zeiien: 

idntii d' iXntdoof 

aqp' vxptnvgytop naffoXttg ßgorovg (Suppl. 86 f.), 
denn es ist klar, dass der allgemeine nntz sich auf die vorher 
und nachher beNprochcnc spcciellc absieht und erwurtung der Ae- 
gyptiaden bezieht , daNN aUo von den fXnidtg Ixpinvgyoi nicht um 
ihrer hökg willen, sondern um der iundhaftiijkeii ihres gegenstän- 
des willen die menschen gCMtürzt werden. Sonst könnte der zerNttf* 
rende wülensurt der goUheit nicht ein ^*t]fiop qigi'fti^u (v. 90) 



^4^ AeschyloS and IteroflotoS» 

heissen , was ja eben eine erinnerung an vorhergegangene schuld 
des menschen andeutet. 

Ebenso kann in Prom. 583 f. , wo die leidende lo , nachdem 
sie sich von Zeus den tod gewünscht, hinzusetzt : 

fiTjdi (xoi q)0^ovi'}ay<; 

evyfidtcovt äva^, — 
nicht der sinn liegen: der allein leidensfreie (Prom. 50) go'tter- 
könig möge der verfolgten den wünsch gleicher leidensfreiheit 
nicht missgönnen ; denn der tod, nach welchem sie verlangt, lässt 
sich in keiner weise mit der lebensvollen Seligkeit des Olympiers 
vergleichen. Das qO^ovsiv bedeutet hier vielmehr dasselbe, wie 
tsfitaät; und lo fordert von Zeus weiter nichts, als dass er in 
ihrem todeswunsche keine stinde finden , und ihr desshalb die er- 
füUung desselben nicht vorenthalten möge. 

Weniger einfach ergiebt sich diese bedeutung des göttlichen 
qj&opog als der strafenden gerechtigkeit aus der scene im Aga- 
memnon , wo der könig und Klytämnestra verschiedener ansieht 
sind über die frage, ob Agamemnon das recht habe, auf den aus. 
gebreiteten purpurteppichen in das thor seines palastes zu schrei- 
ten. Klytämnestra hat sich (Ag. 862 ff.) einem heuchlerischen 
freudenausbruche hingegeben über die rückkehr des, wie sie glau- 
bend machen will, geliebten gemahls ; sie will dieser frcude auch 
einen thatsächlichen ausdruck verleihen durch den prachtvollen 
empfang, welchen sie zuzubereiten im begrifl' ist, und ruft mit 
beziehung auf beides aus: q)&6vog 5' untaTO)' noXXa yuQ la 
7iq\v xax« I rji'£ixofi£C[da (Ag. 871). Es ist sehr die frage, ob 
Klytämnestra hiermit den neid der götler meint. Denn erst die 
rede des gemahls (885 ff.) bringt sie überhaupt auf den gedan- 
ken , dass noch zweifei entstehen könnten über die billigung ih- 
res planes von Seiten der götterj dieses ersehen wir aus ihrer 
verwunderten frage: ifv^co &eoh' daiaui,' Tt»' coö' bqÖsiv tdds; 
(Ag. 900 nach Schneidewin). Es liegt in diesen Worten eine 
starke ironie auf die religiöse scheu des Agamemnon ^ welche 
Klytämnestra nicht theilt , weshalb sie es auch vorher nicht für 
nöthig halten konnte, den neid der götter ausdrücklich hinwegzu- 
wünschen. Sie meint vielmehr den q&övog der unterthanen, spe- 
ciell den der dabeistehenden choreuten , und erinnert desshalb an 
das viele leid, das sie sowohl, als der gemahl, bisher ausge- 
standen. Der Klytämnestra könnte man das glück, den gatten 



Aescliyfos and Herodotos. 243 

wieder zu haben, missgöniien , weil sie wahrend dessen abwesen- 
heit nicht eben glimpflich mit ihren untergebenen umgegangen ist 
(vgl. z. b. den prulüg) , und durch ihr verliältniss mit Aegisthus, 
wovon man wenigstens eine ahnung bei den choreuten vorausse- 
tzen darf, sich der freude, die alte kräftige stütze ihres daseins 
wieder zu erlangen , nicht sonderlich würdig gemacht hat. Aga- 
nemnon's glück könnte ein gegenständ des cpOoio^; beim volke 
sein , oder war es vielmehr nach den klaren Worten des chors 
(Ag. 430 ff. , vgl. 905) , weil er die blüthe der landeskinder sei- 
nem ehrgeize geopfert, und dadurch dessen ziel glücklich erreicht 
bat Das leid aber, welches die neider wieder versöhnen soll, 
wird, so weit es Klytämncstra betraf, von derselben nicht ohne 
absieht sehr wortreich geschildert, es ist der 8vaq)0Qog ßioi (826), 
die einsamkeit, welche sie, wie sie behauptet, erdulden niusste 
^828 f. vgl. Ch. 908), und mit deren erwähnung sie zugleich 
jeden schatten des Verdachts wegen ihrer untreue von der seele 
Agamemnons ferne halten will, — die schlimmen gerüchte von 
Troja her (830 ff.), welche sie sogar, wie sie sagt, zu wieder- 
holten Selbstmordversuchen veranlassten (839 ff.), — die furcht 
vor einem etwaigen volksaufstande (850 ff.) und ihre thninen 
und schlaflosen nachte um dieses alles , wovon erstere durch ihre 
abwesenheit glänzen (854 fl'.). Tuvja nuvta t'käaa (862) glaubt 
sie, wie sie sagt, ein volles recht zu haben zur unverkümmerten 
freude über die heimkchr des gemahls. Die leiden Agamemnun's 
aber schildert uns der herold (529 ff. vgl. 614 ff.). Auch der 
könig hat demnach, meint klytämnestrn, genug gebüsst, um nun 
unbcneidct geniessen zu dürfen. 

Man wende nicht ein, duss ja Klylamtieslra (Ag. 1,'^63 ft'., 
1643) sich um die Volksstimme nichts kümmere, und dcNbalb 
die furcht davor ebensowenig kenne, als die vor der gottheit; 
dies ist nllerdiiigs ihre wahre herzeiismeinung, — aber so lange 
sie mit Agamemnon spricht, muss sie sich stellen ^ als kümmerte 
sie sich um dergleichen, — daher z. b. 850 ff. die angebliche be- 
sorgniNM vor der di^^nOQnv^' utu(t^u(. Wenn gleichwohl in ihrer 
Unterredung mit Agamemnon selbst noch ihre wirkliche gesin* 
nung zu tage kommt: fi^ rvv ror afO^tomiov aidtnOl^' t^o/'or 
(904) und: o d' dqOoftitof y* ovn init^nXoii ntXit (006), so Imt 
dieses seinen guten pNyrhnlngisrhen grnnd. Die bisherigen nrgu- 
mcnte, wol>ei sie das dccorum der rücksicht auf die volksmeinung 

16* 



^44 Aeschylos und Herodotos. 

zu wahren suchte, haben nicht verfang-en wollen; daher rückt sie 
jetzt mit dem heraus, was sie gleich anfang-s sagen wollte : „lass 
die leute reden was sie wollen , — und folg"e mir !" Dies hin- 
dert also nicht, an der oben citirten stelle an den qi&ovos der 
unterthanen zu denken. Andererseits ist, wie schon bemerkt 
wurde, Klytämnestra gar nicht im stände, die götterscheu des 
Agamemnon in dieser sache zu fassen: dieselbe erscheint ihr lä- 
cherlich, — und der einzige wahre grund der Weigerung, wel- 
chen sie dem Agamemnon zuzutrauen vermag — da sie selbst 
heuchelt, hält sie auch ihn für einen heuchler, — ist menschen.' 
furcht, wie sie es v. 904 deutlich heraussagt. Somit würde also 
der (f&ovog^ von welchem Klytämnestra redet, gar nicht in das 
kapitel vom neide der götter gehören. 

Setzen wir aber den fall, es wäre dem so, Klytämnestra 
hätte sich wirklich des cp^ovog der gottheit erinnert. Auch dann 
ist noch kein grund vorhanden, hier eine furcht vor gemeinem 
neide der himmlischen zu finden. Klytämnestra, die sich überall 
die schönsten Sentenzen aneignet, war dabei, wie der chor den 
Zeus bezeichnete als tov na&si ^a&og &8vza nvgicog iiHv 
(Ag. 164 f.). Diese idee reproducirt sie in ihrer weise, wenn 
sie in dem erduldeten leiden den grund findet, warum der cp&ovog 
fern bleiben solle. „Der gott , welcher uns durch leiden erkennt- 
niss zukommen lässt, der wird nun auch über unsere stolze freude 
nicht zürnen, da eben diese erkenntniss des masses uns vor gott- 
loser überhebung und frevel, also vor der herausforderung der 
göttlichen räche bewahren wird." So ist ihr gedankengang. 
Demgemäss ist sie auch der meinung (925 ff.), dass die 
gaben, welche die gÖtter dem hause einmal so reichlich be- 
scheert haben, von seiten des besitzers einer beliebigen Verwen- 
dung ohne gefährde unterliegen, da ja durch das frühere missge- 
schick das herz gelernt habe, jedes glück ohne vßgtg zu ertra- 
gen. — Agamemnon denkt anders , d. h. vorsichtiger (881 ff.). 
Weil er wirklich viel gelitten hat, so ist ihm auch in Wirklich- 
keit erkenntniss zu theil geworden, während Klytämnestra, wel- 
che das eine erlügt, auch das andere nicht hat. Die dem ab. 
gründe der vßgig entgegentaumelnde königin hat ihre oben aus- 
gesprochene ganz richtige grundidee nur vom hörensagen, und be- 
nutzt dieselbe mit der logik des egoismus in sophistischer weise 
tu ihren gunsten, weil sie sich selbst nicht erkennt, noch erken- 



AeschyloB und Hcrodotos. 245 

nen will; sie ist entschlossen, der göttlichen räche trotz zu bie- 
ten, und den gemahl wo möglich in Sicherheit zu wiegen, äu- 
ssert also die Überzeugung, dass der einmal geprüfte mensch auch 
im höchsten glänze seine haltung zu bewahren wisse. Agamem- 
non, welcher aus erfahrung redet, zieht gerade den umgekehrten 
schluss aus denselben prämissen. Eben weil er im leid gelernt 
bat, und daher weiss, wie schwer es ist, im glücke sich zu ma- 
ssigen, weicht er ängstlich jeder veranlassung aus, aufs neue in 
Versuchung geführt zu werden ; wenn er sich den göttern gleich- 
stellte, fürchtet er, möchte die alte vßgig über ihn kommen, und 
ihm das Schicksal des Priamos bereiten, welches in dem schnei* 
denden doppelsinne der worte ausgedrückt ist: iv noixiXotg äv 
xaQza fiOi ßijvai doxei (903). Daher meint er mit nachdruck 
t6 fiTi xaxms (pQoveTv &£0v fiByictov Smgov (894), womit 
sich denn auch in seinem mund, aber ernstlich gemeint und eigen, 
die Worte des chors (164 f) wiederholen. Es wäre thorheit, 
meint er, sich aufs neue der eben mit schweren opfern überstan- 
denen gefahr auszusetzen; der schwache mensch darf seiner sitt- 
lichen haltung nie zu sehr vertrauen. Der cfoßog also, welchen 
er hegt, über den purpurpfad zu wandeln (891), ist die furcht vor 
der eigenen, den göttlichen zorn weckenden vßQn; sniqt&ovog ist 
jener pfad (882), dem qp^oyof der himmlischen (914) ausgesetzt 
in Agamemnon's sinne darum , weil er der gerade weg zur vßQtg 
ist, welcher die art] immer auf dem fusse folgt. Denn auch die 
(fr'jfiTi ftrjpioOQOvg (905), welche Klytämnestra so verachtet, ist 
dem könige nichts anderes, als die warnende vox dei. Seine 
schwache allein ist es, dass er dennoch (wie Amphiaraos) endlich 
sich überreden lässt, zu thun, was gegen sein richtiges gefülil 
geht, — was er noch zuletzt diircb das aus/j'ilicn der srlmbe 
deutlich merken lässt (911 ff. 

Für diese autTasHung des (fOövog an diesem orte spricht 
auch noch die congrucnz der beiden stellen : 

yia\ loig Öi f*' ifißaivopO* dXovQyiaip &b(dp 
fiij fi^ nQoamOtvofiftatosßdXot q>06 pog (91S (,) 
und i6p HQatovpra fiaX&aHme 

Bn g riifo öonü BP BVfiBpmgnQog8BQH9tat(0\H(.), 
Mit den letzteren Worten begründet Agamemnon seine aufTordenin^ 
zur milden hehaiidhing der gefangenen KasHandra an die königin. 
In den beiden vom blicke der göttcr handelnden versen 914 und 



246 Aescliylos und Herodotos. 

919 entsprechen sich als g-eg^ensätze cp&nvog und EVfisvmt;, Die 
zweite stelle enthält eine Warnung vor übermüthig-em frevel, — 
und dadurch fällt ein ganz bestimmtes licht auf die erste. Das 
allgemeine resultat aus beiden ist dieses: wer vor ausschreitender 
gewaltsamkeit, d. h. vor vßQig^ sich hütet, auf den schauen die 
götter wohlgefällig, — wer aber nicht so klug ist, die veranlas- 
sung hierzu zu meiden , den trifft der blick ihres zornes. Der 
qi&ovog ist also auch hier wieder die gerechte vBfAsaig, 

Fassen wir demnach den gedaukengehalt der bisher bespro- 
chenen scene kurz zusammen, so ergiebt sich (wenn wir v. 871 
den cp&ot'ng der götter finden wollen) : Agamemnon und Klytäm- 
nestra sind im wesentlichen einer ansieht über die hauptfrage, 
nämlich derjenigen, dass die gesinnung des menschen es sei, wel- 
che der götter gunst oder Ungunst herbeiziehe, nie aber das hohe 
glück und dessen genuss an und für sich ; die differenz zwischen 
beiden besteht nur darin, dass Klytämnestra im vorliegenden falle 
sich den anschein giebt, zu glauben, es sei keine herausforde- 
rung- der v^Qig zu befürchten , Agamemnon aber das gegentheil 
behauptet. 

Wir haben oben gesehen, dass ein den göttern mit recht 
verhasster pfad ein noQog inicp&ovog hiess (Ag. 882). Das wort 
wird auch in activer bedeutung von den göttern gebraucht, so 
Ag. 127 (nach Schneidewin) 

oiKOi yocQ iniqi&ovog .A^zsixig äyva 
nravoiaiv ava\ natQog, 
Der grund des cpd^ovog ist das mahl der adler, v. 130: aiv/sl 
ÖS dsiTTvov aieT^v, wo Inlcp&ovog mit czvyETv wiedergegeben ist. 
Die adler sind die Atriden, wie v. 119 f., das ösmvov ist Troia, 
wie V. 121 ff. zeigt. Artemis hegt hier durchaus nicht blosse 
eifersucht auf die macht eines irdischen königshauses, sondern sie 
zürnt einer eroberung, welche, ohne göttlichen befehl, bloss aus 
ehrbegierde unternommen, in frevelhaftem muthe eine ihr heilige 
Stadt sammt deren tempeln und altären dem boden gleich machte (denn 
das 7Z8(i7TEiv der ^EQivvg durch Zeus v. 59 ist wie v. 720 ein 
blosses zulassen). Es ist also gerechter hass, nicht neid, was 
durch ifilcp&ovog und aivyeiv ausgedrückt wird. — Eben so ver- 
hält es sich mit den oQX7]OfioTg tnicf^ovoig nodog (Eum. 368) der 
Erinyen, wenn das wort überhaupt activisch gebraucht ist. Der hoch- 
fahrende stolz des frevlerg sinkt, wie die rachegöttinnen sagen, vor 



Aescliylo« und Herodotos. 247 

ihrer macht in den staub; und das anrücken dieser macht wird 
ein „zornerfülltes daherschwehen" g-enannt , das einherbrausen der 
räche wider die v^qk;. Die ganze natur dieser unterirdischen 
g-Öttinnen Terhietet schon, bei ihnen ein so menschliches gefühl, 
wie den neid, zu suchen. — 

Als letzten beleg dafür, dass der git^oVo»; immer eine positive 
herousforderung der götter bei Aeschylos voraussetze, citiren wir 
noch das allerdings verstümmelte fragment der Nereiden (fr 157); 

tPagoxiavTag de qixyofog av^^Jt-ii 

eyxoTog vxpov 

rslog d&avdtmv anoXeixpBtj 

fi^Bi T* tx^Qovg» 
Die weitere ausführung dieser worte liefert der ganze erste theil 
des dramas der sieben gegen Theben bis zur peripetie nach 
V8. 700. — 

Wir stellten am anfang dieser Untersuchung den satz auf, 
dass es zur richtigen Würdigung des (fOovog vor allem nöthig 
sei, sich jedesmal nach dem gründe desselben zu erkundigen. 
Wir fanden , dass bei Aeschylos dieser grund überall menschliche 
schuld ist und somit der gottliche (f&orog bei ihm die bcdeutung 
des gerechten Unwillens, der rffisatg^ hat. Neben diesem aufsu- 
chen des grundes müssen wir nun bei Herodot noch ein zweites 
moment im äuge bebalfen, welches für die characterisirung dieses 
Schriftstellers von grossem gewichte ist, — nämlich seine be- 
ständige bcrufung auf die erfahrung. Die art , wie Aeschylos 
und wie Herodot göttliches und nicnschliches in Verbindung mit- 
einander bringen, unterscheidet sich, wenn die vergleichung er- 
laubt ist, wie Syllogismus und induction. Ersterer, von einem 
fertigen gottesbegritfe ausgehend, leitet aus diesem sein urtheil 
über alle einzelnen crHcheinungcn ab; letzterer sucht ous der Viel- 
heit der erscheinungen die erkenntniss des in denselben wnlten- 
dcii '/< / u innen. Da aber in religiösen fragen immer 

zuii I I des gefühlslebens auch mit über den grad 

der erkenntniss entscheidet, so erzeugte das reichere und tiefere 
genüth des Aeschylos auch eine höhere gottesidee, wiihrend He 
rodot auf seinem wcge zur gottcserkenntniss zu früh stehen blieb, 
weil er zu früh befriedigt war. Ks leuchtet ein , duss schon die 
verschiedene aufgäbe des dichters und des geschichtscbreiherri die- 
sen unterschied mannigfach bedingt ; aber in reringerem grade 



248 Aescbylos nnd Herodotog. 

Hesse sich derselbe auch zwischen Aeschylos und Sophokles nach- 
weisen; letzte Ursache ist immer die überwieg^ende richtungf der 
seele entweder auf das g-öttliche, oder auf das menschliche. 

Verfolgen wir diese gedanken in's einzelne, indem wir die 
einschlagenden stellen Herodot's betrachten. Am meisten auf« 
merksamkeit fordert unter diesen 'gleich die erste, I, 32, weil 
sie in Verbindung mit I, 34 einen scheinbaren anhaltspunkt für 
die schon vielfach aufgestellte ansieht gewährt, dass Herodot un- 
ter q)&6vog der gottheit nur das verstehe, „was andere Griechen 
lieber die göttliche psfisaig nannten" (K. 0. Müller L. G. 1. c), 
— einen scheinbaren wenigstens in dem falle, wenn unter diesen 
andern Griechen auch Aeschylos mit inbegriffen sein, und demge- 
mäss der begriff der VE^isaig scharf gefasst werden soll. 

Die berühmte antwort Solon's auf des Krösos bekannte ver- 
wunderte frage lautet Herod. I, 32: m KgoTae, sTziaTcifiEvor fis lo 
&elov näv iov (p&ovsQOp rs aal TaQU^codsg snsiQcotag av&QCOTZtjtcov 
nQTjyfidroDv tzeqi; dann setzt er dem könige auseinander, wie von 
den 26250 tagen, welche ein gewöhnliches menschenleben etwa um- 
fasse, kein einziger dem andern gleich sei, jeder wieder neues 
bringe, und schliesst : ovtco mv , m Kqoios ^ näv iozi av&QcoTzog 
(SVfiq^OQti. Solon, der vielerfahrene und vielgeprüfte, hat aus ei- 
gener beobachtung die Wahrheit gewonnen, dass das menschliche 
leben ewigem Wechsel unterworfen sei. Aus diesesem erfahrungs- 
satze schöpft er wie das vorhergehende yoLQ zeigt, seine Überzeugung 
(ijTziardnEvov^^) vom qiß^ovog und der reizbarkeit der götter ; und die- 
selbe Überlegung , welche nach der seite des menschlichen hin zu dem 
resultate führt, dass der mensch „ganz zufall" sei, ergiebt für die 
gottheit die prädicate (p&ovsgop und zaga^öodsg* Zufällig und unvor- 
hergesehen aber sind vor allem andern die blinden leidenschaften ; die 
Willkür lässt sich nicht berechnen, und deshalb kann, wer von ihr ab- 
hängig ist, näv avjicpoQ]] genannt werden. Nothwendig dagegen und 
vorherzusehen ist die selbstbewusste strafende gerechtigkeit ; und 
wen sie trifft, den trifft sie nicht in folge der allgemeinen mensch- 
lichen Unterworfenheit unter eine höhere macht, sondern aus ganz 
persönlichen und guten sittlichen gründen. Wo letztere fehlen, 
da ist eben nicht gerechtigkeit, sondern leidenschaft. Sie fehlen 
an unserer stelle; es wird im folgenden nur ausgeführt, dass bis 
zum letzten tage das Schicksal des menschen ungewiss, und dass 
überhaupt auf erden nur eine relative höhe des glückes denkbar 



Aeschylot and Uerodotos. 249 

sei, ohne vollständige avTagmia, — dass ferner auch von dieser 
höhe herab ein plötzlicher stürz häufig; g^enug; stattfinde, — lauter 
erfahrung'ssätze , deren letzter lautet: TXoXXoiai yaQ drj v n o d i- 
J^as olßop 6 ^soe n goggi^ovs avsTQExpe, Hier ist also nicht 
nur (p&oto^ im sinne des Aristoteles, — hier ist sogar ini^aigi- 
hukCu, die den unglücklichen einen augenblick auf die hiihe der 
hoffnung lockt, um ihn dann rettungslos hinabzuschleudern, um 
sich dadurch das grausame vergnügen ausschliesslichen machtbe- 
wusstseins zu verschaffen. 

Aber es heisst I, 34 weiter: als Solon abgereist war, traf 
den Krösus ix &bov psfjisais iitydXri , mg gixdaaiy 6t i ivofitas 
itovtot thai uv&Qmncov ändvicov aXßi^tarov. Betrachten wir, 
wie bisher, den grund dieser vsfxsaig y und lassen wir uns, wenn 
der begriff ein anderer ist, als der gewöhnliche, durch das wort 
nicht täuschen. Denn wenn man sonst wohl bemüht gewesen 
ist, eben aus diesem worte für den obigen q)&6vos eine höhere 
hedeutung herzuleiten, so möchte sich vielleicht uns umgekehrt 
aus der gleichheit der veranlassung zu diesem und zur ve'^taie 
für letztere eine niedrigere bedeutung ergeben. — Das Unglück, 
den einzig hoffnungsvollen söhn zu verlieren, trifft den Krösos, 
nach Herodot^s ausdrücklich eigener annähme, weil er sich für 
den glücklichsten aller menschen gehalten hatte. Dies ist also 
in den äugen der gottheit sein grösstes verbrechen. Vielleicht 
fehlten dem Herodot andere gründe, aus denen jenes Unglück etwa 
hergeleitet werden konnte, — vielleicht war Krösos sonst ein 
tugeiidspiegel, welchem eben nichts anderes vorzuwerfen war, als 
jenes stolze glücksbewusstsein ? Wir lesen I, 92 von einer i^e- 
velhaften hnndlung des königs: dass er einem früheren gegner 
seiner tbronbesteigung den grausamsten martertod angetlian habe. 
Die gottheit aber, welche doch sonst hei Herodot den frevel nicht 
ungestraft lässt (vgl. z. h. III, 126. IV, 205. VI, 86), nimmt 
nicht von dieser that Veranlassung zur strafe , sondern lediglich 
von der hohen mcinung des Krösos über sein glück ; ihre fi^taig 
ist nicht eine Xvntj über den dvaiitog tl ngdrttop , soudcrn 
über den tv ngutimv üherhaupty und sinkt dadurch zu der hedeu- 
tunpf des (plfüfo^ als eines menschlichen nüOo,; herab. 

Wir sprechen hier nicht von der weiteren gcsrhichte de» 
KrortOH, eben so nirht von drs Aegypters IHykerinos gcsrhirkc (II, 
133 f. , zwti f.ilU', in urlrlun ruiir dem anscheine nach für uo- 



250 Acschylos und Herodotos. 

sre Untersuchung- mancher stofF sich findet, in denen aber das 
persönliche element der gottheit ganz zurücktritt, und die blinde 
fioiQU (I, 91) zu sehr vorwaltet, — weshalb hier von einer sitt- 
lichen Weltregierung- oder einem nd&og eigentlich nicht die rede 
sein kann. Wir wenden uns zu der bekanntesten stelle Herodot's 
über den g-Öttlichen q)06vogj zu der erzählung- von Polykrates 
und seinem freunde Ämasis (Herod. III, 40 ff.). Dem Polykrates 
g-eling-t alles, was er unternimmt; Amasis wird um deswillen be- 
sorgt, und schreibt ihm; Efiol 8s al aal fisydXai svrv)^iai ovx dge- 
öxovaty 70 &£iov STXtcsrafisvcp coi; eari cp&oregov, nai ymg ßovXofiai 
70 fiiv ri svTV'/86iv Tcöf TTQrjyfxaKov j To 08 7TQog7TTaisn>, nai OVJCO 
8iaq!^QSiv tov almva, ivaXXd^ TTQrjaamv , ?] Bvtvihiv td ndvta, 
ovdsva yoLQ yco Xayoct oi8a d x ov a ag oazig ig tsXog ov xaxtuf 
ijE}6i!rT](Ts TTQüQQi^ogj £VTV)(^Ecov T« ndvtu. Gegen die dem 
freunde drohende gefahr räth er als einziges heilmittel (f,dHEo" 
c. 40 fin.) die aufopferung des werthvollsten , was derselbe be- 
sitze; und wie nun auch der in's meer geworfene ring (c. 41) 
dem tyrannen von Samos wieder auf wunderbarem wege zu ban- 
den kommt (c. 42), da sagt ihm Amasis die freundschaft auf, er- 
kennend, ort ovx ev TsXtVTriaeiv fisXloi IIoXvxQdtijg svtv^emv rd 
ndvta (c. 43\ Es geschieht denn auch zuletzt, was der Aegypter 
befürchtet: Polykrates wird (c. 125) auf befehl des persischen 
Satrapen Oroites gekreuzigt. — Die erzählung hat mit 1, 32 viel- 
fache ähnlichkeit. Amasis gleichermassen , wie Solon, begründet 
sein iniataa&af von dem qidovog der gottheit einzig und allein 
mit der allgemeinen erfahrung: ovdsva ydg xoj Xoycp olda dxov- 
cag xrX. Herodot aber macht diese ansieht ganz zu der seinigen. 
Nirgends gibt er uns irgend welchen sittlichen grund an , warum 
den Polykrates jenes traurige loos habe ereilen müssen , wiewohl 
er um einen solchen nicht hätte verlegen sein können , da er 
selbst (III, 39 und 44 f.) von dem tyrannen mehrere handlungen 
berichtet, die vor dem forum der Sittlichkeit nicht bestehen; er 
bringt weder diese mit dem tragischen ende des mannes in Ver- 
bindung, noch findet er in der Verblendung, welche ihn das traum- 
gesicht seiner tochter (c. 124) misachten Hess, ausdrücklich et- 
was frevelhaftes. Und wenn man dem fofii^stv des Krösos 
(I, 34) noch möglicherweise etwas der vßQig ^nliches finden 
könnte, so ist von Polykrates auch nicht einmal berichtet, dass 
er auf sein glück besonders stolz gewesen sei (denn seine be- 



Aescitylos und üerodotos. 251 

handlung' des persiscben gesandtcu c. 121 war nach Herodot po- 
litik oder zufall ; — er strchte nur nach inachtausdehnung" ; und 
diese will ihm die g^ottheit nicht zuhissen. „Polykrates war im- 
mer g^lückiich ; — das konnte, wie die allg-emeine erfahrung^ zeiget, 
nicht so fortg^ehen ; denn noch keiner hat es bis zum ende so 
gpetrichen" — das ist die aus reiner empirie g-eschopfte rcflexion 
des historikers. Für die gfottheit folgt daraus, dass sie ohne un- 
terschied jeden, er sei g-ut oder böse, wenn er eine Zeitlang- ho- 
hes glück g-enossen hat, in den abg-rund stösst. Das ^eiop ist 
mit einem worte ttüp q^&oveQOf ^ und der mensch näv avpKfOQij. 
Vergleichen wir mit dieser ansieht die gründe, aus welchen Ae- 
schylos räth, einen theil der glücksladung bei zeiten auszuwer- 
fen — wie wir sie oben entwickelt haben — , so zeigt sich, dass 
dem Herodot in seiner darstellung dasjenige mittelglied fehlt zwi- 
schen der mittagshöhe und dem untergange hervorragenden glü- 
ckes, in welchem allein der zorn der götter seine begründung 
finden kann, — nämlich die v^qh. 

Dasselbe ergiebt sich aus dem gespriiche , welches zwischen 
Xerxes und Artabanos (^11, 46 ff.) während der flottcnmusterung 
hei Ahydos stattfindet. Xerxes, wie er (c. 45) die wasser des 
Hellespontos ganz bedeckt sieht von den segeln seiner flotte, 
preist sein loos glücklich, bricht aber gleich darauf in thränen 
aus bei dem gedanken , dass von all dieser hcrriichkeit binnen 
hundert jähren nichts mehr übrig sein werde (c. 46). Artabanos 
findet dieses Unglück nicht das grösste, sondern den umstand, 
dass auch trahrend dieses kurzen lebens für jeden ohne tHJsnahme 
momente eintreten, wo der tod sogar als wünschenswerth erschei- 
nen könne. Bis hieher haben wir eine anschauung, welche mit 
der äsrhyleischen vollkommen hnrmonirt. Nun aber die begrün- 
dung dieser thatsache aus der natur der gottheit : 6 dt if>£ov yXv- 
%vp yivaaf top aieöfa qiOopsgo ^ h avrüi rvQtaxtrai 
ioav. üeber dieses il {n'nxi'rut schuingt sich Herodot wieder nicht 
hinaus; er ßndrt, das» die gottheit Ursache der menschlichen »rrr/i- 
telf(üle ist, und beruhigt sich dabei; ohne sich nach den tieferlic- 
genden gründen zu erkundigen, welche dieselbe etwa vernnlasNen 
könnten, dem sterblichen nicht auf die dauer hohes glück zu ge- 
währen, lubstitiiirt er ihr einfach die he weggründe, welche er hei 
gleicher hnndlungsweiiie rincH mrnnrhrn vornuNsetzen würde; sein 
CBpirismuM fnlrf •>-•! fim nnthropopathismus. Ja wenn wir die 



252 Aeschyloa niid Herodotos. 

Worte: yXvxvp yevcjag tov aimva xrX. mit I, 34 vergleichen: 
V TZ 08 s^ag üXßov 6 &e6s — dvhQsxfjei — so macht uns die in 
beiden stellen ausgedrückte selbstthätigkeit der gottheit, womit sie 
den menschen hebt und wieder fallen lässt, durchaus den ein- 
druck schadenfroher Willkür^ nicht gerechter weltordnung. 

Den stärksten beweis dieser ansieht Herodot's erhalten wir 
in der früheren rede des Artabanos, welche den zweck hat, dem 
Xerxes von dem beabsichtigten heereszuge abzurathen (VII, 10), 
Dort lauten die worte des rathgebers §. 5: bgag ta vnsQt- 
lovta ^^)a ooi; xegavvoi 6 &s6gy ovÖe ia qjavTa^sa&aiy t« de 
afiiHQa ovösr ^iiv xvi^sf ogäg ds mg ig olxi^fiata tä fie- 
yiaja xat dsvögsa ia TOiavz aTioaxi^nTst rä ßsXsa' (piXssi yciQ 
6 &s6g T« vnsQE'iovra ndvta xoXov e iVy Und warum 
dies? ov yäg ?u (fgovieiv fisya 6 &s6g aXXov ^ scovtov. — 
Mit den ausdrücken ogag und qjiXssi beruft sich Herodot abermals 
auf die nackte erfahrung; der den göttern zugeschriebene ge- 
sichtspunkt ihres handelns ist ein ganz äusserlicher ; sie wollen 
sich die prärogative des fxsya (pgovESiv und (pavtdl^Ba&ai^ das Pri- 
vilegium der grosse nicht nehmen lassen. Daher wird auch ganz 
unbefangen mit den Schicksalen der vernunftlosen natur das des 
menschen parallelisirt , als wäre zwischen dem Verhältnisse beider 
zur gottheit (Jurchaus kein unterschied, — und eben damit ist ja 
die sittliche begründung des göttlichen handelns unmöglich ge- 
macht. Die gottheit Herodot's kann einmal nichts erhabenes ne- 
ben sich dulden, sei es, was es und wie es wolle; sie fragt in 
diesem falle nur: ob gross oder klein? aber sie fragt nicht? ob 
sittlich oder unsittlich ? 

Es kann niemandem einfallen , zu läugnen , dass die gottheit 
Herodot's auch eine wächterin über recht und unrecht auf erden 
sei ; die beispiele hiefür sind zahlreich und schlagend. Auch kennt 
Herodot sehr wohl den character und die Wirkungen der vßgig. 
In der bekannten stelle III, 80 ff. , wo die edeln der Perser nach 
dem Magiermorde sich über die zu wählende neue regierungsform 
streiten, stellt Otanes als hauptgefahr des monarchischen regimen- 
tes nichts anderes hin, als die vßgig^ welche syyivBtai vno imv 
nagsovTOJv dyadmVf denen der mensch nicht gewachsen sei: xal 
yäg UV xof dgiatov dvbgmv itaviav aidvia ig laviriv ti)v dg^^v 
ixrog tojv ico&oreov voTjfxdzmv OTijasiB. Von hieraus ist zur ethischen 
erklärung jedes menschlichen Unglückes nur noch ein schritt. Aber 



Aeschylos und Herodotos. 253 

dieser schritt wird von Herodot nicht gethan , weil er sich seine 
götter zu menschlich denkt. Es ist als träte bei ihnen angesichts 
ungewöhnlich hohen menschlichen glückes das gerechtigkeitsge- 
fühl ganx zurück, und verhielte sich ruhend, während ein die ei- 
genen rechte sich eifersüchtig wahrender egoisnius in den Vorder- 
grund tritt; denn in allen solchen fällen wird ja, wie wir zeig- 
ten , der Sturz des beglückten nur aus dem Vorhandensein des 
glückes selbst, nicht aus der art seiner erwerbung oder anwen- 
duog hergeleitet, und der vßoig wird dabei nie erwähnt. Auf 
upei wegen also dringt bei Herodot die höhere macht feindlich 
in's menschliche leben ein ; der eine richtet sich gegen das un- 
recht y der andere gegen die höhen der menschheit; beide fallen 
nicht, wie bei Aeschylos, zusammen. So lässt K^tos den Krösos 
(I, 86) vom Scheiterhaufen steigen dsiaag rijv tiaiv xa/ IniXe' 
^dfiSfog CO g ov d 8 V eitj r m v iv av ü q m tt o ta t a6q)aXf'.<x>i 
f^ov. Wenn man vom standpuncte des ganzen aus in den wcch- 
selfällen des menschenlebens bei Herodot nur eine göttliche gleich- 
gewichtspolitik ohne misgunst g(igGn den einzelnen finden will, so 
kann man allerdings von einer weltordnung reden (vgl. ßunscn gott 
in d. gsch. bd. H, p. 473 fl". : dagegen Nägelsbach, nachhomerische 
theologie p. 48 ff.), aber doch nur von einer mechanischen, nicht von 
einer sittlichen. Diese aber würde nach Herodot's sonstiger anschau- 
ung auf die fxoiQa zurückzuführen sein, die (nach I, IH) iiber i\an 
wünschen und neigungen der persönlichen einzelnen götter steht, 
wieder im gegensatze mit Aeschylos, bei welchem zwischen Zeus 
und .Moira das umgekehrte verhält niss stattfindet. Der Moira nun 
wird nirgends qi&ovog zugeschrieben , sondern immer nur dem 
Otio9> oder dem Oeng , — weil zu dieser cigenschaft eine person 
gehört. Sobald wir es aber mit einer person zu thun haben, 
müssen wir sittliche anforderungen stellen , und dann reicht die 
erklärung des (pOopog als einer blossen manifestation der Weit- 
ordnung nicht mehr aus. Das mensrhliche individuum, das gerade 
das Unglück hat, jenes göttliche HoXoveii an sich zu erfahren, hat 
da« recht, an da« göttliche Individuum, von dem dasselbe her- 
■tammt, die frage zu stellen , um welcher schuld willen die gott- 
heit sich so erweise: und wenn diese frage nicht befriedigend tÜr 
da« «ittliche gefühl beantwortet wird, wie «ic es bei Herodot nicht 
wird, «o bleibt auf dem gottc der Vorwurf der willkür haften, 
ood wir dürfen die Worte des Otanc« bei Herodot (I. c): (fOorog 



254 Aescliylos und Herociotos. 

de anpji^ev ifKfvsrat ar&gmnq) ohne irgend welche Veränderung' 
des sinnes auf die gottheit Herodot's anwenden. Von diesem ge- 
sichtspuncte aus bedeuten auch die worte, womit Herodot das 
schreckliche ende der grausamen Pheretime erklärt (IV, 205): 
(og uga uvQQOdnoiai al li't]p la/VQul TtfxcoQiai ngog dtmv s tz i- 
(p& vo i yivovrai — nichts anderes , als dass die gottheit auch 
in ausübung einer ausgedehnten Strafgewalt sich nicht von den 
menschen wolle erreichen lassen. Wie bei Aeschylos auch fre- 
velhafte menschen dem hohen willen des Zeus zur ausführung 
dienen müssen, so müssen bei Herodot auch neidische götter die 
ewigen fügungen der Moira in's werk setzen helfen. 

Der göttliche (^.doiog bei Herodot und bei Aeschylos sind 
also zwei wesentlich verschiedene dinge. Bei Herodot ist es ein 
eifersüchtiger egoismus nach menschlichem muster, — bei Aeschy- 
los eine äusserungsform des göttlichen rechtsgefühls. Bei Hero- 
dot lässt die gottheit den menschen , wenn er nicht auffallende 
frevel verübt , und auch dann zuweilen , im allgemeinen sein we- 
sen treiben, so lange es geht; will ein bäum in den himmel wach- 
sen , so fährt der blitz des Zeus herab , und schmettert ihn nie- 
der, ohne dass man eigentlich wüsste, warum; und so bleibt nur 
die auskunft einer blinden eifersucht der gottheit. Aeschylos hält 
es unter der würde der himmlischen, sich von kleinlicher miss- 
gunst beherrschen zu lassen ; seine götter geben den faden nie 
aus der band, an welchem sie die geschicke der menschheit lei- 
ten, gewähren aber dabei dem freien willen den nöthigen Spiel- 
raum; alles wohl und wehe der sterblichen hängt ihm zusammen 
mit ihrer sittlichen Stellung zur gottheit, d. h. zu den von ihr 
verwalteten gesetzen des ewigen rechts, zu deren erkenntniss die 
gottheit wiederum selbst erziehende anleitung und bedeutungsvolle 
winke giebt. Herodot formt sich , weil er lediglich von der er- 
fahrung ausgeht, seinen gott nach menschlichem bilde, — und 
weil ihm die Unreinheit des menschlichen herzens wohl bekannt 
ist, sucht er auch im Olympos keine reine motive; Aeschylos hält 
ein ideales bild von der gottheit fest, wie sein frommes bewusstsein 
es forderte, und findet dasselbe überall wieder im Spiegel der 
menschlichen Verhältnisse. Herodot zieht die gottheit in den er- 
denstaub herab; Aeschylos lässt den menschen auf dem pfade 
gottgesandter leiden sich dem göttlichen nähern ; hierin mit So- 
phokles eines sinns. Aber im ganzen ist unser dichter mit sei- 



Aeschylos ond Herodotos. 255 

Dem gfottesbegriflPe seiner zeit so weit voraus , dass erst wieder 
der erleuchtete Plato iii ganzer fülle den grundgedanken wieder* 
holt, der alle dichtungen des AescLylos beherrscht: Oeo^ ovöa/ji^ 
ovdufÄoif udtxo^ f uXX' olov TC öixuiotuto^ ^ xai oix iativ avtta 
OfiOioTtQor ovdh /) 0(,' UV TjfÄOJp ai ytnjrai ozi dixaiotazoii. 7it{)l 
rovTOV xu^ tj ojv uli^ff^g öeiforr/g arSgog xa] ovdstt'a rg xai 
utapdQia (Theaet. 176 C), und: Ofiniojaig (i'^fw) 8s ÖCuaior y.ui 
uatov fi£Tu q(j()tt'^asaj^ yivtaOai (ibid. B) : cf. Republ. X, |». 618. 

Doch wir besitzen von Aeschylos noch ein drania, in welchem 
des göttlichen qpi^oiov' ausdrücklich erwähnt wird, und dessen gao* 
zer Stoff den dichter darauf hinwies, über diese frage sich klar 
zu äussern. Es ist dasselbe , welches uns auch die gelegenhcit 
bietet , Herodot und Aeschylos mit ihren aussagen über die gott- 
Leit in einer und derselben sache zu confrontiren, — es sind die 
Perser. Die zwei puncte, auf welche sich hier die Untersuchung 
zu richten hat, sind: die behandlung der person des Dareios und 
die frage nach dem rechte des Xerxes. 

Ehe wir aber die meinungen beider schriftsteiier über diese 
puncte hören, müssen wir untersuchen, wie weit der ältere 
dichter von beiden unterrichtet war. Aeschylos war ein patrioti« 
scher Athener und um das politische wohl seiner Vaterstadt be- 
sorgt; dies zeigen uns die Eumeuiden und lliketiden, dieser geist 
webt aus dem drama der Perser selbst, in diesem lässt Aristo- 
phanes den Aeschylos in den fröschen reden. Aeschylos hat bei 
.Marathon mitgekämpft, wie sein grabepigramm uns sagt. Bei 
3laralhon befehligte Miltiades; sollte nach Athen vor Herodot gar 
keine künde gedrungen sein voo dem (nach Uerod. IV, 137) frü- 
her geäusserten nationalen sinne dieses mannes, welcher die rück- 
zugsbrücke des persischen heeres über den Istros abzubrechen 
rieth , um lonien zu befreien i Sollte man sich bei dieser gele- 
genhcit nicht zugleich erkundigt haben, welcher persische könig 
jenen zug über den Bosporos und Istros ins Skylhenland unter- 
nommen, uod erfahren haben, dass es derselbe war, dessen hcer 
jetzt im gefilde von .Marathon stand, Athen den Untergang dro- 
hende iiatte doch^ Athen (\, DU; den aufstand der lonier ge- 
gen eben diesen Dareios unterstützt, hatten die bürger doch (VI, 
21) im theater die hellen thränen vergossen, als Phrynichos seine 
MiXt'irov a),(o(Jiit' oufführte, und den dichter um tausend drachmen 
gestraft u^* uru/ii'/^aarra oi»i/<a xuxal Und dann kamen ja 



256 Aeschyloa und Herodotos. 

die boten des Dareios nach Athen , erde und wasser zu fordern 
(VI, 48) , die ihnen mit so blutigem höhne verweig-ert wurden 
(VII, 133). Sollten endlich die flammen von Sardis nicht in die 
athenischen herzen ihren wiederschein geworfen, sollte der Schiff- 
bruch am Athos nicht allgemeinen jubel dort erregt haben? Wahr- 
lich, für einen Athener bedurfte es nicht erst der laiogirjg oltio- 
ÖE^tg des Herodot, um von diesen dingen unterrichtet zu sein, — 
zumal aber für einen Aeschylos nicht, der für alles vaterländische 
so begeistert war. VTeiss derselbe ja sogar (Pers. 740 ff. 801 ff.) 
von den alten orakeln , welche am persischen hofe (Herod. VII, 6. 
IX, 42 f.) über den bevorstehenden krieg im schwänge gingen, 
und hat vielleicht in seinem Phineus (nach Welcker) von den- 
selben ausgedehnten gebrauch gemacht. 

Halten wir demnach den gesichtspunct fest, dass dem Ae- 
schylos das wesentliche aus der geschichte der letzten Jahrzehnte 
vor den Perserkriegen bekannt war, so werden wir bald finden, 
dass er mit dieser und ihrem darsteller Herodot im auffallendsten 
Widerspruche sich befindet. Betrachten wir zunächst die gestalt 
des Dareios. Dieser war nach Aeschylos (Pers. 648) ein mann, 
oiov ovnco Ilsgalg aT sxdXvxpsv, ein (piXog avi^g (650), ein oiog 
ava^ (653), ein TzajrjQ anaxog (665. 672). Unter seinem scepter 
wohnte sein volk glücklich und im frieden ; denn er waltete mit 
göttlicher Weisheit (657) , und führte die schaaren der Seinen 
wohl (658); alles herrliche wird seiner regierung zugeschrieben 
in dem wehmüthig - stolzen chorgesange Pers. 854 ff.. — Was 
sagt hiezu die geschichte? Wenn Aeschylos den Dareios als na- 
triQ bezeichnen lässt (665), so erzählt uns Herodot (III , 89), dass 
Dareios durch administrative und finanzielle eintheilung des reiches 
seine lander und einkünfte ordnete : dia ds zavirjv zrjv sTziza^iy 
zov qjOQOv xal naganlriaia Tavrrj aXla Xsyovai IHgaai, oog /i a- 
QSiog (xsv Tjv üd 7Ti]Xog j Kafißvorjg ds 8sa7zu7i]g j KvQog Ös 
TtaTTjQy letzteres , ozi ^Tziog ts aal dya&d aqii ndvza ifxrjxavrj^ 
6ato (vgl. Pers. 772: avq)Q(ov), Somit überträgt hier Aeschylos 
ein prädicat des Kyros kurzweg auf Dareios. — Wie es sich 
mit dem axanog und cpiXog dtrJQ verhält, darüber belehrt uns die 
vergleichung von Herod. IV, 84 und VII, 39; in der ersten stelle 
wird dem Dareios dieselbe grausamkeit zugeschrieben, wie in der 
zweiten dem Xerxes ; nur erscheint Dareios blutdürstiger und zu- 
gleich tückisch. — Wenn Dareios bei Aeschylos erzählt, wie die 



Aeschylos und Herodotos. 257 

heiTschaft auf ihn selbst überg-iiig- (Pers. 775 ff.), so preist er 
zwar die binwegräumung- des Pseiidosmerdis (Mardos) als eine edle 
that, hat sie aber doch nicht selbst vollbracht, und also seine 
hände nicht mit blut befleckt. Bei Herodot (III, 70 ff.) dage- 
g-en ist Dareios der rädelsführer des mordanschlages gegen die 
Mag-ier (vgl. c. 76), und entwickelt (c. 70 und 72) bei dieser 
geleg'enkeit äusserst laxe sittliche grundsätze, welche ihm der ei- 
gennntz dictirt , wie früher (I, 187) sein benehmen g'egen das 
grabmal der Semiraniis. — Der Dareios des Aeschylos macht 
(Pers. 745 ff.) seinem söhne die schwersten vorwürfe darüber, 
dass er über den nacken des heiligen Hellespontos eine brücke 
geschlagen und dem Poseidon habe obsiegen wollen ; etwas ähn- 
liches durfte er also, nach der ansieht des Aeschylos, durchaus 
nicht selbst verübt haben. Aber Herodot berichtet uns (IV, 85. 
VII, 10, 3), dass Dareios den thrakischen Bosporos genau dersel- 
ben behandlung unterworfen hat, welche nach Aeschylos der Hel- 
lespont durch Xerxes erfuhr. Das weihgeschenk aber des reich- 
belohnten baumeisters Mandrokles an die samische Here stellte 
den Übergang des heeres dar und darüber den Dareios auf dem 
hochsitz thronend, mit der stolzen Umschrift: 

BoanoQov ix^voevra ysq!V()(6aa^ dteOtjxs 
MapdQOxXf'tjt "Hgid fivrjfAnavfov Gi^dlijQ^ 
avrqp piev aifCfafov negiüstt; ^ Zapiioiai dt nvboq^ 
JuQet'ov ßaaiXhg ixTeXtaag xara povv, 
lltr. I\, 88. Wer erinnert sich nicht des über der burlii v«>n 
Salamis thronenden Xerxes, Pers. 461 f.: 

fÖQftv ycLQ tJxt navthti elay^ argarovy 
vxpr^Xo*' f))^f>op ayu rthXuylai aXos; — ? 
Die hecrc de« Dareios kamen nach Aeschylos anovoi und nnaOeXg 
von ihren feldzügen wieder heim (Pers. 800); Herodot weiss ca 
ander«, und theilt mit, dass Dareios vom Skythenzuge heimkehrte 
noXXnvi xa/ uyuOoxx: iii<i (jr(K/T«»/tf anoj^aXtöt (^11, 10), von je- 
nem Skythenzuge, welchen der weine ArtabnnoH ernstlich wider- 
nti\\: aXl! ov y«(* trtnOi avfißntXtvtop ni /('»/«Jt« (IV, 88). He- 
rodot Rpricht nusfilhrlich von den grosnen nirderlngen bei Mara- 
thon und nm AlhoN (M, 41 und 102 ff.); Aeschylos lässt sich 
lieber die gute gelegenheil entgehen, dem Xerxe« mit Herodot 
fVII, 24) wegen der durchitterhung jene» Vorgebirgen «eine ftt- 
yaloiiQonittj vor/iifialten, al» dfUM er «ich durch jenen höchst 



258 Aeschylos nnd Herodotos. 

unbequemen namen das ideale bild seines Dareios trüben Hesse. — 
Nach Aeschylos (Pers. 859) herrschte im innern des reiches un- 
ter Dareios die beste Ordnung- ; Herodot weiss manches davon zu 
erzählen , wie Dareios sich mit seinen mächtig-en vasallen herum- 
zuschlagen hatte (IIIj 126 flF. IV, 166). — Aeschylos behauptet 
(862 iF.) , Dareios sei nicht über den Halys g-egaugen , sondern 
ruhig zu hause geblieben , während seine beere ihre eroberungen 
machten, habe somit der majestät des königthumes nichts verge- 
ben ; nach Herodot (IV, 85 ff.) befand sich aber Dareios persönlich 
auf dem später ganz unglücklich ausgeg^angenen Skythenzuge, und 
machte den landweg von Susa nach dem thrakischen Bosporos, wobei 
er, wenn auch nicht über den Halys, so doch in das land jenseits des 
Halys kam, was hier die hauptsache ist. Aeschylos endlich hütet 
sich sorgfältig, die Unterwerfung der lonier durch Dareios bei 
ihrem rechten namen zu nennen; er begreift diese stamme bald 
unter der allgemeinen bezeichnung der Lyder (Pers. 42 ff.), bald 
unter der noch allgemeineren : ol olvol yäv l4öiav (587) , bald re- 
det er wenigstens nur von den Ortschaften des hX7^qo<; ^laoviog 
(880); Herodot berichtet nicht nur mit bestimmtheit (VI, 31 f.) 
die grausame und gottlose Verwüstung (^aaytji'8ia) der von den 
loniern bewohnten kleinasiatischen inseln, sondern erklärt auch 
für die weitere absieht des Dareios die Unterwerfung von Hellas 
(VI, 44. VI, 94), gedenkt (V, 105) der täglich wiederholten mah- 
nungen des sclaven an Athen , bezeichnet als Urheber alles leidens 
für Griechenland neben Xerxes und Artaxerxes den Dareios (VI, 
98), und lässt diesen unter erneuten rüstungen sterben, wovon 
fj ^ Aöiri Idovhro im iQia hea (VII, 1). Nur der tod also ist 
es, welcher diesen fürsten von einem neuen räche- und erobe- 
rungszuge abhält, der nun auf seinen söhn übergeht; und wenn 
Dareios bei Aeschylos (Pers. 785 ff.) sich rühmt: 
8v yäg aaqjojg toÖ' iöi , ifiol ^vv^Xixsgj 
anatttg rn^isiii i ol agdtj] tdd' töxofisv, 
olyi av q}aveiiÄf,v ntipiat sg^avTsg tooa, — 
so ist dies durchaus nicht sein verdienst, indem er, hätte er län- 
ger gelebt, denselben zug selbst würde ausgeführt haben. Noch 
weniger wahr ist es, wenn der äschyleische Dareios den frevel 
und das unglück des Xerxes davon herleitet (Pers. 784), dass 
dieser ov livrmovtvti Tag ifidg Iniaroldg — denn, wie wir aus 
Herodot sehen hat Xerxes ein ganz anderes testament vom vater 



Aeschjlos und Herodotos. 259 

empfangfen , dessen unterbrochenes werk nur hinauszuführen ver- 
sucht, und somit ganz in dessen sinn gehandelt; und die worte 
des ä£chyleischen Dareios (Pers. 826 ff.): 

vTitQCfQOvt]cag rov nagorta ÖaifMora 

aXXmr fgaa&ug oXßov ix^ti^ n^yav 
coDtrastiren wunderlich mit den eroberungsgelüsten des herodotei- 
scfaen und mit dem im entgegengesetzten sinne gemeinten drei- 
maligen täglichen zurufe seines sclaven (V, 105): dscnoTu , f*i- 

Was konnte nun den Aeschylos bewegen , der geschichte so 
ins gesiebt zu schlagen , — ihn , der in der behundlung der my- 
then , z. b. mit Pindaros verglichen, so vorsichtig ist? Warum 
schuf er sich einen von dem historischen so total verschiedenen 
idealen Dareios, welchem er alle möglichen und unmöglichen Vor- 
züge eines herrschers zuschreibt, auf welchen er die tugenden 
seiner grössten Vorgänger (Pers. 760 ff.) überträgt? Gänzliche 
unkenntniss kann , wie wir oben zeigten , der grund nicht gewe- 
sen sein; die lösung der frage liegt anderswo. Time, so fragt 
der chor Pers. 549 ff.: 

TiTiTa Jageiof yilv ov- 

TO) Tor* aßXaßr^g inrjp 

To^agj^og noXtr^zatgf 

2^ovnt5og qtiXog üxrmg ; 
Antwort: weil er sich nicht dem fremden gebiete der see ver- 
traute, und Hellas nicht unterwerfen wollte. Aeschylos brauchte 
einen conlrast. Xerxes hat üriechenlund unterjochen wollen, und 
wurde für diese vßgig von deu göttcru bestraft. Dem Dareios 
stiess während seiner ganzen regierung kein seine macht vernich- 
tendes Unglück zu — in der ferne, in (jiriechenlund, mochte sich 
dieses glück noch glänzender ausnehmen, während man den stürz 
des Xerxes dort in der nähe sah — , er kann also, so schlicsst 
AesckyluN , auch den zorn der götter nickt verdient haben. Um 
nun den gegeuMUtz recht Hchlugend zu machen, wird das glück 
des Dareios zur Vollkommenheit ergänzt , und daraus folgt dann 
weiter, dass auch jede spur der v(i(fi^ von seinem bilde hinweg* 
gcwincht werden mufts. Km darf ihm giir nicht eingefallen sein, 
nach IJellas zu ziehen ; Athos und .Marathon müssen ignorirt wer- 
den ; er darf den Uosporos uiclil überbrückt haben, keine seefuhrt 

17 • 



260 ' Aeschylos und Herodotos. 

unternommen haben (wahrend er nach Herodot IV, 87 sechshun- 
dert schiffe auf dem Pontos hatte), darf überhaupt keine unge. 
bührlichen eroberungsg-elüste g"ehegft haben , während er (Herod. 
IV, 118; auch den Skythenzug^ Mos unternahm, inuöri ol z« h 
tri rjTisiQCp 7y iregy ndvra 'naiBatQantai (vgfl. IV, 1), und in der 
Inschrift am flusse Tearos sich nennen lässt: avriQ uqiotoi; m 
nai. xdXXiaiog Travtcov dv&gmncov , Ueoatcov rs yal ndotjg ri^g 
TjnsiQOv ßaailevg (IV, 91). — Wir haben also in dem von Ae- 
schylos gedichteten Dareios beide stücke nebeneinander: tollstän- 
diges dauerndes glück und freiheil vom cp d^ o v o g der golfheit, — 
was der herodoteischen ansieht schnurgerade entgegenläuft. Weil 
der Dareios des Herodot das erstere nicht besass , traf ihn auch 
der q}&6vog nicht mit macht; weil der des Aeschylos es besass, 
und der cp&ofog ihn nicht traf, muss er ein mensch ohne alle 
sittliche schwäche und ohne jeglichen übermuth gewesen sein. 
So hoch und fest also stand dem Aeschylos die religiöse idee von 
der gerechtigkeit und neidlosigkeit der götter, dass er nach ihr 
sich sogar die geschichte construirt. und gewiss musste die dar- 
stellung dieser idee in so scharfen gegensätzen, zu einer zeit, 
wo neben dem tiefen falle des Xerxes allerdings die vergleichungs- 
weise glückliche regierung des Dareios in erhabenem glänze da- 
stehen mochte, den allergrössten eindruck machen. Auch durfte 
Aeschylos, der so gern durch scenische mittel wirkt, es wohl 
wagen, nachdem kaum die goldtiare des göttergleichen königs 
(P. 660 ff.) in den hügel versunken, den gottverlassenen, zer- 
lumpten (P. 836 ff. 999) söhn desselben als leibhaftiges denkmal 
des gerechten gjd^orog seinen Zuschauern vorzuführen ; denn die 
historischen bedenken gegen diese darstellung mochten wohl durch 
die frische erinnerung an die neuesten glänzenden siege von Sa- 
lamis und Platää und die folgenden Offensivkriege gegen Persien, 
wovon jetzt alles erfüllt war, einigermassen in den hintergrund 
gedrängt werden, zumal die person des Dareios selbst den Helle- 
nen immer fremd blieb. 

Den Xerxes also traf, nach Aeschylos, in der bucht von Sa- 
lamis der (p&Gi'og der gottheit (Pers. 357). Fragen wir, wodurch 
derselbe geweckt war, und wir werden seine bedeutung erkennen. 
Wenn wir der anschauung Herodot's folgen, so büsste Xerxes 
die dÖina sQya gegen die Hellenen, deren erster sicherer Urheber 
(I, 5 f.) KrÖsos war, welche sich durch Kyros (I, 141 ff.) fort- 



Aeschylos und Ilerodotos. 261 

gesetzt, und durch Dareios eine noch weitere ausdehnung erhal- 
ten hatten. Krösos, der erste übelthäter gegen die Hellenen, 
wird wegen dieses freveis nicht gestraft, während er als uQ^ag 
adixüjii gegenüber von Kyros (I, 130) seine bcluhnung empfängt. 
Letztere aÖixitj aber war eigentlich keine; denn KrÖsos hatte 
theiis die absieht, seinen Schwager Astjages (I, 74 f.) an Kyros 
zu rächen, theiis veranlasste ihn zum kriege eine woblbegründete 
furcht vor dem gefährlichen wachsen des jungen persischen rei> 
ches (I, 46). Von einer bestrafung des Krösos aber für das un- 
uteifelhafie unrecht, das er den Hellenen that, steht, wie gesagt, 
nii^ends ein wort; der hellenische gott hält es vielmehr für nö- 
tbig (I, 91), sich gegen seinen eifrigen Verehrer mit der unent- 
fliebbaren macht der ^oiqu zu entschuldigen , welche seine per- 
sönlichen privatbemühungen um das wohl des KrÖsos vereitelt 
habe, um an demselben die sünde — seines fünften ahnherrn 
heimzusuchen. Dass hiebei KrÖsos so gutwillig seinen Vorwurf 
wegen des doppelsinns der orakelsprüche zurücknimmt, und die schuld 
auf seiner seite findet, nimmt uns noch billig wunder. — Kyros 
vervollständigt die Unterwerfung der kleinasiatischcn Griechen, 
und fällt — weil er die Massageten angegriffen (1 , 205 ff.). 
Dareios übernimmt (Hl , 88) , was Kyros und Kambyses erobert. 
Die lonier stehen auf; ihre blutige Unterwerfung folgt; die west* 
liehen Hellenen mischen sich ein, UQ^uptEg udixuj^ n qot sqo i 
'VI, 119 ; denn die zwanzig schiffe, welche Athen zu hülfe 
schickte (V, 97), «exv »««x«»»' tyefovro 'EXXijai is xa< ßugßd' 
Quiai. Trotzdem, da die räche an Athen und Kretria nur ein 
n QÖaimia (VI, 44j weiterer eroberungsplane tur Dareios ist, 
treffen ihn mit recht die harten schlage am Athos, in Thrake und 
bei Marathon. Dareios rüstet wieder, und stirbt darüber. Noch 
ist dem Schicksale, das alle (jirieehcn zur freiheit bestimmt, nicht 
genug gethun; Xerxes ist zum upfer seiner fugungen erkoren. 
Aber eben hier tritt nun die immorulität des herodoteischen schick* 
»als recht an den tag, indem es gerade den, welcher an den Sün- 
den seiner vorfahren keinen Iheii haben will, die ganze wuclit der 
strafe empfinden lasst , während mancher wirklich schuldige straf 
Ion ausging. Xerxes hat anfangs (\ll, .5) durchaus kein« son- 
derliche lunt, das ruchewerk seines vaters wieder aufzunehmen, 
lÄMt »ich aber (VII, 0) von Murdonio« und den falschen orakeln 
endlich auflietzen. D<»ch haben diese einflüsterungcn fo WiMg 



262 Aescbylog nnd Herodotos. 

nachhaltig bei ihm gewirkt, dass ihn die rede des Artabanos (VII, 
10) bald wieder zu seiner ersten ansieht bekehrt (c. 12), wäh- 
rend Dareios, wie wir sahen, in einem ähnlichen falle sich nicht 
rathen Hess. Aber ein g-Öttliches traumgesicht zwingt sowohl 
den könig als seinen rathgeber unter steigenden drohungen , bei 
dem entschlusse zum heereszuge zu verharren (c. 12 — 18), indem 
es dem könige vorhält: ^vneg firj avrCita aiQaTrjXaTsrig, rdds rot 
fij aviimv avaa^riasi cog xal fisyag aal noXXog iysvso iv 6Xiy(p 
XQ6t>q)f ovtco nal laTieivos oniam xccza td'^og sasai (c. 14), — 
und den alten weisen Artabanos, den warner vor der vßgig (c. 
16), durch feindselige demonstrationen so schreckt (c. 18), dass 
er seine auf vielfache erfahrung gestützte ansieht aufgibt, über- 
zeugt, dass eine daifioviij oq^ati den krieg fordere, und "EXXrivag 
q)-&0Q7J Tig naTuXafißdvsi ^si^Xarog. Xerxes wird also geradezu 
von der gottheit zur vßgig gezwungen: die folge ist sein Un- 
glück, — kann hier von einer gerechten strafe die rede sein? 
Die gottheit „lässt den armen schuldig werden", damit an ihm 
das Schicksal sich erfülle; aber liegt nicht, sobald wir das gött- 
liche wesen persönlich fassen, in diesem thun eine verwerfliche 
sophistik der leidenschaft, ein blinder neid, welchem die grosse 
machtausdehnung des Perserkönigs ein dorn im äuge war? — 
Ganz anders Aeschylos. Nach ihm hat Xerxes nur schlechten 
rathgebern gehör geliehen (Pers. 754 iF.); die doXofitjTtg dnaxa 
&EOV ferner, die ara qiiX6q)Q(av noriaaivovaa (Pers. 94. 98 f.), 
welche den sterblichen in ihre netze verstrickt, und womit die 
persischen greise den zug des königs entschuldigen, hat erstens 
nicht die zwingende kraft der bei Herodot erzählten traumerschei- 
nungen, und ist zweitens auch erst eine folge der bereits vorher 
bei Xerxes vorhandenen übermüthigen croberungsgedanken: dXV 
orav ajtsvdr} tig avtog, x^ ^sog öwanrerai (P. 743). Der ei- 
gene wille des Xerxes ist es hier, welcher das ^siov \pv&og (Ag. 
457) als beschleunigungsmittel verdienten Unterganges herbeiführt. 
Fragen wir weiter, ob denn überhaupt nach Herodot Xerxes 
persönlich so ganz im unrechte ist, und wie ein mörderischer 
drache über das unschuldige Hellas herfällt (Pers. 83 f.)? Die 
gründe der expedition, welche der könig (Herod. VII, 11) ent- 
wickelt, sind, wie wenigstens die spätere geschichte bewiesen hat, 
stichhaltig genug. Es handle sich gar nicht mehr, sagt er, um 
krieg oder frieden, d.X7,d noissiv ^ Tra&ssiv nqoahtai dycov, 



Aeschjlos nnd Herodotos. 263 

Ua 5 ^«^« ndptcc vn "EXXrjai ij ixetva navia vm nsgüTßüi yi- 
vr^Tui, Feroer wird auch an dieser stelle, wie so oft, das mo- 
ment hervorgehoben, dass die Griechen den streit angefangen ha- 
ben — was Xerxes von seinem standpuncte aus mit Wahrheit sa- 
gen konnte — , und besonders auf die Verbrennung von Sardis, 
wobei das heiligthum der Kybele mit aufflammte, grosser nach- 
druck gelegt. Dies ist ein frevel, welcher die Perser besonders 
gekränkt haben muss; denn es ist davon, als einem rechtstitel 
zur räche, auch VI, 101 und VII, 8, 2 die rede. — Von dem 
allem will Aeschylos nichts wissen; eine Verbrennung von Sardis 
ezistirt für ihn so wenig, wie eine auf befehl des Dareios ge- 
lieferte Schlacht von Marathon; eine vorbeugende offensive der 
Perser erkennt er nicht an. Er weiss nur, dass die Hellenen 
für freiheit, weih und kind und götter und gräber bei Salamis 
gegen fremde Übermacht sich schlugen [P. 397 ff.), dass die v^gig 
und die aOea (fQOvt]piara des Xerxes in Hellas die götterbilder 
nicht geschont, und die tempelbilder verbrannt haben (810 ff.), 
dass er, wie Agamemnon, mit der blüthe seiner unterthanen den 
Hades vollgestopft '1)02 ff.), — und lässt den Dareios aus den 
darauf folgenden schicksalsschlägen , welche er als inizifAia die- 
ser ruchlosigkeit betrachtet, die lehre ziehen: 

mg ovx vniQ(fBv &v7jzop opta XQ^I cfgoveiv 
vßgte yciQ i^avüova* ixaQnojae aidxvv 
(iTTjg, oOtv nuyxXavTov i^afin Oigog (P. 822 ff.). 
Dazu kommt noch die eigenthümliche consequenz , womit Aeschj- 
los seine ansieht von den natürlichen gränzen der Volker durch- 
fuhrt. Wenn auch der in dem träume der Atossa (P. 180 ff.) 
herrschende grundgcdankc , dass die Jungfrauen Hellas und Per- 
sis X X ff n CO ihr eigencH Vaterland für ewige Zeiten haben , und 
sich nimmermehr zusammenjochen lassen (193 ff.), — wenn die- 
ser gedanke auch der gesinnung Herodot's nicht fremd ist, so 
schildert er unn doch die am persischen liofe herrschende mei- 
oung als demNclben entgegengesetzt. In der rede, womit Xerxes 
(VII, 8) seinen zug gegen Athen begründen will , wird als die 
historische aufgäbe de» Pcrserreicbs ewige bewegung, ewig<-^ ' 
oberndcs vonlringen bezeichnet; denn Oeo^ r« ovro) uyn , ym 
avToiai rjfttp ... rti'firjfgttui fni ro liftupov, Mag dies nun im- 
merhin eine Selbsttäuschung des Xerxes sein ; jedenfalls hat dann 
die gotthcit , wie wir iahen, ihr möglichsten gcthnn , ihn in der* 



264 Aeschylos und Herodotos. 

selben zu bestärken. Bei Aescbylos tritt bekanntlich diese beschrän* 
kung erst ein, nachdem schon Xerxes wider bessere einsieht die 
von der g-ottheit gesetzten schranken durchbrochen. — Herodot, 
der nüchterne historiker, findet nichts natürlicher, als dass jemand, 
der nach Hellas von Kleinasien mit einem beere hinüber will, 
sich dazu der schiiFe und einer brücke bedient: er muss deshalb, 
weil er in dem brückenschlagen über den Hellespontos schlech- 
terdings an und für sich nichts verwerfliches finden kann (VII, 
35: ovdh TiQog ixEivov adixov na&ov) ^ das, nach Blomflelds in- 
geniöser vermuthung, eben aus einem missverständnisse von Aesch. 
Pers. 746 entsprungene wunderliche mährchen von der ketten- 
versenkung und sonstigen bestraf ung des Hellespontos durch Xer- 
xes glauben, um dem kÖnige hier ßagßaga nai arda&aXa auf- 
bürden zu können. Aescbylos bedarf dieses mährchens nicht, um 
in der that einen frevel zu entdecken. Nach ihm ist die persi- 
sche macht von der gottheit durchaus auf den Östlichen continent 
angewiesen, Pers. 103 ff.: 

■&s6&Ev yaQ xaTo. MoTq' ixgcirrjasv 

zb naXaiov, iTzhxTjxps ds Usgaaie 

TZoXsfjiovg Tzvgyodatxiovs 

diETiEiVf innioidgiicig 

iB v,X6vovs noXE(oy t' dvaaidüEig, — 
und es ist schon ein frevel von ihr, sich überhaupt nur aufs 
meer zu wagen (108 ff.), es ist dvgcpQovcog (547 f.) von Xerxes 
gehandelt, mit ßagiÖEaai novriaig sich zu schaffen zu machen; 
die schiffe haben das verderben des heeres herbeigeführt (555 f.), 
die unseligen schifte (581), nXajalai novriaiaiv (885). Endlich, 
welche vermessenheit, da, wo ein gott seinen ström dahinwälzt, 
einen trockenen pfad bauen, noQOv fiETagQv&fii^Eiv zu wollen! 
(748). Dies ist vsov d^gdoog (745), voaog cfQEvmv (751), o^x ev- 
ßovXia gehandelt; wer solches thut, der ificogiUEv (720), d^Eüßla- 
ßei tTZEQXOfATzcp -d-gdöEt (833), ivEog mv ivsd qsQovEi (783). Es 
kann aus der sonstigen anschauungsweise des Aescbylos nicht 
schwer werden, den sinn jener völkergränzen zu erkennen; sie 
sind eben die schranken gegen die vßgig, — und wer sie über- 
schreitet : 

vTiEQcpQOv^aag tov naqovTa daifiova, 

äXlcov EQaa&sig, (827 f.) — 
gegen den wendet sich der sv&vvog ßaqvg (830) Zeus, — der 



Aeschylos und Heroclotos. 265 

wird bald seine Verhältnisse als ^soTgsma (884), den Üat^av als 
liSTUTQonog (920) zu beklagen haben. — Auch Herodot freilich 
huldigt zuweilen jener conservativen anschauung in betreff der 
oatur, — aber es fehlt ihm dabei der sittliche hintergrund. So 
wollen I, 174) z. b. die Knidier, um sich geg-en die angriffe des 
Harpagos zu schützen , ihren Isthmos abgraben; aber schlimme 
krankbeiten überzeugen sie bald, dass ihr unternehmen der gott- 
beit missfällig sei, und das orakel spricht: 

iaiffiov de (itj TzvgyovTs, (xr^d' OQvaGezB . 

Zei'i ydg x' e&ijxs prjaop, ei y' ißovlEzo , 
wogegen Herodot nichts einzuwenden hat. So lässt es also die 
berodoteische gottheit ancb der berechtigten nothwehr nicht zu, 
an ihren fügungen etwas zu ändern ; besser ist es , dass ein 
Volk untergehe, als dass die gottheit einmal unrecht habe. 

Bei Aeschylos dagegen ist auch der Pers. 347 genannte 
q)&6foe der gotter, welcher die niederlage bei Salamis entschied, 
nichts anderes, als die strafe der vßQig. Dieses geht deutlich 
aus den anfangsworten des boten hervor: 

TjQ^EP fiev, m diaTtoirUf rov navzog Hct-nov 

cpavE^s dXdüTODQy ^ xanog daifimv no&tv (348 f.). 
Der böte, ganz von dem eindrucke jenes gottesgerichts beherrscht, 
nennt zuerst als urheber des Unglücks einen rache(/ehf, erschrickt 
dann über seine Offenheit der konigin gegenüber, und mildert den 
rachegeist zu einem „bösen geist^\ Aber die erste ansieht ist 
die wahre und die des dirhters. Die (jerechte räche der götter 
für ungebührlichen übermuth hat nach Aeschylos. das riesenheer 
der Perser vernichtet, die bogen seiner starken zerbrochen, und 
den Xerxes mit leerem kiichcr 0)00 ff.) nach hause gesandt. 
Diese strafende macht nun kann unter umständen einem verliär- 
teteo frevler gegenüber auch die form der list annehmen, um den 
schuldigen desto sicherer zu falle zu bringen ; eine solche Vorstel- 
lung von der ilftdirj (ftov erscheint dem hellenischen ulterthunie, 
und MtpllcnweiNe selbst dem alten testamente, ganz gotteswürdig. 
Wenn man daher zwar bei einer ähnlichen handlungsweise eines 
menschen auf unlautere /werke zu schliessen berechtigt ist , so 
darf man darum doch nicht ebenso verfahreu, wo die gottheit 
«girt, welcher ja die form vollständig freisteht, io welcher sie zu 
ihrem ziele, d. h. zur bcMtrafung de« frevelhaften, gelangen will. 
s,. fi,..«f a^-'I-Omu ili.ni ganzen zunammcnhangc nach die scudung 



266 Aescliylos and Herodotos. 

des Sikinnos (Herod. VIII, 75. Pers. 355 f.). Der neid also hat 
auch hier keine stelle im kreise der Olympier, wie es des Ae- 
schylos grosser nachfolger in der relig-iösen erkenntniss, Piaton, 
ausspricht (Phaedr. 247); (p^ovog yocQ s^co xoQOv ^eCov löiataii 
cf. Tim. 29 D. 

Freilich findet nicht jedes menschenauge unter allen umstän- 
den gleich den wahren grund des Unglücks ; und mancher , der 
sich in seiner Verblendung keiner schuld bewusst ist, und doch 
die strafe fühlt, mag wohl an der gerechtigkeit des götterkönigs 
zweifeln, und menschliche leidenschaften auch über den wölken 
suchen ; aber dem tiefreligiösen gemüthe unsres dichters stellt 
sich die sache anders dar: 

avdgmv ydg iativ ivStamv ts xai aocpmv 

iv toig naxotai (irj Ts&vfAaa&ai &EOig (fr. 315).* 
er zweifelt nie, auch in dunkeln fällen nicht, an der absoluten 
reinheit der himmlischen, und hält sich an den spruch seiner Da- 
naiden (Suppl. 81 ff.): 

Jiog i{iSQog ovn £v&r]Qatog itv^^i]» 

TTcivra toi cpXsysdEi x«v axotc^ ftsXai- 

va zs tvyx. liSQonsaai Xaolg. — 
Berlin. Wilhelm Hoffmann. 



Aeschyl. Choepli. vs. 939. 

avays fidv , dofioi' noXvv ayav XQOvov 
la^ainetalg exeiaß^ aei. 
Nach diesen Worten ist, wie der strophische vers 933 zeigt, ein 
dochmius ausgefallen, vielleicht ßaosia rvxK- Die ergänzung von 
rvx(x. ist wahrscheinlich, da in der strophe dvaoifiov iviag steht 
und auch 924 und 935 ßagiidixog noiva und holi6^qm> noifd einan- 
der entsprechen, ebenso sf^ols 923 und 934, Tzdga zo qiwg lÖslp 
955 und 966 und auch noch sonst besonders in diesem chor- 
gesange gleichklänge vorkommen, wie 926 dmlovg Xscov, dinlovg 
':^(»j/? = 937 /iiog aoQa, Jtaav 8s riv. Da ferner die folgende 
strophe mit rdxa beginnt, so konnte ßaoeia tvin. zwischen du 
rd^ci' leicht ausfallen. 

Ostrowo. ß. Enger, 



XI. 

Varronische vindicien. 



I. 

Im Philolog-us, IX, p. 225, habe ich über die varronischen satiren 
eine von der bisher geltenden abweichende nieinung- ausgespro- 
chen, dahin lautend , quoicunque supersunt fragmenta , omnihus ter- 
suum ac numerorum impresso esse vesliyia , quae quum saepe ob- 
literata ac propemodum evanida sint, iisdem tarnen arlibus , quibus 
in certis poetarum reliquiis uti licere criticorum principes docue- 
runtf relegi ac renotari possinty ac de singulis quibusdam instau- 
randis esse quidem in lanta corruptione rem incertam , de unirersis 
non esse. Der aufsatz , welchem obige worte entnommen sind 
und zu welcher sich das Epimetrum Varronianum in demselben 
bände dieser Zeitschrift, sowie die beiden Dunzigcr festprogramme 
aus dem jähre 1858 (lU. Terenti Varronis Eumenidum reliquiae 
rec. et adnot. Th. R. , particula prior , und De poesis Varronianae 
reliquiis quibusdam scr. Th. R.) als berichtigende und erweiternde 
fortsctzung verhalten, sollte an den vorhandenen Fragmenten einer 
anzahl von satiren für die aufgestellte ansieht die empirische be* 
gründung liefern, wie ich auch zunächst auf empirischem wcge zu 
dieser ab weichung von der bisherigen annähme gelangt war. Ich 
täusche mich vielleicht nicht, wenn ich vcrmuthe, mit meiner an- 
sieht im grossen und ganzen hie und da auch bei namhaften ge- 
lehrten ancrkennung gefunden zu haben; entschiedener aber jeden- 
falls ist der Widerspruch dagegen aufgetreten , namentlich von 
Seiten einiger mitglieder der um verwandle literaturgebiete sich 
fortgesetzt verdient machenden Bonner schule, von denen es sich 
einer und der andere nicht übel genommen hat, für seine abfallige 
beurtheilung meiner versuche einer recht prügnanten ausdrucks- 



268 Varronische viiullcien. 

weise sieh zu bedienen. Letzteres scheint allerdings moderner 
ton zu sein, und es ist derg-leichen auch ganz pikant zu lesen ; 
wie weit aber damit in jedem besonderen falle der Wahrheit oder 
überhaupt der humanität, von welcher doch die humaniora auch 
ein bescheidenes theilchen haben sollten , g-edient sein möchte, 
das ist freilich eine andere frag-e ; indessen tröstlicher weise möchte 
doch wenigstens so viel feststehen, dass, wenn auch grosse mei- 
ster es als ihr recht ansehen dürfen, fehlerhaften erscheinungen 
und richtungen auf dem gebiete ihrer Wissenschaft mit scharfen, 
ja mit verletzenden Worten entgegenzutreten, dieser satz erfahrungs- 
mässig sich nicht umkehren lässt zu gunsten derer, die eine ähn- 
liche spräche reden. Doch das ist den herren auch wohl sonst 
schon gesagt worden. 

Ich kann es mir sehr wohl erklären, wenn sich jemand von 
der richtigkeit meiner ansieht über die metrische beschaffenheit der 
varronischen satiren nicht zu überzeugen vermag, und habe es 
von vorne herein auch nicht anders erwartet. Läge die sache 
auf der hand, so hätte ich jetzt nichts darüber zu reden ; obgleich 
das auch schon von anderen anerkannt ist, dass bei dem quintiliani- 
schen „non sola carminum varietate mixtum^^ noch an andere dinge zu 
denken ist, als an eine mischung von vers und prosa. Ich habe 
aber auch nicht behauptet , dass bei dem gegenwärtigen bestände 
und zustande der Überlieferung von mir oder erst wem oder 
überhaupt irgend wem jedes fragment mit Sicherheit metrisch 
hergestellt werden könnte , sondern nur , dass alle noch spuren 
metrischer abfassung an sich trügen, welche, so verweht und 
überwachsen sie auch oft seien, durch die anderweitig bewährten 
hülfsmittel und methoden der kritik sich noch wieder aufirischen 
Hessen. Da sich nun bei der durchführung dieses satzes im einzel- 
nen allerdings viele ungewissheiten und wirkliche Schwierigkeiten 
darbieten ; so mag es mancher für das gerathenste halten, einstwei- 
len bei der herkömmlichen ansieht stehen zu bleiben. Zwar habe 
ich meinestheils die erfahrung gemacht, dass nicht wenige stellen, 
welche anfangs desperate mittel zu erfordern und ohne einen ge- 
wissen zwang sich nicht fügen zu wollen schienen , bei wieder- 
holter und geschärfter betrachtung sich mit höchst geringer nach- 
hülfe restituiren Hessen; aber wie es einerseits nicht jedermanns 
Sache ist dieselbe erfahrung zu machen, so musste sie änderet - 
seits mich 1 hren, es nicht befremdlich zu finden, wenn man der 



Varroniscbe vindicien. 269 

jjfanzen behauptung seinen beifall schon darum vorenthielt, weil 
man Ursache hatte , an einzelnen restitutionsversuchen anstoss zu 
nehmen. 

Den ersten mir bekannt gewordenen ÖlOfentlichen Widerspruch 
erhob hr. prof. J. Vahlen, als er in seinem vortrage über die var- 
ronischen satiren auf der philologenversammlung zu Breslau sich 
gegen die von mir aufgestellte ansieht erklärte. Kaum hatte ich 
in den gedruckten Verhandlungen jener Versammlung vergeblich 
nach einer näheren bekanntschaft mit dem bisher nur in den all- 
gemeinsten zügen zu meiner kenntniss gelangten Inhalte des in- 
teressanten Vortrages gesucht; als ungefähr gleichzeitig mit dem 
erscheinen meiner beiden programme im sommer 1858 Joannis 
Vahleni in M. Terentii Varronis saturarum Menippearum re/iquias 
coniectanea mir zu bänden kamen, ein mit aller eleganz der Teub- 
ner'schen oftlcin ausgestattetes, durch seinen titel an Scaliger's glän- 
zende erstlingsarbeit erinnerndes buch. Unmittelbar an dieses sich 
anschliessend und durch dasselbe veranlasst ist der in form eines 
briefes an den Verfasser geschriebene aufsatz „über Varroniscbe 
Satiren" von O. Ribbeck im rheinischen museuni, Jahrgang XIV, 
lieft 1 , p. 102 ff. Zuletzt hat das dritte heft desselben Jahr- 
ganges j^ner Zeitschrift p. 419 ff. „bemerkungen über die Varro- 
nischen satiren'* von Fr. Bücheier gebracht. Beide aufsätze ver- 
werfen mit gleicher entschiedenheit die von mir behauptete durch- 
weg metrische abfassung der satiren \ arro's, nur zeichnet sich der 
crstere durch die oben erwähnte prägnanz des ausdrucks vor dem 
gehalteneren tone des anderen in einer, wie es scheint, dem Schrei- 
ber eigenthümlichen weise aus. Für dasjenige, was der reccnsent 
der Val.len'schen coniectanea im literarischen centralblatte 1859 
nr. 3 kräftiges über meine versuche gesagt, ist ein ,,ire// roard^ 
UnnI** genügende antwort. 

Vahlen, obgleich er «'in iigmrs rapitri de re metrica Varro- 
ninna hat pag. 05 -90, 'n welchem er sich hauptsächlich mit 
der bekämpfung meiner restitutionen beschäftigt, die sonst bei 
ihm mehr geleg<>ntlich auftritt, — ^ol^t doch darin nicht einem 
allgemeinen gnindsatze ; sondern, was er gegen mich einzuwen- 
den hat , ist duM gewaltsame verfahren , welches ich in der her« 
Stellung der metru geübt haben soll ; es bedünkt ihn (»iibrrrror)^ 
meine prüfung der einzelnen tragmente auf versilication sei nicht 
eine ptaada et humnna comuUatto^ sondern, wie er nicht unwitiig 



270 Varronische vindicien. * 

sich ausdrückt, eine torturae similis inquisitio g-ewesen. Daher 
wird es sich wohl schreiben, wenn auch Ribbeck p. 102 von „fol- 
terern" spricht, und der plural wird wahrscheinlich nur ein rhe- 
torischer sein. Vahlen's polemik ist denn auch nur auf die Zu- 
rückweisung- meiner behandlung- einzelner stellen gerichtet, in wel- 
chen ich ihm zur herstellung- der metra unerlaubte oder verfehlte 
mittel ang-ewandt zu haben scheine. Obwohl ich nun nicht glaube, 
die hülfsmittel der conjectura!kritik im allgemeinen stärker oder 
massloser gebraucht zu haben , als es in der emendation und re- 
stitution verdorbener dichterfragraente auch sonst von kleinen und 
grossen kritikern geschehen ist; und obwohl das mäkeln an klei- 
nigkeiten und die süsssaure anerkennung desjenigen, was sich 
nicht bemängeln Hess, in des Verfassers zierlicher phraseologie sich 
mitunter etwas sonderbar ausnimmt: so will ich doch hiemit gern 
zugestehen, wie ich es auch schon in dem programme Eumenid. 
reliq. p. 2 — 11 gethan habe, in einzelnen fällen in meiner ersten 
arbeit stärkere änderungen vorgeschlagen zu haben, als theils die 
Sache selbst erforderte, theils innere Wahrscheinlichkeit annehmbar 
machen konnte, und wie überhaupt philologische conjecturen, so- 
weit sie auf divination begründet sind, nicht jedermann und jeder- 
zeit gleich gut gelingen; so habe ich nicht nur selbst, wo ich in 
meinen versuchen — und nur solche konnte und wollte ich ge- 
ben, — irrthümliches fand, es often dafür erklärt und zurückge- 
nommen, mich tröstend mit dem ähnlichen loose anderer forscher, 
die das dies diem docet weder verschmähten noch verhehlten, und 
wissend, dass die Offenbarungen des genius nur wenigen zu theil 
werden, wir andern sterblichen aber nur durch den irrthum zur 
Wahrheit gelangen; sondern ich habe auch herrn Vahlen, welcher 
die letzte bemerkung nicht als gegen sich gerichtet ansehen wolle, 
in dieser hinsieht für manche belehrung und berichtigung nicht 
nur in betreff der früher im Philologus, sondern auch der gleich- 
zeitig mit ihm in den programmen von mir behandelten stellen 
meine dankbare anerkennung auszusprechen. So nehme ich bei 
folgenden fragmenten: Aborigines fr. 3 Non. p. 82, 23. Virgula 
divina fr. 9 Non. 550, 12. Tanaquil fr. 1 Non. 166, 25. Papia- 
papae fr. 9 Non. 281, 29. Sesquiulixes fr. 3. 10 Non. 45, 2. 
367, 17. 29 meine versuche gegen seine herstellungen entschieden 
zurück; einige andere z. b. die von Sesquiulixes fr. 2 Non. 86, 7. 
"Ovog Ivgag L\ 7 Non. 483, 12. Tithonus fr. 5 Non. 343, 3. 



Tarronische vindicien. 271 

nsgl aiQsascov fr. 1 Non. 94 , 27 Priscian. inst. III , p. 98 Htz. 
Papiapapae fr. 5 Non. 213, 23 bin ich nach seinen erinnerungen nicht 
mehr gfeneig^t in der g^eg-ebenen fassung zu vertheidig-en ; und end- 
lich halte ich eine nicht geringe anzahl seiner emendationen, auch 
ohne meine abweichenden schon aufzugeben , in hohem grade für 
beachtenswerth. — Ueberhaupt finde ich das hauptverdienst sei- 
ner mit nestorischer behaglichkeit ausgesponnenen arbeit in der 
kritischen behandlung der einzelnen fragmente, welche, auch wo 
die Zustimmung zu versagen ist, den wohlgeschulten zögling des 
bonner meisters verräth: das geringste aber, obwohl er selbst ei- 
nen recht hohen werth darauf zu legen scheint, in den versuchen 
einer reconstruction einzelner satircn aus ihren fragmenten. Eine 
schlagende kritik solcher „ luftigen arbeit '", um mich eines ausdru- 
ckes seines freundes Ribbeck zu bedienen, liefert dieser selbst in der 
einfachen gegenüberstellung seines entwurfes gegen die Vahlen'- 
Bche skizze der Eumeniden ; in welchen beiden nichts ähnlich ist, 
als was unzweideutige fragmente nicht anders verstehen lassen. 
Ribbeck's entwurf (p. 105 — 113) verdient zwar auch von selten 
des witzes und der phantasie den Vorzug, der ihm schon dafür 
einzuräumen ist, dass er von den neunundvierzig fragmenten nur 
eins nicht recht unterzubringen weiss, während bei Vahlen ganzer 
vierundzwanzig keine stelle finden konnten. Aber wie lose und 
locker, wie willkührlich gezogen sind auch bei ihm die fäden der 
Verbindung! Und kann es auch anders sein? Wenn schon in einem 
werke von so bestimmter anläge , wie die annalen des Ennias, 
wo doch die historischen thatsachen, wenn in den resten der al- 
ten tragödien, wo die mythen einen leitenden faden an die band 
geben, die Zusammenordnung der bruchstücke oft grossen zweifeln 
unterliegt, um wieviel mehr in so freien compositionen, wie es diese 
Satiren waren. Bei jeder drehung des kaleidoskops wird sich ein 
anderes bild erzeugen. Wie aus denselben gegebenen reimen jeder 
andere improvisator ein anderes gedieht, wie im gesellschaftsspiele 
aus denselben gegebenen Wörtern jedes andere unterhaltungstalent 
ein anderes geschichtrhen zimmert; nicht anders wird es der natur der 
sarhe nach auch hier sein, wenn man aus bruchstiicken „phantasie- 
■tUcke" baut. Wie wenig haben daher auch die Ribbeckischeu mehr 
geintreich hingeworfenen Nki/.zen mit den \ ablenschen mehr bedach- 
tig auMgefübrten auch in den anderen in betracht genommenen satiren 
mit «inander gemein, ganz abgesehen von den inneren uuwahrttchciu- 



272 Varronisehe vindicien. 

lichkclten in den constructioncn des einen oder des anderen oder 
beider! Wenn ein g-enie wie Mominsen in seiner römischen ge- 
schichte aus den fetzen einiger satiren lebensfrische bilder zur 
characterisirung- Varro's und seiner zeit hervorzulocken wusste; 
so ist doch nicht eben jeder ein Mommsen, und braucht nicht über 
dessen lorbeeren in theinistokleische unruhe zu gerathen. Die 
philologie hat anders geartete aufgaben und in anderer weise zu 
lösen , als die auf die lebendigkeit des eindruckes hinwirkende 
geschichtschreibung; die eine arbeitet für die perspective, die an- 
dere mit dem mikroskop. Während dort die lebendige durchdrin- 
gung- des künstlerisch ausgewählten Stoffes mir bewunderung- ab- 
nöthigen kann , wird hier das spiel der willkühr nur mein philo- 
logisches gewissen verletzen. Für die Wissenschaft, die auch in 
ihren Wahrscheinlichkeitsrechnungen boden unter den füssen be- 
halten muss , ist der werth solcher ausflüge ins unwissbare , wie 
es diese restaurationen sind, meines erachtens wenigstens , gleich 
null zu setzen ; als mehr oder weniger geistvollen unterhaltungs- 
spielen des witzes und der phantasie mag- ihnen immerhin ihr 
interesse unbestritten bleiben. — Wer dichterfrag-raente zu ord- 
nen hat, — darauf aber erstreckt sich zunächst die aufg^abe des 
philologischen herausgebers , — wird die reihenfolge immer am 
unverfäng-lichsten nach einem äusserlichen principe, etwa nach den 
fundorten , bestimmen ; wo dies aber , wie im vorliegenden falle, 
nicht wohl angänglich ist, und auch die materie selbst einen hi- 
storischen oder logischen faden nicht darbietet, da muss es ohne 
zweifei dem sammler g^estattet sein, die einzelnen stücke nach 
formalen oder sachlichen Verwandtschaften mit einander zu g-ruppi- 
ren. Dass auch hier schon das urtheil von verschiedenen ver- 
schieden ausfallen kann, ist erfahrung^smässig nicht zu leug-nen, 
liegt aber in der natur solcher mangelhaften Überlieferungen. 
Fortschritt und besserung- ist allerdings möglich; aber mehr als eine 
leidliche Ordnung-, welche der jedesmalige betrachter sich nach seinem 
bedürfnisse umordnen mag-, ist schwerlich erreichbar, ein öfteres 
umwerfen einer solchen durch die einzelnen herausg-eber auch in 
praktischer hinsieht störend. Geht der ordner aber noch wei- 
ter, und sucht plan und g^ang- des ganzen sich zu reconstrui- 
ren ; so mag unstreitig einer congenialen poetischen natur man- 
cher glückliche wurf geling en, manche einzelne stelle in kritischer 
wie exegetischer hinsieht ein volleres und richtigeres licht erhal- 



Varronische vindicien. 273 

teuy der nachfolger seinen vorg-äng^er mitunter durch nicht bloss 
relativ besseres übertreifen ; nur niuss er andererseits auch die 
nothwendige unvolikommenbeit und öftere willkührlicbkeit solcher 
arbeiten nicht verkennen , oder er g-eräth in gefahr , eben so viel 
und noch mehr, als er gut gemacht, zu verderben, zusammengehörig 
ges von einander zu reissen, fremdartiges zu verknüpfen, die ein* 
zelnen stellen unter eine trügerische beleuchtung zu bringen, und 
so interpretation wie emendation derselben zu verwirren. Diese 
gefahr scheinen sowohl Vahlen als Ribbeck, sei es aus Selbstver- 
trauen, sei es in zu raschem eifer einer neigung huldigend, we« 
sentlich unterschätzt zu haiien. — Doch genug über einen gegen- 
ständ , der auch schon von anderen eine ähnliche beurtheilung er* 
fahren hat, und der meine beziehungen zu Yarro nur in neben- 
sächlichem berührt. Ebenso kann ich die abhandlung über die 
spinöse frage von den doppeltiteln der varroniscben satiren am 
schluss des Werkes (p. 191 — 216) für jetzt um so mehr auf sich 
beruhen lassen , als der davon zunächst betroffene Mercklin be- 
reits im Fhilologus XIII, p. 724 ff', seine erwiederung gegeben 
hat. Was nun aber Vahlen's polemik gegen meine versificationen 
betrifft, so würde, da sich dieselbe eben nur in der bestreitung 
der einzelnen versuche bewegt, eine entgegnung auf alle einzel- 
nen fälle hier viel zu weit und doch am ende nicht zum ziele 
führen; ich will mich daher auf die behandlung einzelner, mei- 
stens solcher stellen beschränken , aus welchen ich mit unrecht 
die prosa verdrängt haben soll, und in welchen ich die früher 
hingestellten resultate mehr oder weniger zu modiliciren mich be- 
müsHigt finde. Denn es lieyt mir weniger daran wider den gegner 
recht zu behalten, als den gegenständ zu fördern. 

Als proben meines Verfahrens führt Vahlen p. 65 die behand- 
lung der stellen Sesquiulixes fr. 7 Non. 83, 25 und V,'/« at fr. 3 
N»n. 228, 5 an. Nicht so ganz hotia ßde^ insofern er den schein 
erregt, als sei das verfahren überall dasselbe, wie in diesen pro- 
ben ; diich möge es drum sein ! Wenn nun Vahlen sa^en will, 
ffie behandlung dieser stellen, Phil. IX, p. 250 und 246, sei eine 
venierfliche und die hergestellten vcrsc als varronisch nicht an- 
zuerkennen; so gebe ich ihm darin um so unbedenklicher recht, 
t ibst bereits Kumen. p. 10 und p. 6 diese stellen einer 
f lon unterworfen habe. Will er aber die nietricität dieser 

■teilen ableugnen , so ist er im unrecht. Denn wie auch die stelle 
riiiui»c«t. XV. jtkrg. 2. Ig 



274 Varronische vindlcien. 

aus^JS/o) 08 mag gelesen werden müssen, so viel wird jeder mensch 
von einig-em sinne, der lateiu versteht, herausfühlen, dass in einem 
stücke wie tela dextra vibrant, russatia emicant, atque insignibus Mar- 
tis torques aureae, scuta caelala Hibero argento gravi crebra ful- 
gent, keine prosa enthalten sein kann, es wäre denn etwa die toll- 
g-ewordene eines Martianus Capella. Adolph Koch exercitat. crit, 
in priscos poet. Roman. (Bonnae 1851^ p. 23 war entschieden auf 
dem richtigen weg-e, als er kretischen rhythmus in diesem frag- 
mente erkannte, und ich hahe Eumen. p. 6, seiner spur folgend, 
durch schwache änderungen ^) ein kretisches system mit hacchi- 
schem Schlüsse hergestellt, von welchem ich wünsche, dass es 
Vahlen billigen oder durch besseres ersetzen möge. Ob er die me- 
trische beschaffenheit der stelle anerkannt habe, ist aus seinen worten 
p. 66 ; ^,illoriim quae supra posui partem esse re tera versus^ et quo 
modo distribui debeant , alibi ostendam"" nicht zu entnehmen, denn 
sie wird in seinem buche nicht weiter behandelt; es scheinen aber 
die Worte auch nicht auf das Sesquiulixes-fragment zu gehen, 
obwohl er p. 121 in bezug auf dieses von möglichen numeris 
spricht, deren herstellung nicht sowohl gestörte Wortfolge als 
verstümmelte und lückenhafte Überlieferung im wege stehe, son- 
dern auf Parmeno fr. 2 und fr. 9, für deren iambische Umgestal- 
tung er gleichzeitig Koch (exerc. p. 28) getadelt hat, und wel- 
che von ihm p. 93 als kretische tetrameter ohne zweifei richtig 
nachgewiesen werden. Was nun das fragment aus Sesquiulixes 
betriflFt alteram viam deformasse Carneadem virtutis e cupis acris 
aceti ^ so war meine Veränderung der Wortfolge (1. 4. 3. 5. 2. 
8. 6. 7. 9.), durch welche anderthalb trochäische septenare ent- 
standen , eine zu weit gehende , und ich habe darum auch schon 
Eumen. p. 10 ohne alle textänderung geschrieben: 

üUeram viam deformasse Carneadem viriülis e 

cüpis acris aceli . . / . . , / . . ,* 
doch bin ich auch diesen Vorschlag zurückzuziehen geneigt, nicht 
sowohl wegen des einsilbigen ciam (vgl. Bentlei. ad Terent. Heaut. 
1, 1, 49) oder des e (ex) am versende, — denn gegen die berech- 
tigung der einsilbigen präpositionen und conjunctionen an dieser 
versstelle ist man doch wohl etwas zu summarisch eingeschrit- 

1) russa Irina nach Polyb. VI, 23, 12, und in insignibus Martiis 
torcues, wozu noch hätte die einschaltung eines et hinler aureae kom- 
men können. 



Tarroniscbe yindicien. 275 

ten ; — oder weg^n des etwas schlaffen rhythmus im zweiten 
verse, als vielmehr, weil ich eine hisher aus unnöthigfem hedenken 
von mir unterdrückte vermuthung" nun auch durch Vahlen p. 116 
bestätigt finde, dass nämlich dies frag^ment in der mitte lücken- 
haft sei und aus zwei nicht zu einander passenden stücken be- 
stehe. Zu der incongruenz des ausdruckes in beiden stücken 
kommt denn auch hinzu, dass das erste trochäischeu rhythmus zeig^t : 
/ . . . / . . . / . allerdm tiam 
d^formasse Cdrneadem virtütis . . / . • , 
das andere den schluss eines heroischen oder aristophanischen ver- 
•es bildet: 

(vv — t/t') — vv — vv — e cupis acris aceti. 
Es ist übrig'ens sehr möglich, dass beide ursprünglich gar nicht 
zu einander, sondern zu verschiedenen Fragmenten gehört haben, 
welche durch die lücke zusanimengerathen sind. Aehnliche er- 
scheinungen bieten z. b. Serranus , thq) d^x^'Q^^f^^ fr« 2 Non. 
71, 13 und raqifi Mfvinnov fr. 11 Non. 48, 11 dar. Recht 
deutlich liegt ein solcher fall vor Non. 283, 24, wo durch das 
überspringen von einem ducuni auf ein anderes ein fragment aus 
dem 30sten buche des Lucilius mit einem aus dem 26sten zusam- 
■engcrathen ist, das Non. 526, 16 sich glücklicherweise noch 
einmal findet. 

Auch die p. 66 getadelte fassung des fragmentes Aborigines 
4 Non. 156, 18, welche ich Philol. p. 228 gegeben, ist bereits 
Eumen. p. 10 durch eine andere ersetzt, gegen welche Vahlen 
andere ausstellungen machen muss. Die anmerkung, dass breti 
kurz zu lesen sei, hatte ich an letzterer stelle weglassen können, 
da es aus dem sinne nicht zu entscheiden ist, ob Varro itacpie 
(igitur) oder ildque (et iia) gemeint hat, und der ictus auf der 
letzten HÜbc eines tribrachischen Wortes im sechsten fusse des 
trochäischen srptenars nach Ritschi prolegom. Plaut. Trin. p. 
228 sq. für zulussig zu erachten ist. — Die im Philologus p. 
247 n. 22 aufgestellte emendation und versification von Klaxtabulae 
fr. 5 Non. 82, 13, gegen welche \ahlen p. 74 sich erklärt, habe 
ich elienfalls bereits Kumenid. p. 6 mit einer leichteren vertauscht, 
welche ich ouch jetzt noch für wesentlich richtig halte. Denn 
wenn ich aus: nee dolore adiafuron e$se , guod philosophia conma- 
lamarem ea pittrem , neque irato mihi atenat dedi umquam , nrque 
e^äiias nom tnpotuit frenot , gemacht habe: 

18* 



SJ'J'6 Varroiiisclie Tindlcien. 

/ . nec doUre adiaphoron esse quod philosophia 
cönmalaxam in eam partem me, neque iratö mihi 

habenas dedi ünquam , 
neque cupiditas nön inposuit frenos . . / . •> 
so war es gleichgültig, ob für dolore mit Mercier dolere, oder 
mit Junius dolorem geschrieben wurde. Jenes schien mir gewähl- 
ter und wenn dieses dadurch sich empfiehlt, dass die Schriftstel- 
ler, welche über die stoischen adiaphora berichten , Sextus , Laer- 
tius, Stobäus, Cicero, Seneca, dieselben in substantivischer form 
aufzunennen pflegen, so sind doch auch die Infinitive nicht ohne 
beispiel, wie Cic. de fin. 11, 13, 43. Gell. 11, 7: für conmalaxavi 
entschied ich mich aus rücksichten der congruenz mit den übri- 
gen temporibus, denn conmalaxar em deswegen beizubehalten, weil 
der satz mit quod als nebensatz zur oratio obliqua gehört, diese 
aber von einem prateritum abgehangen haben könnte, dazu mochte 
ich mich 'um deswillen nicht entschliessen , weil sich mir für den 
fehlenden theil des gedankens keine recht natürliche ergänzung 
darbieten wollte. Was die übrigen emendationen betrifft, die sich 
mit ausnähme der Stellung des me schon bei Oehler finden, und 
von denen das in schon in einer venediger ausgäbe von 1496 steht, 
eam partem bereits von Junius vorgeschlagen , und das me auch 
von Vahlen, der es nur mit Popma und Oehler hinter einem an- 
deren m einschaltet, für nöthig gehalten ist; so leiden dieselben 
schwerlich an äusserer unWahrscheinlichkeit. Für die elision der 
letzten silbe von dedi kann die pyrrhichische messung des Wortes 
geltend gemacht werden, für welche sich Ritschi proleg. Plaut. 
Trin. p. 168 ausgesprochen hat, obgleich auch die iambische mes- 
sung gegen die regeln Lachmanns in Lucret. 111, 941 p. 194 sq. 
und 111, 954 p. 196 sqq., welche Vahlen wiederholentlich (p. 25. 
143) %^^^n mich anführt, nicht Verstössen würde. Lachmann 
selbst nimmt die scenischen dichter und p. 196 auch den Lu- 
cilius in satiris comico metro scriptis davon aus, was denn doch 
wohl auch für die analogen partieen der varronischen satiren zur 
geltung kommen muss. Wenn aber von ihm p. 199 Varro extra 
Sotadeos unter die dichter gezählt wird , welche sich der elision 
iambischer Wörter enthalten haben, so folgere ich daraus, dass 
Lachmann nur die nach griechischem muster gedichteten stücke 
in betracht gezogen, die übrigen fragmente, in welchen die weise 
der alten komiker herrscht, ausser acht gelassen und vielleicht. 



Yarronische vindicien. 277 

was meinen g-eg'nern zu statten kommen mag-, für unmetrisch ge- 
halten hat; wogegen andererseits auch die ausnahmestellung der 
sotadeen, welche allein auf Aborigines fr. 2 sich gründet, weg* 
fällt, wenn dies fragment, wie ich Philol. IX, p. 227 und 571 ^) 
richtig behauptet zu haben trotz Vahlens Widerspruch (p. 25) noch 
immer glaube, nicht sotadeisch, sondern trochäisch gemessen wer- 
den muss. Endlich habe ich, um auf das fragment der Flaxtabu' 
lae zurückzukommen, es in dichterischer rede für möglich gehal- 
ten imposuit freuos im sinne von impositos sibi habet frenos zu 
verstehen; es kann aber auch mit dem reste des verses ein sibi 
verloren gegangen sein. Wenn ich hiebei noch bemerke ^), dass 
das non vor imposuit in der oben genannten 1496er ausgäbe fehlt, 
bei Junius (1583) und Gothofredus (II, 103) durch mihi ersetzt 
ist; 80 kann Vahlen daraus ersehen, welchen äusseren anhält 
meine früheren versuche auf diesem puncte hatten; aber wie nahe 
es hienach bei der jetzigen Constitution der verse scheinbar auch 
läge zu schreiben: n^que cupiditas mihi imposiuit fränos, gebe ich 
dem dennoch keine folge wegen Vahlens sehr richtiger benierkung 
p. 75, dass das beherrschtwerden von der leidenschaft füglich nicht 
durch das bild einer Zügelung durch dieselbe ausgedrückt werden 
könne. Viel eher würde ich dafür sein, auch den ersten vers noch 
durch eine negation zu vcrvollständigeu, dass er lautete: 

2) Weil an beiden stellen sich schreib- oder druckfehh'r ein- 
getchiichen haben, setze ich die damals von mir vorgeschlagenen 
fattungen hier noch einmal her; nämlicb entweder allein nach Non. 
156, 23: 

! . , . ! . mugit butis, ovit baldnt^ equi 



AtnntMN/, fjallina pipat 



oder in Terbindung mit der too Lachmann hiehergezogenen stelle Non. 
450. 8: 

/ . . . / . mugil bövii, ovis balänty equi 

hiuuiunt, gallinae pipant püUi, ganniünt cane»^ 

rtiiltl (nettui ! . . . / . . , .' . . 

\\] /rir <•r^;lll/tlng Ton Roths annotatio critica. Auch Oohlers kri- 
tische nti|i.il.fn idd hier, wie »onsl niitunter, ungenau. Zu dem letz- 
ten satze ilcn fragnientes bemerkt er nur: y^non omis. Popnta , Lau- 
renb." Ich habe Laurenbergs antiquarius jetzt nicht zur band; bei 
l*opm« aber steht nrqur cupittilriti non impnsui frenos. In der annier— 
kuriK heisRt es aber hei ihm: „hie una negatio redundat vel additur (irae- 
< ofuni modo" wobei er sich auf das zu Himarc. (r. '2'2 (negat nescisso) 
von ihm gesagte beruft. Die worte passen jedoch nicht zu seinem 
Inte, sondern setzen die überlieferte lesart nrque cupiilitat non impn- 
»utt frrrtit» Toraus. Und in der that steht in der autkgahu von t5i)l 
vor der anmerkung das lemma nrqur cupiiiilai non , statt düsseo in der 
▼oo 1601 und dem bipontiner abdruck, ohne ional etwas tu Indern, 
nrt/ur cupidilitti nun gedruckt worden ist. 



278 Tarronische vindicien. 

nec dolorem non adiaforon esse ^ quod philosophia sqq., 
mit erg-änzung" eines vorherigfen nec mortem miseram puto oder 
desgleichen. Ohne ein solches den sinn nicht änderndes non würde 
der g-edanke etwa so lauten; „[ich bezweifle (bestreite) weder, 

dass ] noch dass der schmerz etwas gleichgültiges ist, 

weil ich durch die philosophie nach dieser seite hin mich weich 
(d. h. das widerstrebende natürliche gefühl der Vernunft fügsam) ge- 
macht, auch niemals mir im zorne den zügel schiessen oder die 
hegierde ohne zäum gelassen habe". Was Vahlen hiegegen zu erin- 
nern haben wird, muss ich abwarten ; aber indem ich seinen ausstel- 
lungen gegen meine frühere fassung theilweise recht geben muss *), 
so kann ich mich mit seiner ausbesserung der verdorbenen stelle 
doch auch nur theilweise befreunden. Er schreibt: nec dolorem 
adiafuron esse, quod philosophia conmalaxaram me apathem, ne- 
que irato mihi habenas dedi umquam^ neque cupiditati non inposui 
frenos. Das punctum vor quod und das plusquamperfectum co«- 
malaxaram gehören ihm selbst an, die übrigen Veränderungen 
sind nach Popma gemacht. Nach meinem urtheile ist das plus- 
quamperfectum davon noch am probabelsten, das punctum ungewiss, 
— man dürfte in schlichter prosa wohl kein blosses quod ohne 
irgend eine conjunction erwarten, — cupiditati und imposui ent- 
behrlich; aber conmalaxaram me apathem ist grundschlechtes 
Popma - latein , womit Vahlen sich nicht hätte befassen und uns 
noch obenein zumuthen sollen zu glauben , dass im goldenen Zeit- 
alter der spräche ein vernünftiger mensch solche kauderwelsche 
prosa {probam orationem pedestrem nennt er sie) geschrieben habe. 
Nur die scheinbare leichtigkeit der textänderung kann ihn darüber 
verblendet haben. In metrische form fügt sich das gebilde auch 
nicht: während allerdings der letzte satz in dieser gestalt den 
anfang eines iambischen octonars, wie er auch sonst wohl mit 
trochäischen septenaren gemischt wird, bilden kann: 

neque cupiditati non inposui frenos ../.., 
so dass dennoch hoffnung ist, Vahlen, dem jetzt schon eine leise 
ahnung aufgestiegen zu sein scheint, werde nach aufgebung jenes 
unglückseligen Popmanum noch eine metrische form des fragmen- 

4) Was er gegen die Schreibung philosophia conmalaxavi animum 
et arte Ton seilen des sinncs in betreff der ars auszusetzen hat, yer- 
stehe ich nicht recht. Deutlich war doch wohl , dass ich die ars ri- 
tae oder vivendi meinte. Cic. fin. III, 2, 4. Tusc. U, 4, 12. Varro de 
philosophia ap. Augustin. de civitate Dei XIX, 1, 2. 



Yarronische rindicien. 279 

tes anerkennen oder auffinden , und damit auch der behauptung* 
sich entsclilas'en „«/ iam nultum sit e sex eins saturae fragmentis 
quod metri speciem afferar. Denn dass dies schon ohnehin viel 
zu Tiel gesagt sei, mögen folgende beispiele deutlich machen. 
Baccbisches metrum nämlich hat fr. 6 Non. 458, 33: 
. / . . / , quarcy ö Narce^ prdnsum ac 
pariUum esse te, hoc minume oportet . / .; 
trochäisches fr. 1 Non. 219, 16: 

/ . . • / . quid? tu nön vides in vineis 

quod tria pala hahednt tripales dici? ^) ; 

trochäisches auch fr. 3 Non. 391, 29: 
/... /... /... dlque si 
äddamy quanli misericordid mea fieridibus meis 
tlitf quot miseros süblevarim I . . . / . . ^) , 
oder auch als octonare mit einsilbigem meis: 

dlque si addam quanli misericördia mea heridibus meis 
st^tj quot miseros sübletarim ! . . . I . . . ; 
iambisches mass zeigt fr. 4 Non. 28, 8: 
. / . . . / . . domo ixeOy 
intro it pedes eorrigis ^) compedi6 . . ,• 

5) Ed. Dasil. iripalles. Da Varro »eine fragen gern mit non videa 
beginnt, auch unmittelbar davor die cäsur liegt, so \väre 'v^ohl quid 
tui oder auch quid lumt zu empfehlen. 

6) (juilielnnus änderungen quanli für quanta und quot für quod 
scheint auch Vahlcn p. 63 zu billigen; ausserdem habe ich sublevarim 
geschrieben für suhlet av er im ^ welches sich .illenfails halten licsse. 

7) Ob eorrigis oder cnrri g ii s hier die richtigere Schreibung sei, hängt 
dsTon ab, ob Venantius Fortunatus carm. Vill, 7, 6 mehr recht halte zu 
schreiben: corrtgiamque pedum quoniam est non solvere dignus, oder 
Aralor act. apost II, 81 : <{ua lignt excelsas humilis corrJgia plantas 
und der rerfasser des Reinardus Vulpes III, 2^97 (Ton Henschel zu 
Du Gange angeführt); nulia tibi pendet corrigia ; detege , si qua est. 
Die Ton einigen Torgebrachle ableilung von corrigere, welche für die 
kurze sprechen würde, empfiehlt «ich weder durch die Wortbedeutung 
noch durch die bedenkliche assimilation des nr; die länge des i würde 
•n der gleichen quantität dessellten in den endungen gn und igium 
eine stütze haben. Iil aber das i bng, so ist rorngüs im vorliegen- 
den fslle nur als correclur zu betrachten, und unsere stelle den von 
Lachmann in l.ucrel. V. 85 angeführten bei/uzahlen. Kh ist dann 
aber auch das varronische fragment Manius 21 Non. 448, 27: et cum 
corrigia ditruptas tonnt haridum , rrticum prde penula scortea veiiegere^ 
mit einiger Wahrscheinlichkeit so zu emendiren und zu tcrsiuoirco: 

/ . . ! , . . ! et cum corrigia 

ditrupla tonat dridum. relicuum penuld prdem 

tedriea prrlegere . . ! . , . / . . 
wobfi die umstrllung von penula sowohl durch die gleichheit des wort- 
anfanges in prdem, als auch dadurch unterstützt wird , dass bei Juaius 



280 Varronische vindicien. 

iambische septenare endlich enthält, wie ich g-Iaube, fr. 3 Noii. 
27, 2: multi enim gut limina intrarunt integris oculis strabones 
sunt facti: habet quiddam enim helquisticon promncialia f'ormosula 
uxor. Ton und Inhalt sind auch diesem metrum ganz angemes- 
sen und 

strabones 

sunt facti, habet enim iXicvaTiKov quiddam provinciätis 

formösula uxor 
wohl kaum zweifelhaft, während für die ersten Worte verschie- 
dene möglichkeiten offen bleiben, wie unter anderen mit tilgung 
des enim (s. Hand Tursellin. II, p. 404): 

multi qui intrarunt ^) limina integris oculis^ strabones sqq., 
wofür jedoch ein anderer besseres finden möge. Denn nachdem 
in den übrigen stellen das metrum sich ungezwungen dargeboten 
hat, ist diese eine nicht danach angethan, von dem aufsuchen des- 
selben abzuschrecken. 

Non. 113, 12: Faller e^ exsurgere, iamvere. Manio: tarn 
eum^ ad quem veniunt et ospitium, lac humanum fellasse. Hier ist 
Fellare j exsugere schon sehr früh, lambere Varro Manio von 
Mercier hergestellt worden. Den ausfall des autornamens erklärt 
das V)ere, wofür sich auch vero findet; in dem fragmente selbst 
hat Junius et in in verwandelt, welches, wie bei Popma und 
Laurenberg, so auch bei Dehler (fr. 12) und Vahlen p. 90 auf- 
nähme gefunden. Ich selbst habe Philol. p. 261 geschrieben: 

. / . . iam eum ad quem veniunt höspitem 

fellasse lac humanum . . / . ,, 
was Vahlen a. a. o. misbilligt. Ich gebe ihm zu, dass tarn unter 
Voraussetzung eines nachfolgenden quam sich hier verstehen lässt, 
und daher eine änderung nicht nÖthig ist; sonst wäre mein iam 
so gut denkbar wie sein etiam oder Junius' tum; ich will auch 
nicht streiten über die grössere paläographische Wahrscheinlich- 
keit der tilgung des et oder seiner verwandelung in in ^^) (vgl. 

jenes wort an der steile des fehlenden aridutn steht, üeber relicuum 
vgl. Lachmann in Lucr. V, 679 p 305. Die möglichkeit einer herlei- 
tung von corium überlasse ich den etjmologen nachzuweisen oder zu 
bestreiten. 

8) Oder intrar ant mit Dousa. 

9) Mit der von Vahlen parallel gestellten verwandelung von ut in 
in Marcipor fr. 2 Non. 358, 26 ist es insofern doch eine etwas andere 
Sache, als dies in in allen ausgaben vor der baseler bereits steht, also 



Yarronische Tindicicn» 281 

Hand Tursellin. 11, p. 540); auch mit hospitetn mag nicht das 
wahre getroffen sein, obwohl ich nicht sehe wie die integritas 
sententiae dadurch leiden soll: aber wenn ich auch den ganzen 
damals proponirten hjrstellungsversuch will fallen lassen , so folgt 
daraus immer noch nicht, dass das ganze stück, das, wie schon 
die schwer afficirten worte des Nonius zeigen, in keiner glück- 
lichen stunde seine jetzige gestalt erhalten hat, durch das in für 
et von seinem schaden richtig und vollständig curirt sei. Wie 
wenn nun das et selber heil wäre, und dahinter ein iambisches 
wort, — ich will einmal vorläufig sagen petunt — ausgefallen 
wäre, würden sich dann nicht die unhörbaren numeri noch ganz 
leidlich in folgenden septenaren vernehmen lassen: 

tarn eutn ad quem teniunt ^t [pelunt] hospitium lac humdnum 
felldsse . . / . . . / . . . / . ? 
Dies soll übrigens nur ein unmussgcblicher Vorschlag sein, um auf 
die möglichkeit einer metrischen herstcllung hinzuweisen. Andere 
werden gewiss noch einleuchtenderes finden; ich selbst würde 
z. b. noch conjunctive und ein ut für et mir gern gefallen lassen. 
Auch würde \arro wohl lade geschrieben haben. 

Ehe ich zu einigen anderen stellen übergehe, welche Vahlen 
gegen mich für die prosa zurückfordert, glaube ich sein drittes 
capitel, von welchem die polemik gegen meine aufstcllungen die 
grösserere hälfte einnimmt, nicht verlassen zu dürfen, ohne ein 
paar stellen besprochen zu haben, in welchen auch von ^'ahleu 
verse anerkannt, die von mir versuchten jedoch verworfen wer- 
den. Die eine davon ist rov nuTQog 76 naidiov, jieq] naiBonoii]- 
atmg fr, 4 Non. 9, 19, wo die worte unter dem lemma examus- 
$im bei Gerlach so lauten: ac quare si diu rjens est ad amussim, per 
me licet adsumas tetieo d luxov. Unbefriedigt von den älteren 
emendationsversuchen *0) wie auch von Oehlers coniectura certis- 

quelleom&tiig iit und nicht erst durch diTination zu finden. Tebri- 
gen» ichciot dies fraKmcnt choliambisch zu sein: 

. / . . . .' . . (.Jdrim tnitlit 

rin'lr veretrvm in fnimen, offendit biiceam 

Volümnio . ! . . ./.'., 
und Varro somit auch di'r Liteinisrhen pocsie den yerRus isrhiorrho- 
gicus gestnltet ru haben , der in dem besonderen falle vielleicht der 
zu fcbilderndcn Situation enlAprerhend gewiiblt war. 

\0) Diese sind : von Palnierius quare $i dium genu* et ad amuuim 
p#r me Ueet anumrii , lenro f4ax{>iiy mit beziehung auf Iles^rch. r. fia^ 
XQa und Yi'u^fÄfj f4ax{iä: ?on Mercicr quare si dia gent vtt ad (trniMJim, 



282 Varronische vindicien. 

sima : quare si Diogenes est ad amussim , per me licet adsumas y s- 
V e-0 X i a y. 6 v , habe ich Philolog. p. 263 geschrieben : 

, / . . . qudre si ad divös tibi 

gens ixamussim fpertinet.J per mi licet^ 

adsumas stemma /lian6v , ! . . , 
worin ich nach Vahlens urtheil p. 76 zwar den sinn verissime 
percepiy in hinsieht auf textänderung- aber ne hie quidem violenta 
medela abstinui. Er selbst bringt dann durch eine methodische 
Operation, die sich auch des besonderen beifalls seines centralblatt- 
recensenten zu erfreuen gehabt hat, folgende verse zu stände: 

. . quare si dium genus est ad amussim 

[pol] per me licet adsumas ysvtog Jia avtof 

iciQxnyov]. 
Dass dieser t^xt der Überlieferung näher stände als der Oehler- 
sche, 'kann ich nicht sagen; in letzterem lässt namentlich die 
buchstabenähnlichkeit von TENEOAIAKOJSJ und rENEQJlJ- 
KON schwerlich etwas zu wünschen übrig; ein umstand, welcher 
wohl zeigen könnte, dass in diesen dingen das nächste doch 
nicht immer auch das beste ist. Ich habe, an das ex amussim des 
lemma mich anschliessend und der durch Merciers stemma gege- 
benen spur weiter nachgehend, in der sehr verdorbenen stelle um 
de? evidenten sinnes willen etwas wagen zu dürfen geglaubt: 
wie ich aber gern bereit bin demjenigen den Vorzug zuzuerkennen, 
der mit gelinderen mittein dasselbe erzielt, so muss ich doch er- 
klären, dass ich Vahlens verse auch nicht versuchsweise gemacht 
haben würde, und glaube, keinem einsichtigen dafür noch gründe 
angeben zu dürfen. 

Nicht als behauptung, sondern als einen unter dem schreiben ent- 
standenen versuch, will ich hier noch eine trochäische lesung hersetzen : 

/ . . , / . . . quäre si dium genus 

est ad amussim, per me licet adsumas ysvgäf /jiaxrjv ^') 
oder stemma diaytovy wobei angenommen ist, dass in dem ad- 
iectivum ^mxo<,', welches zwar die lexica nicht verzeichnen, dessen 



per me licet assumas stemma Xffoy. Junius schlug id ingensy Gerlach tov 
viov dtdxovoy Yor. In Junius texte (ed. 1583) steht teneo. Idem 
otäxoiy. Ed. Venet. 1496 hat assumes^ sonst wie oben quare — — 
teneo ohne ac und das griechische wort. Das ac wird ron Vahlen 
richtig aus ag erklärt. 

11) Auch Alaxov würde in den vers passen und sich leidlich auch 
für den sinn eignen. 



Varronische rindicien. 283 

ich mich aber aus meiner lectüre sicher zu erinnern gflaube, das t eio 
langes ist, wie /Jldata Aristoph. nuh. 408, und wie es dem von 
Jioi abgeleiteten z/<«xo\' (Tbucyd. VII, 27. Stephan. Byz. v. Jiov) 
natürlich ist. Bei kurzem vocal wäre eine lesung* in sotadeen 
möglich ; doch möge, wie gesagt , einem glücklicheren Scharfsinne 
besseres gelingen ! 

Mit besonderer Umständlichkeit behandelt Vahlen eine andere 
stelle, Geronlodidascalus fr. 10 Non. 47, 26: novos maritus taci- 
tulus taxim uxoris solcebat cingulum, an welcher ich Philologus p. 
228 durch die versification : 

nöto* maritus tdcitus taxim uxoris sohet cingvium 
in der Verdrängung des deminutivs und des imperfects einer zwei- 
fachen Versündigung mich schuldig gemacht haben soll. Leider 
bin ich auch jetzt noch nicht in der Verfassung sie zu bereuen, 
und muss, um meine gründe dafür zu entwickeln, in eine ähnliche 
Umständlichkeit verfallen , welche darin einige entschuldigung fin- 
den möge, dass bei dieser gelegenheit auch noch einige andere 
stellen zur besprechung kommen. Dass das deminutivum für den 
sinn passend ist, bestreite ich nicht; dass es auch in den septc* 
nar passt, wenn man sich des impcrfectums begiebt, habe ich be- 
reits Eumenid. p. 7 Koch gegenüber zugestanden. Leicht füblbar 
dagegen ist es, dass tacitus gefälligeren rhythmus giebt und die 
assonanz besser ins ohr fallen lässt. Aber es ist aucli nicht einmal 
recht ersichtlich, worauf tacitulus bei Gerlach eigentlich beruht, 
da die beiden hauptcodices und die früheren ausgaben einstimmig 
taciturus darbieten, welchem in sogenannter paläographiscber liin- 
sicbt tacitului nur scheinbar näher steht als tacitus, weshalb 
denn aurb Junius , Turnebus , Scaliger nicht auf jenes scheinbar 
unvermeidliche tacitulus verfallen sind, sondern einfach tacitus 
emendirt haben *^). Ktwas bessere autorität hat jenes tacitulus 
taxim allerdings in der stelle Modius fr. 17 Nun. 550, 17: hanc 

12) Ein sehr Ihnlicber fall liegt Non. 12, 21 TOr, wo an« dem 
Vopiicufl des Afmniua angefahrt wird: «ori non inMcilurnm ancillulam 
vtspere et vntispicam 'fr. 2 Ncukirrh, fr. 'i'i Rihbeck). Auch hier hal 
man in$eitutam «chwcrh'ch mil f^lürk hprgratcjlt ; wenigstcnR k.inn die 
Ribbeckinche faniung doi fragniciilpi nirhl befriedigen. Von mi tri- 
tcber seile dürflr aich am rni-iii(cn empfehlen: 

nöoi non inicitam ancill a m rrtprre rt vrilitpicam ^ 
mit TOrbehall einer aus vrtprre et elwa noch zu entfernenden verderh- 
oiat. Dan tmcitam haben übrigens achon Ciöller und ti. Ilcrniaon 
▼orgebrachu 



284 Varronlscbe vindicien. 

eandem voluptatem tacitufus taxim consequi lapathio et ptisana pos- 
sum, aber auch hier nicht ohne die Variante lacitusy welche Ju- 
nius am rande, wo er zugleich taciturus vennuthet, aus einem 
codex des Susius anführt, und die ich ausserdem in der ausgäbe 
von 1496 finde. Auch hier passen, wie ich ebenfalls Eumen. p. 
7 anerkannt habe, beide lesarten zu einer metrischen fassung des 
frag-mentes, und ich lasse es dem urtheile eines jeden anheimge- 
stellt, ob er meine trochäischen septenare: 

/ . hanc eandem voluptatem täcitus taxim consequi 

lapathio et ptisana possum / . . . / . . , 
welche ich Eumen. p. 7 neben den Philol. p. 228 gegebenen se- 
naren aufgestellt habe, für annehmbarer halten wird, oder Vah- 
lens iambische septenare p. 72: 

. / . . . / . . hanc eandem [enim] voluptatem 

tacitulus taxim consequi lapathio et ptisana possum, 
in deren zweitem, schon von Meineke ztschr. f. d. a. -w. 1845 
sp. 740 in dieser form gegebenen verse das fragliche wort durch 
seine Stellung am versanfange allerdings etwas gewinnt, während 
enim von Vahlen zur Verbesserung des auch schon von Koch p. 25 
statuirten rhythmus der ersten worte eingeschaltet worden ist. 
Nun ist es allerdings nicht nur nicht zu leugnen , sondern auch 
aus der natur der sache sehr wohl begreiflich, dass der Schreib- 
fehler, wonach statt des deminutivums das grundwort gesetzt wird, 
recht häufig in den handschriften vorkommt; aber der umgekehrte, 
wenn auch seltenere fall, ist doch aus dittographien , undeutlichen 
und missverstandenen compendien, und welches die verschiedenen 
irrthumsquellen sonst sind, eben auch zu erklären und nicht ohne 
beispiel, wie z. e. Turpil. Lemn. fr. 1 Rb. Non. 363, 15 das stär- 
ker bezeugte pausillulum vor dem versgerechten pausillum, oder 
Attii Andromed. fr. 1 Rb. Non. 20, 28 auch um des verses wil- 
len das handschriftliche circulos vor Merciers emendation circos^ 
und vermuthlich auch Afran. Vopisc. fr. 22 Rb. Non. 12, 22 an- 
cillulam vor ancillam '5) weichen muss. Auch dass im Bucco 
adoptatus des Pomponius fr. 1 Rb. Non. 178, 20 tacitus taxim 
steht und allein stehen kann, so wie dass ausser den beiden an- 
gezweifelten stellen das wort tacitulus nicht vorzukommen scheint, 
sind, wenn auch nicht entscheidende, so doch auch nicht gewicht- 
lose umstände. — In der Verdrängung des imperfectums ist 
13) S. not. 12. 



Yarronische vindicieii 285 

Koch mein mitschuldisrer , welcher p. 25 soicit für sohebat zu 
schreiben gewagt hat. Zwischen solcet und soltit zu entscheiden, 
ist reine divination ; aber zur Substitution einer kürzeren verbal- 
form für das imperfectum liegt die paläographische berechtigung 
ausser zweifei, weil sich die sache öfters als nothwendig heraus- 
stellt. Wenn ich z. b. auch Cosmotoryne fr. 1 Non. 3, 25 mein 
für deuigebat gesetztes letiget (Phil. p. 228) aufgeben will , so 
ist doch 'Innoxvcof fr. 2 Non. 36, 30 , wo ich schreibe (Philol. 
ebenda«.) : 

ApoUönium ideo exniriant quia nil habet 
für nihil habebat, dem imperfectum durch die annähme, dass ca?- 
curiant ein praesens historicum sei (Vahlen p. 67), nur eine sehr 
schwache stütze gegeben; ja Vahlen selbst hat p. 43 nicht nur, 
wie ich es p. 264 nach Scaliger auch gethan, Papiapapae fr. 14 Non. 
456, 7 detnitt e b a ntur in demittuniur verwandelt, sondern auch 
Sexagessis fr. 4 Nun. 283, 18 mit Wahrscheinlichkeit, wenn auch 
ohne metrische nöthigung ducit für ducebat verlangt; und so 
wird auch wohl der vers des Lucilius sat. M, 15 gelautet haben: 

zonalim circum impluvium cinerariu cludit , 
obgleich bei Nonius 190, 1 cineraris cludebat geschrieben steht. 
Aber an unserer stelle, meint Vahlen p. 68, sei das imperfectum 
solrehat nothwendig, denn fr. 8 Non. 166, 15: 
rapta a nHcio quo tnüUone rdptöri» 

rämice* rumpit ... / . . . ! ! .<, 
bilde dazu den contrast in der von Varro hier, wie so oft, ge< 
machten gegenüberstellung der alten und neuen zeit: „Olim no* 
VU8 maritus uxoris, quam rite duxerat, cingulum in lecto geniali 
tacitus solvebat: nunc virgo Romana temere rapta a nescio quo 
mulione raptoris ramices rumpit''. Nun , so ganz nahe können 
die beiden stellen einander schon des versmasses wegen nicht ge- 
standen haben ; er selbst führt ja p. 80 das letzterwähnte frag- 
ment auf trochäische skazontcn zurück, und nimmt für das in 
frage stehende p. 69 und 225 iambischc septenare an ; und jene 
■it ihrer strenggriechischcn, diese mit ihrer freieren altrömischca 
messung dürften bei aller freiheit der satirc wohl schwerlich mit 
einander in lo vertraulicher nahe neben einander gegangen sein. 
Dann aber ist auch der gegensatz selbst hier ein gesuchter , als 
ob zu Varro's Zeiten in Rom niemand mehr tacitus taxim den 
gUrtel seiner neuvermählten gelöst hätte, als ob die raptu nicht 



28Q Varronlsche vindicien« 

auch hätte eine verheirathete dame sein können, die mit ihrem 
mulio durchg-ing-, und das ramices rumpit schlechterdings von den 
folgen geschlechtlicher anstrengungen verstanden werden uiüsste, 
die jene ihrem derben entführer zumuthete ; konnte sie ihm ja doch 
das leben noch auf manche art sauer genug machen, für welche 
jener ausdruck mehr in Übereinstimmung mit dem gewöhnlichen 
sprachgebrauche war. Ich will übrigens hiemit gar nicht gesagt 
haben , dass dies fragment nicht könnte — und der titel ysQov- 
ToötddaHuXoi^ scheint sogar dafür zu sprechen, — zu einem war- 
nungsbeispiele gehört haben, welches jemand einem alten herrn 
vorhielt, der noch daran dachte, mit einer jungen frau in aller 
gemächlichkeit die freuden der ehe zu geniessen. Denn auch 
fr. 4 Non. 195, 16: 

nöctu cultro s4 coquinari traiecilj nöndum enim 

Uli incenti eränt cultelli impörtaü e Bithynia *''•), 
lässt sich als zu einer ähnlichen abschreckungsgeschichte , etwa 
im munde eines dritten interlocutors, gehörig denken. Sodann ist 
aber auch der umstand beachtenswerth, dass, während Vahlen das 
fragliche fragment in iambischen septenaren abgefasst sein lässt, 
nämlich p. 69: 

novös maritus täcitulus taxim üxoris solvebat 

cingillum, 
oder mit minder schwerem tonfalle p. 225: üxori exoloehat: die- 
jenigen fragmente dieser satire, in welchen wirklich von altrömi- 
scher sitte im imperfectum geredet wird , die metrische form von 
iambischen octonaren haben, deren character bekanntermassen von 
dem der septenare wesentlich verschieden ist; so fr. 5 Non. 214, 
19 nach Vahlens eigenem urtheile p. 80: 

14) Die Veränderungen iUi und importafi für mihi und empestati 
habe ich mit Vahlen und Oehler nach Lipsius beibehalten, ausserdem 
die werte coquinari se umgestellt. Vahlen, der p. 80 dasselbe metrum 
anerkennt, liest: / noctii cullrö coquinari se tr. n. e. oder den vers ver- 
vollständigend: nöctu cultro coquinari [istr] se traiecit, vfobei die proso- 
die nicht ihr recht erhält, — Bei dieser gelegenheit sei es mir er- 
laubt zur ben'chtigung eines fehlers anzumerken, dass das Philol. p. 
276 von mir angeführte fragment aus Varro's epistula ad Neronem 
nach dem citate Non. p. 26, 14 zu lesen ist: 

! . . . ! . . . .' . . nam si tuam 

redam non habuissemj hnberem vdrices , 

wenn aber das citat p. 167, 24 richtiger ist, dafür 

. / . . quod si tuam heri redam non habuissem, 

haberem varices / . . . / . . . / . 
als metrische form sich annehmen lässt. 



Tarronische rindicien. 287 

quotiins priscus homo ac rüsticus Romdnus inter nündinum 

barbdm radebat? / . . . / . . . / . .. 
und fr. 11 NoD. 55, 7: 

. / . . . / tehebatür cum uxore tihiculo 

semel aüt bis anno, cum drceram^ si nön veliety non stSrneret. 
Weno nuD freilich, nach meinem getühle wenigstens, für den 
ernsten constrast, den Aahlen hier zu finden glaubt, der iambi- 
sehe septenar mit seiner leichten heiterkeit kaum das entspre* 
chende versmass gewesen sein dürfte: so blieb ihm doch, wenn 
er tacitulus und solvebat durchaus beibehalten wollte, wohl keine 
andere wähl als diese oder die nachträglich wieder von Bücheier 
p. 434 empfohlene prosa übrig. Dies metrum verlangte dann 
aber auch die verwandelung von cingulum in cingillumy zu 
welcher alsdann das nonianische lemma und dessen erklärung als 
stütze dienen muss. Dieses nämlich lautet: Cingillum (so die 
baseler ausgäbe nach codd. W. L. , die früheren ausgaben Cin- 
gulum) a vingendOy quod incingulum plerumque dicitur. Varro 
Gerontodidascalo sqq. Da nämlich cingulum häufiger vorkommt 
als cingillum, und incingulum^ obwohl an sich möglich, doch aus 
keiner anderen stelle bekannt ist, so emendirt er: Cingillum 
a cingendo, quod cingulum plerumque dicitur, und setzt dann in 
die varronisclie cingillum für cingulum ein. Gegen ein solches 
verfahren ist im allgemeinen nichts zu sagen, wenn auch die er- 
klärung schwach ist, dass aus einem ursprünglichen Varro in 
Gerontodidascalo die präposition in sich an eine falsche stelle ver- 
irrt habe. Hat aber Vahlen recht damit, dass bei Paulus excerpt. 
Fest. p. 63 M. v. cingulo aus der lesart zweier guter Codices 
(Uuelph. 2 und 5lonac.) ^^) cingilio für cingulo ebenfalls cingillo 
herzustellen sei; hat ferner auch bei Varro ling. lat. V, 23 
der Florentinus wirklich cingillum statt cingulum; so ist die 
form cingillum zwar immer noch seltener *^) als cingulum über» 
haupt , doch wird durch dieses wort der weiltliche, speciell der 

15) Der nXchtt beste cod. Berol. hat cingulio, weichet ilch lur 
yulicai» cingulo Terbfill, wie das comugilio des (juelph. 1 zu dem con- 
iufjilo der allen autgaben. 

16) Ich finde nie au saerdem norh Petron. 67, 4 venit rrgo gnlbino 
iutcinrta cinr/iJlo ila ut infra crrasina apparrrrt tunica ; ferner wird in 
(l'fi Noii» l'ironianii p. 15H ed. («roter, rol. I ein leirhen durch cin~ 
fjillum erklärt , und io dem glossariuro des Philoxenus steht : c%n<j\Uus, 

CHfÖfftO¥, liiÜt>M)¥. 



288 Vaironischc vindicien. 

bräutliche g-ürtel *^) immer noch minder häufig- als durch 
zona '^) bezeichnet. Ferner darf man, mag" cingulum oder cingil- 
tum das richtig-e lemma sein, an incingulum auch schon darum 
keinen anstoss nehmen, weil bei den späteren grammatikern und 
glossographen, wie Nonius, Servius, Isidorus , Paulus , der fall öf- 
ters wiederkehrt, dass ein altes gutes , mitunter gar nicht einmal 
sonderlich seltenes wort durch einen uns sonst wenig oder gar nicht 
bekannten idiotischen oder provinciellen ausdruck erklärt wird '9), 
wofür ja auch jenes incingulum anzusehen nichts uns verbietet. 
Zugegeben endlich auch, dass im lemma des Nonius cingillum und 
nicht cingulum die authentische lesart sei, so folgt daraus allein 
noch nicht, dass in dem beigebrachten citate das fest überlieferte 
cingulum einer emendation cingillum den platz zu räumen habe. 
Denn zu denjenigen fällen der bei Nonius sehr oft vorkommenden 

17) Die stellen, in welchen ich zur zeit das worl in dieser be- 
deutung gefunden habe, sind folgende. Paul. exe. Fest. p. 63 M. v. 
Cinxiae. Arnob. adr. nat. III, 125. jMartian. Capcll. II, 115. 149. 
Claudian. VI cons. Honor. 525. Lactani. instit. II, 7, 12. Esai. 3, 24 
ap. Cyprian. de habit. virg. 13. Valer. Flacc. III, 526. Vergil. Aen. 
1, 492. Bei Tertullian. de cult. femin. 1 , 7 wird für cingulis auch 
circulis, bei Augustin. de civit. Dei XXII, 8, 21 statt cingulo auch 
vinculo gelesen. Lactant. inst. I, 9, 2 kann zweideutig sein, doch ist 
wahrscheinlich der kriegerische gürtel gemeint, wie subcingulum Plaut. 
Menaechm. 200; wogegen der gürtel der Venus, bei Valer. Flacc. 
VI, 471. VII, 174 cingtda, bei Apulei. de magia 31 cingulum genannt, 
von demselben Apuleius metamorph. II, 8 mit balteus, bei Minucius 
Felix 22 mit lorwn bezeichnet wird. Auch Petron. 21, 2 kann man 
hieher ziehen. 

18) Catull. 2, 13. 67, 28. Ovid. heroid. 2, 116. 9, 66. remed. 602. 
fast. II, 318 sq. metamorph. V, 470. X, 379. amor. 1, 7, 48. Horat. 
carm. 1, 30, 6. Senec. Hippolyt. 390. Oedip, 421. Martial. XIV, 15f. 
Augustin. civ. Dei IV, ll. VI, 9. XXII, 8, 21. Esai. 3, 24 in der 
vulgata. Zonula Catull. 61, 53. Seren, ap. Non. 539. 19. 

19) Einige beispiele aus Nonius: p. 21, 23 caries est vetuslas vel 
putrilago , unde caricc.um (vielleicht cariosum) veter es dixerunt. 24, 
19 portitores dicuntiir telonearii. 25, 18 catax dicilur quem nunc 
coxonem vocant (vgl. Philologus IX, p. 269 anm.). 537, 20 plagae^ 
grande linleum tegmen , quod nunc torale (vgl. 11, 16) vel lectuariam 
sindonem vocant. 539, 17 rica est quod nos sudarium (s. v. a. orarium) 
dicimus. 542, 1 ricinum , quod nunc mafurtium dicilur, palliolum 
brevc (vgl. Serv. ad Vergil. Aen. I. 282. Isidor. ong. XIX, 25, 4. Du 
Gange glossar. med. et inf. latin. v. mafors. Michael Sachs beitrage 
zur Sprach - und alterthumsforschung aus jüdischen quellen I, p. 88f.). 
548, 17 impluviatus color .... qui est Mutinensis quem nunc 
dicimus. 549, 30 pullus color est quem nunc Spanum (vgl. Rhodii lexi— 
con scribonianum p. 443. Salmas. ad Capitolin. Anton, phil. 1, der 
den color Spanus mit xoQa^og gleichstellt, obgleich bei Vitruv. VIII, 
3, 14 pullus und coracinws color unterschieden werden) vel nativum 
dicimus. 551, 21 sapa, quod nunc mellacium dicimus. Vgl, auch Isi- 
dor. orig. XII, 1, 53. 55. 



Varroni«ehe Tindicien. 289 

nichtübereinstimmung- zwischen lemma und citat, in welchen nichts 
als eine corruptel vorlieg-t und das eine schlechtweg* aus dem 
andern emendirt werden muss, kommt noch eine ziemliche anzabl 
anders gearteter, in welchen es sich nicht sowohl um die form 
als um die bedeutung- eines Wortes handelt, und bald dem im 
lemma stehenden worte in den nachfolgenden beispielen ein oder 
■ehrere davon abg-eleitete folgen ^O), bald auf etwas abweichende 
nebenformen kein g-ewicht geleg-t wird. Von letzterer art ist 
s. b. p. 80, 30 baubare, wozu aus Lucret. V, 1070 baubantur^ 
p. 114, 25 grunnire, wozu aus Varro, Cicero und Laberius 
grundit, grunditum und grundieniem angeführt wird, ohne dass 
deswegen baubar i und wie p. 464, 33 grundire geschrieben 
werden müsste, oder bei Varro Taqtr] Mevinnov fr. 16 parietes 
incrustatos für crustatos zu setzen wäre '^'), wie nach anderen 
auch \ahlen p. 160 gemeint hat, weil es bei Nonius unter dem 
lemma • n crustatum steht. Der grammatiker stellte eine ihm per- 
sönlich gelaufige form voran, und Hess dann die beispiele mit den 

20) So z. b. p. 92, 19 contrahi (contractio, contractiuncula), 119, 18 
gramiae [gramiosis ocvlis). 539, 12 indusium {industolam). f)4l, 28 limbus 
{Hmbolarii) u. 8. w. Umgekehrt 62, 32 exterebrare {terebra). 

21) Ich lese dies fragment so: 

.' . . l^6aTQ(i)Ta puvimenta et parietes crustatos^ 
and halte diese messung, ohne darum eine andere, in welcher aach 
incrustatos in gebrauchen wäre, unbedingt zu verwerfen, auch dadurch 
empfohlen, dass das, wie auch Vahlen a. a. o. bemerkt hat, nahe da- 
mit zusammenhängende fr. 14 Non. 140, 3 nfQKxoyrnQiat^ mihi facies 
maeandrata et rinculata atque etiam adeo inges orhem terrae mir gleich- 
falls in trochäischen octonaren geschrieben zu sein scheint, näm- 
lich M»: 

itfQUjfoyrdgta mihi facies mdeandrata et virgulata 

dtqur etiam adeo pinges orhem terrae . . .'..., 
wobei pinges eine sichere emendation ron Roth, und tnrgulata Ton O. 
Ribbeck rh. mus. XIV, p. 127 gefunden ist Das rerdienst, in der 
deulung dieses Fragmentes zuerst die richtige spur gefunden zu haben, 
gebührt Vahlen; nur ist seine emendation nt (> i f/orra flacunaj ria 
weder sprachlich noch sachlich genügend, rermirulnta, was er mit Sca- 
liger geschrieben, ebenfalls auf keinen plafond anwendbar, und et in 
media mit sireirhung von atque wenigstens nicht leichter herzustellen, als 
atgue in media, mit Streichung von et, wobei doch der rers bestehen kann. 
ntgttxoyraQioy erkläre ich als ein vielleicht ex tempore im volkstone ge- 
bildetes deminutiv von nt^tt^^'*', von einem suhstantivirten partiripium 
abgeleitet wie Imavato^, olxovf^tyixof u. dgl., dieses ntQitxoy aber ver- 
stehe ich hier als einfa$»ung eines wandfeldes , welche der redende 
von einem maier in der durrh die adjertiva bezeichneten manier aus- 
geführt, und in dem felde selbsl eine weitkarte (vgl. Varr. r. rust. I, 
2, 1 in pariete pictam Italiam) dargestellt sehen will. 



j^90 Varroniscbe viiidicieu. 

von ihren Verfassern gebrauchten folgen ^^). Dies konnte auch 
bei cingillum und cingulum, obwohl der unterschied beider wÖrter 
in voller schrift sehr gering und ein Schreibfehler sowohl nach 
der einen als nach der anderen seite hin leicht möglich ist, sehr 
wohl der fall sein; und wenn die vermuthung, dass cingillum^ 
wenn nicht der gemeine, so doch der bekanntere name für dies 
stück der weiblichen toilette war, um so weniger unzulässig ist, 
als man eben in den späteren zeiten bei cingulum mehr an den 
militärischen gürtel und seine bedeutung für rang und stand zu 
denken pflegte (s. die lexica von Forcellini, Gesner und Du Cange 
s. V., auch Barth, adversar. XXIX, 2; ad Claudian. in Eutrop. 11, 
320. epist. 1, 50): so schwindet damit auch die nöthigung, das 
varronische beispiel nach dem nonianischen lemma zu ändern. Doch 
über diese stelle ist nun wohl schon übergenug geredet, um er- 
klärlich zu machen , dass ich mich durch Vahlens restitution noch 
nicht zum aufgeben der meinigen bewogen finde. 

Bevor ich jetzt noch einige stellen berühre, welche Vahlen 
meinen herstellungsversuchen entgegen für prosaisch erklärt hat, 
und damit sein drittes capitel verlasse ; erlaube ich mir über die sonst 
noch nicht von mir behandelte stelle der Lex Maenia fr. 5 Non. 



22) Dass grunnire später für grundire gebräuchlich war, zeigen 
nicht nur stellen, wo es ohne yariante steht, wie Juvenal 15,22. Cha- 
ris. inst, gianim. III, 1 p. 247, 4 K. Isidor. orig. XII, 6, 13. Paul, 
exe. Fest. p. 97, 5 M. nebst den bei Du Cange s. v. und v. baulare 
und bei Sturz opusc. p. 165 angeführten, sondern es wird auch aus- 
drücklich bezeugt yon Diomed. art. gramm. I, p. 383, 30 K. lieber 
haubare neben haubari vgl. die stellen bei Sturz opusc. p. 145 und 
Hiidebrand ad glossar. Paris, saec. IX, p. 189 , aus welchen sich die 
activische form ebenfalls als die in späterer zeit populäre zu ergeben 
scheint. So dürfte auch für die Überziehung und Verkleidung der 
wände, namentlich der mit marmor, das compositum incrustare , abge- 
sehen von seinem sonstigen gebrauche (Lucil. XVIII, 3 ap. Porphyr, 
ad Hör. sat. I, 3, 56. Varr. r. rust. III, 14, 5. Horat. sat. 1. 1. Scri- 
bon. Larg. comp, medic. 135), der alltägliche ausdruck gewesen 
sein, nach Varr. r. rust. I, 15, 1. Digest. VIII, 2, 13. L, 16, 79. Doni 
inscript. II, 6, das simplex aber der gewähltere, und ausser der frag- 
lichen stelle nur noch Lucan. X, 114 vorkommen. Parietes crustati 
werden zwar auch von Isidor. orig. XIX, 13 genannt, so jedoch, dass 
die gleich darauf c. 14 folgende erklärung von lithoslrota fast den an- 
schein erregt, als stände die stelle in mittelbarer beziehung zu unse- 
rer varronischen. Wenn auch Plinius in dem elenchus von nat. bist. 
XXXVI, (7) crustare von der marmorläfelung gebraucht hat, so ist er 
eben ein liebhaher eines minder gewöhnlichen ausdruckes. Cyrill. 
gloss. gr. lat. : /uaQfxdQWCi'S, incrustacio. nkaxiS, incrusto. nXaxoi^tiott ol- 
xia, incrustata domus. Exe. gloss. gr. lat.: nkdxüictg, incrustaüo. Vgl. 
auch anm. 20. 



Varronischc vindicien. 29i 

79, 21 noch die beiiierkung- einzuschalten, dass, wenn Vahlen 
auch mit recht an den wunderlichen versen Gerlachs und Oehlers 
anstoss g-enommen hat, doch die spräche selbst ihn hätte abhalten 
sollen , die stelle für prosa zu nehmen. Das metrum ist auch 
sehr leicht herzustellen: 

I . . ad biciram tenio^ [^*'^] ^^^ velletn ostendere, 

quid vellem, Metdmelos, Inconstdnliai fUius ^ 

tni reprehendit / . . . / . . . / . . ,* 
ich habe nämlich nur cui vor cum eingeschaltet und Inconstantiai 
für Inconstanli a e geschrieben. Den genitiv auf ai, welcher durch 
eine Umstellung in Inconstantiae me ß/ius \ reprehendit sich ver- 
meiden lässt, halte ich der gespreizten spräche dieser stelle für 
angemessen ; und glaube , dass ein solcher auch sonst in diesen 
Satiren anzunehmen ist, wie vielleicht ".^u^tov fm^BU{^) fr. 2 Non. 
179, 11: 

! . . . / . . quaerö /c, uirum hoc addnxerit 

caeli temperdlura an terräi bonitas ! . . ; 
denn es wäre doch wohl zu weit gegangen , wenn man meinen 
wollte, Nonius hätte mit seinen Worten Tetnperatura pro temperte 
die Sache auf den köpf gestellt, und schreiben sollen: caili tem- 
peries an terrae bonitas. Aber quaero ä te herzustellen, wird un- 
bedenklich sein. 

P. 27 sq. bekämpft Vahlen die verse die ich in *'Ot'og Xvgae 
fr. 1 Non. 56, 9 zu finden geglaubt habe Philol. p. 203 , indem 
ich aus den Worten : voces Amfionem tragoedum , iubeas Amfionis 
agere partit infantioretn, quam mens est mulio durch die transposi- 
tion partis agere Amphionis und durch die annähme eines hinter 
infantiorem ausgefallenen intenies drittehalb iambischc senare her- 
ausbrachte. Ich muss den sinn, welchen ich in der stelle gefun- 
den, auch jetzt noch für richtiger halten als die Vahlen'sche In- 
terpretation p. 26, und sehe mich darin durch Ribbeck p. 118 
unterstützt, der mein intenies wenigstens dem gedanken nach 
billigt. Was die verse hetrifl't, so möchte ich sie eben auch jetzt 
noch nicht Nriiierbthin verwerfen ; doch lassen sich die worte, so 
wie bii' übcrlictVrt sind auch als iambische Neptcuarc lesen : 
coces Amphionem tragoidum, 

%uln . tionis agere partis, infantiorem, 

quam m. u.. est muliö . . . / . . . / . ; 
und den iweiten dieser verse macht weder die ijUaba ancepi In 



!29St Varronisclie vindicien. 

der mitte noch die betonun^ Amphionis unmög-licli. Denn ich 
glaube , dass Ritschi zu strenge verfährt , wenn er die betonung 
der endsilben dactylischer und dactylisch auslautender Wörter ab- 
leugnet, wobei er sich in praxi auch nicht consequent geblieben 
zu sein scheint. Doch darüber ein anderes mal. Besser freilich 
würde mir der vers gefallen wenn er lautete: 

iubeäs [cum] agere Amphionis parlis, infantiörem. — 
P. 48 werden die sotadeen bestritten, die ich Philol. p. 573 
für Papiapapae, tifq} iyumfucov fr. 5 Non. 213, 25 angenommen 
habe. Ich bemerke dazu , dass ich dieselben rhythmen jetzt mit 
leichterer mühe herstellen kann , nämlich 

inperito nönnunquam [etidm\ concha videtur 
mdrgarita , nur um simardpdos . . / . , 
wovon mir nichts als das etiam angehört, das übrige Mercier, 
Vahlen und Ribbeck occupirt haben. 

P. 101 ist Vahlen mit meiner behandlung von Sesquiulixes fr. 20 
Non. 344, 8 nicht zufrieden, und meint auch unter andern, die 
Worte seien wider ihren willen in verse gezwängt worden. Von 
dem metrischen nachher; sonst verarge ich ihm sein urtheil nicht 
sonderlich, da ich mir selbst bei dieser stelle nie recht genügt 
habe. Die hinweisung auf vSchopen's behandlung im älteren rhein. 
mus. I, p. 528 nehme ich mit dank an; und trage über den pi- 
leus des Odysseus meinerseits eine Verweisung auf die von Osann 
ztschr. f. d. a. -w. 1855 sp. 7 gebrachten belege nach. Indess 
die Sache scheint mir durch eine einfache annähme der erklärung 
und emendation Schopen's noch nicht erledigt. Das fragment, als 
beweisstück für den satz merum est solum von Nonius angeführt, 
lautet bei ihm ohne eigentliche Variante so: Diogenem postea pal- 
lium solum habuisse, et habere Ulixem meram tunicam, pilleum ideo 
non habere. Nach Schopen's auffassung will Varro sagen , Dio- 
genes habe seinen mantel auch als kopfbedeckung gebrauchen 
können , dies sei dem Odysseus mit seinem blossen x^rwv nicht 
möglich, deswegen habe er den hut; es wird demnach das non 
von ihm hinausgeworfen. Dies ist ganz gut, wenn nur das solum 
nicht wäre, welches mich dazu ge- oder verleitet hat pilleum in 
pallium zu verwandeln, um Varro sagen zu lassen , beide , Dioge- 
genes und Odysseus seien einander darin ähnlich, dass jeder nur 
ein kleidungsstück, der eine nur ein pallium, der andere nur eine 
tunica getragen, der held des Stückes also, der cynische weltrei- 



Varronischff Tindicien. 293 

sende durch schule und leben, Sesquiulixes , das philosophische 
pallium zu seiner tunica nicht brauche. Es mag* die ansieht über 
den character des Sesquiulixes, die ich hier und Phil. p. 256 an- 
gedeutet habe, eine unrichtig-e sein , obgleich ich sie durch Vah- 
len nicht widerlegt glaube ; es kommt am ende für die vorliegende 
stelle nicht so viel darauf an ; wenn ich aber zugebe, dass nicht 
das spiel des Zufalls den hut des Odysseus in diese stelle hinein- 
gebracht habe, und pileutn oder pilleum (beachtenswerth ist die 
fast consequente Schreibung des Wortes mit 11 in den besten codd. 
der verschiedensten Schriftsteller,) nicht anzufechten sei; so muss 
ich an solum anstoss nelimen , weil es doch kaum ein richtiger 
gedanke sein kann, dass Odysseus einen hut trage, weil er nur 
eine tunica und nicht , wie Diogenes, nur ein pallium habe , man 
müsste ihm denn etwas gezwungener weise die Wendung geben, 
Diogenes habe zwar nur ein pallium gehabt, Odysseus aber habe 
iogar nur eine tunica , und trage deswegen , um den köpf zu be- 
decken, einen hut. Es entsteht mir daraus die vermuthung, dass 
pallium solum , so richtig es auch an und für sich von der klei- 
dung des Diogenes gesagt wäre, hier doch nur ein vielleicht durch 
(las merum est solum oder die vielleicht einem merum in den bei- 
spielen beigeschriebene glosse solum veranlasster Schreibfehler für 
palliolum sein möchte. Nicht unanstössig ist aber auch bei dieser 
auflfassung das c«»pulative et, welches ich früher gestrichen habe, 
weil es mir auch für die damalige nicht passte; näher möchte 
es indessen noch liegen , in habuisse et eine verderbniss von Aa- 
huisse set zu erblicken. Nehme ich zu diesen, wie es scheint, 
•lurch den sinn der stelle gebotenen änderungen aus meiner frü- 
heren restitution das deminutivum tuniculam und dessen Umstel- 
lung mit meram hinzu , so möchte sich das folgende wohl noch 
immer leidlich versificirt finden lassen : 
/ . . , / . . . / Diogenem pöstea 
päUioUtm habuissi, $et habere Vlixem tuniculdm meram 
pileum ideo habere . . / . . . / . . , 
und wegen der betonung habuisi^ eine herufung auf Ritschi pro- 
leg. Plaut. Trinumm. p. 225. 280 nicht unzulässig sein. Auch 
für das non findet sich vielleicht n(»ch ein |inssender Stellvertreter. 
Die verMe, welche ich Philul. p 255 für Sesquiulixes fr. 8 
Non. 99, 30 aufgestellt, und welche bei Vnhicn p. 121 wenig- 
stem tbeilweise billigung gefunden hohen, sind bereits von mir 



294 Varronische viudicien. 

selbst aufgfegeben ^^) und Eumeu. p. 10 durcli audere ersetzt wor- 
den. Wenn ich hier schrieb; 

undm viam Zenöna moHvisse duce virtüte^ 
hanc isse nobilem^ älter am Epicurön desnbuldsse, 
bona corporis secütum . . . / . . • / • , 
so wird der haupteinwand dag^eg-en wohl darauf gerichtet sein, dass 
ich zu dreist Epicurön für Carneadem gesetzt habe ; denn ob aus mo- 
uisse und moinisse lieber molioisse oder moenimsse zu machen sei, ist 
von untergeordneter bedeutung-, und das übrige ausser controverse. 
Dazu ist die Wortfolge jetzt ganz der Überlieferung entsprechend. 
Dass von Epikur mit den obigen Worten geredet werden konnte, 
wird man vielleicht nicht bestreiten ; der fehler in den namen wäre 
freilich schon dem Nonius selbst aufzubürden, der, wenn er beide 
stellen, diese und die oben besprochene, fr. 7 Non. 83, 25 alte- 
ram viam deformasse Carneadem virtutis, in seiner quelle kurz 
vorher ang-eführt fand, sich durch die buchstabenähnlichkeit curon 
de verleiten lassen konnte, hier carneadem zu wiederholen. Da 
sich aber nach den erörterungen von Madvig ad Cic. de finib. p. 
833 sq. nicht leugnen lässt, dass die prima naturae des Carnea- 
des von manchen auch als bona corporis gedeutet wurden ; so ist 
die Wahrscheinlichkeit des angenommenen irrthums doch auch wie- 
der nicht gross genug, um Carneadem entschieden beseitigen zu 
dürfen. Mit diesem namen aber kann wieder der vers nicht be- 
stehen, wenn zugleich desubulasse beibehalten werden soll ^^), wel- 
ches ohne Variante ist und mit dem gleichfalls ohne Variante ste- 

23) Mit wegen des auch von ihm p. 115 bemerkten Übelstandes, 
und weil ich eine composition, wie er sie p. 121 vermuthet, für höchst 
unwahrscheinlich, um nicht zu sagen, für unmöglich hielt. Früher 
hatte ich gelesen; ünam Zenonem viam, Carneadem, bona secutum corpo^ 
vis in trochäischen septenaren, welche im ganzen anerkennend Vahlen 
unamque viam Zenona für den schluss eines vorhergegangenen anderen 
metrums nehmen zu dürfen meint. 

24) Einen dienst, wenn freilich auch nur einen sehr mittelmässi- 
gen, würde man dem verse durch eine Schreibung altram leisten kön- 
nen. Dass die synkopirten formen bei diesem worte nicht a priori 
verpönt waren, zeigen die composita altrinsecus, altrovorsum und allror- 
sus. Durch die anerkennung derselben hätte 0. Ribbeck in fr. 2 aus 
dem Ariolus des Naevius bei Macrob. saturn. III, 18, 6 die annähme 
dreier lücken vermeiden sollen. Auf demselben wege lässt sich bei 
Plaut. Capt. 306 einem alterius mit kurzem i entgehen. Und Varro 
selbst liess sich im Manius fr. 13 Non. 540, 28 vermuthlich durch den 
anapästischen rhjthmus bestimmen zu schreiben : 

altrüm dormire bene äcceptum super dmphitapa bene mölü, 
wo bisher alterum bene äcceptum dormire gelesen wird. 



Varronische vindicien. 295 

henden lemma: Desubulare, perfodere, übereiustimint. Scalig-ers 
conjectur des a bulasse würde zwar dem metrum g-enügen , nicht 
aber der erklärung* perfodere, wenn auch die sonstig^en einwen- 
dung-eu , welche ich Philol. p. 251 sq. dagegen erhoben, minder 
ins gewicht fallen sollten, als ich glaube '^^). Sollte sich daher 
für dies des a bulasse wirklich eine angemessene bedeutung ermit- 
teln lassen, so hätte Nonius, dem allerdings manches menschliche 
begegnet ist, zu der falschen lesart sich auch eine falsche er- 
klärung ersonnen, indem er das wort von sübula ableitete ; ob er 
selbst, oder der, den er etwa ausschrieb, wäre gleichgültig. Da 
möchte ich doch einen anderen irrthum noch wahrscheinlicher fin- 
den. Wenn ich nämlich auch für das verbum desubulare zur 
zeit noch keine bessere ableitung weiss, als die von subula in der 
bedeutung eines spitzhammers, wie ich sie Philol. p. 252 sq. ent- 
wickelt habe; so blieben doch ausser der metrischen Schwierig- 
keit auch noch andere übelstände von Seiten des sinnes übrig, un- 
ter denen ich die dürftigkeit der leider nicht reichlichen vorhan- 
denen beweismittel noch für den erträglichsten halte. Denn das 
verbum erhält auf diese weise weder die bedeutung perfodere, wes- 
halb ich p. 255 dies wort auch durch perpofire oder perdolare 
zu ersetzen versuchte, — ein ungenügender nothbehelf — ; noch 
ist seine metaphorische anwendung auf die varronische stelle von 
einer gewissen künstlichkeit freizusprechen. Mit Vahlens erklä- 
rung p. 115 sq. kann ich mich aber noch weniger befreunden. 

25) Vablen führt p. 115 die alelle Taff^ Mfvinnov fr. 21 Non. 
169, 10 dagegen an, doch ist mir seine erklärung dieser stelle p. 162 
aq. nicht recht einleuchtend. Wozu aber auch das sabulum in den 
perislyliis und xystis gedient haben möge, und sei es am ende auch 
dazu, um beim promeniren weicher aufzutreten als auf einen festen 
efitrich; so folgt doch nirht dass man auch für ölTenlliche Strassen 
diel material gebraucht habe ad sternendam humum Tel rias parien- 
dai, waa, beiläufig gesagt, nicht dasselbe bedeutet. (Jebrigens icheint 
jenes fragment in trochäischen septcnaren geschrieben zu sein ; we- 
nigstens glaube ich lesen zu dürfen: 

n6n vidft in mägni$ peristylii, [si] qui eryptdt dornt 

HÖH kabent, sahulüm iacere a päriele^ %U xystis^ ubi 

Ambuiare ponint . . / . . . ! . . , 
ohne damit Vahlens ut in xyttit durchaus zu Terwerfen, weichet nach 
plaulinischer weise (s. FIcckeisen jahrb. f. philol. u. pädag. LXI, p. 
42) noch Tersrechl bliebe. Zu prnilylii rgl. Plaut. Pseud. 146. Stich. 
377. woiu wahrscheinlich auch Varro Quinquatr. fr. 2 Non. 229, I!» 
biiw I wird. Cryptat möchte eben aus metrischen gründen für 

rrt//' goagtf oder diese tox hibrida zu Varro's zeit noch nicht 

l^ebrauebl worden fein. 



296 Tarronische vindicien. 

El* will die bereits von Oeller nach Forcellini angeg-ebene und von 
mir genauer bestimmte bedeutung- der subula g-elten lassen, jedoch so 
dass jeder andere gebrauch dieses Werkzeugs, für welchen es ge- 
eignet sei, nicht ausgeschlossen werde. Nun wird aber, sofern 
ich ihn Hchtig verstehe, der spitzhammer unter seinen bänden ein 
Werkzeug zum aufwühlen oder umstürzen des erdreiches, eine art 
bicke oder Spitzhacke, was etwa sonst Ugo heisst, wofür die be- 
weismittel jedoch nicht mehr dürftig, sondern gar nicht vorhanden 
sind. Nonius soll darnach mit seiner erklärung perfodere ganz 
recht, und Carneades einen weg nicht sowohl gebahnt und geeb- 
net als aufgewühlt und umgestürzt haben (eruisse humum vel 
evertisse) mit seiner subula. Da nämlich Carneades durch seine 
disputirkünste die systematischen aufstellungen anderer zu nichte 
machte, so werde seine eruta et eversa via der strata ac munita 
Zenons passend entgegengesetzt. Da wird also perfodere nicht 
ein durchstechen oder durchgraben, sondern ein vollständiges um- 
hacken bedeuten sollen, was auch wohl nicht weiter vorkommen 
möchte. Wie aber eine via erutä et eversa überhaupt noch eine 
via sei, und wie diese wühlerische thätigkeit des Carneades mit 
dem bona corporis secutum in verständigen einklang zu bringen sei, 
ist aus Vahlens Worten nicht zu ersehen. Und obgleich das de 
in desubulare sich allenfalls in eine analogie bringen Hesse; so 
ist doch die ganze erklärung zu haltlos und unnatürlich, als dass 
man sich bei ihr beruhigen könnte. Ich erlaube mir daher noch 
einen anderen Vorschlag, in der hoffnung, dass die 7{)itai cpgcv' 
tidss auch aoq}oo7eQat sein möchten. Die subula ^ offenbar von 
suere abzuleiten, also eine art von nähnadel, ist nach Martial. III, 
16, 2 vorzugsweise ein Werkzeug der sutores, eine ahle oder 
pfrieme zum einstechen der löcher in das leder, durch welche der 
faden gezogen werden soll, auch zu anderen ähnlichen zwecken 
brauchbar, wie z. b. um das äussere ohr eines thieres behufs ein- 
steckung eines würzelchens zu ritzen und zu durchbohren, Colu- 
mell. r. rust. VI, 5, 4 (wo aber auch ßbula gelesen wird), oder 
um eine caprini stercoris baca auszuhöhlen zum hineinthun von 
Samenkörnern, Pallad. r. rust. II, 14, 3. Wenn Seneca epist. 82, 
25 und 85, 1 diejenigen, welche die sittlichen aufgaben des le- 
bens durch syllogistische formein lösen wollen, mit solchen ver- 
gleicht, die einen löwen mit einer subula abfangen, oder mit einer 
subula bewaffnet in einen gewaltigen kämpf ziehen wollen; so 



Varronische yiiidicien. 297 

tritt hier iiicLt nur neben der schärfe und spitzig^keit des Instru- 
mentes auch noch dessen winzigfe kleinheit hervor, was nebenher 
auch geg-en die Wirklichkeit einer übertrasrung- des namens auf 
das von \ahlen vorausgesetzte Werkzeug- spricht; sondern es liegt 
auch darin ein fingerzeig^ zum verständniss des metaphorischen 
g-ebrauchs, welchen Varro von dem abg^eleiteten verbum g^emacht 
hat. Ist nun das ein • und durchstechen kleiner lÖcher die eigent> 
liebe bestimmung der subula, so wird einem davon (wie terebrare 
von terebra , asciare von ascia , serrare von serra u. s. w.) abge- 
leiteten einfachen verbum subulare die deutung perfodere recht ei- 
gentlich zukommen, welche Nonius dem compositum desubulare 
beilegt, so dass in diesem die präposition de eigentlich müssig 
stände. Fand aber Nonius in seiner quelle, — ich halte es näm- 
lich für minder wahrscheinlich, dass er die von ihm citirten auto- 
ren selber gelesen und excerpiert, als dass er vielmehr glossogra- 
phische arbeiten früherer gramuiatiker '^^) compiliert, resp. epito- 
miert, nach seinem schema redigiert und mit einzelnen Zusätzen, 
namentlich aus Gellius, vermehrt habe; — fand Nonius in seiner 
<]uelle in einigem zusammenhange mit einander die erklärung, 
(la:»s ein von $ubula stammendes subulare die bedeutung perfodere 
habe, und unsere varronische stelle, so wäre es nicht gerade un< 
denkbar, wie in einem gegebenen verse: h. e. n. afleram Carnea- 
dem subulassCf die endung dem eine dittographische verschrei* 
buug Cornea dem desubulasse erzeugen und diese den Nonius ver- 
anlassen konnte, das wort in seinem buche de honestis ac nove 
ceterum dictis per Ulteras unter littera D zu verzeichnen. Ein 
irrthum des Nonius muss ohnehin schon darum angenommen wer- 
den, weil die dem einfachen subulare so natürliche bedeutung per- 
fodere nicht mehr für das zusammengesetzte desubulare passt, wel- 
ches mit jenem noch weniger identisch sein kann, als etwa de* 
pungere mit pungere u. a. m. Nonius müsste also hier, wie er 
• - Hieb auch wirklich mehrfach gestattet zu haben scheint, seine 
<jii«j|c mangelhaft cxcerpiert haben, was auch schon deswegen 
Wahrscheinlichkeit hat, weil da« perfodere, insofern es synonymum 
von subulare ist , nicht füglich ein tia zum object haben kann, 
und ein oder mehrere mittelglieder zwischen erklärung und beleg- 
stelle fehlen. Aber eben deshalb kann auch wohl das oben an- 

26) Wie etwa z. b. det M. Valeriui Probus siUa obiorTalioauro 
•frmoiiis aotiqui, Soctoo. ill. granno. 24. 



298 Vflrronisclic vindicien. 

genommene Carneadem subufasse noch nicht das richtig-e sein, 
auch wenn man von der grundbedeutung* des Wortes, was ja auch 
für jedes compositum g-efordert werden musstc, abg-ehen und nur 
den beg-riff einer feinen und minutiösen bearbeitung- beibehalten 
wollte. Es war nicht unnatürlich die dialectischen finessen und 
subtilitäten des Carneades mit der feinen stichelarlieit an fashiona* 
blem schuhzeug-, wozu es einer besonders sauberen handhabung 
der subula bedurfte, zu vergleichen; aber wie auch hier der schuh 
nicht sowohl selbst als vielmehr das material dazu subulabatur, je- 
ner aber, so zu sagen, e subulabatur, d. h. subulando efßciebatur, 
so war auch die altera via des Carneades nicht sowohl stoiF und 
gegenständ, als vielmehr product seiner subulatorischen spitzfin> 
digkeit. Halten wir aber dies fest, so bleibt die oben angenom- 
mene mÖglichkeit, dass Nonius durch einen dittographischen Schreib- 
fehler in dem von ihm benutzten exemplare seiner quelle getäuscht 
worden, auch dann bestehen, wenn Varro geschrieben hatte: 

hanc esse nobilem, älter am Carneadem esubulässe. 
und dies ist es, was ich nach meiner derzeitigen einsieht für das 
richtige halte, und zwar nicht allein aus metrischen gründen, son- 
dern auch um des sich nun viel ungezwungener ergebenden sinnes 
willen. Carneades hat den stoikern gegenüber einen anderen, nach 
Varro's eintheilung den zweiten weg zum rsXog , nach unserem 
sprachgebrauche zu reden , ausspintisiert, auspunktiert, ausgetiftelt 
(vgl. Grimm deutsch, wörterb. u. difteln), indem er durch die auf- 
stellung der prima naturae im Widerspruche mit den anderen Sy- 
stemen über deren Widerspruch unter einander hinausging. Ex- 
sculpsisse würde in einer anderen, üblicheren metapher ungefähr 
dasselbe, nur minder drastisch - significant ausgedrückt haben. Die 
komische spräche liebte solche vom handwerk hergenommenen me- 
taphorischen ausdrücke, wie z. b. exasciare, e dolore ^'^)f extere- 

27) Dies verbum findet sich auch bei Varro in den fragmenten sei- 
ner Satiren zweimal so gebraucht. Die erste stelle Bimarc. fr. 25 Non. 
448, 15 habe ich Eumen. p. 17 in verse gebracht, die mir einstweilen 
noch genügen; die andere, Mysteria fr. 7 Non. 392,28 könnte so ge- 
lesen werden: 

/ , . . ! . . . näscimur enim spissius 

quam emorimur: vix düo homines decem edolatum mensibus 

ünum reddunt püerulum, contra üna pestilentia 

/ . . . / aut hostica äcies puncto tetnporis 

inmanis acervos facit. ! . . . •' • • , 
wenn nemlich die Umstellung edolatum mensibus für mensibus edolatum, 
das deminutiv püerulum für puerum, und die annähme einer wahrscheiu- 



Tarronische Tindicien. 299 

^B hrare, je nachdem von etwas mit besonderer gfeschicklichkeit, an- 
ötrengTing", consequenz, wie im hier vorliegenden falle durch esu- 
liulare von etwas mit besonders ein- und durchdringender Verstan- 
desschärfe ins werk zu richtendem die rede war. Verg-Ieichbar 
sind auch elaborare und elucubrare. Auch wird durch ein solches 
esubulasse die eigenthümlichkeit des Carneades in einer weise cha- 
racterisirt, zu welcher im ersten verse meine lesung molivisse als 
ausdruck für die sittliche kraftanstreng-ung', die Zenons lehre ver- 
langt, einen ebenso characteristischen gegensatz bildet. Hienach 
lese ich also das , wie sich beiläufig wohl ebenfalls gezeigt haben 
dürfte, auch in seiner spräche nicht so schlechthin prosaische frag- 
ment, bis ich eines besseren belehrt werde, in folgender weise: 

unäm viam Zenöna molivisse duce virtüte, 

hanc isse nobilem , dlteram Carneadem esubuldsse 

bona corporis secuium ..!... ! . . 
Hoffentlich wird Vahlen nicht finden, dass die in der früheren fas- 
8UDg von ihm anerkannte metrische beschaffenheit des fragments 
darch diese selbstberichtigung verdunkelt oder ungewisser gewor- 
den wäre. 

An die behandlung dieser stelle schliesst sich bei mir Philo!, 
p. 251 und so auch hei Vahlen p. 117 und 121 die der verwand- 
ten stelle 7tBQ\ uiQB(J£03v fr. 1 Non. 94, 26 Priscian. inst, grumm. 
III p. 607 P. C98 H.) an. Ich gebe Vahlen recht, wenn er mit 
den dort von mir hergestellten senaren nicht zufrieden ist, nicht 
als ob die vorgenommenen änderungen nicht unter umständen er- 
laubt sein könnten , sondern weil sie in der that entbehrlich sind, 
um die stelle als metrisch zu erkennen. Wenn er nämlich sagt: 
f,ergo cum nolint terba ultra numeros recipere^\ und aus diesem 
Tordersatze folgert : „ne intitum Varronem versibus incedere coga- 
mut, maneant pedestria^: so hat er nicht beachtet, dass es ohne 
jede sonstige textveränderung nur der ancrkennung einer lücke 
bedarf, um folgende trochäische septenare zu linden : 

f . . . f vnrro inde ab ünoquoque cömpito 
rnae tiae oriuntur , S quibus 

tmyulae ex$tum de ifXni habent proprium, a prima cömpito 

d^xtimam ridm munit Epiairut . . / . . 
von welchen A^r letzte zwar metrisch gewinnen würde, wenn man 

lieb dorcb einen latzlhcil mit aut hriipieUweiiie elw« nu/ i.,mia j>u./t„i, 
tu ergloteade Incke keine Tcrpönlen wagestticko sind. 



300 Varronisclie vinJicien. 

uiam, als aus dem vorlicrgehenden nam eutätanden, ausliesse ^^j 
und läse: dextimam munit Epicurusf ... / . ., aber auch so, wie 
er ist, sich wohl ertragen lasst. Die elision in dem iambischen 
Worte €iae wird nach dem oben zu Flaxtab. fr. 5 bemerkten wohl 
für erlaubt gelten müssen. Dass die lücke sich in beiden quelfen 
findet, bestätigt das auch sonst nicht unbekannte abhängigkeits- 
verhältniss des Priscian zu Nonius, welches an einem auffallenden 
beispiele M. Hertz nachgewiesen hat Philol. XI, p. 593 ff. Die 
ausfüllung dieser lücke, mag dieselbe durch einen zufall in der 
zeit zwischen Nonius und Priscian entstanden , oder Ton dem äl- 
teren grammatiker selbst durch absichtliche übergehung entbehrli- 
cher Worte 29) herbeigeführt sein, — ist natürlich etwas ganz 
arbiträres, und mehr als ein solches soll es auch nicht sein, wenn 
ich dafür quättuor quae esse dico hinstelle, welche worte wenig- 
stens das für sich haben , dass sie einen inhalt haben , der nach 
dem Zeugnisse Augustin. civit. dei XIX, 1, 2 in diesem zusammen- 
hange vorkommen musste, und dass sie wegen der ähnlichkeit der 
schriftzüge in dico und den endsylben von compito auch eine zu- 
fällige auslassung leicht erklärlich machen, ohne selbst späterhin 
sonderlich vermisst zu werden. Wie dem aber auch sei, die me- 
trische lesung der übrigen worte scheint schon sicher genug zu 
sein um für sich selbst sprechen und zeigen zu können, dass die 
worte wohl schon einen rhythmus annehmen möchten, wenn nur 
der kritiker möchte. Sonst freilich ist die stelle der sehr grossen 
zahl derjenigen beizuzählen , in welchen der zufall mit unserem 
Varro ein neckisches spiel getrieben haben muss , indem er ihm 

28) Dagegen scheint mir durch einen fehler umgekehrter art das 
wort ausgefallen zu sein in der stelle 2xi,a^axia, nsgt rv^ov, fr, 5 
Non. 202, 3, welches ich lesen würde : 

/ . . . / . hoc dicöf conpendiäria 

[häc via] sine Ulla sollicitüdine ac molestia 

dücundi ad eandem voluptatem passe perveniriferj. 

29) Durch solche absichtliche auslassungen scheint mir z. b. die 
stelle aus der satire De olficio mariti (fr. 1) von GelHus I, 17, 2 yer- 
stümmelt worden zu sein. Die den sinn hinreichend ausdrückenden 
worte zeigen folgende metrischen bestandtheile: 

Vitium iixoris aüt ferendnmst aut tollendum; ! . . 

! . , . ! qui tollit Vitium , nxorem / . . 

commodiorem praestat; qui fert, sese meliorem facit. 
Die Vollständigkeit des letzten septenars ist entscheidend für die be- 
urtheilung des übrigen, worin ich das est hinter tollendum an eine be- 
quemere stelle versetzt habe, was indessen nicht unbedingt erforder- 
lich ist. Die worte des zweiten verses können ebenso auch andere 
füsse desselben eingenommen haben. 



VarroniBcbe Tindicien. 301 

verse aus der feder laufen liess , während er des guten glaubens 
war nichts als ehrliche prosa zu schreiben. 

Uiemit will ich diesen aufsatz besclilicssen , ohg-leicli , wenn 
ea sich darum handelte, dem buche ein buch g-eg-enüberzustellen, 
des Stoffes zur geg^enrede noch genug vorhanden wäre. Bietet ja 
doch der gegenständ, mit welchem wir uns Iieschäftigen , so viel 
Stoff und gelegenheit zu versuchen dar, die mit der gefahr des 
irrthums verbunden sind , dass es einem streitlustigen, den es er> 
freute, des gegners blossen aufzudecken, an material nicht gebre- 
chen dürfte, so lange nur noch jemand den muth behielte, für die 
herstellung dieser unglücklichen trümmer eines schrecklich verwü- 
steten litteraturgebietes, die in kritischer und hermeneutischer, in 
sprachlicher und in sachlicher hinsieht die gespannteste aufmerk- 
samkeit ihres bearbeiters in anspruch nehmen, seine zeit und seine 
kraft einzusetzen. So erscheint es mir auch wenig billigenswerth, 
wenn über Oehler's allerdings in vieler beziehung recht mangel- 
hafte, aber darum noch keineswegs ganz verdienstlose arbeit jetzt 
mit dem unbarmherzigsten höhne von solchen hergezogen wird, die auf 
Lachmanns und RitschPs schultern stehend sich selbst wie riesen 
dem Zwerge gegenüber geberden. Wer die damals erschienenen 
recensioneo lesen will, kann sich überzeugen, dass man in man- 
chen dingen damals noch nicht so glücklich war, so ungenügsam 
sein zu dürfen als heut zu tage. Von litterarischer fehdelust ent- 
fernt habe ich mich darum in dem vorstehenden aufsatze auf den 
ungünstigen Standpunkt gestellt, fast nur solche stellen zu bes))re- 
eben, in betreff deren ich mich selbst zu corrigiren und dem gefi;- 
ner theilweise recht zu geben hatte: ich habe es absichtlich ge- 
than und auf den günstigeren, zu welchem er mir die berechti- 
gung nicht zu entziehen vermocht hat, bereitwillig verzichtet. Ich 
erkenne die förderung, welche sein buch den varronischen studien 
in erheblichem mnsse gebracht hat mit freuden an ; und ergreife 
gern die gelegenheit . für die helehrung , welche ich aus demsel- 
ben habe schöpfen können , insbesondere auch tÜr die aufdeckung 
meiner irrthümer hiemit aufrichtig 7.11 danken. Dagegen rechne 
ich nun zwar, in meiner grnndanschauung durch ihn weniger er 
•chüttert uln befestigt , nicht darauf, schon jetzt ein einverständ- 
niM» mit ihm erzielt zu haben : wohl aber darauf, dass wenn durch 
diene entgegnung, wie ich wünsche und hoffe, die sache selbst, 
^'f.iM« Mii'l. fiur in einzelnheitcn, gefürdfr« • <len ist, dieselbe in 



302 Tarponische vindicien. 

keiner ungeneigteren Stimmung-, als mich die seinige gefunden 
hat, auch ihn finden werde. 

In einem zweiten aufsatze gedenke ich mich noch mit 0. 
Ribbeck auseinanderzusetzen, und der interessanten abhandlung Fr. 
Bücheler's einige bemerkungen zu widmen. 

Danzig. Gottlieb Roeper, 



Zu Pindar. 



Es ist aus vielen gründen sehr wünschenswerth , dass nach- 
ahmungen späterer Schriftsteller von stellen der älteren sorgfältig 
beachtet und gesammelt werden: es ist da viel noch zu thun. 
So sagt Pind. Nem. III, 34 von Peleus: 

bg niaojlaov siXs lAovog ävtv argaiiägy 
dies hat Dio Chrysostomos , der so sehr viel dichter gelesen, bei 
Schilderung des Herakles angewandt in Orat. I, p. 64 R., 14 Em- 
per. : ov lolvvv oids ixtivo dhj&sg qiaair, ort d?] n£Qir,Hi fjiovog 
ävBv CTQuiiag. Oder sollte Pindar auf die stelle eines altern dich- 
ters anspielen? 

Ernst von Leutsch. 



Zum Licinlan. 



Pag. 10 (Pertz) lautet eine berühmte stelle: Aliquod ma- 
tronae eodem somno monitae una eademque nocte decem HS sa- 
cris praestiterunt, hocque sacrificatum aliquotiens . et Carmen 
in deos amatae compositum nobilissimi pueri concinuerunt. Momm- 
sen vermuthete a malre, G. H. Pertz in deorum laudem, ein Bon- 
ner a uate. Es scheint demnach nicht allen bekannt , dass die 
priesterin der Vesta den namen Amata führte {Preller, röm. my- 
thologie 537). 

Carlsruhe. W, Fröhner. 



II. JAHRESBERICHTE. 



11. Das spätere griechische epos. 

Unter dieser rubrik das spätere griechische epos fasse ich hier 
zusammen alle längeren hexametrisclien gedichte sowohl rein epi- 
schen als didaktischen iuhalts von den zeiten der altern Alexandri- 
ner an his in die anfange des byzantinischen Zeitalters hinein, 
und zwar nach Herniann's und anderer vorgange, unbekümmert da- 
von, dass die von besonderen rücksichten geleitete litteraturge- 
schichte die hier zusammen zu stellenden dichter an verschiedenen 
stellen behandelt. Die zu berücksichtigenden werke sind nun 
folgende : 

1) Nicandrea. Theriaca et Alexipharmaca recensuit et emen- 
davit, fragmenta collegit, commentationes addidit Oito Schneider. 
Accedunt Scholia in Theriaca ex recensione Henrici Keil. Scholia 
in Alexipharmaca ex recognitione Bussemakeri et R. Bentleii emen- 
dationes partim ineditae. 8. Lips. 1856, s. 352. Mll und HO. 

2) Theocritus Bion Moschus. Tertiuni edidit Augustus Uei- 
neke. 8. Berol. 1856, VIII und 618. 

3) Apollonii Argonautica emcndavit , apparatuni criticum et 
; it H. Merkel. Scholia vetera e codice Lauren- 
li / rus heil. 8. Ups. 1851, CXC und 562. 

4) .'Hanethonis Apotelesmaticorum qui feruntur libri VI.- Re- 
legit Arminia» Kuechly. Accedunt Dorothei et Auuubiouis frag- 
menta. 8. LipH. 1857. 

5j Nonni Panopolitani Dioiiysiacorum libri XliVIII. Recen- 
fluit et praefatuN est Arminius Koechly. Accedit index nominum 
i T. Spirone conffctuM. 2 voll. 8. LipH. 1857. 

6; Oracula Nibyllinu, textu ad codd. msK. recugnito, MaiuniH 
Hupplementii aurto ; cum <.'u«talioniii verHJone metrica innunieriii 
paone locii emendata et ubi opuM fuit NU|iplela : commentario per- 
pchio, excurtiibuM et indiribus invtructa, curante C. Alexandre. 
2 voll. 8. Pari«. 1841. 53. 

7) H. Ewald, über entstchung, Inhalt und werlh der ■ibylli- 



304 Jahresberichte, 

sehen büeher. 4. Götting. 1858, s. 112 (aus den abhandl. der 
Götting. g-esellsch. d. wissenscb. bd. VIII besonders abg-edruckt). 

8) De uovissiraa oraculorum aetate. Scripsit Gustavus Wofff. 
4. Berol. 1854. s. 56. 

9) Porpbyrii de pbilosopbia ex oraculis haurienda librorum 
reliquiae. Edidit Gustavus Wolff. 8. Berol. 1856, s. 253. 

Die natürlirbe rücksicht auf die leistungen in diesem g-ebiete 
während der letztverg-angenen jähre veranlasst mich, mit Nikander, 
offenbar nächst Lykopbron dem schwierig-sten und seltsamsten der 
uns erhaltenen kunstdicbter alexandrinischer zeit, zu beg-innen. 
Seit den arbeiten von J. G. Schneider (Alex. 1792. Ther. 1816) 
war nichts erhebliches für ihn geleistet: denn die ausgäbe von 
F. S. Lehrs (Paris, Didot. 1846) giebt keine auf neue handschrift- 
liche vergleichungen gestützte textesgestalt, sondern bloss einen hie 
und da verbesserten Schneiderschen text, wiederholt an manchen 
stellen sogar offenbare fehler und versehen desselben, wie Ther. 549. 
711. Alex. 95, und hat für die immerbin beträchtlichen fragmente 
dieses dichters nach Schneider so gut wie nichts geleistet. Aus 
Nikanders glossen z. b. werden auch hier zwei verse angeführt, die 
offenbar in dem prosaisch abgefassten werke nur als belegstellen aus 
den werken anderer dichter angeführt waren , von den sechszehn 
fragmenten aber dieses Werkes, die der eine Athenäus uns aufbe- 
wahrt hat (die bisherigen indices desselben wussten freilich nichts 
davon), ist kein einziges erwähnt. Das schätzenswertheste an die- 
ser ausgäbe war die von K. Lehrs am schluss der vorrede mitge- 
tbeilte collation zweier venetianer handschriften. 

Der kritische apparat übrigens, der Schneidern bei seiner 
ausgäbe zu geböte stand, war ein geringer. Die beste handschrift, 
eine pariser, kannte er gar nicht. Von ihm bekam man erst 
durch Bussemaker (Scholl, ad Nicand. praef. p. v) eine nachricht. 
Diese handschrift nun ist es gerade, deren äusserst sorgfältige 
durch K. Keil besorgte collation unter der meisterhand Olto Schnei- 
ders dem Nikander , man kann wohl sagen , ein ganz neues aus- 
sehn verschafft hat ^). Es stammt diese handschrift aus dem X oder 
XI Jahrhundert. Sie enthält den text der Theriaka und Alexi- 
pharmaka mit unbedeutenden scholien auf den ersten blättern, 
nebst zahlreichen abbildungen von pflanzen und thieren, derglei- 
chen auch andre Nikander - handschriften haben (eine wiener hand- 
schrift des Dioskorides giebt uns sogar des dichters wohlgetroffe- 
nes Portrait), ist aber lückenhaft, da so viele blätter verloren ge- 
gangen, dass sie im ganzen noch nicht '^/^ sämmtlicher verse ent- 
hält. Sie ist leicht zu lesen und wie uns Schneider mittheilt, 
gleicht ihre schrift derjenigen des berühmten Laurentianus vom 

1) Vgl. M. Schmidt im Philol. XI, p. 768: ferner meine anzeige 
in Jahns jahrb. LXXV, 5 p. 353 ff. Die ausgäbe ist der Universität 
Greifswald bei ihrer dritten Jubelfeier dedicirt. 



Jahrpsberichfp. 305 

Apollonius Rhodius. Die ahnliclikcit heider iiandscbriften hesebrankt 
sich aher nicht hlos auf die schrit'tzüg'e, sondern sie stimmen auch 
in allerhand diorthotischen ding-en merkwürdig* mit einander ülier> 
ein. Die vortreiflichkeit dieses Parisinus ist leicht zu erkennen. 
Kinmal stimmen seine lesarten nicht selten mit denen der alten 
g'rammatiker, denen nicht interpolirte exeniplare des Nikander vor- 
lag^en, oder denen des Athenäus und Galen überein. So steht 
Tber. 130. 131: ijPixa d^ogfUftnov f;ftov /^«At(>(ji xvrndnm i Onv- 
o«s' nfti'h Ffi(fvaa yuorit u7Tf-'y.n\t^8P hfifvvnv — allein der Parisi- 
nus giebt liiiv'S f^tq>vr!u, was Tzetz. zu Lvkophr. 1114 und Hel- 
lad. bei Phot. Bibl. p. 532 in ihrem exemplar hatten , und auch 
die scholien anführen, statt des bisherig-en o A .« ^ ^ftqvna. Wei- 
tere beleg-e der art g-eben die kritischen anmerkung-en zu Tber. 
143. 282. 312. Alex. 424 u. f. An anderen stellen giebt er al- 
lein das offenbar richtige. So Alex. 40: fnn {f/jytnai ntX<6Qoti;\ 

).(ey.ijai)j fr} filj(^rtrj — statt fr xirjunim wozu, wie Schneider bemerkt 
(jft).(imntiij fir (iii/^f^t] kaum ohne bindewort gefügt werden konnte. 
Ferner Alex. 49 statt: ^t.äniiiv ni^väpiöi it nii>i< m/ punnum aift- 
(iXtor — das viel passendere tt o o « / c fr. Oder er hat doch wenig- 
stens eine solche Schreibung, aus der sich das richtige mit leich- 
tigkeit finden lässt. Wie Alex. 42 statt: bp d' Amuutnn; dq- 
'/.tir^r üxortTot frf(iX^(iTijnn o{tiyxoiQ — i/ ). tj f i p , woraus Schnei- 
der das unzweifelhaft richtige dr/li^Fir gemacht hat. Wieder an 
inderen stellen, wo die lesart der anderen handschriften an und 
tür sich kein bedenken rege macht , giebt die pariser eine selt- 
nere, gelehrtere form , wie sie dem sonstigen Sprachgebrauch des 
dichters mehr entspricht, z. b. Alex. 37: vQnxac Xixt'tjf^ovai; 
statt Xij^ftijofa*;, v. 45: fAfrQi^örfp statt ftetQijSnp, v. 54: nQ-yv- 
{tötp statt nnyvQfop, v. 58: fisX lapü t'o (; oipi]!^ statt fieliijdt'^g 
u. dgl. mehr. 

Ueber das verhältniss der anderen han<lschriften äussert sich 
unser herausgeber dahin , dass er annimmt , sie seien alle mit 
mehr rxler minder interpolirender Willkür aus einem gemeinsamen 
urcodex geflossen, der selbst an werth bedeutend hinter dem l*u- 
risinuH zurückstand. Schlagend beweisen dies stellen, wo alle 
ItatKlschriflen in einem gemeinsamen fehler übereinstimmen , wah- 
rend die pariser allein das richtige hat. Als beispiel führt Schnei- 
der l'her. 322 an, wo alle handschriften den lahmen vers geben : 
y.a'i xägüoip dkftn<; ffinkt/p anuugnv /; 6« tv Xi'^"i — wo die |»A- 
riser richtig schreibt: xat xi(fd(OP Ö' funXrjp difta^ xrA. Dabio 
gehört auch Ther. 5ft2: xn) ru iiIp ag nififuxra rt^tiv // U7t' 
ntAiyn xt'^iut*:, wo alle bisher bekannten handschriften einen me> 
»riKchen fehler geben, indem die einen ninr i] au"»//« , die ande* 
ten ninr ^uOi ti^^iyn schreihen , withrend das nitit T/ artttpf^tfa 
der pariner von selbst auf das richtige führt. KbeuNO finden sich 
Alex. 410 — 412 in allen hundscliriften in verkebrlrr, allein im 
Pk.ioUgM. \y. 4 Aug. 2. LH) 



306 Jahresherichte. 

Parisinus in riclitig^er Ordnung-. Als am wenigsten interpolirt 
stellen sich von diesen liandschriften der schon von J. G. Schnei- 
der gerühmte Gotiingensis und ein Laurenlianus heraus. Sie bilden 
daher für Schneider die weitere grundlage des textes an den 
stellen, wo der Parisinus eine lücke hat. 

Fast zwei drittel des buchs werden durch reichhaltige pro- 
legomena ausgefüllt, in denen der Verfasser mit seltner umsieht 
alle den Nikander angehenden litterarischen fragen erörtert und 
die zahlreichen fragmente des dichters zum erstenmale vollständig 
gesammelt und gründlich bearbeitet hat. — Untersuchungen über 
Nikanders Zeitalter eröflnen die darstellung. Auszugehen ist hier- 
bei von der thatsache , dass uns verschiedene, einander widerspre- 
chende angaben über diesen punkt aus dem späteren alterthum 
vorliegen. Das sogenannte ytvog A^indvÖQov ^ eine dürftige vita 
des dichters als einleitung zu den scholien der Theriaka, setzt den 
dichter unt.,r Attalus Jll (138 — 133). Ebenso Eudocia, welche die 
vita fast wörtlich in ihr violetum aufgenommen hat, und wie es 
auf den ersten anblick scheint, auch Suidas, welcher sagt: yeyo' 
vojif x«T(i jov i/sov " yltzaXov rj/ow rov rtXtvTaiov , tov faXazO' 
fixTjv, ov P(X)fjiaioi ^latt'lvnai'. In der abhandlung dagegen Qeo- 
aQiTov yevog (bei Ahrens Bucol. Gr. T. II, p. 2) heisst es: iazsov 
ÖS j 071 6 öeoxQitog iyhsto iaoiQOvog lov tu ' Aodtov k«/ tov 
KaXliiAO-iov y,ai zov NmdrÖQOV' iyersTO 08 im iwv '/Qorcov üio- 
lirfialov tov 0iXadilcf}ov. Ptolemäus Philadelphus regiert von 
283 — 246. Sollte Nikander hier auch nur als jüngerer Zeitge- 
nosse des Theokrit angeführt werden, so ergiebt sich doch im- 
mer für ihn eine zeit von etwa 260 ab, er würde also vor und 
unter Attalus I (241 — 197) gelebt haben. Auch Is. Tzetzes 
negi yhovg ylvv. p. 263 Muell. setzt Arat mit Nikander als dich- 
ter der Pleiade unter Ptolemäus Philadelphus. Eine vita Arati 
sagt, Nikander scheine um zwölf Olympiaden jünger als Arat zu 
sein, der in die regierung des Ptolemäus Philadelphus falle; dem- 
nach würden wir für Nikander den ungefähren zeitansatz 230 — 
186 finden. Eine andere giebt an, er habe x«r« tov nsuntov 
TlToXffAaiov , 'diso unter Ptolemäus Epiphanes (204 — 181) gelebt, 
was so ziemlich auf dasselbe hinausläuft. Beide Verfasser wer- 
den übrigens zu ihrer Zeitangabe nur dadurch veranlasst, dass sie 
eine irrige annähme bekämpfen, der zufolge Nikander noch höher 
hinaufgerückt werden müsste. Man erzählte nämlich Nikander sei 
ein Zeitgenosse des Aratus gewesen (unter Antigonus Gonatas) ; 
dieser Antigonus habe dem mediciner Arat den auftrag gegeben 
über Sternerscheinungen zu schreiben, dagegen dem mathematiker 
Nikander, der von arzneiwissenschaft nichts verstand, er sollte 
über Alexipharmaka und Theriaka schreiben. Das mährchen ist 
freilich abgeschmackt, aber wie wäre sein entstehen auch nur 
denkbar, hätte man nicht Nikander für einen der ältesten dichter 
des alexandrinischen Zeitraums gehalten ? Diese ansieht findet sich 



Jahresberichte. 90T 

auch in denSchol. Ther.öausg^esprochen, wo der von Nikander angere- 
dete Hermesianax für den gfleichnamig^en elegiker, den jüngeren zeit- 
g-enossen und freund des Philetas gehalten wird. Ein anderer scho- 
liast erwidert freilich unter herufung auf Nikander's huch üher 
die dichter aus Kolophun , er hahe darin des Hermesianax als ei- 
nes älteren (doch wohl gestorhenen?) dichters erwähnung gethan. 
Leider ist diese letztere angahe für eine nähere hestimniung von 
Xikander's Zeitalter ohne werth. Denn Hermesianax erlehte wohl 
kaum die regierungszeit des Philadelphus , wie denn Pausan. I, 9, 
8 sich berechtigt glaubt seinen tod noch vor Ol. 119, 3 (302 v. 
Chr.) anzunehmen, so dass ihn Nikander als todt erwähnen konnte, 
selbst wenn er unter Ptolemäus Philadelphus lebte. Aus der bis- 
herigen aufzählung gewinnen wir aber die unzweifelhafte that- 
sache, dass im alterthum über Nikanders zeit verschiedene anga- 
ben herrschten. Man setzte ihn : 

1) unter Antigonus Gonatas 283 — 240, 

2) unter Ptolemäus Philadelphus 283—246, 

3) 12 Ol. nach Ptolem. Philadelpus um 230—186, 

4) unter Ptolemäus Epiphanes um 204 — 181, 

5) unter Attalus Hl 138—133. 

Ks wäre nun zu untersuchen einmal, ob die verschiedenen 
angaben von einander abhängig sind und somit die zahl der zeu- 
gen zu vereinfachen, zweitens, welche zeugen vor anderen den 
Vorzug verdienen. Dass die beiden vitae des Arat aus gemeinsa- 
mer quelle geflossen, ist klar. Ebenso ist bereits gesagt, dass 
Eudoria ganz mit dem yeroi,' IS^ixurdonv zusammenfalle. Aber für 
Suidas — fassen wir seineu einschlägigen artikel in seiner ge- 
ammtheit ins äuge — war das yUn^- A'ixitt8(>ov nicht im minde- 
-len quelle. Denn wäre dies der fall, so würde Suidas Nikanders 
vater nicht Xenophanes, sondern Damaios nennen, er würde fer- 
ner bei aufzählung seiner schriften schwerlich die Aetolica überge- 
ben. Allerdings in der Zeitbestimmung war das pVo^ Nixdp{^(tov 
oder dessen quelle auch für Suidas quelle , denn im ynn,; heisst 
♦'S : Xi'^'*V ^* iyivtTO natu " AiiaXov to»- rtUvrnwp *<j>^/<»t« //f(>- 
/Ufinv, «V xiiTtlvOtj vTTf) ' pcofiai'ojv. Suidas aber schreibt: yeyo- 
icov* auTu rov ttov " AtxaXnv , ijynvv top rtXtvTuiup^ toi FaXa" 
rnpixijp , op ' PiOfM(oni xurf'Xvanv. Streicht man die worte roy 
/"itXnTnrtxTjp , no stimmen beide zeugen so gut wie ganz überein. 
Aber wie kam dieser zusatz in den artikel des Suidas i Schupfte 
er ihn au« einer anderen quelle, oder hat er absichtlich das yno^^ 
NtxinlSituv in der mcinung es zu besNern , durch denselben ge- 
fälarht f Die worte, wie sie jetzt bei Suidas strbrn , sind voll- 
kominen unitinnig und sich widersprechend. Eine annähme, dass 
\ cnirhiedene angaben dem SuidaN vorgelegen , denen zufolge Ni- 
kander entweder unter AttaluM 1 Galatonices , oder unter Atta- 
lus Hl gelebt habe, die dann wie in mo vielen andern artikeln 
durch «rhuld den epitomatom wirr durcheinandergeworfen Mcien, 

20* 



30g Jahreslierichtp. 

liegt nalie, wenn es auch nicht mög^lich ist den jetzt vorliegenden 
Wirrwarr zu ordnen, ist dies aber der fall , so wäre auch die 
anzahl der zeugen über das Zeitalter Nikanders noch um einen 
vermehrt, der ihn unter Attalus 1 (241 — 197) setzt, was im 
gründe mit nr. 3 und 4 in obiger tabelle zusammenfällt. 

Welchem von diesen zeugen, wir haben es wohlbemerkt mit 
lauter anonymen gewährsmännern zu thun, gebührt nun der Vor- 
rang? Aus leicht begreiflichen gründen möchte man dem ytvog 
NixupÖQOV den Vorzug einräumen , hätte dieses seine chronologi- 
sche angäbe nur nicht durch den zusatz verdächtigt og xaTtXviftj 
vno ' Fcofiuimv j was von Attalus III in keiner weise gesagt wer- 
den konnte, ein zusatz, den 8uidas unserm Verfasser, oder beide 
einer gemeinsamen quelle blind nachschrieben. Allerdings kann 
die chronologische angäbe möglicherweise richtig sein, auch wenn 
der Verfasser des yhog in der pergamenischen geschichte schlecht 
beschlagen war; ebenso wie der unsinnigen fabel von der ver- 
tauschung der gedichte des Nikander und Arat, oder der nicht 
geringern albernheit des Tzetzes, der Nikander und Arat zu dich- 
tem der Pleiade macht, immerhin eine ganz richtige annähme über 
die zeit beider dichter zu gründe liegen könnte. Gewiss, nur 
wünscht man dann bestimmtere beweisgründe zu haben, weshalb 
diese angäbe mehr glauben finden sollte, als die andere. Da wäre 
denn das einzige, was sich herausstellte, der umstand, dass der Ver- 
fasser unmittelbar nach seiner wunderlichen Zeitangabe fortfährt: 
«jj /iQoaopcopti nov Xiycav olrmg' Ttv&Quvidr^gf w xXi]()Ov ati na- 
TQOiiov i6)[Cüv utI. Er belegt also seine ansieht durch ein citat 
aus den Schriften des Nikander selbst. Es ist nun möglich, dass 
das gedieht, dessen anfangsverse an dieser stelle mitgetheilt sind, 
es in seinem weiteren verlauf unzweifelhaft machte , der angere- 
dete Attalus sei der dritte dieses namens. Aber wer möchte auf 
diese blosse möglichkeit so viel geben, um daraus beweisen zu 
wollen, dass es von vornherein verkehrt sei, in die Zeitangabe 
des Verfassers einen zweifei zu setzen? Und in der that, wenn 
das gedieht wirklich noch andre beweisendere stellen enthielt, 
so sieht man nicht ein, warum der Verfasser nicht lieber eine 
von diesen mittheilte, statt die angeführte, die, wie sie uns vor- 
liegt , keineswegs auf Attalus III geht. Denn wenn Clinton in 
den Fasti Hellenici auf grund der worte; m nXtjQov de) naiQcoiov 
laxfav bemerkt: Nicander did not dedicate to Attalus I raXaTovCxrjy 
whose father never reigned , so muss man dagegen halten , der 
xXtjQog du 7iuT(j(6tn<: sei vielleicht nur das immer den vorfahren 
gehörige land , da Attalus sein geschlecht von Teuthras dem al- 
ten könige Mysiens ableitete. — Da nun also die chronologische 
angäbe des yiioc durch den albernen zusatz verdächtig wird, die 
aus Nikander angeführte stelle das nicht gerade zu beweisen 
braucht, was sie beweisen soll, das yhog überhaupt sich keines- 
wegs durch seine beschaffenheit über so viele producte ähnlichen 



Jahresberichte. 30lB 

Inhalts erbebt, so siebt man nicht ein, warum ihm in seinen ansrahen 
der absolute vorzugf vor den biographien des Arat g-ebübren soll. 
Der Zeitansatz des Nikander erscheint daher zweifelhaft und man 
künnte, um eine vermittelung* der auseinanderg-ebenden daten zu 
ermög'licben , etwa annehmen , \ikander habe auf der grenze des 
dritten und zweiten Jahrhunderts unter Attalus 1 gelebt, dem be« 
g^ründer der pergamenischen bibiiothek , dem freig^ebig^en beforde- 
rer wissenschaftlicher bestrebung^eu. Dies war im wesentlichen 
6chun früher meine ansieht. 

0. Schneider kommt freilich zu g^anz andern resultaten. Für 
ihn ist das yt'io^ A'imirdoov die unzweifelhaft wichtig^ste , ja ein- 
zige quelle in dieser frag-e: Cm» autem Nicander Carmen inscripse- 
rtt^ sagt er p. 4, . . . ita afßrmat aliis sine dubio (?) in eam rem usus 
tnteyri carminis locis swe ipse auctor negi ynov>; A'iyutd(jov, sice 
IS, ex quo nie hausil^ ut nefas ducam eel transversum unguem ab 
eius discedere senlentia, poetam alhcutum fuisse''Ar7aXop rov Ttlev- 
laiitv uijtaria Fhoyufiov y praesertim cum idem iisdem fere verbis 
afßrmeut Suidas et Eudocia. Wundern muss man sich hierbei über 
das zuversichtliche sine dubio, und warum deshalb, weil Suidas 
und Kudocia (von ihnen sagt 0. Schneider p. 1 : nam quod Suidam 
et Eudociam inter locupletes testes non refero, causa haec est, quod 
ex ytfovi Nixu^dgov scriptoris autoritate pendent toti, dagegen 
von Suidas insbesondere auf p. 5: quem tametsi supra dixi a scri- 
ptore yeueris IS'icandri pendere , tarnen fatendum est paulo liberius 
anonymi scriptoris verba reddidisse quam fecit Eudocia) mit dem 
ytvoi;, das sie ausschrieben, in der Zeitangabe übereinstimmen, 
diese angäbe selbst noch ein besonderes gewicht gewinnen solle, 
^iebt man nicht recht ein. lieber den für J. G. Schneider, 
Wegener und mich so anstössigen zusatz: oy xct7eXv{>r] vno' P<a' 
naiitn, bemerkt unser herausgeiter einmal ganz richtig, auch wenn 
I r falsch sei , folge doch daraus noch nichts gegen die son- 
stige glaubwürdigkeit der angäbe; dann sucht er ihm durch in- 
lerpretation eine mildere seite abzugewinnen über welche der le- 
ser 0. Schneider selbst nachsehen möge. Die confusion bei Sui* 
du« wird durch emendution beseitigt. 0. Schneider schreibt : xatcL 
70» iiop ' AtJulov {liyovv rov Ttievrainv ^ ov tu» rulajuvixVfv) 
y ' /*a)finini xuztXvnuv. Die.se emendation jedoch , auch wenn sie 
noch so unzweifelhaft wäre, ändert nichts an dem thatbestande. 
Denn würde wohl Suida« sich veranlasst gesehen haben , die an- 
gäbe de« anonymus oder seiner quellen um diesen ausdrücklichen 
Zusatz zu bereichern, hatte er nicht eben uucb eine andere zeit* 
behtimmung gekannt , der zufolge Nikander unter Attalus I ge- 
H(*t/t wurde. I'nd war dies der fall, so muss man weiter fragen, 

l>ewog ihn denn eigeiillicb , der angalie des anonymus den 

/'lg zu gebend — Das zeugniss des sclioliasten zu 'I'beokrit 

wird ohne weiteres verworfen. 0. Schneider hat die feste überzeu- 

guiir ■•■■'I- f-r habe sich durch die oben beriilirl»* nIlMr-fM- <'''■••' /m 



310 Jahresbericbfe. 

seiner aiig^abe verleiten lassen, wiederum eine mög^lichkeit, die als 
solche ebenso viel für als geg^en sieb bat. 

Wenn nun der Verfasser der ersten vita des Arat die fabel mit 
folgender berecbnung- widerlegt: ^AviiyovOi;^ a) avvi-yhtto "/t^utn^^^ 
xara 70V n^/mrov yai dtvTfQOryFynvsnroXtfAainv, NixonÖQog Sf xard 
tov TTffATjjnv — , so liegt auf der band, dass bier ungefähre Zah- 
lenangaben gemeint sind, und dass der Verfasser den fünften Pto- 
leraäer genannt bat, weil nach seiner meinung unter dessen re- 
gierung Nikanders blütbezeit fällt, ohne im geringsten behaupten 
zu wollen , Nikanders lebensdauer beschränke sich auf die 23jäh- 
rige regierung dieses königs. Wie aber Schneider sagen kann, der 
Verfasser habe zeigen wollen, wie viel zeit zwischen Nikander und 
Arat dazwischen liege und dazu habe es ihm genügt das Jahrhun- 
dert, in welchem Arat gelebt, zu bezeichnen und die zeit hinzuzu- 
fügen, in welche die geburt Nikanders falle, so dass der gramma- 
tiker geradezu sage Nicandrum suh finem tertii a. Chr. n. seculi 
natum esse (während doch dasselbe verbum ye'yors für Antigonus 
und Aratus diese bedeutung in ein und demselben satze nichf hat), 
er also nicht in Widerspruch stehe mit dem Verfasser des yhog, 
der Nikander unter Attalus III setzt, wird mir mehr und mehr 
unbegreiflich. Diese interpretation würde sogar dann nicht an- 
nehmbar sein, wenn es feststände, dass der Verfasser der vierten 
vita des Arat, der mit dem Verfasser der ersten vita offenbar aus 
gleicher quelle schöpfte , das geburtsjahr Nikanders ausdrücklich 
in die regierungszeit des Ptolemäus Epiphanes setzte. 

Aber auch das ist nicht der fall. Seine worte im zusammenhange 
lauten so: riv ö' 6 'y^vtiyovog (bei welchem Arat lebte) vlog zlq- 
fATjTQiov 70V rioXiOQKTjTov na} TiUQi-'Xaße ■triv aQxh* Tt^Qi Q>iB olvfx- 
TiidSa, «a&' tjv TlToXsfiaiog 6 (DtXd8eX(j)og ißacfiXsvasv , (xtare yial 

■&QvX0V(A.£v6v SdTlV VTZO ZIVODV oÖg fjV Haid TOV aVJOV IQOVOV JVl' 

xfivdQqt 7Q) KoXoq)(aviq> tm t« OtjQiand, ygdxpctvti. Xtyovral rs 
[8s S.) TTQOTHvai. dXXriXoig 6 [a,sv '^ägarq) öxiipaaüai td fliano- 
fisva, 6 8e NiadvÖQqp rd 0T]Qi.axd, tovro 8s xazacpotvöog iazi xpsv- 
Sog. 6 ydg IV'Hciv8Qog 8(68txa oXaig oXvfiTiidai vscoTsgog (palvs' 
tat. Für Arat begnügte er sich also mit der ganz ungefähren 
angäbe, er habe unter Antigonus gelebt, welcher Ol. 125 zur 
herrschaft kam, zur zeit des Ptolemäus Philadelphus, so dass auch 
von einigen berichtet werde, er habe gleichzeitig mit Nikander 
aus Kolopbon gelebt und beide dichter hätten sich die aufgäbe 
zu ihren gedichten gestellt. Wenn das m(TTs xai den ihm gebüh- 
renden sinn haben soll, so müssten doch offenbar die einigen Ni- 
kander unter Ptolemäus Philadelphus gesetzt haben. Dagegen 
macht nun der Verfasser geltend , Nikander scheine 50 jähre jün- 
ger zu sein, er falle also nicht unter diesen Ptolemäer, sondern 
etwa unter Ptolemäus Epiphanes. Dies schien mir von jeher der sinn 
dieses höchst unbestimmten und von seinem Verfasser selbst als unbe- 
stimmt hingestellten ausdrucks zu sein, und von einem geburtsjahr 



Jahresberichte. 3|1 

des iVikander unter Ptolemäiis Epiphanes finde ich bei diesem au- 
tor nichts. Fällt aber \ikander zwölf Olympiaden nach Ptolemäus 
Philadelphus, den Arat nicht überlebte, so schwindet auch die 
mögclichkeit eines innig'en Verkehrs beider dichter in nichts zu- 
sammen und der beweis des Verfassers zur widerleg-ung jener fa- 
hel ist als vollkommen g-elungen anzusehen. — Schneider will nun 
aber einmal g-eändert wissen : m^te yaxmg &()vlüiftt:ror „so dass 
die ang-fibe falsch ist"'. Aber wie kann daraus, dass Arat unter 
Antig^onus zur zeit des Ptolemäus Philadelphus lebte, folg-en, dass 
die ang^abe von dem verkehr zwischen Arat und \ikander falsch 
sei i Dies folg-t doch erst aus der chronolog-ischen ang-abe, die der 
Verfasser im folgfenden macht, wozu also die änderung-i Dann 
sollen aber auch die worte , wie schon Ritschi wollte, nur den 
sinn haben können , dass Nikander 50 jähre nach Arats (vor 240 
erfolgten) tode geboren sei. Worin das string-ente dieser behaup- 
tung" lieg"en soll, leuchtet mir — trotz meiner grossen hochach- 
tung- vor Ritschis berühmtem namen — hei meiner interpretation 
der ganzen stelle nicht ein. Und selbst wenn sie die richtig-e 
wäre, so würde man doch noch immer sag-en müssen: die anga- 
ben des alterthums über das Zeitalter Nikanders zerf[tllen in zwei 
gTuppen , die eine setzt ihn unter Attalus III, die andere vor und 
unter Attalus I. Dass die erstere gruppe ausschliesslich im rechte 
sei, lässt sich nicht beweisen. 

Die frage nach dem Zeitalter Nikanders hat mich ungebühr- 
lich lange aufgehalten. Allein bei wiederholter erwägung von 0. 
Schneiders deduction ist es mir, vielleicht in folge meiner einmal 
vorgefassten meinung, nicht möglich gewesen, derselben überall 
beizupflichten , so siegreich sie mir auch anfangs zu sein schien, 
besonders seitdem ich sah, dass auch Beriihardy in der neuen auf- 
läge seiner griech. littcraturgrsch. th. I, p. 613 den dichter unter 
Ptolemäus VI, also näher an Attalus I, als Attalus III angesetzt 
hatte. Da ich es jedoch für anniassend hielt, zweifei gegen eine 
so überaus gelehrte und scharfsinnige arbeit zu äussern, ohne we- 
nigstens den versuch ihrer näheren begründung zu machen, so 
wurde ich zu dieser ausführlichkeit veranlasst. — Ueber den werth 
und umfang von Nikanders litterarischen arbeiten erhalten wir 
durch die von 0. Schneider gelieferte bearbeitung seiner fragmente 
viele neue und wichtige aufschlüsse. So wird denn zuerst nach- 
gewiesen , dasH Nikanders mehrere werke in pnisa abgefasst hat. 
So waren höchst wahrNcheinlich seine Aelolika in prosa und zwar in 
ionischem dialekt geschrieben. Prosaisch war höchst wahrschein- 
lich auch die schrift über die dichter aus kolophon , zweifelhaft 
bleibt es bei den Kolophoniaka. Metrisch waren seine Oelaika^ 
Thehaika, Sikelia, Eurnpia Ophinka (und zwar in eU'gis<lu'ni vers- 
m»««;, Heteroiumena, gcdichte von zum theil beträchtlichen umfange, 
endlich «eine Georffiea, von denen uns noch grosse aber nuch 
rorrumpirte fragmente erhiillen sind, Melissurgica und die 



31?y Jahresberichte. 

epische metaphrasc der Prognostika des Hippokrates. lieber die 
Kimuierier fehlt es uns an erheblicher nachricht. Den Hyakiiithos 
hält 0. Schneider wohl mit recht für einen abschnitt der Hete- 
roiuinena. Dass Nikandros auch Thereutika und höchst wahrschein- 
lich auch Litlüka geschrieben habe, zeigt 0. Srhneider überzeu- 
g-end. Nehmen wir noch dazu sein gewiss nicht kleines glosso- 
graphisches werk, und die anderen Schriften, deren titel uns Sui- 
das aufbewahrt hat, so erstaunt man billig über die polyhistorie 
des mannes und seine eminente arbeitskraft. 

Demnach ist die zahl der uns erhaltenen fragmente (im gan- 
zen 145) gewiss nicht beträchtlich. Sie sind uns fast alle nur 
von Athenäus und scholiasten aufbewahrt. Ein grösseres publi- 
kum von lesern hat Nikander nicht gefunden. Man könnte dies 
nun ganz in der Ordnung finden , da die dichter der alexandrini- 
schen zeit eben nur für gelehrte fachgenossen schrieben, und uns 
so manches andere zu seiner zeit gewiss berühmte gedieht je- 
ner periode nur noch dem namen nach bekannt ist. Aber 
es ist doch auffällig, dass Nikanders Georgika von den späteren 
Schriftstellern über diesen gegenständ unbenutzt blieben, und noch 
mehr nimmt es wunder, dass auf seine medicinischen schritten, 
ja selbst auf die Theriaka und Alexipharmaka , die uns erhalte- 
nen ärzte so gut wie keine rücksicht nehmen. Diese vernacli- 
lässigung ist denn doch zu räthselhaft , als dass man sich hier 
mit blossen analogien begnügen sollte , — aus neuerer zeit böte 
sich etwa Fracastori dazu dar, dessen vorzügliches gedieht über die 
Syphilis die ärzte lange zeit für gut befunden haben nicht zu be- 
achten. 0. Schneider löst uns das räthsel in sehr ungezwunge- 
ner und ansprechender weise, indem er ausgehend von Cicero's 
bekannten worten über Nikanders Georgika, so wie von dem aus- 
drücklichen zeugniss des Suidas über die epische metaphrase der 
Prognostika des Hippokrates annimmt — Nikander sei in sei- 
nen meisten Schriften nichts als blosser metapkrast gewesen. Für 
die Theriaka und Alexipharmaka wird denn auch wenigstens so 
viel überzeugend nachgewiesen, dass Nikander in vielen fällen sich 
den toxikologischen lehren eines gewissen Apollodorus , eines der 
ältesten schriftsteiler in diesem fache, ganz eng angeschlossen 
habe. Wer konnte es demnach den späteren verargen, dass sie 
sich statt an die metaphrase lieber an die quellen selbst hielten ? 
Und wird es so nicht erklärlich , dass auch die übrigen , stoft- 
lich selbstständigen gedichte des Nikander in Vergessenheit ge- 
riethen, zumal sie durch ihren gänzlichen mangel an poetischen 
Schönheiten, so wie ihre dunkle, schwerfällige spräche gebildete 
leser eher abstossen , als anziehen mussten , überhaupt aber ein 
lebhaftes Interesse am mythographischen epos , denn dieser klasse 
fallen nicht wenige von Nikanders gedieh ten zu, mit der alexan- 
drinischen periode wieder verschwand. 



Jahresberichte. 313 

Die neue, dritte ausgrabe der ßukoliker von Meineke ^), wel- 
che meiner vorlieg^enden uufi^-uiie fern steht, erwähne ich nur des- 
halb, weil der cummentar auch alleriiand auf spätere epiker he- 
ziig'liche henierkungen enthält, z. h. über die elision vun on p. 
437 ; über d e veruiiedeue elivsion von verbalendung"en bei bukoli- 
kern , deren vorsang sich hierin, wie in so vielem anderen auch 
\onnus ang^eschlossen , p. 447; über die nachahmuni»* nicht blos 
alter, sondern auch neuerer dichter bei \onnus, p. 453 ; dje be- 
obachtung-, dass kein epiker im fünften fuss einen kurzen vokal 
durch positio debilis verlängert, p. 365 : dass niemals das o pas- 
siver imperative elidirt werde, p. 302; beispiele tür accusative 
auf va statt vv bei späteren dichtem (aJ)er nie bei Nonnus) p. 
343 u. dgl. m. 

üeber die ausgäbe des Apolfonius Rhodius von ßlerkel kann 
ich mich kurz fassen , weil seit ihrem erscheinen eine reihe von 
Jahren verflossen ist, so dass ihre eigenthümlichkeiten den gelehr- 
ten nicht mehr unbekannt sind, wie denn auch ßernhardy in dem 
sehr ausführlichen abschnitt seiner iitteraturgeschichte über A|»ol- 
lonius die resultate sowohl der ausgäbe als der prolegomenen be- 
reits berücksichtigt hat. Bekanntlich bildet jetzt ein sehr sorg- 
fältig geschriebener codex F^aurentianus saec. X die zuverlässige 
grundiuge des textes. Dieser codex beweist unwiderleglich, dass 
Apollonius sorgfältig von den grammatikern nach der zeit des 
Herodian behandelt wurde, während man früher annahm, dass er 
ihnen ganz fremd geblieben sei. Er Zeichnet sich aus durch 
vielfache stark hervortretende eigenthümlichkeiten der diorthose, 
der Orthographie und accentuation , die der verdienstvolle heraus- 
geber bereits in der lehrreichen vorrede seiner kleineren ausgäbe 
übersichtlich zusammengestellt und zum tlieil mit den ausdrückli- 
chen Vorschriften der grammatiker belegt hatte. Sie .scheinen für 
die texte der griechischen epiker traditionelle gültigkeit gehabt 
zu haben, wie denn auch sehr viele derselben bereits von Lehrs 
in den qunest. epp. besprochen sind. ^ on den eigenthümlichkeiten, 
die sich nicht durch stellen der grammatiker belegen lassen, 
müchte man sich die Unterscheidung der pronominaltormen ", //, 
Ol, Uli durch den accent (ausser vor ftn und f^() von den gleich- 
lautenden artikelformen, so wie die Scheidung von ov(^h (ne — qui- 
dem) und nv Öt (neque) gefallen lassen , aber die behandlung der 
firäftoHit innen in der avffnna als arota, oder proklitika nach Her- 
nanns nusdruck , erscheint doch .sonderbar. \\ arnm dann nicht 
alle ox)tona ohne nrcenl geschrieben werden sollen, sieht man 
eheoMo wenig ein, als freilich auch warum die übrigen zehn oder 
eilf liroiru keinen gravis haben. \\iv\\ die grossere ausgäbe hat 
dieae ganze Mchreihweiite beibehalten. Sie gieht uus überhaupt, 

2) [Ueber diese «uagahe wie Aber die übrigen TheocritCii emcheint 
in eio«» der oichsten hefte der jahreibericht. — Die H9d0eiiom], 



3i4 Jaliresbericilte. 

wenn man den text mit dem kritischen commentar zusammenhält, 
einen his in die kleinlichsten einzelnheiten g^enauen abdruck der 
florentiner handschrift, dem in hesondern columneu eine g-enaue 
collation der wolfenbüttler handschrift als repräsentantin der in- 
terpolirten Codices , die citate der alten g^rammatiker und lexico- 
graphen, so wie ein nachweis der emendationen neuerer philolo- 
gen und des herausg-ebers beig-egelten sind. 

Die gelehrten und sorgfältigen , aber oft schwer verständli- 
chen, prolegomena handeln über das leben des dichters, seinen 
streit mit Kallimachus, die geschichte seines gedichtes und, was 
bei weitem den wichtigsten und interessantesten theil derselben 
ausmacht, über den stand der homerischen studien des Apollonius. 
Aus dem ersten abschnitt ist besonders hervorzuheben die Unter- 
suchung über die bedeutung des Wortes nvaliyot; (p. xxiii sqq. 
XXXI j) in der zeit vor Proklus mit dem resultate, dass die Ale- 
xandriner darunter eine nachahmung des Homer verstanden, die 
sich an dem häufigen gebrauch seiner Wendungen , formein und 
stehenden ausdrücke, der entlebnung ganzer oder halber verse 
kennzeichnet , zugleich mit einem ausführlichen nachweis homeri- 
scher reminiscenzen bei Apollonius p. xxxvii sqq. Was wir mit 
Sicherheit über die nQOfxdoüig der argonautika wissen , ist sehr 
wenig und die beliebte meinung früherer gelehrter grössere Va- 
rietäten der handschriften auf die discrepanz der ausgaben zurück- 
führen zu können ist von Merkel beseitigt, indem er zeigt, dass 
es bereits im vierten oder fünften Jahrhundert zwei verschiedene 
recensionen des noch jetzt vorhandenen textes gegeben hat, aus 
der die gegenwärtige handschriftliche varietät abzuleiten ist, dass 
man aber die verschiedenen ausgaben des dichters selbst nicht 
mehr hatte. Dass nun das gedieht in der gestalt, ^wi^ wir es 
jetzt haben , von Apollonius nicht in Rhodus , sondern nach sei- 
ner rückkehr nach Alexandria in den letzten jähren seines le- 
bens verfasst sei, wird durch eine eingehende analyse der 
homerischen Studien des Apollonius gezeigt, aus der sich er- 
giebt, dass der dichter in bezug auf kritik und erklärung 
des homerischen textes meist mit Aristophanes von Bjzanz über- 
einstimmt, in manchen punkten aber selbst richtigere ansichten 
als dieser hatte, die ihn als einen Vorläufer und Vorarbeiter Ari- 
starcbs erscheinen lassen , so dass eine eingebende betrachtung 
des Apollonius als homerischen grammatikers zu gleicher zeit grosse 
aufklärung über die leistungen des Aristophanes und den stand 
der homerischen studien in Alexandria vor Aristarch giebt. So 
enthalten also die prolegomena eine mit seltener gründlicbkeit 
und umsieht unternommene bearbeitung gerade des wichtigsten 
abschnittes über die elocutio des Apollonius , so dass man es mit 
Bernhardy nur bedauern kann, dass dieser ganze gegenständ auch 
in dieser bearbeitung des dichters noch zu keinem erschöpfenden 
abschluss gekommen ist, sowie es wohl mancher mit mir bedauern 



Jahresberichte. 315 

wird, dass diese so schön ausgestattete und in kritischer hinsieht 
so werthvolle aiisg-ahe in den pruleg-omenen , — wenn denn ein- 
mal ein fortlaufender coinnientar dem lieutiären Standpunkt der 
Wissenschaften nicht mehr ang-emessen sein soll — für den ge- 
schichtlichen theil der Studien des dichters und für die interpreta- 
tion wenn auch nur seiner schwierigsten stellen den leser leer 
ausgehen lässt. 

Wenden wir uns nunmehr zu dem nachalexandrinischen epos, 
so hat uns Körhiy , wie früher vom Uuintus Smyrnaeus , so jetzt 
von den apotelesmatischen gedichten , welche falschlich den namen 
Manetho an der spitze tragen , einen verbesserten textesahdruck 
seiner 1851 bei Didot erschienenen recension gegeben, mit vor- 
ausgeschicktem kurzen kritischen commentar. Seine in den vor- 
trefflichen prolegonienen der grösseren ausgäbe ausführlich be- 
gründete ansieht über die abfassungszeit und den inneren Zusam- 
menhang dieser gedichte wiederholt Köchly in der kürze p. vii. 
Demnach bilden buch II. 111. VI ein zusammenhangendes, von ei- 
nem dichter herrührendes , wahrscheinlich zu praktischen zwecken 
(ed. Did. p. xviij bestimmtes ganze, dessen Verfasser unter Alexan- 
der Severus seine arbeit veröffentlichte. Das verstümmelte und 
durcheinandergeworfene vierte buch , eine nachahmung der ersten 
partie, stammt von einem jüngeren Verfasser aus der zeit Julians 
her. Buch 1 endlich und \ sind wirre centonen aus versen ver- 
schiedener astrologischer dichter, mit eignen halbbarbarischen zu- 
lliaten zweier an unkenntniss der metrik und spräche und man- 
gelnder einsieht sich ziemlich nahe stehender Verfasser. Mach die- 
sem resultate ist denn auch in beiden ausgaben die reihenfolge 
der bücher geändert , indem das ursprünglich zweite buch der 
Sammlung dieselbe jetzt eröffnet. Am schluss der ausgäbe sind 
die zuerst theilweis von Salmasius, dann von Iriarfe veröffentlichten 
astrologischen fragmente des Dorotheus und Annubion hinzugefügt. 

Ks ist erfreulich, dass Nonnus , dieser bedeutendste aller spä- 
teren epiker, ein dichter von wirklichem talent, voll feuer und 
einer üppigen unerschöpflichen phantasie, ein durchaus romantischer 
dichter, der alles zarte und liebliche der iuikidischen genremalerei, 
HO wie die halb frivolen, halb sentimentalen schiblerungen der 
«*n)tiker auf den boden der epischen poesie verpflanzt hat , der 
kein mittel der rhetorik verschmäht, um seiner darstellung grössere 
lelNsndigkeit zu verleihen, dabei subjectiv wie kein epi.scher dich- 
ter vor ihm , der dem epos eine ganz neue spräche geschaffen, 
und die künstlichkeit der metrischen form mit einer fast unglauii- 
lirhen strenge beobachtet hat, — dass Noiinus Dioiiysiaca «lurcb 
zwei ftchöne, aber freilich ihrem inneren wertlie nach sehr ver- 
Nchiedene aiiHguben zugänglicher geworden sind. Die ausgäbe det» 
grafen Marcellu» enthält eine vollständige Übersetzung des dich- 
ters in franzÖNiNcher spräche, die abgesehen von der ganz unzu- 
Unglirhen arbeit Kritet'it vom J. lB2Anochin keine neuere spräche 



SI6 Jahresberichte. 

Übersetzt worden und es doch vor vielen anderen dichtem g-anz 
besonders verdient. Aber damit ist auch fast alles g^esag-t, was 
sich von der ausg^abe des herrn g-rafen gutes sag-en lässt. Denn die 
einleitung', die sich in unnöthig'er breite (ein g-anzes capitel erör- 
tert die frage, ob man französisch Nonnos oder Nonnus sagen 
müsse) über den autor, sein gedieht, seinen werth, seine schule 
ergeht, aber weit entfernt ist, etwa das metrische übersichtlich 
darzustellen , enthält für deutsche leser nicht das mindeste neue, 
ebensowenig wie etwa der angefügte commentar von belang ist, 
oder die kritischen leistungen des herausgebers bis auf einige 
glückliche besserungen, das richtige auffinden einiger lücken und 
in falscher Ordnung gestellter verse, in betracht kommen können. 
Als ein bedeutender fortschritt jedoch auf dem zuerst von Gräfe 
betretenen wege, die werke des dichters nicht sowohl nach hand- 
schriftlichem apparat, von welchem bei Nonnus, dessen junge Co- 
dices , wie eine sorgfältige collation des Monacensis bestätigt hat, 
alle aus einer gemeinsamen quelle geflossen sind und geringe Ver- 
schiedenheiten aufweisen , nicht besonders die rede sein kann , als 
vielmehr nach genauer beobachtung seiner metrik und seines Sprach- 
gebrauchs zu bessern, ist die ausgäbe von höclily zu betrachten. 
Ihr ganz besonderer werth für philologen besteht in dem länge- 
ren commentarius criticus von 210 seiten, der bei aller lakonischer 
kürze, die ihn auszeichnet, doch noch räum genug hat einige all- 
gemeinere sprachliche und metrische bemerkungen aufzuführen, ein- 
zelne fremde dichterstellen zu emendiren (wie p. cviii ein frag- 
ment der Bassarika des Dionysius), und, was besonders interes- 
sant ist, auf kleinere Widersprüche aufmerksam zu machen, deren 
sich Nonnus nicht wenige hat zu schulden kommen lassen. 

Was nun Köchly's texteskritik anlangt, so dürfte vielleicht 
an einzelnen stellen, denen durch einfache emendation aufzuhelfen 
war, ohne zwingenden grund das Vorhandensein einer lücke ange- 
nommen sein. Das zeichen der lücke steht an mehr als 150 stel- 
len. Da muss man denn doch fragen, wo kommen so viele lücken 
her? Waren etwa im urcodex mehrfach blätter ausgefallen, müsste 
sich da nicht wenigstens ein theil der lücken an bestimmt auszu- 
rechnenden stellen finden ? (jlenauere Observation des metrums und 
des Sprachgebrauchs, mit welcher man bei Nonnus, der sich be- 
kanntlich in dieser hinsieht die allerseltsamsten fesseln aufgelegt 
hat, nicht weit genug gehen kann, würde hie und da selbst nach 
Köchly's gründlicher arbeit noch zu einer fruchtbringenden nach- 
lese führen. 

Ich berühre nur einen scheinbar ganz geringfügigen punkt, 
die zulässigkeit der elision bei Nonnus. Er clidirt dt ohne sich 
an eine besondere stelle im verse zu binden , ebenso zweisilbige 
Präpositionen überall , hauptsächlich aber doch im dritten und fünf- 
ten fusse, aX)^ä bloss im ersten und fünften, ausserdem ort ziem- 
lich häufig, bisweilen tiots (1, 492. 4, 338. 8, 64), auch wohl 



Jahresbericbfe. 317 

ori, wie 48, 899 und in der forrael afwt ort 11, 304. 307. 325. 
26, 22. 23. 48, 540. Vereinzelt stehen fttlr^ 19, 76; nn6Tt 42, 
6; nvdt 23, 11 (oid' fTTi öi'ji ; liier ist obenein das ttti unbe- 
quem; ob niÖF ti dijt?) 24, 216; 25, 473; «i»9« 3,284. Gegen 
andere elisionen muss man mistrauiscb sein. So ist 21, 237: n'778 
xni avTi'xi j tioo^MW tnu fiixhir , tj' dyytiXm /Jioyvacp vielleicht 
ot dyyn').(a zu schreiben; Tür eine sonstige elision von ipu habe 
ich bei Nonnus keine Iteispiele gefunden. Dann 19, 23: l).Oe<; efAot, 
q)iXs Buxii y qi'Anr qi/n,; ovxst drir] j oinhi ntrüag !/£//<£ z/<o- 
rvnnin qutffTog vielleicht ov rig urirj, nvdfii nttOn^; an einer 
anderen stelle, die ich jetzt nicht finden kann, stand i>ei (träte 
allerdings auch f/Wr fänoi. Auffällige und zum theil offenbar 
falsche elisionen, die Gräfe noch 7, 102. 20, 214. 236. 26, 59. 
39, 84. 393 hatte, sind bei Kochly beseitigt; geblieben ist ut 
"t't ' y^QxudCr] 41, 355, eine elision, die sich mehrmals bei Arat 
findet. — Dass Nonnus nie zwei spondeen hintereinander setzt, 
ist schon oft gesagt. Die einzige gegen dieses gesetz wirklich 
verstossende stelle, die (iräfe übersehen hatte, 48, 909, ist von 
Struve auf die einfachste weise durch Umstellung geändert und 
köchiv hat diese änderung natürlich in den text aufgenommen. 
Aber diese reget hat eine ganz bestimmte ausnähme, nämlich der 
zweite und dritte /uss hintereinander können spondeen sein. Die 14 
beispiele , die ich hierfiir in den comm. epp. p. 24 gegeben habe 
(nur einige aus einer viel grösseren anzahl) finden sich mit aus- 
nähme von 19, 43 noch alle im köchly'schcn text. Es ist mir 
unbegreiflich, wie Gräfe diese höchst einfache, obendrein im rhyth- 
mischen bau des hexameters begründete Observation hat übersehen 
können. Denn dass er sie üitersehen , beweist mir seine anmer- 
kung zu 38, 312: ovQnrhv faxoniui^t \ inru TieQt C^r^^^ xvxknv- 
fttrop 'notahiUs hie versus propter confinuafos $pondeos\ während 
er bei keinem der beispiele in den früheren büchern etwas der- 
artiges bemerkt hat. köchly wiederholt diese bemerkung p. clv 
und fügt hinzu : ' ciliosus est sine dnhio sed mcdicina incvrta : num 
ltUiti(^<tt xfxanfit'top?' du das metrische bedenken nichtig ist, so 
■ehe ich wenigstens keinen grund , weshalb der vers corrupt sein 
Moll. 27, 294 hat köchly ebenso emendirt wie ich (l'lut. de Mus. 
p. XXII); ebendaselbst habe ich auch \, 335 verbessert. 

Als ein natürlicher anliang zu dem griechischen epos sind die 
nrakri zu betraciilen und als solcher auch von Iternhardy in den 
krei» der litterarisclien belrarbtuug ^ezogen. Form und spräche 
Mchliessen sich seit den ältesten Zeiten an das epos an und viel- 
Feirht dürfte sich aus einer genaueren betrachtung der älteren 
ornkcl noch dieser und jener uufschluss für die geschichte der 
grierhiMchen rhupsodik gewinnen lassen. — In neuerer zeit ha- 
biMi ts die apokryphen n hy 1 1 tn or a kel mehrere bcnliri 

ter 1. MrTovdre'i auhgahe liegt nach lanuen zwis* !,• n 

rittiBca jetzt lossen vor uns. Sie liefert lum ersten nioie 



3iS Jahiesbe richte. 

einen zwar niclit reinen und fehlerfreien , jedoch , so weit davoa 
bei diesen orakeln überhaupt die rede sein kann, lesbaren text, 
der die verfrühte arbeit von Friedlieb als völlig verfehlt erscheinen 
lässt. Sie g-iebt ferner den vollständigen kritischen apparat, d. h. 
eine genaue collation sämmtlicher bis jetzt bekannter handschriften. 
Ein fortlaufender connnentar erläutert das einschlägige aus dem 
gebiet der grammatik, lexikographie, der antiquitäten u. s. w. 
Besondere evcurse des dritten bandes ergehen sich mit grosser 
ausführlichkeit über einzelne litterarhistorische fragen. — Der erste 
excurs handelt von den verschiedenen Sibyllen, von denen bekannt- 
lich zehn und noch mehr bei den alten autoren aufgeführt wer- 
den, welche, wie es scheint, zuletzt aus der schrift des Heraclides 
Ponticus 7T8()i 'iQtjatriQicov ^ also aus einer sehr unlautern und völ- 
lig unglaubwürdigen quelle schöpften. Die heimath der Sibyllen 
und ihrer tradition ist das äolische Kleinasien. Muthmasslich fand 
sich ihre erste erwähnung in den gedichten der Kykliker. Schon 
saec. \111 — VII a. Chr. cursirte unter dem namen der erythräi- 
schen Sibylle ein hexametrisches gedieht mit orakeln. Bald wuss- 
ten auch andere städte und gegenden Sibyllen aufzuweisen. Die 
mythische tradition setzte die eine oder die andere derselben in 
Verbindung mit dem delphischen orakel. Durch die griechische 
kolonie in Kumae kam der name der Sibylle schon in alter zeit 
nach Italien. Sammlungen sibyllinischer Orakel kannten unzweifel- 
haft schon Plato und Aristophanes. Ihre zahl mehrte sich im lauf 
der Jahrhunderte. Kaiser Äugustus, der über 2000 apokryphe 
Orakelbücher in griechischer und lateinischer spräche verbrannte, 
traf eine auswahl unter den sibyllinischen Weissagungen, von denen 
er die einen als echt beibehalten Hess , andere dagegen verwarf 
(Suet. Aug. c. 31). Pausanias, überhaupt ein grosser Verehrer 
von orakeln und eifriger leser ihrer Sammlungen, citirt auch sibyl- 
linische Weissagungen. Celsus, der freund des Lucian, war schon 
nicht mehr im stände heidnische sibyllenorakel von christlichen und 
jüdischen zu unterscheiden und begnügte sich damit auf die inter- 
polation der ersteren durch christliche sibyllisten, wie er sie spott- 
weise nannte, hinzuweisen. Die neuplatoniker hielten wiederum die 
sibyllenorakel in hohen ehren und so verschwindet ihre letzte spur 
erst mit dem untergange der heidnischen religion unter Justinian. 
Uns sind aus dieser weitschichtigen litteratur nur ein paarhun- 
dert verse erhalten, die sich vollständig, wenn auch nicht immer 
nach den besten i^^ten am schluss des zweiten excurs th. IIJ. 
p. 118 sqq. gesammelt finden. Darnach handelt excurs 111 von 
den sibyllinischen Weissagungen der Römer. Dass wirkliche ora- 
kelbücher vorhanden waren, die von zeit zu zeit auf senatsbeschluss 
durch das collegium der XVviri nachgesehen wurden, steht ausser 
allem zweifei. Man leitete ihren Ursprung zur zeit Varro's auf 
Tarquinius Superbus zurück , der sie von einer jüngeren cumäi- 
schen Sibylle gekauft haben sollte, obgleich als ihre ursprüngliche 



Jahresberichte. 31 9 

Verfasserin die erythräisclie Sibylle galt. lieber die anzahl der 
biicber war man streitig* , ob es drei , oder vier gewesen. Sie 
waren auf leinwand geschrieben in griechischen hexainetern, in 
sehr unleserlicher schritt und wurden auf dem capitol im tempel 
des Jupiter wahrscheinlich in einer besonderen dem Apollo geweih- 
ten capelle desselben und zwar in einem gewölbe unter der erde 
in einer kiste aufbewahrt, zugleich mit den Weissagungen der 
tiburtinischen Sibylle, denen der seher oder vielmehr gebrüder Mar- 
cius und einigen andern büchern verwandten inhalts. Beim brande 
des capitols 671 a. u., 83 a. Chr. gingen auch diese sibyllinischen 
bücher, obgleich vergraben, zu gründe. Zwei jähre nach der 
Wiederherstellung des capitols (678, 76) wurden auf den antrag 
des consul Ciirio gesandte nach allen durch Sibyllen berühmten 
Städten und gegenden. besonders nach Erythrä geschickt, um Ora- 
kel zur neuen aufbewahrung auf dem capitol zusammenzuholen. 
Aus der grossen anzahl , die auf diese weise zusammenkamen, wur- 
den tausend verse ausgesucht und aufs neue noch in demselben 
jähre der obliut der X\ viri untergeben. Etwa 60 jähre später 
Hess Augustus sie sorgfältig abschreiben und in den tempel des 
Apollo auf dem Palatinos übertragen. Sie wurden aber nach der 
zeit nur noch selten befragt. Ob zu den i. j. 76 aufbewahrten 
sihyilenorakeln noch andere etwa unter Augustus und Tiberius 
hinzugefügt wurden (im privatverkehr gab es deren sehr viele) 
lässt sich nicht ermitteln. Hin besonderer antrag des senats ein 
neues werk <ler Sibylle zu den bisherigen als echt hinzuzufügen, 
wurde von Tiberius entschieden zurückgewiesen. Einmal wurden 
die .Sibyllinen unter \ero nachgesehen , ein paarmal unter den 
(>ordianen und («allienus. Kaiser Aurelian machte i. j. 271 dem 
Senat einen Vorwurf daraus , das» er so lange bedenken getragen 
sie nachzuschlagen. \ opisc. v. Aurel. c. 20: ^ miror vos , pa/res 
sfinrli , liimdiu de aperiendis Sthyllinis dubilasse libris ; perinde quasi 
in Clirislianorum ecciesia , tion in templo Deorum omni um traclarelis' 
— eine merkwürdige stelle, weil sie zugleich ein zeugniss für 
das wachsende ansehen der Christen und der festen Überzeugung 
des kaisers von ihrem hass gegen heidnische religionsgebräuche 
«•iilhall koerhiy ad Maneth. praef. p. xiv). Aber die Sibyllinen 
erhielten sich noch lang«' in die christliche zeit hinein, — heim 
brande des pulatinis<'hen lempels unter Julian wurden sie unver- 
Mehrt gereitet (Amni. .Marc. Will, 3, 3) — , und erst unter 
HonoriuN wurden sie auf befehl des Stilicho um 101-408 ver- 
brannt , allein »eiliHt ein Jahrhundert spater war ihr andenken hei 
den römischen patriciern noch nicht ganzlich erloschen . wie zwei 
fitellen des ProcopiuM (b. (lOlli. I, 7. 21) beweisen. 

Die aufsieht über die Sibyllinen war ursprünglich zwei man- 
nern au« den Senatoren, den llviri sacris faciuiidiN , überwiesen. 
Im j. 387 u. u. . 3(^7 v. riir. wurde ihre zahl durch eine lex 

l.iritiia S<*\ii:i ifiif* /fliii \ i'i'ini'lirl \ itii ili-nrii ilir iLilfli' niis ii|i>. 



320 Jahresberichte. 

bejern bestehen konnte (Liv. VI, 42). Sulla brachte bei der re- 
organisation des sacralwesens ihre zahl auf fünfzehn (Serv. ad 
Aen. VI, 73 nach richtig^er lesung-), über deren sonstige functionen 
Alexandre p. 193 ff. ausführlich handelt. Die kaiser erhöhten die 
zahl der mitglieder dieses collegiunis nach gutdünken , aber der 
alte name blieb. Ein besonderes beamtenpersonal aus servi publici 
bestehend (ursprünglich des g-riechischen kundige dolinetscher, iton- 
fAv/jfioitc) stand ihnen bei ihren amtlichen Verrichtungen zur seite. 
Die XVviri mussten aber durch einen besonderen senatsbeschluss 
zum jedesmaligen nachschlagen der sibyllinischen bücher autorisirt 
werden , und es erfolgte diese autorisirung nur in ganz bestimm- 
ten fällen , die Dionys. Halic. IV, 62 namhaft macht , meist bei 
ausserordentlichen prodigien. Den feierlichen hergang im senat 
haben wir nach dem Wortlaut der formein , wenn auch aus späte- 
rer zeit, noch bei Vopisc. v. Aurel. c. 19. Das nachschlagen selbst 
geschah von dem ganzen collegium in einem speciell vorgeschrie- 
benen aufzuge. Dann bedurfte es eines neuen Senatsbeschlusses, 
ob das eingesehene orakel e re publica sei und von den XVviris 
veröffentlicht werden dürfte. Veröffentlicht wurde es im griechi- 
schen original mit beigefügter lateinischer Übersetzung. Fast alle 
Sibyllenorakel übrigens, deren Veröffentlichung uns bekannt ist, 
enthielten Vorschriften für opfer und lustrationen, meist nach grie- 
chischem ritual. 

Aber wie war es überhaupt möglich aus den sibyllinischen 
büchern , deren umfang doch kein bedeutender war, antworten auf- 
zufinden, die auf allein römische Verhältnisse berechnet waren, für 
prodigien, an deren eintreten unmöglich Jahrhunderte vorher von 
dem Verfasser der bücher hatte gedacht werden können? Dass die 
XVviri ihre jedesmaligen antworten nicht rein aus der luft griffen 
und sich keinen groben betrug zu schulden kommen Hessen , ist 
klar, üeberdies steht es fest, dass die antworten aufs gerade- 
wohl nach art der sortes Vergilianae aufgeschlagen wurden. Da 
wir nun aus Cic. de Div. II, 54 und Dionysius wissen, dass die 
jedesmaligen antworten, wenn sie veröffentlicht wurden, akrostichisch 
abgefasst waren, so ist es eine sinnreiche vermuthung Alexandre's, 
dass man eine beliebig aufgeschlagene stelle der orakel weiter 
ausdeutete, indem man der reihe nach jeden buclistaben des ur- 
sprünglichen textes zum anfangsbuchstaben eines neuen hexame- 
ters machte, so dass dann die ganze antwort akrosticbisch gele- 
sen die wirklichen textesworte enthielt, also in dieser hinsieht 
echt sibyllinisch war, obgleich sie natürlich die XVviri so ge- 
macht hatten , wie sie im voraus wussten , dass sie dem senat und 
der aristokratie genehm sein würde. Vielleicht lasen sie auch un- 
bewusst den sinn heraus , den sie herauslesen wollten , und sie 
fanden bei ihrem thun so wenig arges , als die delphischen prie- 
ster , wenn sie die abgerissenen worte der Pythia in glatte hexa- 
meter bradbteu. — Vl^ir haben nun noch zwei orakel, welche als 



Jahresherichle. 321 

sibjllinisch veröffentlicht sein sollen hei Phlegon aufhewahrt. Von 
ihnen ist das eine (de inirah. c. 10), wie schon Klausen sah, 
wirklich akrostichisch ahg-efasst, ein um so hemerkenswertherer 
umstand, als Phlegon davon nichts gewusst zu haben scheint, denn 
er sagt nur allgemein: q avynKqro^ fxtkfvntf iov>,- Uitn^ifi^fiotu^ 
utayKJJiui Tot^ 2,ifiv).Xrfi; }f()//^/-ifu's' , xni f ^ t, ^ tj n n p r n rot»^' 
XQrjrfftnis-. fin}r i^f »»/ ^(iijauo} ot^f. Es besteht aus 70 versen, 
deren anfangsbuclistaben einen ganzen und zwei unvollständisfe 
hexameter geben. Die X\ viri behielten gewiss alles das aus dem 
original bei, was sie lesen konnten, aber der inhalt des akrostichon 
steht, wie sich denken lässt, in gar keiner beziehung zu dem 
versificirten orakel selbst. Es wurde veröffentlicht wegen eines 
zu Rom gebornen hermaphroditen 'vnuTtvn*7(av tv ' f^MfAti /^^'<('xwf 
ID.uiiov xa' 2.^tr"V Kinf^ivlnv Tiui'nv xnt Mit(txnv fhni>)[iinv 
(I^Xdxxov. Diese offenbar verderbte angäbe ändert Alexandre in: 
v/r. iy P. x«r<i 2^>-^rnr httguinoi' , Mu{ixnv Tlmvnnv ' Tipitiov xtX. 
— consuln des Jahres 629. Carminius aber ist ein öfter von 
Servius und Macrobius (V, 19 mit dem prädicat curiosissimus et 
doctus] citirter Schriftsteller über etruscische haruspicin nach den 
hüchern des Tages, dessen vorname Sextus sonst freilich unbekannt 
ist. Uebrigens lehrt der inhalt des Orakels, dass es, seine eclit- 
heit vorausgesetzt, noth wendig in einer früheren zeit veröffentlicht 
sein muss. Da nun sonst keine gründe vorhanden sind, die mög- 
liche echtheit dieses Orakels in abrede zu stellen, so nimmt Alexan- 
dre einen irrthum sei es des Phlegon oder seines gewährsmannes 
in betreff der chronologischen angäbe an und setzt das orakel 
vielmehr unter das consulat des Plautius Hypsaeus Venno und T. 
Manlius Torquatus i. j. 407. Das frühe alter dieses Orakels zu- 
gegeben, so spricht, um nebensächliches zu berühren, doch gegen 
Alexandre's änderung der chronologischen angäbe der umstand, 
dasM Phlegon nie seine quellen mit xutu citirt und dass er zwei- 
tens wohl gewährsmäuner für ganze geschichten, nie aber blos 
für die darin vorkommenden chronologischen daten anführt. Meur- 
sius nahm an , dass hier zwei ursprünglich getrennte begebenhei- 
ten vermischt worden seien und Westermann Paradox, p. 138 
■tiromt ihm hierin so hei , dass er vor ' Tipatov das zeichen einer 
lücke setzt; zuerst will er nemlich lesen Muqxov flXuvrinv xut 
yiovxiüv Kutniuv, Coss. 751, 2. Dann sei ausser vielem anderen 
der name eines attischen archonten ausgefallen und weiter zu le- 
sen: Mii{fAüv Ilkuvriov ' Tüittinv xui M. <!*. fp. (>osh. f)28, 125. 
Gegen die annähme einer grösseren lücke scheint aber die beschaf- 
fenheit der ganzen schritt zu sprechen , die zwar ohne anfang 
uod im einzelnen verderbt , aber doch sonst wohl unverkürzt auf 
uns gekommen ist. Abgesehen davon können als consuln des 
Jahres 751, 2 nur Augustus und M. Plaut. Silvanus, oder Augu- 
stus und L. («alluN Taninius , oder endlich (aniiiius und U. I'ubri- 
cius «ngeführt werden, nickt «her hl. Plautius und Caninius zu- 
rkiui.«... x>. j.u«. 8. 21 



322 Jahresberichte. 

sammen, da letzterer als consul suflf'ectus an die stelle des ersteren 
trat (IVoris. ad Cenot. Pis. p. 183. Fischer, roem. zeitt. p. 423). 
Ich erwähne nur noch, dass Meier Ind. Attic. Archont. p. x (hall, 
lect. katal. soinmer 1854) über diese stelle schreibt: '«» corrupto 
loco emendando dissidenl docti homines; nos quidem in eorum sen- 
tentiam discedimus , quibus placet , ut ejectis , quae aliunde intrusa 
videntur, x«/ 2^h^zov Ku^uiviov rescribatur M. flluvrlnv ' Twaf^v ytci 
M.(P. <li. Hi aufem consules fuerunt au. 629, a. Chr. 129. Ol. 163J. 
Ea fere est Scaligeri et Corsini sentenlia' — was allerdings als 
das einfachste erscheint. — Das zweite in 37 versen die anord- 
nung- von säcularspielen betreffende orakel des Phleg-on (de longaev. 
4: cf. Zosini. 11, 3) ist übrig-ens nicht akrostichisch abgefasst ; 
dieser umstand allein g-enügt, um es als unecht zu verwerfen, ein 
verdacht, der wie Alexandre p. 239 ausführlich nachweist, noch 
durch genauere betrachtung seines inhalts bestätigt wird. 

Nicht minder reichhaltig und sorgfältig gearbeitet sind die 
folgenden excurse, die über die zuerst von alexandrinischen Juden 
aus der Ptolemäerzeit, dann von christlichen Verfassern der ersten 
Jahrhunderte verfertigten PseudoSibyllinen handeln, deren beträcht- 
liche, vielleicht aus den zeiten Justinians herstammende Sammlung, 
aber jedenfalls nur ein verdorbener auszug aus einer grösseren 
Sammlung , uns noch heutzutage vorliegt, üeber die zeitabfassung 
der einzelnen abschnitte ins klare zu kommen , hält nicht schwer 
und die hierüber von Alexandre gewonnenen resultate (übersicht- 
lich p. 438) stimmen im ganzen mit den von ßleek und Friedlieb 
aufgestellten behauptungen überein. Exe. VI giebt eine sehr sorg- 
fältige, systematische Übersicht über den dogmatischen gehalt der 
orakel , Exe. VII behandelt in eingehender und im ganzen er- 
schöpfender weise die sprachlichen und metrischen eigenthümlich- 
keiten der orakel. Alexandre's ausgäbe wird nach ihrer realen 
Seite hin noch lange den ansprüchen der gelehrten genügen. Aber 
eine neue revision des textes, basirend auf einer methodischeren 
ausbeutung des vorliegenden kritischen apparats und unterstützt 
von einer besonnenen conjecturalkritik , dürfte noch immer eine 
verdienstliche arbeit sein. Besonders scheint mir Alexandre darin 
gefehlt zu haben, dass er in den büchern, für deren constituirung 
uns zwei handschriftenfamilien vorliegen, der schlechteren den Vor- 
zug vor der besseren gegeben hat, als deren repräsentanten ein 
wiener und münchner codex gelten , wie ich dies demnächst in 
besonderen ' Lectiones Sibyllinae' ausführlich ^) zu zeigen gedenke. 

üeber die abfassungszeit und tendenz der einzelnen sibyllini- 
schen bücher enthält die abhandlung von Ewald vielfach neue 
und zum theil beachtenswerthe (vgl. Philol. XIII, p. 760) ansich- 
ten. Aegypten erscheint als der fast durchgängige heimathsboden 
der uns erhaltenen sibyllinischen Weissagungen. Ewald theilt sie 

3) Proben daron erscheinen in einem der nächsten hefte desPhilologus. 



Jabresberichti*. 323 

in acht ursprüng-lich selbstandig-e stücke. 1) III, 97 — 828, das 
älteste uns erhaltene sibylieng^edicht, entstanden um 124 v. Cbr. 
von einem jüdischen Verfasser in Aeg-ypten. Ewald unterscheidet 
sich sonach sehr von Alexandre, der v. 295 — 400 als ein besonderes 
stück ansieht und einem äg-yptischen Judenchristen aus der zeit 
der Antonine zuweis't. 2) IV, um 80 n. Chr. Ebenso Alexandre. 
Der Verfasser soll aber nicht, wie Alexandre wollte, Christ, son- 
dern eine art Essäer gewesen sein. 3) V, 52 — 530 derselben zeit 
bald nach Vespasians tode angehörig-, von einem Juden in Aegypten. 
4) VI. VII. V, 1 — 51 von einem christlichen Verfasser ums jähr 
138. Alexandre setzt b. VI. VII in die Zeiten nach Alexander 
Severus und sieht sich zu einer losreissii ng der ersten 50 verse 
des fünften buches von dem rest nicht veranlasst. 5) \ III, 1 — 300 
um 211 n. Chr. Gj VIII, 361 — 500 wird von Ewald als ein 
nicht sibyllinisches gedieht ausgeschieden und ins zweite Jahrhun- 
dert versetzt. Es enthält eben keine Weissagungen, sondern blos 
eine schwungvolle, poetische Verherrlichung des christenthums. 
Allein Sprache und vers sind durchaus sibyllinisch und da auch in 
anderen sibyllenbüchern manches rein ethische und apologetische 
enthalten ist, so sieht man keinen zwingenden grund um dieses 
stück, welches bereits von Lactanz als sibyllinisch anerkannt ist, 
als ein ursprünglich nicht sibyllinisches zu betrachten. 7j I. II. III, 
1—90 um 300 n. Chr. 8) XI— XIV. Dieses letzte gedieht (es 
ist in Sprache und vers ganz verwildert und in den handschriften 
oft bis zum unkenntlichen entstellt) soll erst um die anfange der 
islamischen herrschaft im 7. Jahrhundert in Aegypten geschrieben 
sein. Die Sammlung und redaction des ganzen corpus wird na- 
türlich von Ewald in das byzantinische mittelalter versetzt. 

Ewald trä^t seine ansichten im tone ziemlicher gewissheit 
und in einer den leser gewinnenden weise vor, doch habe ich mich 
von ihrer richtigkeit, soweit sie nämlich neu sind, ausser bei 
b. XI — XIV nicht immer überzeugen können. Alexandres lei- 
stungen werden wohl nicht ohne ein gewisses vorurtheil unter- 
schätzt. Da, wo es sich um die Zeitbestimmung von 111,295 — 490 
handelt, werden eine menge bedenken, die Alexandre in nüchter- 
ner und verstandiger weise ^^-^^^ die abfassDug dieses Stückes 
in der Ptolemäerzeit und ge^en ihre deutung auf Alexander und 
die Diadochen vorbringt, nicht erledigt, oder gar nicht erwähnt. 
Ku werden z. b. die von dem genannten französischen gelehrten 
p. 370 vorgebrachten anspielungen der Sibyl listen auf stellen i\^T 
Apokalypse, so wie der umstand, dass diejenigen älteren kircbcn- 
Vater, die sich sonst in der benutzung des dritten buches hehr 
Stark zeigen, gerade das fragliche stück ganz bei seile lassen, 
▼00 Ewald nicht erwähnt. Wenn ferner hei v. 381 — 383: 

2r 



324 Jahresberichte. 

Alexandre in den Worten Snvlmr yfv^dli] eine anspielung- auf das 
asyl des Roinulus und die abstainmung* der Römer von zusammen- 
gelaufeneni gesindel findet, Ewald dagegen in ihnen eine bezeich- 
nung- der Diadochen erblickt, 'die aber schon als beiden und hei- 
densöhne vielmehr unedle und unfreie und so wie ein bastard- 
g-eschlecht waren , deren letzter Perseus aber auch wirklich ein 
bastard war' so ist zu erwidern, dass man, um bei der deutung 
der Sibyllenorakel einigermassen sicher zu gehen , sich möglichst 
en^ an den buchstäblichen sinn der worte bei der erklärung an- 
zuschliessen hat. Darnach erscheint aber Ewalds erklärung viel 
zu gekünstelt, was noch mehr in's äuge fällt, wenn man liest, 
wie er p. 15 f. die Diadochen als Kroniden bezeichnet wissen 
will. Konnte wohl ferner jemand von der makedonischen oder 
diadochenherrschaft sagen (v. 385): x«a ndntj^' inncjq^ tTriÖioxf- 
tat TjXin^ ui'fjg /JtnnoTii^' avdijOtiaa , was doch offenbar nur auf 
das römische weitreich gehen kann? Wer erkennt nicht v. 389 
in dem arijg n()Q(fV{itriv Xwnrjv enieifif'pog oSjUO/g den römischen 
Imperator? Und wenn Ewald zu der weiteren bezeichnung des- 
selben: vyeiQS yag avtor nQÖad^t yitQuvvog qxxnu bemerkt „es ent- 
halte dies eine offenbare anspielung auf Seleukos Keraunos als 
den zweiten Vorgänger des Antiochus Epiphanes", so scheint mir 
doch die möglichkeit einer solchen erklärung eben so viel für sich 
zu haben , als ihr gegentheil. Gerade bei der historischen inter- 
pretation der Sibyllinen ist im einzelnen die ars nesciendi sehr zu 
empfehlen. — Auch schlägt, so scheint es mir, Ewald den ästhe- 
tischen und dichterischen werth selbst der älteren sibyllinischen 
Orakel viel zu hoch' an, in der that noch viel höher, als dies vor 
Zeiten selbst bei dem enthusiastischen Thorlacius der fall war, ob- 
gleich ich, zum theil in eigenem Interesse, gern zugebe, dass 
sich in ihnen manche stellen ßnden , die sich durch glänzende 
Schilderung, sowie die schwungvolle höhe einer geläuterten Sit- 
tenlehre gegenüber dem greuel des heidenthums auszeichnen , und 
welche das Studium derselben nicht blos zu einer anziehenden, 
sondern auch dankenswerthen beschäftigung machen. 

Aber auch für die geschichte der rein heidnischen , meist 
apollinischen orakel haben uns die letzten jähre zwei gute arbei- 
ten von kundiger band gebracht. Es sind dies die Schriften von 
G. Wolf de oraculorum novissima aetate. Berol. 1854 und Por- 
phyrii de philosophia ex oraculis haurienda librorum reliquiae. Be- 
rol. 1856, beides treffliche vorarbeiten '^) zur endlichen anlegung 
eines kritischen corpus sämmtlicher aus dem alterthum überliefer- 
ter orakel, das als ein wirkliches bedürfniss erscheint; denn die 
einzige von Opsopoeus veranstaltete Sammlung ist veraltet und 
für den beutigen Standpunkt der Wissenschaft in jeder hinsieht 

4) V'gl. meine anzeige beider schriflen in Jahns Jahrb. LXXVIl, 
12. p. 868 fr., ferner M, Schmidt in JViülzell ztschr. f. GW. 1856, p.554 ff. 



Jahresberichte. 325 

ungenüg-end. Die erstere schrift gfiebt die gfeschichte vom allmä- 
ligen verstummen der orakel seit Christi geburt. In den Zeiten 
der römischen büro^erkrieg-e und im anfang-e der kaiserzeit stan- 
den die Orakel in g^ering-em ansehn. Dag-eg^en brachte die Oppo- 
sition geg-en das immer vreiter um sich g^reifende christenthum auch 
die orakel g-erade um die zeit des unterg-ehenden heidenthums, 
von Trajan und Hadrian ab, fast alle wieder zu erneuter thätig-- 
keit und sie verschwanden erst mit den letzten spuren des hei- 
denthums nach Constantin. Sammlungen aber von g-eschriebenen 
orakeln blieben im gebrauch des abergläubischen Volkes noch bis 
in die byzantinische zeit hinein. Das orakel zu Dodona ertheilte 
schon geraume zeit vor Christus keine metrischen aussprüche mehr, 
aber das tönen der becken, so wie das rauschen der heiligen eiche 
galt noch in späteren Jahrhunderten als zukunft verkündend. Pau- 
sanias sah die heilige eiche noch, aber Serv. ad Verg. Aen. III, 
466 berichtet, sie sei auf befehl eines illyrischen räubers gefällt 
worden „ut postea fatidica murmura cessaüerinr. So liegt uns 
als letztes delphisches orakel eine äusserung über die philosophen 
Porphyrius und lamblichus vor , zu deren zeit auch das Branchi- 
denorakel bei Milet noch Weissagungen ertheilte, aber die delphi- 
sehen dreifüsse selbst wurden erst von Constantin in den hippo- 
drom seiner hauptstadt übergesiedelt und somit dem weiteren be- 
stehen des Orakels ein ziel gesetzt. Auch für das fortbestehen 
der incubations- und loosorakel in späterer zeit giebt die schrift 
zahlreiche, interessante belege. 

Wie eindringlich sich aber das Zeitalter der Neuplatoniker mit 
orakeln beschäftigte , das zeigen uns die bedeutenden fragmente 
von des Porphyrius schrift neQi Trjg ix Xo'/i'mv CfiXnanq^iai in drei 
büchern (von den göttern, den dämonen oder engein, den heroen ; 
zu den heroen wurde auch Christus gerechnet), eine grosse samm« 
lung von orakeln, die er in jungen jähren schrieb, noch ehe er 
zu Plotins Schülern gehörte, gewiss um den gebildeten seiner 
zeit eine art dogmatischen codex der theosophie zu bieten und den 
Christen gegenüber zu zeigen , dass auch das heidenthum eben in 
seinen orakeln positive Offenbarungen der gotthcit über die böch* 
sten fragen der religion, des cultus und der cthik aufzuweisen 
habe. Porphyrius glaubte an den göttlichen urs|irnng der orakel; 
ein orakel, das ihm selbst zu theil geworden, bildete den aus- 
gungspunkt seiner schritt. Zu seinen Sammlungen stand ihm ein 
reiches material zu geböte, denn die orakel- litteratur in Sammel- 
werken und monographicn war eine betrachtliche, auch wurden 
noch in seiner zeit orakel erthcilt. Porphyrius war weit davon 
entfernt wisNcntlirb zu falschen, wie ihm dies Augustin, gcwisa 
mit unrecht, vorgeworfen hat, auch hat er sich bis auf geringe 
Änderungen in der form keine zusatzc zu der Überlieferung er- 
Uubt, aber er war im höchsten grade leichtgläubig und kritiklos, 
g^rndezii iiiifalilir uahres vom falschen tu unterscheiden. Die zahl 



326 Jahresbericlite. 

der in den frag^menten seiner sclirift (sie stehen fast alle bei Eu- 
sebius in der Praep, evang-.) erhaltenen orakelverse belauft sich 
auf über 300. Die Wissenschaft muss es dem gelehrten herru 
Verfasser besondern dank wissen , dass er in einig-en anhängen 
noch allerhand auf die antike mystik und thaumaturgie bezügliche 
punkte erörtert hat. Von besonderem interesse ist nächst der 
aufzählung der autoren , die sich im alterthum mit der orakel- 
litteratur beschäftigt haben (p. 43 — 68), ein anhang von ora- 
keln der späteren zeit aus einer neapolitanischen und florentiner 
handschrift, zum theil schon früher von Steuchus Eugubinus ver- 
öffentlicht. Dergleichen kleine orakel - Sammlungen finden sich 
noch unter den ineditis verschiedner andrer bibliotheken vor, aber 
meist sind es zweifelhafte machwerke der spätesten zeit ohne er- 
heblichen werth. 

Ich schliesse mein referat mit einer bemerkung über eine 
stelle des Lactanz. Inst. Div. I, 7 heisst es nämlich : Apollo enim, 
quem praeter ceteros divinum maximeque fatidicum existimant, Co- 
lophone respondens. quo Delphis, credo^ emigraverat, Asiae duclus 
amoenitate: quaerenti cuidam, quis esset, aut quid esset omnino Dens, 
respondit viginti et uno versibus. Quorum hoc principium est: 
avroq)v^g, adidaxTog, diiTjtojQ, doTvq)tlixtog 
ovvofia fi7]8s X6y(p ^coQOVfiSPOv , iv tivqI vaicov 
70VZI d^Eogy fiinga ds &£ov (AfQig ayysXoi ri^tlg. 
In den lateinischen Worten ist wohl respondens als blosses schreib- 
versehen zu tilgen, denn ein so feiner Stilist, wie Lactanz, konnte 
doch unmöglich schreiben Apollo respondens — quaerenti cui- 
dam respondit. In den Worten quo Delphis credo emigracerat liegt 
wohl eine ironische anspielung auf den umstand, dass der gott 
auf seinen verschiedenen orakelstätten nur zu bestimmten zeiten 
des Jahres weissagte (Serv. ad Verg. Aen. IV, 143) und so ge- 
Wissermassen als abwechselnd auf reisen begriffen gedacht wurde. 
Die drei folgenden verse nun, welche Lactanz als die anfangs- 
verse eines längeren orakels von 21 versen citirt, finden sich im 
anhange bei Wolf am Schlüsse eines 16 verse enthaltenden orakel^ 
p. 233, welches Apollo einem gewissen Theophilus auf die frage 
ertheilt: „bist du gott, oder ein anderer?" VTolf meint nun, die- 
ses Orakel sei dasselbe mit dem, welches Lactanz an vorliegender 
stelle im sinne habe. Um aber die verszahl 21 zu bekommen, 
sieht er sich zu der weiteren annähme genöthigt, es seien vor 
den drei in rede stehenden schlussversen desselben fünf andre 
verse ausgefallen. Ferner passe der vers avTocpvijg 'atI. durch- 
aus nicht zum anfangsverse eines orakels und so scheine bei Lac- 
tanz statt quorum hoc principium est, vielmehr quorum hoc prae- 
cipuum est gelesen werden zu müssen, etwa in dem sinne: 
„die in der bauptsache auf folgendes hinauslaufen-'. Aber dann 
hätte Lactanz gewiss gesagt, entweder quorum hi praecipui sunt, 
oder quorum summa fere haec est. Es ist vielmehr von der ver- 



Jahresberichte. 327 

meintlichen Identität beider orakel trotz der drei übereinstimmen- 
den verse abzuseilen. Es war ein g^anz g-ewöhniiches verfahren 
bei der orakeifabrikation , dass brucbstücke andrer orakel mit 
fremdartieren Zusätzen zu einem neuen g-anzen verbunden wurden. 
Ebensowenig- ist die Überlieferung" verschiedener antworten auf 
ein und dieselbe an das orakel g-estellte fragte ohne beispiel. Und 
wenn endlich g-esag^t wird, ein orakel auf die vorlieg^ende frage 
habe mit dem verse ainnq^v/jn xrX. nicht anfangen können, so 
lässt sich das so entschieden nicht behaupten. 

Stettin. Richard Volkmann. 



Cic. de orat. I, 29, 132. 

— — de hoc uno minime est facile praecipere non mihi 
modo, qui sicut unus paterfamilias bis de rebus loquor, sed etiam 
ipsi illi Roscio cet. 

Eilendt sag-t in seiner ausgäbe zu dieser stelle: „Handius in 
lihro de sttlo latino utilissimo p. 313 unum sie dictum signißcare 
ptenum et per fec tum (ganz, vollkommen), ut unus paterfami- 
lias sit is qui personam patris familias totus induerit. Mihi unus 
dictum videtur pro qaopiam s. qua/icunque^ nrijQ idiwjrjii orzolng 
Öl] n o T i'\ Handys erklärung ist sicherlich nicht haltbar. Wie 
kann die angenommene bedcutung in unus liegen l Ellendl hatte 
aber wohl gethan, wenn er seine auslegung zu begründen ge- 
bucht hätte. Dass unus nicht so ohne weiteres für aliquis, qui- 
dam etc. gebraucht werden kann , versteht sich von selbst. (Vgl. 
Grysar, theorie des lat. stils, auil. 2, p. 242 ff.). In manchen stellen 
scheint es freilich so, aber da ist es nie bnoio^ 8/j Tiort, sondern 
nur ein abgekürzter ausdruck für unus ex. Demnach ist unus 
paterfamilias s. v. a. unus ex palribus familias, wie Cic. de rep. I, 
22 sagt: ut me sie audiatis ut unum e togatis. Wie will man 
sonst Cic. ad Att. 9, 10, 2 erklären, wo es heisst: — quod non 
Pompeium tamquam unus manipufaris secutus sim. Anders sind 
stellen, wie Flaut. Truc. 2, 1, 39: est huic unus servus violen- 
tissimus: und Cic. Phil. 2, 3, 7: — — non cum uno qladintore 
nequissimo . in denen unus nur zur hervorhebung des Superlativs 
dient. Piderit hatte also in seiner neuen ausgäbe nicht not big, 
paterfamilias für ein glossem aus §. 159 zu halten und anzuneh- 
men, dass hinter unus die worte e multis ausgefallen seien. Bes- 
ser hätte er noch für unus paterfamilias conjiciren können Bonus 
paterfamilias („ein guter bürgersmann"). Es ist aber , wie wir 
geNfhen haben , gar nichts zu andern. 

Ilfeld. C. Volckmar. 



III. MISCELLEN 



A. Mittheilung-ea aus handschrifteo. 

15. Zu den griechischen orakeln. 

Im XIII. jalirg-ang des Philologus p. 752 folg. theilte ich 
eine getreue absclirift der von Bentley in der epistola ad J. Mil- 
lium veröffentlichen griechischen orakelsprüche aus cod. Barocc. 
50 mit. Nachträglich ersehe ich aus Nessels catalog (tom. III, 
p. 37), dass auch die kaiserliche bibliothek in Wien eine hand- 
schrift derselben cod. XXVII. (fol. 90, v.) besitzt. Die betreffende 
notiz lautet daselbst: ,yVeterum quorundam scriptorum Graecorum 
ethnicorum praedicliones et testimonia de Christo et Christiana re- 
ligioney nernpe Aristotelis, Ptutarchi, Sihyllae, Piatonis, Thucydidis et 
Sophoclis\ Die Überschrift ist nach dem erwähnten catalog Tmv 
aoffcotdrcov sXXtjvrAmv TTQOQQ^asig. Anfang: 'AQiatottXovg, ^ jänd- 
fiavtog "d^sov yivvriaig, s^ clvtov y^Q o aviog xtX. 

Halle a. d. S. Franz Oehler. 



16. Zu den g^rlechischen g^Iossaren. 

In dem programm der lateinischen hauptschule zu Halle v. 
j. 1849 veröffentlichte ich den anfang eines bisher unbekannten 
homerischen glossars. Meine abschrift stammte aus den in der ham< 
burger stadtbibliothek aufbewahrten literarischen collectaneen J. C. 
Wolfs, in welchen nirgends für jenes fragment eine nähere notiz zu 
entdecken war. Das original dieses dem Apion zugeschriebenen 
glossars befindet sich, wie mir ein zufall jetzt offenbart, in einer 
miscellanhandschrift (nro. 119) der baroccianischen bibliothek in Ox- 
ford, und dürfte einer näheren ansieht wohl werth sein. Für die- 
jenigen, welchen kein catalog der genannten bibliothek zur band 
ist, theile ich nachfolgend aus dem Catalog. Libr. Mss. Angliae 
et Hiberniae tom. I, part. I, pag. 13 den inhalt der handschrift 
mit: Georgii Choerobosci Scholia in Theodosii Grammatici tracta- 



Nisceilcn. 329 

tum de Verbo. fol. 33. Greg-orius Metropol. Corinthi de dialectis 
15., Man. Moschopuli Technologia in Pliilostrati Icones. 33. T6 
danu^tnüui. Ex Herodiano et aliis antiquis Regulae variae. // «t 
xai 7j oi,, Aiiae notae Grammaticae ex libris diversis a Christiano 
quodam collectae. 82. Tu grjfAuru.y Herodianus de quantitate di- 
chronorum. 87. KadnXov t« ryia.f Grammatica , et Excerpta alia 
haud spernenda. 95. 'Iötbov oti t«. , Herodoti libellus de vita 
Homeri. 98. HqoÖotos 6 ^^Xix(tQV(iantv>i. , Gorgiae Encomium 
Helenae. 109. Kodftn^^ noXei fih svutd(jia^ acö^azt.. In Arati 
Pliaenomena Coinmentarius. 113. Tqv fih dei^n twv qiaitofjincor.f 
Arati (puipnfiiicop versus priores tredecim. Ex dioi; «pjftwjuti^«. 
131., Glossarium Alpliabetice 133., Alia quaedam et ipsa g-losse- 
matica 138. TerQiixei y<a frnQnaas , ano rcöy. , Apionis Glossae 
Homericae. Procedunt aipbabetice. A ßgaxvvETUi xnL 138. b. 
Halle a. d. S. Franz Oehler. 



B. Zur erklärunjy und krilik der Schriftsteller. 

17. Das oel in den kleidcrn bei Homer. 

Scbwierig-keit haben schon den alten erklärern des Homer 
die verse Hom. II. 2\ 596 und Od. //, 107 g-emacht: 

y.aiQoaioyv d' oOort'üJv anoXeißeTai vyQov iXntop: 

oi de ;|rtT«yai' 

flar fvvftjrovg, Ijxa örtXßopzag iXai'cp : 
man weiss nicht wie man die erwahnune^ des ocis zu denken 
habe. Am ansprechendsten ist Povelsen's crklarung- (Enicnd. loc. 
Homer, p. 93) , dass die faden der g^ewebc bei der Zubereitung" 
mit oel besprengt seien, um glänz, appretur hervorzubringen: ihr 
folgt Fäai und Doderlein (Hom. Gloss. T. I , n. 380, p. 247) 
neigt ihm auch zu, traut nur nicht, weil ein zeugniss aus dem 
ilterthum fehle. Dies glaube ich beibringen zu können. Aus 
M mImui erzählt Athenaios (XIII, 582 Dj, wie Glykera von einem 
1' liiiber ein schönes wollenes korinthisches kleid zum geschenk 
«rhalten und, wahrscheinlich nach gemachtem gebrauch es, in das 
•/tuqitot — denn dahin kamen die wollenen kleidcr: Kecker Cha- 
rikl. H, p. 408 cd. 1 — geschickt habe. Als sie nach einiger zeit 
liitisrhickte um es holen zu lassen, in der holTnung, es sei fer- 
tig, gab CS der walker nicht heraus, sondern sagte zur diencrin : 

iup t ) a Ö i V 

TttQTtjftOQtd fAOt, <ptjai\ TrQn,;Bth'yx\j^' JQia, 

xfiiiifini. To xwXvnp yd{t fnrt lolrn fte: 
e« folgt daraus, daxii man hei der herstellu ng der kleitlcr oel ge- 
brauchte, man wird ei also auch bei ihrer ersten fertigung haben 
anwenden können. Die nntwort , in welche Glykera, als ihr die« 



330 Miscellen. 

bestellt wird, ausbricht, ist aber keine widerleg-ung- des walker's, 
sondern eben nur ein witz, der zeig-t, wie leicht es den hetären 
der zeit wurde, für witzig- g-ehalten zu werden. 

Ernst von Leutsch. 



18. Zu den sillog^raphen. 

Die g-eschichte der g-riechischeh sillog-raphen und deren Überreste 
hat neuerdings durch Curt Wachsmuth, einen wackern zögling- der 
bonner schule, eine eingehende und wissenschaftlich durchgeführte 
behandlung erfahren '). Aber die sache hat ihre Schwierigkeiten, 
die nicht anf einmahl gehoben werden können ; ich werde versu- 
chen im folgenden einiges zu deren lösung beizutragen. 

I (V) 
' y4fAg)oii:QoyX(6ö(Jov tb fAt'ya cd^evog ovx alanu8r6v 
Zt'jvmvog 7idvT(ov EniXiinjogog rj8s MtXiaaov 
TzoXXcov qiavTaafxöüv indvco navomv y^ fAsv rjaaoi), 
Laertius D. IX, 25 tzsqI tovtov [Z/jfoovog ' EXtdiov) nal MtXia- 
aov Tlficov q)Tjü} ravia ,,d(xq)OT£()oy}.(:6aaov — rjaaco''. Dass 
MiXiaaov für MsXlaaov zu schreiben sei und vers 3 Indra 
nicht die stelle eines adiectivs vertreten könne und mithin ir- 
gendwo ein fehler verborgen liege, ist längst erkannt worden; 
vergebens aber würde man sich bemühen ein solches ausfindig zu 
machen, und es ist wohl keinem zweifei unterworfen, dass im an- 
fange des folgenden verses, den Laertius wegliess, weil er für 
seinen zweck nicht nÖthig war, yiyvofxi'vov gestanden hat. 

II (Vll) 
TOJ*' ndvtmv ö' ijysiTO nXatiaiaTog, diX" dyoQtjjtjg 
7)dvE7Tt]gy TSTti^iv i ö y Q d qi g oW 'Exadt'j^ov 
df.pÖQti sq)e^6iÄ8voi oTta XsiQiosaaav läaiv. 
Laertius D. III, 7 o Tipoov elg top Uldrcava — iv aiXXoig cpr^ai 
,,To5)' — läaiv\ So lange man nicht beweisen kann, dass die 
academischen cicaden nicht bloss geschwirrt, sondern auch ge- 
schrieben haben, wird man berechtigt sein laoyQucpog für unpas- 
send und verdorben zuhalten. Ich vermuthe lao x q ay o g. Nach 
seiner weise spricht Timon halb lobend halb tadelnd vom Plato: 
er ist ein süsstönender redner, zugleich aber schwirrt er den cica- 
den gleich. Dass xqÜ^eiv nicht allein vom gekrächz des raben ge- 

1) De Timone Phliasio ceterisque sillographis graecis disputavit 
et sillographorum reliquias rollectas dispositas recognitas adiecit Cur- 
tius Wachsmulh. Bonnae MDCCCLIX. Eine im namen des bonner 
philologischei) Seminars dem hochverehrten Weicker zu seiner fünf- 
zigjährigen Jubelfeier dargebrachte Festgabe. 



Miscellco. 6M 

braucht wird, sondern die allgemeine bedeutung" von vociferari 
aonimmt ist bekannt. 

III (XXIll) 

Sextus Empiricus adv. Mathein. XI, 171 rov^ nQOCfiovTai; 

nagfiadyn Sid roirtov 

cptj ÖS ri^« aid^ojp ola ßnoTol aid^ovaiv ' 
cüfioi fym ri näxfoi ; iivv ^ot rrogro»' ip^a yt'vrjrai; 
;rro};fOi,' ftey q)()^'pug hifit't voov 8s pioi ovx tvi xo'xxov*. 
ri fjie ftaTtjv q,tv^t6\fai otofiUi alnvv ole{fQOP, 
5 Tpitf fifxxaoei; fifproi xaj rergclxK; ot jujj iiovrEg, 
lii]rB y.arut{}Cühtv7f:>i ivl o^oXii oaa infnavTO, 
tvv 8t fit ).Bvya/Joig sqkjip eiftagio Safirjfai 
x«t TTsviifi nna % lOXa ßgorovi; ytjq7jrui; iXnöTQeh 
Der sinn dieser klage der enttäuschten anhänger der stoischen 
lehre ist hier und da verdunkelt. Will man im vierten verse 
fiUTTjr mit q!£v^saöai verbinden, wozu die Stellung allerdings be- 
rechtigt, so kann der sinn nur sein ich glaube dass ich dem (gei- 
stigen) tode umsonst entgehen tterde. Was das aber heissen soll, 
verstehe ich nicht; eben so wenig kann aber ficcTtjv mit oiofiai 
verbunden werden ich glaube umsousl dass ich dem verderben 
entgehen werde ^ statt ich glaube nicht dass ich dem untergange 
entrinnen werde. In diesem sinne würde aber Crates nicht o/o- 
fiui sondern hlrrofiai geschrieben haben. Es scheint daher nichts 
übrig zu bleiben als den ganzen satz als frage zu fassen, ^dztjv 
für den accusativ von fiüifj zunehmen und /) für 7/ zu schreiben; 
dann ist der sinn, oder soll '^) ich mich dem walin überlassen, 
dass ich durch meine stoischen bestrebungen dem irrthum entge- 
hen werde i dieser irrthum , diese fturtj^ von welcher die stoa 
ihre anhänger zu befreien verhiess , wird durch apposition uinvi 
oiet'^t^o^ genannt. Noch unverständlicher sind die folgenden verse. 
Irre ich nicht, so wollte der sillogra|ih sagen: glücklich sind die 
welche nichts besitzen oder wenn sie etwas besassen dies in müsse 
vergeudet haben , statt hab und gut dem dienst der stoa zu 
widmen. Auf gleiche weise klagt der gothische Faust 

Weit besser hätt' ich doch mein weniges verprasst, 
als mit dem wenigen belastet hier zu schwitzen. 
Ut diese aufl'assung richtig, so wird der dichter geschrieben haben: 
rg)<; fiiixiigts' fit'prin xui Tergüxti; ot fti^ t)^opTtg, 
rji xarargco^apti^' fpi <tX"^ü ''*"* intnapru. 

IV (XXXA) 
^tipoqiffpr]^ vnnrvq'og f>firHfunitr^<i in'xnnrtjg 

in fop tinupOQWfinp Otop inXdoar Jöop ändwrjj 
dfiHtjOtj tnfQ(OT0p t^f POtjfia. 
2) Alio 6inf4M für oiinfittt , obgleich b«i tpiteren aurh der indi- 
MtiT to gebraucht wird, t. b. in der •nthologie ^tvyofi*!^ (^ ftirofnw ; 



332 ' Miscellen. 

Sextus Enip. Pyrrh. hyp, I, 224 von Xenoplianes Öia rovto yovv 
XKf vTzdtvqov avjov Xfyti [T!(i(vi] hu) ov riXsiov arvqov dC mv 
q)t]a) SttvnqnvTji: xr«. Statt des sinnlosen ix hat Roper ov ver- 
mutliet und Waclismuth hat dies aufg-enommen ; paläographiscb 
empfielilt sich diese änderung durch Wahrscheinlichkeit nicht; dazu 
kommt noch dass Timon in den relativsätzen , welche die lehre 
des Philosophen den er jedesmal hespricht näher ausführen, sich 
nicht des einfachen o^" bedient, sondern ot; ga g-ebraucht. Indess 
will ich hierauf kein entscheidendes gewicht legen. In EK steckt 
auch hier wohl nichts anderes als EIC d. i. n^^ das ja auch ei- 
nen erträglichen sinn giebt in der bedeutung von fioroi^ , wie bei 
Theocrit XI, 53. Xenophanes, sagt Timon, war der einzige, 
welcher tzuqu rag töäv allmv avd^Qmnoav VTioXijxpeig y wie sich 
Sextus ausdrückt, den satz aufstelle «V yui näv. Das seltsam 
genug gebildete Substantiv o^rj^anccT?] steht gesichert durch die 
erklärung des Sextus insl ttjv nag 'OfA^gcp andnjv ditavgsv , und 
ist also gleichbedeutend mit ofAtjQiHr] dndrT] , irrige ansichten von 
den göttern, wie sie Homer verbreitet hat. Aehnlich ist das eben- 
falls höchst auffallende T^ixpoygavg für Xi^vt] ygavg in dem frag- 
ment VIII xai qjoiviaaav idov Xi'j^vnygavv axiegM in 'ivq}Cp , und 
das im fragment XXXIII von mir hergestellte Xe^j^ofAd/t], Zu die- 
sen und ähnlichen beweisen willkürlicher Sprachbehandlung möchte 
ich jedoch nicht das augmentlose perfect üCfgvfOfxivog fragment 
XXVIII rechnen, wofür wahrscheinlich oqigvco^isvog als präsens 
herzustellen ist mit vergleichung der glosse des Hesychius Kazo- 
(pQvcofitvog' fAsyaXocpgofmv. 

Der dritte vers ist unheilbar verdorben und wird ohne bes- 
sere hülfsmittel als wir jetzt besitzen nicht herzustellen sein. Denn 
selbst Hermanns geistreiche vermuthung daxij&TJ jogvcatov oXov 
voov Tj8s. fotjfÄCc , kann schon aus dem gründe auf keinen bei- 
fall hoffen , weil der aq)aigo£i8rjg &&6 g schon durch laor 
dndvTq erschöpfend bezeichnet ist '). 

V (XXXXI) 

dXV ov 1=101 tovttov qiXedovav fisXsr ovös ydg aXXov 

ov8ef6g, ov (pniÖMpog oatig ye ovd' igidavTsa 

EvxXfidov , MtyagsixJiv og sfißaXXs Xvaaav igiGfiOV. 

Laertius D. II, 107 nsgl aviov [EuaXfidov) Tuvrd qujat Tifioop 

Ttagccrgwycov xm rovg Xoinovg J^coygariyovg ^ AXV ov (aoi — igi» 

Gfxov. So haben die bessern handschriften , die schlechten otig 

ys fifv. Ich glaube noch immer dass Timon onig [x s/si 

geschrieben habe. Da cod. G vor ovÖ' noch ein t hat, so wird 

dies nichts anders als i sein , so dass wir also oang yei hätten, 

was leicht aus onig [(x i]xei entstellt sein kann. Für EvxXetöov 

3) Dies lüor anüvrri i^t hesiodeisch Theog. 524 und nach Mützells 
sehr wahrscheinlicher vermulhung ebendaselbst 126. Aus Hesiod 
Theog. 26 nahm Timon Fragra. XXXIII auch xdx iXtyj^ia yaarigts olov. 



Miscellen. 333 

ist wie schon das unmittelbar vorhergehende igiSavTEio zeigt, 
gewiss das ionische EixXti'^ta) herzustellen, wie fragui. IV FIhq- 
fit-t'iÖKo für riitnunt^ov und LIII '/liniiftw idr AlaiUuv zuschrei- 
ben ist. Timon hat nvOuiöiji^s 111, FJiKoTuyoQr^t; X und XLIX, 
' Aruhtyöijrf^ XLVII , woraus von selbst folgt, dass er auch die 
genetive ionisch gebildet hat. Ionisch ist auch fragm. J^llI nnüaaco 
tür Tiö()aco zu schreiben, worauf auch die handschriften führen. 

VI (xxxxiiii; 

Tji ßnovv ßnvnXrjya ro^artQOv *; y^vxoogyo^' , 
Os* Qn /^icopi'aov nQovOuorrnta^' tnhxoTjrtv. 
Athenaeus X, p. 445 e. uQovfyunnÖTij^; tl xard rov (iJXidöinv 7t- 
iiaitu xTfi. Obwohl wir den Zusammenhang dieser verse nicht 
kennen, so scheint doch so viel gewiss zu sein, dass von einem 
{ihilosophen die rede war, der die trunkenheit als ein böses laster 
tadelte und gegen trunkenbolde eiferte. Man könnte an Pytha- 
goras denken mit vergleichung von Laertius Vll, 118 und VIII, 
9. Das erste wort i]t ist wohl verdorben und in Jjxs zu verwan- 
deln , er schwang eine schärfere geissei (figürlich von beissender 
rede) als Lycoorgos schwang. ^ aickeuars änderung yivxo(')(}yov ist 
unnütz. 

Vll (L) 
£x d' UQU TOü» dnexXtPt Xao^oog irfOfioXt'a)^rjs 
EXXi^voiv fnuoidni uxQißnXoyovt; anncft^va^i^ 
fivxTijQ QjjT Q fi ixt o t; vnatTixoii tifjcorevTtjg- 
Laertius D. II, 19 vom Sokrates o{^tr x(u Tlumrn iv rnig criXXmg 
fintiv ,,fx Ä' (iga — eiQoavevri^g*. Dasselbe fragment hat ausserdem 
Sextus und Clemens aufl>ewahrt. Für Xnohwg, das Clemens undSex- 
tijs haben, aber gegen die quantität verstösst, steht bei Diogenes Xi- 
iVo^oov, offenbar ein versuch das unmetrische Xao^nog zu beseitigen. 
Das richtige ist d n f x X it t v o X u^n o g ^ wie auch Wachsmuth 
ujf meine erinnerung geschrieben hat. Aber fehlerhaft ist noch 
der letzte vers , in welchem vndmxoi eine sehr unpassende he- 
Zeichnung des Sokrates ist. vnurnxng würde nach der erkla- 
rung, welche Sextus von dem timonischen vnärvqog giebt, nichts 
anderes sein können als uv it'Xtmg «rr«xo\', xuru rt «rrixof, 
wahrend wir gewohnt sind den Sokrates von alten wie von neuen 
als das ideal attischer Urbanität dargestellt zu sehen. Hier liegt also 
inzweifelhaft ein fehler, den ich mit ziemlicher gewissheit durch ver- 
H andlung dei v n u r r t x d g in v fi tj r 1 1 x n g beseitigt glaube. We- 
"igHtens wÜHste ich nicht wie die Nokrntische ironie angemessener 
iM/.eirhnet werden könnte. \g\. Lucian. praec. rhet. 11 vfn\ixtn* (leg. 
Mi'UiHhv vel vfii'jirnop) nrnnu dtuifut. Wenn man sich zu- 
gleich daran erinnert, dasN der hymettische lionig bei aller süssig- 
keit einen eigenthumlich pikanten heigeNchmack hatte, welchen 
lie alten mit ^(>i/4i'r//v bezeichnen, ao wird man sich nur noch mehr 
davon überzeugen, dasi de« Sokrate« art und weise gerade durch 



334 Miscellen. 

vfirjTrixng eiQcovsvTiji; auf das passendste g^eschildert wird. Aber 
auch Q f]T o n ß I y r n i,' scheint nicht unverdorben zu sein, und 
ich würde dafür unbedenklich o rj t n o n ft v y t o <: billig-en , wenn 
nicht die Verbindung- dieses Wortes mit invyTt'jj etwas befremdli- 
ches hätte. Dageg-en wird schwerlich jemand gegen q i] t n (t n- 
^iHT g ^ die Sophisten mit feinem spo/t verhöhnend etwas einzu- 
wenden haben. Oiyyäitiv ist in diesem sinne namentlich in tv- 
Antrag ganz gewöhnlich. 

VIII (X) 
IlQoaTaynQrjg r En!(jn>i7og foi\^^pH>ni ev tu^mg' 
Laertius IX, 52 von Protogoras: ovrog loyaiv dymvug f7Tf)u]<ia7n — 
if« yal Tificov (ftjöl tzüq} avtou ,,noa)T(tyn^rjg — tiÖcog\ Es ist 
möglich dass Wachsmuth p. 19 STii^uxTng richtig erklärt. Viel- 
leicht aber hatte Timon snluvyzog , subsannator, geschrieben, ein 
wort das auch sonst in fni/itxTog übergegangen ist und auf Pro- 
tagoras sehr wohl passt. Dass diese passiven verbalia häufig ac- 
tive bedeutung haben ist bekannt. 

IX (LVII) 

jToXXmv laxtdopcop XvfAaptOQirg ilTiidoXcorai. 
Sextus Emp. adv. Math. XI, 171 al Ös loiaviai [tmv Groaiamv] 
vTioa^tötig Or^QEVovai fxh lovg re'ovg iXniöi xpv)[Qaig , ovysTi ös 
tiöiv aXf^ÜEigy TiaQO na) TifACOv Tovg tnayysXXofAErovg rijv nanä' 
Soatv avTcrv intaxamiEt X^yrnv TIoX)63v x7«. Aus dieser stelle 
ist Xaxtdcßv in die lexica gekommen. Wie kämen aber die in ioni- 
schem dialect geschriebenen sillen zu einer dorischen form, wie Xa- 
ytöwv ist? Timon würde ohnstreitig Xrjyedoimv geschrieben ha- 
ben. Aber was heisst X7]>cf8mv7 Die stimme^ sagt man. In wel- 
chem sinne aber können die viel verheissenden, aber ihre verheis- 
sungen nicht erfüllenden stoiker die verderber der stimmen ge- 
nannt sein? Ich verstehe das nicht. Betrachtet man die worte 
des Sextus genau , so sieht man deutlich , das ein wort verlangt 
wird, welches in pikanter weise die bethörten jünger der stoi- 
schen lehre bezeichnet. V'ielleicht gelingt es einem andern das 
rechte wort zu finden; mir ist es nicht gelungen. Für sXtz 180X00- 
tal haben die handschriften imdoXmiai und snidoXoTaL Fabri- 
cius hat aiTzvdoXcorai , Usener iXnidodcorai vermuthet. Mit be- 
nutzung des letztern habe ich iXnidoXajaC geschrieben, worauf die 
Worte des Sextus zu führen scheinen. Die stoiker täuschen die 
erregten hoffnungen. 

X riV p. 78) 
Diogenes Laertius VI, 85 iovtov (Kgait^rog tov yvviHov) 
natyvta qt(jtTm lüöt 

TifjQ?] 7ig TzoXig £671 j[/t'(7Q) ETI otfOTTi Tvq^q) 
naXtj x«/ niaiQa^ TiEQiQQvnog, ovöev s^ovaa^ 
Big rjv OVIS tig dönXtl arrjQ [iwQog nagdoiTog 
0VT8 Xl^fog noQV^g inayaXXofiEPog nvyxiCiv, 



Miscellen. 335 

Die bervorg"ebobenen worte haben bis jetzt keinen anstoss gefun- 
den ; sie sind aber unstreitig* corrumpirt. Das verbum F/jay(i.X}£- 
aOui kann nur von denen gesagt werden die mit etwas prangen, 
dass sie selbst besitzen. 80 bei Humer uyullofmut nituiytaatv 
von den scbwänen, die sieb ibres ilügelscblages freuen, TrcoXoiniv 
uyti/.'/.o^tiui azu).i,nif von den stuten, die mit ibren füllen pran- 
gen, und so durchweg. Es ist daber unglaublich, dass Crates 
von einem leckermaul gesagt habe , er prange mit den nvyni ei- 
ner dirne. Sollte der Ä 1^1 Oi; als ein hurer bezeichnet werden, 
so hätte Crates allenfalls fn(tyuinpitvo<i schreiben können. Al- 
lein es kann hier überhaupt nicht von einem /^n/^oc die rede sein. 
Crates kann nichts anderes meinen , als dass die cynische pera 
alle üppigen gastmähler ausscbliesse , das:s weder parasiten noch 
liederliche dirnen, die unentbehrlichen ingredienzen eines leichtfer- 
tigen mables, zutritt zu ihren gelagen haben. £r schrieb also 
unzweifelhaft : 

ovJt Xixvnt; no Qv tj eti uy aXln ^i f'v tj 7zi>yf,nn', 
noch eine leckerhafte dirne, die mit ihren Tivya?,; prangt. Schon 
Hesiod nennt diese geschöpfe TJvyocsTÖXni; und wer kennt nicht 
die Venus xaX).invyn>f- und den Wettstreit des syracusischen schwe- 
bterpaars bei Atheiiaeus oder der lustigen weiber bei Alciphronj 
Den anlass zur corruptel in dem naiynnv des Crates lag in dem 
femininen gebrauche von Xixt'0<i, der die abschreiber befremdete. 
Berlin. A. Meineke. 



19. Hedyli cpij^^raiiima. (Atlioii. IV, 176.) 

Hoc Hedyli epigramma nupcr Chr. Petersen in pulchra dis- 
sertationc de natalitiis (iraecorum (Jahrbb. f. dass. Phil. Supplem. 
H, 3, 325 sqq.) emendare studuit. Uuod quuro ei minus bene 
resserit , haud aitsonum esse putavi , si et ego Carmen sane quam 
salebrosum et scabrum pro virili parte expolirem. Epigramma, 
quäle codd. praebent , tale est : 

TOVTO hiOif 6 /<OI«l'/.OV t .7' t^QlüP O -//VI'.- fuv!.i 

rvqjXo^' V7IUI yt^QOJi *7;ft , xa} 2^xiQrTa/.<)y it », 

9t]niov T* fxüXti • 2.'xn)nuXof evnuXuftnv 
'n'dtip avTol TU ytft'OXtu' tovto yaQ il^e 

nur ftnitTfttt i^dvnftn (rtjfiitPi-Mf. 
tjvXn iftj yXavxrj^ ftefitffvnfn-'rn nni'ytiu Movamr 

rrj rot h uxQtjrni^ DÜTruXof t]8vn67Jjf 
ij nai KdctaXop J hui fIdxttXnp ' uXXu Gtöita 
10. riip xuXdfiavh'irtjp unntit X^'i'^ &t'o}v *). 

1 AmnoL erit. Tf. 2. Toup. em. ^ifdtoy. - t. 3. CaRSuh. coni. 
2gi{inttXn^. Jacobs, scr. (tvifXos inui yr,{}M( «ftjftoxt) SxtQnükov vlöc 

S(liutii/ii i.tyiitiet. V. 4 Ulf. Ca>au|i fttmyi'.y r' ixüin 2ixii>n(ili)C 



336 Misccilen. 

Hedylus, Moschines poetriae Atlieniensis filius, Hedyles poetriae 
frater, Ptoleinaeo Philudelplio regnaiite (c. 260 a. Clir.) floruit. 
Epig^ramina nostrum ab eo in honorem Theonis tibicinis defuncti 
scriptum est. Videamus singula. 

Vs. 1. fiioruvXofi appellatur Theon. Athenaeus 1. I. hoc idem 
esse autumat cum xaXauavXij^^ (v. 10) s. Quntuvlri^; , calamo i. e. 
iistula ex arundine facta canens. Sed nihili id est. Qui enim in 
vocabulo fiövavKOii inesse potest calami notio? Si Theon calamo 
cecinit, certe ideo non potuit piövavXos dici. Quid ig-itur est ^töv- 
avloii'i Ed. Krüger in dissert. de musicis Graecor. organis p. 22 
(Gott. 1830.) dicit: 'Monaulos s. tibia simplex antiquissimura in- 
strumentum : confecta erat cornu , calamo, ossibus ferinis', add. 
Leutsch , griech. Metrik p. 352. Recte hoc. Nam licet in Steph. 
Thes. non tribuatur vocabulo ejusmodi notio , testantur tamen la- 
tini scriptores. Plinius H. N. 7, 56, 57 dicit: Fistulam et monau- 
lum (invenit) Pati Mercurii , obliquam tibiam Midas , geminas iibias 
Marsyas: Mart. 14, 64; ebria nos madidis rumpit tibicina buccis: 
Saepe duas pariler, saepe monaulon habet. Qui autem monaulo 
canebatj monaules solebat audire (cf. Freund, lex. lat. s. v.); quin 
apud Marc. Cap. 9 , 307 legitur : puer monauliter sonabal H. I. 
igitur novavXog dictum est pro fxovavl7]g. — 8uperadditum sta- 
tim avXrjr^g (v. 2) haud sane gratum videtur ; sed facta post 
oUeT incisione et sublata post avhjTtjg iungas hanc vocem cum 
(jiifioov (ita enim cum Toupio legendum). Theon igitur erat tibicen, 
qui mimos agebat (jivlti (xifiovg , cf. 7 sqq.). Est autem h. 1. 
fuf^og ridiculorum imitatio, quae tibiae cantu et saltatione fiebat; 
cf. Plut. Caes. 52: ftvxb yug avroig avrjQ Alj^vg inidtrAviifisvog 
öoirjüit äfxa xal fiopavXcöv üaipiarog a^Ccog. Quanquam verba 
quoque a tibicine hie illic adhibita esse haud negaverim; filfioi 
enim sunt fUfit/fÄUza ngayiiäicxiv aal Xöycov (Plut. quaestt. conv. 
VII, 4, 4). Tales mimi etiam nalyvia nuncupabantur (cf. adv. 7) 
et fxlfioi 7ap ysXoicov (Galen. 4, 165). 

Vs. 2. iv x^vfAsXijöi ;(«()<? i. e. in theatro summa erat homi- 
num voluptas Theon. 

Vs. 3. legendum est ux^v nai , Theon senio caecutiens ha- 
buit (accepit) vel Scirpalum filium. Scirpalus enim erat pirata no- 
tissimus, qui quondam Diogenem Cynicum in Aeginam navigantem 

EvnäXafxoy Ktv(^ix)v xrX. Petersen cum ed. Tauchn. ptjnioy 6Vt' ixakit. 
— V. 5 sq. Casaub. tovto yccQ ilne Tovyofxcc , rav fxoXnav ^dv/ua atjfxa- 
vioiv (i. e. ut significaret dulcedinem canlilenarum iilius). Toup. tovto 
ncivrifXiQifov rjdv /udctj^a viüiv. Jacobs, tovto cT' eO^^xe Tuf TiaXd/uuty agt- 
Tay Tovyojua atjfj.ays(Dy. Schweigh. tovto yccQ tlm, naody Tay uQtTuv 
tjdvGfxa Ctjfx. Ed. Tauchn. Tuy naXa/uay d()iTdy aiat/ua atjfxayivoy. Peter- 
sen scr. ndy iXaQivy /ueXmiy ^dv /udotj/xa yiioy. Huetius : tovto yctg il^i 
Tay juoXndy rj&v Tovyo/ua ar^fjaviioy. Vir doct. in cod. Scalig. ix ndyiojy 
fxfQoTiüjy tjdi) /uäß^tjfxa viiov. — v. 7. Casaub. yXfvxovg pro yXavxTjg. — 
V. 8. ^ loy Jacobs, et Schweigh. — dxQr,ßoi,g Jacobs. — v. 9. ^ rbv K» 
^ Tov Jacobs. — ndyxakoy Casaub. 



Miscellcn. 373 

comprehenderat et in Cretam deductum Xeniadi Corinthio vendi- 
derat {D'iog. L. VI, 2, 74.). Scirpalus Ciceroni de N. D. 111,34, 
83. dicitur Harpalus. 

Vs. 4 sq. Lego cum aliis i>Tinio9 ov r' ixdXfi. — Deinde 
emendandum sv xaXainqp ae(8cov avtuv in. y&rF&Xin^ fistulae cantu 
ejus natalitia pulclire celebrans. Trihuitur ndeiv etiam lyrae et 
Acliiil. Tat. 1, 16 habet: iuol ^iv Vfisvaiov adeiv 8oxh tu roör 
a.pt'f4ü)f uvXi^ftaza. 

Vs. 5. Leg". jovTo yag ilXsj hoc enim (praedonis Scirpali 
nomen) sumehat. 

Sequitur versus misere laceratus , cuius vulnera aegre persa- 
ncritur. Accipe et aequi honique fac reniedia nostra quaiiacunque. 
Scrilio sie: nur av vtv fju^iptiv tj8i ti ö/ifintfcot , omiiia bona et 
pulchra eum correpturum esse sig-iiificaturus. Dictum est fid()xp£iv 
respectu habitu nominis istius praedonii , quud Theon infanti iocu- 
lans indidit. 

Vs. 7. Leg-, d' /) rXnvx ?. Nam yXuv^ erat saltationis ge- 
nus ridiculum: Athen. XIV, 629. Hesych. s. v. Aliud quid est 
ftpud Velleium2,83 nee correctionis gratia huc trahcndum: „cFlancus) 
cum caeruleatus et nudus caputque redimitus arundine et caudam 
trabens, genibus innixus («laucum saltasset in convivio". Pertinet hoc 
ad Glaucum Fontium, de quo G. Hermannus ad Aesch.l,p. 317sqq. 
F. Jacobsius legit FXuvxij,; , quae erat citharoeda (Theoer. 4, 31. 
Flut. Mor. 484, 23. 1190, 39. ed. Didot.). Sed eius cantilcnae 
paruui puto convenissent tibicini ad lasciviora, quam quae cithara 
ferebat, (Flut, quaest. conviv. 7, 4, 5.) assuefacto; quo accedit, 
quod nuiyna , quae h. I. roemorantur, sunt mimorum genus scur- 
rilitate et spurcitia scatens. (Flut. 1. 1. Aitcrum genus sunt vno' 
Ot'netf j long-iores eae et maioris apparatus.) 

Vs. 8. Leg. /}. Litcru v in vulg-. Icctione y)J ex antecedente 
voce Movattov huc irrcpsit. — Cum Jacobsio lege dxgijßoi^' i. e. 
qui primam pubcm habent (Etymol. M. o unit «x/iafoj»). — /?«?• 
fuXo'i, cinaeduM. IJesych. s. v. explicat ita: naranvycav vui dv" 
^Qi'ytfot;. yituiöoif , ixXvTOi;. Talem igifur hominem tibia caucns 
atque Hakans expressit Theon. F^tymol. M. derivat vocabuium dno 
liurrdXov rivi)<; allfjTov ^ o^ /irtXaxov ö^»' x«' alXt]ftaTa roinvra 
t(ptviKP. Battulus autem , Cotilus cet. tituli crant mimorum, quos 
Theon egisse dicitur. — Lectiu vulg'aris r^dvnoTtjp male nie habet; 
nam (ibicen saltanH vix credo IjdvnoTrji; esse queat. Legendum 
eit r^dvnuVti , quod apprime cadit in Hatlalum. 

Vm. 9. Kö')TuXo9 quid «it , ignoratur. Kquidem coniecto A.'a)- 
Ti'Xor. Ktenim xcuri'/lov', garrulus , dicitur etiam de iucunda et 
grata l(M|uacitate (JacobMiuM ad Anthol. 7,221), qua quis ad amo- 
rem p<>llicitur. — Di'inde legendum cum Casaubono fIdyxaXotf quod 
mihi h. I. Hignilicare videtur pucrum amatum. Suid. ■. v. xako^ 
dicit: xah)^' 6 igojfitfo^ ; cf. Art«t. Ach. 144. Vcip. 98. 
i'i>ii«i«(M«. x\. jA»g. 'i 22 



338 Miscellen. 

Totiim igitur epigramma a nobis, qiiantuin eius fieri potuit, 
expiirgatum hocce habes: 

Tovzo Qtcov 6 fiOvavXog vn tjQiov 6 yXvxvg oUsi, 

avXtjT7jg fxifÄCov htjv dviÄsly^i lägig. 
TvqiXog vna) y^QOJg six^v nui 2^'MQnaXov viov^ 
vijniov ov t' ixäXsi ^^xiQnaXov , su xaXci^icp 
5 asidayp avtov ra yEvi&Xia' tovzo yctQ hXbv^ 
nav av viv (i.do\psiv ijdv ti atjfAavmv. 
HvXei 5' ^ rXavic' )) fj,£(Aedva{ie.va naiyvict Movaäiv 

ri 70V iv aytQ^ßoig BdtznXov i]dv7za&tj 
^ yal K(OTilov tj v,a\ TJdyxaXov dXXa. Otmva 
10 Tov xaXaiiavXijTrjv nnazs „X*^tQe Qicop" ^). 
Ilfeldae. C. Volckmar. 



20. Lysanders Proscriptionslislc. 
(Lysias XXV, 16.) 

Dass hier nicht mit Scheibe olig-. umw. p. 71 und noch an- 
dern die liste der dreitausefid bürg-er zu verstehen sei, welche 
unter der herrschaft der dreissig allein in Athen ihre waft'en be- 
halten und als parteig-enossen der dreissig* die iniliz. dieser reg"ie- 
rung" bilden sollten (Xen. Hell. II, 3, 20), sondern eine proscrip- 
tionsliste , die unter Lysanders initwirkung- g-efertig^t wurde, ist 
eine treffliche vermuthung- von Hermann Sauppe, durch welche 
allein die oben angeführte stelle des Lysias verständlich wird. 
Da jedoch über die richtigkeit dieser auffassung, wie ich aus pri 
vatmittheilungen ersehe, noch mehrseitig zweifei gehegt werden, 
so scheint eine kurze auseinandersetzung nicht überflüssig. 

Der Sprecher jener rede will darthun , dass man ihn darum, 
weil er während des regiments der dreissig in der stadt geblie- 
ben sei, mit unrecht eines Zusammenhanges mit ihnen beschuldige. 
Keiner werde zeigen können, dass er, was in jener zeit so viel- 
fach geschah, jemanden in haft gebracht, keiner, dass er sich an 
einem feinde gerächt oder einem freunde begünstigung verschafft 
habe. Denn gutes thun sei in jener zeit schwer, schlimmes zuzu- 

1) Exarafa iam scriptiuncula mea vidi Aug. Meinekii editionem 
AtheDBci, in qua versuum lectio sie constiluitur: 

rovjo Qiiüv 6 fxövuvkog vn' tjqLov 6 ykvxvg olxtl 

ccvXtjTrjg , (xLfXMV xijy S-v/usXtjai, /ixQig. 
jV(fXog vncd yiJQCjg otj(o}X€, 2xiQndXov vlog, 

vrjTivov (ivr ixakii J^xignaXog EvnäXa/uoVj 
tttldity avTov xa yfviS^hcc * tovio yaq ü^ty, 

nuv ixuQno.v ijdvafia drjfjiaviüiv. 
tjvXft d't rkavxijg fxif^td^vGfxtva ncciyyta MovGSOjy 

xcd To" ^v (iXQTjTüig BaTTukov ijdvnotijv, 
rj xat Kü)TC(Xoy, ^ xrcl üaxaXoy. ctkXä Siutyct 

TOV xukttfxavXrjrriv iinau, /«*^< Oecny. 



Miscellen. 339 

fügen leicbt g-ewesen für jedermann. Nun weist er im einzelnen 
nach , nicht etwa in wie fern er beg-ünstigungfen hätte erweisen 
können, sondern, was der zusammenhange erfordert, in welcher 
form damals gewöhnlich g-esündig-t worden sei, indem er behauptet: 
„Nicht wird sich nun erg-eben , dass ich damals einen Athener auf 
die liste g-ebracht, noch dass ich g"eg-en jemanden einen schieds- 
richterspruch zu meinen gunsten ausgewirkt, auch nicht dass ich 
aus den Unglücksfällen der bürger reicher geworden sei." Wenn 
also das bringen auf die liste unter die nachtheile gezählt wird, 
so kann unter dieser liste nicht das verzeichniss der 3000 ver- 
standen sein , denen als präsumtiven anhängern der dreissig die 
vollen Waffen belassen wurden , weil das vielmehr eine begünsti- 
gung war. Ferner mochte es einem einzelnen schwer sein jeman 
den auf die liste der 3000 zu setzen, da die dreissig das in- 
teresse hatten wohl zuzusehen , wer auf die liste käme. Dagegen 
war es leicht jemanden durch blosse angeberei ins Unglück zu 
bringen. Denn solche angebereien waren den dreissig, wie wir 
aus den übereinstimmenden Zeugnissen der Zeitgenossen Lysias 
Isokrates und Plato wissen, sehr willkommen, weil je mehrere 
sich an übelthaten betheiligten , desto grösser und fester ihr an- 
hang wurde. Tnd auf angeberei und beschuldigungen gegen bür- 
ger vorgebracht gehen ofl'enbar die beiden letzten punkte, nämlich 
der Schiedsrichterspruch und die bereicherung, also auch der erste 
wegen der liste. Wir müssen uns demnach eine solche denken, 
durch welche dem , dessen namen man darauf setzte , ein unheil 
zugefügt wurde. 

Nun wissen wir von einer solchen liste aus zwei stellen des 
Isokrates. In der ersten Will, 10 sagt der Sprecher: „es wird 
sich ergeben , dass ich keinen bürger weder in geldbusse gebracht, 
noch in einen process um leib und leben verwickelt, noch, indem 
ich ihn aus der zahl der theilhaber am vollen bürgerrecht aus- 
strich, ihn in die unter Lysanders einfluss gefertigte liste («(V 
TOI- utTu yivr;ut(^(jnv xuruAttynt) eintrug.'' — Also ganz die glei- 
chen Sachverhältnisse und fast in den gleichen formen wie bei 
Lysias. — In der zweiten stelle \\l, 2 heisst es: „nach dem 
regicrungsantritte der dreissig strichen den Nikias seine feinde 
aus der zahl der theilhaber am vollen bürgerrecht, trugen ihn da- 
rrpfrrn |>j|, j„ (J4.f1 ffftu y/vniniSijnv xaruAnyop. Hesonders aus der 
l'f/t«rn stelle, wo e« die feinde thun , geht klar hervor, dass 
> aijNNtreichen ein übel war, aber nicht weniger au<h das 
I .tiivu in jene liste; und beide ausdrücke werden als identisch 
irenommen nicht nur in der ersten stelle, wie Scheibe p. 72 zu- 
hiebt, sondern auch in der zweiten. Darum über ist es unmög- 
lich anzunehmen, dass an beiden stellen o fitta jivaaiÜ(fov xuru-' 
^ii'/ft^ „in kurzer auNdrucksweise" die liste der hürger, welche von 
•ler durch Lyhandros eingesetzten regierung angefertigt wurde 
laJso den 3000, welchen man die Wttüen lies»; bezeichne, — dicjie 

22 • 



340 Miscellen. 

3000 sind vielmehr eben jene [jisifixovTtg t7)(^ noXiitta<i — son- 
dern es ist eine mit Lysander verabredete, unter seiner mitwir- 
kung- gefertig-te, oder von ihm genehmigte proscriptionsHste. 

Wenn wir auch von einer solchen sonst keine kenntniss ha- 
ben, so sprechen doch dafür alle umstände. Lysander war der 
abgesagte feind der demokratien, besonders der athenischen, welche 
der Stützpunkt der übrigen war. Mit ihm verabredete Therame- 
nes den Umsturz in Athen, und als die einsetzu ng der Oligarchie 
durch die hetärien auch nach der Übergabe nicht von statten ge- 
hen wollte, erschien Lysander persönlich in der Volksgemeinde 
zu Athen und befahl drohend die einsetzung. Folgerichtig war er 
auch besorgt für die erhaltung der neuen Verfassung, und da 
diese bedroht schien , so lange auch nach der hinrichtung jener 
militärbeamten und angesehenen bürger (Lys. XIU, 17 — 38) ein- 
flussreiche anhänger der demokratie in Atben sich aufhalten durf- 
ten, so ist seine billigung einer proscriptionsliste natürlich. Es 
folgt daraus nicht, dass die nachherige massenhafte austreibung 
der bürger auf seine rechnung komme; sie fällt den dreissigen 
zur last, aber dass sie mit billigung der Lakedämonier geschah, 
zeigt ihre an die Staaten erlassene aufforderung, die vertriebenen 
nicht aufzunehmen. 8. Scheibe a. a. o. p. 97. 

Aarau. R. Rauchenstein. 



21. Zu Lysias. 



Orat. I, §. 22 sind die worte dömg ö' lym oti rrjvtnavTu 
dgxyjjihog ovdsv av naralr'jipoiro oiaai töov sTziTTjdfCojv viel bespro- 
chen. Die hauptschwierigkeit liegt in dem ovdh rmv inirrjösioar. 
Die meisten beziehen diese worte persönlich: „er werde nieman- 
den von seinen angehörigen zu hause treffen", weshalb ßekker, 
Bremi, Franz und Förtsch ovÖha , Westermann mit Klotz (zu 
Devar. 11, 1, 147) ovdiv av änderten; Scheibe behält ov8iv mit 
den Züricher herausgebern bei, fasst es aber ebenfalls persönlich 
(jahrbb. f. philol. u. pädag. supplem. neue folge 1, 4, 328, anm. 
36). Im allgemeinen würde gegen einen solchen persönlichen ge- 
brauch des ovdir, obgleich er doch mehr dichterisch zu sein scheint 
(Schneidewin zu Soph. 0. T. 1194), nichts einzuwenden sein; 
aber es erscheint sehr zweifelhaft, ob eine persönliche fassung 
der worte überhaupt in den sinn passt. Man sieht nicht ein, 
warum nach Sonnenuntergang alle angehörigen des Sostratos soll- 
ten ausgegangen sein, noch weniger, wie Euphilet davon als von 
einer ganz selbstverständlichen sache sprechen kann, da es grade 
im gegentheil sitte war, sich bei Sonnenuntergang im hause zu 
versammeln und nach dem abendbrod es nicht mehr zu verlassen, 
wenn nicht etwa das eine oder andere familienglied sich zu einem 
Symposion begab, was doch seine anwendung nicht auf alle ini- 



Misc«1Ien . 34 t 

rridttoiy an weniersten auf die weiblichen, leiden würde. Das ver- 
hältniss scheint einfach folg-endes zu sein : in Athen speiste man 
zu nacht um Sonnenuntergang- (Lvsias fragm. 75, 4 Scheibe. 
Becker, Charikl. 1, 417. 11,^492 f. 1 ausg.)/ Daher glaubt Ku- 
philet, mau werde zu hause den Sustratos nicht mehr erwartet 
und schon zu abend gegessen haben, Sostratos also daheim nichts 
mehr von lebensmitteln {ov8h tÖov innrjdeicor) finden; er lädt ihn 
also ein, bei ihm zu abend zu speisen; nachdem dies geschehen, 
geht Sostratos ja doch nach hause, was keinen sinn hätte, wenn 
er seine angehörigen nicht zu trefl'en hoffen konnte; Euphilet for- 
dert ihn lediglich auf avrdeiTivsiv y eben weil er von jener in der 
natur der sache liegenden Voraussetzung ausgeht; länger zu blei- 
ben bittet er ihn nicht, obwohl es natürlich gewesen wäre, wenn 
des Sostratos' angehörige nicht daheim waren. So scheint in die 
ganze Situation nur die erklärung von ov5fv röJv iniTjj8ticov ^ an 
die schon Reiske dachte, zu passen : „er werde, da er so spät zu- 
rückkomme, daheim nichts mehr zu essen finden". Dass KaiaXan- 
ßdvei9 nicht blos, auf personen bezogen, „treflFen", sondern audi 
„finden", von sachen, heisst, zeigen stellen wie Demosth. XXXIV, 
8. Plat. Sympos. 174 d. 

Die zweite Schwierigkeit der stelle liegt in der Verbindung 
des durch die handschriften geschützten uv mit dem Optativ des 
futurs, eine construction, die von G. Hermann. Opuscc. IV, 166 
bezweifelt, von Klotz a. a. o. und Kayser (Fhilol. XI, 1, 164) 
mindestens bedenklich angesehen wird. Vertheidigt ist sie, doch 
ohne recht klare auseinandersetzung der gründe, von Bäumlcin, 
Modi 295 ff. Zunächst ist klar, dass sie als complementes noch 
eines hinzugedachten conditionalsatzes, etwa ei oTxuöfi ikOoi , be- 
darf, wie ein solcher in der gleichfalls durch die Mscrr. geschütz- 
ten stelle Lykurg'« w. Lcokr. §. 15 ih yctq i<jt8 ort — — toi;- 
tmv nXiiarop afAfltiv 8nhot>; «y, ti ttjv nag* r/iWf ovrof Sifiq)V' 
yoi tifitogtaPf wirklich dabei steht. Der Optativ futuri mit up 
wird nun die unter Voraussetzung einer andern künftigen band- 
lung als künftig und zwar im sinne des sprechenden oder den- 
kenden umireifelhaft eintretend gedachte handlting bezeichnen. 
Denn wenn kühner §. 46K, 2, anni. darin eine pleonastische dop- 
pelsetzung des fnturbegriffs erkennt, so vergisst er, dass im 
Optativ mit ap noch nicht sclilcchthin die futurbedeutung , sondern 
nur die an eine gewisse subjectiv «der objectiv vorliegende be- 
dingung geknüpfte moiflichketl der Verwirklichung der handiung 
liegt, deren wirkliches und unter der stillhcinveigenden Voraus- 
setzung («I oixuÖB tXOüi) in Kuphilets sinne gnnt umweifelhaf/es 
eintreten in der zukunft eben erst durch das futur klar und deut- 
lich ausgesprochen wird. Komit scl||;int in der Verbindung ein ab- 
weichen von der den Griechen beliebten subjectiven bedingungs- 
weisen aufTussung künftig eintretender handlungen nach der uh- 
jertivcn seile hin zu liegen. 



342 Miscellen. 

XII, 33. Für die redensart nag avtoTii slvai im sinne von 
domi esse fehlte es bis jetzt an belegen und sie hat deshalb auch 
herrn Hecker mit einen beitrag- für sein alle bisherig-e batavische 
kritik überbietendes programm de oratione in Eratosthenem tri- 
g-intavirum Lysiae falso tributa (Leyden 1848) geben müssen. 
Abg-esehen davon, dass oflenbar hier ein Wortspiel stattfindet zwi- 
schen Tzaoeivni und tzuq' avroiK' that, welches schon an sich eine 
ungewöhnliche redensart rechtfertigen könnte , so ist auch ein 
ganz analoges beispiel Isokr. 11, 30: vofiii^i- tmv ztficöv aXijütaiU' 
jag tivai [4^ zag ip rm (pavBQ^ fASza Stov»; yiyvoyi^vai;^ a).}! orav 
avtol nag avtolg ovrsg f^äXlov aov trjv yv(6firiv tj rqv 
tvxjjv {favfid^coaiv, 

XVIII , 17 will Scheibe hinter ofiovoiuv in der zweiten aus- 
gäbe mit Bekker doch wieder ein fisv einschieben. Aber selbst 
in den schärfsten gegensätzen fehlt das fxtv , wenn der gedanke 
nicht schon im voraus den anlauf auch zum äusserlichen ausdrucke 
der antithese nimmt, nicht blos bei Demosthenes sehr häufig (bei- 
spiele in menge in Doberenz observatt. demosthenicae) , sondern 
nicht selten auch bei Lysias , trot?dem er im allgemeinen auf die 
scharfe bezeichnung der antithesen viel hält; so 1, 38: loymv 
siQTjfihmv fQyov 8s jATjÖtvog ysyevrjiihov , trotz des geläufi- 
gen gegensatzes loycp f^isv — h'oycp ds (ähnlich Demosth. XXIV, 
87 : Tovvofia trjg tificoQiag sIitts , to ö' sgyov etc. wo f*£v 
im pr. ^ fehlt, und Eurip. Orest. 444: ovofia yag sgyov d' ovx 
e^ovaiv Ol cpiXoi): XXVI, 15: ydscoddfiavTi ydg avfACfiSQSi tovtov 
bo^ifxaad^lqvai — vfilv 8s t6v8s unoSoxifxdaai. Arn einleuchtend- 
sten ist der haarscharfe gegensatz XllI, 85: zovto ovStvl äXlqt 
soiaev 7] Ofinloysiv dnoxTsivai, (xrj in airoqxogcp 8s. 

XXV, 33 ist wohl eine der von conjecturen und emendatio- 
nen am meisten heimgesuchten stellen des Lysias. Der Palatinus 
hat dort die unverständlichen worte: idv Ö' varsgov vpilv 8i hs- 
govg 6cor7]gux, ysrijrat, tovTOvg (cod. C: avtovg) (xsv i n iXv as- 
o&aiy sxEivovg 8s usl^ov 8vvr]asad^ai. Das sniXvosa&ai hat man 
durch die verschiedenartigsten vorschlage zu beseitigen gesucht 
(am vollständigsten aufgezählt in Scheibe's praefatio); es scheint 
jedoch, als könne man durch die Veränderung eines einzigen buch- 
stabens einen angemessenen sinn herstellen. Der redner spricht 
von den falschen patrioten, welche a tout prix ihre stelle am staats- 
ruder nöthigenfalls auf kosten des gemeinen besten behaupten und 
keinen anderen neben sich aufkommen lassen wollen; sie pochen 
auf ihre angeblich bei der befreiung der stadt erworbenen Ver- 
dienste und suchen es zu verhindern , dass andere für das wohl 
des Volkes thätig sind, „in der ansieht, dass sie jetzt um der Ver- 
dienste der befreier willen thun können, was ihnen beliebt, wenn 
aber später einmal durch andere etwas heilsames für euch ge- 
schieht, sie dann in den hintergrund treten und jene grösseren 
einfluss gewinnen werden". Offenbar wird ein solcher gegensatz 



Miscellen. 343 

ZU dem fttt^op 8vv/j(sea&a^ verlanget, und besser als durch Saup- 
pe's i'TToövatö&ai , in welchem doch mehr ein freiwillig^es davon- 
schl. ichen lieget, erhalten wir diesen hegriff, wenn wir mit g-anz 
leichter Veränderung* etziIj^öegOui , das tut. medii in passiver he- 
deutung^ g-efasst, schreiben: „sie meinen, sie möchten vergessen, 
durch den einfluss jener zurückeredräng;-t werden". Ein solches 
verschwinden von der politischen Schaubühne muss in den Worten 
liegen, das zeigt ja auch der gegensatz zu y^thai — ßnvlmv' 
Tai. So steht ganz ähnlich von der politischen Vergessenheit, 
der man anheimtallt , ufipiifAOtth Lys. AXAl, 25: zc5> uvtatv 
riyovfibvovii thai lovg tt xuxoi'^' Tiftuv xal tcop ayuOmv dfAvr] 
fiotih. Das fut. medii im sinne des passivs ist auch bei Lysias, 
obwohl seltener als bei Demosthenes, nicht ungebräuchlich vgl. 
XX\I1I, 7: ovxtzi 0)^ a()l^dfH:VOi TznQuaxtvu^otTui ilX).* oo«,* 
«(>^o»rf? (cfr. uQ^ovaip x«/ dn^oiTcti Plat. de rep. 111, 412c). 
XXXI V, 4: iiv dvrtyjmfvot ßeßaioLx: dtjunyQdT/jötoOt ; und so steht 
das particip XrjnnfAtvoi; selbst im passiven sinne = (TTthjaOtjaofisvog 
»Soph. El. 1249. Nicht befremden kann der accus, c. inf. tovtov^ 
InilifmaOuiy wo man im ersten gliede vielleicht den nomin. c. 
inf. erwarten sollte; der accusativ erklärt sich einfach durch den 
gegensatz zum folgenden FAeirov^ (Krüger §. 55, 2, 3), wiewohl 
selbstverständlich in solchen fällen auch der nominativ stehen 
kann (vgl. Lys. 11, 46. Aeschin. 111, 85). Hier wird der accusa- 
tiv noch natürlicher, da der redner mit dem jovjovi ^ was die 
beste handsclirift für at^Toi;^ hat, genau genommen aus dem mit 
^yoifAtfoi begonnenen satzverhältniss heraustritt und um des schär- 
feren gegensatzes zu ixei'povii willen nicht mit avTov»; an fjyni" 
fitroi anknüpft, sondern mit joviovi; den satz freier gestaltet, 
was die länge des auf ijyovfistoi folgenden satzes erleichterte; 
Lysias spricht die worte nicht mehr unmittelbar wie aus dem 
sinne der ijyovfuroi, sondern mit hinwendung zu den richtern, die ja 
schon mit vfAiv angeredet werden , und mit hinzeigung auf die in 
rede stehenden personen. Aehnliche schnelle Wendungen von der 
einen zur andern person Lys. 111, 28: Xtyst wv fjutig iffOopitv 
im ri^v oixiav TTjf lovinv (des )Jy(ov), Cfr. ib. §. 11: ovjoi 
aifiOofttrog rjxnftu rov Qf-nÖOTor nnQfnuXeöF rivag rcöi' rovrov 
(für airov) fntrf^Seimt. Demosth. XXXX, 45: Xf'ymr dög fxtTtn^ 
iftni ^aQi^nfitvoi' nnXXd lovjof (den Uoiotos) tjdi'xtjaBr. Endlich 
dürfte eine empfehlung für tniXi]cftnOui vielleicht auch darin lie- 
gen, dasH wir dann eins der hei Lysias so beliebten homoiotelcuta 
(fmXijntnOni — 8vu]ntnOai] bekommen. 

Welche von den vieliMi zur besserung der folgenden worte 
To «i'to nuritii vorgescblagenen emendationen (die neueste von 
Richard Müller, l'hilol. Xli, 2, 237) die beste sei, darüber wage 
ich kein urtheil; den Nchriftzügcn ziemlich nahe kommend und 
zum sinn pasMend, wäre vielleicht Uta tuvio nufTco^ ; näfrtoi em- 
pfiehlt sich vor ndvjtg heMondem deshalb, weil nicht darauf der 



344 IWiscellen. 

nacLdruck lieg-t, dass sie alle, sondern dass sie überall, bei jeder 
geleg-enheit im we^e sind, wo andere etwas zum heile des Staa- 
tes unternehmen wollen. 

Rogasen. Hermann Frohherger. 



22. Zu Platö Apol. c. 27, p. 37 C. D. 

IloXXij (it'vt UV fxs q)iXo\pvxia «Jfot, ei ovtcog aXoyiatög sifxi, 
Sars fitj dvi^aa&ai loyi^saiJai, oti v(ASig fisv ovitg noXhai iaov 
ovx olot 7S iyiiv8a&6 svsyxeiv tat; ifiai; öiarQißäg xal xovg Xoyovgy 
aX)^ vfAiv ßaQVTsgai yeyovaai xai sTTicpd^ovccTSQai , muTs ^tjzsizs 
avTÖöv vvv) anaXXayrivai' aXXoi 8s uqu avzag oi'aovai Qadimi;. 
TzoXXov ys öd y CO * y4&i]vciioi. Die erklärer bemerken zu den 
Worten aXXoi ös aga ahtag oi'aovai gaöiag mit recht, dass diese 
nicht mehr von dem vorherg-ehenden ozi abhäng-ig-, sondern die 
frühere construction aufg-eg-eben sei. Eben so richtig- nehmen sie 
an, dass der sinn dieser worte sein müsse: „wenn ihr, die ihr 
doch meine milbürger seid, meine gespräche nicht ertragen konntet, 
so werden andere sie noch viel weniger ertragen können'. Wenn 
sie aber nach Fischers vorg-ang sagen, diese worte seien ironisch 
zu nehmen, so bin ich anderer ansieht. Die ausleger haben noch 
kein beispiel beig"ebracht , dass nach einem ironischen satze eine 
Verneinung" desselben durch tzoXXov yn ösT folg-te. Wohl aber 
steht noXXov ys dei häufig- als antwort nach fragen , sowohl 
nach fragen eines anderen als nach eigenen , sogenannten rhe- 
torifachen fragen. Nach der frage eines andern steht es Eu- 
thyphr. c. 4^ p. 4 A; Evü. ti de; neTOfxsvov riva diaxeig; 
2^(0. TioXXov ye dal nhsa&ai , og yt — ngsaßvttjg. Nach ei- 
genen fragen steht es Apolog. c. 21 , p. 32 E. Phaedr. c. 1, 
p. 228 A. Namentlich fi^ndet es sich in sätzen mit [äsv — de 
aga, wenn a minori ad maius geschlossen wird. So Phaedon. 
c. 29, p. 80 C: ivpoelg ovv , ozi, i/retöav UTiod^avy 6 äv&gooTiog, 
70 fASv ogarov avtov , to aojfia — sniErAmg av)^vov inifxivei XQ^' 
fov — 1} 8s xpvyrrj aga, tu dsiSsg ^ — sv&vg 8ianscpvarjiai x«< 
anokcoXsVy (x>g qjaaiv ol noXXo) avx^gmnoi; nokXov ys öet, oo qtiXs 
Ksßrjg TS xa« ^ififiia. So werden denn auch an unserer stelle, 
wo ebenfalls a minori ad maius geschlossen wird, die worte: 
äXXoi 8s aga avidg oiaovai gaSioog als frage zu fassen sein, 
worauf dann der fragende selbst mit den Worten noXXov ys Set 
die antwort giebt. 

Heilbronn. Finckh. 



23. Zu Hesychius. 

Hes. dvsa&icav /xrixsti iadiofztvmr und dvaisat lov 
ftjyxg'rt ia&ioixEvov. Meineke hat diese glosse in jüngster zeit zwei- 



IMigcellen. 345 

mal besprochen Philol. XIII, p. 519. XIV, p. 43, und entweder 

aTTsa^imv' ^tjjxtri inOicor oder lieber nviarimv' u. iaricofit- 
9(ov vorgesclilag-en. Ich kann jetzt die quelle der glosse nach- 
weisen in dem fragment des Demonikos beim Athenäus IX, 410 D: 

ianovddxst 5' txaatog mg av sa&imv 

ccfjia t ol^vTieifOv avdga xai Boi(6rior, 
wo Meineke Casaubonus correctur icfTimv aufgenommen hat. Die 
alten scheinen die stelle anders interpretirt zu haben. — avar- 
8eg' ovx svagearov. Lies avaSeg. — agvei' avziXfyfi. ßoa. 
Koens avTlsT ist richtig; ßnü ist in ßorj&el zu verwandeln und 
auf agr^yei zu beziehen , wie aus Bekk. AG. 448, 28 hervorgeht. 
S. Cobet Nov. Lectt. p. 170. — afisam' cofiOTiXärai. Das wort 
ist untadelig, wahrscheinlich ein tarentinisches. Man vgl. über das- 
selbe H.Schweizer in der monatsschrift des wissensch. Vereins in Zü- 
rich 1858 III. 9. 10 p. 298 und G. Curtius grundzüge der griech. 
etymologie p. 304. — P. 357 bespricht Curtius das vocalisirte 
digamma. Er hätte daselbst eine sehr interessante hesvchische 
glos.se benutzen können: ^oaaav ntßeaov. So hat der codex. 
H. Stephanus schreibt nßt'anv. Zßt'aqr ist aus Eustathios bekannt. 
Das ö vertritt also die stelle des ß oder richtiger das digamma 
wie in 8oup = ^pav, dar y dt]v; "Oal^og = pd^og (Ahrens Dial. 
IJ, p. 51). Ich glaube auch in l^oaanv cretischen dialect zu er- 
kennen, dem auch die Verwandlung des i in « eigenthünilich ist. 
Wenn bei Hesych i^oeg' ^tj voraufgeht so ist weder mit Musu- 
rus fo'«* ^rj y noch mit Lobeck rhem. p. 20 fo£- ^tj C/}/>( zu 
schreiben, sondern ^oeg' fgtf oder Zoyg' f^g. Erstcres ist cy- 
prisch izr ^ofig. 

Hes. ^aviaa az 0' Stevo/^i]. Isaak V'ossius corrigirt difyi/iL^j; 
mit vergleichung von ^aiveiv vi]08n. Der fehler liegt tiefer. 
Jitto/jOtj ist richtig, die glosse fehlerhaft entstanden aus (^utco- 
au7(t , was auch sonst falsch ^ati]aia{>ai geschrieben vorkommt. 
Man 8. i^atooadixTjv dtsvot'iOrjv. Umgekehrt ist |" durch J" 
verdrängt in ^eigelv dnoofiaTonoiEiv. Es muss ^eiqip' ugtO" 
ftaTonnto* heisscn. Kurz vorher lesen wir ^eiyuQTj' rnri^ 
nagd Jiidijruig ^ womit Küster das französische ciyale vergleicht. 
Du« richtige ist feiyap«* 6 {uqi(avog) Terri^ = ^tyctgd = ai- 
yagd. Man hat schon (j lyaXqi o i' oi »gpcuioi T/TTiy«^ verglichen, 
ohne beiden glosNcn zu helfen. Denn statt aiyaXcf^nt ist handgreif- 
lich (Jtyagoi zu lesen zz (ityrjQOt. Ob dÖiyng' TQCohtXXig vno 
^xvOtöv hierher gehört, lasse ich unentschieden. 

lies. £vfA(pQa (nncU nvnq^Qddftortg) Ovßia tqt (I, rtg)*AnnX' 
Xmri TtXovfitft], Ist die glosse laconisch? Denn das opfer hies» 
doch wohl OvfißQaia? .Möglich jedoch, das« unter den vii'len 
formen, in welchen diese gotthcit auftritt (^Vftßgntog (^vft 
/jifi(i(ting Zvfißgaing auch 2.'vftßguiog oder ^.'t'nqQtdng vorl n 
eine erweichung des härteren ZvfißQning» 



346 miscellen. 

idgar og* svriTog. Ich vermuthe \> i ci^ar o i;- tv-Aiog aus 
d^tng und a()äa\}ui. 

KrJQTta' za KSQd)]. Ist wohl kein blosser schreiljfehler für 
xf(;5fc«. Ich halte die g-losse für kretisch und zweifle nur ol) 
g-eg-en das aiphabet x/]Qta geschrieben werden darf, oder niQTia 
zu lesen ist. Man vg-1. ni'ioil- ni^dil. A^/^/^cs" (Ahrens 11, 112. 
159), TZ 7j QU ^0 1' äqodevaor, was auf ntQÖtiv führt, tiQiOii'' 
&8Qovi;. Kq^zss (Lobeck rhem. p. 136 Ahrens dial. II, 83. 122. 210). 

Oi8t](Aog- xptxTog. Die conjectur Albertis itM^rjzui; lieg-t 
weit ab. Ich lese aoCdifAog' i^fxTo\ ,• das wort heisst ja eben- 
sowohl berühmt, wie übelberüchtigt. Vgl, II. VI, 358. 

/jmi'a' hfxota. Ich freue mich von dieser glosse jetzt nicht 
nur die quelle angeben, sondern auch sie eben so leicht wie 
sicher eniendiren zu können. Man lese 8' qta' va. oi'a. Gemeint 
ist Hermipp. Moer. fr. IV .• pimü 8' om Xi&irrjv (Adurgav. Auf 
dies stück des Hermipp ist wie ich glaube auch der vers unterm 
Worte fv(icfjö(iag zurückzuführen. 

Hes. a 7603 d g )[0 1 a ß m v rj egyoXaßmv. So der codex. 
Meineke d g )[oX ot ß m p' igyolaßöiv. Ich möchte jetzt glauben, 
dass wir eine glosse der Eleer vor uns haben, welche für sgyov 
mit digamma pdgynv sagten; also pagyolaßMV. igyoXnßm-. 
Zur glosse «7273 trage ich das von allen übersehene tz e g x u p w 
T« Igtov nsginlsyfiaza nach, was weiterhin Tzevxdva geschrie- 
ben und lazov nagdnXbyfxa erklärt wird. 

Hes. a 5574 livvgog- ddixog. Schreibt man ^NTPOC so 
springt in die äugen, dass das wort aus j4AlTP0C verdorben ist. 

Hes. a 4069. 70 ' ^4 [Ä(f) i fiv ö i(o y /jt]ix^7gia ^a3«. ' ^ fi- 
q)ifivaio}v' 7j ^rju/]Tf]Q. Es scheint «/^qp/ MvaaTov geschrieben 
werden zu müssen. Das Mysäon bei Pellene ist aus Pausan. VII, 
27, 4 bekannt: n&XX)jvrig 8s oaov ozdSia s^f/>iovTa utzfxsi zo Mv- 
ßiüov Ugov Jijfirjzgog Mvalag- ISgvaaa&at 86 avro Mvaiov q;a~ 
civ dv8gct ^ Agyfiov arX. Eine glosse scheint das fest der Deme- 
ter Mysia, die andere den beinamen der gottheit selbst zu ent- 
halten. Man könnte danach 4069 ermuthen dficpl Mvaaiov 
/Irjfi/iT ge la' ^\ In ^' läge die dauer des festes, sieben tage 
nach Pausanias. 

Hes. n a agz (ag- ßdzga^^og. Soping hatte noa^iag vermu- 
thet; der Thes. L. Gr. lässt das wort mit einem fragezeichen 
als verdächtig gestempelt laufen. Vermuthlich war der frosch als 
hüpfer, Springer bezeichnet , und eine dialectische nebenform von 
cxdgzag dürfte der Wahrheit nahe kommen. Etwa nagziag für 
axagriag? — Unter ytanouvrjfxog malas tibias habens hat Thes. 
IV, c. 833 C die glosse xcexoxj'T/juot.* '/axoqjüagrog Ttaao- 
GCiog untergebracht. Es scheinen zwei glossen in eine verschwom- 
men X ax 6 ){ fXT]v g' xaxoaitog , wie dxfiijfog' daizog und das 
aus Callimachus bekannte xaaoxrijfiog. — Dass xax^ xovig' 



Miscellen. 347 

yaxog nXs&Qog bedeutet habe, wofür bald darauf xiixorsg' xa- 
X04,* oXfxfQog auftritt, ist zwar iiiog-lich, wenn xovig als die erde, 
welche den g^efallenen deckt, g-efasst wird, aber doch nicht recht 
g'laublich. Vielleicht lautete dia. g-losse xux// xopi] oder xaxxo^i^ = 

d 
yntu'Aovt'j. — Die j^losse xarfir^' yvvt) rj xav, wo Musurus eine 
lücke annahm wird gewöhnlich Kuvddxfj' yvvt] i) Kurdnxrj 
(KuvÖavXnv Meineke)] g"eschrieben. Allein obschon dadurch die 
alphabetische ordnune: g^ewahrt wird, g-laube ich doch darin eine 
blosse verderbniss und Wiederholung" der glosse: xavdvTUPi] ;) 
xavdtlai erblicken zu müssen. ■ - xat alavor' xaia rl 7Z{)t- 
7T0V. Mit recht verweist man auf xuz' uJaav, Es scheint streng- 
lakonisch xai aiäv zu schreiben, wie ^öja näa 7rn7]ul u. a. m. 
Ebenso ist xatartvai' xuTuytv(^ai in xr< rrtrf Dai zu verwandeln : 
daher habe ich keinen anstand g-enommen auch htivdai in sat- 
^tuui nr iöipdaai zu verwandeln. Aber x u i v i t a' d8t7.cf>i] of- 
fenbar xaivi]Ta = xuniyn]rtj , was mir früher laconisch schien, 
halte ich jetzt für paphisch, da die laconischen inschriften die 
form xfiait; anerkennen. 

Hesych. nniTTo^ai* ov nBiOnuui. Boioötoi. CJeber diese 
stelle ist gferade zur gfenüge g-ehandelt worden , ohne dass ein 
befriedig-endes resultat herausg-esprung-en wäre. Der grund lag" 
wohl darin , dass auch Photius 342, 8 die ofl'enl»ar verkehrte er- 
klärung- nv ntiOo^Kn bietet, während er onlizroyiui suo loco schreibt, 
und fortfährt xat tovto BntaiTinp. 'y^Qimoqxtvijg ExxXi}<^tul^oiaut>i. 
In den ecclesiazusen steht nichts der art , wie auch Ahrens Dial. 
I. p. 176 bemerkt, der auch II. p. 517 mit seiner coniectur 
o n X IT I fjtat' q>vXuT7ouai fehlg"reift. Böckh C. Inscr. I. p. 45 
hatte g-emeint „ad sermoncm iion ad scripturani pertinet' was er 
p. 723 ff. dabin erklärt o sei gfleich ov und für ntuopiui sollte 
gfenau g^enommen niTTn^tj geschrieben werden. Die sache ver- 
einfacht sich sehr, wenn man oniTtofiat ov' ntido^ai. Boko- 
toi abtheilt. Man sieht dann dass hnitiopiai aov miffopiai 
omXofiui aov zu lesen ist. Stösst man sich aber an der un- 
böotischen form nnl für rtov^' , so bleibt [oix] unitto^ai' ov 
itiOofAui als genügendes auskunftsmittel. Vgl. ij (t f* uvil^sT o ' 
>rx Tjv itQfMÖl^ftf , woselbst Lobeck I*arerg. p. 022 ovy rjQftnnXrto 
herstellt, Meincke oi'x tjQfttvt^&xo vermutbete. 

Hesych. tttvya' ixnXrjxttxu. ^m/t;Xoc. Ist wohl aus 
ar[r]i;fiyXo *'erdorhen. — irOai' xnOirrut ist höotisch und sollte 
ilrOaf xuOffdOui heissen. Vgl. Ahrens I. p. 177. II. p. 103. 
In X (t d{tiao 9* xttOmor steckt wohl y/jd^töo' xril>ijao d. i. 
xrti ijdQino, wie auch I^. Dindorf für i^8{ttrtov' xuOijdf) (nie) tj^^iao 
vermuthet hat. 

Hesych. anavovOtg' 2^aXaß»ifU)i. Hier hat ein gründliches 
Verderbnis« statt gefunden. Wir haben es mit einer glusse der 
salaminischen Kyprier zu thun und zwar einem imperotivus aorisli: 



348 Miscellen. 

CllATON: ük. Ks ist dieselbe, welche oben, EN ATON: ev- 
{feg Kinowf lautete, und von uns in "ENJTO/V; 8v{^fs: (nnda) 
corrigirt wurde. — v y y e (x o i," avXlußrj' jLaXafÄinoi wird klur 
durch d 71 6 ys ^s' äcptXxs. Kvttqio^. 

Hesych. zifxrjdeg- svlaßtg. Die g-losse ist theocriteisch und 
g-eht auf XXV 79 cog sTTifAtjOFg , wonach unsere stelle leicht zu 
corrigiren ist. — zißdsi* cpoßEiTui. Damit ist \pißÖsi' vnonveT 
ßdei zu vergleichen, und letzteres entweder auch hier herzustellen 
oder beidemale rC ßÖei ; — trjßf,' if, ifif, ensaßai. Vielleicht 
g-eht dieses auf Euripides Erechtheus fr. 362, 34, p. 372 Nix. 
rrifiii 8s nai8L Die zwei letzten worte wären dann in 'int^x^ai 
entstellt. Mö'g-lich ist aber auch die beziehung- auf Hecub. 584: 
STTt'^EGs noXsi Tg tZ/^Ü , wonach ttj ifxrj ins^sas corrig-irt werden 
könnte. — TiXaag' atgocpag' doch wohl pslaag' az^tipag, 

Hesych. Tjgärov' top ijgmatQatior. Sollte in argariov 
nicht vielleicht 2J7Qarcov, dichter der mittlem oder richtiger neuern 
Komödie angezogen werden? Lesen wir tov Isgia. Sioiixmv und 
erinnern uns, dass in dem grossen uns erhaltenen fragmente die 
Opferbedürfnisse in homerischen glossen verlangt werden, so scheint 
es nicht zu kühn an nQrirYqqa als das erklärte wort zu denken. — 
Früher hatte ich an "Hgaiov = 'Egurov* tov NiQsa (yzgaiTjyov 
gedacht. 

Hesych. ygaivst' XijqbL Codex rjgaivsi. Man hat rJQi]g' 
a,q)Qmv verglichen, was wohl aus nägrigog verderbt ist. Lobeck 
Path. El. p. 111 wollte XrigaCvsi. Ich denke Kgaivsi* nlrigoi 
wird richtig sein. VTas gleich darauf folgt "H p « t o »^ • ' Hganlta 
(lunonius übersetzt Alberti) erweist Cyrillus 171 als fehler. Er 
hat iqQcoa' tov ' Hga^cXsa }J,ysi. Das that z. b. Pindar und Apol- 
lonios von Rhodos. Und nun erhellt was Hesych will, wenn er 
s. v. Tjg ' — )} äXxjj Kai olvo^ erklärt. Man meinte er verwech- 
sele Ijg mit dag. Aber er hat es jetzt gar nicht mehr mit rig 
sondern mit Ijga zu thun, ijga = äga (Apoll. Dysc. de coni. 
p. 490), tjga = sga j ytj, woher das adverb Tjgad^ev EM. 436, 26, 
und rigco 'AXxi^vooto aus Hom. Od. ^ 302. — VTeiterhin wird rjgov* 
narrjgov erklärt. Man lese rjgoj' narrjgm freilich gegen die al- 
phabetische Ordnung; aber agdojxai pflegt durchweg durch xaza- 
gdofxai erklärt zu werden. — ^govara^ov iv^ögsvov ist nichts. 
Es verbirgt sich dahinter das laconische yigovntdt,siv., wofür sie 
auch xvgßdddijv sagten. Vgl. Eur. Helen. 542, von Hesych. ivS' 
dgEvofiai erklärt. 

Hesych. dv dn anX ov. dvoifim^or. Ich habe in der ausgäbe 
dvdjzXcßaov conjicirt, was oft durch «yot/yt^^t erklärt wird. Allein, 
wie von oi oi^oo sla sldt,co u. s. w. wird, kann von nana'i auch 
nanauiQ^ gebildet werden , dessen aorist dann sehr wohl durch dvo'i- 
jMüö^oj' wiedergegeben werden kann : dvanan a'iaGov dvoifxm^ov. 

Hesych. Baimzig' l^qjgodCT?]' nagd 2^vgay.ovaloig. Brief- 
licher mittheilung L, Prellers verdanke ich folgende bemerkung. 



Miscellen. 349 

Die g-losse ist unverderbt, eine Zusammensetzung- aus ßuwg und 
oviii die kleinuiirig-e, keine unebne bezeiclinung- tiir die g-Öttin der 
Schönheit. Danach wäre Bukütii; zu schreiben. 

Uesych. uvilsnüai* <JvaT(jt(jtadui lies avtiXXsa&ai' 
av6TQf'q;töOai. Ebenda halte ich jetzt die correctur des Musurus 
dvoiatt' ataqtgti für utCaei für richtig*. Vgl. tjpotCTUi und 
nagoiaOtvieS' 

Hesych. ngao)' ToPf<ü5, womit Lobeck rhem. p. 102 ebenso 
wenig als mit ugotr fASfigetai etwas anzufangen weiss, ist wohl 
&APCii' 7o).fjiöi, in der äolischen form, wie {tgcaiag zeigt, Ooqööj 
oder S^Qoam. — Eine äolische glosse f n v x a 6 e' iveaälvxpt habe 
ich versäumt auf ihre quelle zurückzuführen. Sie war i/ivxadcs 
zu schreiben und Sappho fr. 90, p. 271 Ahrens anzuziehen. Cy- 
prisch scheint das kurz vorhergehende inioxaas. Vgl. Philol. XJ\ , 1, 
p.206, wo noch auf yogo^* xvqtos ^=^ yvQOi , iniaxogo^' =^^ ini- 
axvQOs, svTQoaaenüat ivgl. iniTQvaaeiv) und das interessante igd- 
rodev -^^ igf.rvOtv (Hom.) verwiesen werden konnte. Dass auch 
das lange 7 in ö oder ü3 überging möchte ich aus Zcjgoi; , wie 
Appian den gründer Carthagos nennt schliessen, und darum 
e g (o xe' x(6).ve vertheidigen. 

Hesych. igtqiiijfiuiu' igiq:ni, yidxmre^. Meineke schlug 
iQiqftia (fiigpiaTa' egicpoi vor, und bezog jduxcong auf die 
vorhergehende glosse. Allein, wie ich jetzt sehe, verbietet xagv- 
i^fiara' xügva y^uxco reg jede änderung. 

A Ev a FT B' hgäte, ^lintit. Es ist wohl zu schreiben XBi[a]aB 
tt' oga 76 y ßltns n aus Aesch. Eum. 255: ogu ogu ftdX' «v, 
Xevaae re ndvta, fiti xtA. 

Xia^u^cp aiyiaXw ' Xiav ufiaOooösi. Ich glaube dass 
didfi/jcp zu lesen ist, oder wenigstens !iiafjdOq). Aehnlich wird 
Xirjfio^' \pdftaOo<»', was Lobeck paral. p. 31)8 nicht corrigiren 
konnte, zu hessern sein. 

Xtyupug' ei5n>; ihtt^yoii y/dx(ov£<;, worüber m. s. Lobeck 
Aglaopli. p. 848, kann keine richtig gebildete form sein ; wie 
l^aipuo ^dprjjg f (faiico — gaiTiy^ u. 8. w. bilden, muss Xiyaiym 
Xiydrtrjf erzeugen; also XiydtTag» 

Mrjgvautfn' avthartiXat. Wohl aus Soph. fr. 729 b. 

Cofugov goifiaXtor, Man schreibe ICoiagür d. i. A'o»«- 
Q(tVy was Hesych durch ^(»a^rixoi', niotu, tuTgaqij erklärt. Aehn- 
lich ist KOIK/hiOC aus KONICAyiOC' xor*«(<TfH entstanden, 
vgl. Lob. Proll. p. 104. 

xCtPiv' inett'XtatP. Lies xgaitbt. 

Jena. U. >>riimtdi. 



*1\ ( .iitoiiian 
1. Der name d«'r /l^ ' m's w« I( 



350 Miscellen. 

sehen historikern bekanntlich zuerst Cato und G. Sempronius 
[Tuditanus] überlieferten , hat schon eine masse ausdeutungen er- 
fahren , ohne dass je eine recht g-enüg^t hätte. Der erklärung- 
aberrigines (umherirrende , Suebi) widerstrebt die g-rammatik eben- 
sosehr, als wenn man mit rücksicht auf origo entweder ysvaQiai 
(vorfahren) oder gar „vonanfanganer" d. h. einen von den späte- 
ren geschichtschreibern erfundenen gesammtnamen für die älteste 
bevölkerung erkennen wollte. Dass die endung -es nicht ab- 
schrecken darf, einen singularis der sogenannten zweiten anzu- 
setzen, erkannte schon Niebuhr (vortrage über röm. geschichte 
1, 102, Isler), und formen wie duomnires, conscriptes, magistres, 
Memmies, Modies, Vituries, Vescies, Cataturines, Mentomnes, zu denen 
das von Cato selbst im anfange der origines gebrauchte ques tritt, 
brauche ich nur zur bestätigung, nicht zur belehrung herzuschrei- 
ben. Die endung -igines ist darum auf einen singular -iginus oder 
syncopirt -ignus zurückzuführen, der mit privignus ambignus 
abiegnm aprugnus (Lucilius bei Charis. p. 83 Keil) u. s. w. zu- 
sammenzustellen und offenbar dem etruskischen -cne (Cecne, Lecne), 
griechisch -ytriiq zu vergleichen ist. Quid multa? ich erkenne in 
den Aboriginern lediglich eine missverstandene und darum verun- 
staltete form von Arborigines („baumgeborene' ) mit bezug auf die 
uralte und unendlich weit verbreitete sage, dass das menschen- 
geschlecht aus bäumen entstanden sei ; wir hätten also hier die 
echten italischen autochthonen. Wäre gewiss, dass^am-nes (wo 
auch -es statt -i) mit ramus , Pinarii mit pinus (auch name eines 
Sohnes von Numa) , Peucetii mit nsvxrj (sdpinus) zusammenhiengen, 
so gewönne die baumsage für Italiens vorzeit immer grössere hi- 
storische bedeutung. 

2. Die allitteration und selbst das vorkommen ganzer verse 
bei Prosaikern ist noch zu wenig untersucht, als dass sich dar- 
auf feste Schlüsse bauen Hessen. Nur soviel kann als ausgemacht 
gelten, dass den älteren geschichtschreibern sehr häußg Volkslie- 
der zur grundlage dienten, und wo Cato im ersten buche der 
Origines dieser gedenkt (Tuscul. I, 2, 3. IV, 2, 3. Brut. 19, 75), 
sprach er höchst wahrscheinlich von seinen quellen. Die vorhan- 
denen fragmenle zeigen noch an vielen orten diesen poetischen 
einfluss , den Cato selber vielleicht nicht einmal verwischen wollte, 
z. b. im fünften buche (Nonius p. 103 s. v. pisculentum) den 
saturnier 

Fluviüm Nardnem mägnum — )t/ülcrum joisculentum. 
Noch mehr Wahrscheinlichkeit einer ursprünglich dichterischen 
fassung haben die catonischen hausregeln (Paulus p. 83 und 51) 

^cdificium aestäte /rigidum — hieme /ormidum. 

Culignam in feno graeco — pdnito üt bene öleat, 
mit denen die p. 93 und 123 befindlichen längst als metrisch an- 
erkannten Witterungsbeobachtungen zu vergleichen sind. Andere 
metra bei Cato verdienen wenigstens bemerkt zu werden; ich 



Miscelleii. 351 

finde zweimal den trochäischen octonar, in demselben fünften buche 
der Ori^ines (Priscian X. p. 510 Hertz): 

[At] quod eonini nemo quisquam quicquam mihi ig-notürus est, 
und im ^ sechsten (CJellius XX, 5, 13): 

Itaque ego cognobiliorem cög-nitionem esse arbitror, 
beidemale mit unverkennbar g-esuchter annomination. 

Carlsruhe. W. Fruhner. 



25, Leclioiies Vcrjjilianae. 
(Nachträg-e zu Philol. Supplem. bd. I, heft 3.) 

P. 332 war die zuerst von A. F. Näke im Vorworte zum 
sommer-lectionscatalogd.j. 1838. p. v — viii (Opusc.vol. I. p. 266 sqq.) 
nachgewiesene einsclialtung eines mit den Worten Aviu{)' OövaatVi; 
beginnenden neuen gedicbts bei Homer, II. 1, 430, nicht uner- 
wähnt zu lassen. 

P. 335 zu Aen. 2, 691 wäre eine ausführlichere darlegung 
am orte gewesen. Der grammatiker Probus (p. 14 ed. K.) sagt, 
Anchises sei des Vermögens der Weissagung und einer besondern 
göttlichen begabu ng gewürdigt worden. Dies belegt er durch das 
zeugniss des Knnius, Nävius , ^ ergilius und fügt den worten des 
letzteren: „/:/, si pietate meremur , Da deinde augurium , paler ^ 
alque haec omiua firma' folgendes hinzu: „\isi enim petisset 
oniina, numquam conlirmari optasset. Dehinc visa Stella ait: 
\ estrum hoc augurium , vestroque in numine Troia est.*' Der 
satz iVisi enim . . . optasset steht in keinem Zusammenhang mit 
dem vorhergehenden. Ks unterliegt fast keinem zweifei, dass fol- 
gende Worte, oder ähnliches ausgefallen sei : „Sic enim , augurium 
legendum , non auxilium." Wenn Prolins dann fortfahrt Dehtnc 
Visa Stella etc., so will er durch die wortc Veslrum hoc aufjunum 
theils seine coniectur erhärten , theils die divinatorische gäbe des 
Anchises ins licht stellen. Zu letzterem zweck reiht er noch 
ein beispiel aus dem dritten buche der Acneis an. Wollte man 
üiirigens in den Worten ISisi enim . . . optasset keinen hinweis 
auf eine conjectur des l*robus erblicken, so würde man die Variante 
auyunum als product eines bloNseii gedarhtnissfehlers ansehen dür- 
fen, wie Ecl. 1, 60 uvijuure statt aelhere (Lectt. \ ergil. p. 311), 

p. 6, I. 6 Kcl. i), 11 Cumpuncff statt inridcin |» Ui. I. 1'.) Vi-ii. 

8, 277 immissa utatt innexa. 

P. 338 Z. 8 V. O. habe hu \rr<rr.s.si-ii, «Icn iiiiiiini ikhhs 

durch die stellen bei Silius lt. 6, 74. 1)8. 136 zu beglaubigen. 

P. 311) (zu Arn. 7, 751) habe ich die auctorität <tuinlilitiiiN 
ln«t. Drat. 1), 3, 31 üliergangen, welcher die form Anguitiar, und 
zwar, wie en Mcheint , allen bekannten handschriftlichen überliefe- 
riiiii'fii yiifi.lir» i.i.w»;,hiri \ luliiT si'j » s LiiiMii<> p, 387 üeuierkt 



352 Miscellen. 

werden, wie Quintilian den vers der Aeneide 1, 109 in einer 
weise tadle , dass man kaum g-lauben möchte , Verg^il habe einen 
so schlechten vers gemacht. 

Die erwähnung- Quintilians veranlasst mich , einige andre bei 
ihm vorkommende stellen anzugeben , die ich für die Lectiones 
Vergilianae zu benutzen verabsäumt habe. Hierher gehört der 
von Lachmann bestrittene gebrauch von despicere in der bedeutung 
von }<(x0^o(jär , p. 314. Quintilian 1. 6. Prooem. §. 4 „nullam ter- 
ras despicere providentiam." — Die von Madvig an der p. 363 
bezeichneten stelle angenommene möglichkeil, dass Cicero sich 
der form dixti bedient habe , wird Quintilians bestimmtem Zeug- 
nisse zufolge, 9, 3, 22, zur gewissheit. — P. 367. Dieselbe el- 
liptische kürze, wie in quoquo modo, findet 7, 2, 35 statt in den 
Worten „accusatoris est efficere, ut ad quid quid faciendum cau- 
sae valere videantur." Plutarch. Cat. mai. c. 27 „ro ttbq) nav 
jog ov d 7] 71 z £ Tifjdyjuarog ytäutjv anoqaiveaOai.^^ Der gleiche 
gebrauch von oöiigoiv bedarf nicht erst der anführung eines be- 
sondern beispiels. — P 393. Auch Quintilian hat einmal aut — aut 
^tatt partim partim, 3, 5, 1. 

Endlich habe ich p. 354 dreimal, z. 4, 7 u. 8 v. u., Caedi- 
cus statt Remulus geschrieben , ausserdem aber übersehen , dass 
schon Servius die worte Post mortem auf den Remulus bezieht, 
wiewohl er sie kurz vorher, vs. 360, unverkennbar auf nepoti be- 
zogen hat. 

Dresden. Philipp Wagner. 



26. Zu Horaz. 



I. Carm. I, 3. 1 : Sic te, diva potens Cypri 
habe ich oft erläutert, aber niemals mit ganz gutem gewissen, 
und, wie ich weiss, sind andere in gleichem fall. Offenbar ist 
sie nicht dtixzmäg gemeint, und lässt sich nicht, wie geschehen, 
mit ita in Sat. II, 2, 124 vergleichen, mit Ei venerata Ceres ila 
cuimo surgeret altof wo eine die mannshohe andeutende handbe- 
wegung dem verständniss zu hülfe kömmt. und will man es el- 
liptisch , durch sie ut cupio erklären — durch welche geberde 
Hesse sich denn der herzenswunsch andeuten? Darum beruhigt 
man sich, meines wissens allgemein, bei folgenden parallelen: Sat. 
II, 3, 300: 

Stoice, post damnum sie vendas omnia pluris: 

Qua rae stultitia . . . insanire putas? 
d. h. mein guter wünsch für dich ist an die bedingung geknüpft, 
dass du mir folgende frage beantwortest. Eben so Tibull. 1, 4, 1 : 

Sic umbrosa tibi coutingant tecta^ Priape^ 



Wiscellen. 353 

Ne cnpiti soles ne noceaiitque nives : 
Quae tua formosos cepit solertiai 
Oder mit nachslellung dieses bedingenden sie: Tibull. II, 6, 29: 
Parce ! per immatura tuae precor ora sororis : 
Sic bene sub tenera parva quiescat humo! 
Cnd etwas auffallender Tibull. II, 5, 121: 

Adnue! sie tibi sint intonsi Phoebe capilli, 
Sic tibi perpetuo sit tibi casta soror ! 
Denn g-anz wörtlich gfefasst enthält dieser wünsch eine arg^e dro- 
hung und eventuelle Verwünschung gegen Apollo, wenn er nicht 
willfahre; während doch der dichter nichts anderes sagen will 
als : SIC (oder si adnueris) luam raesartem Dianaeque castifnlem 
carmine relehraho. Kben so lässt Medea in Kur. Med. 714 auf 
ihre bitte o^xreiQOv folgen: 

nvToog (Qcog noi nqiq xftmv ttleacfOQog 
Y^vono nui^rov yavrng oXßiog &dpotg ! 
Allein mit allen diesen stellen hat jenes Sic le , dira potens Cy- 
pri trotz der äusseren ähnlichkeit doch keine Verwandtschaft. 
Denn nach analogie jener Wunschformen würde hier Horaz das 
schiff um Virgils richtige beförderung bitten und unter dieser 
bedingung ihm eine glückliche fahrt wünschen — also die mitiel 
zur glücklichen landung als belohnung der glücklichen landung. 
Ist das poetisch? oder auch nur vernünftig? 

Diesem bedenken and jenen zweifeln über die interpunction, 
die der aufsatz von Obbarius im Philologus XI , 4 p. 650 — 656 
verzeichnet, hilft eine leichte Verbesserung ab: 
Sic te diva potens Cypri , 

Sic fratres Helenae, lucida sidera, 
Ventorumque regat pater 

Obstrictis aliis praeter iapyga, 
Navis, quae tibi creditum 

Debes Virgilium, ut finibus Atticis 
Reddas incolumem, precor, 

Va sorves animae dimiilium meacl 
So erfleht Horaz mit sie die bedingungen einer glücklichen fahrt 
von den verschiedenen gotthciten, deren schütz der schiffer be- 
darf: von der Venu« marina (Od. III, 26, 5. IV, 11, 15) eine so 
ruhige $e€, von Castor und Pollux (Od. I, 12, 26) einen .so hei- 
teren hitnmel , von Aeolus einrn so günstigen fahnrind^ dnss das 
•rhiff »eine pflichl ertüllen könne. Hegreiflich bezieht sich nun 
precor auf regat, nicht auf reddas et serret , und enthält die 
ganze penode nicht crKt einen wunfch für: und dann eine biUe 
an da» Hchiff, sondern nur eine bitte an jene drei gottheiten, dem 
fchiff, dan er anredet, die lÖHung weiner aufgäbe möglich zu machen, 
(•ern möchte ich der texhhandrruug überhoben sein; allein 
da« couKCcutive «/, oynre int nicht so leicht zu ergänzen wie das 
finale ul, onmg ^ am wenluMtrn wenn ein präparutive« iir voran* 
••liiUUgw. xy. J«kg. 2 23 



354 Wisoellen. 

g-eht. Die ellsion in Virgilium ut an dieser stelle des Asclcpia- 
deus ist unbedenklich; vgl, I, 21, 14. III, 13, 5. 24, 2. 25, 3. 
30, 40. 

Ein übersetzungsversucb wäre folgender: 
Mag dich Cyperns beherrscherin. 

Mag als Hellas gestirn Helenas brüderpaar 
So dich leiten, und Aeolus 

Keinen anderen wind senden als west allein — 
Dich, schiff, das den Virgilius 

Trägt, als heilige schuld — dass du nach Attica 
Ihn hinbringen und mir in ihm 

Meines wesens und Ichs hälfte bewahren kannst ! 

II. Hör. Sat. IL 3, 152. 

üt vivas igitur vigila! hoc age! 
hab' ich noch jüngst bei herausgäbe der Satiren mit dem heindor* 
fischen commentar so wenig beanstandet als alle meine Vorgän- 
ger, und doch — ! 

Ein reicher geizhals liegt in soporösem zustand. Aus die- 
sem befreit ihn der arzt durch den lärm seiner ausgescbütteten 
geldsäcke, und warnt ihn, nachdem er erwacht, diese von den erben 
fortschleppen zu lassen. Der kranke protestirt auch sogleich hie- 
gegen, so lange er noch lebe: men vivo? worauf der arzt: Ut 
vivas igitur^ vigila: hoc age! Wozu, frage ich, diese aufforde- 
rung des arztes : vigila ! Denn im eigentlichen sinne gefasst ist 
sie völlig unnöthig, da ja der kranke bereits im wachen zustand 
ist. Und in tropischem sinn, in dem des vorangehenden custo- 
diSy würde sie besagen: „gieb auf dein geld acht, damit du leben 
kannst oder zu leben hast"! — eine ganz fremdartige motivirung 
des ärztlichen rathes. Nach meiner Überzeugung schrieb Horaz 

Men vivo? — üt vivas igitur, vigil hoc age! — Quid vis? 
„Nun du aus dem todesschlaf erwacht bist, musst du noch etwas 
„thun, um auch fortzuleben. — Wass soll ich thun? — Eine 
„stärkende arzenei zu dir nehmen". 

Erlangen. L. Döderlein. 



27. Caes. b. Gall. III, 12, 1 et Hom. Odyss. XII, 105. 

„Erant eiusmodi fere situs oppidorum , ut posita in extremis 
lingulis promunturiisque neque pedibus aditum haberent, cum ex 
alto se aestus incitavisset , quod bis accidit semper horarum XII 
spatio, neque navibus, quod rursus minuente aestu naves in vadis 
afflictarentur." 

„TQig (ih yccQ t' avitjaiv «V rjfiati, tq'k; d' avuQoißÖei 

dsivor. 



Miscellen. 355 

Veliementer audivi nonnullos esse mlratos , quod lectioni codi- 
cum Caes. de b. Gali. 111, 12, 1 „his'\ quam plerique editures 
certatim condemnandam iudicaverant, eg^o fere solus ausus sum 
patrociuari (Fhilol. Xlll, p. 306) eamque optime me posse expli* 
care spopondi. Quam coufidentiam ne quis vanam esse crederet, 
ex fasciculo adnotatiurium criticarum, quas ad Caesaris commeiita- 
rios iiabeo cunscriptas quasque propedicm spero me iu lucem esse 
daturum , eam particulam , in qua de hoc loco tractatur, iam nunc 
festinavi impriuiendam curare. 

111, 12, 1 „bis" Schneid, cf (v. Pbil. XIll, 2, p. 368); 
„[bis]" Nipperd. ; „iis" Kraner. — »Uis" ad Gallos spectat*' , ait 
Schneiderus, „qui Oceanum accolunt. Nam maris mediterraaei 
accolis nulla mag^nopere aestus incitatio accidit." Quod merito re- 
iecit Nipperdeius, quia in superioribus Galli ne commemorarentur 
quidem. At idem Nipperdeius: „Mihi", inquit, „omnium maxime 
versimile videtur, „bis" adiectum esse ab eo, qui hoc inciso non 
de accedente tantum aestu , sed etiam de minuente, qui statim 
commemoratur , dici existimaret." Hoc vero omnium mininie est 
verisimile. Sed esto: legamus, omisso vocabulo „bis": quod acci- 
dit semper horarum XII spatio. Quid igitur illud est quod acci- 
dit? nempe ut aestus se incitet. Itaque semper quidem horarum 
Xll spatio iam dicitur aestus se incitare, at non dicitur quando. 
Si certis quibusque ac statis temporibus exoriri maris aestum di- 
cere voluisset Caesar, dicendum ei erat: duodecima quaque hora 
(vel si vis tertia decima quaque hora) semper aestus se inci- 
tat; verum tu ubi dicis : semper horarum XII spatio aestus se 
iDcitat , illo quidem spatio semper fluctus cieri intelligimus , sed 
modo maturius, modo serius incitari eos possumus intellig'ere 
ac putare inter duas aestuum incitationcs modo novem tan- 
tum, modo quindecim horas praeterlabi. Certa vero esse ac fixa 
aestuum intcrvalla, quis negabit Romanis fuisse tradendum , qui 
sciat , propter minimos maris mcditerranei aestus eins rei plane 
ignaros illos fuisse. Sensit hoc incommodum, ni falior, Rranerus 
scribens: quod iis accidit semper horarum XII spatio, et interprc- 
taus „iis oppidis". Tum quod accidit non iam est aestus incita- 
tio; sed intelligcndum : oppidis semper \ll horarum spatio accidit, 
ut pedibus aditum non habeant. Quo quidem modo lila intelligi 
posse, ego facile concedo, etiamsi postremum quod praecedit ver- 
bun est „incitavissct"; etenim res quae agitur non tam est ae- 
stus incitatio, quam aditus (»|»pidorum. Tarnen Caesar ea dlcere nuiio 
mudo potuit. S|»atium cnim aut loci aut temporis est continultas. 
Nee vero per continuas duoderim vel duodenas horas quotidie oppldo- 
rum aditus aestu |iraerludebatur, sed bis quotidie sex horarum 
spatio: ncc quae spatio discretae erant horae, computatione qua* 
dam facta, Caesar eodem spatio coutinuarc potuit. Itaque vidcn* 
dum recteoe sint dicta quae onincN fere Codices exhibent. Quan- 
quam non ita, quemadmodum fecit Muur. Seyfl'ertus, arbiträr esse 

23* 



356 Mlscellrn. 

explicaiida. Is enim; „horarum XII spatiV*, ait, ^,nicht XXIV? 
Sinn verbinde bis accidit, semper liorarum XII spatio d. i. jedes- 
mal nach verlauf von zwölf stunden". Nam ita quidem ad „bis" 
necessario addi oportuit „quotidie". Quod Petr. Bertium induxit, 
ut scribendum putaret „bis XXIV horarum spatio", fuit, quod 
meminerat, horarum duodecim spatio semel esse aestum, semel de- 
cessum : id quod sane etiam pueris decautatum. At vero profecto 
aliud est 6S5<?, aliud fieri. Spatio XXIV horarum semel tantum 
est dies , at bis illucescit. Spatio sex mensium bis loca circa ae- 
quatorem sita directis radiis sol collustrat. Simili plane ratione 
etiam duodecim horarum spatio, quanquam singuli tantum aestus 
sunt, at bis aestus se incitat {die fluth fangt an zu steigen^; quem 
admodum in delineatione infra subiecta potest videri, in qua tem- 
pora, ubi se incitat aestus, hoc sig-no f indicavi. 



aestus \1 hör. 

Inferme --X 

tliamarig/- \ aestac deceZ. 7\ '■"^^" altitudo. 




Non potuit melius haec res dici quam est dicta ab Caesare, nee 
peius verba eius potuerunt intelligi quam factum ab interpretibus. 
Sic demum intelligitur , singulas aestus incitationes spatio duode- 
narum horarum inter sese esse separatas ac certas ei motui ma- 
ris constitutas esse vices. Quae quidem ratio loquendi eadem est 
ac si dicas : inter binas aestus incitationes spatium est duodecim 
horarum. Nee minus eam computationem ex more Romanorum 
esse existimo quam quum a. d. tertium Kai. eum diem dicunt, in- 
ter quem et Kalendas semper sing-uli tantum dies intercedunt. 
Ac praeterea caussa est, cur ita potissimum loqui Caesar voluerit. 
Etenim non tum demum, ubi aestuat mare, sed iam ab eo inde 
tempore, ubi accrescere incipit, regionum maritimarun^ accolae 
circa litora proficisci verentur. Miratur Schneiderus, cur de aestu 
loquens ad indicandam eius rei naturam voce „bis*' quam „semel" 
uti maluerit Caesar, „Quod omnibus XII horis" , ait, „semel ac- 
cidit, id nulla caussa est, cur XXIV bis accidere dicatur." Id si 
recte esset dictum, quadraret etiam in lectionem „bis XII hora- 
rum spatio." At voce „semel" ne uti quidem potest is, qui de 
terminis motus alicuius identidem iterati dicturus est, non magis 
quam uno puncto lineae longitudinem definire quis potest. 

Qua simul occasione utar, ut Homeri admirabilem ac mirifi- 
cam observandi solertiam et dxQi'ßeiar defendam contra Strabonis 
animadversiouem , si quid video , iniustam : quae quidem res non 



!>Iiscplleo. 



357 



mediocriter ad sanitärem Caesaris verborum comprobandain faciet 
Sic enini ille, secundum Krainerum I, 6 p. 9 Alm. : f;f«Tat 8g z/yp 
ai/Ttj^' (ptko7Z(ju/ui)avi'7]g nui zu ftfj aytOEiv za nfQi T«tf nXt]^^VQi- 
dag tov (oxsutov xu'i tag dfiTtooieig dxpooQuov wxsavoio Xs' 
yofJi Hai 

•tQig ixiv füi) z' dvirjOiv in' ijfiurt, TQ^g 8* dvaQOißÖBi. 
xai yccQ si fttj TQig, dXXd Öig^ rdxa rtjg iaiogiag TzuQUTTsaofJog, 
TJ rJjg ygaqitjg dujfiUQTr^fitvrjg' dlX' ij ys ngnaigeöig rotavTt]. Et 
iterum I, 16 p. 44 Alm.: nal ix imv tieqI ttjg Xanvßdetog Xsyo' 
nhmv ofioicop roig tov nogO^iAOv Tui&söi. zo ös 

TQig fxh ydg t* dvitjaipf 
dvTi jov dtg^ ygaq}ix6v ehai dfxdgttjfia jj iarogix'r (tixd^ot ng 
dv). Quae perperam reprchendit Strabo. Recte enim Uomerus 
sigfnificat, spatio quattuor et vig-inti liorarum (in' irjfjiaTi) ter mare 
incitari vel tres maris iiicitationes incipere vel denique, quod idem est, 
tertiam , spatio XXIV horarura post primam praeterlapso, accidere 
inritatioiiem ; itidemque spatio XXIV horarum (iion quidem eodcm 
illo spatio, sed alio quodam, cuiiis computatio ab alio temporis mo- 
mento atqiie illius iiieunda est) ter maris recessum incipere, si- 
quidem , XXIV horis post primum maris recessum praeterlapsis, 
tertius recessus initium capiat. Quam rem aeque ac sentcotiam 
Caesaris delinealionc putavi illustrandam , decessus initium Iioc 
signo ^ indicaturus. 

spatio WIV liorarum ter aestus incipit. 




alio spatio XXIV horarum ter rccessus incipit. 
De incipientc vero aestu (ac recessu) se loqui, ut Caesar aperte 
vocibus „incitat se aestus," ita Uomerus satis perspicuc vcrbo avt- 
ifai (et dfa^Qoißdth) prae se fert. *^(ir' nrx ev dniigiav uv 
tov xarayifmaxei o ^tgaß&it. Non ceperunt scilicet illam lo- 
quendi rationcm summnrum scriptorum , llomcri dico et Caesaris, 
mugistn ac ma^istflli omnes inde a Strabone usque ad Schneide- 
run, Nippcrdcium krancrumque. 

Brroi;..;. ff' •'. /'*-''/^'''- 

«ö. l liirr uir rrttßllH'nlf der aim .1. m .1«'^ i\n\u^ Inainiin 

Liriiiinnii- 
Da« jenen der annnlen , die den nainoii urs « .mis i.r.imu» 
Kirinianua tragen, mit denen K. A. Fr. Pcrtz die ^:rlehrtc weit 



35Ö Mlscellcn. 

zuerst erfreut hat, hat mir veranlassung- zu einig-en bemerkung^en 
g-egeben, welclie vielleicht die aufmerksam keit von andern lesern 
dieser annalen für einige augenblicke in auspruch zu nehmen ver- 
dienen, und die ich deshalb in der folge, wie sie mir vorkamen, 
niedergeschrieben habe. Die gegenstände jedoch , worüber sich 
die Schrift des Granius verbreitet, sind zu verschiedenartig als 
dass man auch nur daran denken könnte die Sachen unter einem 
gesichtspunkte zu vereinigen. 

P. 34. Der Vollständigkeit wegen hätte Pertz zum verzeich- 
niss ^er quellen, welche über . die dort beschriebene schlacht han- 
deln, noch Vell. II, 12, 2 und Oros. V, 16 hinzufügen können. 
Vellejus sagt: „Effusa, ut praediximus, immanis vis Germanarum 
gentium, quibus nomen Cimbris ac Teutonis erat, cum Caepionem 
Manliumque consules fudissent fugassentque in Gallis et exuissent 
exercitu , cet. , und scheint hiermit , wie Pertz will , anzudeuten, 
dass Caepio vor Manlius geschlagen ist, worin er dann mit Sali, 
lug. 11 ^q. und Tacit. Germ. 37 und namentlich mit Granius 
übereinstimmt. Orosius nennt den Manlius zuerst: ob daraus aber 
gefolgert werden kann , dass nach seiner meinung Manlius vor 
Caepio geschlagen ist (was Pertz aus den gleichartigen stellen 
des Livius (Epit. 67) und des Eutrop. (V, 1) schliesst), wage 
ich nicht zu entscheiden. Bei Fl orus (HI, 3, 4) steht dies, wie 
Pertz gezeigt hat, ganz gewiss. 

P. 35. Die darstellung der bekannten anekdote vom esel, 
der dem Marius in Minturnae entgegen kam, weicht einigermassen 
von der erzählung sowohl Plutarchs (Mar. 38) als des Vater. 
Maaimus (I, 5, 5) ab. Denn diese beiden schriftsteiler melden, dass 
Marius den esel zu gesiebte bekam, als er nach dem hause der 
Fannia geführt wurde , Granius hingegen , als er aus dem hause 
herausging. Während wiederum bei Plutarch des dem esel gebotenen 
futters keine erwähnung geschieht, bringt Granius den Vorfall in 
beziehung zu dem barbaren , der den Marius, tödten sollte , was 
die genannten quellen natürlich nicht thun. Soviel scheint wenig- 
stens hieraus zu erhellen , dass Granius seine anekdote und viel- 
leicht auch das übrige nicht aus jenen autoren oder aus ihren 
quellen geschöpft hat. 

P. 37. Angenommen, dass hier Crassus gelesen werden muss, 
wer ist dann dieser Crassus ? Wenn an einen der bisher bekann- 
ten Crassi gedacht werden mag, so muss es entweder P. Lici- 
nius Crassus Dives (Pauly IV, p. 1063, nr. 25), oder dessen 
söhn P. Lic. Crassus Dives (ibid. p. 1064, nr. 26) sein, welche 
beide im nämlichen jähre (667 u. c.) ermordet sind, oder endlich, 
was am wahrscheinlichsten ist, der nicht bei Pauly aufgenommene 
Crassus, einer von Sulla's generalen (App. Bell. Civ. J, 90). 

P. 40. Ist die stelle des Granius, wo von der zurückgäbe 
der gesandten Oppius und Mauius Aquilius die rede ist, zu rei- 
men mit App. Bell. Mithr. 112, wo erzählt wird, dass Mithridates 



Miscellen. 359 

dem Sulla Oppius mit andern ziirückg-ab (man weiss nicht wann), 
den Aquilius aber ttidten liess (s. auch ibid. 21)^ — VeH II, 18 
wird bloss der überg^abe des Aquillius an Mithridates gedacht. — 
Beiläufigf bemerke ich noch zu p. 41, not. 2 und 5, dass ich die 
Medi nicht bei Eutrop. (Ed. Haverciimp.) V, 7 gefunden habe und 
dass p. 42, not. 8 PluL Pomp. 12 muss gelesen werden. 

P. 43. Bei Pauly VI, ii, p. 2343, nr. 55 kommt ein C. Va- 
lerius Flaccus vor, der im laufe seiner amtsführung als praetor 
urbanus im jähre 656 u. c. oder vielleicht als proconsul gegen 
die keltiberier gesandt wurde und 20,000 feinde tödte. Ibid. p. 
2344, nr. 58 findet man einen anderen C. Valerius Flaccus , der 
im jähre 671 u. c. prätor oder proprätor in Gallien war und da- 
selbst zum imperator ausgerufen wurde. Ist es auch möglich, 
dass Granius die beiden personen mit unrecht für eine hält? 

P. 43. Die zwei brüder, welche Granius Lucius und Teren- 
tius Luculli fratres nennt, müssen wohl Lucius Licinius und 
Marcus Licinius Luculli heissen, s. Pauly IV, p. 1070 , J074. — 
Weiter lese man in der vierten und fünften note bei P. Plin. 
VIII statt VII. 

P. 43. Nicht unwahrscheinlich mag es sein, dass der prae- 
torius Carbo der nämliche ist, von dem Valer. Max. IX, 7, mil. 
3 schreibt: „Ille quoque exercitus nefarie violentus, qui C. Carbo* 
oem fratrem Carbonis ter consulis, propter bella civilia dissolutam 
disciplinam militarem praefractius et rigidius astringere conatum, 
privavit vita: satiusque duxit maximo scelere coinquinari quam 
parvos ac tetros mores mutare". 

Wie hoch muss man überhaupt den wcrth des Granius anschla- 
gen? diese frage thut sich jeder, der ihn gelesen hat, unwillkührlich. 
Theod. Mommscn hat sie bereits beantwortet im Vorworte der 
zweiten aufläge des zweiten bandcs seiner römischen geschichle, 
wo er sagt , dass diese fragmentc zu unserer lückenhaften künde 
der epoche von der schlacht bei Pydua bis auf den aufstand des 
Lepidus manche nicht unwichtige ergänzung, freilich auch manches 
neue räthsel hinzugefügt haben. In den noten dieses bandcs hat 
er dieses urtbeil weiter begründet. Zu dem neuen, was mau 
Granius zu verdanken hat, gehört, meine ich, vorzüglich das 
folgende: die bedingungen , unter welchen Sulla mit Mithridates 
frieden schlicsst , die bei keinem der von Pertz angezogenen au- 
toren so vollständig vorkommen (p. 40) ; die erwähnung des L. 
Valerius Flaccus als desjenigen, der Ostia einnahm (p. 36); der 
tod des Milonius in der schlacht beim Janiculus (p. 37, wo man 
in not. 5 statt Aftp. 1, 67 lese I, 68); die namen derjenigen, 
welche Metellus beschwören, er möchte seinem vatcrlnndc doch zu 
hülfe kommen p. 37); die fordcrungen der Samniter (p. 38) und 
was dort vom PompejuN erzählt wird; die zahl der mcuKchcn, 
welche an der pcst gestorben sind (p. 38); die namen des Mctel- 
lus und Crassus p. 39 , welche in den note 2 angezogenen quel- 



960 Miscellen. 

len nicht g-elescn werden : siehe weiteres bei Fertig praef. XXI. 
Erwägt man nun aber die chronologischen fehler, welche Granius, 
wie Pertz zeigt, sich zu schulden hat kommen lassen, den ab- 
rupten styl, die Vorliebe des Verfassers der annalen für märchen 
und wunder und endlich den Widerspruch, worin er mit namhaften 
Schriftstellern des alterthums, wie mit Plutarch (p. 40, not. 3), 
und vielleicht mit Sallustius (p. 42, 3), geräth, dann hat man 
einige mühe dem glänzenden Zeugnisse, das Pertz von Granius 
ablegt, beizustimmen. Denn das meiste, das die annalen enthal- 
ten, wussten wir zweifelsohne vor ihm. Und wie erzählt er das, 
was früher nicht bekannt war? So fragmentarisch und unstät, 
dass man oft nicht recht einsieht , was er eigentlich will , und 
Mommsen mit recht von räthseln sprechen kann. 

Die frage nach dem werthe des Granius, ^Is neue quelle für 
die geschichte, führt mich auf den namen des Schreibers und die 
Schriften, welchen er seinen stoft" entnommen haben soll. Was 
das erst« betrifft, so steht es meines bedünkens hiermit so, dass 
das, was der verehrte herausgeber praef. xii — xiv vermuthet, 
wohl wahr sein kann, allein keineswegs gewiss ist, obgleich man 
nicht leicht im stände ist etwas besseres zu liefern. In bezie- 
hung auf die quellen aber, woraus Granius nach der meinung 
Pertz's geschöpft hat, kann ich ihm noch weniger beitreten. Dass 
er die Annafes ßJaximi und die Fasti, ja überhaupt viele Schrift- 
steller benutzt habe, wie Pertz glaubt, lässt sich eben so leicht 
behaupten als leugnen, wenn man die art in betracht zieht, wie 
Granius diese schätzbaren quellen dann gebraucht und «ras er dar- 
aus gezogen hat. Vorausgesetzt, dass er in der that tnele quel- 
len zu seinen diensten hatte, so hat er doch wirklich die sachen 
ein wenig zu leicht abgethan und man hätte recht mehr details 
von ihm zu erwarten. Allein wie es sich hiemit auch verhalten 
möge, ich zweifle, ob man zur genüge darthun kann, dass dem 
Granius Polybius und Sulla's commentarien als quellen gedient 
haben. Zwar meint dies Pertz , indem er in ansehung des Poly- 
bius auf die folgende stelle fusst: 



Verum Antiochi Epiphanis regnum 
senatus filio Antiochi, Antiocho 
puero, adtribuit, qui paulo post 
jE't';r«ro3(>appellatus est. id Deme- 
trio, Seleuci filio, qui datus obses 
a patre erat, petenti iungebat 
(immo vero non iungebat, Pert ss.), 
cum ille se et puerum Romam 
venisse et aetate maiorem esse 
ad annos XXIIII praedicaret : pa- 
triam sibi etiam Romam esse, se- 
natum parentem; et cum haberet 
rais . . . (p. 31). 



/Jia&sfisvov 8i xal nXsiorag Xn- 
yovg aviov (seil, tov /j7]fÄriTQiov) 

TtQOg t^V 7TQOS(Qf]fi8V1]V VTZOxfeülV, 

yiu fidXtara ngogögafiotzog iv 
TM Xiyeiv Sioii avfißaivei xal 
TTKTQida xal TQoq}6v Tijv ' Poo- 
U1JV VTiuQX^iv avT^), nal jovg 
fÄSV vlovg tÖjv ix rov avvsdoinv 
anavTag aösXqiööv exsif didO^eaiv 
tovg 8s ßovXevTccg TzaTSQOJv 8id 
ro TtaQayEvia&ai ftsv h'ri vTiniog, 
Tots 88 xatd ijXixiav vTTUQiFtr 
irmv iinoai na) tQimv x.t. X. 
(Polyb. XXXI, 12). 



Wiscellen. 361 

Wie aber die Übereinstimmung hier in einem einzelnen zuge be- 
steht, so sieht man dies auch anderswo. Vergleiche z. b. P. 45 
mit Polyb, XXXI, 4: 

(Antiochus IV) commissabundusiKcei r/y^ avfxqxaviag TxgoxaXovfxi- 

venire, ad symphoniam nudus sal- vt/^^ ura7jr^8ijaa<; (üqxsito xat vtxb- 

tare. per balneas publice ungi, baI-,x^(Vcro fisiä töjv 'yeXcüTOTtoimvy 

ueas petere vel perfusus ungueüto. ^ waTe ndvzaii aiaxvvonsvnvgcf^evysiPi 

und mit Diodor. XXXI, 16: ßera ravia rJjg (rvuqxoviai; ttqo- 

xaXovfitfrji; aven/jöa yv^rog, aat joig fiifioig ngoanuiXojp (oq- 

j^etTo iÖjv OQ'p'iöBoav tag y^'XcoTu xiti ifX&vaaixhr eiw&viag int- 

anäa&ai^ cag ndttag aia^vr&srTag etzi tolg TTQUtTOfjit'roig cpev- 

yetv «X roll nnrov x. r. X, 

so wie mit Polyb. XXVI, 10: 

iXovfzn 8g xdv toig 8r]fioaioig ßaXavsiotg ^ ote dtjfjtozcüv jjf 
TU ßaXareta nBnXr]QCo^bvai yeoafiiojv eiaqiSQOfihmv uvtm ftvgojv 
rmv TtoXvreXEaraicor. 
Bedenkt man nun , dass in diesen stellen zwischen dem Granius 
und dem Polybius nur einige gleichheit besteht, so sieht man, dass 
es ebenso gut erlaubt ist, kraft der von Pertz aus Diodor ange- 
führten stelle, zu behaupten, dass Granius aus diesem seinen stoff 
entnommen habe. Wie aber nicht leicht jemand, auf einen so 
schwachen grund gestützt, diese these würde vertheidigen wollen, 
eben so wenig kann man es in rücksicht auf Polybius zugeben, 
zumal da eine andere stelle dieses autor wider den Granius strei- 
tet , nämlich : 

P. 46 (Antiochus IV) simulabatj Polyb. XXXI, 11: 
Hierapoli Dianam ducere uxorem. hutu tijv 2\>()iuv '4vtinxoi u ßa- 

iiiX.Evg f ßovXöfiFtng si':TOQ7j(7ni 

XQi/fioiTmVt 7T()f>t\yero otquieieip 

ini To rJjg '/fgif^idog isQor tig 

rr]r 'EXvfiatdn. TIitguytvo^iE' 

vng 8' in] tovg tonovg, xui diu- 

xpEva&Etg TTjg iXnidog diu to ftlj 

(yvyxoQBip 7jj nuQnvofiinTOvg ßnQ- 

ßuQOvg tovg oiHOvrrag nun rovg 

Torrnvg x.r.A. 

Aus dieser stelle erhellt ausserdem , dass Pertz mit unrecht 

schreibt Cp. 46, not. 2): „secundum Polyb. 1. I. rex templum Dia- 

nae in Klymnide spoliaverat'\ obgleich App. Syr. cap. 66. wir 

Pertz auch anführt , dies versiclM'rt. 

In betreff der commcntarien des Sulla drückt Pertz sich 
Praef. \\ also aus: .,/- (^orn. SuUae doind«; rommvNtnriis in belli 
IHithridatiri poti.s.Himum enarratione usum fuisse , i<i quod per sc 
ipsum probabilc e^t, Plutarchi Sulla ostcndit ; cum hoc eiiim libro, 
ex ipsis Sullae commentariis conNcripto, Annales nostri non semcl 
maxime conncntiunt". Die schwierige fragt-, ob SulWr» denk Wür- 
digkeiten in der that entweder die einzige, oder doch die haupt- 



St62 l^iscellcn. 

quelle Plutarclis im leben Sulla's e^eweseii sind, lasse ich auf sich 
beruhen , aber jedenfalls weicht Granius eben in der erzählung" 
des mithridatischen krieg-es mehr als einmal von Plutarch ab. Die 
Zusammenkunft des Mithridates und Sulla zu Dardanum haben sie 
beide; allein schon Pertz selbst hat p. 41, note 3 nachg-ewiesen, 
dass, während Plutarch Sulla zu Delium eine Unterredung mit 
Archelaus halten lässt, Granius Aulis als den ort der conferenz 
nennt. Betrachtet man weiter, dass Plutarch viel ausführlicher 
schreibt als Granius, so ist man erstaunt zu sehen, dass bei die- 
sem (p. 40) die zahl der gefangenen vorkommt, welche die Rö- 
mer in der schlacht bei Orchomenus gemacht haben , obgleich sie 
bei Plutarch (cap. 21) fehlt. So wird man auch umsonst in Plu- 
tarch die notiz suchen, welche Granius p. 41 giebt: „Ephesi cau- 
sis cognitis principes belli securibus necat (Sulla) , civitates pecu- 
nia multat, oppida impacata redigit in suam potestatem". — Ob 
es endlich erwiesen werden könne, dass Granius die übrigen quel- 
len, welche Pertz ihm zuschreibt, z. b. Sisenna, Varro, u. s. w. 
gebraucht habe, mit anderen Worten ob es gewiss sei, dass Gra- 
nius ein eigentlicher scriptor verum, nicht ein epitomator ist , dies 
bezweifle ich noch sehr, zumal ich nicht annehmen kann, dass er 
aus Polybius und Sulla's commentarii geschöpft habe. 

Groningen (in den Niederlanden) J. A. Wynne. 



C. UebersetzuDg^sproben. 

29. Chor der mysten in Aristoph. Ran. 324. 
(S. Philol. XII, p. 382 ügg,) 

preiswürd'ger lakchos, der im thal-busen du hier weilst, 

o festgott lakchos, 

komm zum reigengesang her in die flur, komm 

in den fromm schwärmenden lustchor 

mit dem kränz, der früchteschwer dir 

um die schlafe schwillt und rorschwankt, 

mit dem mjrtenkranz und kühn 

stampfe den takt uns 

zur begeistern ng zwangfrei 

sich bewegender kurzweil, 

die in scherz lieblichen reiz mischet, im schütz göttlicher huld 

des Vereins jünger beflügelt! 

Lass OM/flammen die pracht, hoch in der band schwinge die fackel, 

o festgott lakchos! 

Leuchte , nächtlicher weih'n strahlender lichtstem ! 

Von dem schein glüht das gefild schon, 



Miscellpn. 363 

und der greise fuss beschwingt sich, 

und sie schütteln jedes leid ab, 

die belastung ab der lang-- 

jährigen zeit, jung 

in der wonne der feier! 

Mit der fackel voran denn 

in die lust-au, wo der lenz blüht, wo der quell rauscht, wo der chor 

sich ergötzt, seliger, führ' uns! 

Still sein voll scheu, voll demuth muss fern bleiben von unseren 

chören, 
Wem dies zu verstehen es an bildung gebricht, wer nicht rein 

ist von gesinnung. 
Wer heilige weih'n echt musischer kunst weder sah, noch im chor 

sie begeh'n half 
Oder wen Cratin's urbegeisterung nicht mit bacchantischem feuer 

getauft hat: 
Wen possen erfreu'n von g-emeiuer natur, die zur unzeit hören 

sich lassen: 
Wer Spaltung im volk nicht zu heilen hegehrt, noch gelind mit- 

bürgeru die band reicht. 
Sondern mehr aufstört und die flamme noch schürt für sich in 

schnöder gewinnsucht 
Oder während der Staat schon schwanket im stürm, sein amt der 

bestechung dahingiebt: 
Wer bürgen verräth, oder schiffe dem feind oder wer verbotenes 

ausführt 
Von Aegina hinweg und Thorykion heisst, der g-efäll - einnehmer 

zum Jammer, 
Der Segeltuch , thcer und rudergebind durchschmuggelt nach Epi- 

dauros : 
Oder wer jemanden zu geldvorschuss an die feindliche flotte be- 
redet, 
Oder wer da im gässchcn am H^katebild dithyrambenpoetisch aa 

macht 
Oder wer spielsold , der dichtkunst lohn , seines Zeichens ein red- 

ner, beknaspert, 
Weil er ward parodirt in dem hciligthum hier nach altberkömm- 

lirhem festbraiicli : 
s.,.',\ -lo.w.n ..ocr.rr» inid \vi«Ml«'r t^csairt und gesagt zum dritten- 
mal wieder: 
l^crn übziihlch n von dem mystischen chor! Doch ihr weckt wei- 
ften der tanzhist, 
Nachtfeier weckt, wie irir sie bcgcirn und wie hier sie dem feste 

geziemet. 
Zieht nliMnmrnt nun recht hcr/haft 
Zur duftreich blühenden thalflur, 



ßO^ Miscellen. 

Stampft wiesgrund's pfrüu allda. 
Scherzt kühn allda, 
Treibt kurzweil nur, treibt muthwill; 
^ Vor-inibiss war ja sattsam da!! 

Vorwärts nunmehr, dass warm ihr 

Die Schutzgottheit, die Jungfrau 

Mit festzugslied hoch preis't, 

Die dass dies land 

Noch heil soll sein uns zusagt, 

Und wenn auch nein Thorykion sagt! 

Und es wende sich nun der Verehrung erguss, die saatfrucht - kö- 

nigin hebt euch 
Die erhabene frau zu begrüssen heran mit erneut auflohendem lobsang. 
Demeter, heilsamreiner weih'n 
Gebiet'rin, steh' den deinen bei. 
Beschütze den dir eignen clior! 
Frei von gefahr den tag hinaus 
Lass tanz und spiel mich feiern, 
Vorbringen mich im scherze bald, 
Im ernste bald gar mancherlei, 
und blieb ich würdig deines tags 
Im spiel, im spass, im spott: im sieg 
Lass dann mein haupt bekränzt sein ! 
Wohlan chor. 
Ruf auch der Jugend schönen gott, mit melodie beschwörend. 
Den mitgenossen jetzt herbei dieses reigentanzes. 

lakchos, gebenedeiter, unseres festliedes 
Eingeber du, wallfahre mit im triumphzug 

Zur gÖttin hin, dass jeder sieht, 
Wie ohne müh' du langen weg vollendest: 
lakchos, komödiantenfreund, begleite mich! 

Du selber schlitztest mir ja, dass er possierlich 

Und glimpflich ausseh', diesen rockschlaflittig 

Und diesen klappschuh, dir gelang's, 

Dass ungebüsst wir lust'ge reigen tanzen ! 

lakchos, komödiantenfreund begleite mich! 

Fürwahr zur seite blinselnd sah ich eben 

Von einem dirnlein, einer allerliebsten 

Mittänzerin, verstohlen durch's 

Zerrissene leibrÖcklein ein brüstchen blicken : 

lakchos, komödiantenfreund, begleite mich ! 

Ei, spotten wir zusammen 

Auf Archedemos, welcher 
Im siebten jähr noch keine bürger-pathen fand; 

Doch spielt er jetzt den Staatsmann 



Miscellen. 36- 

Bei jenen ohern todten 
und ist die kröne dortisfer Brniseligkeit. 

Vom Kieistlieniden liör' ich, 
Wie hart er auf dem friedhof 

Sich zaust am hintern und zerkrazt das backenpaar; 
Er schluchzt, in sich versunken, 
und wimmert aus der maassen 
um Stenzel, seinen freund aus Oberbeng-elheim. 
Und Kallias, erzählt man, 
Der söhn des Hipponichtsnutz, 
Im lüwenfell stürmt ein auf einen Unterrock. 
Dionysos 
Ihr könnt vielleicht uns kundthun, 
Wo hier des Pluton haus ist, 
Denn fremde sind wir, nur so eben ang-elang-t. 
Chor. 
Da wandre du nicht weit mehr 
und frage mich nicht noch einmal, 
Grad' an der thüre, wisse, bist du angelang-t. 
Dionysoü. 
Pack' wieder auf, mein bursche ! 

Xanthias. 
Das ist das lied: y^so so, so 
und immer so," aufs ranzenschleppen ang-ewandt! 
Chor. 
Fort walle 
Der göttin heiliges rund entlang, fort durch blumengelände, 
Vergnügte festgenossenschaft göttergeliebten frohsinns. 
Und hier den magdlein, hier den frau'n will bei ihrer göttin 
Nachtfeier ich begleiter sein mit der geweihten fackcl. 

Lustwandeln wir in's rosenfeld, 
In's reich umbiühte queihhal, 
Nach unserem (on bewegt, 
Dem seelenenlzückungs • ton 
Im reigen, zu dem die schicksalsgöttinnen winken. 
Denn uns allein lacht sonnenguld 
Und lichterheiterung uns, die 
Theiihuber der weihen sind 
Und bieder uns aufgeführt 
Im weiten verkehr der weif und bieder im hause ! 



<<hor III .\ri.st. iiaii. \\\\ s(| 
(S. IMiilül. XII, p. 592). 

Bald ■chwillt grimmig der hüten de« donoereri unter dco dichtem, 
Wenn er den keifeodcn •chwützcr sich flink nicht reiben die xähne 



3g(| Miscelleii. 

Seinen rival, ja von innen empört, wie im wabnsion 

Rollt er dann sein augenpaar. 

Hier gfiebts ritterbelielmten erg-uss martialischer Sprüche : 

Dort ein gestöber von hobelgcespähn und schnitzeln der feile, 

Womit der andre sich wehrt vor des meistergebor'nen 

Pferdestolzem redetritt. 

Der sträubt über den nacken herauf die natürliche mahne, 

Drückt um die äugen die brauen hervor , brüllt stürm und ent* 

schleudert 

Worte wie balken verklobt, die er wändeweis losreisst, 

Ein Gigant an odemwucht. 

Mundfix macht, dictionen zu kitzeln geschickt, die gerieb'ne 

Zunge darüber sich her, in gebissverschiebungen schneidet 

Worte mit Worten sie klein und zersubtilisirt ihm 

All den brass der lungenmüh'. 

Weimar. A. Scholl. 



D. Auszüjje aus Schriften und berichten der g^elehr- 
ten g-esellschaften so wie aus Zeitschriften. 

Akademie zu Berlin. Monatsbericht, august 1859, p. 562: be- 
richtet Pertz über den jetzigen zustand der handschrift des Gra- 
nius Licinianus und nach ihm befinden sich die blätter ungefähr 
in demselben zustande, in welchem sie 1855 waren, so dass also 
die über den Übeln zustand der blätter verbreiteten gerüchte lee- 
res gerede sind. — P. 564; W. Grimm las über eine thierfabel 
bei Babrios (ohne auszug). — P. 627 : G. Parthey, die erdansicht 
des geographen von Ravenna: diese wird genauer erörtert, mit der 
hei Kosmas verglichen und schliesslich über das schlechte latein des 

Ravennaten geklagt. September, Octob., p. 659: ein brief des 

Ch. Newton, bisherigen britischen viceconsuls zu Lesbos, durch den 
mehre altgriechische inschriften aus Milet bekannt werden : sie 
sind statuarischen werken aus der berühmten reihe sitzender göt- 
terbilder entnommen, welche auf der heiligen Strasse der ßranchi- 
den standen: v. Corp. Inscr. Gr. nnd 39, 2861. Sie werden dann 
in facsimiles mitgethedlt u. begleitet mit noten von Meineke: wir 
theilen sie hier in gewöhnlicher schrift mit, die ergänzungen sind 
von Newton, die noten von Meineke: 

1, rä dyd).fj.aia zdöe dvedeoav ol [IIv?)' 

({> ?) covog ^) 77ui8e>;'i laaQiBXo'i {0)aXi'jg 

Hat Uaaixlrjg nal 'HyijaardQog xul. 

öto<f'^) xai '/ävaßXtag'i dexdjijv jqt 'A- 

TToXlcon 

1) wahrscheinlich ol "Oqüwvo^-: über diesen namen siehe 
zu Theokr. p. 403. 

2) vielmehr xal " Aaiog. 

2. oi 'Ata^ifiävÖQO nutdeg tof^. 'AtÖQOfAUxioi ?) ^) 



miscelleu. 3^7 

(cipy&taav, iTioCtjas de TegiptxXTJi;, 

1) vielmebr tov Marbgo^äiov [fc/xo'»«]. Mcird^n^ mit sei- 
nen zusauimeusetzungeu ist ein gunz gewöhnlicher name 
in Vorder-Asien. Matd{)(.fxa^o<i ist neu. 

3. Xd()tj.i iifii Kltaioi Ttixioai^^j *) u(}x6i. 
äyaXfiu zu 2) ' yänoXXm^o^ 

1) vielmehr KX^aioi»' Teixiovatj^' (Teixiovaatje], — Ein 
platz in Müet Thucyd. Vlll, 26. 

2) tov, 

4. *E[n!)di]n6g fii Efzouv *) 

1) vielmehr 'ExtSfiog fia inoitt, 

5. AVx// rXuvxov. 

Sechsundztcanzigster Jahresbericht des histor. Vereins in mittel- 
franken. 1858. Ansbach. — P. 20 ff. Verzeichnisse derjenigen orte 
des kreises Mittelfranken, an welchen zur kenntlichmachuug der 
Überreste aus der zeit der römerherrschaft gedenktafeln aufzustellen 
sein dürften. — S. 43 ff. luveutarium über antiquitäten , münzen 
etc. welche herr J. G. P/ister aus London dem historischen verein von 
Mittelfranken zu Ansbach im jähre 1857 übergeben hat. Besonders 
interessant ist darunter ein mit einer etruskischen inschrift versehener 
spindelstein, dessen genaue abbildung in holzschnitt beigefügt ist. 

Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen : nachrichten, nr. 20: 
Sauppe, über inhalt und bedeutung der mysterieninschrift aus An- 
dania, „von deren inhalt später weitere nachricht gegeben werden 
wird." [S. IMiilol. XIV, p. 404]. 

Archäüluyische zettung (denkmäler, forschungen und berichte) 
von Ed. Gerhard^ 1859, juli bis septemb., nr. 127: I. K. Friede- 
richs, Uarmodios und Aristogeiton , eine gruppe des Kritias, p. 
65: Statuen in Neapel werden auf diese Athener gedeutet: eine 
an ort und stelle gemachte Untersuchung derselben ist nach einer 
nachschrift von Kd. Gerhard nur günstig für Friederichs ansieht 
ausgefallen. — 11. Drei griechische königsmünzen, von v. r/w/fesc/*- 
Os/c«, p. 72: die eine wird auf hamniskiros^ könig im west- 
lichen Üaktriana, der unter Antiochos Vlll gesetzt wird; die 
zweite auf iMilon, Satrapen Medien's unter Antiochos 111, die dritte 
auf DemetrioM 11 bezogen, dem Mithridates VI Hyrkanien anwies. 
— 111. Zur griechischen kunstgeschichte: L. Starke die sitzende 
Vesta des Skopa«, p.73: es wird an Plin. N. II. AWVl, 4, 25 
ongeknüpft und das<ll)st lampteras statt der vulg. catnpteras aus- 
führlirh gerechtfertigt. — N. 128, 121): I. CA. Matthiessen, Tro- 
paum der gottin Roma, p. 81 : erklärung eines relieffragmentes in 
der Berliner Sammlung. — II. Zur Ikonographie: /.. Starke 
Aristophancs oder Kratinos, p. 87: eine doppelbüste, welche Wel- 
ckcr auf Aristophanes und Menunder gedeutet, wird auf Kratinos 
und Mennnder bcz«»gen. — III. Allerlei. 80. L. Stark, Zeus 
AkrnioN, nicht Zeu» AktaioH auf dem Pelion, p. 89: mit bezug 
auf IMiiloi. L\ , p. 151 wird bei Dicucarcb üp. Miifll. lli^t. (ir. 



368 MIkccIIph. 

Frr. II , p. 262 nxgaing als richtig'e lesart nachg-ewlesen. — 31. 
L. Stark y zur Partlienos des Phidias , p. 92: die heliandlung der 
rechten seite wird besprochen und aus Dion. Chrys. Or. XII, p. 
214 Dind. nachzuweisen versucht, dass die eule auf einem fels- 
stück frei stehend da hefindlich war. — 32. A. Michaelis^ zum raub 
des palladium, p. 93: auf das diesen raub darstellende relief des 
palastes Spada bezüg-lich. — 33. A. Michaelis, Bona Dea und 
Marsyas, p. 95: auf nr. 121 bezüg-lich; s. Philol. XIV p. 463. — 
Archäologischer anzeiger , 1859, juli bis September, nr. 127, 
128, 129. I. Wissenschaftliche vereine, p. 97, bericht aus Berlin. 
— II. Griechische vasenbilder; 1, Campana's vasensammlung 
(wird fortgesetzt), p. 99. — 2. Thongefässe zu Neapel (troja- 
nische und dodonische sagen), p. 110. — 111. Griechische in- 
schrift aus Phigalia, p. 111, aus der Zeitschrift o CfiXonatQn; vom 
Isten juli 1859 mitgetheilt: betrifft ein vor 220 n. Ch. geschlos- 
senes bündniss der Messenier und Phigaleer mit einschluss der 
Aetoler (vgl. Poyb. IV, 3. 5. 34): Blastos ist der finder. [Auf 
die Wichtigkeit der inschrift weis't auch E. Curtius in d. Gott. 
Gel. anz. 1859, st. 204, p. 2029 sq. hin]. Die inschrift selbst 
lautet : 

TTQsaßsvTai yai diaXv- 

Tai y^tToojXfjü»' Tifiaiog, KXsönaTQo- 

g ]jU« 70 nagd iwv j4ix(oXmv dn- 

• . . . disXFyovTO ofiota raig ivj~ 

5 d^^iöjvteg dtaXvO^tjfisv ttoti 7w- 

g . . . . TT^agävTsg de aa) tkv s (l^iaXsiag 

0aov>iidag , 'OvofAavdgog, ' ^fxqina- 

Xog . . .]Sag y 'Ogi^oXatdag , KgaTaifievtjg , Ti- 

/J]afidgETog rd avrd d^imv , edo^s tal 

10 noXi rmv M.a]66av[(ov , rjfisr Toig Msaaavioig xa- 

l toig (Vici\X80ig löonoXitsiav xal tmyaiila- 

v noT dXX'\dXcogy 7iQu]6aa&ai 8s na) avfxßoXov x- 

drq)orsgaig raig Tzoltoig, Tal 8s x~ 

. cogav nag7i]l^ea&ai saatigmg tcog ts Msa<5avi(0' 
15 (T x«J iGig <Di]aXmg ya&ag x«I vvv :<ag7zi^6fu&a. 
d 8i na 8ixat]a ü[xoXoYrJ6cofisr not aXXaXcog, ofin- 
aai dfxq)ots'gco^g x«) ardXag xarad^sö&ai iv rotg 
isgoi^g nrrai x]a öoxet dtciorFgatg raig noXso- 
ig' OTTOjg 8s 7TaQa](iiv(om ot (DiaXssg iv rat qiiX- 
20 iai not) rojg JMta^Gavi'cog x«/ ^/Voa^coi,' , dnvgoas- 

la , sSo^s 8s aal tolg (IiiaXt\^o~ 

ig noislv xa&' d o]t Msöodfioi e\paqii^avT'\o. ogn- 
og Mtaaavicov 6fz]vvo3 Jta 'Idco^drav, "Hgla- 

or xal x^scog 0()x[/a)tf (.) Tidvrag 

25 ri pidv naga^svtiv] sv rat qiiXia^i 

q}i]aXsag 

f^« 



Miscellen. 369 

AUgem. Augsb. zig. 1859, nr. 325, beilage: über Cpt. Bur- 
tons undSpekes entdeckung der angeblichen nilquelleni man sucht 
sie in zwei g^rösseren seen im inneren von Afrika, im Tang-a- 
nyika-see und im see von Ukerewe, Sicherheit bat man aber noch 
nicht ; der erstere ist eingfeschlossen zwischen den hörnern eines 
mondtörmig gestalteten hohen g-ehirg-szug-s, welchen Burton tlir das 
mondgehirge hält, wo nach Claudius Ptolemäns die nilquellen zu 
suchen wären. „In neuerer zeit hat man g'elernt, das afrikani- 
sche wissen der alten Alexandriner nicht mehr zu verschmähen ; 
denn die alten hahen weit ins innere reichende künde besessen, 
wie der name mondg-ehirg-e klar bezeug-t : denn das hochland zwi- 
schen der kjiiste und dem Tanganyikn heisst Uniamuazi oder das 
mondland, die bewohner jiber Waniamuezi oder die mondleute.*' — 
Nr. 325 : bei Rheinzabern sind neuerding's römische antiken g'e- 
funden, ung-ewöhnlich grosse amphoren , freilich meist zerbrochen, 
schöne anticag-lien, geschnittene steine, ein sg. sphinxritter u. s. w. 
— Nr. 340 i^^a;"> beilage: bericht über F. Gregorovius, ge- 
schickte der Stadt Hom im mittelalter , vom fünften bis zum sechs- 
zehuten Jahrhundert, 2 hde. 8. Stutig. 1589: sehr lobende und ein- 
gehende anzeige: auf Boethius, Symmachus wird näher einge- 
gangen. — 

Ausland, 1859, nr. 18: Griechische bilder , Thessalien: es 
wird der jetzige zustand beschrieben , dabei genauer das Tempe- 
thai. — Nr. 21: Reiseskizzen aus Epirus: nimmt nur auf den 
jetzigen zustand rücksicht. — Die neue expedition nach den 
nilquellen: vorläufiger bericht über das unterneJimen des Venetia- 
ner Miani. — 

Deutiches museum , herausgeg. v. R. Prutz, 1859, nr. 30: 
Montecassino, das älteste kloster des abendlandes, I : die beiden äl- 
teren werke über die geschichte des klosters, die von Krasmus 
Gattola (gest. 1734) und von I... Tosta (1842) werden charakte- 
risirt und dann die äussere geschichte gegeben, dabei auf Bene- 
dict rücksicht genommen, auch auf den (p. 146) im XI jalirh. 
i»e8onder8 hervortretenden eifer für wissenschaftliche und classi- 
sche Studien. — Nr. 31: Montecassino, II: überblick über die 
genchichte des klosters vom vierzehnten Jahrhundert an: wie 
schrecklich 1799 u. ft*. die Franzosen dasellist gehaust, z. b. mit 
dem perganieiit aller bandschriften die Wachtfeuer genährt haben, 
wird des nähern beschrieben. 

Deutsche Vierteljahrs ■ schrift ^ 1859, hft W, p. 150: zur unter- 
richlsfrage der gegentrart: gehört zwar streng genommen nicht 
hierher, es wird aber viel von und gegen philologie gesprochen, 
auch p. 20'2 die im ganzen richtige bemerkuiig gemacht, dass 
„die philologie keincNuegN in demselben maasse . in welchem sie 
bIm wiNMenMchaft furlgiNchritten ist, gelernt habe sich in frucht« 
bringende und lebendig mcuschlichc bexiehung zur gegenwurt su 
riiiioUg*«. XV. j.krg. %. 24 



370 Miscellen. 

setzen": dass aber der Verfasser trotz seiner höhe von der phi- 
lologie niclit viel verstehe, verräth er p. 151, wo er meint, dass 
die alterthuuiswissenschaft in nicht sehr ferner zeit sclion den hÖ- 
hepunkt erreiclien niög^e , über den sie in der liauptsache nicht 
mehr werde hinauskommen können": wie männer, die die philolo- 
g-ie etwas naher kennen, in dieser hinsieht denken, kann der Ver- 
fasser aus üöckh's reden bd. II, p. 189 sqq. ersehen. 

Göttingische gelehrte anzeigen^ 1859, st. 160: W. Bessell^ 
über Pylheas von MassUien und dessen einfluss auf die kenntniss der 
alten vom norden Buropas, insbesondre Deutschlands. 8. tlötting. 
1858: selbstanzeige. — St. 165, 166: Tragicorum Graecorum 
fragmenla recensuil A. IS'auck. 8. Lips. 1856, und desselben de 
tragicorum Graecorum fragmentls obsercaliones crilicae. 4. Berol. 
1855: anzeigte von E. v. Leutsch: nach allgemeinen betrachtung-en 
über unsre fragmentsammlung-en werden Nauck's arbeiten genauer 
charakterisirt und sie als sehr bedeutende hervorgehoben : dann 
in's einzelne eing-ehend wird auf die unvollständig-keit des kriti- 
schen apparats aufmerksam g-emacht und an Sopli. fr. 843 und 
845 N. gezeig-t, wie dadurch manches frag-ment nicht so wie es 
möglich gewesen berichtig-t worden sei: dasselbe wird an Diogen. 
fr. 2, p. 6:'8, das dem Menander (Sent. monost. 240) gehört, und an 
einem damit in Verbindung- stehenden epigramm des Gregorios von 
Nazianz (Opp. T. 11, p. 156 ßill.) nachgewiesen. Es wird fer- 
ner bemerkt, dass beziehung-en auf die fragmente, nachahmungen 
derselben im alterthum noch nicht vollständig- nachgewiesen , dass 
sich oft auch noch g-enauer und sicherer der inhalt der g-anzen stücke 
hätte nachweisen lassen , dass ferner gar zu sehr die ansichten 
der neueren vernachlässig-t seien : es wird das zu erhärten g-e- 
sucht durch die uns erhaltenen fragmente aus dem Glaukos flnt- 
r/ow und Florrttvi: des Aeschylos und dabei die behauptung aus- 
g-esprochen, dass die in neuerer zeit so hartnäckig vertheidigte 
ansieht, im riaiy.o>: Flninos sei die schlacht bei Himera gefeiert ge- 
wesen, als auf nichts g-eg-ründet zu verwerfen sei. Schliesslich wird 
getadelt, dass Nauck ohne erhebliche g-ründe oft verse, deren Ver- 
fasser uns nicht überliefert, bestimmten Verfassern zuschreibe und 
mit dem wünsch geschlossen, dass der verf. sich auf